Schlagworte im Ukrainekrieg: Harte Ansagen + Realmathematik = Schlechte Optionen

Den taffen Schlagzeilen, dem Sanktionsgeschrei und der moralischen Großspurigkeit zum Trotz entdecken wir gerade, dass die politischen Handlungsoptionen des Westens (die Absage an die Schweizer Neutralität inbegriffen) gar nicht so stark sind, wie es scheint.

Die Summe aller Übel

Krieg ist die Summe aller Übel; es gibt kaum größere Tragödien als der Klirren der Schwerter.

Carl von Clausewitz beschrieb den Krieg im 19. Jh. einmal als „die bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“. Aus meiner Sicht ist Krieg nur das Scheitern adäquater Politik.

Während der Westen mit dem moralischen Zeigefinger auf Putin zeigt, ergreifen wir keine Partei und fragen uns einfach, wo eben dieser Zeigefinger (Schlagzeilen oder Sanktionen) war, als die USA jahrelang ein Land nach dem anderen überfielen.

Erinnern Sie sich noch an besagte weapons of mass destruction (Massenvernichtungswaffen) des Irak? Oder hat Uncle Sam da was falsch verstanden? Ich mein’ ja nur…

Kurz: Wer im Glashaus sitzt, sollte vielleicht endlich aufhören, Steine zu werfen…

Kaputte, schuldenbasierte Wirtschaftssysteme schwächen eine Nation und verringern ihre politischen Handlungsoptionen gerade dann, wenn stärkere Optionen dringendst notwendig wären – wie beispielsweise in Kriegszeiten.

Im Nuklearzeitalter des 21. Jh. wäre militärischer Realismus á la Clausewitz nicht nur Wegbereiter einer „gegenseitig garantierten Zerstörung“ (mutually assured destruction, MAD), sondern einfach Ausdruck von Wahnsinn.

Angenommen, dass sich alle großen Mächte (von Moskau bis Washington) in diesem Punkt einig sind, so wird der vor uns liegende Krieg im selben Maße finanziell wie militärisch geführt werden. Leider ist der Westen finanziell gar nicht so stark, wie seine Schlagzeilen es uns weismachen wollen.

Achtung – mehr Geldschöpfung im Anmarsch

Man darf erstens von einer ununterbrochen laxen US-Notenbankpolitik ausgehen.

In den letzten Monaten hatten wir deutlich auf Folgendes hingewiesen: Jede Form vorausschauender geldpolitischer Straffungen seitens der US-Notenbank würde – falls sie wirklich kämen – unausweichlich wieder gestoppt und kurzerhand rückgängig gemacht werden (von streng zurück auf lax), sobald die Risikoanlagemärkte im Umfeld steil steigender Zinssätze abstürzten.

Dann kam der Krieg in der Ukraine.

Wir glauben, jede Eskalation dieses Kriegs würde die vorherigen Optionen und Möglichkeiten der Federal Reserve bezüglich geldpolitischer Straffungen im Umfeld wachsender Konflikte drastisch einschränken.

Wie man den Einlassungen vom Anleiheparkett (M. El-Erian) bis hin zu den jüngsten Tweets von Fed-Mitgliedern entnehmen kann, gilt es inzwischen als Konsens, dass eine Erhöhung des Fed-Leitzinses für 2022, selbst um 50 Basispunkte, als immer unwahrscheinlicher gilt.

Kriege, ob mit Panzern oder Sanktionen ausgetragen, kosten Geld. Und Länder, die schon über beide Ohren rekordbrechend verschuldet sind, können sich steigende Zinsen nicht leisten.

Zudem erinnert uns der Blick in die Geschichte daran: Wenn sich Kriege in die Länge ziehen, wird die Geldpolitik in jedem Fall lockerer und nicht strenger.

Achtung: Währungseinbrüche im Anmarsch

Auch zu Fiat-Währungen ist der Krieg nicht nett.

Ein erster Blick auf die Währungen der Ukraine und Russlands zeigt, dass sie im Vergleich zum USD wie auf Ansage einbrechen; der EUR wird diesem Trend folgen, besonders dann, wenn sich dieser Krieg in die Länge zieht, was niemand wünscht.

Ein längerer Kriegsverlauf ist in der Tat eine Hiobsbotschaft für das gesamte Spektrum an globalen, „mausgeklickten“ Währungen, die allesamt und im Allgemeinen kontinuierlich gegenüber härteren Anlagen abwerten und gegenüber Gold im Besonderen.

(Man muss nicht hinzufügen, dass ein ausgedehnter Konflikt auch die Industrie- und Verteidigungswerte stärken wird.)

Achtung: Mehr irreführende Schlagzeilen im Anflug

Neben erhöhter Geldschöpfung und Währungsentwertung darf auch deutlich mehr Propaganda erwartet werden, die sich als Nachrichten „aus der freien Welt“ ausgibt.

Die russische Invasion der Ukraine letzten Mittwoch ersetzt jetzt natürlich auch das zunehmend in Verruf geratene Covid-Narrativ in allen Tweets und Schlagzeilen.

Wie so oft der Fall bei zunehmend politisierten Medienquellen, im Westen wie Osten, lässt sich aus dem, was nicht gesagt wird, häufig mehr herauslesen als aus dem Gesagtem.

Wenn belastbare Mathematik ausgeklammert wird

Was in den aktuellen Schlagzeilen fehlt, geht weit hinaus über Fragen der Politik, Inflation oder nationalen Werte.

Eine Sache fehlt wie immer in den protzigen und taffen politischen Schlagzeilen der letzten Zeit – die langweilige aber stichhaltige Mathematik der globalen Verschuldung.

Wie wir gleich noch sehen werden, beeinflussen/ behindern finanzielle Defizite unglücklicherweise auch die politischen Handlungsoptionen sehr deutlich; das gilt gerade, und in erster Linie, für konfliktträchtige Zeiten.

Lange bevor Putin mit dem Säbelrasseln (dem potentiellen Krieg in der Ukraine) begann, war Mathe schlicht und einfach Mathe und Schulden immer noch Schulden. Und das bedeutet, dass der Westen im Allgemeinen und die USA im Besonderen gar nicht so taff sind wie ihre Ansagen.

Während Putin zum brandneuen Schurken avanciert, ist der US-Haushaltsalptraum ganz konkret immer noch ein Alptraum und die tatsächlichen Zinsbelastungen für den US-Kneipendeckel (Ausgaben des Finanzministeriums und Leistungsansprüche) sind weiterhin ein offener wenngleich medial fast vollständig ignorierter Krebs.

Ob man will oder nicht, die Steuereinnahmen der USA kommen Uncle Sams Ausgabe- und Verschuldungssucht nicht hinterher, und das bedeutet auch, dass die USA in keiner wirklich starken Position sind, um sich selbst retten zu können, geschweige denn die Ukraine.

Leider erzeugen Schuldenzeitbomben, wie sie auch im Land der Weltreservewährung tickt, einen bestimmten Politikstil (z.B. mehr Geldschöpfung und Defizitfinanzierung), der ziemlich vorhersagbar ist.

Heute, wo potentielle Mehrverschuldung durch Sanktions- und Kriegskosten im Raum steht, bleibt der Fed, angesichts einer Gesamtverschuldung von fast 90 Bill. $, einfach kein Spielraum für Zinserhöhungen, und seien es nur 50 Basispunkte. Ganz zu schweigen von irgendwelchen „Volcker-artigen“ Zinsanhebungen wie früher.

Dass Vorkriegsexperten, Banker und gewisse Fed-Mitglieder Drohgebärden machten und nach den guten alten Zeiten schrien, als noch jemand Mut zu geldpolitischer Strenge hatte, wird rückblickend entweder 1) als Komödie des schönen Scheins gelten, die Ehrlichkeit und Offenheit aussparte und/ oder 2) als blankes Nichtwissen, das die Mathematik ersetzte.

(Kriegs-)Schulden sind relevant!

Schulden, ich werde es wieder und wieder wiederholen, begrenzen die Wahlmöglichkeiten.

Den Regierenden weltweit sitzt eine über 300 Bill. $ große Verschuldungskanone auf der Brust. Krieg wird diese erdrückende Zahl deutlich vergrößern.

Das bedeutet: Schuldengetränkte Nationen müssen wieder zurück zu mehr (nicht weniger) QE, aus dem einfachen, mathematischen Grund, dass sie zu hohe Schulden haben aber nicht genügend BIP. Das wiederum heißt: Um diese Lücke zu schließen wird mehr magisches, mausgeklicktes Geld benötigt.

In den USA z.B. wird das BIP niemals schnell genug wachsen, um die exorbitanten Verschuldungsstände zu decken.

Schon damals im 18. Jh. gab uns David Hume Folgendes mit auf den Weg: Sobald das Verhältnis aus Verschuldung zu Wirtschaftsleistung einer Nation den Rubikon von 100 % überschreitet, wird das Wachstum, mathematisch begründet, um 1/3 gedrosselt.

Niedergang von Nationen: a+b

Falls amerikanische Führungspersönlichkeiten und Unternehmenschefs, die derzeit einen harten Kurs bei Kriegssanktion fordern, noch mehr über die Ursprünge dieses beispiellosen Alptraums einer Schuldenstandsquote und den Niedergang Amerikas erfahren wollen, dann könnte ein Blick in den Badezimmerspiegel ein guter Anfang sein.

Im Grunde ist die Geschichte des Niedergangs der US-Ökonomie (und folglich der Weltwirtschaft) so einfach wie a+b (mit ein bisschen B,I,P und Q und E)

Beim BIP, oder Bruttoinlandsprodukt, geht es vor allem um das „P“ – sprich das einst geläufige und heute vergessene Ding, das unsere Ahnen „Produktion“ nannten.

Jedenfalls ist Produktion irgendwie wichtig, und es kommt von, naja, wirklich Dinge produzieren.

a. Unternehmerisches Eigeninteresse auf Kosten nationaler Interessen

Leider entschied sich die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Unternehmensführer schon vor langem (und mit Clintons Hilfe) für die Auslagerung einst amerikanischer Produktion/ Fertigung an Orte (man denke an China), wo Arbeitskraft billiger und die Unternehmensprofite/ -margen dementsprechend satter waren.

Endergebnis?

Millionen hart arbeitender Amerikaner verloren ihre Jobs, Millionen unterbezahlter Arbeiter im Ausland übernahmen diese; und eine winzige Handvoll überbezahlter Führungskräfte wurde reicher als König Salomon (oder Jeff Besos?), während das BIP auf niedrigem Niveau stagnierte.

In der Zwischenzeit trafen eben jene CEOs die gleichermaßen egoistische und kurzsichtige Entscheidung, günstige Schulden zu nutzen, um gratis Geld zu leihen.

Doch was machten sie mit diesem billigen/ „heißem“ Geld?

Ganz einfach: Sie nutzten es für den Rückkauf ihrer eigenen Aktien, was Wunder wirkt, wenn man den Aktienbestand schrumpfen und die Gewinn-je-Aktie-Kennzahl künstlich in die Höhe treiben möchte – und somit auch die eigenen, vom Aktienkurs abhängigen Gehälter.

Die Gier der Chefetagen ist eines der nicht so ehrenhaften Motive in einem Wandel, der sich seit wenigen Jahrzehnten vollzieht und die USA als einstigen Spitzenreiter im Produktionssektor in den globalen Niedergang führt.

Wie ich an anderer Stelle beschrieben hatte, ist eine derartige „Führungspraxis“ kein Zeichen für gesunden Kapitalismus (den ich verehre), sondern eine Art postmoderner Feudalismus (den ich verabscheue).

b. „Akkommodierungen“/ Betrug durch Zentralbanken

Wer wissen will, warum das Schuldenmachen so reizvoll wurde für diese eigennützigen Führungskräfte, der kann sich bei Alan Greenspan und allen folgenden Fed-Chefs dafür bedanken, dass sie Zinssätze und Zinskosten jahrzehntelang im historischen Keller gefangenhielten.

In aller Kürze zusammengefasst heißt das: Schulden, Gier der Führungskräfte und Notenbankmittäterschaft vernichten BIP und treiben Nationen zu einer Zeit in den Niedergang, in der sich der Horizont mit Pulverdampf füllt.

Kurzum: Es ist zukünftig mit mehr (und nicht weniger) Geldschöpfung zu rechnen. Und allein hier – beim Ersetzen der Buchstaben B, I & P durch mehr Q und E – sind die USA wirklich überragend.

Nationen im Niedergang bleiben kaum Optionen

Mit Blick auf die Ukraine müssen wir jetzt erkennen, dass uns die Finanzsünden der Vergangenheit in eine Position der Schwäche gebracht haben, und das genau zu einer Zeit, in der wir eigentlich stark sein sollten.

Diesen harten Realitäten zum Trotz feuern die woken Medienkanäle des Westens Berichte darüber ab, wie wir Herrn Putin – der seit Jahren warnt, ein Ukraine-Nato-Deal käme einer Kriegserklärung gleich – aussanktionieren, ausquetschen und überleben werden.

Jetzt tut der Westen überrascht, weil Putin genau das macht, was Kennedy damals auf Anraten seiner Berater tat.

Solche Drohgebärden fühlen sich gut an und scheinen, nach Meinung vieler bekannter Gesichter aus der Politik, wohl auch möglich zu sein.

Naja, nochmal nachdenken bitte.

Boris Johnson bläst sich auf

Allen taffen Ansagen Boris Johnsons und anderer westlicher Führer zum Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungssystem SWIFT zum Trotz müssen gewisse finanzielle Realitäten – und nicht nur politisches Reden – in Betracht gezogen werden.

Sogar US-Präsident Obama warnte 2015 konkret vor solchen Schritten, da diese den Status der US-Reservewährung und den Allgemeinzustand der Weltwirtschaft schwächen würden/ könnten.

Das heißt also: Der Rausschmiss Russlands aus dem USD-denominierten SWIFT-System würde Putin einen weiteren Grund geben, andere Märkte und andere Handelswährungen zu finden (man denke an CNY oder gar Gold, das Russland und China in aller Stille gehortet haben).

Ein solcher Schritt würde den US-Dollar destabilisieren und somit auch alles andere – von den Inflationsquoten bis hin zu den Anleihemärkten.

Ich mein’ ja nur…

Condoleezza Rice bläst sich auf

Ich erinnere mich noch, wie die ehemalige US-Außenministerin (und Russlandexpertin?) Condoleezza Rice 2014 im deutschen Fernsehen meinte, „den Russen geht das Geld früher aus als den Europäern die Energie“.

Als in den USA ausgebildeter Ami, der sein halbes Leben in Europa verbracht hat, bescheren solche Aussagen Einblicke aber auch zynische Momente. Denn Amerikaner wie Frau Rice sind häufig der Meinung, die Europäer würden so denken und handeln wie die US-Politik es gerne hätte.

Rices ermutigendes Draufgängertum steckt natürlich voll vom großen amerikanischen Stolz (Arroganz), den ich nur allzu gut kenne.

Klar klingt sie taff und smart, oder nich?

Doch leider ist knapp ein Jahrzehnt seit dieser gewagten Aussage vergangen und Frau Rice sollte vielleicht doch über eine Auffrischung ihrer russischen Rechenkünste und europäischen Zeitgeist-Einschätzungen nachdenken.

So stehen Russlands Devisenreserven (sprich „Cash“) zum Beispiel heute auf Allzeithochs.

Nicht nur das. Während der Westen seit Jahren beim Gelddrucken vollkommen austickt, nah Putin davon Notiz.

Als ausgewiesener Schachspieler begann er Gold zu kaufen. Viel Gold

Endergebnis? Rice lag bei ihren „Geld-geht-aus“-Warnungen falsch. Russlands Devisenreserven sind viel solider als ihre Worte:

Doch was ist mit Rices angeblicher Expertise für europäische Energiebedürftnisse?

Nun ja, auch da lag sie daneben…

Seit 2018 begannen beispielsweise die Niederlande, ihre Erdgasproduktion in Groningen zu reduzieren und nicht auszubauen.

Vielleicht sollte Rice auch ihr Deutsch aufbessern oder zumindest die jüngsten Übersetzungen von Reuters lesen, die sie (zusammen mit Robert Habeck) daran erinnern werden, dass Deutschland (das ökonomische Zentrum der EU) 50 % seiner Kohle, 55 % seines Gases und 35 % seines Öl von… nun ja…RUSSLAND bezieht.

Aus diesem Grund hat sich Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz auch nicht so aufgeblasen wie Boris Johnson und andere (zumindest nicht bis zum Redaktionsschluss dieses Artikels) und deshalb wird er immer noch Erdgas von der russischen Gazprom kaufen, das durch ukrainische Pipelines fließt.

Zudem bleiben Deutschland, dessen Wirtschaft jüngst wieder Rezessionsstände erreichte, während der Erzeugerpreisindex des Landes mit einer Quote von 25 % ein 40-Jahre-Hoch markierte, so gut wie gar keine realistischen Sanktionen/ Optionen (oder taffen Ansagen) für die nächste Zeit.

Energie-Realpolitik

Können die USA, die jetzt am Schulden-Peak stehen, sich wirklich ein Finanz-Angsthasenspiel mit Russland leisten?

In dieser Hinsicht könnte Putin am längeren Hebel sitzen – mehr als die jetzt vollständig politisierten Leitmeiden uns vielleicht aufgetischt hätten.

Sollte sich Biden zum Beispiel für weitere Sanktionen gegen den weltgrößten Energieexporteur (also Russland) entscheiden, dann sollte er sich vielleicht die Frage stellen (oder zumindest die, die für ihn die Entscheidungen treffen), ob sich die USA derartige Finanzkriegsführung sowie Extremkursentwicklungen an den Energiemärkten und eben auch Inflation leisten können.

Natürlich versteht Putin, in welcher brenzligen Schuldenlage die USA jetzt stecken. Wie ich an anderer Stelle schon erwähnt habe, ist Putin wirklich sehr vieles, doch entgegen der weltweit verbreiteten Meinung ist er eben nicht dumm.

Wie ein Schachspieler sieht er das Spiel strategisch und ist nicht nur auf die einzelnen, kurzfristigen Bewegungen fixiert, doch gerade dort, so scheint es, liegt die Komfortzone vieler westlicher Journalisten (und politischer Entscheidungsträger).

Zum Beispiel weiß er ganz genau, was der Präsident des Council on Foreign Relations vor kurzem eingestanden hatte – nämlich: Sanktionen gegen Russland übersehen die russischen Devisenbestände, die von steigenden Ölpreisen profitieren.

Chinas Offene Arme?

Die Leitmedien lieben es natürlich, Mut und Tugend vorzutäuschen und Klickköder zu streuen, auch wenn Mathematik, Fakten und sogar ein grundlegendes Geschichtsverständnis darunter zu leiden haben.

Der hochverehrte Economist zeigt beispielsweise einen eingeschlossenen Putin, der sich wohl selbst gelackmeiert hat:

Bei allen Respekt, selbst gegenüber dem Economist: Bitte überdenken Sie!

Westliche Sanktionen gegen russische Energieträger werden Putins Ölexporte ganz einfach in die Arme und die Währung der Chinesen treiben.

In großen Bereichen des Energiemarkts, wo zuvor in Petro-Dollar abgerechnet wurde, würde der CNY (d.h. der Yuan) den USD ersetzen; und das hätte sofort den Effekt eines selbst zugefügten Brustschusses gegen den US-Dollar als den einer Bedrohung für Russland.

Insgesamt betrachtet klammern alle Drohgebärden – von Boris bis Biden – härtere Realitäten aus: den schwankenden Reservestatus des USD, die tatsächliche Ölmarktsituation (einschließlich Inflation), sino-russische Schachkünste und auch die Sachzwänge, die sich aus rekordbrechender US-Verschuldung ergeben.

All diese Faktoren wirken wie Kanonenkugeln, die den politischen Handlungsoptionen des Westens an die Füße gekettet sind, so dass dem Westen kaum mehr bleibt als taffe Worte, wenn er finanziell nicht untergehen will.

Sehen Sie jetzt, wie Schulden, Mathematik und Realität effektive Politik und Handlungsoptionen in Kriegszeiten einschränken?

Angenommen, die heutigen Machthaber sind zumindest weise genug, um den Wahnsinn eines Atomkriegs zu erkennen, so werden sich die militärischen Konflikte in der Ukraine und Europa wahrscheinlich zu einem Finanzkrieg abschwächen, was aber auch bedeutet, dass das ohnehin schwache globale Finanz- und Währungssystem weiter geschwächt wird.

Haben Sie Gold?

Ein globales Geld- und Rohstoffinferno von nuklearen Ausmass

Wenn die K_cke global am Dampfen ist, dann geschieht das häufig zu einer Zeit, in der auch maximaler Schaden angerichtet werden kann und die Welt mit den allerschlimmsten Formen von K_cke überzogen wird.

Ich mache seit Jahren immer wieder deutlich, dass die Welt das Ende einer ökonomischen, finanziellen wie monetären Ära erreicht hat und die katastrophalen Folgen für die Menschheit noch auf Jahrzehnte hinweg spürbar sein werden.

Natürlich wird die Welt Putin für diese Katastrophe verantwortlich machen, die jeden Winkel unseres Planeten erfassen wird. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass weder Putin noch Covid verantwortlich sind für das ökonomische Desaster, das jetzt auf uns zukommt.

Diese Ereignisse sind Auslöser bzw. Impulsgeber mit mächtiger Wirkkraft, weil sie auf eine gigantische Schuldenblase von historisch beispiellosem Ausmaß treffen. Und es braucht tatsächlich nur sehr wenig, um diese epische Bubble zum Platzen zu bringen.

Fest steht: In den nächsten Jahren werden alle Währungen ihren 100 (und mehr) Jahre währenden Fall auf NULL zum Abschluss bringen. Glasklar ist auch, dass alle Vermögenswertblasen – Aktien, Anleihen und Immobilien – gleichzeitig implodieren werden, was eine lange und schwere Depression nach sich zieht.

Schon 2006-09 war ein Warnsignal, das von den Zentralbanken jedoch ignoriert wurde. Sie häuften neue wertlose Schulden auf existierende wertlose Schulden und schufen damit wertlose Schulden hoch zwei. Ein vorgezeichneter Weg in die Katastrophe.

Der Auslöser – und das ist gar nicht untypisch für das Ende einer ökonomischen Ära – ist häufig ein unerwartetes Ereignis, dessen Folgen schlimmer sind, als irgendjemand hätte prognostizieren können.

KRIEGSZYKLEN

Ich und einige andere hatten in der Tat darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns aktuell in einem Kriegszyklus befinden. Die jüngsten Ereignisse haben das deutlich bestätigt und die Welt mit geballter Kraft erfasst.

So wie die Warnung der Großen Finanzkrise 2006-09 wenig beachtet blieb, so nahmen auch nur wenige die Warnungen Putins ernst, die er seit der Maidan-Revolution in der Ukraine 2014 geäußert hatte.

Wenn es am Ende einer exzessiven Blasenära schließlich „dampft“, dann ergibt sich daraus immer das Schlimmste vom Schlimmen. Und was könnte schlimmer sein als ein großer Krieg, der das Potential zu einem Atom- und Weltkrieg hat?

Leider sind Kriege Teil der Geschichte und es gibt buchstäblich keine historischen Epochen ohne Kriege. Wikipedia listet derzeit 40 laufende Kriege und Konflikte auf, von denen die meisten recht klein und lokal begrenzt sind; der größte Teil davon im Nahen Osten und Afrika.

Kriege sind – ungeachtet ihrer Größe – schrecklich. Und Russlands Invasion der Ukraine kann mit Sicherheit als ein weiterer schlimmer Konflikt gelten, der potentiell hätte verhindert werden können. Während der von den Vereinigten Staaten unterstützten Maidan-Revolution 2014 in der Ukraine wurde der russlandfreundliche ukrainische Präsident Janukowitsch vertrieben.

Seither hat Putin immer wieder klargestellt, dass es für ihn nicht akzeptabel sei, von einer durch die USA und den Westen gestützten Ukraine umgeben zu sein oder aber von Nato-Staaten, deren Raketensysteme auf Russland zeigen. Die Parallelen zu Kuba, Kennedy und Chruschtschow 1962 liegen auf der Hand.

Ob seine Forderungen gehört wurden oder nicht, Putin hatte sehr deutlich gemacht, dass er es niemals zulassen würde, dass Russland auf diese Weise in die Ecke getrieben werde.

Hätten sich die USA und der Westen um des Weltfriedens willen maßgeblich auf Diplomatie konzentriert, hätten sich die Dinge anders entwickeln können. Stattdessen fanden alle Führungen der westlichen Welt Konsens in nebulösen und kontroversen Bereichen wie Covid, Klimawandel, Wokeism, Geschichtsumschreibung und der Schaffung unbegrenzter Geschlechter.

Die Staatsführungen ignorierten sogar vorsätzlich die Tatsache, dass die Welt unausweichlich auf einen ökonomischen Schulden- und Vermögenswertkollaps zusteuerte. Es ist wohl viel einfacher, die Stühle am Deck des sinkenden Schiffs wieder geradezurücken, als sich mit den echten und ausdrücklich katastrophalen Problemen auseinanderzusetzen.

Putin ist also jetzt Feind Nummer 1 der westlichen Welt. Denn einen Krieg zu beginnen, ist immer inakzeptabel, ganz gleich, wer ihn beginnt. Lindsey Graham, republikanischer US-Senator, meinte jüngst schon, man solle Putin doch umbringen!

Zum Glück hielt Boris Johnson davon nicht viel davon und schlug stattdessen vor, Putin solle doch vor dem Internationalen (Straf-)Gerichtshof dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Nun gut, Kriegsverbrechen bleiben Verbrechen und sollten daher bestraft werden.

Interessant ist aber auch Folgendes: Wenn die USA mit ihren Alliierten grundlos Kriege in Vietnam, Irak, Libyen oder Syrien beginnen, die hunderttausende unschuldige Opfer fordern und das gesellschaftliche Gefüge dieser Länder zerstören, was u.a. auch zu Anarchie führt, dann fordert niemand öffentlich, den Präsidenten der USA oder den Premierminister Großbritanniens dafür zur Rechenschaft zu ziehen.

Wie es aussieht, gab es auf dieser Welt noch nie gleiche Bedingungen für alle.

INFLATIONSSTEUERUNG: DIE FED WIRD ES NIE SCHAFFEN

Dass Inflation zur Hyperinflation wird, war in unserer heutigen, schuldenverseuchten Zeit schon immer klar, auch wenn die Fed und andere westliche Zentralbanken nie begriffen haben, was Inflation eigentlich ist.

Genauso wenig hatten sie verstanden, warum ihre falschen und manipulierten Inflationsquoten nicht einmal das Fed-Ziel von 2 % erreichen konnten. Jetzt, da die reale US-Inflation bei über 15 % (siehe Diagramm unten) liegt, steckt die US-Notenbank in einem neuen Dilemma, das sie völlig unvorbereitet trifft.

Die US-Regierung hatte die Berechnung der Inflationsquoten in ihrem Sinne angepasst. Wäre man bei der in den 1980ern praktizierten Methode geblieben, läge die offizielle Inflation heute bei über 15 % (Tendenz steigend).

Jahrelang hatte die US Federal Reserve – mit allen Pferden des Königs und all seinen Mannen –versucht, die Inflation auf 2 % zu bekommen. Sie setzten Billionen $ ein und hielten die Zinssätze bei null Prozent, dennoch scheiterten sie und verstanden nicht warum.

Obgleich unendliche Mengen Falschgeld erzeugt wurden, bewegte sich die Inflation jahrelang näher an der 0 %-Marke als bei 2 %.

Angesichts einer offiziellen Inflation von 7 % und einer realen Quote von ca. 15 % weiß die Fed gar nicht mehr wie ihr geschieht. Das spiegelt auch ihre lächerlichen Wortwahl wider – Stichwort „vorübergehende“ Inflation.

Dann kam die schnelle Kehrtwende bei der Federal Reserve, um zu sehen, ob sich die Inflation vielleicht um 5 Prozentpunkte (viel wahrscheinlicher aber um 13) auf 2 % senken (und nicht „treiben“) lässt.

Die US-Notenbank kriegt es nie hin. Und viele von uns wissen das längst.

Gäbe es unter den US-Notenbankern ein fundiertes Verständnis für die Österreichische Wirtschaftsschule, und nicht für den untergegangenen Keynesianismus, dann würden diese wissen, dass die reale Inflationsquote vom Geldmengenwachstum abhängig ist und nicht von obsoleten Verbraucherpreismodell.

AUF BASIS DES GELDMENGENWACHSTUMS LIEGT US-INFLATION JETZT BEI 19 %

Schauen wir uns jetzt das Geldmengenwachstum an. Seit 1971 ist die Geldmenge M2 um jährlich 7 % gestiegen. 7 % bedeuten, dass sich die Preise alle 10 Jahre verdoppeln. Das Ziel der US-Notenbank ist also vielmehr 100 % Gesamtinflation über 10 Jahre – und keine 2 % pro Jahr.

Wie man im Chart oben sieht, begann im März 2020 jedoch die exponentielle Phase; seither wächst M2 mit jährlich 19 %. Das bedeutet eine Verdoppelung der Preise alle 3,8 Jahre.

Da das Geldangebot mit 19 % pro Jahr wächst, liegt die Inflation somit – unseren österreichischen Freunden folgend – auch bei 19 %.

Und das war noch vor der Ukrainekrise! Doch aktuell werden große Mengen explosiven Treibstoffs in das globale Inflationsfeuer gekippt.

RUSSLAND HAT DIE GRÖSSTEN ROHSTOFFRESERVEN DER WELT

Russland verfügt über die größten Rohstoffverkommen der Welt, darunter Kohle, Erdgas, Öl, Nutzholz, seltene Erden etc. In Rubel gerechnet werden diese Reserven bei sinkenden Wechselkursen natürlich aufwerten.

Insgesamt wird der Wert der russischen Rohstoffreserven auf ca. 75 Billionen $ geschätzt. Das sind 66 % mehr im Vergleich zu den zweitplatzierten USA, und mehr als das Doppelte gemessen an Saudi-Arabien und Kanada.

Selbst wenn das russische Rohstoffangebot der Welt nicht verloren geht, so ist zumindest klar, dass der Westen fest entschlossen ist, Russland im strengsten Maße zu bestrafen. Deshalb werden Knappheiten, wie wir schon jetzt am Beispiel der ausufernden Öl- und Gaspreise sehen, unhaltbaren Druck auf die Rohstoffpreise ausüben.

Die Tabelle unten zeigt die europäischen Länder, die zu mehr als 50 % des nationalen Gesamtverbrauchs von russischem Gas abhängig sind.

EIN SCHWARZER ROHSTOFF-SCHWAN IM ANMARSCH

Schon vor dem russischen Angriff waren die Weltmärkte für Getreide, Pflanzenöl und Düngemittel extrem angespannt.

Doch was wir jetzt erleben, ist ein Schwarzer Schwan bei den Rohstoffen – in den gesamten Bereichen Energie und Agrarrohstoffe.

Schon letzten November warnte das Welternährungsprogramm davor, dass hunderte Millionen Menschen von katastrophalen Knappheiten betroffen sein werden. Die aktuellen Entwicklungen werden dieses Problem exponentiell verschlimmern.

„Alles schießt vertikal in die Höhe. Die gesamte Produktionskette ist von allen Seiten unter Druck geraten.“, so der ehemalige Chef der UN für Agrarmärkte.

Energie- und Agrarprodukte sind miteinander verzahnt. In Europa ist Erdgas ist der Grundstoff für die Düngemittelherstellung. Russland und Weißrussland bestreiten zusammen 1/3 der globalen Kali-Exporte.

Ca. 33 % der weltweiten Gerste-Exporte kommen aus Russland und der Ukraine, auch 30 % des Weizens, 20 % des Mais’ und 80 % des Sonnenblumenöls.

Die Konsequenzen sind unabsehbar.

Der Goldman Sachs Commodity Index hat sich seit April 2020 verdreifacht (3x). Und die exponentielle Phase der Bewegung hat gerade erst begonnen.

Der UN-Welternährungsorganisation (FOA) zufolge sind die Lebensmittelpreise seit 2020 um 43 % gestiegen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die echten Probleme gerade erst beginnen.

EINE GLOBALES GELD- UND ROHSTOFFINFERNO

Ich warne seit einigen Jahren bezüglich der kommenden Inflation, die zur Hyperinflation führt – auf Grundlage der unbegrenzten Geldschöpfung.

Die explosive Mischung aus globaler Rohstoffkrise/ Knappheiten, katastrophaler Verschuldung und einem globalen monetären Brand wird ein Inferno von nuklearen Ausmaßen entstehen lassen.

Falls dieser Krieg nicht wie durch ein Wunder gestoppt werden sollte (was extrem unwahrscheinlich ist), wird die Welt in eine hyperinflationäre Rohstoffpreisexplosion eintreten (man denke an Energie, Metalle und Nahrungsmittel), die mit einer desaströsen deflationären Vermögenswertimplosion einhergeht (man denke an Schulden, Aktien und Immobilien).

Die Welt wird vollkommen unbekannte Folgen zu spüren bekommen, ohne in der Lage zu sein, auch nur eine davon auf absehbare Zeit lösen zu können.

Alles oben Geschilderte würde höchstwahrscheinlich auch ohne einen globalen Krieg passieren. Doch falls sich dieser Krieg über Russland und die Ukraine hinweg ausbreitet, dann ist alles denkbar. Ich werde an dieser Stelle nicht über ein solches Szenario spekulieren, weil das, was sich vor unseren Augen abspielt, sicher schon schlimm genug ist.

GIBT ES ÜBERHAUPT GUTE NACHRICHTEN?

Gibt es also überhaupt irgendeine gute Nachricht? Also, erstens, und ich sage es immer wieder, Familie und eine kleine Gruppe guter Freunde und Kollegen wird in der kommenden Krise von unschätzbarem Wert sein.

Und da es unter Garantie eine Rohstoffinflation geben wird, werden natürlich physisches Gold und etwas Silber Lebensretter sein in der kommenden Zerstörung aufgeblähter Vermögenswertblasen (Aktien, Anleihen und Immobilien).

Ich habe es häufig gesagt:

“GOLD UND SILBER WERDEN UNVORSTELLBARE HÖHEN ERREICHEN!“

In einer Krise diesen Ausmaßes würde ich mich von Papieranlagen, einschließlich ETF, fernhalten. Es ist natürlich ein absolutes Muss, physische Metalle außerhalb des Finanzsystems zu verwahren.

Und denken Sie immer daran, Ihr Vermögen oder Ihr Gold nicht in wertlosem Papiergeld zu bemessen. Messen Sie Ihr Gold und Silber stattdessen in Unzen und Gramm.

Schauen Sie sich einfach an, was bei einem Währungszusammenbruch mit Gold passiert. Im Chart unten ist Gold in Rubel seit 2000 dargestellt. In den letzten 21 Jahren ist Gold um das 38-fache gestiegen. Allein in den letzten 12 Monaten stieg Gold gegenüber dem Rubel um 89 %, und die Probleme haben gerade erst begonnen.

Mit 331 Tonnen war Russland 2020 der zweitgrößte Goldproduzent der Welt, gleich hinter China mit 368 Tonnen.

Nach offiziellen Zahlen haben beide Länder seit 2000 Goldbestände in Höhe von 3.400 t aufgebaut, womit sich Gesamtbestände von 4.200 t ergeben.

Einige Insider schätzen jedoch, dass Chinas Goldreserven sogar bis zu 20.000 t stark sein können und dass auch Russlands Reserven deutlich über den ausgewiesenen 2.300 Tonnen liegen.

Während Russland und China ihre gemeinsamen Goldbestände seit 2000 also verfünffacht (5x) haben, halten die USA seit 1980 angeblich 8.000 t. Allerdings hat es seit 1953 keine offizielle physische Bestandsprüfung des US-Goldes mehr gegeben; nur wenige glauben, dass die USA noch über unbelastete Goldbestände in dieser Größenordnung verfügen.

Denken Sie daran: „Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln.“

2009 hatte ich einen Artikel mit dem Titel „Die dunklen Jahre sind da“ geschrieben. Ich hatte ihn auszugsweise mehrere Male wiederveröffentlicht – das letzte Mal 2020 in einem Artikel namens „Die dunklen Jahre & die Vierte Wendezeit“

Leider sieht es ganz danach aus, als würden die Dunklen Jahre jetzt im Ernst beginnen.

Neben dem Schutz Ihrer Anlagen gegen Währungszusammenbrüche wird, wie ich oft wiederholt habe, ein Kreis aus Familie und Freunden sowie Hilfe für andere absolut entscheidend sein.

Goldpreis steigt – Baisse an den Aktienmärkten

„Höchste Risikostufe an der US-Börse erreicht“, titelten Roland Leuschel und ich in der Januar 2022-Ausgabe unseres Börsenbriefes Krisensicher Investieren. In der schon Mitte Februar erschienenen März-Ausgabe haben wir dann dargelegt, warum das Ende der riesigen Spekulationsblasen an den Aktien-, Immobilien- und Anleihenmärkten vermutlich bevorsteht.

Putin beschleunigt die Aktienbaisse

Vor diesem Hintergrund erscheint der Überfall Russlands auf die Ukraine also nicht als die Ursache der Aktienbaisse, die jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit begonnen hat, sondern als ein Beschleuniger und Verstärker.

Wie die Finanzmarktgeschichte lehrt, folgen auf große Spekulationsblasen stets überdurchschnittlich starke Baissen. Aufgrund der rekordhohen Überbewertung der US-Börse müsste sich der S&P 500 Index dritteln, um die fundamentale Bewertung auf ein Niveau zurückzuführen, das dem langfristigen Durchschnitt entspricht.

Das Ende großer Spekulationsblasen trifft allerdings nicht nur die Börse, sondern hat stets auch sehr unangenehme Folgen für die Realwirtschaft. Diese fallen umso heftiger aus, je größer die Verschuldung von Unternehmen, Privaten Haushalten und Staaten ist. Dass die Schulden aller drei Sektoren in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen haben, lässt also wenig Gutes erwarten. Darüber hinaus wirkt Russlands Überfall auf die Ukraine auch hier als ein Verstärker.

Topformationen bestätigen die Trendwende an den Aktienmärkten

Interessanterweise gehen großen Baissen häufig charakteristische Kursverläufe voraus, die von Charttechnikern als Topformationen bezeichnet werden. Tatsächlich haben sich solche Topformationen in den vergangenen Monaten bei zahlreichen wichtigen Indizes entwickelt, darunter der S&P 500 und der NASDAQ 100.

Beispielhaft sehen Sie auf dem folgenden Chart den Kursverlauf des DAX, bei dem sich seit April vorigen Jahres eine typische Topformation herauskristallisiert hat. Jetzt sind die Kurse unter die in Blau eingezeichnete untere Begrenzungslinie dieser Formation gefallen. Aus charttechnischer Sicht wird damit der Beginn einer Baisse signalisiert.

DAX, 2020 bis 2022

Chart

Der DAX zeigt eine typische Topformation (blaue Linie), aus der die Kurse jetzt nach unten ausgebrochen sind.

Quelle: StockCharts.com

Topformation warnte auch vor der verheerenden Baisse russischer Aktien

Bemerkenswerterweise zeigte auch der russische Aktienindex eine Topformation – obwohl er eine niedrige fundamentale Bewertung aufwies und sehr rohstofflastig ist. Als hätte die Börse schon gewusst, was sich zusammenbraut.

Aufgrund der Warnsignale hatten wir den Stop-Loss des von uns im März 2021 empfohlenen Russland-ETFs bereits Ende November 2021 angehoben. Auf diese Weise haben die Leser meines Börsenbriefes Krisensicher Investieren die Position frühzeitig und mit einem Gewinn von 24,9% verkauft. Seither ist der Russland-ETF gut 70% gefallen, und der Handel russischer Aktien wurde inzwischen sogar eingestellt.

Dieses Beispiel zeigt Ihnen, wie wichtig ein diszipliniertes Risikomanagement ist und wie hilfreich die Charttechnik dabei sein kann. Die große Bedeutung des Risikomanagements für den langfristigen Börsenerfolg können Sie in unserer Themenschwerpunkt-Ausgabe „Risikomanagement an der Börse und schwerer Vorwurf an die Fed. Der heilige Gral der Börsianer wird fast immer an den falschen Stellen gesucht“ nachlesen.

Hausse bei den Minenaktien

Ein ganz anderes Bild als die oben genannten Aktienindizes zeigt der Edelmetallsektor. Hier haben meine Prognosemodelle in den vergangenen Monaten starke Kaufsignale gegeben, die den Beginn einer starken Aufwärtsbewegung angekündigt haben.

Diese sehr bullishen Signale wurden jetzt durch die Charttechnik bestätigt, indem zahlreiche Minenaktien aus typischen Bodenformationen nach oben ausgebrochen sind. Damit signalisiert jetzt auch die Charttechnik den Beginn eines neuen Aufwärtstrends. Welche Aktien des Edelmetallsektors Sie jetzt kaufen sollten und wie es an den Aktienmärkten weitergeht, lesen Sie in meinem Börsenbrief Krisensicher Investieren. Bestellen Sie jetzt – 30 Tage kostenlos.kri

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,

Ihr

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Claus Vogt, Chefredakteur Krisensicher Investieren

P.S.: Worauf es jetzt bei Silber ankommt, erfahren Sie ebenfalls in unserer neusten Ausgabe von Krisensicher Investieren.

P.P.S.: Sie wollen Woche für Woche sicher durch diese Krise kommen, dann fordern Sie bitte noch heute den kostenlosen Claus Vogt Marktkommentar hier ganz einfach mit Ihrer E-Mail an.

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Claus Vogt, der ausgewiesene Finanzmarktexperte, ist zusammen mit Roland Leuschel Chefredakteur des kritischen, unabhängigen und erfolgreichen Börsenbriefs Krisensicher Investieren.

2004 schrieb er ebenfalls zusammen mit Roland Leuschel das Buch „Das Greenspan Dossier“ und die „Inflationsfalle“ und ganz aktuell die „Wohlstandsvernichter – Wie Sie trotz Nullzins, Geldentwertung und Staatspleiten Ihr Vermögen erhalten“. Mehr zu Claus Vogt finden Sie hier.

Was machen eigentlich … meine Steuergroschen? (5.3.2022)

Autor: Gotthilf Steuerzahler

Fehlanreize bei der Bekämpfung der Obdachlosigkeit in Hamburg

Liebe Leserinnen und Leser,

die Hansestadt Hamburg hat sich – ähnlich wie andere deutsche Großstädte – zu einem Magnet für ausländische Obdachlose entwickelt. Dabei stehen ausreichende rechtliche Möglichkeiten zu Verfügung, um hier gegenzusteuern. Diese werden aber bislang nicht genutzt.

Hamburg verfügt schon seit längerem über ein ausdifferenziertes Hilfesystem zur Vermeidung und Überwindung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Gleichwohl stieg die Zahl der obdachlosen Menschen in Hamburg in den letzten Jahren stetig an.

Aus diesem Grund wurde das Hilfesystem für obdachlose Menschen weiter ausgebaut. So wurden Notübernachtungs- und Tagesaufenthaltsstätten geschaffen und das Winternotprogramm ins Leben gerufen. Im Jahr 2020 wurden über 20 Millionen Euro für diese Angebote aufgewendet, inklusive der pandemiebedingten Sondermaßnahmen sogar rund 34 Millionen Euro.

Der überwiegende Anteil der Obdachlosen in Hamburg besteht aus Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit und multiplen Problemen, insbesondere Suchterkrankungen (Alkoholismus). 2018 hatten 61 Prozent der obdachlosen Menschen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Insbesondere das Winternotprogramm wird nach Angaben der zuständigen Hamburger Sozialbehörde überwiegend von dieser Gruppe in Anspruch genommen. Im Winter 2020/2021 betrug ihr Anteil rund 80 Prozent.

Die ausländischen Obdachlosen haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen

Vor allem Osteuropäer auf vergeblicher Arbeitssuche verbleiben über Jahre hinweg vor Ort, werden immer wieder im Winternotprogramm vorstellig. Ein großer Teil dieser Menschen hat wegen fehlender Anwartschaften oder aus ausländerrechtlichen Gründen, wie zum Beispiel fehlender Aufenthaltserlaubnis oder bestehender asylrechtlicher Wohnsitzauflage in einem anderen Bundesland, in Hamburg keinen Anspruch auf Sozialleistungen und damit auch keinen Anspruch auf eine dauerhafte öffentlich-rechtliche Unterbringung bzw. Übernahme der Kosten für die Anmietung eigenen Wohnraums.

Es besteht eine Handlungspflicht bei Gefahr für Leib und Leben

Zur Abwehr von Gefahren für Leib und Leben hat die Stadt bei unfreiwilliger Obdachlosigkeit allerdings eine Handlungspflicht nach dem Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Insbesondere bei Kälteeinbrüchen oder in akuten medizinischen Notfällen ist diese Hilfe uneingeschränkt auch anonym zu gewähren, weil vermieden werden muss, dass Menschen aus Angst vor (ausländer-)rechtlichen Konsequenzen die Angebote meiden.

Das Sozialrecht sieht die Rückkehr ins Heimatland vor

Jedoch ist es rechtlich nicht geboten, die dauerhafte anonyme Inanspruchnahme des Hilfesystems zu gewährleisten. Das Sozialrecht sieht als Hilfemöglichkeit ausdrücklich die Rückkehr ins Heimatland oder die Inanspruchnahme von Hilfen an einem anderen Ort vor.

Hilfebedürftige Ausländer erhalten in diesen Fällen nach den geltenden Bestimmungen lediglich existenzsichernde Leistungen zur Überbrückung des Zeitraumes bis zur Ausreise, längstens für die Dauer eines Monats. Liegen andere Sozialleistungsansprüche vor, zum Beispiel nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, sind diese ebenfalls – gegebenenfalls an einem anderen Ort – in Anspruch zu nehmen.

Keine uneingeschränkte Freizügigkeit für EU-Bürger

Zur Klarstellung: Die europäischen Regelungen sehen, anders als oft dargestellt, keine uneingeschränkte Freizügigkeit für Bürger der EU vor. Für nicht erwerbstätige Unionsbürger ohne ausreichende Existenzmittel und Krankenversicherungsschutz besteht die Freizügigkeit nur bis zu sechs Monate zur Arbeitssuche.

Danach kann die zuständige Ausländerbehörde die Freizügigkeitsberechtigung gegebenenfalls entziehen. Werden diese Regelungen nicht angewendet, entwickelt sich das niedrigschwellige System zur Gefahrenabwehr hin zu einem Ersatzhilfesystem, das ungewollt Anreizwirkungen zum Zuzug nach oder zum Verbleib in Hamburg entfalten kann.

Keine Bereitschaft, etwas zu ändern

Die hamburgische Sozialbehörde argumentiert, dass es allein auf die faktische Gefahrenlage für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ankomme. Es bestehe eine Verpflichtung zur Unterbringung auch dann, wenn der Erwerb von Sozialleistungsansprüchen in Deutschland ausgeschlossen ist. Dazu ist zu sagen, dass es nicht Sinn und Aufgabe eines ordnungsrechtlichen Gefahrenabwehrsystems ist, spezielle gesetzliche Regelungen in ihrer Wirksamkeit dauerhaft einzuschränken.

Jetzt will die hamburgische Sozialbehörde gemeinsam mit der Innenbehörde eine Arbeitsgruppe einrichten, in welcher die Problematik erörtert werden soll. Es steht zu befürchten, liebe Leserinnen und Leser, dass sich im Ergebnis nicht viel ändern wird, sagt kopfschüttelnd

Ihr

Gotthilf Steuerzahler

www.krisensicherinvestieren.com

Dieser Text stammt aus dem kostenlosen Newsletter Claus Vogt Marktkommentar.

Claus Vogt, der ausgewiesene Finanzmarktexperte, ist zusammen mit Roland Leuschel Chefredakteur des kritischen, unabhängigen und erfolgreichen Börsenbriefs Krisensicher Investieren.

Schützen und mehren Sie Ihr Vermögen und testen Sie noch heute KRISENSICHER INVESTIEREN 30 Tage kostenlos.

2004 schrieb er ebenfalls zusammen mit Roland Leuschel das Buch „Das Greenspan Dossier“ und 2009 „Die Inflationsfalle“. 2018 erschien „Bitcoin & Co. Was Sie über Geld, Gold und Kryptowährungen wissen sollten“. 2019 ihr neues Buch: „Die Wohlstandsvernichter – Wie Sie trotz Nullzins, Geldentwertung und Staatspleiten Ihr Vermögen erhalten“. Erhältlich im Buchhandel oder auf www.krisensicherinvestieren.com – aber ganz bewusst nicht bei Amazon. Mehr zu Claus Vogt finden Sie hier.

 

4 Milionen Dollar in Bitcoin Spenden an Ukraine

Krypto-Spenden an Ukraine

Die in Kiew ansässige Wohltätigkeitsorganisation Come Back Alive hat seit dem Angriff der russischen Streitkräfte auf die Ukraine am frühen Donnerstagmorgen Bitcoin-Spenden im Gesamtwert von über 4 Millionen Dollar erhalten. Die gemeinnützige Organisation wurde 2014 während der russischen Annexion der Krim gegründet. Seitdem sammelt sie weiterhin Spenden, um das ukrainische Militär bei der Verteidigung gegen die russische Aggression zu unterstützen.

Come Back Alive nimmt derzeit Spenden über das SWIFT-Zahlungssystem und Bitcoin entgegen. Die Bitcoin-Geldbörse der Organisation enthält derzeit 110 Bitcoin im Wert von über 4,2 Millionen Dollar. Bevor die russische Invasion am 23. Februar begann, enthielt die Wallet 4,5 Bitcoin im Wert von etwa 171.000 Dollar.

Come Back Alive hat die Spendengelder bereits für den Kauf von kugelsicheren Westen und Panzern, mobilen Überwachungsfahrzeugen sowie für die Ausbildung von Kampftruppen und Bedienern unbemannter Luftfahrzeuge verwendet.

Nutzung von BTC

In einem Facebook-Post der Wohltätigkeitsorganisation vom Freitag wurde bekannt gegeben, dass die jüngsten Spenden für den Kauf von Panzertaschen und Artillerie zur Verteidigung von Kiew sowie für Wärmebildgeräte und 25 Hubschrauber verwendet wurden. Die Meldung kam, als sich die russischen Truppen der ukrainischen Hauptstadt näherten und Luftangriffe über der Stadt zu hören waren.

Seit Russlands Präsident Wladimir Putin am frühen Donnerstag den Militärschlag gegen die Ukraine angekündigt hat, haben viele prominente Mitglieder der Krypto-Community den Angriff verurteilt und ihre Unterstützung für die Ukraine bekundet.

Bitcoin fällt unter 35 000 Dollar

Ukraine und Bitcoin

Der Preis der nach Marktwert größten Kryptowährung der Welt fiel am späten Mittwochabend unter die psychologische Unterstützungslinie von 35.000 $, nachdem der russische Präsident Wladimir Putin zu einer Militäraktion in der Ukraine aufgerufen hatte.

Bitcoin fiel innerhalb von 24 Stunden um fast 9 %. Viele führende digitale Vermögenswerte notieren auf dem niedrigsten Stand seit dem 24. Januar.

Putin sagte in einer Live-Fernsehsendung, er habe dem russischen Militär den Befehl gegeben, in die ukrainische Region Donbas vorzurücken. Reporter in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und in der Schwarzmeerhafenstadt Odessa beobachteten ebenfalls Explosionen.

BTC fällt

Kurz vor Putins Ansprache begann der Bitcoin-Kurs unter 36.600 $ zu fallen und fiel weiter bis auf einen Tiefstand von 34.322 $, wie Börsendaten zeigen. Auf dem Stundenchart ist eine Flut von Verkäufern zu sehen, die den Abstieg mitverfolgen, wobei es kaum Widerstand durch Bitcoin-Käufe gab.

Bitcoin Chart

Am Mittwoch kam es zu einem Ausverkauf bei Aktien und Kryptowährungen, der den Trend zu niedrigeren Kursen fortsetzte: Der S&P 500 und der Nasdaq schlossen mit -1,84% bzw. -2,6%. Die Anleger haben die Entwicklungen in der Ukraine weiterhin aufmerksam verfolgt, wobei sowohl die Märkte für traditionelle als auch für digitale Vermögenswerte stark reagierten. Die Augen sind nun auf die USA und ihre Verbündeten gerichtet und warten auf ihre Reaktion auf die wachsende Krise.

Kryptowährungen schwimmen in einem Meer aus roten Zahlen, wobei Cardano, Avalanche, Polygon und Dogecoin die stärksten Verluste in den Top 20 nach Marktwert hinnehmen mussten und im Tagesverlauf zwischen -15 % und -17 % verloren.

Ukraine und Wertanstieg von Tether

USDT wertvoller als US-Dollar

Lokale Käufer waren nicht in der Lage, USDT zu kaufen, selbst mit einem Aufschlag von 4 %, hieß es von Coindesk. Denn mittlerweile kann man so gut wie nichts mit Bargeld in er Ukraine anfangen. Dem Bankensystem wird kein Vertrauen mehr geschenkt.

Michael Chobanian, Gründer von Kuna, einer in der Ukraine ansässigen Kryptobörse, sagte, dass er einen Pool von wohlhabenden Leuten hatte, die USDT kaufen wollten, dies aber selbst mit einem Aufschlag nicht schafften. Somit ist Tether wertvoller als der US-Dollar.

Anfrage steigt

Es gebe Millionen von Dollar, die darauf warten, in Kryptowährungen zu fließen, aber man könne keine Leute finden, die bereit sind, diese zu verkaufen hieß es von CoinDesk.

Am Mittwochabend verurteilte der Miterfinder von Ethereum, der in Russland geborene Vitalik Buterin, den Einmarsch Russlands in die Ukraine und nannte ihn ein “Verbrechen gegen das ukrainische und russische Volk”.

Kriegsursachenforscher: Vom Ukraine-Konflikt wird China profitieren

Der Soziologe Professor Erich Weede hat im Anschluss an seine Preisverleihung mit der Roland-Baader-Auszeichnung vergangenen Sonntag ein Interview zum Ukraine-Konflikt gegeben. Als Friedens- und Kriegsursachenforscher sowie China-Kenner fällt seine Einschätzung klar aus. 

Hauptproblem ist massive NATO-Osterweiterung

“Die NATO will ja nicht erklären, dass Länder wie die Ukraine oder Georgen nie beitreten sollen,“ sagt er und sieht keine Anzeichen, dass die NATO „selbst den Beitritt Weißrusslands nicht ausschließen würde“. „Was war die NATO anderes als die amerikanische Einflusssphäre?“, meint Weede in Hinblick auf den kalten Krieg. Großmächte dächten bis heute in Einflusssphären, Völkerrecht hin oder her, selbst wenn man das nicht erfreulich findet. So dächte  auch Putin wie ein „ganz normaler Sicherheitspolitiker“. 

Isolierung Russlands vom Westen stärkt China

Durch die Isolation Russlands „zwingen wir die Russen, Zuflucht bei China zu finden“. China hat etwa 10 mal mehr Bevölkerung und Wirtschaftskraft als Russland, führt Weede aus. Noch sorge die nukleare Übermacht Russlands, dass etwa 10 mal soviel Nuklearwaffen haben dürfte als China, für eine Begegnung auf Augenhöhe beider Staaten. Doch auf Dauer ist Russlands bei einer Zusammenarbeit eher als „Satellit Chinas“ zu betrachten. Wenn jetzt der Westen Russland in die Arme Chinas treibt, dehnt sich die chinesische Einflusssphäre faktisch bis auf den europäischen Kontinent aus. Ein unabhängiges Russland wäre aber eher im Interesse Europas. 

NATO-Osterweiterung gleicht deutscher Front 1942

Die heutige Ausdehnung der NATO nähere sich von der Ausdehnung „der vordersten Linie der deutschen Front 1942“ an. „Das muss die Russen an die schlimmste Zeit im zweiten Weltkrieg erinnern.“ Die Osterweiterung der NATO würde aber nur dann zum Problem, wenn sie ohne Russland erfolgt. 

NATO inklusive Russlands sinnvoll, aber nicht im US-Interesse

Die USA hätten bis auf wenige Gedankenspiele niemals eine NATO inklusive Russlands in Erwägung gezogen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2011 hätte Russland jedoch durchaus die Fühler nach Zusammenarbeit mit der USA und der NATO ausgestreckt. Einen Isolierung Russlands gegenüber der NATO schwäche Europa. So würde die  Zwietracht zwischen Europa und Russland gefördert, was beide gegenüber den USA schwächt und so die USA relativ stärkt.

Urkraine-Konflikt wird Loose-Loose für Europa und Russland werden

Folgt man den Gedanken Weedes, lässt sich Europa im Ukraine-Konflikt eher innerhalb der NATO vor den Karren der USA spannen, als selbständige Gewinn-Interessen zu vertreten. Durch den Konflikt zwischen Europa und Russland werden beide relativ gegenüber den USA geschwächt. Und als absoluter größter Gewinner aus dem Konflikt wird China hervorgehen. So könnte der Ukraine-Konflikt unabhängig davon ob als kalter oder heißer Krieg geführt zur „Loose-Loose-Situation“ für sowohl Russland als auch Europa werden.

Hinweis: Das komplette Interview kann auf YouTube unter diesem Link  angesehen werden.

Sanktionen gegen Russland zünden Inflationsbombe

EU droht Russland hohen Preis durch Sanktionen an

Russlands Präsident Putin lässt Truppen in die Ukraine ziehen. Heute Abend hat er Separatisten-Gebiete mit russischer Bevölkerung in der Ukraine als unabhängig bzw. russisch anerkannt. Die Europäische Union droht mit Sanktionen. Russland würde einen hohen Preis zahlen. 

Doch hohe Preise zahlen momentan die EU-Bürger

Mit einer Rekord-Inflation von 5,1 Prozent zahlen momentan jedoch EU-Bürger selbst sehr hohe Preise. Sanktionen, das heißt Handelsbeschränkungen gegenüber Russland werden die Preise jedoch weiter hoch treiben. Denn je schlechter die Güterversorgung wird, etwa weil russische Gasimporte fehlen, desto krasser werden die Preise steigen.

Russland unter Top 3 wichtigster EU-Handelspartner außerhalb Europas

Russland ist nach China und den USA unter den Top 3 außereuropäischen Handelspartnern der Europäischen Union. China macht 16,1, die USA machen 15,2 und Russland 4,8 Prozent des Außenhandels der EU aus. 

EU-Sanktionen gegen Russland können in die Selbstisolation führen

Von China und Russland weiß man, dass sie ihre Handelsbeziehungen trotz Ukraine-Konflikt sogar weiter vertiefen. Durch Sanktionen gegen Russland schneidet sich die EU von zwei ihrer wichtigsten Handelspartner potenziell also eher selbst ab. Das wäre ein Eigentor.

Produktionskostenvorteile gehen bei Sanktionen verloren

Es kommt vor, dass ein Land bestimmte Waren selbst vergleichsweise nicht so günstig produzieren kann wie ein anderes. Dann macht es Sinn, dass es sich auf seine Stärken konzentriert. Es Waren produziert, die es vergleichsweise günstig herstellen kann und diese an das Ausland verkauft. Von den Einnahmen kann es dann Importe anderer Waren finanziert, die es selbst weniger günstig herstellen kann. 

Absolute Kostenvorteile: Zum Beispiel können in Deutschland Autos gut produziert werden. Erdgas wird jedoch leichter und billiger in Russland gefördert. Wenn Russen deutsche Autos kaufen und Deutsche von dem dadurch eingenommenen Geld russisches Gas kaufen, können also beide Seiten profitieren. 

Komparative Kostenvorteile: Aber auch Holland, das selbst Erdgas günstig fördert kann, tut besser daran, seine Arbeitskräfte zur Produktion höherpreisiger und damit lukrativerer Waren einzusetzen und nicht mehr Gas zu fördern. Stattdessen können etwa auch höherpreisige Tomaten oder Tulpen verkauft werden, zu deren Produktion das Land ebenfalls Talent besitzt.

In Summe stehen so, wenn sich jedes Land auf seine Stärken konzentriert allen Ländern im Handel untereinander mehr Waren für das gleiche Geld zur Verfügung. Dies hat einen dämpfenden Effekt auf die Preise. Diese Effekte fallen bei Sanktionen künftig weg.

Durch Verlust von Produktionskostenvorteilen steigen Preise

Kann bei Einschränkungen des Handels durch Sanktionen nicht mehr importiert werden, was man selbst nicht so günstig produzieren kann und kann nicht mehr exportiert werden, was man selbst günstiger und besser herstellen kann, steigen die Preise überall. Die Kaufkraft, das, was sich Menschen leisten können, der Wohlstand für alle sinkt. Leider liegt derzeit die Inflation nicht nur in der EU mit 5,1 Prozent auf Rekord-Niveau. Auch in den USA mit derzeit 7,5 und auch in Russland mit derzeit 8,7 Prozent sind die Inflationszahlen schändlich.

Fazit: Sanktionen sind eine Faust auch ins eigene Gesicht

Sanktionen sind für alle schlecht. Sie sind mindestens genauso ein Eigentor, wie sie dem anderen schaden. Bezahlen tun auch den Krieg über Sanktionen die Sparer, dessen Finanzmittel sich durch die Inflation entwerten. Sie können sich immer weniger leisten und werden ärmer. Durch Sanktionen werden Werte ebenso vernichtet wie durch Waffen.