China-Sorgen und Amazon-Ausblick belasten Europas Börsen

Außerdem befürchteten sie, dass das Wiederaufflammen der Coronavirus-Pandemie das Wirtschaftswachstum beeinträchtigt, sagte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Dax und EuroStoxx50 fielen am Freitag um jeweils rund ein halbes Prozent auf 15.544,39 beziehungsweise 4095,01 Punkte. An der Wall Street gab der Technologie-Index Nasdaq fast ein Prozent nach.

Ungeachtet beruhigender Worte der Regierung in Peking sei das Vertrauen in chinesische Unternehmen angeschlagen, sagte Lewis Grant, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Federated Hermes. “Die Anleger werden sich fragen, worauf sich die chinesischen Regulierungsbehörden als Nächstes konzentrieren werden: Welche Sektoren oder Kapitalquellen bleiben gefährdet?” Insidern zufolge bearbeitet die US-Aufsicht SEC wegen dieser Risiken vorerst keine Anträge chinesischer Firmen auf einen Börsengang an der Wall Street. Der börsennotierte Fonds (ETF) iShares China Large-Cap verlor in den USA weitere 0,7 Prozent.

SCHWÄCHELNDES WACHSTUM SCHICKT AMAZON AUF TALFAHRT

Unterdessen steuerten die Titel von Amazon mit einem Minus von zeitweise gut acht Prozent auf den größten Tagesverlust seit fast sieben Jahren zu. Erstmals seit dem ersten Quartal 2019 habe das Unternehmen die Umsatzerwartungen verfehlt, sagte Analyst Tom Forte vom Research-Haus D.A. Davidson. “Wir glauben, dass die erhöhte Mobilität nach der Aufhebung der pandemiebedingten Beschränkungen einen unerwartet starken Gegenwind erzeugt hat”, erläuterte sein Kollege Brent Thill von der Investmentbank Jefferies. Für das laufende Quartal warnte Amazon vor einer Abschwächung des Wachstums.

Mit Verkäufen reagierten Investoren außerdem auf den Umsatz- und Gewinnrückgang bei Fresenius Medical Care (FMC). Für den Dialyse-Spezialisten sei das abgelaufene Quartal eines zum Vergessen, schrieb Analyst Tom Jones von der Berenberg Bank. Immerhin seien die Zahlen nicht schlechter ausgefallen als befürchtet und die Gründe für die Entwicklung klar. Dialyse-Patienten sterben häufiger an Corona. FMC-Aktien verloren 4,5 Prozent. In ihrem Sog rutschten die Titel der Mutter Fresenius um knapp vier Prozent ab, obwohl der Gesundheitskonzern seine Gesamtjahresziele angehoben hatte.

Aus den Depots flogen auch die Aktien der British Airways-Mutter IAG. Sie fielen um 7,2 Prozent. Der Quartalsverlust der Fluggesellschaft sei zwar im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, kommentierte Analyst Gerald Khoo von der Investmentbank Liberum. Die Ausweitung der Kapazitäten auf 45 Prozent im Vergleich zum Vorkrisen-Niveau sei allerdings weniger als erhofft. Damit hinke IAG der Konkurrenz hinterher.

UNICREDIT UND ESSILORLUXOTTICA ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN

Gefragt waren dagegen die Papiere von Unicredit, die sich in Mailand um 3,2 Prozent verteuerten. Der Quartalsgewinn habe dank niedrigerer Rückstellungen für Kreditausfälle deutlich über Markterwartungen gelegen, lobten Analysten. Wichtiger seien derzeit allerdings die Verhandlungen über den Kauf “ausgewählter Teile” der Krisenbank Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS). Es blieben aber noch zahlreiche Fragen offen. Eine sei, ob Unicredit die Übernahme ohne Kapitalerhöhung stemmen könne. BMPS-Aktien gewannen 3,7 Prozent.

In Paris stiegen die Titel von EssilorLuxottica zeitweise auf ein Rekordhoch von 161,86 Euro und lagen am Abend noch 3,7 Prozent im Plus bei 159,68 Euro. Der weltweit größte Brillen-Anbieter kehrte in die Gewinnzone zurück und hob seine Gesamtjahresziele an. Motor dieser Entwicklung sei das boomende US-Geschäft, sagte ein Börsianer.

 

EU lässt gesperrte Großbanken nun doch bei Finanzgeschäft für Wiederaufbaufonds zu

Die EU-Kommission hebt die Sperre gegen die acht Banken auf, wie die Brüssler Behörde am Freitag mitteilte. Sie hätten Informationen vorgelegt, die ihre künftige Beteiligung an den Geschäften möglich machten. Hintergrund ist, dass die Geldhäuser in der Vergangenheit an Wettbewerbsverstößen beteiligt waren. Die EU hatte daher geprüft, ob Primärhändler, die Wettbewerbsregeln gebrochen hatten, notwendige Schritte zur Beendigung dieser Praktiken getroffen haben.

Die EU-Kommission nannte bei der ursprünglichen Sperrung die Finanzinstitute nicht. Allerdings wurde auf drei Kartell-Fälle in den vergangenen drei Jahren verwiesen. In diese waren zehn der größten Primärhändler in der EU verwickelt. Zu den Banken, gegen die in zwei Fällen Strafzahlungen verhängt wurden, gehörten die Bank of America, Credit Agricole, Natixis, Nomura, Natwest Markets und Unicredit. Sie hatten Wettbewerbsregeln gebrochen und an Anleihe-Kartellen teilgenommen. Die Deutsche Bank war zwar Teil einer der Kartelle, erhielt aber keine Strafe, weil sie der Kommission die Verstöße gebeichtet hatte. Darüber hinaus wurden im Jahr 2019 wegen Manipulationen auf dem Devisenmarkt die Geldhäuser Barclays, Citigroup, JPMorgan und Natwest zu Strafen verdonnert.

Die Banken Nomura, BofA, Barclays, Natixis, Credit Agricole, NatWest, Deutsche Bank, UniCredit, Citi und JP Morgan hatten nach Bekanntwerden der Sperre Stellungnahmen abgelehnt. Die Gelder aus dem rund 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds sollen den Mitgliedsländern die Erholung von der Corona-Krise erleichtern.

 

EU bestraft UBS und weitere Banken wegen Anleihen-Kartell

Die EU-Kommission verhängte am Donnerstag eine Strafe von 172,4 Millionen Euro gegen die Schweizer Großbank. Auch die japanische Nomura und die italienische UniCredit werden zur Kasse gebeten. Insgesamt sollen diese drei Häuser 371 Millionen Euro auf den Tisch legen. Portigon (die frühere WestLB), NatWest, Bank of America und Natixis beteiligten sich der Kommission zufolge zwar ebenfalls an dem Kartell, müssen aus verschiedenen Gründen aber nichts bezahlen. So hatte NatWest das Verfahren mit einer Anzeige ins Rollen gebracht.

Nach Angaben der EU betrieben die Banken das Kartell im Geschäft mit europäischen Staatsanleihen von 2007 bis 2011. Dabei hätten sich ihre Händler im Vorfeld von Auktionen gegenseitig über Preis-Offerten und Volumina informiert. “Ein gut funktionierender Markt für europäische Staatsanleihen ist sowohl für die Mitgliedsstaaten der Eurozone, die diese Anleihen emittieren, um Liquidität zu generieren, als auch für die Investoren, die diese Anleihen kaufen und handeln, von größter Bedeutung”, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Zuvor waren bereits Finanzhäuser unter anderem wegen ihrer Beteiligung an Devisenkartellen sowie Euribor- und Libor-Benchmark-Kartellen bestraft worden.

Die UBS erklärte, dass der Fall nach Berücksichtigung bereits gebildeter Rückstellungen das Ergebnis im zweiten Quartal 2021 mit bis zu 100 Millionen Dollar belasten könnte. Die Bank erwägt genau wie Nomura, den Entscheid anzufechten. Einen Schritt weiter ist UniCredit. Die Mailänder kündigten Berufung bei den europäischen Gerichten an: Die Ergebnisse des EU-Verfahrens belegten kein Fehlverhalten.