Uhren-Portal Chronext kommt im Oktober an die Schweizer Börse

Die stark wachsende Firma will am 8. Oktober an die Schweizer Börse SIX, wie Chronext am Dienstag mitteilte. Ausgehend von einer Preisspanne von 16 bis 21 Franken peilt das Jungunternehmen, das über eine Online-Plattform gebrauchte und neue Uhren von Marken wie Rolex, Omega oder Patek Philippe verkauft, einschließlich der Mehrzuteilungsoption eine Marktkapitalisierung von bis zu 680 Millionen Franken an.

Nach verhaltenen eineinhalb Jahren gewinnt das Börsenkarussell in der Schweiz damit an Schwung. Nach dem Flugzeugausrüster Montana Aerospace, dem Pharmazulieferer Polypeptide und der Sulzer-Abspaltung Medmix dürfte Chronext zum vierten Neuzugang an der SIX im laufenden Jahr werden.

“Die Börsenkotierung in Zürich wird Chronext die finanzielle Flexibilität geben, vom Wachstum im Luxusuhrensektor zu profitieren”, erklärte Firmenchef Philipp Man. Die 2013 gegründete Chronext wuchs 2020 um 18 Prozent auf 101,3 Millionen Euro. Im laufenden Jahr peilt das Unternehmen ein Plus von rund 40 Prozent an.

Chronext rechnet aus dem Börsengang mit einem Bruttoertrag von bis zu 230 Millionen Franken. 125 Millionen des Nettoerlöses sollen für organisches Wachstum wie etwa Maßnahmen zur Steigerung der Markenbekanntheit und die Ausweitung des Boutiquen-Netzwerkes verwendet werden. Den Rest der Erlöse will Chronext für die Finanzierung von Übernahmen einsetzen.

Die Angebotsfrist dauere bis zum 6. Oktober. Beim Börsengang seien Jefferies und die UBS federführend. Ebenfalls beteiligt seien Bank of America und Deutsche Bank. Der Streubesitz dürfte nach dem Börsengang voraussichtlich bei 32,5 Prozent liegen. Zu den bestehenden Aktionären gehören eine Reihe von Finanzinvestoren sowie die Firmengründer.

Chronext muss mit einer Reihe von Börsenneulingen um Anleger konkurrieren: Gegenwärtig seien europaweit rund 40 IPOs in Vorbereitung, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Angesichts des großen Angebots seien die Anleger wählerisch. Gesucht seien vor allem Wachstumsfirmen aus den Sektoren Technologie, Ecommerce und Gesundheit. Chronext finde entsprechend Anklang bei den Anlegern. Dazu komme, dass viele Profi-Investoren selbst Uhrenliebhaber seien und deshalb einfacher für einen Einstieg gewonnen werden könnten.

 

Zentralbank signalisiert Hilfen für Krisenkonzern Evergrande

Die People’s Bank of China (PBOC) versprach, die Rechte und Interessen von Privatleuten, die am Immobilienmarkt investiert sind, zu wahren. Konkret zu den Schuldenproblemen von Evergrande äußerte sich die Notenbank nicht, bei Anlegern machte sich dennoch Erleichterung breit. Die gebeutelten Evergrande-Aktien legten in Hongkong um gut acht Prozent zu. Auch Titel von anderen Immobilienkonzernen.HSCIPC waren gefragt.

Die PBOC erklärte auf ihrer Internetseite am Montagabend zudem, sie werde ihre Geldpolitik “flexibel, zielgerichtet und angemessen” gestalten sowie ein stabileres Kreditwachstum und eine angemessene Liquidität im Markt gewährleisten. Zudem pumpte die Zentralbank weitere Milliarden in den Geldmarkt. Auf einen Kommentar der Regierung oder der Notenbank haben Investoren seit Tagen gewartet.

Die Provinzregierung der Stadt Shenzhen will die Vermögensverwaltungssparte Evergrande Wealth unter die Lupe nehmen. In einem Brief an Anleger, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, teilte die Finanzaufsicht von Shenzhen mit, eine gründliche Untersuchung der Schuldenprobleme der Firma einleiten zu wollen. Zudem forderte sie Evergrande auf, sich um Rückzahlungen an Anleger zu bemühen. Weder Evergrande noch die Regierung von Shenzhen nahmen dazu Stellung.

Evergrande hat – wie andere hoch verschuldete Konglomerate auch – hochverzinsliche Anlageprodukte an Anleger verkauft und sich damit Geld unter Umgehung der staatlichen Vorschriften für die Aufnahme von Krediten besorgt. Insgesamt türmte der Konzern in den vergangenen Jahren Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar auf und ist in Zahlungsverzug gegenüber Gläubigern geraten. Anleger fürchten bei einem möglichen Zusammenbruch des zweitgrößten chinesischen Immobilienentwicklers negative Auswirkungen auf andere Branchen.

In der vergangenen woche hatte Evergrande eine Zahlungsfrist für Anleihezinsen kommentarlos verstreichen lassen. Am Mittwoch werden weitere 47,5 Millionen Dollar fällig.

 

SOZIALER FRIEDEN SOLL ERHALTEN BLEIBEN

Analysten gehen mittlerweile fest davon aus, dass sich die Regierung in Peking darum bemühen wird, eine Finanzkrise wie nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2009 zu vermeiden. “Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen auf das Bankensystem überschaubar sein werden und dass sich die Regierung stattdessen auf die sozialen Folgen unfertiger Wohneinheiten konzentrieren wird”, sagte Sheldon Chan, Leiter der Asien-Anleihestrategie des Brokerhauses T. Rowe Price. Für Evergrande arbeiten rund 200.000 Menschen, jährlich heuert der Konzern mehrere Millionen Arbeiter für Bauprojekte an. Wütende Investoren hatten vor ein paar Wochen die Zentrale des Unternehmens gestürmt und ihr angelegtes Geld zurückverlangt.

Der Präsident der Förderbank Asian Development Bank (ADB), Masatsugu Asakawa, sagte, China habe ausreichende geldpolitische Möglichkeiten zur Stützung des Finanzsystems und zur Vermeidung von Dominoeffekten. “Ich glaube nicht, dass die Schwierigkeiten einer einzigen Firma eine globale Krise auslösen werden, wie sie durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers verursacht wurden”, sagte Asakawa. Finanzielle Folgen für Kunden von Evergrande und die haushaltspolitische Lage von chinesischen Lokalprovinzen seien aber nicht auszuschließen.

Um herauszufinden, welche Banken in welchem Ausmaß von einem möglichen Evergrande-Kollaps betroffen sein könnten, verlangt die Zentralbank in Hongkong Auskünfte der Kreditinstitute, wie Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete. Sie hätten 24 Stunden Zeit für eine Rückmeldung an die Aufsichtsbehörde. Wie Daten der Researchfirma Morningstar zeigten, gehören zu den Anleihegläubigern von Evergrande unter anderem BlackRock, die Royal Bank of Canada sowie die Schweizer Bank UBS Group und der Londoner Vermögensverwalter Ashmore.

 

Französisches Gericht vertagt Entscheidung im UBS-Steuerverfahren

Statt wie geplant am heutigen Montag wolle das Gericht das Urteil am 13. Dezember bekannt geben. Einer der Richter sei krank, hieß es zur Begründung. Der Cour d’appel muss entscheiden, ob die UBS der rechtswidrigen Kundenanwerbung und der Beihilfe zur Geldwäsche der Erträge aus Steuerbetrug schuldig ist. In einem ersten Urteil im Jahr 2019 hatte ein anderes Gericht eine Rekordstrafe von insgesamt 4,5 Milliarden Euro gegen das Institut verhängt. Die UBS – der weltweit größte Vermögensverwalter für Reiche – bestreitet jegliches strafrechtliche Fehlverhalten und fordert einen Freispruch.

 

Evergrande-Krise bringt Schweizer Börse grössten Kurssturz seit Januar

Der Leitindex SMI sackte am Montag in der Spitze um 2,4 Prozent ab. Stärker war das Bluechip-Barometer letztmals Ende Januar gefallen. Etwas mehr als eine Stunde vor Handelsschluss notierte der SMI noch um 1,8 Prozent schwächer bei 11.721 Punkten. Das “Angstbarometer” Volatilitätsindex schoss 20 Prozent hoch.

Alle 20 Standardwerte rutschten ab. Regelrecht unter die Räder kamen die Grossbanken: Die Aktien der Credit Suisse brachen um 6,8 Prozent ein und die des Rivalen UBS um 5,9 Prozent. Die Angst vor einem Zahlungsausfall beim zweitgrößten chinesischen Immobilienentwickler und vor einer neuen Immobilienkrise schickte Bankwerte europaweit auf Talfahrt, der Bankenindex fiel um 3,5 Prozent.

Markante Einbussen gab es auch für Richemont und Swatch mit 3,6 und 3,2 Prozent Kursminus. Reiche Chinesen könnten wegen der Evergrand-Krise weniger Geld für Luxusartikel ausgeben, befürchteten Investoren. Auch andere Branchenvertreter wie LVMH oder Dior verloren stark an Wert. Swatch kippt zudem zum Handelsschluss aus dem SMI.

Besser als der SMI hielten sich die Schwergewichte Nestle und Novartis mit Kursabschlägen von 0,7 beziehungsweise 1,1 Prozent.

 

Archegos-Bericht geht mit Credit Suisse hart ins Gericht

Ein einziger Kunde, der Hedgefonds Archegos Capital, kostete die zweitgrößte Schweizer Bank fünf Milliarden Franken. “Das erste Halbjahr war eine unglaubliche Herausforderung für unsere Bank”, erklärte Konzernchef Thomas Gottstein am Donnerstag. Zusammen mit dem Debakel um den Kollaps eines zweiten Partners, Greensill Capital, wirft der Rekordschaden Fragen auf zu den internen Kontrollen, zur Kultur und zum Management des Instituts. Die Einschätzung einer mit einer Untersuchung des Archegos-Vorfalls betrauten Anwaltskanzlei fällt vernichtend aus.

“Die von der Credit Suisse erlittenen Verluste im Zusammenhang mit Archegos sind das Ergebnis eines grundlegenden Versagens des Managements und der Kontrollen in der Investment Bank der CS und insbesondere in ihrem Prime Services Geschäft”, hieß es in dem von der Bank in Auftrag gegebenen 165-seitigen Bericht von Paul Weiss, Rifkind, Wharton & Garrisson. “Das Geschäft war auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet und hat es versäumt, die Risikofreudigkeit von Archegos einzudämmen, ja sie sogar erst ermöglicht.” Anzeichen für betrügerisches, rechtswidriges oder böswilliges Verhalten gebe es aber keine.

Der Hedgefonds hatte sich mit Aktienwetten auf Pump verspekuliert, sein Zusammenbruch erschütterte im März die Wall Street. In dem Zehn-Milliarden-Dollar-Blutbad litt die Credit Suisse viel stärker als andere involvierte Häuser, etwa UBS, Morgan Stanley oder Nomura. Nach einem im Startquartal verbuchten Milliardenschaden kamen im zweiten Quartal weitere 594 Millionen Franken dazu. “Das ist inakzeptabel”, erklärte Gottstein. Anfang Juni habe Bank die letzten diesbezüglich Positionen abgestoßen.

Die Belastung fraß praktisch den gesamten Gewinn in einem Halbjahr auf, in dem sonst günstige Bedingungen herrschten. Unter dem Strich stand ein winziges Plus von einer Million Franken, in der Vorjahresperiode schaffte die Bank noch einen Überschuss von 2,5 Milliarden Franken. Der Gewinn lag unter den Markterwartungen, die Credit-Suisse-Aktie büsste vier Prozent ein. Credit Suisse habe deutlich schlechter abgeschnitten als die vergleichbaren Institute, erklärte Vontobel-Analyst Andreas Venditti. So hatten etwa die Deutsche Bank und die UBS im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet.

NEUN MITARBEITER ENTLASSEN

Kurz vor Archegos sorgte bereits die Not-Abwicklung von zusammen mit Greensill betriebenen Fonds im Volumen von zehn Milliarden Dollar für negative Schlagzeilen. “Wir nehmen diese beiden Ereignisse sehr ernst und sind entschlossen, alle entsprechenden Lehren daraus zu ziehen”, sagte Gottstein. Die Bank hatte mit Wechseln im Top-Management und einer Kapitalerhöhung bereits im Frühling reagiert.

Nun gab das Institut bekannt, dass es im Zusammenhang mit Archegos Maßnahmen gegen insgesamt 23 Personen ergriffen habe, neun Mitarbeiter seien entlassen worden. Zudem habe die Bank Vergütungen im Umfang von rund 70 Millionen Dollar gestrichen. “Wir wollen eine von Verantwortung und Rechenschaftspflicht geprägte Unternehmenskultur entwickeln, in deren Rahmen die Mitarbeitenden grundsätzlich Risikomanager sind, klar wissen, was sie tun müssen, allfällige Bedenken eskalieren und für ihre Handlungen verantwortlich sind”, erklärte der neue Verwaltungsratspräsident Antonio Horta-Osorio.

Credit Suisse litt nicht nur wegen der direkten Verluste unter Archegos. Um sich zu schützen, fuhr die Bank die Risiken im Hedgefonds-Geschäft, aber auch in anderen Teilen der Bank zurück. Das trug dazu bei, dass die Erträge in der Investmentbank im zweiten Quartal um 41 Prozent einbrachen. Weniger Risiko bedeutet für Banken meist weniger Geschäft und damit auch weniger Einnahmen.

Gottstein erklärte, das Institut werde an dieser Politik festhalten, bis die Überprüfung der Strategie abgeschlossen sei. Die Ergebnisse dieser Überprüfung werde der Konzern spätestens Ende des Jahres vorlegen. Nach früheren Aussagen von Insidern stehen etwa weitere Einschnitte im Investmentbanking, ein Verkauf des Asset Managements und eine Reorganisation der Vermögensverwaltung zur Diskussion.

Der Risiko-Abbau führte nicht nur in der Investmentbank zu Bremsspuren. So zogen reiche Privatkunden im Kerngeschäft Vermögensverwaltung im Quartal insgesamt 7,3 Milliarden Franken ab. Die Abflüsse hätten sich auf die Monate April und Mai konzentriert, im Juni habe die Bank bei den Kunden wieder frisches Geld einsammeln können, so Gottstein. Moodys-Analyst Michael Rohr warnte dennoch: “Die Eindämmung des Umsatzrückgangs und die Aufrechterhaltung des zugrunde liegenden Geschäftsmodells werden wichtige Faktoren für die Aufrechterhaltung des aktuellen Kreditprofils und der Ratings sein.”

 

Notenbanken Frankreichs und der Schweiz testen Digitalwährung

In einem Pilotprojekt sollen Kreditgeschäfte zwischen Geschäftsbanken mittels digitalem Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, CBDC) abgewickelt werden, wie die Notenbanken am Donnerstag mitteilten.

Beide untersuchen den Einsatz von Digitalwährungen bereits in eigene Projekten. In der “Jura” getauften Zusammenarbeit soll sie nun erstmals bei grenzüberschreitenden Transaktionen zum Einsatz kommen – vorerst nur zwischen Finanzinstituten. “Die Banque de France ist von den potenziellen Vorteilen einer digitalen Zentralbankwährung überzeugt, die ein Höchstmaß an Sicherheit und Effizienz bei Finanztransaktionen bietet”, erklärte Sylvie Goulard, stellvertretende Gouverneurin der Banque de France. SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maecheler ergänzte: “Für Zentralbanken ist es entscheidend, bei technologischen Entwicklungen am Puls der Zeit zu bleiben.”

Auf Schweizer Seite werden die Großbanken UBS und Credit Suisse teilnehmen und in Frankreich Natixis. Ebenfalls involviert sind die Beratungsfirma Accenture, die zur Schweizer Börse gehörende SIX Digital Exchange, das Fintech-Unternehmen R3 und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

NOTENBANKEN BESCHLEUNIGEN VORARBEITEN FÜR DIGITALGELD

Beide Zentralbanken betonen den experimentellen Charakter von “Jura” und wollen das Projekt nicht als Hinweis auf eine geplante Ausgabe von CBDC verstanden wissen. Allerdings treiben Währungshüter weltweit die Vorarbeiten zur Ausgabe von Digitalversionen ihrer Währungen immer rascher voran. Angetrieben werden sie von der Sorge, sie könnten die Kontrolle über den Geldkreislauf und die Bezahlsysteme verlieren. Denn potenzielle Rivalen wie etwa die Kryptowährung Bitcoin dringen immer tiefer in die Kernmärkte der stärker von den Außenrändern der Finanzwirtschaft vor und ziehen inzwischen etablierte Großinvestoren an. Hinzu kommen Projekte wie die Kryptodevise Diem von Facebook. In einer zunehmend digitalisierten Finanzwelt könnte dadurch die Währungshoheit der Zentralbanken ins Wanken geraten.

Chinas Notenbank hat bereits umfangreiche Testläufe mit einem digitalen Yuan in mehreren Millionenmetropolen gestartet und ist Anfang dieses Jahres einem grenzüberschreitenden Projekt namens “m-CBDC” beigetreten. Die amerikanische Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) lassen sich mehr Zeit: In den USA sollen in den nächsten zwölf Monaten mehrere Pilotprogramme für einen digitalen Dollar starten. Und die EZB lotet die mögliche Einführung eines digitalen Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre aus..

 

Schweizer Börse erklimmt Rekordhoch

Der Leitindex SMI kletterte um 0,9 Prozent auf 11.330 Punkte. Der letzte Rekord stammte aus dem Februar 2020 – damals hatte das Bluechip-Barometer 11.270 Zähler erreicht. Nachdem Fed-Vertreter das Festhalten an der ultra-lockeren Geldpolitik bekräftigt hatten, schwand die Furcht der Anleger vor einem Versiegen der Flut billigen Geldes, die als ein Haupttreiber für die Aktienrally der vergangenen Monate gilt.

Gefragt waren nach zahlreichen positiven Analystenkommentaren und Kurszielerhöhungen die Richemont-Aktien. Die Titel zogen nach dem Kurssprung von Freitag weitere 3,2 Prozent an. Der Luxusgüterkonzern hat im Geschäftsjahr 2020/21 besser als erwartet abgeschnitten. Im Kielwasser von Richemont gewann der Uhrenhersteller Swatch drei Prozent an Wert. Die Anteile des Finanzinvestors Partners Group rückten 1,6 Prozent vor, die der Grossbanken UBS und Credit Suisse 1,3 beziehungsweise 1,2 Prozent.

Zu den wenigen SMI-Verlierern gehörten die Versicherer Zurich und Swiss Life sowie der Augenheilkonzern Alcon.

 

EU bestraft UBS und weitere Banken wegen Anleihen-Kartell

Die EU-Kommission verhängte am Donnerstag eine Strafe von 172,4 Millionen Euro gegen die Schweizer Großbank. Auch die japanische Nomura und die italienische UniCredit werden zur Kasse gebeten. Insgesamt sollen diese drei Häuser 371 Millionen Euro auf den Tisch legen. Portigon (die frühere WestLB), NatWest, Bank of America und Natixis beteiligten sich der Kommission zufolge zwar ebenfalls an dem Kartell, müssen aus verschiedenen Gründen aber nichts bezahlen. So hatte NatWest das Verfahren mit einer Anzeige ins Rollen gebracht.

Nach Angaben der EU betrieben die Banken das Kartell im Geschäft mit europäischen Staatsanleihen von 2007 bis 2011. Dabei hätten sich ihre Händler im Vorfeld von Auktionen gegenseitig über Preis-Offerten und Volumina informiert. “Ein gut funktionierender Markt für europäische Staatsanleihen ist sowohl für die Mitgliedsstaaten der Eurozone, die diese Anleihen emittieren, um Liquidität zu generieren, als auch für die Investoren, die diese Anleihen kaufen und handeln, von größter Bedeutung”, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Zuvor waren bereits Finanzhäuser unter anderem wegen ihrer Beteiligung an Devisenkartellen sowie Euribor- und Libor-Benchmark-Kartellen bestraft worden.

Die UBS erklärte, dass der Fall nach Berücksichtigung bereits gebildeter Rückstellungen das Ergebnis im zweiten Quartal 2021 mit bis zu 100 Millionen Dollar belasten könnte. Die Bank erwägt genau wie Nomura, den Entscheid anzufechten. Einen Schritt weiter ist UniCredit. Die Mailänder kündigten Berufung bei den europäischen Gerichten an: Die Ergebnisse des EU-Verfahrens belegten kein Fehlverhalten.

 

Infineon macht Zulieferer für Chip-Engpässe verantwortlich

Große Auftragshersteller wie TSMC hätten nicht ausreichend investiert, um der Nachfrage nachzukommen, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss am Dienstag. “Wir erwarten, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch einige Zeit bestehen bleibt mit dem Risiko, dass es bis 2022 anhält.” Im Autosegment, das für 45 Prozent des Umsatzes steht, werde sich die Lage in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres entspannen. Der verlorene Umsatz werde aber wohl erst 2022 wieder aufgeholt werden.

Während Infineon Leistungshalbleiter und Logik-Chips selbst produziert, ist das Unternehmen bei Microcontrollern von Lieferanten abhängig. Branchenführer TSMC plant Insidern zufolge den Bau von mehreren weiteren Fabriken im US-Bundesstaat Arizona. Unklar ist, wie groß diese Fertigungsstätten ausfallen sollen. Erst im vergangenen Monat hatte TSMC angekündigt, in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Kapazitäten zu investieren. Auch in Europa soll die Produktion von Chips ausgebaut werden. Der zuständige EU-Kommissar Thierry Breton führte dazu zuletzt eine Reihe von Spitzengesprächen mit wichtigen Firmen der Branche, mit dem Ziel, die Chip-Produktion in Europa zu erhöhen. Intel-Chef Pat Gelsinger brachte zuletzt Deutschland als möglichen Standort für eine Chipfabrik ins Spiel und sprach sich für Staatshilfen in Milliardenhöhe für ihren Bau aus.

Infineon-Chef Ploss kündigte für sein Unternehmen Investitionen mit Augenmaß an. Die Fabrik in Villach werde den Betrieb im vierten Quartal des Geschäftsjahres (bis Ende September) aufnehmen, das seien drei Monate früher als zunächst geplant. Ein wichtiger Meilenstein sei geschafft, die Reinräume könnten nun mit Fertigungsanlagen ausgestattet werden. Die Chipbranche ist berüchtigt für ihre ausgeprägten Zyklen, in denen sich Zeiten von Knappheit mit Überkapazitäten abwechseln.

PROGNOSE ANGEHOBEN

Auf das Gesamtjahr blicken die Münchner etwas optimistischer als noch im Februar. Das Unternehmen sagte einen Umsatz von elf Milliarden Euro für die zwölf Monate bis Ende September voraus, wenn der Dollar einigermaßen stabil bleibe. Auch die Umsatzrendite soll sich mit 18 Prozent etwas besser entwickeln als zuletzt angenommen. Allerdings dürften die Folgen des zeitweiligen Stillstands des Werks in Austin im US-Bundesstaat Texas das Umsatzwachstum vor allem im dritten Quartal dämpfen. An der Börse gaben die Aktien 4,5 Prozent nach und waren damit Schlusslicht im Dax. Analysten sprachen von Gewinnmitnahmen: “In diesem Quartal hat es sich für die Halbleiterhersteller nicht immer ausgezahlt, die Erwartungen zu übertreffen”, schrieben die Experten bei der UBS.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres lag der Umsatz bei 2,7 Milliarden Euro und damit rund ein Drittel höher als vor Jahresfrist. Das Segmentergebnis schnellte um 72 Prozent nach oben auf 470 Millionen Euro. Beide Kennzahlen fielen etwas besser aus als vom Unternehmen befragte Analysten erwartet hatten. Der Konzernüberschuss verbesserte sich um 14 Prozent auf 203 Millionen Euro.

 

Anleger bleiben vor Fed-Entscheid vorsichtig

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 15.255 beziehungsweise 4012 Punkte. Investoren seien hin- und hergerissen zwischen soliden Firmenbilanzen und den steigenden Coronavirus-Fallzahlen in einigen Ländern wie Indien, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activtrades.

US-Notenbankchef Jerome Powell werde nach den geldpolitischen Beratungen am Mittwoch voraussichtlich sein Mantra einer auf absehbare Zeit ultra-lockeren Geldpolitik wiederholen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Trotz der sich verbessernden Konjunkturdaten bleibt die Fed im Krisenmodus.” Die Notenbank werde eine deutliche Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sowie eine deutliche Entspannung der Gesundheitslage abwarten, bevor sie ihre Wertpapierkäufe drossele, prognostizierten die Analysten der Bank Unicredit.

Die unverändert positive Grundstimmung am Markt spiegelte sich unter anderem in Kursgewinnen der Reise- und Touristikbranche wider. Dank eines wachsenden Tempos bei den Corona-Massenimpfungen in der EU stieg der europäische Branchenindex auf ein Rekordhoch von 282,16 Punkten. Der Sektor hatte in den vergangenen Monaten besonders stark unter den Pandemie-Beschränkungen gelitten.

ÖLPREIS IM AUFWIND – KUPFER AUF ZEHN-JAHRES-HOCH

Aufwärts ging es auch für den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 65,98 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger warteten gespannt auf die Ergebnisse der Beratungen der großen Export-Staaten zu den Förderquoten. “Sollte die Opec+ die Lage in Indien ignorieren, könnten sich die Kursgewinne schnell in Luft auflösen”, warnte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad. Das aufstrebende Schwellenland ist einer der weltweit wichtigsten Öl-Abnehmer.

Unterdessen setzte Kupfer wegen möglicher Angebotsengpässe seinen Höhenflug fort. Das Industriemetall gewann gut zwei Prozent und war mit 9965 Dollar je Tonne zeitweise so teuer wie zuletzt vor zehn Jahren. “Chilenische Hafenarbeiter haben wegen Streits über die Altersversorgung zum Streik aufgerufen”, erläuterte Analyst Carsten Menke von der Bank Julius Bär. “Sie werden von den Bergbaugewerkschaften unterstützt.” Chile ist ein wichtiger Kupfer-Lieferant, und die weltweite Nachfrage übertrifft bereits jetzt das Angebot.

Gefragt war auch Bitcoin, das sich um drei Prozent auf 54.999 Dollar verteuerte. Angeheizt werde die Rally von den Plänen der Bank JPMorgan, einen Fonds für diese Kryptowährung aufzulegen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Ein US-Bitcoin-Fonds wäre ein weiterer Ritterschlag.”

ÜBERNAHMEFANTASIE UM HELLA – UBS UNTER DRUCK

Am deutschen Aktienmarkt rückte am Mittag Hella ins Rampenlicht. Einem Magazinbericht zufolge sondiert die Industriellenfamilie Hueck, die zusammen mit der Familie Röpke 60 Prozent an dem Autozulieferer hält, den Markt für einen Verkauf ihrer Anteile. Eine solche Transaktion könnte eine Übernahmeofferte für die übrigen Aktionäre nach sich ziehen und der Konzern könnte von der Börse genommen werden, kommentierte Analyst Sascha Gommel von der Investmentbank Jefferies. Hella-Aktien verbuchten mit einem Plus von zeitweise knapp 13 Prozent den zweitgrößten Kurssprung der Firmengeschichte.

Die Titel von UBS fielen dagegen in Zürich um knapp drei Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos verhagelte der Bank die Bilanz. Die finanziellen Belastungen seien zwar geringer als beim Rivalen Credit Suisse, aber höher als gedacht, sagte Markets.com-Experte Wilson.