Corona-Sorgen trüben die Anleger-Laune erneut

“Die kurzfristigen Effekte der Inflation scheinen unter Kontrolle und in den Kursen enthalten”, sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank. “Aber es bleibt Unsicherheit wegen der neuen Coronavirus-Variante und ihr Einfluss auf die wirtschaftliche Erholung.”

Dax und EuroStoxx50 verloren am Mittwoch jeweils etwa ein Prozent auf 15.531,04 beziehungsweise 4069,21 Punkte, notierten damit aber immer noch rund 15 Prozent über ihrem Niveau zu Jahresbeginn. Gleiches galt für den breit gefassten Stoxx600.

Größere Kursverluste verhinderte die Entspannung bei der Inflation, sagte Analyst Charalambos Pissouros vom Brokerhaus JFD. “Der Wert unter zwei Prozent untermauert die Einschätzung, dass die Europäische Zentralbank vorerst nicht über eine Verringerung der geldpolitischen Unterstützung nachdenken wird.”

US-ARBEITSMARKT IM BLICK – ÖLPREIS IM AUFWIND

Nach den starken Arbeitsmarktdaten aus Deutschland richteten Börsianer ihr Augenmerk auf die andere Seite des Atlantiks. Der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge wurden im Juni in der US-Privatwirtschaft 692.000 Stellen geschaffen. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 600.000 gerechnet. Die Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag. Im vergangenen Monat hätten die beiden Werte aber recht weit auseinander gelegen, gab ein Analyst zu bedenken. Daher ließen die ADP-Daten nur begrenzt Rückschlüsse auf die US-Geldpolitik zu.

Am Tag vor den Beratungen der Opec+ über eine Lockerung der Förderbremse stieg der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 0,4 Prozent auf 75,06 Dollar je Barrel (159 Liter). Insidern zufolge wollen die großen Export-Staaten über eine Verlängerung ihrer bis April 2022 laufenden Förderquoten-Regelung diskutieren. Experten gehen davon aus, dass die Staatengruppe wegen der anziehenden Nachfrage am Donnerstag eine Anhebung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag beschließen wird.

FURCHT VOR NEUEN US-VERFAHREN GEGEN VW

Für die Aktien von Volkswagen ging es dagegen 2,3 Prozent abwärts. Ein Gericht hatte dem US-Bundesstaat Ohio erlaubt, den Autobauer wegen dessen Abgas-Manipulationen zu verklagen. “Wenn man USA und Gerichtsprozess hört, gehen immer alle Warnlampen an”, sagte ein Börsianer.

In Amsterdam stiegen die Titel von Grandvision dagegen um gut 14 Prozent auf 28,20 Euro. Der Brillen-Hersteller EssilorLuxottica will die “Apollo Optik”-Mutter trotz Rechtstreitigkeiten doch übernehmen. Die Papiere des “Ray Ban”-Anbieters stiegen in Paris um 0,2 Prozent.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Bed Bath & Beyond in der Spitze sogar um mehr als 31 Prozent. Der Gewinn des Einrichtungshauses blieb im abgelaufenen Quartal mit 0,05 Dollar je Aktie zwar hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Quartal stellt die Firma aber 0,45 bis 0,55 Dollar in Aussicht. Für das Gesamtjahr peilt sie 1,40 bis 1,55 Dollar an. Bed Bath & Beyond gehört zu den “Meme”-Aktien. Darunter verstehen Börsianer Werte, bei denen sich Kleinanleger in einschlägigen Internet-Foren gegenseitig zum Kauf ermuntern. Das bekannteste Beispiel ist der US-Videospielehändler GameStop.

 

Dax vor EZB-Beschluss und US-Preisdaten wenig verändert

Der Dax notierte vor dem Zinsbeschluss der EZB und den am Nachmittag anstehenden US-Inflationsdaten leicht im Plus bei 15.606 Zählern. Der EuroStoxx50 kam ebenfalls kaum vom Fleck. Anleger fürchten, dass die Notenbanken schneller als bislang erwartet ihre ultralockere Geldpolitik drosseln könnten, sollte die zuletzt anzinflaiehende Teuerung weiter steigen.

Das Thema beschäftige die Anleger seit Wochen, konstatiert Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Experten rechnen damit, dass die US-Inflationsdaten (CPI) für Mai erneut einen kräftigen Anstieg zeigen – Börsianer rechnen mit 4,7 Prozent nach 4,2 Prozent im April. “Eine hohe Mai-Inflation ist an den Börsen bereits eingepreist”, sagt Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Sollte am Ende jedoch eine Fünf vor dem Komma stehen, könnte dies durchaus zu Panik führen, prognostiziert der Portfolio-Manager.

ANLEGER BLICKEN MIT ARGUSAUGEN AUF DIE FED

Anleger klopfen US-Daten derzeit auf Hinweise ab, wann die US-Notenbank damit beginnen könnte, den Geldhahn zuzudrehen und die Zinsen anzuheben. Die Fed greift der von der Corona-Krise gebeutelten US-Wirtschaft zur Zeit mit monatlichen Anleihekäufen im Volumen von 120 Milliarden Dollar unter die Arme. Sie will daran so lange festhalten, bis erhebliche Fortschritte bei der Preisstabilität und bei der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Die nächste Zinssitzung der Währungshüter ist Mitte Juni geplant.

Neben der FED standen am Donnerstag auch die geldpolitischen Beratungen der EZB im Fokus: Volkswirte gehen davon aus, dass die Euro-Wächter auf der Zinssitzung beschließen werden, trotz der einsetzenden Konjunkturerholung und der anziehenden Inflation ihre Geldschleusen weit offen zu lassen. Erwartet wird, dass sie das Kauftempo ihres großen Krisen-Anleihenkaufprogramms PEPP erst einmal beibehalten, um günstige Finanzierungsbedingungen im Euro-Raum zu sichern.

Auch an den Zinsen wird EZB-Präsidentin Christine Lagarde wohl nicht rütteln. Damit gebe es dann auch keinen Grund für Eurostärke, heißt es in einem Kommentar der Commerzbank. Die EZB werde sich im Gegensatz zu anderen Zentralbanken erst einmal unverändert expansiv präsentieren. Der Euro gab mit 1,2161 Dollar leicht nach. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag bei minus 0,234 Prozent nach minus 0,249 Prozent am Ende des Vortages.

Der Zinsbeschluss wird um 13.45 Uhr (MESZ) veröffentlicht. Lagarde wird ihn dann ab 14.30 Uhr auf einer Pressekonferenz erläutern.

GEWINNMITNAHMEN BELASTEN AUTOWERTE

Unter den Einzelwerten im Dax hatten Autowerte das Nachsehen. Gewinnmitnahmen drückten BMW und Volkswagen 1,2 beziehungsweise 0,8 Prozent ins Minus. Seit Jahresbeginn haben die Titel rund 30 beziehungsweise 50 Prozent zugelegt. Der Index für den europäischen Autosektor gab zeitweise 1,4 Prozent nach.

Im MDax zündeten Aixtron ein Kursfeuerwerk, nachdem der Chipanlagenbauer am Mittwoch kurz vor Börsenschluss seine Jahresprognose angehoben hatte. Die Titel stiegen in der Spitze um 16,3 Prozent auf 21,34 Euro und waren damit so teuer wie seit zehn Jahren nicht mehr. Am Mittwoch hatten sie bereits 7,8 Prozent zugelegt.

Für Gesprächsstoff sorgte zudem die Achterbahnfahrt von Windeln.de. Nach der jüngsten Rally kamen die Aktien des Online-Babyausstatters deutlich unter die Räder. Sie verloren bis zu 31 Prozent auf 2,96 Euro. Am Mittwoch hatten sie zeitweise noch rund sieben Euro gekostet, Ende vergangener Woche weniger als einen Euro. Ein Börsianer verwies neben Gewinnmitnahmen auf eine Mitteilung der BaFin, wonach die Finanzaufsicht zur Vorsicht beim Aufruf von Aktienkäufen bei Windeln.de rät. “Häufig dienen Chat-Gruppen in sozialen Netzwerken lediglich dazu, Anleger zum Kauf von bestimmten Aktien zu verleiten, damit die Absender von steigenden Kursen dieser Aktien profitieren”, hieß es auf der Website.

Abrechnung mit Ex-Volkswagen-Chef Winterkorn beginnt

(stellt im sechsten Absatz richtig, dass Winterkorn uneidlich ausgesagt hat)

– von Jan Schwartz

Der einst bestbezahlte Manager Europas einigte sich mit seinem früheren Arbeitgeber auf die Zahlung einer Rekordsumme von 11,2 Millionen Euro Schadensersatz wegen der Verletzung aktienrechtlicher Sorgfaltspflichten. Gleichzeitig tat sich für den früheren Top-Manager am Mittwoch eine neue Baustelle auf: Die Berliner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den 74-Jährigen, weil er im Januar 2017 vor dem Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestages falsch ausgesagt haben soll. In weniger als 100 Tagen beginnt außerdem vor dem Landgericht Braunschweig der mit Spannung erwartete Prozess gegen Winterkorn und weitere Manager, denen die Staatsanwaltschaft gewerbs- und bandenmäßigen Betrug vorwirft.

Winterkorn war nach Bekanntwerden des Skandals um manipulierte Abgaswerte bei Millionen von Dieselautos im September 2015 von allen Ämtern bei VW zurückgetreten. Er hat stets bestritten, von dem Abgasskandal gewusst zu haben. Ihm und vier weiteren ehemaligen Führungskräften legte Volkswagen nach umfangreichen Untersuchungen durch eine Anwaltskanzlei eine Verletzung der Sorgfaltspflichten zur Last, weil er es nach dem 27. Juli 2015 unterlassen habe, die Hintergründe des Einsatzes einer illegalen Software bei 2,0-Liter-Dieselmotoren untersuchen zu lassen. Ex-Audi-Chef Rupert Stadler zahlt den Angaben zufolge 4,1 Millionen Euro an Entschädigung. Er soll seine Sorgfaltspflichten verletzt haben, weil er es nach dem 21. September 2016 unterlassen habe, dass größere Motoren auf eine unzulässige Softwarefunktion untersucht wurden.

Die ehemaligen Entwicklungsvorstände von Audi und Porsche, Stefan Knirsch und Wolfgang Hatz, erklärten sich in dem Vergleich bereit, eine Million beziehungsweise 1,5 Millionen Euro zu zahlen. Dagegen sei der frühere Audi-Technikvorstand Ulrich Hackenberg nicht zu einer Einigung bereit gewesen, teilte VW mit. Gegen ihn würden nun gerichtliche Schritte eingeleitet. Ausgenommen von dem Vergleich ist auch der frühere Entwicklungschef der Marke VW, Heinz-Jacob Neußer. Gegen ihn hatte VW schon vorher Ansprüche angemeldet, gegen die sich der Manager in einem arbeitsrechtlichen Verfahren wehrt.

270 Millionen Euro erhält Volkswagen von der Haftpflichtversicherung (D&O), die der Konzern für sein Top-Management abgeschlossen hat. Dies ist die mit Abstand höchste Summe, die je in einem solchen Zusammenhang gezahlt wurde. Über den Anteil des aus mehr als 30 Versicherern bestehenden Konsortiums an den Kosten war bis zuletzt gerungen worden. Der Aufsichtsrat hatte bereits am Wochenende wesentliche Eckpunkte des Vergleichs festgezurrt.

AUS MILLIARDEN WERDEN MILLIONEN

In dem mit Milliardenaufwand aufgearbeiteten Dieselskandal fließen dem Konzern damit nun rund 288 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen zu. Ursprünglich war Winterkorn ein Schaden von mehr als einer Milliarde Euro zugerechnet worden. Bei Stadler kamen die VW-Anwälte auf mehrere hundert Millionen Euro. Den Vergleich müssen noch die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 22. Juli absegnen.

Bei der neuen Anklage in Berlin werfen die Ermittler Winterkorn vor, als Zeuge vor dem Abgas-Untersuchungsausschuss uneidlich falsch ausgesagt zu haben. Er habe bewusst falsche Angaben dazu gemacht, wann er über den Einsatz der Manipulations-Software informiert worden sei. Winterkorn hatte bei der Anhörung im Untersuchungsausschuss bestritten, vor Bekanntwerden des Dieselskandals im September 2015 von den Manipulationen gewusst zu haben. Die Staatsanwaltschaft Berlin habe jedoch Beweise, wonach er schon im Mai 2015 von der illegalen Abschalteinrichtung erfahren haben soll. Diese Thematik sei auch Gegenstand einer Besprechung mit Managern im Juli 2015 gewesen, dem sogenannten Schadenstisch.

Ein Sprecher von Winterkorn nannte die Anklage überflüssig. “Alle von der Staatsanwaltschaft Berlin angeführten Punkte werden in Braunschweig verhandelt.” Die in Berlin erhobenen Anschuldigungen bezeichnete er als “Wahlkampfgeplänkel”.

Für den Prozess gegen Winterkorn in Braunschweig, der am 16. September und damit fast sechs Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals beginnen soll, hat die Wirtschaftsstrafkammer mehr als 130 Verhandlungstage bis zum Frühjahr 2023 angesetzt. Die Anklageschrift umfasst knapp 700 Seiten. In 300 Aktenbänden mit 75.000 Seiten haben die Ermittler Vernehmungsprotokolle, Ermittlungsergebnisse und Power-Point-Präsentationen von VW zusammengetragen, um ihren Tatverdacht zu untermauern. Damit sollen die Hintergründe des Skandals beleuchtet werden, der am 18. September 2015 durch die US-Umweltbehörden öffentlich gemacht wurde. Die Manipulationen haben dafür gesorgt, dass der Dieselantrieb seither generell einen Makel hat und die Zulassungszahlen auf breiter Front gesunken sind.

Dass es solange gedauert hat, bis der Prozess losgehen kann, liegt nicht allein an der Corona-Krise. Grund ist vor allem, dass die zuständige Wirtschaftsstrafkammer monatelang selbst ermittelte. Üblicherweise überprüfen Richter die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lediglich nach rechtlichen Gesichtspunkten und klopfen gegebenenfalls deren Beweisführung ab. In diesem Fall verschärfte die Kammer die Anklage der Staatsanwaltschaft teilweise: Statt des von den Ermittlern erhobenen Vorwurfs des schweren Betrugs hegen die Richter einen hinreichenden Tatverdacht, dass sich Winterkorn und weitere Manager gewerbsmäßig zu einer Bande zusammengeschlossen haben. Im äußersten Fall drohen den Angeklagten damit Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren.

 

Richter im Anlegerprozess bringt VW-Argumentation ins Wanken

Bei der Prüfung kursrelevanter Informationen sei der Einwand einer fehlenden Aufdeckungswahrscheinlichkeit unbeachtlich, sagte Richter Christian Jäde am Dienstag. “Wir meinen, dass es nicht auf die Wahrscheinlichkeit einer Aufdeckung ankommt, sondern ob es einen Umstand gibt, über den informiert werden sollte.” Damit widersprach der Richter in einer vorläufigen Einschätzung am elften Verhandlungstag den Anwälten von Volkswagen und der ebenfalls beklagten Familienholding Porsche SE. Jäde kündigte an, auf dieser Grundlage den Prozess fortzusetzen.

Die beiden Unternehmen führen in dem Kapitalanleger-Musterverfahren an, dass der VW-Dieselskandal erst dadurch börsenrelevant geworden sei, dass die US-Behörden dem Unternehmen am 18. September 2015 eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar wegen Verstößen gegen Umweltrecht angedroht hatten. “Dadurch änderte sich die Welt”, sagte Anwalt Markus Meier. Bis dahin sei man davon ausgegangen, eine gütliche Einigung mit den US-Umweltbehörden zu erreichen. Man habe nicht damit gerechnet, dass der Vorgang öffentlich gemacht würde. Volkswagen hatte die Anleger erst danach in einer Ad-hoc-Mitteilung über den Dieselskandal und die damit für das Unternehmen verbundenen Risiken informiert. Die VW-Aktie war daraufhin eingebrochen. Die klagenden Anleger machen deshalb einen Milliardenschaden geltend.

Die Kläger sind der Meinung, dass Volkswagen sehr viel früher hätte informieren müssen. Sie sehen eine börsenrelevante Information nicht erst im Einbau einer illegalen Abschalteinrichtung bei Dieselautos in den USA, sondern bereits vorher. Schon als die VW-Ingenieure festgestellt hätten, dass die Abgasvorgaben mit legalen Mitteln nicht eingehalten werden konnten, hätte dies mitgeteilt werden müssen, sagte ein Klägeranwalt.

Das Oberlandesgericht verhandelt seit nunmehr fast drei Jahren über die Musterklage der Fondsgesellschaft Deka Investment der Sparkassen wegen erlittener Kursverluste. Insgesamt gibt es in Braunschweig 1839 ausgesetzte Einzelverfahren, der Streitwert beläuft sich nach Gerichtsangaben aktuell auf rund 4,1 Milliarden Euro. Diese Kläger müssen im Falle eines Urteils zugunsten der Deka ihre Ansprüche jeweils beim Landgericht durchsetzen.

Das Verfahren dürfte sich noch länger hinziehen, da die Beteiligten bisher nicht über Grundsatzfragen und die Diskussion von Rechtsfragen hinausgekommen sind. Die Zahl der Feststellungsziele hat sich im bisherigen Verlauf auf rund 470 mehr als verdoppelt. Allein in den sechs Monaten Unterbrechung wegen der Pandemie kamen nach Gerichtsangaben mehrere hundert Seiten mit Erweiterungsanträgen und Rechtsgutachten hinzu.

 

Automarkt in Deutschland erholt sich weiter

Im Mai kamen mit rund 230.600 Neuwagen 37 Prozent Fahrzeuge mehr auf die Straßen als im schwachen Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Donnerstag mitteilte. Damit fiel der Zuwachs nicht so hoch aus wie im April, als sich die Neuzulassungen binnen Jahresfrist fast verdoppelt hatten. Im April 2020 hatten die Autoproduktion und der Handel wegen der Pandemie noch weitgehend stillgestanden.

Nach Einschätzung des Importeurverbands VDIK ist die Krise damit aber längst nicht überwunden. Die hohen Wachstumsraten dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Pkw-Markt weiterhin erkennbar schwächele, erklärte Verbandschef Reinhard Zirpel. “Seit Jahresbeginn blieb das Neuzulassungsvolumen 16 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.”

Mit Ausnahme von Mercedes-Benz (minus 14,8 Prozent) steigerten im Mai alle deutschen Marken ihren Absatz, allen voran BMW mit plus 92 Prozent. Marktführer VW steigerte sich um mehr als die Hälfte, die zum französisch-italienischen Stellantis-Konzern gehörende Rüsselsheimer Marke Opel legte um rund 42 Prozent zu und Audi erhöhte die Neuzulassungen um ein Drittel.

E-AUTOS WEITER STARK GEFRAGT

Der Boom bei den Elektroautos hielt unterdessen an: Der Absatz rein batteriegetriebener Fahrzeuge verfünffachte sich fast auf rund 26.800 Einheiten. Bei Plug-in-Hybriden, bei denen ein Verbrenner dem E-Motor zeitweise Arbeit abnimmt, vervierfachte sich der Absatz binnen Jahresfrist auf 27.200 Fahrzeuge. Der Anteil der Benziner an den Neuzulassungen stieg leicht auf 37,7 Prozent, während Dieselautos erneut weniger gefragt waren. Ihr Anteil sank auf 22,3 Prozent. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller neu registrierten Fahrzeuge fiel um knapp ein Fünftel auf 125 Gramm pro Kilometer.

Ingesamt kletterten die Pkw-Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten um 12,8 Prozent auf rund 1,12 Millionen Fahrzeuge.

 

Daimler und Nokia beenden jahrelangen Patentstreit

Der Dax-Konzern zahlt dem finnischen Mobilfunkausrüster Lizenzgebühren für die Nutzung von Mobilfunktechnik im Auto, wie beide Firmen am Dienstag mitteilten. Damit seien in diesem Fall alle Rechtsstreitigkeiten vom Tisch, auch die Beschwerde Daimlers bei der Europäischen Kommission. Details der Vereinbarung, für die der Stuttgarter Autobauer von seiner bisherigen Argumentation abrückte, wurden nicht genannt. “Wir begrüßen die Einigung, aus wirtschaftlicher Sicht, und weil wir langwierige Streitigkeiten vermeiden”, sagte eine Daimler-Sprecherin. Anleger reagierten erleichtert, auch weil der Patentstreit zu einem Produktions- und Verkaufsverbot für Daimler hätte führen können. Die Aktien des Stuttgarter Autokonzerns zählten zu den größten Dax-Gewinnern.

Nokia hatte eine Reihe von Klagen gegen den Autobauer erhoben. Dabei geht es um einen Grundsatzstreit, den Daimler mit dem Technologieanbieter schon länger führt. Die Frage ist, wer die Lizenzgebühr für die sogenannten standardessenziellen Patente auf Kommunikationstechnik zahlen soll. Der Fall war Ende 2020 beim Europäischen Gerichtshof gelandet. Unklar ist nun, ob das oberste europäische Gericht in der Sache nun noch ein Urteil fällt. Eigentlich hatte das Landgericht Düsseldorf dem Gericht in Luxemburg eine Reihe von grundsätzlichen Fragen zur Klärung des Patentstreits vorgelegt.

GRUNDSATZSTREIT BLEIBT

Der Grundsatzstreit schwelt auch nach der außergerichtlichen Einigung weiter. Der Continental-Konzern, der Daimler als Zulieferer in dem Fall als sogenannter Streithelfer unterstützte, verwies darauf, dass sich der Kompromiss auf die älteren Mobilfunkstadards 3G und 4G beziehe, nicht aber auf die neue 5G-Technik, die für die Vernetzung von Autos und automatisiertes Fahren zentral sei. Im Kern geht es darum, ob der Zulieferer oder der Autobauer eine Lizenz erhält. Daimler hatte angeführt, dass die Zulieferer die Patentgebühren zahlen, in deren Teilen die Technik integriert ist. Nokia dagegen argumentierte, dass der Autohersteller selbst zahlen solle.

Mit der Beilegung des Streits sei es dem Europäischen Gerichtshof nicht mehr möglich, drängende rechtliche Fragen zu klären und einen europäischen Rechtsrahmen für solche Patente zu schaffen, erklärte Continental. Deshalb halte der Konzern an seiner Beschwerde wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung gegen Nokia bei der EU-Kommission fest. Die Kommission müsse Regeln definieren, sonst drohe europäischen Unternehmen im Zukunftsmarkt der Vernetzung und des Internet der Dinge ein Wettbewerbsnachteil gegenüber asiatischen und amerikanischen Wettbewerbern.

Nokia legte einen ähnlichen Streit mit dem PC-Hersteller Lenovo im April bei, nachdem das Unternehmen in die Zahlung einer Gebühr eingewilligt hatte. Auch Samsung hatte zuletzt bei der Nutzung von Patenten für Video-Technologie eingelenkt. Autobauer wie Audi, Bentley, BMW, Mini, Porsche, Rolls Royce, Seat, Skoda, Volkswagen und Volvo zahlen ebenfalls Patentgebühren direkt an Nokia.

In der Branche kommt es immer wieder zu Patentstreitigkeiten. Daimler stritt etwa mit dem japanischen Apple-Zulieferer Sharp vor Gericht um Patentrechte. Der US-Chipkonzern Broadcom hatte Volkswagen vor ein paar Jahren wegen der angeblichen Nutzung von Patenten in Navigations- und Entertainmentsystemen verklagt, die die Wolfsburger in zahlreichen Modellen einsetzen. Der Fall war besonders aufsehenerregend, weil der US-Konzern eine Milliarde Dollar von dem Wolfsburger Autokonzern verlangte und einem “Spiegel”-Bericht zufolge damit drohte, andernfalls die Produktion von Modellen der Marken VW, Porsche und Audi gerichtlich stoppen zu lassen. Am Ende einigte man sich außergerichtlich. Ob Volkswagen dabei Geld zahlte, wurde damals nicht bekannt. Die Autoindustrie beklagt schon länger, dass so genannte Patentverwerter die Rechtslage ausnutzten, um überhöhte Lizenzgebühren zu verlangen.

 

Ford steigt ins Rennen um E-Autos ein – Ausgaben steigen massiv

Der zweitgrößte US-Autobauer kündigte am Mittwoch an, die Ausgaben für neue Elektroautos und die Entwicklung von Batterien bis 2030 um mehr als ein Drittel auf über 30 Milliarden Dollar zu steigern. Bisher waren 22 Milliarden Dollar eingeplant. Nach Ansicht von Analysten muss der Konzern aus Dearborn bei der Elektrifizierung aufholen, um nicht von anderen Autobauern abgehängt zu werden. US-Marktführer General Motors hat angekündigt, die Produktion bis 2035 komplett auf E-Autos umzustellen.

So weit geht Ford nicht: Der Konzern, der bei E-Autos in Europa mit Volkswagen zusammenarbeitet, peilt bis zum Ende des Jahrzehnts bei batteriegetriebenen Fahrzeugen einen Anteil von 40 Prozent seines weltweiten Absatzes an. Das Unternehmen hatte jüngst den vollelektrischen SUV Mustang Mach-E auf den Markt gebracht und plant die Einführung je einer elektrischen Version des Transporters Transit und des Pickup-Bestsellers F-150. “Das ist unsere größte Chance für Wachstum und Wertschöpfung seit Henry Ford mit dem Model T begann”, erklärte Konzernchef Jim Farley. Mit dem Model T hatte Ford zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Grundlage für die Massenproduktion von Autos gelegt.

Auch in die Entwicklung von Batterien für E-Autos steigt Ford ein und hat sich dafür an dem Startup Solid Power beteiligt, das an kostengünstigen Festköperzellen arbeitet. Vergangene Woche erst hatte der Autobauer ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem südkoreanischen Hersteller SK Innovation angekündigt, das in zwei Werken in den USA Batteriezellen produzieren soll. Auch an der Softwareentwicklung arbeitet Ford. Die Zahl der Fahrzeuge, deren Systeme übers Internet auf dem neuesten Stand gehalten werden können, soll noch in diesem Jahr auf eine Million steigen. Bis 2028 sollen es 33 Millionen Fahrzeuge sein.

Ford kündigte außerdem die Gründung einer neuen Unternehmenseinheit an, die sich auf gewerbliche und staatliche Kunden konzentrieren soll – ein Segment, in dem Farley große Wachstumschancen sieht. In Europa nutzt Ford gegen Lizenzgebühr den von Volkswagen entwickelten Elektrobaukasten MEB. Dazu wird das Kölner Werk des US-Autobauers zu einem europäischen Zentrum für Elektroautos umgebaut.

 

Magazin – VW erhält Milliarden-Offerte für Sportwagentochter Lamborghini

Die neu gegründete Holding Quantum Group habe zusammen mit der Investmentfirma Centricus Asset Management eine erste Offerte über 7,5 Milliarden Euro vorgelegt, berichtete das Magazin “Autocar” am Dienstag unter Berufung auf Kaufunterlagen. Sowohl VW-Chef Herbert Diess als auch Audi-Chef Markus Duesmann wüssten von der Offerte.

Ein Audi-Sprecher erklärte, Lamborghini stehe nicht zum Verkauf. “Das ist nicht Gegenstand irgendeiner Diskussion im Konzern.” Centricus war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Lamborghini gehört seit 1998 zu Audi.

Quantum wird dem Bericht zufolge von Rea Stark vertreten, der als ein enger Vertrauter von Anton Piech gilt, dem Sohn des Ex-VW-Aufsichtsrats Ferdinand Piech. Die beiden Männer haben zusammen das Elektroauto-Startup Piech Automotive gegründet, bei dem unter anderem auch der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller arbeitet. Es sei derzeit aber unklar, ob Piech und Müller direkt an dem Kaufangebot beteiligt seien, hieß es in dem Bericht weiter.

Piech Automotive hatte angekündigt, an einem zweisitzigen Elektro-Sportwagen zu arbeiten, der in weniger als fünf Minuten aufgeladen werden kann. Ein erstes Konzept-Auto soll Ende 2022 vorgestellt werden. Schwerpunkt der Quantum Group ist dem Magazinbericht zufolge der Kauf von Lamborghini, einschließlich der Motorsport-Aktivitäten und des Werks im italienischen Sant’Agata. Die Sportwagenschmiede solle zur “Speerspitze für Innovationen werden”.

Neben dem Kauf von Lamborghini schlägt Quantum demnach eine strategische Partnerschaft mit VW vor, die unter anderem den Austausch geistigen Eigentums sowie Entwicklung und Fertigung von Batterien beinhaltet. Geplant sei ein Entwicklungszentrum für Software und Technologien für selbstfahrende Autos, bis zu 850 neue Jobs könnten so geschaffen werden. Bis 2025 solle eine “Elektro-Lösung” für Lamborghini gefunden werden.

 

Audi experimentiert mit der Stromtankstelle der Zukunft

Die Kunden sollten mehrfach davon profitieren, sagte Technik-Vorstand Oliver Hoffmann, “mit einer exklusiven Reservierungsmöglichkeit, einem Loungebereich und einer kurzen Standzeit dank hoher Ladeperformance.” Damit erprobt der Premiumautobauer Lösungen für ein Kernproblem von Elektroautos: Stromtanken dauert wesentlich länger als Sprit zapfen an der Tankstelle, selbst bei Schnellladestellen, wie Audi sie anbieten will. Außerdem wird das Ladestellennetz nur langsam dichter, so dass mit der steigenden Zahl von E-Autos Warteschlangen unvermeidlich sein werden.

Die VW-Tochter will außerdem neue Kunden gewinnen: Audi-Fahrer können mit einer halben Stunde Vorlauf einen der sechs Stromtankplätze reservieren und deshalb an der Warteschlange vorbeifahren. In der Lounge soll es außerdem einen exklusiven Bereich für die Kunden der eigenen Marke geben. “Wir wollen Argumente schaffen, dass sich Kunden für den elektrischen Audi entscheiden und nicht für das Wettbewerbermodell”, sagte Projektmanager Ralph Hollmig.

Eine Besonderheit der Audi-Stromtankstelle ist, dass sie durch Speicherbatterien in den Ladesäulen und Photovoltaik auf dem Dach unabhängig vom Stromnetz ist und damit den Standort wechseln kann. Der Auf- und Abbau dauert insgesamt drei Wochen. Dem Autobauer schwebt vor, bei Großveranstaltungen mit dem “Charging Hub” zur Stelle zu sein oder nur zeitweise verfügbare Flächen in Städten zu nutzen.

Der Standort für die Pilotanlage steht noch nicht fest. Es sei eine Hand voll Orte in Deutschland in der engen Auswahl, Gespräche mit Partnern liefen, erklärte Audi weiter. Ende des Jahres soll dann entschieden werden, ob das Konzept serientauglich ist und europaweit ausgerollt wird. Es würde außerdem im Verbund mit den anderen Marken des VW-Konzerns umgesetzt, um Größenvorteile zu erreichen.

 

Daimler Truck will Rendite bis 2025 steigern

Daimler Truck wird in allen Regionen eine Benchmark-Profitabilität und bis 2025 eine insgesamt zweistellige Umsatzrendite anstreben, starke Marktbedingungen vorausgesetzt”, erklärte das Unternehmen am Donnerstag bei seinem Strategietag. Die Fixkosten sollen dafür um 15 Prozent im Vergleich zu 2019 gesenkt werden. Zugleich sollen die Personalkosten bis 2022 um 300 Millionen Euro gedrückt werden, wie schon länger bekannt ist. “Wir sind bereit, harte Entscheidungen zu treffen, um unsere Fixkosten zu senken und unsere finanzielle Performance weiter zu verbessern”, sagte Truck-Chef Martin Daum. “Jede Region muss liefern.” Denn während Daimlers Lkw-Profitabilität in Nordamerika den Maßstab der Branche setze, müsse sie in Europa, Brasilien und Asien deutlich verbessert werden.

In den vergangenen Jahren erwirtschaftete der Weltmarktführer für Schwerlaster mit rund sechs Prozent Umsatzrendite weniger als etwa die Volkswagen-Tocher Scania, die meist um die zehn Prozent erreichte. Die höchste Rendite von Daimler Trucks & Bus im vergangenen Jahrzehnt betrug 7,2 Prozent im Jahr 2018. Künftig sollen sechs Prozent bei schwachem Marktumfeld erreicht werden. “Wir wissen, unsere Finanzergebnisse waren in den letzten Jahren nicht da, wo sie sein sollen”, sagte der neue Finanzchef Jochen Götz in der Online-Konferenz mit Investoren und Analysten. “Das müssen wir reparieren.” Sparen allein soll nicht zum Ziel führen. Daimler will sich künftig stärker auf profitablere Schwerlaster konzentrieren und mehr mit Services wie Ersatzteilgeschäft und Finanzdienstleistungen verdienen. Der Umsatzanteil der Dienstleistungen soll von derzeit 30 Prozent bis 2030 auf 50 Prozent steigen.

Der Stuttgarter Nutzfahrzeughersteller nannte ein konkretes Absatzziel für emissionsfreie Fahrzeuge: Bis 2030 sollen bis zu 60 Prozent des Absatzes mit Batterie- oder Brennstoffzellen bestritten werden.

“Daimler kann nicht erklären, warum der Weltmarktführer für Schwerlaster mit die geringste Profitabilität aufweist”, schrieb Daniel Schwarz von Stifel Research in einer Vorschau auf den Termin. Das hätte für Anleger in Daimler-Aktien aber kaum eine Rolle gespielt, weil das Pkw-Geschäft von Mercedes-Benz im Vordergrund stand. Mit dem Börsengang müsse sich der Stuttgarter Lkw-Bauer künftig dem Vergleich mit Volvo, Traton mit der profitablen Marke Scania und Paccar stellen. Daimler hatte Anfang des Jahres entschieden, das Nutzfahrzeug- vom Pkw-Geschäft Mercedes-Benz abzuspalten und bis Jahresende einen Minderheitenanteil an die Börse zu bringen.