Dax beendet Erholung und startet im Minus

Frankfurt (Reuters) – Der Dax hat am Mittwoch eine Verschnaufpause eingelegt und ist etwas niedriger in den Handel gestartet.

Der Leitindex lag am Morgen 0,4 Prozent im Minus bei 12.622 Punkten, nachdem er am Dienstag noch knapp vier Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx50 verlor 0,6 Prozent auf 3464,6 Punkte. Im SDax stachen die Aktien von Shop Apotheke mit einem Plus von rund fünf Prozent heraus. Der Online-Pharmahändler hatte für das dritte Quartal ein deutliches Umsatzplus gemeldet.

Ihre Aufmerksamkeit richten die Anleger im Laufe des Tages auf die Beratungen des Exportkartells Opec und seiner Verbündeten über Förderkürzungen. Auf dem Treffen in Wien wollen sie Insidern zufolge eine Reduzierung ihrer Förderquoten um mehr als eine Millionen Barrel pro Tag (bpd) beschließen. Ein Insider sprach von einer Kürzung von bis zu zwei Millionen bpd. Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen.

Die Anleger warten zudem auf die Beschäftigungszahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Von ihnen versprechen sie sich Rückschlüsse auf das künftige Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed. Analysten erwarten für September einen beschleunigten Jobaufbau von 200.000 Stellen, nach einem Plus von 132.000 im Vormonat. Die ADP-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag.

(Bericht von Myria Mildenberger; Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Schwindende Zinserhöhungsängste geben Europas Börsen Auftrieb

Frankfurt (Reuters) – Die Hoffnung auf behutsamere Zinserhöhungen der großen Notenbanken lockt Investoren an die europäischen Börsen zurück.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils mehr als drei Prozent auf 12.583 beziehungsweise 3462 Punkte. Am Devisenmarkt rückte der Euro 0,7 Prozent auf 0,9889 Dollar vor. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf 1,830 Prozent.

Genährt würden die Spekulationen von einer überraschend geringen Zinserhöhung der australischen Notenbank RBA um einen Viertel Prozentpunkt, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Es sieht danach aus, als könnten sich die Aktienmärkte so langsam, aber sicher vom Feindbild Geldpolitik lösen und etwas positiver in die Zukunft schauen. Zwar ist das Thema Rezession nicht vom Tisch, aber um jeden Preis diese auszulösen und zu beschleunigen, sollte man den Notenbanken vielleicht nicht mehr unterstellen.”

BRITISCHE REGIERUNG RÜCKT TEILWEISE VON PLÄNEN AB

Ein weiterer Stimmungsaufheller war die Kehrtwende der neuen britischen Regierung bei ihren Steuersenkungsplänen. Nach massivem Druck verzichtet sie auf die Abschaffung des Spitzensteuersatzes. “Auf die britische Haushaltslage insgesamt wird das aber keinen großen Einfluss haben”, warf John Briggs, Chef-Anlagestratege der Bank NatWest, ein. Allerdings werteten Investoren die Entscheidung als Hinweis, dass die Regierung ihre Pläne zumindest teilweise ändern werde.

Die ursprünglichen Pläne des Finanzministers Kwasi Kwarteng für ein Entlastungspaket und Steuersenkungen hatten die Börsen vergangene Woche in Turbulenzen gestürzt. Weil Investoren an der Finanzierbarkeit der Vorhaben zweifelten, gerieten britische Anleihen ins Trudeln und das Pfund Sterling fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar. Erst eine Geldspritze der Bank von England (BoE) beruhigte die Lage. Am Dienstag kostete die britische Währung 1,1339 Dollar.

Unterdessen zog der Ölpreis am Tag vor den Beratungen der Opec+ zur Förderpolitik weiter an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,5 Prozent auf 90,23 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Experten des Research-Hauses Fitch Solutions sagten eine deutliche Senkung der Quoten voraus. Dies verknappe nicht nur die Verfügbarkeit, sondern sende auch ein wichtiges Signal. Im Gespräch ist eine Drosselung der Fördermenge um mehr als eine Million Barrel pro Tag.

RTL BLÄST M6-VERKAUF AB – RHEINMETALL UNTER DRUCK

Bei den deutschen Unternehmen rückte RTL ins Rampenlicht. Der TV-Konzern bläst nach der gescheiterten Fusion seiner Beteiligung M6 mit TF1 den geplanten Verkauf des französischen Senders ab. Eine Konsolidierung des TV-Marktes sei aber nach wie vor notwendig, um gegen die Konkurrenz von Streamingdiensten bestehen zu können, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies. M6-Aktien fielen um bis zu zwölf Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 10,98 Euro, während RTL-Papiere sich knapp im Plus hielten.

Gefragt waren die europäischen Halbleiter-Hersteller. Ihr Branchenindex stieg um 4,2 Prozent. Börsianer verwiesen auf ermutigende Ausblicke der asiatischen Rivalen Samsung und Foxconn. Ersterer will die Produktion seiner fortschrittlichen Chips bis 2027 verdreifachen. Letzterer äußerte sich trotz einer drohenden Rezession “vorsichtig optimistisch” zu den Aussichten für das angelaufene vierte Quartal.

Zu den Favoriten gehörten hier die Apple-Zulieferer AMS International<ASMI.AS, BE Semi, Infineon und STMicro mit Kursgewinnen von bis zu 5,7 Prozent. Sie erhielten Rückenwind von der geplanten Einführung einheitlicher Ladekabel für Smartphones und andere Geräte in der EU. Damit muss sich der iPhone-Hersteller Apple von seinem eigenen Lightning-Anschluss verabschieden.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Schwindende Zinserhöhungsängste geben Europas Börsen Auftrieb

Frankfurt (Reuters) – Die Hoffnung auf behutsamere Zinserhöhungen der großen Notenbanken lockt Investoren an die europäischen Börsen zurück.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils etwa drei Prozent auf 12.543 beziehungsweise 3443 Punkte. Am Devisenmarkt rückte der Euro 0,5 Prozent auf 0,9870 Dollar vor. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf 1,806 Prozent.

Genährt würden die Spekulationen von einer überraschend geringen Zinserhöhung der australischen Notenbank RBA um einen Viertel Prozentpunkt, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Es sieht danach aus, als könnten sich die Aktienmärkte so langsam, aber sicher vom Feindbild Geldpolitik lösen und etwas positiver in die Zukunft schauen. Zwar ist das Thema Rezession nicht vom Tisch, aber um jeden Preis diese auszulösen und zu beschleunigen, sollte man den Notenbanken vielleicht nicht mehr unterstellen.”

Dem australischen Leitindex bescherte der RBA-Entscheid mit einem Plus von knapp vier Prozent den größten Tagesgewinn seit fast zweieinhalb Jahren. Der australische Dollar ging dagegen in die Knie und fiel um bis zu ein Prozent auf 0,6448 US-Dollar.

BRITISCHE REGIERUNG RÜCKT TEILWEISE VON PLÄNEN AB

Ein weiterer Stimmungsaufheller war die Kehrtwende der neuen britischen Regierung bei ihren Steuersenkungsplänen. Nach massivem Druck verzichtet sie auf die Abschaffung des Spitzensteuersatzes. “Auf die britische Haushaltslage insgesamt wird das aber keinen großen Einfluss haben”, warf John Briggs, Chef-Anlagestratege der Bank NatWest, ein. Allerdings werteten Investoren die Entscheidung als Hinweis, dass die Regierung ihre Pläne zumindest teilweise ändern werde.

Die ursprünglichen Pläne des Finanzministers Kwasi Kwarteng für ein Entlastungspaket und Steuersenkungen hatten die Börsen vergangene Woche in Turbulenzen gestürzt. Weil Investoren an der Finanzierbarkeit der Vorhaben zweifelten, gerieten britische Anleihen ins Trudeln und das Pfund Sterling fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar. Erst eine Geldspritze der Bank von England (BoE) beruhigte die Lage. Am Dienstag kostete die britische Währung 1,1352 Dollar.

RTL BLÄST M6-VERKAUF AB – RHEINMETALL UNTER DRUCK

Bei den deutschen Unternehmen rückte RTL ins Rampenlicht. Der TV-Konzern bläst nach der gescheiterten Fusion seiner Beteiligung M6 mit TF1 den geplanten Verkauf des französischen Senders ab. Eine Konsolidierung des TV-Marktes sei aber nach wie vor notwendig, um gegen die Konkurrenz von Streamingdiensten bestehen zu können, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies. M6-Aktien fielen um bis zu zehn Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 11,22 Euro, während RTL-Papiere 0,6 Prozent zulegten.

Die Papiere von Rheinmetall rutschten wegen eines möglichen Dämpfers für das Geschäft im laufenden Jahr um gut sechs Prozent ab. Börsianer verweisen auf Berichte, denen zufolge sich die Entscheidung für einen Großauftrag des australischen Militärs bis 2023 verzögern könnte.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Teure Energie treibt Erzeugerpreise im Euroraum – Rekordanstieg von 43,3 Prozent

Berlin/Brüssel (Reuters) – Die Preise der Hersteller in der Euro-Zone ziehen im Rekordtempo an und signalisieren eine weiter steigende Inflationsgefahr.

Die Produzentenpreise in der Industrie erhöhten sich im August um 43,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 43,1 Prozent gerechnet. Im Juli lag das Plus bei 38,0 Prozent.

Allein im Energiebereich gab es im August eine enorme Verteuerung im Vergleich zum Vorjahresmonat von 116,8 Prozent. Klammert man diesen Bereich aus, zogen die Erzeugerpreise in der Industrie um 14,5 Prozent an. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – also bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben.

Der Energiepreis-Schub infolge des Ukraine-Kriegs treibt die Inflation im Euro-Raum auf immer neue Rekordstände – zuletzt auf 10,0 Prozent. Die Teuerungsrate ist damit mittlerweile fünf Mal so hoch wie das Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. EZB-Chefin Christine Lagarde hat daher weitere Zinserhöhungen im Kampf gegen die ausufernde Inflation signalisiert. Der geldpolitische Schlüsselsatz liegt derzeit bei 1,25 Prozent.

(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Rene Wagner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Insider – Opec+ will Öl-Fördermenge um mehr als eine Mio bpd kürzen

Dubai (Reuters) – Nach den Ölpreis-Rückgängen wollen das Exportkartell Opec und seine Verbündeten Insidern zufolge die Fördermengen kürzen.

Auf dem Treffen am 5. Oktober in Wien wolle die Opec+ eine Reduzierung ihrer Förderquoten um mehr als eine Millionen Barrel pro Tag (bpd) beschließen, sagten mit den Plänen vertraute Personen am Sonntag. Das wäre der größte Schritt seit der Corona-Pandemie. Die Ölpreise könnten von einer Angebotsverknappung profitieren – insbesondere angesichts einer Eskalation des Ukraine-Kriegs.

Zur Opec+ gehören neben den Staaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auch andere Produzenten wie Russland. Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen. Ein niedrigerer Ölpreis könnte helfen, die globale Konjunktur anzukurbeln. Im vergangenen Monat sind die Ölpreise im Zuge von Konjunktursorgen und einer Dollar-Rally nach der Anhebung der US-Leitzinsen stark gesunken.

(Bericht von Maha El Dahan und Olesya Astakhova, geschrieben von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Europas Börsen auf Erholungskurs – Adidas und Puma tiefer

Frankfurt (Reuters) – Versöhnlicher Abschluss für den schwärzesten September seit der Finanzkrise von 2008: Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils etwa 1,3 Prozent auf 12.125 beziehungsweise 3317 Punkte.

Das Minus seit Monatsbeginn summierte sich allerdings auf knapp sechs Prozent. Echtes Kaufinteresse sei nicht zu beobachten, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. Vielmehr lösten einige Investoren ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auf.

Auch Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets warnte vor möglichen erneuten Rücksetzern. “Zu schwer wiegen die Sorgen über eine davongaloppierende Inflation, auf die die Notenbanken noch lange mit Zinserhöhungen reagieren dürften. Zudem verändert sich die geopolitische Lage mit der russischen Annexion der vier besetzten Gebiete und den Sabotage-Akten an den Gaspipelines[nL8N310517 nicht wirklich zum Positiven.”

ERNEUTER ANSTIEG DER EUROPÄISCHEN INFLATIONSRATE ERWARTET

In diesem Zusammenhang warteten Investoren gespannt auf die europäischen Preisdaten. Experten prognostizierten einen Anstieg der Teuerungsrate auf 9,7 Prozent im Jahresvergleich. Die deutsche Inflation hatte erstmals seit rund 70 Jahren die Marke von zehn Prozent erreicht. “Die notwendigen geldpolitischen Konsequenzen dürften die Börse noch eine ganze Weile beschäftigen”, sagte RobMarkets-Experte Molnar.

Unterdessen verhalfen Spekulationen um eine Drosselung der Erdöl-Förderung durch die Staaten der großen Exportländer der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 89,54 Dollar je Barrel (159 Liter). “Im August blieb die Produktion der Opec+ aber bereits schätzungsweise 3,37 Millionen Barrel pro Tag hinter den Zielen zurück”, gaben die Experten der Bank ING zu bedenken. Daher werde die reale Fördermenge weniger stark zurückgehen als offiziell angekündigt. Einige Opec+-Staaten haben wegen maroder Förderanlagen Probleme, ihre Quoten zu erfüllen.

Gefragt waren auch Industriemetalle. Die überraschende Rückkehr des Barometers für die Stimmung der chinesischen Industrie über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten schüre Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage des Top-Abnehmers. Kupfer verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 7582 Dollar je Tonne.

Am Erdgas-Markt entspannte sich die Lage dank kontinuierlicher Lieferungen von Flüssiggas als Ersatz für Importe aus Russland weiter. Der europäische Future gab 4,2 Prozent auf 176,50 Euro je Megawattstunde nach.

ADIDAS UND PUMA STRAUCHELN WEGEN NIKE-ZAHLEN

Am Aktienmarkt gerieten Adidas und Puma unter Verkaufsdruck. Ihre Papiere fielen um vier beziehungsweise 5,4 Prozent, nachdem der US-Rivale einen Gewinneinbruch gemeldet und vor weiterem Margendruck gewarnt hatte. Die verstärkten Rabatt-Aktionen seien ein schlechtes Omen für die europäischen Sportartikel-Hersteller, kommentierte Analyst James Grzinic von der Investmentbank Jefferies. Sie würden voraussichtlich nachziehen müssen. Dies überschatte die bislang robuste Nachfrage diesseits des Atlantik. Nike-Titel brachen im vorbörslichen US-Geschäft um gut neun Prozent ein.

Unterdessen hielten sich die Papiere der Porsche AG über ihrem Ausgabepreis von 82,50 Euro. Am zweiten Tag nach dem Börsengang legten sie 0,7 Prozent auf 83,08 Euro zu. Großaktionär Volkswagen rückte nach dem Ausverkauf vom Donnerstag 0,8 Prozent vor.

(Bericht von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Schwedens Küstenwache meldet viertes Leck an Nord-Stream-Pipelines

– von Terje Solsvik

Oslo/Berlin (Reuters) – Schwedens Küstenwache hat nach eigenen Angaben ein viertes Gasleck an den beschädigten Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee entdeckt.

Das bestätigte am Donnerstag eine Sprecherin der Küstenwache. An den Röhren waren Anfang der Woche innerhalb kurzer Zeit in dänischen und schwedischen Gewässern zunächst drei Lecks festgestellt worden. Die genaue Ursache ist unbekannt, es wird aber weitgehend von Sabotage ausgegangen. Litauens Präsident Gitanas Nauseda kündigte zusätzliche Maßnahmen an, um die Sicherheit der Flüssiggas-Importterminals des Landes zu gewährleisten. Zuvor hatte es Warnungen vor möglichen Anschlägen auf die kritische Infrastruktur in Europa gegeben.

Die 27 EU-Staats- und Regierungschefs würden auf ihrem informellen Gipfel kommende Woche in Prag über die Angriffe auf die unterseeischen Nord-Stream-Gaspipelines diskutieren, sagte ein EU-Beamter am Donnerstag. Er fügte hinzu, der Vorfall habe den Charakter des Konflikts in der Ukraine grundlegend verändert. Die EU vermutet Sabotage hinter den Lecks an den Unterwasserpipelines nach Europa und hat eine “robuste” Reaktion auf jede vorsätzliche Störung ihrer Energieinfrastruktur angekündigt.

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte am Donnerstag, dass ein vorsätzlicher Angriff auf die Infrastruktur der Verbündeten mit einer entschlossenen Reaktion beantwortet werden würde. “Alle derzeit verfügbaren Informationen deuten darauf hin, dass es sich um vorsätzliche, rücksichtslose und unverantwortliche Sabotageakte handelt”, heißt es in einer Erklärung der Nato zu den Nord-Stream-Röhren.

Das russische Außenministerium erklärte am Donnerstag, die Lecks an den Nord-Stream-Pipelines seien in einer Zone aufgetreten, die “von den US-Geheimdiensten kontrolliert” werde, berichtete die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti unter Berufung auf das Ministerium.

ZWEI LECKS IN SCHWEDISCHEN, ZWEI IN DÄNISCHEN GEWÄSSERN

“Zwei der Lecks liegen in der ausschließlichen Wirtschaftszone Schwedens, das größere oberhalb der Nord-Stream-1-Pipeline und das kleinere über der Nord-Stream-2-Pipeline “, so die schwedische Küstenwache in einer Erklärung. Die beiden anderen Lecks liegen in der dänischen Wirtschaftszone. Obwohl keine der beiden Pipelines zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Explosionen in Betrieb war, waren sie mit Gas gefüllt, das seit den Brüchen vom Montag in die Ostsee strömt.

Russland hatte die Gaslieferungen durch die Nord-Stream-1-Pipeline schon vor Wochen gestoppt, nach eigenen Angaben aus technischen Gründen. Westliche Staaten halten dies für einen Vorwand. Die Bundesregierung lehnt das Angebot ab, alternativ die bisher nie in Betrieb genommene Nord-Stream-2-Pipeline zu nutzen.

Die beiden Röhren landen in Deutschland an. Die Bundesregierung stimme sich eng mit Dänemark und Schweden ab, hatte ein Regierungssprecher in Berlin gesagt. Das Umweltbundesamt (UBA) äußerte sich unterdessen besorgt über Klimaschäden durch die Lecks und das austretende Methan-Gas. Man rechne mit Emissionen von etwa 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Das entspreche etwa einem Prozent der deutschen Jahres-Gesamtemissionen. Da es keine Abschottungsmechanismen an den Pipelines gebe, entweiche aller Voraussicht nach der gesamte Inhalt der Röhren. Weil die Lecks in dänischem oder schwedischen Hoheitsgebiet liegen, dürften die Emissionen in der Klimabilanz voraussichtlich diesen Ländern zugerechnet werden.

(Mitrabeit von Andreas Rinke, Sabine Siebold, Andrius Sytas, Marine Strauss; Redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

“Dead Cat Bounce” an Europas Börse – Pfund erholt

Frankfurt (Reuters) – Nach den jüngsten Kursverlusten steigen erste Anleger wieder in die europäischen Aktienmärkte ein.

Ein Preissprung beim Erdgas dämpfte ihre Kauflaune allerdings. Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils ein knappes Prozent auf 12.338 beziehungsweise 3373 Punkte.

“Wir sehen eine kleine Erleichterungsrally oder einen ‘Dead Cat Bounce'”, sagte Michael Brown, Manager beim Finanzdienstleister Caxton. So nennen Börsianer eine kurzzeitige Kurserholung in einem längerfristigen Abwärtstrend. “Aus meiner Sicht ist das einzig lohnenswerte Investitionsobjekt der Dollar”, fügte Brown hinzu. Der Markt unterschätze die Wachstumsrisiken, daher müsse bei den meisten Anlageklassen, vor allem bei Aktien, mit Verkäufen gerechnet werden, so lange die US-Notenbank Fed ihr Zinserhöhungstempo nicht drossele.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gab am Dienstag zwar 0,2 Prozent nach, blieb mit 113,63 Punkten auf Tuchfühlung mit seinem jüngsten 20-Jahres-Hoch. Neben den Zinserhöhungsspekulationen hatte die Weltleitwährung dank ihres Images als “sicherer Hafen” in den vergangenen Tagen zeitweise fast fünf Prozent aufgewertet.

SCHÄDEN AN PIPELINES TREIBEN GASPREIS

Kopfzerbrechen bereiteten Investoren mehrere Lecks an russischen Erdgas-Pipelines durch die Nordsee. “Das klingt nicht nach einem Zufall”, sagte Tom Marzec-Manser vom Analysedienst ICIS. Obwohl derzeit durch keine der beiden Pipelines Gas fließt, weckte der Vorfall Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der europäischen Gasinfrastruktur. Die trieb den europäische Erdgas-Preis neun Prozent in die Höhe auf 189,50 Euro je Megawattstunde.

Aufwärts ging es auch mit dem Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 85,51 Dollar je Barrel (159 Liter). Kupfer und Gold legten jeweils ein Prozent auf 7417 Dollar je Tonne beziehungsweise 1639 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. “Jede Schwäche des Dollar löst eine Erleichterungsrally aus, wenn auch nur eine kurze”, sagte Analyst Geordie Wilkes vom Research-Haus Sucden. Eine Abwertung der Weltleitwährung macht Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver. Öl erhielt Börsianern zufolge darüber hinaus von möglichen Ausfällen der US-Förderung wegen eines Wirbelsturms im Golf von Mexico Rückenwind.

PFUND AUF ERHOLUNGSKURS – PORSCHE-BÖRSENGANG IM BLICK

Am Devisenmarkt habe das Bekenntnis der Bank von England (BoE) zu weiteren Zinserhöhungen und die Ankündigung von Details zur geplanten Entlastungen der Bürger durch die Regierung die Talfahrt des Pfund Sterling vorerst beendet, sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Positiv sei vor allem, dass die Notenbanker den Anschein von Panik vermieden hätten.

“Aber reicht das?”, fragte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Das Statement dürfte kaum diejenigen beruhigen, die die Entschlossenheit der BoE im Kampf gegen die Inflation bereits im Vorfeld angezweifelt hatten.” Das Pfund verteuerte sich dennoch auf 1,0794 Dollar, nachdem es am Montag auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar gefallen war.

Am deutschen Aktienmarkt standen erneut der Autobauer Volkswagen und sein Großaktionär Porsche SE im Rampenlicht. Zwei Tage vor dem geplanten Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche signalisierten die begleitenden Banken, dass die Papiere wohl am oberen Ende der bis 82,50 Euro reichenden Angebotsspanne zugeteilt werden. “Obwohl vielen Anlegern der Appetit auf Aktien in den vergangenen Wochen vergangen sein dürfte, machen sie hier scheinbar eine Ausnahme”, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus RoboMarkets. Die Titel von VW und Porsche SE legten jeweils rund ein halbes Prozent zu.

(Bericht von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Scholz hofft auf Schub für Wirtschaftsbeziehungen mit Golf-Staaten

(Berichtigt im vorletzten Absatz Schreibweise von Jamal Khashoggi (nicht: Kashoggi)

Berlin (Reuters) – Kanzler Olaf Scholz will mit seinem Besuch am Golf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) “auf breiter Front” vorantreiben.

Das Hauptaugenmerk dürfte dabei auf dem Energiebereich liegen, weil die Golfstaaten als Lieferanten etwa von LNG-Gas infrage kommen. So hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck schon angekündigt, dass während des Scholz-Besuchs wichtige Verträge zur Lieferung von LNG-Gas oder Wasserstoff unterzeichnet werden sollten. In Regierungskreisen war man am Freitag dagegen zurückhaltender. “Das ist keine Energie-Einkaufstour”, betonten deutsche Regierungsvertreter. “Aber das Volumen der Lieferungen ist ausbaufähig”, wurde zugleich mit Blick vor allem auf Gaslieferungen eingeräumt.

Scholz wird von einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation mit Unternehmensvertretern etwa aus den Bereichen Chemie, Maschinenbau, der Luft- und Raumfahrt und der Energiebranche begleitet. In den Gesprächen soll es auch um mögliche weitere Investitionen der rohstoffreichen und kapitalkräftigen Länder in Deutschland gehen. Staatsfonds der Golf-Länder sind bereits an einigen Dax-Firmen, aber auch Start-Ups beteiligt.

Der erste Besuch des Kanzlers in der Golf-Region diene aber auch dem politischen Austausch, weil alle drei Länder auch regional aktiv seien. In Katar und Saudi-Arabien will Scholz deshalb auch über das Verhältnis zum Iran und das internationale Atomprogramm sprechen. Denn beide Regierungen unterhielten direkte Gesprächskontakte mit der Regierung in Teheran, hieß es. Katar nehme zudem eine vermittelnde Rolle in Afghanistan an. Die Emirate wiederum sind auch militärisch in Libyen aktiv.

Vor allem der Besuch in Saudi-Arabien hat politische Brisanz. Scholz wird am Samstag Kronprinz Mohammed bin Salman treffen, der für die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi mitverantwortlich gemacht wird. Westliche Regierungen hatten die Kontakte mit der Führung in Riad deshalb weitgehend zurückgefahren. Zuletzt hatten aber auch US-Präsident Joe Biden und der französische Präsident Emmanuel Macron das Land besucht. Wenn man den Bürgerkrieg im benachbarten Jemen beenden wolle, müsse man mit Saudi-Arabien reden, hieß es. In Bundesregierung ist von “schwierigen Partner” die Rede, mit denen man dennoch in Kontakt bleiben müsse. Es wurde darauf verwiesen, dass man sich vor der Reise eng mit den Regierungen in Washington und Paris abgestimmt habe.

Besondere Bedeutung hat etwa auch der Beitrag der drei Golf-Staaten beim Kampf gegen den Klimawandel. Zum einen gründen sie ihren Reichtum auf den Verkauf fossiler Energien und scheuen bis auf die Emirate die Festlegung, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Zum anderen betonen deutsche Regierungsvertreter, dass es ein riesiges Potenzial für die Produktion Erneuerbarer Energien und auch von Wasserstoff gebe. So habe Saudi-Arabien riesige Flächen für die Produktion von Solarstrom ausgewiesen. Mit besonders billigem Ökostrom ließe sich dann auch sogenannter grüner Wasserstoff produzieren, den Deutschland in großem Stil importieren will.

(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Christian Rüttger Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

FDP-Generalsekretär zu Gasumlage – “Habeck muss hier endlich liefern”

Berlin (Reuters) – Die FDP fordert von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck rasch einen neuen Vorschlag zur Umsetzung der Gasumlage.

“Der Wirtschaftsminister hat sich selbst den klaren Auftrag erteilt, eine Gasumlage einzuführen”, sagte FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai in einem am Freitag veröffentlichten Reuters-Interview. “Er muss ein Modell erarbeiten, das den Realitätstest besteht – und zwar nicht irgendwann in den nächsten Wochen, sondern jetzt.” Djir-Sarai betonte zudem: “Eine Finanzierung über den Bundeshaushalt trägt die FDP im Übrigen nicht mit.”

Denn das würde bedeuten, dass auch diejenigen für die hohen Gaspreise aufkommen müssten, die in alternative Wärmetechniken wie in eine Wärmepumpe oder Pelletheizung investiert hätten, führte Djir-Sarai aus. “Wichtig ist, dass die Menschen jetzt bald Klarheit haben, was auf sie zukommt”, forderte er. “Herr Habeck muss hier endlich liefern.” Ein Zusammenbrechen der Gasversorgung in Deutschland müsse verhindert werden. “Gleichzeitig geht es darum sicherzustellen, dass nur die Gasversorger von der Umlage profitieren, die systemrelevant und wirtschaftlich bedürftig sind.”

(Bericht von Alexander Ratz; Redigiert von Elke Ahlswede; Bei Rückfragen wenden Sie sich an berlin.newsroom@tr.com)