Regierungskreise – Aktuelle Gas-Zahlungen in Euro oder Dollar funktionieren

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Russland akzeptiert offenbar die jüngsten deutschen Gas-Zahlungen weiter in Euro oder Dollar.

Nach vorliegenden Informationen funktionierten diese aktuell gemäß den europäischen Richtlinien, sagten deutsche Regierungsvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Es lägen derzeit keine gegenteiligen Informationen vor.

In den vergangenen Tagen waren Rechnungen für Gas fällig, für deren Abwicklung neue russische Vorgaben gemacht wurden. Russland hatte erklärt, es wolle Zahlungen in Rubel – obwohl die Verträge fast alle in Euro oder Dollar lauten. Die genaue Umsetzung blieb aber unklar und sorgte für Unsicherheit. Die Unternehmen zahlten Regierungs- und Branchenkreise zufolge jedoch weiter in Euro oder Dollar, der mögliche Tausch über ein weiteres von den Firmen eingerichtetes Konto wurde der russischen Seite überlassen. Dies gilt dann auch als im Einklang mit den EU-Sanktionsbestimmungen.

Die EU-Kommission hatte sich mit konkreten Anweisungen für die Firmen schwer getan. Auf der einen Seite mussten die Sanktionen befolgt werden. Sie lassen Zahlungen jedoch über Konten der Bank des russischen Staatskonzerns Gazprom weiter zu. Auf der anderen Seite war lange umstritten, ob die geforderte Eröffnung eines Rubel-Währungskontos erlaubt sei, die Gazprom offenbar verlangte. In Kommissionskreisen hieß es schließlich, man rate von einem solchen Konto ab, es verstoße aber nicht gegen die Richtlinien. Polen etwa weigerte sich ein solches Rubel-Konto einzurichten und erhielt dann kein Gas mehr. Da das Land aber überwiegend auf Flüssiggas-Importe umgestellt hat, blieben die Auswirkungen gering.

Deutschland bezieht jedoch immer noch etwa ein Drittel seines Verbrauchs über russisches Pipeline-Gas und ist auf dieses nach Regierungsangaben trotz aller Anstrengungen noch bis 2024 angewiesen. Am Dienstag hatte die Regierung ein Gesetzesvorhaben auf dem Weg gebracht, um den Einsatz von Gas in Kraftwerken im Notfall auf ein Minimum zu senken und dafür mehr Kohlemeiler ans Netz zu bringen. Um die zehn Prozent des Gas-Bedarfs in Deutschland wird geschätzt aktuell noch in Kraftwerken verbrannt.

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte auf Anfrage zu den Zahlungen: “Die Verträge gelten und sind einzuhalten. Sie lauten auf Euro und Dollar. Also sind sie in Euro oder Dollar zu erfüllen.” Es handele sich um privatrechtliche Verträge, die nicht einseitig verändert werden könnten. So hätten sich auch die Energieminister der sieben größten Industriestaaten (G7) positioniert. Diese treffen sich Donnerstag und Freitag in Berlin.  

Deutschland und Katar unterzeichnen Energiepartnerschaft

Berlin/Düsseldorf (Reuters) – Deutschland und Katar wollen in den Bereichen Flüssigerdgas (LNG), Wasserstoff und Klimaschutz enger zusammenarbeiten.

Der Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani, und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck unterzeichneten hierzu in Berlin eine gemeinsame Absichtserklärung, wie das Ministerium am Freitag zum Staatsbesuch des Emirs miteilte. Beide Seiten sollten vom Aufbau der Handelsbeziehungen im Bereich Flüssigerdgas und der Erreichung von Klimaschutzzielen profitieren.

“Die neu gegründete Energiepartnerschaft wird Deutschland durch den Bezug von LNG-Importen aus Katar bei der Diversifizierung seiner Gasversorgung helfen und zugleich der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich grüner Wasserstoff einen Schub verleihen”, hieß es. Zudem würden beide Länder von einem intensivierten Wissensaustausch zu Energiewendethemen profitieren. Hierzu würden zwei Arbeitsgruppen gebildet.

Die Bundesregierung will den Gasbezug Deutschlands breiter aufstellen und so schnell wie möglich nicht mehr auf Erdgas aus Russland angewiesen sein. Flüssigerdgas spielt dabei eine Schlüsselrolle. Deutschland treibt hierzu auch den Bau von LNG-Terminals in Norddeutschland voran. Die Pläne werden von Energiekonzernen wie RWE und Uniper unterstützt. Uniper-Chef Klaus-Dieter Maubach hatte am Mittwoch auf der Hauptversammlung berichtet, dass der Bezug von Flüssigerdgas aus Katar eine Option sei.

Insider – BDI wirbt bei Gasnot für die Industrie

– von John O’Donnell und Christoph Steitz

Frankfurt (Reuters) – Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will Insidern zufolge der Bundesregierung ein Konzept vorlegen, damit im Fall einer Gasnotlage besonders auf den Brennstoff angewiesene Firmen ihren Betrieb aufrechterhalten können.

Der Verband wolle die Bundesnetzagentur beraten, die bei einem Mangel an Erdgas entscheiden muss, in welcher Reihenfolge Betriebe weiter beliefert werden oder nicht, sagten mehrere mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschland will sich damit für den Fall wappnen, dass Russland seine Lieferungen stoppt. Insbesondere energieintensive Firmen der Stahl-, Glas- oder Chemieindustrie befürchten hohe Schäden für ihre Produktion, die sich auch auf weitere Branchen auswirken könnten.

Der BDI wolle mit seinen Vorschlägen dafür sorgen, dass die Folgen für die Betriebe abgefedert würden, sagten die Insider. Anfang Juni wolle der Lobbyverband der Netzagentur seine Ideen erläutern. Er schlage ein Auktionsmodell vor. Der Staat würde Firmen belohnen, die ihre Produktion kürzen oder ganz einstellen und damit Gas den Betrieben überließen, die dringender darauf angewiesen seien, sagte ein Insider. Ein anderer sagte, Gasbezugsrechte könnten verkauft werden. Die genauen Details würden noch geklärt. Die Netzagentur hat sich offen gezeigt für Auktionen, die auch schon bei der Abschaltung von Kohlekraftwerken genutzt wurden.

MITTELSTAND SIEHT SICH BENACHTEILIGT

Mittelständler schlagen indes Alarm. “Gasverbrauchsrechte per Auktion zu vergeben ist weder fair noch effizient”, sagte der Chefvolkswirt der Organisation “Der Mittelstand.BVMW”, Hans-Jürgen Völz. “Große, finanzstarke Unternehmen haben bei solchen Auktionen eine deutlich höhere Schmerzgrenze als mittelständische Betriebe.” Zugleich spiele der Faktor Energie bei der Produktkalkulation der Unternehmen eine sehr unterschiedliche Rolle. “All diejenigen, für die die Energiekosten nur einen geringen Teil der Produktionskosten ausmachen, werden in den Auktionen deutlich aggressiver agieren können.”

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hatte kürzlich sein Vorgehen im Fall einer Gasnotlage beschrieben. Zu den geschützten Kunden gehörten neben Feuerwehr, Krankenhäusern, der Polizei, Schulen, Kitas, Gefängnissen oder der Bundeswehr auch alle Privathaushalte mit einem Gasverbrauch von bis zu 10.000 Kilowattstunden Gas im Jahr, sagte Müller der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”. Er stellte zudem Kriterien für die Großverbraucher vor. Dazu gehörten die Dringlichkeit der Maßnahme und die Größe des Unternehmens. Ein weiterer Aspekt seien die Vorlaufzeiten: Einige Firmen bräuchten mehr Zeit, um geordnet herunterzufahren. Außerdem gehe es um die volks- und betriebswirtschaftlichen Schäden. Berücksichtigt würden auch die Kosten und die Dauer für die Wiederinbetriebnahme sowie die Bedeutung der Versorgung für die Allgemeinheit, etwa mit Lebensmitteln oder Medikamenten. Gaskraftwerke sollten abgeschaltet werden, sofern sie nicht der Netzstabilität dienten. Zu den ersten Betrieben, denen der Hahn zugedreht werden könnte, gehörten Schwimmbäder und weitere Freizeiteinrichtungen. Es sei aber nicht möglich, eine eindeutige Reihenfolge festzulegen.

Habeck – Zahlung für russisches Gas wird klappen

Leuna (Reuters) – Der Weg für eine Bezahlung russischen Erdgases im Einklang mit den EU-Sanktionen ist laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck geebnet.

“Ich gehe davon aus, dass dies funktioniert und klappt”, sagte der Grünen-Politiker am Montag beim Besuch des Chemieparks in Leuna. “Soweit Gesprächskanäle mit russischen Firmen, mit Gazprom, da waren, ist das auch geklärt.” Die Zahlungen würden nach deutscher Auffassung und der der EU sanktionskonform sein. “Die Unternehmen werden ihre Rechnungen in Euro bezahlen.” Russische Banken könnten das Geld dann auf ein sogenanntes Konto “K” überführen. Dort könnte das Geld dann in Rubel von der russischen Seite getauscht werden.

ZAHLUNGSMODALITÄTEN UNKLAR

Russland mit seinem Staatskonzern Gazprom hatte darauf bestanden, die genaue Umsetzung galt jedoch als unklar. Jetzt in der zweite Mai-Hälfte werden Rechungen für deutsche Importeure und andere westeuropäische Unternehmen fällig. Dies hatte große Unsicherheit in der Branche ausgelöst, ob Russland Zahlungen in Euro oder Dollar – wie in fast allen Verträgen verankert – akzeptiert. Die Detailregelungen der Zahlweise galten als kompliziert und unklar. Mit den Zahlungen Ende Mai wird sich voraussichtlich zeigen, inwieweit die Zahlungen akzeptiert werden.

Habeck ließ bei seinem Besuch in der Chemie-Region um Halle keinen Zweifel daran, dass Deutschland trotz aller Anstrengungen noch den russischen Brennstoff brauche. “Wir sind darauf angewiesen, dass wir Gas aus Russland bekommen.” Zwar treibt er mit Hochdruck etwa den Bau von Flüssiggasterminals voran, um Gas auch aus anderen Weltregionen beziehen zu können. Doch diese werden frühestens im Winter ihren Betrieb aufnehmen können und auch dann nur einen Teil des russischen Pipeline-Gases ersetzen können. Zuletzt bezog Deutschland noch gut ein Drittel seines Gases aus Russland. In vorangegangenen Jahren war es mehr als die Hälfte.

Gazprom Germania-Tochter Wingas betont Liefertreue

Düsseldorf (Reuters) – Das zur Gazprom Germania Gruppe gehörende Kasseler Gashandelsunternehmen Wingas hält nach eigenen Angaben trotz des von Russland verhängten Gaslieferstopps seine eigenen Verpflichtungen aufrecht.

“Von den Sanktionen der Russischen Föderation sind auch die Unternehmen der Gazprom Germania Gruppe betroffen”, teilte Wingas am Donnerstagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit. Einige Tochter-Gesellschaften, darunter Wingas, erhielten keine Gasmengen mehr aus Russland. “Die Wingas GmbH greift zur Belieferung ihrer Kunden auf ein diversifiziertes Portfolio zurück und beschafft an verschiedenen europäischen Handelspunkten. Kunden erhalten weiterhin zuverlässig ihre vertraglich vereinbarten Mengen.”

Russland hatte am Mittwoch insgesamt 31 Unternehmen auf eine Sanktionsliste gesetzt. Auf der Liste stehen auch die Handels- und Speicher-Töchter von Gazprom Germania. Deutschland hatte die Firma zur Sicherung der Gasversorgung unter die Treuhandschaft der Bundesnetzagentur gestellt, nachdem der russische Energieriese Gazprom das Unternehmen aufgeben wollte. Die Sanktionen gelten auch als Gegenreaktion auf das deutsche Vorgehen.

Konflikt mit Russland weitet sich auf Gas-Lieferungen aus

– von Markus Wacket und Timothy Heritage

Berlin/London (Reuters) – Der Konflikt mit Russland im Zuge des Ukraine-Kriegs spitzt sich zu und trifft mit der Gas-Versorgung Deutschlands empfindlichste Stelle.

“Russland setzt Energie als Waffe ein”, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck am Donnerstag in Berlin. Auf diese Situation sei man aber vorbereitet. Zehn Millionen Kubikmeter Gas täglich flössen jetzt nicht mehr nach Deutschland. Diese Menge entspreche über den Rest des Jahrs gesehen etwa drei Prozent der russischen Gas-Lieferungen und sei ersetzbar – wenn auch zu höheren Preisen. Das sei wohl das Ziel der Sanktionen gegen die unter deutscher Kontrolle stehende Gazprom-Germania und deren Handelstöchter. Man habe aber Vorsorge getroffen und werde dies finanziell abfangen. Einen Grund die Gas-Warnstufe auf “Alarm” zu erhöhen, gebe es derzeit noch nicht. Oberstes Gebot sei aber: “Sparen, Sparen, Sparen!”

Russland hatte am Mittwoch insgesamt 31 Unternehmen auf einer Internetseite gelistet, gegen die Sanktionen erlassen werden, darunter der Eigner des polnischen Abschnitts der Jamal-Europa Erdgas-Pipeline, EuRoPol GAZ PA. Daher fließt auch kein Gas mehr durch diese Leitung Richtung Deutschland, wie Gazprom bestätigte. Laut Bundesnetzagentur bezog Deutschland über diesen Weg aber schon seit Wochen kaum Gas, so dass dies keine Auswirkungen auf die Versorgung haben werde.

Auf der Sanktions-Liste stehen auch die Handels- und Speicher-Töchter von Gazprom Germania. Deutschland hatte die Firma zur Sicherung der Gasversorgung unter Treuhandschaft genommen, nachdem der russische Energieriese Gazprom das Unternehmen aufgeben wollte. Die Sanktionen gelten auch als Gegenreaktion auf das deutsche Vorgehen.

Trotz des Kriegs – den Russland Spezialoperation nennt – war Deutschland bisher mit russischer Kohle, Öl und Gas beliefert worden. Besonders beim Gas ist Deutschland abhängig von russischen Lieferungen per Pipeline. Bis mindestens 2024 sei man trotz aller Anstrengungen, russisches Gas etwa durch Flüssiggas-Lieferungen zu ersetzen, auf Russland angewiesen, hatte die Regierung gesagt.

NETZAGENTUR: RUSSLAND WILL HANDEL WOHL FORTSETZEN

Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, wies darauf hin, dass Russland nicht die Leitungsbetreiber unter dem Dach von Gazprom Germania sanktioniere, das Gas also weiter etwa über Nordstream I fließen und in Deutschland verteilt werden könne. Russland wolle offenbar den Handel fortsetzen. Als positiv bezeichnete es Müller, dass auch der größte Speicherbetreiber Astora von den Sanktionen erfasst sei. Offenbar wolle die russische Seite keine Nutzungsentgelte mehr für den größten deutschen Speicher Rehden zahlen. Das mache es dann etwa für Germania-Töchter einfacher ihn zu befüllen, egal mit welchem Gas. Rehden ist bislang kaum gefüllt.

Die Handelsverträge der Germania-Töchter mit der Gazprom müssen nun aber ersetzt werden. Das wird aber nach Branchenschätzungen teurer auf den Weltmärkten sein. Nach der russischen Sanktionsankündigung waren laut Müller die Großhandelspreise um etwa 14 Prozent gestiegen. Da die Germania-Töchter aber wiederum Verträge etwa mit Stadtwerken haben, könnte hier die finanzielle Absicherung des Bundes greifen, damit sie weiter zu vergleichbaren Preisen Gas beziehen können. Damit würden die Sanktionen auch für den Privatverbraucher keine direkten zusätzlichen Kosten verursachen.

Auch wenn die Mengen ersetzbar seien, könnten sich die Probleme bei Gaslieferungen häufen, warnte Habeck. Er verwies auf mögliche Probleme in Zusammenhang mit der von Russland geforderten Rubel-Zahlung, die Deutschland ablehnt. Zudem müsse man die Gasflüsse über die Ukraine beobachten.

LIEFERUNGEN ÜBER UKRAINE STOCKEN WEITER

Unabhängig von den Sanktionen stockt es hier weiter. Nachdem am Mittwoch etwa ein Viertel weniger Gas als sonst üblich über diese Route in Deutschland angekommen war, setzte sich dies am Donnerstag nach ersten Daten fort. Die Ukraine macht dafür die Kämpfe in der Region Luhansk und die russische Seite verantwortlich, da eine Verdichterstation nicht mehr betrieben werden könne. Russland und Gazprom weisen dies zurück. Eine von der Ukraine geforderte Umleitung über eine andere Route sei technisch nicht möglich. Laut Wirtschaftsminister Habeck waren zuletzt Norwegen und die Niederlande für Deutschland zum Ausgleich mit zusätzlichen Gas-Lieferungen eingesprungen.

Ein weiterer Konflikt könnte drohen, wenn Russland die Euro oder Dollar-Zahlungen für Gas aus dem Westen nicht mehr akzeptieren sollte. Russland hatte neue Regelungen mit Rubel-Zahlungen verlangt, die aber als unklar gelten. Der Versorger RWE erklärte, man sei hier in engem Kontakt mit der Bundesregierung und erwarte Klarstellungen in Kürze. Viele Rechnungen müssen im Mai beglichen werden. Dann wird sich voraussichtlich zeigen, ob sie akzeptiert werden.

Energiekonzern RWE profitiert von Ökokurs – Russland belastet

Düsseldorf (Reuters) – Für den Energiekonzern RWE zahlt sich der Ökokurs immer mehr aus.

Von Januar bis Ende März sei das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um 65 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro gestiegen, teilte der größte deutsche Stromkonzern am Donnerstag mit. RWE habe dank besserer Windverhältnisse und der Inbetriebnahme neuer Anlagen über 20 Prozent mehr Strom aus Wind und Sonne produziert. Auswirkungen des Krieges in der Ukraine bekommt aber auch RWE zu spüren. Da der Konzern infolge britischer Sanktionen keine russische Kohle mehr annimmt, musste er auf den langfristigen Bezugsvertrag 850 Millionen Euro abschreiben.

Finanzchef Michael Müller rechnet in Kürze mit einer Regelung der Bundesregierung, wie auf die von Russland geforderte Bezahlung der Gaslieferungen in Rubel reagiert werden soll. “Wir sind mit den politischen Stellen in Berlin in sehr engem Austausch”, sagte Finanzchef Michael Müller in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. “Wir gehen davon aus, dass eine Klärung in Kürze erfolgen wird.” Die nächste Rechnung sei Ende des Monats fällig. Der Manager wollte sich nicht dazu äußern, ob RWE hierfür ein Konto bei der Gazprombank eröffnet hat.

Von der jüngsten Sanktionsliste Russlands seien die Gasspeichergeschäfte von RWE nicht betroffen, betonte Müller. Russland hatte am Mittwoch 31 Unternehmen auf eine Sanktionsliste gesetzt, insbesondere Töchter des inzwischen unter der Treuhandschaft der Bundesnetzagentur stehenden Konzerns Gazprom Germania.

ABSCHREIBUNG AUF RUSSISCHE KOHLE

RWE verwies darauf, dass ab August seitens der EU ein Einfuhrstopp für Kohle aus Russland gelte. Bereits im März habe die britische Regierung Sanktionen verhängt, und zwar gegen die russische Eisenbahn. Als in Großbritannien tätiges Unternehmen bedeute das für RWE, dass seitdem keine russische Kohle mehr angenommen werde. “In der Folge hat RWE ihren langfristigen Bezugsvertrag für russische Kohle abgeschrieben.” Die Belastung belaufe sich auf rund 850 Millionen Euro.

RWE bestätigte am Donnerstag die Prognosen für das Gesamtjahr, wonach etwa das bereinigte Ebitda auf Konzernebene bei 3,6 bis 4,0 Milliarden Euro liegen soll. Im ersten Quartal sei deutlich mehr Ökostrom erzeugt worden. Dies sei vor allem verbesserten Windverhältnissen und der Inbetriebnahme neuer Anlagen in den USA, Frankreich und Deutschland zu verdanken, erklärte das Unternehmen. Die Sparte Onshore Wind/Solar habe ihr operatives Ergebnis auf 318 Millionen Euro verbessert nach einem Verlust von 119 Millionen Euro im Vorjahr. Damals waren die Ergebnisse erheblich von den Verlusten im Zuge der Kältekatastrophe in Texas belastet gewesen. Die Sparte Offshore Wind verbesserte ihr Ergebnis auf 420 Millionen Euro nach zuvor 297 Millionen Euro.

Fortum plant Rückzug aus Russland – Uniper-Tochter vor Verkauf

Düsseldorf (Reuters) – Der finnische Energiekonzern Fortum will sich aus Russland zurückziehen und dabei auch das dortige Stromerzeugungsgeschäft seiner deutschen Tochter Uniper abstoßen.

“Zusätzlich zu dem bereits angekündigten

Investitions- und Finanzierungsstopp in unseren russischen Tochtergesellschaften haben wir beschlossen, einen kontrollierten Rückzug aus dem russischen Markt zu verfolgen”, kündigte Fortum-Chef Markus Rauramo am Donnerstag an. Als

bevorzugte Vorgehensweise beinhalte diese Entscheidung eine mögliche Veräußerung der russischen Geschäftsaktivitäten von Fortum. “Der Verkaufsprozess der russischen Uniper-Tochter Unipro soll ebenfalls so bald wie möglich wieder aufgenommen werden.”

Die Tochter Unipro, an der Uniper 83,7 Prozent hält, betreibt in Russland mehrere Kraftwerke und steht für einen wichtigen Teil des operativen Gewinns von Uniper. Insider hatten Reuters im vergangenen Jahr berichtet, dass Uniper über Unipro Gespräche mit dem russischen Stromkonzern InterRAO geführt habe. Es habe aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen gehakt.

MARKE FORTUM WIRD IN RUSSLAND GESTRICHEN

Rauramo zufolge kann der Abschluss der Prozesse einige Zeit dauern. “Unabhängig davon haben wir beschlossen, die Marke Fortum in Russland nicht mehr zu verwenden”, sagte der Manager.

Hohe Beschaffungskosten belasten E.ON

Düsseldorf (Reuters) – Der Energiekonzern E.ONEONGn.DE hat im ersten Quartal wegen höherer Beschaffungskosten weniger verdient.

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) sei um 15 Prozent auf 2,08 Milliarden Euro gesunken, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Im Bereich Kundenlösungen sei der operative Gewinn um 44 Prozent auf 414 Millionen Euro geschrumpft. Bei den Netzen habe E.ON mit einem Gewinn von 1,5 Milliarden Euro vier Prozent weniger eingefahren. Der Konzern bestätigte die Prognose für 2022. E.ON peilt ein bereinigtes Ebitda von 7,6 bis 7,8 Milliarden Euro an nach zuletzt 7,9 Milliarden Euro.

“Wir sind trotz der Herausforderungen im ersten Quartal auf Kurs, unsere Ergebnisziele für das Geschäftsjahr 2022 zu erreichen”, sagte Finanzchef Marc Spieker. Höhere Beschaffungskosten hätten insbesondere das Vertriebsgeschäft belastet. “Der hierdurch ausgelöste temporäre Ergebnisrückgang wird allerdings im Jahresverlauf voraussichtlich aufgeholt werden.”

Für 2022 bestätigte E.ON Investitionen in Höhe von 5,3 Milliarden Euro. Spieker bekräftigte die Wachstumspläne des Konzerns. “Die Abkehr von der Abhängigkeit Europas von Energieimporten aus Russland wird eine gewaltige

Beschleunigung der Energiewende erfordern.” Dazu leiste E.ON mit seinem Investitionsprogramm einen entscheidenden Beitrag. E.ON investiere massiv in den Ausbau und die Digitalisierung der Verteilnetze und in nachhaltige Kundenlösungen.

Bundesnetzagentur ruft zum Gas-Sparen auf

Düsseldorf (Reuters) – Die Bundesnetzagentur ruft angesichts der angespannten Lage auf den Gasmärkten die Verbraucher zum Sparen auf.

Man müsse die Menschen überzeugen, selbst Gas einzusparen, sagte der Präsident der Behörde, Klaus Müller, am Dienstag bei der “Handelsblatt Jahrestagung Stadtwerke 2022”. “Es fällt schwer, bei 27 Grad über Gaseinsparungen nachzudenken. Gleichwohl ist es notwendig.” Die Gasspeicher in Deutschland seien aktuell zu 37,6 Prozent gefüllt. “Das ist besser als letzte Woche und letzte Woche davor. Aber es ist nicht gut.” Die Bundesregierung kaufe Gas zu, aber auch das reiche nicht. Müller sprach sich für Anreize zum Einsparen aus. “Ich würde soweit gehen und sagen, jeder, der nachweisen kann, dass er 20 Prozent weniger Gas als die letzten drei Jahre verbraucht, bekommt eine Prämie oder was auch immer.”

Der Behördenchef erteilte Überlegungen in der Wirtschaft eine Absage, in einer Gasnotlage zuerst die Industrie zu beliefern und erst dann die privaten Haushalte. “Es gilt die Rechtslage, und damit auch für die Bundesnetzagentur verbindlich: Im Fall einer Gasnotlage werden Krankenhäuser, Pflegeheime, Polizeistationen, Kasernen, private Hauhalte die geschützten Kunden sein, die zuerst beliefert werden.”