Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro für Netzgebühren

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund in einem ersten Schritt die Stromtarife mit Milliarden-Hilfen.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, bestätigte Wirtschaftsminister Robert Habeck am Mittwoch eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. “Wir sorgen jetzt dafür, dass diese Kostensteigerungen aufgefangen werden und verhindern damit eine zusätzliche Belastung für Industriebetriebe, Mittelstand und Verbraucherinnen und Verbraucher”, sagte der Grünen Politiker. Ohne die Hilfe hätten sich die Entgelte verdreifacht. Die Netzbetreiber hatten zuvor erklärt, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Habeck sagte, die knapp 13 Milliarden Euro würden zunächst vom Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) genommen. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Regierungskreise – Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund mit Milliarden-Hilfe die Stromtarife.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, sagten mit den Planungen Vertraute am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eigentlich hätten sich die Entgelte für 2023 wegen der Energiekrise auf um die zehn Cent von etwa drei Cent pro Kilowattstunde mehr als verdreifachen müssen, sagten die Insider. Die Netzbetreiber bestätigten, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben und der Bund dies stabilisiere. Zur Höhe des Zuschusses äußerten sie sich nicht.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zunächst nicht.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Unklar blieb zunächst, woher das Geld genommen wird. In Regierungskreisen war mehrfach auf das Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) verwiesen worden. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Siemens Gamesa trennt sich von Onshore-Chef – “Mussten was ändern”

Madrid (Reuters) – Siemens Gamesa trennt sich angesichts anhaltender Verluste vom Chef seiner Sparte für Windkraftanlagen an Land.

Lars Bondo Krogsgaard sei “nicht mehr im Unternehmen”, schrieb der als Sanierer angetretene Vorstandschef Jochen Eickholt in einem Reuters am Mittwoch vorliegenden Memo an die Belegschaft. “Der Beweggrund für diese Entscheidung ist, dass wir angesichts der Verluste im Onshore-Geschäft und der andauernden Enttäuschungen, die zu mehreren Gewinnwarnungen und massiven Abweichungen von Budgets, Prognosen, Plänen und Kosten geführt haben (…), etwas ändern mussten”, hieß es in der E-Mail. Eine Sprecherin der spanischen Tochter des Energietechnik-Konzerns Siemens Energy, sagte, man suche einen Nachfolger.

Krogsgaard sagte, er wünsche seinem “früheren Arbeitgeber und den Kollegen das Beste für die Zukunft”. Der Däne ist seit vielen Jahren in der Windbranche tätig. Von 2015 bis 2017 war er Vorstandschef des Hamburger Konkurrenten Nordex.

Siemens Gamesa macht für die Verluste und Planabweichungen der vergangenen Jahre die Onshore-Sparte verantwortlich. Im Geschäft mit Windrädern an Land hinkt das Unternehmen – anders als bei Anlagen auf hoher See (Offshore) hinter der Konkurrenz her. Eickholt hatte erklärt, er wolle die drängendsten Probleme in der Onshore-Sparte bis Jahresende lösen, defizitäre Projekte würden Siemens Gamesa aber noch bis ins Jahr 2024 belasten – in dem das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben soll. Ende September hatte das Unternehmen den Abbau von 2900 seiner 27.000 Stellen angekündigt.

(Bericht von Isla Binnie; Geschrieben von Alexander Hübner; Redigiert von Olaf Brenner; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax wieder im Minus – Anleger trauen eigener Courage nicht

Frankfurt (Reuters) – Der in den vergangenen Tagen an den Aktienmärkten bestimmende Optimismus ist am Mittwoch wieder abgeebbt.

Der Dax lag am frühen Nachmittag 1,1 Prozent im Minus bei 12.574 Punkten, nachdem er am Dienstag noch knapp vier Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx50 verlor 0,9 Prozent auf 3452 Punkte.

In den vergangenen Tagen hatten Hoffnungen der Anleger auf ein Ende der massiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed den Börsen weltweit Auftrieb gegeben. “Es macht sich zunehmend der Eindruck breit, der Markt ist vorschnell von einem Höhepunkt der Inflation ausgegangen”, sagte Stuart Cole, Ökonom bei Equiti Capital. “Solange wir keinen wesentlichen Rückgang des Verbraucherpreisindexes sehen, werden die Zentralbanken meiner Meinung nach ihre restriktive Haltung beibehalten und eine weitere Abschwächung des Wachstums in Kauf nehmen.”

ADP DATEN IM FOKUS – NEUSEELAND DÄMPFT HOFFNUNG

Deswegen klopfen Investoren alle Konjunkturdaten auf Hinweise zum weiteren Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed ab. Die im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Beschäftigungszahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP brachten allerdings kaum neue Erkenntnisse. Sie gelten als Indikator für die offiziellen Daten am Freitag.

Auch eine weitere drastische Zinserhöhung in Neuseeland dämpfte die Vorstellung, dass die Zentralbanken kurz davor stehen, das Tempo der geldpolitischen Straffung zu drosseln. Die Reserve Bank of New Zealand hob ihren Leitzins wie erwartet um halben Prozentpunkt an, diskutierte allerdings einen Schritt um 0,75 Prozentpunkte und stellte weitere Zinsschritte in Aussicht.

ÖLPREIS VERHARRT VOR OPEC+-TREFFEN

Im Blick stand auch Öl. Im Laufe des Tages beraten das Exportkartell Opec und seine Verbündeten über Förderkürzungen. Insidern zufolge sprechen sie über eine Reduzierung ihrer Förderquoten in Höhe von ein bis zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd). Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent aus der Nordsee fiel um 0,1 Prozent auf 91,97 Dollar, nachdem er am Vortag um knapp drei Dollar zugelegt hatte. Der Markt dürfte eine deutliche Förderkürzung bereits einkalkuliert haben, wie man an den jüngsten Preissteigerungen gesehen habe, sagte Tina Teng, Analystin des Brokerhauses CMC Markets. In den vergangenen drei Monaten war der Ölpreis aufgrund von Rezessionsängsten von rund 120 Dollar auf um die 90 Dollar gefallen.

Auch am Devisenmarkt schwand der Optimismus der Vortage, der als riskanter geltende Währungen gestützt hatte. Die Anleger gingen wieder auf Nummer sicher und griffen zur Weltleitwährung: Der Dollar-Index, der die US-Währung in Vergleich setzt zu einer Gruppe anderer wichtiger Devisen, legte um 0,7 Prozent zu auf 110,89 Punkte. Der Euro gab dagegen nach auf 0,992 Dollar nach.

“Es bleibt schwer, eine wesentliche Veränderung in den Aussichten der Euro-Zone zu erkennen, die eine signifikante Rückkehr des Appetits der Märkte auf den Euro rechtfertigen würde”, sagte Anlagestratege Francesco Pesole von der ING Bank.

AKTIEN BRITISCHER EINZELHÄNDLER VERPÖNT

Bei den europäischen Einzelwerten ging es durch alle Sektoren bergab. Im britischen Leitindex verloren die Aktien von Tesco 2,8 Prozent. Die Supermarktkette äußerte sich weniger zuversichtlich für ihren weiteren Geschäftsverlauf. Dies setzte auch dem Rivalen Sainsbury und dem Online-Supermarkt Ocado zu, deren Aktien um bis zu 5,5 Prozent abrutschten.

Auch in den deutschen Indizes standen nur wenige Papiere auf der Gewinnerseite. So stiegen im SDax die Aktien von Shop Apotheke um 1,1 Prozent. Der Online-Pharmahändler hatte für das dritte Quartal ein deutliches Umsatzplus gemeldet. Im MDax gewannen Carl Zeiss Meditech knapp zwei Prozent nach einer Kaufempfehlung der Berenberg Bank.

(Bericht von Myria Mildenberger und Zuzanna Szymanska. Redigiert von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Swift entwickelt globales Netzwerk für digtales Zentralbankgeld

(Ergänzt fehlenden Buchstaben in der Überschrift)

London (Reuters) – Das globale Banken-Kommunikationssystem Swift treibt die weltweite Vernetzung von digitalen Währungen der Zentralbanken voran.

Acht Monate lang sei das Zusammenspiel verschiedener Währungen mit unterschiedlichen Technologien getestet worden, um eine Blaupause für ein globales Netzwerks für digitales Zentralbankgeld zu entwickeln, erläuterte der für Innovationen zuständige Swift-Manager Nick Kerigan. An dem Experiment hätten unter anderem die Bundesbank und die Banque de France sowie die Großbanken HSBC, Standard Chartered und UBS teilgenommen. Dabei wurde beispielsweise untersucht, wie digitales Zentralbankgeld international genutzt und in traditionelle Währungen umgewandelt werden könnte.

Die Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (Swift) ist für die standardisierte Übermittlung von Nachrichten zu Finanztransfers verantwortlich und hat damit eine wichtige Schlüsselposition im weltweiten Finanzsystem inne. An ihr Kommunikationsnetzwerk sind rund 11.500 Finanzinstitute in mehr als 200 Ländern angeschlossen.

Rund um den Globus prüfen fast alle Notenbanken die Einführung digitaler Versionen ihrer Währungen. Sie reagieren damit auch auf die drohende Konkurrenz durch Cyberdevisen internationaler Technologiekonzerne und den Vormarsch von Kryptodevisen wie Bitcoin und Etherum. Der Inselstaat Bahamas war 2020 weltweit das erste Land, das mit dem “Sand Dollar” offiziell eine Digitalversion seiner Währung einführte. Unter den großen Ländern ist China bereits mit Testläufen seines e-Yuan vorgeprescht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine zweijährige Untersuchungsphase eingeleitet und will im Oktober 2023 entscheiden, ob sie grünes Licht für das Projekt eines digitalen Euro geben soll.

Kerigan zufolge sollen innerhalb des nächsten Jahres auf den Testlauf weitere noch augefeiltere Erprobungen folgen. In diesem ersten Experiment seien auch verschiedene Technologien geprüft worden, etwa die Distributed Ledger Technologie (DLT), auf der Bitcoin & Co basieren.

(Bericht von Marc Jones; Bearbeitet von Frank Siebelt; Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Eurowings – Von Piloten-Streik rund 30.000 Passagiere betroffen

Berlin (Reuters) – Der Piloten-Streik bei Eurowings dürfte am Donnerstag wohl etwa 30.000 Passagiere betreffen.

Man gehe davon aus, rund die Hälfte des normalen Programms von gut 500 Flügen umsetzen zu können, teilte die Billigflugtochter der Lufthansa am Mittwoch mit. Eurowings bestehe aus zwei Flugbetrieben. Betroffen vom geplanten 24-stündigen Arbeitskampf seien nur Flüge von Eurowings Deutschland, nicht die von Eurowings Europe. Die Airline unternehme alles, um die Streik-Folgen für Fluggäste so gering wie möglich zu halten. Eurowings-Personal-Geschäftsführer Kai Duve hatte die Arbeitsniederlegung als unverhältnismäßig und unverantwortlich bezeichnet.

Die Piloten-Gewerkschaft VC hat für Donnerstag zu einem Arbeitskampf von 00.00 bis 23.59 Uhr aufgerufen. Die Verhandlungen über den Manteltarifvertrag bei Eurowings seien gescheitert und auch zehn Gesprächsrunden hätten zu keiner nennenswerten Annäherung geführt, hatte die Vereinigung Cockpit (VC) am Dienstagabend mitgeteilt. Zentrale Forderung der VC sei die Entlastung der Beschäftigten etwa durch die Reduzierung der maximalen Flugdienstzeiten sowie die Erhöhung der Ruhezeiten.

“Die Forderungen würden 20 Prozent unserer Flüge unmöglich machen und damit die Zukunftsfähigkeit des Flugbetriebs und seiner Mitarbeitenden gefährden”, warnte Airline-Manager Duve. Eurowings biete bereits heute Beschäftigungsbedingungen, die unter den europäischen vergleichbaren Airlines zu den besten gehörten.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Gazprom nimmt Gas-Exporte nach Italien über Österreich wieder auf

Moskau/Wien/Mailand (Reuters) – Der russische Energieriese Gazprom hat die über Österreich gehenden Gasexporte nach Italien wieder aufgenommen. Das teilte der staatlich kontrollierte Konzern am Mittwoch mit, nachdem die Lieferungen am Wochenende wegen regulatorischer Probleme ausgesetzt worden waren.

Mit den italienischen Kunden habe man nach den regulatorischen Änderungen eine Lösung für den Gasverkauf gefunden, erklärte Gazprom. Auch der italienische Energiekonzern Eni bestätigte die Wiederaufnahme der Gaslieferungen. Allerdings werde man nur einen Teil des für Mittwoch von Gazprom angeforderten Gases erhalten, teilte Eni mit.

Das russische Gas fließt über die Ukraine durch Pipelines zum österreichischen Knotenpunkt Baumgarten nördlich von Wien und von dort weiter nach Italien. Dass nun wieder Gas in das südliche Nachbarland weitertransportiert wird, zeigt sich auch auf der Internetseite dem Marktgebietsmanagers Austrian Gas Grid Management (AGGM), wo die Gasflüsse tagesaktuell ablesbar sind.

“Der österreichische Betreiber hat sich bereiterklärt, die Transportnominierungen von LLC Gazprom Export zu bestätigen, was die Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen durch Österreich ermöglicht”, so Gazprom. Der österreichische Netzbetreiber Gas Connect bestätigte auf Anfrage von Reuters, dass derzeit alle Nominierungen abgewickelt werden können. “Sobald alle Voraussetzungen entsprechend den Marktregeln erfüllt sind, können und dürfen wir Gastransporte durchführen. Gas Connect Austria hat jede möglich Unterstützung geleistet, um zu einer raschen Lösung zu kommen”.

Laut Gazprom war der Gastransit durch Österreich ausgesetzt worden, nachdem sich der österreichische Netzbetreiber geweigert hatte, die Transportnominierungen beziehungsweise die von Gazprom geplante Liefermenge zu bestätigen. Laut E-Control waren die mit Anfang Oktober in Kraft getretenen neuen Regelungen seit langem bekannt.

Dass nun wieder Gas nach Italien fließt, bekommt auch der Wiener Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV zu spüren, der seit Samstag höhere Mengen erhalten hatte. “Wir sehen, dass die Nominierungsbestätigungen jetzt wieder zurückgehen”, sagte ein Unternehmenssprecher. Seit Samstag waren die Gaslieferungen etwas höher als in den Wochen davor, wo die OMV nur etwa 30 Prozent der vertraglich vereinbarten Mengen erhalten hatte. Derzeit liege man aber noch über den 30 Prozent, sagte der Sprecher.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, Francesca Landini, Vladimir Soldatkin,; redigiert von . Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Musk will Twitter jetzt doch übernehmen – zum Originalpreis

– von Anirban Sen und Tom Hals

Bangalore/Palo Alto (Reuters) – Tesla-Chef Elon Musk will Twitter jetzt doch übernehmen und zwar zu dem ursprünglichen Kaufpreis.

In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC erklärte Musk am Dienstag, man wolle das Geschäft wie am 25. April vereinbart durchziehen. Zuvor hatten die Nachrichtenagentur Reuters und andere Medien unter Berufung auf Insider berichtet, dass der Original-Preis von 54,20 Dollar je Aktie beibehalten werden solle. In einer Erklärung von Twitter hieß es, man strebe weiter ein Verkauf zu dieser Summe an. Warum Musk seinen seit Monaten anhaltenden Streit mit dem Kurznachrichtendienst aufgab, war zunächst unklar. Die Nachricht ließ die Twitter-Aktie im Verlauf zunächst um fast 13 Prozent auf 47,93 Dollar steigen, bevor das Papier vom Handel ausgesetzt wurde.

Musk hatte im April angekündigt, er wolle Twitter für 44 Milliarden Dollar übernehmen. Im Juli hatte er dann mit Verweis auf angebliche Falschaussagen Twitters zur Anzahl von Scheinkonten auf der Plattform erklärt, er werde den Kauf nicht vollziehen. Musk und Twitter haben sich gegenseitig verklagt. Der Beginn des Gerichtsprozess im Bundesstaat Delaware war für den 17. Oktober geplant. In einer ersten Einschätzung erklärte der Analyst Dave Ives von Wedbush, Musk habe offenbar erkannt, dass er kaum Chancen auf einen Sieg vor Gericht habe, und dass der Deal “so oder so abgeschlossen werden wird”.

TRUMP-ANHÄNGER HOFFEN AUF ENDE DER VERBANNUNG

Die Twitter-Aktionäre haben bereits dem Verkauf an Musk zugestimmt. Daher könnte das Geschäft in den kommenden Wochen eher schnell zum Abschluss gebracht werden, sollten sich beide Parteien auf die ursprünglichen Vorgaben verständigen. Auch die Finanzierung wäre vergleichsweise einfach. Musk hat seit seiner Ankündigung zum Kauf von Twitter Tesla-Aktien im Wert von 15,4 Milliarden Dollar verkauft. Einige Experten gehen davon aus, dass er weitere Anteile an den E-Auto-Bauer veräußern könnte, um die Übernahme zu finanzieren. Die Tesla-Aktie lag am Dienstag kurz vor Ende des Handels in New York 2,5 Prozent im Plus.

Mit dem Kauf würde der reichste Mann der Welt eine der einflussreichsten Medienplattformen des Planeten übernehmen. Im Zusammenhang mit dem Gerichtsverfahren waren Textbotschaften veröffentlicht worden, wonach er Twitter von einem Werbe- zu einem Abo-Modell umbauen möchte. Zudem sollten Dienste wie Geldtransfers ermöglicht werden. Das Geschäft hätte zumindest in den USA auch eine politische Dimension. Anhänger des ehemaligen Präsidenten Donald Trump hoffen, dass Musk dessen Nutzerkonto wieder freigeben würde. Der Republikaner war nach der Erstürmung des Kapitols durch seine Anhänger am 6. Januar 2021 von Twitter verbannt worden.

(Geschrieben von Scot W. Stevenson; Redigiert von Birgit Mittwollen; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax beendet Erholung und startet im Minus

Frankfurt (Reuters) – Der Dax hat am Mittwoch eine Verschnaufpause eingelegt und ist etwas niedriger in den Handel gestartet.

Der Leitindex lag am Morgen 0,4 Prozent im Minus bei 12.622 Punkten, nachdem er am Dienstag noch knapp vier Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx50 verlor 0,6 Prozent auf 3464,6 Punkte. Im SDax stachen die Aktien von Shop Apotheke mit einem Plus von rund fünf Prozent heraus. Der Online-Pharmahändler hatte für das dritte Quartal ein deutliches Umsatzplus gemeldet.

Ihre Aufmerksamkeit richten die Anleger im Laufe des Tages auf die Beratungen des Exportkartells Opec und seiner Verbündeten über Förderkürzungen. Auf dem Treffen in Wien wollen sie Insidern zufolge eine Reduzierung ihrer Förderquoten um mehr als eine Millionen Barrel pro Tag (bpd) beschließen. Ein Insider sprach von einer Kürzung von bis zu zwei Millionen bpd. Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen.

Die Anleger warten zudem auf die Beschäftigungszahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Von ihnen versprechen sie sich Rückschlüsse auf das künftige Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed. Analysten erwarten für September einen beschleunigten Jobaufbau von 200.000 Stellen, nach einem Plus von 132.000 im Vormonat. Die ADP-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag.

(Bericht von Myria Mildenberger; Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Henkel – Viele Interessenten für Russland-Geschäft

Frankfurt (Reuters) – Der Konsumgüterkonzern Henkel hat nach den Worten von Vorstandschef Carsten Knobel eine hohe Zahl an Kaufinteressenten für sein Russlandgeschäft.

“Der Großteil davon kommt aus Russland, es gibt aber auch ein paar internationale Bieter für unsere Geschäfte”, sagte er der “Frankfurter Allgemeine Zeitung” in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Der Verkaufsprozess sei allerdings kein normaler. “Die Sanktionen reglementieren die Bieter und es gibt keine internationalen Banken mehr vor Ort.” Und wenn man einen Käufer habe, müsse der Verkauf noch von Russland autorisiert werden. Der Hersteller von Pritt und Persil hatte nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine seinen Rückzug aus Russland angekündigt. Bis Ende des Jahres soll ein Deal besiegelt sein.

Vor zwei Wochen hob Henkel seine Umsatzprognose dank florierender Geschäfte mit seinen Klebstoffen an und rechnet mit einem organischen Umsatzwachstum von 5,5 bis 7,5 Prozent im laufenden Jahr. Aber auch die Kosten legen zu. “Wir gehen weiterhin von Kostensteigerungen im mittleren Zwanzig-Prozent-Bereich aus, das hat sich in den vergangenen Monaten auf diesem Niveau gefestigt”, sagte Knobel der Zeitung. Es sei noch zu früh um zu sagen, wie es 2023 weitergehe. “Wir leben in einer Zeit, in der man unmöglich verlässlich planen kann, was in den nächsten Wochen passiert.”

(Bericht von Sabine Wollrab, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)