Wirtschaftsministerium will Einbau intelligenter Stromzähler beschleunigen

Berlin (Reuters) – Das Wirtschaftsministerium will den Einbau intelligenter Stromzähler (Smart-Meter) in Haushalten und Gewerbe deutlich beschleunigen.

“Der Smart-Meter-Rollout hat bislang noch nicht das für die Energiewende erforderliche Tempo erreicht”, heißt es in einem Gesetzentwurf des Wirtschaftsministeriums, der der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlag. Um den Einbau durch die Versorger voranzutreiben, sollen bürokratische Hürden fallen und bereits jetzt verfügbare Geräte eingesetzt werden. Die Kosten für den Verbraucher würden dafür auf 20 Euro im Jahr gedeckelt, die Versorger müssten sich so beteiligen. Zugleich müssen ab 2026 alle Versorger ihren Kunden sogenannte dynamische Stromtarife anbieten. Das heißt, zu bestimmten Zeiten – etwa nachts – ist der Strom billiger, zu anderen Zeiten teurer. Voraussetzung dafür wiederum sind die intelligenten Zähler.

Bisher sei der Einbau in Haushalten und Gewerbe unter anderem an rechtlichen Bedenken sowie an nicht verfügbaren Zähler-Systemen gescheitert. Zum einen gebe es jetzt neue Technik, zum anderen sollten mit dem Gesetz rechtliche Hürden beseitigt und Hersteller leichter auf den Markt kommen, schreiben die Autoren des Ministeriums.

Die Bürger würden unterm Strich mit den Regelungen Geld sparen, heißt es im Entwurf weiter. Die auf 20 Euro begrenzten Kosten rechneten sich: “Dem steht ein durch die Novelle erheblich erhöhtes zusätzliches Erlöspotenzial durch intelligente Messsysteme gegenüber. Aufgrund der gestiegenen Strompreise können solche Verbrauchseinsparungen durch intelligente Messsysteme stärker als bisher ausfallen.”

Haushalte können mit den Zählern ihren Verbrauch genauer überwachen und auch Stromfresser identifizieren. Zugleich können sie mit entsprechenden Stromtarifen dann etwa nachts ihr E-Auto laden, wenn Strom billiger ist.

(Bericht von: Markus Wacket, Christian Krämer; redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Maschinenbauer erhalten zwölf Prozent weniger Aufträge im Oktober

Düsseldorf (Reuters) – Die deutschen Maschinenbauer haben im Oktober weniger Aufträge eingefahren.

Die Bestellungen seien gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent gesunken, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag mit. Dabei seien die Order aus dem Inland um 13 Prozent geschrumpft und die aus dem Ausland um elf Prozent. “Dieser Rückgang relativiert die Zuwächse der vorangegangenen beiden Monate”, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Zahlreiche Kunden seien angesichts der anhaltenden konjunkturellen Unsicherheiten zurückhaltender mit ihren Einkäufen von Maschinen und Komponenten und zögerten mit neuen größeren Investitionen. Positiv sei, dass die Auftragsbücher im Maschinen- und Anlagenbau nach wie vor gut gefüllt seien. Diese Bestellungen müssten erst einmal abgearbeitet werden.

(Bericht von Tom Käckenhoff, redigiert von Hans Seidenstückerer. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Habeck bringt Klimaschutz-Verträge mit Industrie auf den Weg

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Wirtschaftsminister Robert Habeck will mit einem milliardenschweren Förder-Konzept nach der Energie- nun auch die grüne Industrie-Wende voranbringen.

So sollen zunächst energieintensive Branchen wie Stahl-, Chemie- oder Zement ihre Produktion klimafreundlich umstellen, wie der Entwurf einer Richtlinie zeigt, die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorlag. Auf Basis der Richtlinie werden Klimaschutzverträge mit der Industrie geschlossen: Wer seine Produktion klimafreundlich macht, bekommt mit einem 15-jährigen Vertrag zwischen Staat und Betrieb sowohl Geld für Investitionen als auch jährlich Mittel für die teurere, grüne Produktion. Dabei geht es in erster Linie um den Einsatz von Wasserstoff, der Kokskohle, Öl oder Erdgas verdrängen soll.

“Klimaschutzverträge führen somit nicht nur zu einer Emissionsreduzierung der geförderten Industrie”, heißt es in Habecks Richtlinie. “Sie setzen auch einen Anreiz, dass die hierfür erforderlichen Technologien und Infrastrukturen schon jetzt in Deutschland entwickelt und umgesetzt werden.”

Die Verträge sollen Kern der Industrie-Transformation als auch des Hochlaufs einer Wasserstoff-Produktion sein. Anders als etwa Autos im Verkehr oder Wärmepumpen im Gebäudesektor kann die Industrie ihre Prozesse häufig nicht direkt auf grünen Strom umstellen. Daher gilt Wasserstoff als Mittel der Wahl etwa in der Stahl- und Chemie-Industrie. Experten des Thinktanks “Agora” hatten berechnet, dass die deutsche Stahlindustrie im günstigsten Fall mit rund acht Milliarden Euro an Hilfen klimaneutral werden könne.

VERTRÄGE SOLLEN AUSGESCHRIEBEN WERDEN

Die Verträge sollen der Richtlinie zufolge ausgeschrieben werden: Wer die geringsten Hilfen verlangt, am meisten Treibhausgas einspart und am wenigsten Energie verbraucht erhält den Zuschlag. Dabei können über den Vertrag auch Mittel zurück an den Staat fließen. Da die herkömmliche Produktion etwa durch den steigenden Preis von nötigen CO2-Verschmutzungsrechten über die Jahre immer teurer wird, werden Rückzahlungen fällig: “Sofern im Laufe der Vertragslaufzeit der effektive CO2-Preis den im Klimaschutzvertrag festgelegten Vertragspreis übersteigt, endet die staatliche Förderung nicht nur, sie kehrt sich um in eine Zahlungspflicht der Unternehmen an den Staat”, heißt es so in der Richtlinie. “Dies senkt die Belastung des staatlichen Haushalts.” Mit berücksichtigt wird in den Verträgen, dass klimafreundliche Produkte einen höheren Preis erzielen können. Dieser Mehrerlös der Unternehmen wird der Richtlinie zufolge in den Verträgen zu 70 Prozent abgeschöpft.

WASSERSTOFF DARF UNTER AUFLAGE MIT ERDGAS ERZEUGT WERDEN

Wenn Strom im Rahmen der Produktion verwendet wird, muss dieser aus erneuerbaren Quellen wie Wind oder Sonne stammen. Beim Wasserstoff wird dagegen erlaubt, dass er etwa mit Hilfe von Erdgas erzeugt wird. Bedingung: Das anfallende CO2 muss abgeschieden und sicher gespeichert werden. Diese sogenannte CCS-Technik (Carbon Capture and Storage) ist in Deutschland bislang verboten. Besonders die Grünen und auch Habeck selbst hatten gegen CCS in vergangenen Jahren protestiert. Im Klimaschutzprogramm hatte das Wirtschaftsministerium dagegen bereits den Weg für “blauen” Wasserstoff geöffnet.

Dies muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass das CO2 in Deutschland in ehemalige Erdgas-Lagerstätten gepresst wird. Länder wie die Niederlande oder Norwegen wollen daraus ein Geschäftsmodell machen und auch CO2 aus Deutschland aufnehmen. “Blauer” Wasserstoff gilt für eine Übergangszeit als einzig machbarer Weg für die Industrie zum Ziel der Klimaneutralität.

Die Industrie ist für etwa ein Viertel der deutschen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – an der Spitze stehen Stahl-, Chemie- und Zementindustrie. Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein. Bis dahin soll also unterm Strich kein Treibhausgas mehr in die Atmosphäre geblasen werden.

Der Entwurf Habecks wird derzeit mit anderen Ressorts abgestimmt. Habeck hatte erste Verträge für Anfang 2023 angekündigt.

(Redigiert von: Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Habeck spricht sich für Kauf von Tennet-Deutschland-Tochter aus

– von Markus Wacket

Berlin/Amsterdam (Reuters) – Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sich für eine Beteiligung am niederländischen Stromnetz-Betreiber Tennet ausgesprochen.

Es sei politisch attraktiv, diesen Weg zu prüfen, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch in Berlin. Zu den laufenden Gesprächen könne er sich aber noch nicht äußern. Zuvor hatten Regierungsvertreter gesagt, der Bund wolle eine Mehrheit am deutschen Teil von Tennet übernehmen. Ziel sei es, dass die Staatsbank KfW mehr als 50 Prozent halte, hatten sie der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Auch eine Komplettübernahme sei denkbar. Die Gespräche kämen voran, eine Einigung noch im ersten Quartal 2023 aber eher unwahrscheinlich. Man setze auf einen Abschluss im ersten Halbjahr.

Gespräche zwischen Deutschland und der Niederlande ziehen sich schon seit Jahren hin und wurden im vergangenen Jahr wegen der Wahlen in beiden Ländern unterbrochen. Deutschland hat ein Interesse an Tennet, da das Unternehmen für den dringend nötigen Bau der wichtigen Nord-Süd-Verbindungen zum Transport des Windstroms verantwortlich ist. Die Niederlande wiederum sehen den großen Investitionsbedarf von 50 Milliarden Euro bis 2035 für Tennet insgesamt – 70 Prozent davon entfallen allerdings auf die Deutschland-Tochter. Der Wert des deutschen Geschäfts von Tennet wird in der Branche auf um die fünf Milliarden Euro geschätzt.

In einem Schreiben an das niederländische Parlament hatte das dortige Finanzministerium erklärt, man strebe Klarheit bis Anfang 2023 an, ob ein Geschäft mit Deutschland zustande kommen könne. Bis Anfang 2024 könne man noch die Investitionen im Nachbarland selbst finanzieren. Dann entstehe neuer Kapitalbedarf in Höhe von elf Milliarden Euro.

Das Bundesfinanzministerium hatte dem Haushaltsauschuss zum möglichen Kauf erklärt: “Für die Bundesregierung sind dabei der Erhalt angemessener Rechte und Einflussmöglichkeiten auf Tennet Deutschland von zentraler Bedeutung.” Deutschland hat großes Interesse daran, den Netz-Ausbau zu beschleunigen, der gegenüber ursprünglichen Zeitplänen um Jahre zurückhängt.

DEUTSCHE NETZGESELLSCHAFT WURDE SCHON DISKUTIERT

Bereits im Zuge der von der EU verordneten Abtrennung der großen Übertragungsnetze war zu Beginn des Jahrtausends in der Politik die Idee einer deutschen Netzgesellschaft aufgekommen. Diese wurde jedoch nie umgesetzt. Stattdessen existieren mit Tennet, 50Hertz, TransnetBW und Amprion vier große Netzbetreiber-Gesellschaften.

Habeck sagte, er halte es für sinnvoll, dass sich die öffentliche Hand für Infrastruktur-Monopole wie das Stromnetz verantwortlich zeige. Er verwies darauf, dass die staatliche KfW-Bank bereits ein Fünftel der Anteile am ostdeutschen Netzbetreiber 50Hertz halte und TransnetBW in Südwestdeutschland Anteilseigner suche. Auch hier könnte nach Reuters-Informationen der Staat einsteigen. Habeck betonte, er halte es für klug und geboten, wenn die öffentliche Hand einen Beitrag zur Entstehung einer öffentlichen Infrastruktur leiste.

(Weiterer Reporter: Bart Meijer; redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Airbus arbeitet mit Renault und Neste am klimaschonenden Fliegen

Paris/Frankfurt (Reuters) – Airbus hat mehrere Kooperationen zur Entwicklung klimaschonender Antriebe für Flugzeuge angekündigt.

Zusammen mit dem französischen Autokonzern Renault will der Flugzeugbauer eine neue Generation von Batterien für Flugzeuge und Autos entwickeln, teilte Airbus am Mittwoch mit. Erstmals bündelten damit zwei europäische Schwergewichte branchenübergreifend ihr Ingenieurwissen für Flugzeug-Hybridantriebe, erklärte Renault-Manager Gilles Le Borgne. Ziel sei es unter anderem, das Energiemanagement und das Gewicht von Batterien zu verbessern.

Airbus verabredete zudem eine Kooperation mit Neste, dem Hersteller erneuerbarer Kraftstoffe aus Finnland, um die Produktion nachhaltigen Kerosins (Sustainable Aviation Fuels – SAF) anzuschieben. SAF sei die vielversprechendste Lösung, um den CO2-Ausstoß von Flugzeugen zu senken, erklärte Airbus anlässlich einer zweitägigen Konferenz über CO2-Emissionsabbau in der Luftfahrt. Schon heute könnten Flugzeuge bis zu 50 Prozent SAF beimischen. Mit Neste wolle Airbus daran arbeiten, dass Maschinen Ende dieses Jahrzehnts bis zu 100 Prozent SAF tanken können.

Auch an wasserstoffbasierten Antrieben mit Brennstoffzelle will Airbus weiterarbeiten, um sein Ziel eines emissonsfreien Flugzeugs bis 2035 zu erreichen. Mitte des Jahrzehnts solle die Technik in Probebetrieb gehen. Dazu werde ein Airbus A380 derzeit umgebaut und mit Wasserstofftanks ausgestattet.

(Bericht von Charlotte Van Campenhout, Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

Ukraine berichtet von russischen Angriffen im Osten und Nordosten

Kiew (Reuters) – Die russischen Streitkräfte versuchen nach ukrainischen Angaben derzeit verstärkt, im Nordosten und Osten der Frontlinien vorzurücken.

Auch im Süden um die von Russland vor kurzem geräumte Stadt Cherson sei etwas geplant vom Feind, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Zugleich teilte der Generalstab am Mittwoch mit, die ukrainischen Truppen hätten in den vergangenen 24 Stunden sechs russische Angriffe in der Region Donezk im Osten zurückgeschlagen. Zudem hätten die russischen Truppen das westliche Ufer des Dnipro und das dort gelegene Cherson unter Dauerbeschuss genommen.

Selenskyj berichtete von russischen Angriffen in den Regionen Donezk und Luhansk sowie in der zweitgrößten Stadt Charkiw. “Die Situation an der Front ist schwierig”, räumte der Präsident in seiner nächtlichen Video-Botschaft ein. “Trotz extrem großer Verluste versuchen die Besatzer weiter vorzurücken”, sagte Selenskyj. “Und sie planen etwas im Süden”, fügte er hinzu, ohne dies näher auszuführen. Reuters konnte die Angaben über das Kriegsgeschehen unabhängig nicht überprüfen. Neben den Kampfhandlungen am Boden haben die russischen Streitkräfte zuletzt wiederholt die Infrastruktur unter Raketenbeschuss genommen, was vielerorts zum Ausfall der Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung führte.

(Bericht von Pavel Politjuk; Berarbeitet von Alexander Ratz; Redigiert von; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Scholz und internationale Organisationen warnen vor Abschottungstendenzen

(Korrigiert im letzten Satz Titel von Pangestu)

Berlin (Reuters) – Bundeskanzler Olaf Scholz und die Präsidenten der großen multilateralen Organisationen haben vor einer Tendenz der Abschottung in der Welt gewarnt.

“Wir brauchen eine smarte Globalisierung, in der Abhängigkeiten reduziert werden”, sagte Scholz nach einem Treffen der Präsidentinnen und Präsidenten von IWF, WTO, Weltbank, ILO und OECD. Dabei müsse man die Welthandelsorganisation WTO stärken und dürfe beim Klimaschutz keine neuen Handelsbarrieren errichten, sagte der Kanzler. Globale Probleme könne man nur gemeinsam bewältigen.

IWF-Chefin Kristalina Georgieva betonte ebenfalls die Notwendigkeit zur Diversifizierung, warnte aber davor, den Handel mit Ländern wie China einzuschränken. Sehr ähnlich äußerte sich WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala. Man sehe bei sinkendem Wachstum der Weltwirtschaft die Tendenz, sich durch Protektionismus schützen zu wollen – was das Problem aber nur vergrößere. Falls die Welt in zwei Handelsblöcke zerfalle, sinke das Weltbruttosozialprodukt um fünf Prozent, warnte sie in Anspielung auf die Spannungen zwischen den USA und China. Die Entwicklungsländer würde noch wesentlich stärker leiden. Auch die Weltbankvertreterin für Entwicklungspolitik, Mari Pangestu, sagte, dass ein fragmentiertes Handelssystem vor allem dazu führen werde, dass die Entwicklungsländer leiden.

(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Regierung einig bei Energie-Preisbremse – Abschöpfung Zufallsgewinne später

Berlin (Reuters) – Die Bundesregierung treibt die Entlastung von Haushalten und Industrie weiter voran.

Das Kabinett einigte sich am Freitag mit einigen Änderungen auf die vom Wirtschaftsressort vorgeschlagenen Gesetzentwürfe zur Strom- und Gaspreisbremse. Geändert wurden Regelungen zur Abschöpfung von sogenannten Zufallsgewinnen der Stromerzeuger: Sie soll jetzt doch nicht rückwirkend ab September greifen, sondern erst ab Dezember. Zudem soll sie schon im April 2024 enden. Dadurch fließen Schätzungen zufolge eine Milliarde Euro weniger an den Staat.

Haushalte und Gewerbe werden dem Vorhaben zufolge mit Gas- und Strompreisbremse ab Januar entlastet. Die Deckelung des Gas-, Fernwärme- und Strompreises soll zwar erst ab März umgesetzt werden, dann werden aber die Monate Februar und Januar rückwirkend mit angerechnet. Dabei werden die Kosten für 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs auf zwölf Cent pro Kilowattstunde für Haushalte und Gewerbe begrenzt. Für verbrauchte Mengen darüberhinaus gilt der höhere Marktpreis. Beim Strom soll der Deckel bei 40 Cent liegen. Die Preisbremsen sollen bis April 2024 gelten.

Im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine waren Gas- und in der Folge die Strompreise rasant gestiegen. Für Haushalte wurde deshalb bereits für Dezember ein einmaliger Abschlag auf den Gaspreis in Höhe von rund einem Zwölftel der Jahresrechnung beschlossen. Insgesamt sollen alle Energie-Hilfen mit über 200 Milliarden Euro finanziert werden.

Für die rund 25.000 Groß-Verbraucher der Industrie soll ebenfalls ab Januar ein Preis von sieben Cent für 70 Prozent des Gas-Verbrauchs und von 13 Cent beim Strom gelten. Strittig war, ob Unternehmen trotz dieser milliardenschweren Hilfen weiter Dividenden oder Boni für Manager zahlen dürfen. Laut Gesetzentwurf soll dies nur bei direkten Kapitalhilfen untersagt werden. Allerdings gibt es in der Ampel-Koalition viele Stimmen, die ein Dividendenverbot gefordert hatten. Das Thema dürfte daher noch einmal diskutiert werden, wenn das Gesetz im Dezember im Parlament behandelt wird.

Dann soll auch die Erhöhung der Förderung neuer Ökostrom-Anlagen noch einmal diskutiert werden. Eigentlich wollte das Wirtschaftsministerium die Förderung um bis zu 20 Prozent ausweiten. Nach Widerstand aus der FDP wurde dies jedoch aus dem Gesetzentwurf gestrichen.

Regierung – Abstimmung zu Gaspreisbremse in “finaler Runde”

Berlin (Reuters) – Die Bundesregierung legt sich nicht fest, wann genau die Ressortabstimmung über die geplante Gaspreisbremse erreicht sein wird.

Man sei “in der finalen Runde”, sagte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums am Freitag in Berlin. Sie könne aber nicht sagen, wann diese abgeschlossen sein werde. Eine Regierungssprecherin betonte, dass man auf jeden Fall sicherstellen wolle, dass der Bundesrat am 16. Dezember abschließend zustimmen könne. Ursprünglich war eine Verständigung im sogenannten Umlaufverfahren in der Bundesregierung noch diese Woche geplant.

(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Keine Einigung zum Gaspreis-Deckel bei EU-Ministertreffen

Brüssel/Berlin (Reuters) – Die EU-Staaten streiten trotz eines Kompromiss-Vorschlags der EU-Kommission weiter über eine Preis-Grenze beim Gas-Einkauf.

“Es war eine hitzige Debatte”, räumte der tschechische Minister Jozef Sikela als Vorsitzender der Energieminister nach der Sonderkonferenz am Donnerstag in Brüssel ein. Die offene Diskussion sei aber Ausgangspunkt für einen neuen Einigungsversuch beim nächsten Treffen am 13. Dezember. Schon vor Beginn des Treffens war deutlich geworden, dass eine Verständigung auf einen Preis-Deckel nicht zu erwarten war. Die Staaten verständigten sich aber zunächst darauf, einen neuen Referenzwert für den Preis zu finden, der bislang an der Amsterdamer Börse (TTF) definiert wird. Endgültig geeinigt haben sich die Staaten jedoch auf einen gemeinsamen Gas-Einkauf sowie Erleichterungen für den Ausbau Erneuerbare Energie.

Die Kommission hatte eine Obergrenze bei einem Anstieg der Gaspreise im Großhandel vorgeschlagen. Diese soll nur unter hohen Auflagen greifen – wenn der Preis an der europäischen Gasbörse in den Niederlanden (TTF) über zwei Wochen hinweg höher als 275 Euro pro Megawattstunde liegt. Zugleich muss der Preis zuvor zehn Tage um mindestens 58 Euro über einem weltweiten Referenzpreis für Flüssiggas liegen. Derzeit liegt der TTF-Preis etwa über 100 Euro pro Megawattstunde. Im Sommer hatte er kurzzeitig bei über 300 Euro gelegen.

Eine Gruppe von 15 Staaten, angeführt vor allem von Spanien und Frankreich, halten den Deckel für zu hoch und glaubt nicht, dass er so wirken kann. Die polnische Ministerin Anna Moskwa nannte diesen Deckel bereits vor dem Treffen einen “Witz”. Eine zweite kleinere Gruppe, geführt von Deutschland, sieht einen Deckel allgemein kritisch. “Man kann zusammenfassend sagen, dass alle irgendwie unglücklich sind mit dem Vorschlag der Kommission”, sagte der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Sven Giegold zum Auftakt.

Die Gruppe fürchtet, dass Flüssiggas dann gar nicht erst in Europa ankommen und das Gas in Europa rationiert werden muss. Zudem könnte dies dann zu Verteilungskämpfen unter den Staaten kommen, wenn es eine Gasmangel-Lage gibt. “Das wollen wir unbedingt vermeiden”, sagte Giegold.

(Bericht von: Markus Wacket; redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)