Neues aus Indien

Die USA haben einen globalen Anteil von 55.9% am globalen Aktienmarkt. Weit abgeschlagen liegt Japan auf dem zweiten Platz – mit einem Anteil von 7.4%.

Die zweitgrößte Wirtschaft, China, liegt auf Platz 3 mit 5.4%. Deutschland kommt mit 2.6% erst auf Platz 7 (alles Stand Januar 2021). Es ist ja nicht so, dass diese Länder nichts zu bieten hätten; auch hier gibt es wertschöpfende und innovative Unternehmen mit legitimen Wachstumsaussichten. Allerdings haben sie den Vorteil aus den Fehlern der Vorreiter zu lernen.

Auch Indien entwickelt sich als Finanzplatz, was nicht zuletzt daran liegt, dass das Land seit dem Jahr 2000 massives Wirtschaftswachstum und zudem eine der höchsten Raten von Armutsbekämpfung aufweist. Mit 1.4 Milliarden Einwohnern ist Indien weiterhin das zweitgrößte Land der Welt, liegt aber nur rund 4 Millionen hinter China.

Wie der Lauf der Dinge eben ist, wird auch die Wirtschaft weiter wachsen, und mit ihr der Finanzmarkt. Da aber eben Länder, wie die USA, schon einige Entwicklungen durchgemacht haben, kann man hier auf die Erfahrungen anderer Länder aufbauend einige Dinge anders machen.

Nandan Nilekani ist einer der Mitgründer und Vorsitzender von Infosys Ltd., zweitgrößten indischen Software-Unternehmen. Mal abgesehen davon, dass die Aktie des Unternehmens seit dem Corona-Tief 2020 trotz Korrektur noch immer über 170% im Plus steht, zählt es zu den wenigen starken Global Playern aus Indien.

Nun hat Herr Nilekani ein anderes Ziel: Er möchte mit der indischen Regierung den Onlineshops Flipkart und Amazon den Kampf ansagen.

Das 2007 gegründete Unternehmen, Flipkart, hat bereits jetzt einen Marktanteil von 39.5% am indischen Markt und einen Umsatz von umgerechnet $5.6 Milliarden. 2018 erwarb Walmart Inc., ein Titel, den wir auch im Dow30-Aktienpaket führen, 77% des Unternehmens für $16 Milliarden. Zusammen haben Flipkart und Amazon einen Marktanteil von 80%.

Durch die Vormachtstellung von Amazon und anderen lokalen Onlineshop-Giganten, ging in den letzten Jahren der klassische Einzelhandel immer mehr in die Knie. Weder in Sachen Preis noch in Sachen Bequemlichkeit können andere da mithalten.

In den physischen Laden geht man nur noch, um sich beraten zu lassen, gekauft wird dann bei Amazon. Kleinere traditionelle Läden haben dabei keine Chance mehr und müssen sich an die Kaufgewohnheiten der Stammkundschaft verlassen. Das möchte Nilekani zusammen mit der indischen Regierung vermeiden.

Mit einem sogenannten „Open Network for Digital Commerce“, welches von der Regierung aufgebaut wird, sollen kleine Händler die Möglichkeit bekommen, dieselbe Reichweite und dasselbe Verkaufspotenzial erlangen, wie größere Händler über Amazon.

Nilekani sagte, dass man es Millionen von kleinen Verkäufern schuldig sei, ihnen den Zugang zum rapide wachsenden eCommerce-Markt zu gewähren. Das Pilotprojekt soll nächsten Monat schon starten und drei indische Großbanken haben schon Anteile am Unternehmen.

Interessanterweise hat Amazon schon direkt eingeworfen, dass man das Modell verfolgen wird, um es besser zu verstehen. Man möchte eventuell eine Rolle spielen. Somit lernt Amazon aus einem Projekt, was aus dem Lernprozess zur Amazon-Entwicklung entstanden ist. In jedem Fall wird der indische Markt in diesem Sektor, wie auch anderen Sektoren, noch sehr spannend sein!