BTC und ETH leiden unter negativem Finanzmarkt

Bitcoin und Ethereum tauchen unter

Bitcoin ist wieder unter 40.000 $. Die Top-Kryptowährung fiel am Freitagmorgen um 7,1 %, nachdem sich die Abwärtsdynamik an den Finanzmärkten fortgesetzt hatte. Heute ist Bitcoin zum zweiten Mal in den letzten zwei Wochen durch die wichtige psychologische Unterstützung bei 40.000 $ gefallen. Nachdem Bitcoin gestern Höchststände von 43.467 $ erreicht hatte, handelt es jetzt bei 38.997 $.

Bitcoin Chart

Wie Bitcoin wurde auch Ethereum in den letzten 24 Stunden hart getroffen. Das zweitgrößte Krypto-Asset ist an diesem Tag um 8,5 % gefallen und fiel unter sein eigenes wichtiges Unterstützungsniveau von 3.000 $, um bei 2.879 $ gehandelt zu werden.

Der von Bitcoin und Ethereum diktierte Trend hat einen Großteil des Kryptomarktes beeinflusst. Einige der größten Verlierer während des Rückgangs waren alternative Layer-1-Netzwerke. Während Ketten wie Harmony und NEAR letzte Woche neue Allzeithochs erreichten, war ihr bullisches Momentum nur von kurzer Dauer. Der Rückgang von heute Morgen hat den Rest ihrer Gewinne zunichte gemacht, wobei NEAR 12,8 % und Harmony’s ONE Token 12 % verloren.

Das Klima auf dem Markt

Die Schwäche der breiteren Finanzmärkte scheint zum heutigen Rückgang beigetragen zu haben. Technologieaktien haben sich am schlechtesten entwickelt, wobei Netflix gestern während des nachbörslichen Handels um 20 % einbrach. In ähnlicher Weise verzeichnete der Heimtrainerhersteller Peloton einen Rückgang um 24,5 %, nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen seine Fitnessprodukte aufgrund der nachlassenden Nachfrage vorübergehend pausieren würde.

Das aktuelle Marktklima, gepaart mit der Verpflichtung der Federal Reserve, die Zinssätze zu erhöhen, fordert seinen Tribut von risikobehafteten Vermögenswerten. Trotz der Position von Bitcoin als Inflationsabsicherung, die seinen kometenhaften Aufstieg Anfang 2021 befeuert hat, hat das Top-Krypto-Asset in letzter Zeit damit begonnen, mehr in Korrelation mit anderen risikobehafteten Vermögenswerten wie Technologieaktien zu handeln. Wenn globale Investoren weiterhin in risikoärmere Anlagen fliehen, könnte der Kryptomarkt einem weiteren Abwärtsdruck ausgesetzt sein.

Schweizer Börse sackt auf breiter Front ab

Zürich (Reuters) – Die Schweizer Börse ist am Freitag auf ein Jahrestief abgesackt.

Händler erklärten, ein Cocktail von schlechten Nachrichten habe den Anlegern die Stimmung verdorben. Dazu gehörten die enttäuschende Wachstumszahlen von Netflix und ein rekordschneller Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone. Zudem hielt die Furcht vor einem eskalierenden Russland-Ukraine-Konflikt an. Der auch als “Angstbarometer” bekannte Volatilitätsindex schnellte um 15 Prozent hoch. Im Gegenzug sackte der SMI um 1,8 Prozent ab auf 12.334 Punkte.

Sämtliche 20 SMI-Titel mussten Federn lassen. Schlusslicht waren die Titel des Computerzubehör-Herstellers Logitech mit einem Minus von 6,5 Prozent. Mit dem Finanzinvestor Partners Group und dem Bauchemiekonzern Sika standen die Aktien von weiteren Wachstumsunternehmen unter Druck. Der Luxusgüterkonzern Richemont ermässigte sich um 4,7 Prozent. Die Gewinner waren unter den grösseren Unternehmen dünn gesät. Seitwärts tendierten der Schokoladehersteller Barry Callebaut und die Immobilien-Gesellschaft Swiss Prime.

Baerbock – Unser Gasbedarf wird nicht steigen

Berlin (Reuters) – Bundesaußenministerin Annalena Baerbock widerspricht dem Eindruck, dass Deutschland auf Dauer abhängig sein wird von Gas-Lieferungen aus Russland.

“Es ist eine Mär, dass wir künftig mehr Gas brauchen, wir haben einen gleichbleibenden Bedarf für eine Übergangszeit”, sagte die noch amtierende Grünen-Co-Chefin in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der “Süddeutschen Zeitung”. “Die Abhängigkeit von fossilem Gas steigt nur dann, wenn man den Ausbau der erneuerbaren Energien nicht entschieden vorantreibt.”

Deswegen sei der Ausbau von erneuerbaren Energien mittlerweile nicht mehr nur Klimaschutz, sondern auch eine “zentrale Sicherheitsfrage”, sagte Baerbock. “Für den Übergang bis zu einer klimaneutralen Energieversorgung müssen wir uns aber definitiv weniger abhängig machen von Russland.” Zu einem möglichen Aus für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 bei einem Angriff Russlands auf die Ukraine sagte Baerbock: “Sowohl der Bundeskanzler als auch ich haben klargemacht, dass bei einer weiteren militärischen Eskalation jegliche Mittel und Maßnahmen auf dem Tisch liegen, und dazu zählt auch Nord Stream 2.”

Damit stellt sich Baerbock erneut teils gegen Positionen, die in der SPD vertreten werden. Die SPD-Vizevorsitzende Manuela Schwesig hatte erst am Donnerstag gesagt: “Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diese Ostseepipeline dringend brauchen. Wir brauchen sie, damit die Energiewende in Deutschland gelingt.” Deutschland benötige zumindest für eine Übergangszeit Gas als weiteren Energieträger, sagte die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern.

Weltweit erster Wasserstofftanker nimmt Ladung an Bord

Melbourne (Reuters) – Das weltweit erste Tankschiff für flüssigen Wasserstoff sticht bald von Australien aus Richtung Japan in See.

Die vom japanischen Konzern Kawasaki Heavy Industries gebaute Suiso Frontier wird von Freitag an mit flüssigem Wasserstoff aus Braunkohle beladen und tritt dann ihre Reise nach Japan an. Geliefert wird der Wasserstoff vom japanisch-australischen Gemeinschaftsunternehmen Hydrogen Energy Supply Chain (HESC), das von Kawasaki Heavy Industries angeführt wird. Das HESC-Projekt hat ein Gesamtvolumen von 500 Millionen australischen Dollar (etwa 318 Millionen Euro) und wird von Japan und Australien gefördert, um sauberere Energie zu gewinnen und Emissionen zu senken. Am Freitag bewilligte die australische Regierung weitere Mittel für das Vorhaben, unter anderem für die Speicherung von beim Prozess freiwerdendem CO2.

Wasserstoff bildet eine tragende Säule in Japans Dekarbonisierungsstrategie, die das Land bis 2050 klimaneutral machen soll. Australien hegt Ambitionen, ein bedeutender Exporteur des Gases zu werden.

Ziel des Projektes ist es, bis zu 225.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr zu produzieren. Eine endgültige Investitionsentscheidung müsse bis spätestens 2025 fallen. Australien wetteifere dabei unter anderem mit Ländern im Nahen Osten um die Produktion von klimaneutralem Wasserstoff, sagte Jeremy Stone, Chef des HESC-Partnerunternehmens J-Power. Zu den Projektpartnern zählen außerdem die japanischen Firmen Iwatani, Marubeni und Sumitomo. AGL Energy, einer der größten Energiekonzerne Australiens, liefert die Braunkohle.

Im letzten Jahr begann HESC mit der Herstellung von täglich 70 Kilogramm Wasserstoff auf Basis von Braunkohle, die im Latrobe Valley unweit von Melbourne abgebaut wird. Der Wasserstoff wird durch die Reaktion von Kohle mit Sauerstoff und Dampf bei großer Hitze und unter hohem Druck erzeugt. Danach wird er per Lkw zum Hafen transportiert, auf minus 253 Grad Celsius abgekühlt und damit für den Transport verflüssigt.

EU-Pläne zu Öko-Label stoßen in Fondsbranche auf Kritik

Frankfurt (Reuters) – Die Pläne der EU-Kommission, Erdgas und Atomkraft als nachhaltige Technologien anzuerkennen, stoßen in der Fondsbranche auf Kritik.

Dennis Hänsel, Leiter für nachhaltige Anlagelösungen bei der Fondsgesellschaft DWS, sieht ein Glaubwürdigkeitsproblem bei den Plänen. “Die Entscheidung der Kommission zur EU-Taxonomie, Investitionen in Atomenergie und fossiles Gas als nachhaltig zu klassifizieren, schwächt die Akzeptanz und Glaubwürdigkeit der Taxonomie und somit die gewünschte Lenkung von Geldflüssen in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten.” Die Entscheidung beispielsweise, Atomenergie auf die gleiche Stufe wie die Energiegewinnung aus Wind und Sonne zu stellen, stehe im klaren Widerspruch zu den Einschätzungen der DWS-Kunden.

Ingo Speich, Leiter Corporate Governance und Nachhaltigkeit bei der Fondsgesellschaft Deka hat eine klare Position: “Wir haben durch die französische Industriepolitik eine Entwertung der Glaubwürdigkeit der Taxonomie gesehen.” Die Nukleartechnologie verletze Basisprinzipien der Nachhaltigkeit. “Sie verstößt gegen den wichtigen Grundsatz der Nachhaltigkeit, dass zukünftige Generationen  durch unser Verhalten nicht über Gebühr belastet werden sollen,” so der Deka-Nachhaltigkeitschef. Die Fondsgesellaschaft bewerte das Thema aus Sicht des Kapitalmarktes, nicht weltanschaulich. Es gelte, bestimmte Risiken nicht in das Portfolio aufzunehmen. Für die Deka sind Unternehmen, die mehr als fünf Prozent Umsatz in der Kerntechnik haben, nicht investierbar.

In der Branche gibt es zudem Zweifel, ob trotz eines grünen Label für eine Übergangszeit noch viele Investitionen in solche Technologien fließen werden. Henrik Pontzen, Leiter ESG im Portfoliomanagement von Union Investment, hat hier die Gaskraft im Blick. “Die Taxonomie legt die Hürde für die Gaskraft so hoch, dass sie absehbar kaum übersprungen werden kann”, meint der Manager. “Die Menge und Strenge der zu erfüllenden Nebenbedingungen macht es unwahrscheinlich, dass sich viele Investitionsmöglichkeiten für nachhaltige Investoren ergeben werden.”

Die in einer Taxonomie festgeschriebenen Kriterien sollen dazu beitragen, dass Investitionen in der Wirtschaft verstärkt in erneuerbare Energien fließen. Lobbyarbeit von Ländern wie Frankreich und Deutschland führten dazu, dass auch Atomkraft und Erdgas als Brückentechnologien ein “grünes” Label erhalten können. Die EU-Komission hatte sich damit gegen die Empfehlung ihrer eigenen technischen Berater gestellt. Um Mitternacht läuft eine Frist zur Stellungnahme der EU-Länder für den Vorschlag ab. Die Vorschläge der Kommission sehen ein grünes Etikett für Gaskraftwerke und Atomkraftwerke vor, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen.

Zinssorgen und Ukraine-Konflikt belasten Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) – Die Furcht vor einer raschen Zinswende in den USA und einem eskalierenden Russland-Ukraine-Konflikt hat die Börsen am Freitag nach unten gezogen.

Der Dax fiel am Nachmittag um 2,2 Prozent auf 15.561 Zähler, der EuroStoxx50 gab 1,9 Prozent auf 4216 Punkte nach. Auch an der Wall Street zeichneten sich vorbörslich deutliche Verluste ab. Mittlerweile rechnen Börsianer nicht nur damit, dass die US-Notenbank Fed an den Zinsschrauben dreht, sondern auch schneller, als bislang angenommen. Dafür wird die Fed in der kommenden Woche Experten zufolge den Grundstein legen.

“Es gibt viele Spekulationen – vier, fünf, sechs US-Zinserhöhungen in diesem Jahr, eine Erhöhung um 50 Basispunkte im März – was die zugrunde liegende Angst der Märkte genährt hat”, sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Handelshaus Oanda. “Wir dürfen die Dominoeffekte der USA auf die globalen Märkte niemals unterschätzen, und Europa steht mit der Omikron-Variante und der Energiekrise vor eigenen Herausforderungen”, sagte Erlam.

Darüber hinaus waren die Verbraucherpreise in der Eurozone im Dezember in einem Rekordtempo gestiegen, angetrieben durch einen Anstieg der Energiepreise und Engpässe in der Lieferkette. Die EZB ist mit Blick auf den Inflationsausblick intern uneins. Wie aus den Protokollen der Zinssitzung vom Dezember hervorgeht, kreiste die Diskussion darum, ob sich die Inflation länger als erwartet halten könnte. Die Risikoscheu der Anleger drückte auch den Kurs der Kryptowährung Bitcoin, die rund sieben Prozent auf 38.462 Dollar nachgab.

SICHERE HÄFEN GEFRAGT

Investoren griffen angesichts der politischen Spannungen zwischen der Ukraine und Russland zu Bundesanleihen. Die Kurse der gern als sicherer Hafen angesteuerten Titel stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite mit minus 0,064 Prozent auf den tiefsten Stand seit einer Woche. Anleger warfen hingegen russische und ukrainische Staatsanleihen aus den Depots. Der Moskauer Aktienindex RTS rutschte um zwei Prozent ab.

“Die Spannungen nehmen zu und Experten erwarten eine Verschärfung der Krise durch Gewalt”, sagt Christian Henke vom Broker IG. Russland hat an der Grenze zur Ukraine rund 100.000 Soldaten zusammengezogen, weist den Vorwurf aber zurück, eine Invasion in die ehemalige Sowjetrepublik vorzubereiten. US-Außenminister Antony Blinken und der russische Außenminister Sergej Lawrow wollen nach ersten Beratungen weiter im Gespräch bleiben.

NEUER RÜCKSCHLAG FÜR WINDKRAFT-TOCHTER VON SIEMENS ENERGY

Im Dax brachen Siemens Energy um bis zu 15,7 Prozent ein und steuerten damit auf ihren bislang größten Tagesverlust zu. Mit 19,35 Euro markierten sie den tiefsten Stand seit November 2020. Der Energietechnik-Konzern muss wegen anhaltender Probleme der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa erneut Abstriche an den Prognosen machen. Die Papiere von Siemens Gamesa sackten in Madrid um bis zu 16,2 Prozent ab. Die Papiere der Rivalen Nordex und Vestas büßten bis zu 7,5 Prozent ein.

Der trübe Ausblick des Streaming-Anbieters Netflix sorgte ebenfalls für lange Gesichter. Netflix rechnet nur mit 2,5 Millionen Neukunden von Januar bis März, was weniger als die Hälfte dessen ist, was sich Analysten erhofft hatten. Vorbörslich notierten die Titel rund 20 Prozent im Minus. Auch andere Aktien der US-Unterhaltungsbranche wie Walt Disney mussten Federn lassen. Im Sog dessen fielen auch die schwedische Nordic Entertainment um rund acht Prozent. Die Citi-Analysten prognostizierten, der Ausblick werde Spekulationen schüren, ob der Markt für abonnierbare Video-Dienste zu schwächeln beginne.

Intel will 20 Milliarden in Chipproduktion in Ohio investieren

Washington/San Francisco (Reuters) – Mitten in der Chipkrise will Intel seine Produktionskapazitäten mit dem Bau zweier neuer Fabriken im US-Bundesstaat Ohio erweitern.

Es würden mehr als 20 Milliarden Dollar investiert, kündigte der größte US-Chipkonzern am Freitag an. Intel plant auch in Europa neue Werke, hält sich zu möglichen Standorten aber noch bedeckt. Eine Firmensprecherin sagte dazu, bald werde es eine Ankündigung geben. Deutschland rechnet sich große Chancen aus, einen Zuschlag zu bekommen. Als potenzielle Orte werden immer wieder Dresden, Penzing in Bayern und Magdeburg genannt.

Ähnlich wie Europa wollen die USA ihre Abhängigkeit bei Halbleitern von asiatischen Anbietern wie TSMC und Samsung reduzieren. Intel-Chef Pat Gelsinger will die Produktionskapazitäten ausbauen und auch stärker in die Auftragsfertigung einsteigen. Allerdings werden die jüngsten Ankündigungen zum Bau neuer Werke nichts an der aktuellen Chipknappheit ändern, die vor allem Autohersteller und Elektronikkonzerne zwingt, ihre Produktionen zurückzufahren.

Die US-Regierung wie auch die EU-Kommission locken die Konzerne mit Subventionen, die allerdings auf beiden Seiten des Atlantiks noch festgezurrt werden müssen. Die EU-Kommission will ihren Gesetzentwurf zur Förderung der Chipbranche in Europa Anfang Februar vorstellen. Im Moment werden mehr als zwei Drittel aller modernen Halbleiter in Asien hergestellt.

Laut Intel sollen in dem Werk in der Nähe von Columbus in Ohio, dessen Inbetriebnahme für 2025 angedacht ist, 3000 dauerhafte Jobs entstehen. 7000 Leute sollen während des Baus beschäftigt werden. Partner und Zulieferer wie Air Products, Applied Materials und LAM Research sollen bereits Interesse angemeldet haben, ebenfalls eine Präsenz in der Region zu eröffnen.

Umweltschützer siegen – Serbien verbietet Rio Tinto Lithium-Abbau

Melbourne/Belgrad (Reuters) – Proteste von Umweltschützern haben ein milliardenschweres Projekt des Bergbaukonzerns Rio Tinto zum Lithium-Abbau in Serbien zu Fall gebracht.

Die Aktien des britisch-australischen Unternehmens setzten am Freitag ihre Talfahrt an der Londoner Börse fort, nachdem die serbische Regierung am Donnerstagabend die Abbaulizenzen wegen Umweltbedenken widerrufen hatte. Dem waren wochenlange Proteste der Bevölkerung gegen die geplante Mine im westserbischen Jadar-Tal vorausgegangen. Rio Tinto wollte mit dem 2,4 Milliarden Dollar schweren Vorhaben – seinem bislang einzigen zur Förderung von Lithium, einem wichtigen Rohstoff für E-Autobatterien – zum größten Produzenten in Europa und einem der zehn größten weltweit aufsteigen.

Vor Kurzem erst war wegen Verzögerungen im Genehmigungsprozess der Produktionsbeginn um ein Jahr auf 2027 verschoben worden. Die serbische Regierungschefin Ana Brnabic begründete die Entscheidung mit Forderungen von Umweltschützern. Nach deren Ansicht würde die Mine Land und Grundwasser verschmutzen. Der Bergbaukonzern habe die anliegenden Gemeinden nicht ausreichend informiert, hielt Brnabic Rio Tinto vor. Das Unternehmen hatte früher erklärt, sich an Gesetze zu halten und den Dialog zu suchen.

Serbien steht vor der Wahl im April. Die Beziehungen zu Australien litten zuletzt unter dem Streit über die Teilnahme des serbischen Tennisstars Novak Djokovic an den Australian Open. Der Weltranglistenerste wurde kurz vor Beginn des Turniers zur Abreise gezwungen, weil die australische Regierung sein Visum annulierte. Djokovic hatte im Dezember auf Instagram ein Foto der Umweltproteste mit einem unterstützenden Kommentar gepostet. In den sozialen Medien machte nach der Absage an das Projekt der Jux die Runde, Rio Tinto sei jetzt so wie Djokovic ausgewiesen worden.

Der Bergbaukonzern erklärte, er sei äußerst besorgt über den Beschluss der Regierung in Belgrad und werde deren Rechtsbasis überprüfen. Der Konzern hat bereits 450 Millionen Dollar für Machbarkeitsstudien und andere Untersuchungen zu dem Projekt ausgegeben. Die Regierung Australiens erklärte, sie bedaure den Rückzug. “Wir weisen auf die großen wirtschaftlichen Vorteile der beachtlichen Investition von Rio Tinto in Serbien hin.”

Der Verzicht Serbiens könnte sich auch auf die Versorgung der Autoindustrie mit dem Batterierohstoff auswirken. Die Kapazität wurde auf 58.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr taxiert, genug für eine Million E-Autos. Es wäre die größte Förderung in Europa gewesen – und ein wichtiger Beitrag dazu, den Kontinent von Lithium-Importen unabhängiger zu machen. Schon jetzt ist der Rohstoff knapp und würde es nach bisheriger Prognose die nächsten drei Jahre bleiben, erklärten Experten. Das könne sich durch den Ausfall der Rio-Tinto-Lieferungen noch länger hinziehen und die Lithium-Preise weiter in die Höhe treiben. “Wir sind an einem Punkt, wo das Lithium-Angebot das Tempo des Hochlaufs von Elektroautos bestimmen wird”, sagte Saul Kanovic, Analyst von Credit Suisse.

Ampel-Koalition will Abschaffung der Ökostrom-Umlage vorziehen

Berlin (Reuters) – Angesichts der hohen Energiepreise will die Ampel-Koalition eine schnelle Abschaffung des Strompreis-Aufschlags für die Erneuerbaren Energien (EEG-Umlage).

Nach der SPD sprachen sich am Freitag auch Vertreter von Grünen und FDP für ein Ende der Umlage noch in diesem Jahr aus. “Angesichts der steigenden Energiepreise brauchen private Haushalte und Unternehmen dringend eine spürbare Entlastung”, sagte FDP-Vize-Fraktionschef Lukas Köhler. Dazu liefen Gespräche in der Ampel-Koalition. “Ich bin zuversichtlich, dass wir nun rasch die Grenzen des Machbaren ausloten und die erforderlichen Schritte dann gegebenenfalls auch schnell umsetzen.” Grünen-Vize-Fraktionschefin Julia Verlinden sagte Reuters, die Koalition habe bereits einiges zur Entlastung getan: “Über weitere Maßnahmen sind wir in der Koalition im Gespräch. Entlastungswirkung, Finanzierbarkeit und Nachhaltigkeit sind dabei entscheidende Kriterien.”

Im Koalitionsvertrag ist ein Aus für die Umlage erst ab Januar 2023 vorgesehen. Erst zu Beginn des Jahres war sie mit Einsatz von mehrere Milliarden Euro Haushaltsmitteln auf gut 3,72 Cent pro Kilowattstunde nahezu halbiert worden. Sie macht aber so immer noch mehr als zehn Prozent des Strompreises aus. Ein Durchschnittshaushalt würde durch die komplette Abschaffung auf ein Jahr gerechnet um rund 150 Euro entlastet.

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich hatte am Donnerstag vor einer Klausur seiner Abgeordneten bereits gesagt, eine schnellere Abschaffung der Umlage auszuloten. Im Beschlussentwurf der Klausur, der Reuters vorliegt, werden zusätzliche Hilfen gerade für ärmere Haushalte in Aussicht gestellt: “Die Entwicklung der Energiepreise werden wir deshalb sorgfältig im Blick behalten und dort, wo nötig, insbesondere mit Blick auf die niedrigen Einkommen, unterstützend eingreifen”, heißt es dort. “Auch die bestehenden Regelungen auf dem Strommarkt werden wir diesbezüglich überprüfen.” Die Strompreise würden verringert, weil die EEG-Umlage bis 2023 auf null gesenkt werde. Diese Formulierung lässt offen, ob die Umlage auch bereits früher ausgesetzt wird.

Grünes Licht aus China für Übernahme von Siltronic

Shanghai (Reuters) – Die Übernahme des Münchner Chip-Zulieferers Siltronic durch den Rivalen GlobalWafers aus Taiwan hängt nur noch an der Genehmigung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die chinesische Kartellbehörde hat die 4,35 Milliarden Euro schwere Transaktion unter Auflagen durchgewinkt, wie sie am Freitag auf ihrer Website mitteilte. Bedingung dafür sei, dass GlobalWafers einen Teil der dänischen Tochter Topsil abspalte, um den Wettbewerb auf dem Markt für 8-Inch-Siliziumscheiben (Wafer) zur Chip-Produktion nicht zu behindern. GlobalWafers müsse Kunden aus China weiterhin fair und diskriminierungsfrei mit Wafern beliefern, betonte die Behörde.

Zuletzt hatte sich bereits abgezeichnet, dass die Erlaubnis nach dem deutschen Außenwirtschaftsgesetz die größte Hürde für den Verkauf von Siltronic nach Taiwan sein würde. Alle anderen Genehmigungen liegen inzwischen vor. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums sagte, es gebe noch keine Entscheidung zu Siltronic. “Derzeit laufen die Gespräche noch.” Das Münchner Unternehmen hatte sich bereits vergangene Woche pessimistisch geäußert. Aus dem Ministerium von Robert Habeck (Grüne) kämen keine Signale, “ob und unter welchen Umständen eine außenwirtschaftsrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Übernahme der Siltronic AG durch GlobalWafers erteilt werden kann”. Entscheidet Habeck nicht bis zum 31. Januar, ist die Übernahme geplatzt.

Die Prüfung zieht sich schon seit fast einem Jahr hin. Das Ministerium fürchtet offenbar den Verlust von Chip-Technologie in Europa. Siltronic ist der einzige der fünf großen Hersteller von Wafern, der aus Europa stammt. GlobalWafers bietet 145 Euro je Siltronic-Aktie und will mit der Übernahme zum japanischen Weltmarktführer Shin-Etsu Chemical aufschließen.