Sanktionen gegen Russland zünden Inflationsbombe

EU droht Russland hohen Preis durch Sanktionen an

Russlands Präsident Putin lässt Truppen in die Ukraine ziehen. Heute Abend hat er Separatisten-Gebiete mit russischer Bevölkerung in der Ukraine als unabhängig bzw. russisch anerkannt. Die Europäische Union droht mit Sanktionen. Russland würde einen hohen Preis zahlen. 

Doch hohe Preise zahlen momentan die EU-Bürger

Mit einer Rekord-Inflation von 5,1 Prozent zahlen momentan jedoch EU-Bürger selbst sehr hohe Preise. Sanktionen, das heißt Handelsbeschränkungen gegenüber Russland werden die Preise jedoch weiter hoch treiben. Denn je schlechter die Güterversorgung wird, etwa weil russische Gasimporte fehlen, desto krasser werden die Preise steigen.

Russland unter Top 3 wichtigster EU-Handelspartner außerhalb Europas

Russland ist nach China und den USA unter den Top 3 außereuropäischen Handelspartnern der Europäischen Union. China macht 16,1, die USA machen 15,2 und Russland 4,8 Prozent des Außenhandels der EU aus. 

EU-Sanktionen gegen Russland können in die Selbstisolation führen

Von China und Russland weiß man, dass sie ihre Handelsbeziehungen trotz Ukraine-Konflikt sogar weiter vertiefen. Durch Sanktionen gegen Russland schneidet sich die EU von zwei ihrer wichtigsten Handelspartner potenziell also eher selbst ab. Das wäre ein Eigentor.

Produktionskostenvorteile gehen bei Sanktionen verloren

Es kommt vor, dass ein Land bestimmte Waren selbst vergleichsweise nicht so günstig produzieren kann wie ein anderes. Dann macht es Sinn, dass es sich auf seine Stärken konzentriert. Es Waren produziert, die es vergleichsweise günstig herstellen kann und diese an das Ausland verkauft. Von den Einnahmen kann es dann Importe anderer Waren finanziert, die es selbst weniger günstig herstellen kann. 

Absolute Kostenvorteile: Zum Beispiel können in Deutschland Autos gut produziert werden. Erdgas wird jedoch leichter und billiger in Russland gefördert. Wenn Russen deutsche Autos kaufen und Deutsche von dem dadurch eingenommenen Geld russisches Gas kaufen, können also beide Seiten profitieren. 

Komparative Kostenvorteile: Aber auch Holland, das selbst Erdgas günstig fördert kann, tut besser daran, seine Arbeitskräfte zur Produktion höherpreisiger und damit lukrativerer Waren einzusetzen und nicht mehr Gas zu fördern. Stattdessen können etwa auch höherpreisige Tomaten oder Tulpen verkauft werden, zu deren Produktion das Land ebenfalls Talent besitzt.

In Summe stehen so, wenn sich jedes Land auf seine Stärken konzentriert allen Ländern im Handel untereinander mehr Waren für das gleiche Geld zur Verfügung. Dies hat einen dämpfenden Effekt auf die Preise. Diese Effekte fallen bei Sanktionen künftig weg.

Durch Verlust von Produktionskostenvorteilen steigen Preise

Kann bei Einschränkungen des Handels durch Sanktionen nicht mehr importiert werden, was man selbst nicht so günstig produzieren kann und kann nicht mehr exportiert werden, was man selbst günstiger und besser herstellen kann, steigen die Preise überall. Die Kaufkraft, das, was sich Menschen leisten können, der Wohlstand für alle sinkt. Leider liegt derzeit die Inflation nicht nur in der EU mit 5,1 Prozent auf Rekord-Niveau. Auch in den USA mit derzeit 7,5 und auch in Russland mit derzeit 8,7 Prozent sind die Inflationszahlen schändlich.

Fazit: Sanktionen sind eine Faust auch ins eigene Gesicht

Sanktionen sind für alle schlecht. Sie sind mindestens genauso ein Eigentor, wie sie dem anderen schaden. Bezahlen tun auch den Krieg über Sanktionen die Sparer, dessen Finanzmittel sich durch die Inflation entwerten. Sie können sich immer weniger leisten und werden ärmer. Durch Sanktionen werden Werte ebenso vernichtet wie durch Waffen.

Institute – Anhaltender Handelsstreit USA-China stürzt Deutschland in Dilemma

“Der Ton zwischen den beiden Weltmächten wird eher rauer”, sagte der Chefvolkswirt des Mercator Institute for China Studies (Merics), Max Zenglein, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die US-Regierung von Joe Biden hatte zuvor im Handelsstreit mit China ein Ende einzelner Strafzölle angekündigt, zugleich jedoch am harten Kurs von Vorgänger Donald Trump festgehalten. “Es droht ein Teufelskreis: Je mehr die USA versuchen, auch mit Blick auf das heimische Publikum mit Härte vorzugehen, desto mehr erhöht auch China den Druck”, sagte Zenglein. Unter Biden ist es nicht zu einer von manchem erhofften Entspannung gekommen. Dadurch befänden sich Deutschland und Europa in einer misslichen Lage. “Sie sind zu Geiseln der Entscheidungen der beiden großen Mächte geworden”, sagte Zenglein. “Es gibt hier keinen lachenden Dritten, sondern nur einen traurigen Dritten.”

Deutschland und die EU könnten zwar kurzfristig sogar von dem Zwist profitieren, so das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW): Wenn sich die USA und China gegenseitig mit Zöllen überziehen, verteuere dies chinesische Produkte auf dem US-Markt und umgekehrt amerikanische Waren in der Volksrepublik, wodurch deutsche Produkte günstiger würden. “Mittel- und langfristig stellt der US-chinesische Handelskrieg aufgrund der Tatsache, dass Protektionismus und eine Abkehr vom multilateralen regelbasierten System wieder salonfähig gemacht werden, allerdings eine Gefahr für den Wohlstand in Deutschland und der EU dar”, warnte IfW-Experte Alexander-Nikolai Sandkamp zugleich.

Die Probleme werden Zenglein zufolge nicht weggehen, sondern eher noch zunehmen. “Es wird aber keine binäre Entscheidung geben, sich zwischen den USA und China als Markt zu entscheiden”, erwartet der Experte. “Vielmehr wird es eher eine China-Operation in den Firmen geben und eine für den Rest der Welt.” Deutschland sollte vermeiden, zum Spielball der Großmächte zu werden und seine eigenen Unternehmen schützen. Eigene Stärken müssten herausgestellt werden. “Es gibt viele Produkte, die so nur in Deutschland hergestellt werden”, sagte Zenglein. “Die Spezialisierung im Maschinenbau etwa ist einmalig, auch in den Bereichen Messtechnik, Steuerungselemente oder Spezialchemie kommt man an der deutschen Wirtschaft schwer vorbei.”