Daimler macht bei Batterie-Strategie Tempo – Einstieg bei ACC

Die Daimler-Tochter übernimmt einen Anteil von einem Drittel an dem Unternehmen und sichert sich so Zugang zu Hochleistungsbatteriezellen und -modulen für seine Fahrzeuge. Mercedes-Benz werde gemeinsam mit dem Konkurrenten Stellantis und dem Mineralölunternehmen Totalenergies gleichberechtigter Anteilseigner an ACC, teilte Daimler am Freitag mit. “Wir werden sicherstellen mit unserern Partnern, dass ACC ein Champion wird”, sagte Daimler-Chef Ola Källenius. Die Dreierkombination sei ideal und die beste Möglichkeit, schnell auf große Skalen zu kommen.

Insgesamt liegt die Investition aller drei Partner bei mehr als sieben Milliarden; Daimler steuert dazu weniger als eine Milliarde Euro eigene Mittel bei. Ziel ist es, bis Ende des Jahrzehnts mindestens 120 Gigawattstunden Jahreskapazität aufzubauen. Wie viel davon für Mercedes-Benz reserviert sind, ließ das Unternehmen offen. “Das wird einen großen Teil unseres Bedarfes abdecken”, sagte Källenius.

An der Börse gaben die Daimler-Aktien 0,2 Prozent nach, das Minus fiel geringer aus als bei der Konkurrenz. Der Einstieg bei ACC sei positiv für Daimler, schrieben die Experten von Jefferies. Mit der Investition sichere sich Daimler Zugang zu Batteriezellen, ohne die Bilanz zu sehr zu belasten.

ZUSAMMENARBEIT MIT FARASIS IN ASIEN

Daimler strebt bis Ende des Jahrzehnts an, nur noch vollelektrische Autos auf den Markt zu bringen. Entscheidend dafür sei die Marktentwicklung. Dazu kündigte das Unternehmen an, zusammen mit Partnern acht Gigafabriken für Batteriezellen weltweit aufzubauen, um sich die benötigten 200 Gigawattstunden Kapazität zu sichern. Vier davon sollen in Europa sein, drei in Asien/China und eine in den USA. In Asien verfüge Daimler bereits über starke Partnerschaften, sagte Källenius. Das US-chinesische Unternehmen Farasis baue gerade die Kapazitäten für den Stuttgarter Konzern aus, mit CATL sei Daimler in guten Gesprächen. Für Nordamerika werde derzeit mit verschiedenen Partnern verhandelt. Eine Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, das werde folgen, sagte Källenius.

ACC wurde 2020 von Stellantis und TotalEnergies gegründet. Das Unternehmen strebt an, europäischer Marktführer für Batteriezellen und -module zu werden. Derzeit betreibt ACC ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bordeaux in Frankreich. Ab Mitte des Jahrzehnts solle Mercedes-Benz mit ACC-Batteriezellen aus Werken in Deutschland und Frankreich beliefert werden. Dazu prüfe ACC den Ausbau seines Produktionsnetzwerkes um weitere Standorte in Europa. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich habe das Potenzial, dass ein neuer Batterie-Champion in Europa entstehe. Zusammen mit dem Projekt von Tesla sowie den weiteren 14 geförderten Projekten könne Deutschland zu einem Schwerpunkt der weltweiten Batterieproduktion werden. “Damit entsteht das bislang erfolgreichste industriepolitische Projekt seit Airbus.”

 

Chipmangel bremst deutschen Automarkt – E-Autos weiter gefragt

Im August kamen lediglich gut 193.000 Neuwagen auf die Straßen, 23 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit schrumpfte der Absatz unmittelbar vor Beginn der wichtigen Automesse IAA Mobility in München den zweiten Monat in Folge stark. Das lag vor allem daran, dass elektronische Bauteile fehlen und die Hersteller deshalb die Produktion immer wieder unterbrechen müssen – und das trotz voller Auftragsbücher. Während der Auftragseingang nach Branchenangaben im Inland um acht Prozent zulegte, sank die Produktion um ein Drittel.

Unter den deutschen Herstellern verbuchte im vergangenen Monat lediglich die zum neuen Stellantis-Konzern gehörende Marke Opel ein Absatzplus. Bei Mercedes, Volkswagen und BMW schrumpften die Neuzulassungen dagegen teils deutlich. Während Autos mit Verbrennungsmotoren weiter auf dem Rückmarsch waren, blieb die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen hoch. Allerdings waren die Wachstumsraten deutlich niedriger als noch vor einigen Monaten. Der Absatz rein batteriegetriebener Fahrzeuge kletterte um rund 80 Prozent 28.860 Einheiten. Bei Plug-in-Hybriden, deren Batterien an der Steckdose aufgeladen werden können, stieg der Absatz um 43 Prozent auf knapp 24.500 Stück. Insgesamt lag der Elektro-Anteil an den Neuzulassungen damit bei 27,6 Prozent. Damit sei der bisherige Höchstwert von Dezember deutlich übertroffen worden, teilte der Verband der Automobilindustrie mit.

 

General Motors schraubt nach Rekordgewinn Prognose höher

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte im zweiten Quartal auf den Rekordwert von 4,1 Milliarden Dollar, wie der größte US-Autobauer am Mittwoch mitteilte. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr war wegen der Pandemie ein Verlust von 536 Millionen Dollar angefallen. Die Prognose hob das Management um GM-Chefin Mary Barra trotz Belastungen durch einen teuren Rückruf des Elektrofahrzeugs Chevrolet Bolt an. Demnach soll der Betriebsgewinn (Ebit) in diesem Jahr zwischen 11,5 und 13,5 Milliarden Dollar liegen statt wie bisher erwartet in einer Spanne zwischen zehn und elf Milliarden Dollar.

Bei seinem Ausblick geht der Detroiter Konzern davon aus, dass im zweiten Halbjahr in Nordamerika etwa 100.000 Fahrzeuge nicht produziert werden können. Außerdem rechnet das Unternehmen wegen höherer Rohstoffkosten mit Belastungen von bis zu zwei Milliarden Dollar. “Die Halbleiterknappheit bleibt bestehen und die Herausforderungen in der Lieferkette werden sich in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen”, erklärte General Motors. Weltweit sind Autobauer von Lieferengpässen bei wichtigen Bauteilen betroffen und müssen deswegen immer wieder die Produktion unterbrechen. Die Opel-Mutter Stellantis fürchtet, in diesem Jahr 1,4 Millionen Autos nicht herstellen zu können, weil Steuerelemente fehlen. Selbst der weltgrößte Autobauer Toyota, der wegen einer guten Bevorratung bisher weitgehend verschont geblieben ist, bekommt die Engpässe inzwischen zu spüren.

GM profitiert von der hohen Nachfrage nach seinen Pickups und SUV, für die er hohe Preise verlangen kann. Dadurch wurden Kosten im Zusammenhang mit dem Rückruf und der Produktionsunterbrechungen wegen des Halbleitermangels wettgemacht. Den Wert der Fahrzeuge, die wegen fehlender Elektronikteile nicht fertig gebaut werden konnten und zwischengelagert wurden, gab GM mit 1,4 Milliarden Dollar an. Der Konzern teilte mit, die optimistischeren Aussichten für das Gesamtjahr hingen davon ab, dass keine Fahrzeuge davon länger auf Lager blieben. Seinen Plan, bis 2025 mehr als 30 elektrifizierte Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, darunter zwei neue Elektroautos, bekräftigte General Motors. Die bis 2025 angekündigten Investitionen von 35 Milliarden Dollar seien in erster Linie dafür gedacht, die Produktionskapazitäten für E-Autos und Batterien zu erhöhen.

 

“Wo bleiben die Chips?” – Halbleitermangel bremst die Autobranche

– von Christina Amann

Die Opel-Mutter Stellantis fürchtet, in diesem Jahr 1,4 Millionen Autos nicht herstellen zu können, weil die wichtigen Bauteile fehlen. Der Münchner Autobauer BMW, der anfangs noch recht ungeschoren durch die Chipkrise kam, stellt sich auf schwierige Monate ein. “Mit zunehmender Dauer der Liefer-Engpässe wird die Situation angespannter”, beschreibt Finanzvorstand Nicolas Peter die Lage. Vier Fünftel der deutschen Autofirmen kämpfen mit einem Mangel an Vorprodukten, ergab eine Umfrage des Ifo-Instituts. Auf der anderen Seite versucht der Chip-Hersteller Infineon händeringend, die Produktionskapazitäten zu erhöhen.

Schon zu Jahresbeginn hatten die Autobauer zu kämpfen, weil die Chip-Hersteller im Corona-Lockdown 2020 ihre Produktion auf die höhere Nachfrage nach Unterhaltungselektronik ausrichteten und die Kapazitäten nicht mehr für die Autos reichten. Dann fielen Fabriken in den USA und in Japan nach einem Unwetter und einem Brand aus. Inzwischen sind es steigende Corona-Fallzahlen in südostasiatischen Ländern wie Malaysia, die den Einkäufern der Autobauer Kopfzerbrechen bereiten. Der Münchener Konzern Infineon, der besonders viel Geschäft mit Auto-Chips macht, musste die Fertigung im malaysischen Malakka zweimal für insgesamt 20 Tage stoppen und impft nun die Belegschaft durch, um weitere Unterbrechungen zu vermeiden. Zwischen 200 und 300 Millionen Euro Umsatz fehlen Infineon inzwischen wegen der Stillstand-Zeiten.

CHIPMANGEL TREIBT GEWINNE NACH OBEN

“Die Vorräte sind auf einem historischen Tiefstand. Unsere Chips gehen aus der Fertigung direkt in die Endanwendungen”, schilderte Ploss die Lage. “Die Lieferschwierigkeiten bleiben allgegenwärtig. Wir kämpfen um jeden zusätzlichen Wafer.” Etwas Hoffnung macht ihm, dass die neue Fabrik für Leistungshalbleiter im österreichischen Villach seit Dienstag – früher als geplant – betriebsbereit ist. Mit einer Besserung der Situation rechnet Ploss aber “frühestens weit im Jahr 2022.”

Derweil warten die Autobauer verzweifelt auf Lieferungen. Es kommt zu Produktionsausfällen, in den Werken gilt Einschichtbetrieb oder die Bänder stehen sogar ganz still. Da ist es fast ein Glück, dass viele deutsche Konzerne ab August reguläre Produktionspausen zur Wartung der Anlagen angesetzt haben. “Wir rechnen im zweiten Halbjahr mit weiteren Produktionseinschränkungen und damit verbundenen Auswirkungen auf den Fahrzeugabsatz”, sagte BMW-Finanzchef Peter. Bis Jahresende könnten womöglich 70.000 bis 90.000 Fahrzeuge wegen der Knappheit nicht produziert werden. Der Stuttgarter Rivale Mercedes-Benz geht davon aus, dass mehr als 150.000 Autos in diesem Jahr weniger als geplant vom Band rollen. Noch stärker sind die Massenhersteller betroffen: VW konnte in der ersten Jahreshälfte eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht fertigen.

Als Reaktion auf die Engpässe konzentrieren sich viele Autohersteller auf margenstarke, große Fahrzeuge und drosseln die Produktion kleinerer Modelle. Das spiegelt sich in den Gewinnen wider: Der französisch-italienische Konzern Stellantis, der aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA hervorgegangen ist, schaffte eine Gewinnmarge von 11,4 Prozent – ein hoher Wert für einen Massenhersteller – und hängte damit den Rivalen Volkswagen mit seinen 8,8 Prozent ab. BMW erzielte in der Autosparte in den ersten sechs Monaten eine Rendite von 13 Prozent und zeigte sich zuversichtlich, im Gesamtjahr am oberen Ende der Prognosespanne von sieben bis neun Prozent zu landen. Mercedes-Benz schaffte mit 12,8 Prozent das dritte Quartal in Folge eine zweistellige Rendite auf bereinigter Basis – ein historisches Ergebnis.

GEBRAUCHTWAGENMARKT BOOMT

Zugute kommt den Herstellern die weltweit starke Nachfrage, weswegen sie ihre Neuwagen ohne größere Preisnachlässe verkaufen können. BMW schaffte im ersten Halbjahr einen Absatzrekord. Trotz der Chip-Engpässe rechnet BMW mit einem “soliden Wachstum” bei den Auslieferungen – also ein Plus von fünf bis knapp zehn Prozent. Der Umsatz der Münchner stieg in der ersten Jahreshälfte um 28 Prozent auf 55,4 Milliarden Euro, der Gewinn schnellte auf 7,6 Milliarden Euro von 362 Millionen im Vorjahr. Die starken Ergebnisse dürften insbesondere auf umfangreiche Sparmaßnahmen, nachgeholten Käufen und einer Konzentration auf margenstarkes Geschäft beruhen, erläuterte Frank Schwope, Analyst bei der NordLB.

Aber auch Einmaleffekte kamen den Münchnern zugute: So konnte BMW die Rückstellung für das EU-Kartellverfahren wegen Absprachen rund um die Abgasreinigung von Dieselautos auflösen, nachdem die Strafe geringer ausfiel als angenommen. Barclays-Experten verwiesen zudem auf geringere Pensionskosten, die weitere 500 Millionen Euro beisteuerten. An der Börse wurden die Zahlen mit Verkäufen quittiert: Mit einem Abschlag von bis zu 4,5 Prozent waren die BMW-Papiere Schlusslicht im deutschen Leitindex Dax.

 

Personalkonzern Adecco will Wachstum mit Rekordkauf ankurbeln

Für den Technologie-Dienstleister Akka Technologies ist Adecco bereit, zwei Milliarden Euro auf den Tisch zu legen – mehr als doppelt so viel wie die belgische Firma vor der Ankündigung wert war. Adecco-Chef Alain Dehaze verspricht sich vom Zukauf neuen Schub. “Dieses Geschäft wird unser Umsatzwachstum ankurbeln und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, in Wachstumsbereichen mit höheren Margen tätig zu sein”, sagte Dehaze am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Akka stellt ihren Kunden Ingenieure für Technologie-Entwicklungsprojekte zur Verfügung und beschäftigt insgesamt rund 20.000 Personen. Drei Viertel des Umsatzes von 1,5 Milliarden Euro entfallen auf Software- und Digital-Dienstleistungen. Akka bedient vor allem Unternehmen aus den Branchen Auto, Luftfahrt und Eisenbahn wie den Peugeot– und Fiat-Hersteller Stellantis, Airbus oder Safran. Dabei profitiert der Technologie-Dienstleister vom Trend bei vielen Firmen, Forschungs- und Entwicklungsarbeit auszulagern.

Es handle sich nicht nur um den größte Zukauf seit der Firmengründung vor 25 Jahren, sondern auch um den wichtigsten, sagte Dehaze. Akka sei wesentlich unabhängiger von der Konjunktur als das angestammte Geschäft. Zudem müssten die Produkte in den meisten Branchen auf eine zunehmend digitale Welt umgerüstet werden. “Autos werden zu Computern auf Rädern, weil sie vernetzt sind”, sagte Dehaze. “Man braucht neue Kapazitäten, um den Kunden bei der Entwicklung dieser intelligenten Produkte zu helfen.”

GESCHÄFT ZIEHT AN

Akka ergänze die in einem ähnlichen Geschäft tätigte Tochter Modis hervorragend. Während Modis vor allem in den Regionen Asien-Pazifik und Nordamerika stark sei, habe Akka den Schwerpunkt in Europa. Zusammen kämen sie auf rund 50.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro und würden damit in dem Geschäft nur noch vom französischen Informatik-Dienstleister CapGemini überboten. Mit der Übernahme will Adecco 265 Millionen Euro an Synergien heben.

Gemessen am Umsatz lässt Adecco mit der Transaktion zudem die niederländische Randstad als weltweit führender Personaldienstleister hinter sich. Wie die gesamte Branche litt auch Adecco 2020 unter der Corona-Krise, sodass der Umsatz um 17 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro einbrach. Inzwischen zeichnet sich aber eine Erholung ab. Im zweiten Quartal 2021 kletterte der Umsatz um 26 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Den Gewinn konnte der Konzern auf 145 Millionen Euro versiebenfachen. Adecco gehe für das laufende Quartal von einer anhaltenden Verbesserung des Geschäftsumfeldes aus. “Die Länder haben gelernt, mit dem Virus umzugehen und die Wirtschaft zu schützen, und die Beschränkungen werden aufgehoben”, sagte Finanzchef Coram Williams. “Wir sind immer noch nicht da, wo wir im zweiten Quartal 2019 waren, aber wir sind optimistisch.”

Mit jährlichen Raten von sechs bis acht Prozent wächst das Technologie-Consulting deutlich schneller als das breite Personal-Geschäft. Die bedeutende Investition in Akka sei angesichts der besser vorhersehbaren und stabileren Erträge vorteilhaft für Adecco, erklärte ZKB-Analyst Gian Marco Werro.

AKKA-AKTIEN SCHIESSEN NACH ÜBERNAHMEOFFERTE IN DIE HÖHE

Dafür muss Adecco aber auch tief in die Tasche greifen. 49 Euro bieten die Schweizer je Akka-Aktie, gemessen am Kurs vom vergangenen Freitag entspricht dies einem ungewöhnlich hohen Aufpreis von 115 Prozent. An der Börse kletterten Akka im Morgenhandel um 88 Prozent auf 46,23 Euro. Adecco verloren dagegen sieben Prozent.

Die Übernahme verläuft in zwei Schritten. Adecco hat bereits die Zusage der Familien Ricci und Frere, ihre Anteile zu verkaufen. Dadurch kommt Adecco in den Besitz von 48 Prozent der Akka-Anteile. Gegen Ende des ersten Quartals 2022 will der Züricher Konzern dann ein Übernahmeangebot für die restlichen an den Börsen von Paris und Brüssel gehandelten Titel vorlegen. Der Akka-Verwaltungsrat habe sich einstimmig für die Adecco-Offerte ausgesprochen. Die Transaktion solle im ersten Halbjahr 2022 abgeschlossen werden. Die Schweizer wollen die Übernahme vor allem durch Anleihen-Emissionen finanzieren. Dazu soll eine Kapitalerhöhung im Umfang von bis zu 350 Millionen Euro kommen.

 

Lithium-Förderer Vulcan Energy denkt an Börsengang

“Derzeit ziehen wir eine Erstnotierung an der Börse in Frankfurt in Betracht, denn wir verspüren viel Interesse von Investoren in Europa”, sagte der Chef der Vulcan Energie Ressourcen GmbH, Horst Kreuter, der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Das Mutterunternehmen Vulcan Energy ist bereits in Australien börsennotiert. Jetzt könnte die eigenständige deutsche Tochter den Gang aufs Börsenparkett wagen. “Wir haben den Entscheidungsprozess gestartet und hoffen, diesen noch in diesem Jahr zu finalisieren”, ergänzte Kreuter.

Mit einer Tochter des koreanischen Batterieriesen LG Chem hat Vulcan nach Unterzeichnung einer Absichtserklärung den ersten Großkunden in Aussicht. Das Interesse der Autohersteller an dem CO2-frei gewonnenen Rohstoff für E-Auto-Batterien sei groß, ergänzte Kreuter. Das Unternehmen will Lithium aus Thermalwasser in der Tiefe des Oberrheingrabens gewinnen. Zu den potenziellen Kunden von Vulcan gehört auch der Opel-Mutterkonzern Stellantis, der Insidern zufolge eine Absichtserklärung zum Kauf von Lithium abgegeben hat. Dazu wollte sich Kreuter nicht äußern. Außerdem ist Daimler nach eigenen früheren Angaben im Gespräch mit dem 2018 gegründeten Startup aus Karlsruhe, das mittlerweile rund 60 Beschäftigte hat.

LG Energy Solutions (LGES), die Tochter des Batterieriesen LG Chem, wolle im ersten Jahr 5000 metrische Tonnen Lithium-Hydroxid abnehmen und das Volumen schrittweise auf 10.000 Tonnen im Jahr erhöhen, teilte Vulcan Energy weiter mit. Der Vertrag soll zum geplanten Produktionsbeginn Mitte 2024 starten und eine Laufzeit von fünf Jahren haben, die um weitere fünf Jahre verlängert werden kann. Das Auftragsvolumen von LGES werde bis zum Hochlauf 2026 ein Viertel der Gesamtproduktion ausmachen, erklärte Vulcan Energy weiter, sagte Vulcan-Manager Francis Wedin.

PILOTANLAGE LÄUFT

Mit dem Umschwung zu Elektroautos steigt die Nachfrage nach dem Batterierohstoff massiv. Nach Schätzungen von Geologen birgt die Region im Südwesten Deutschlands genug Lithium für mehr als 400 Millionen Elektroautos. Nach dem Verfahren von Vulcan wird heißes Thermalwasser aus Tausenden Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt, wobei Wärme und Strom entstehen. Dieser kann verkauft werden, sodass die Förderkosten gedeckt werden. Das Lithiumhydroxid kann aus dem Wasser extrahiert werden, das dann wieder in die Tiefe zurückfließt. Die Kosten für die Extraktionsanlage müssen Kreuter zufolge über den Preis eingespielt werden. Dieser werde voraussichtlich aber unter dem von Lithiumcarbonat aus Chile oder Argentinien liegen, das aufwendiger im Tagebau gewonnen werde.

Die Standorte in der Region, die sich über Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen erstreckt, stehen noch nicht fest. Eine Pilotanlage läuft seit April. “Anfang nächsten Jahres geht eine Demonstrationsanlage in Betrieb, die von der Menge her Tonnen erzeugen kann”, ergänzte Kreuter. Das Material werde dann bei Batterieherstellern gestestet. Bis 2024 sollen in zwei Anlagen 15.000 Tonnen im Jahr gewonnen werden. In der zweiten Phase ab 2025 plant die Firma drei weitere Anlagen für ein Volumen von 40.000 Tonnen. Das wäre genug Lithium für die Batteriezellen von einer Million E-Autos. Dafür werden Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gebraucht – über den möglichen Börsengang und Bankkredite.

 

Automarkt in Deutschland erholt sich weiter

Im Mai kamen mit rund 230.600 Neuwagen 37 Prozent Fahrzeuge mehr auf die Straßen als im schwachen Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Donnerstag mitteilte. Damit fiel der Zuwachs nicht so hoch aus wie im April, als sich die Neuzulassungen binnen Jahresfrist fast verdoppelt hatten. Im April 2020 hatten die Autoproduktion und der Handel wegen der Pandemie noch weitgehend stillgestanden.

Nach Einschätzung des Importeurverbands VDIK ist die Krise damit aber längst nicht überwunden. Die hohen Wachstumsraten dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Pkw-Markt weiterhin erkennbar schwächele, erklärte Verbandschef Reinhard Zirpel. “Seit Jahresbeginn blieb das Neuzulassungsvolumen 16 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.”

Mit Ausnahme von Mercedes-Benz (minus 14,8 Prozent) steigerten im Mai alle deutschen Marken ihren Absatz, allen voran BMW mit plus 92 Prozent. Marktführer VW steigerte sich um mehr als die Hälfte, die zum französisch-italienischen Stellantis-Konzern gehörende Rüsselsheimer Marke Opel legte um rund 42 Prozent zu und Audi erhöhte die Neuzulassungen um ein Drittel.

E-AUTOS WEITER STARK GEFRAGT

Der Boom bei den Elektroautos hielt unterdessen an: Der Absatz rein batteriegetriebener Fahrzeuge verfünffachte sich fast auf rund 26.800 Einheiten. Bei Plug-in-Hybriden, bei denen ein Verbrenner dem E-Motor zeitweise Arbeit abnimmt, vervierfachte sich der Absatz binnen Jahresfrist auf 27.200 Fahrzeuge. Der Anteil der Benziner an den Neuzulassungen stieg leicht auf 37,7 Prozent, während Dieselautos erneut weniger gefragt waren. Ihr Anteil sank auf 22,3 Prozent. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller neu registrierten Fahrzeuge fiel um knapp ein Fünftel auf 125 Gramm pro Kilometer.

Ingesamt kletterten die Pkw-Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten um 12,8 Prozent auf rund 1,12 Millionen Fahrzeuge.

 

Autobauer Stellantis verbündet sich mit Apple-Zulieferer Foxconn

Die beiden Unternehmen kündigten am Dienstag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Namen “Mobile Drive” an, das seinen Sitz in den Niederlanden haben wird. Ziel der Partnerschaft sei die Entwicklung von Hardware und Software für die Vernetzung von Fahrzeugen. Mobile Drive solle sich an Ausschreibungen beteiligen und neben Stellantis auch andere Autohersteller beliefern.

“Software ist ein strategischer Schritt für unsere Branche, und Stellantis will mit Mobile Drive eine Vorreiterrolle einnehmen”, erklärte Stellantis-Chef Carlos Tavares. Der aus der Fusion der Opel-Mutter PSA mit dem italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat Chrysler hervorgegangene Stellantis-Konzern und Foxconn wollen Plattformen für Infotainment-, Telematik- und Cloud-Dienste entwickeln, die im Auto über mobiles Internet (Over-the-Air) aktualisiert werden.

Foxconn hat bereits Partnerschaften mit anderen Autoherstellern. Erst Anfang 2021 hatte sich die in Taiwan ansässige Firma mit dem chinesischen Autobauer und Daimler-Partner Geely zusammengetan, um eine Auftragsfertigung und Beratungsdienste für Mobilitätsunternehmen auf die Beine zu stellen.

In die Automobilindustrie ist viel Bewegung gekommen, seitdem Tech-Konzerne verstärkt ins Geschäft mit Daten und Diensten für E-Autos drängen. Apple wird nachgesagt, ein autonomes Fahrzeug auf die Straße bringen zu wollen. Dazu laufen Insidern zufolge schon seit längerem hinter den Kulissen Gespräche mit verschiedenen Partnern, die einen solche Fahrzeug bauen könnten. Sollte Apple ein solches Auto anbieten, wäre dies nicht nur eine Herausforderung für den US-Elektroautobauer Tesla. Alle großen Autobauer arbeiten derzeit mit Hochdruck am automatisierten Fahren und investieren Milliarden, um in Zukunft auch mit Mobilitätsdiensten Geld zu verdienen.