Luxus gefragt – Ferrari verdreifacht Gewinn

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sprang im zweiten Quartal um 210 Prozent auf 386 Millionen Euro, wie die italienische Sportwagenschmiede am Montag mitteilte. Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet. Weltweit wurden im Zeitraum April bis Juni 2685 Fahrzeuge der Nobelmarke mit dem aufbäumenden Pferd ausgeliefert, fast doppelt so viele wie im pandemiebedingt schwachen Vorjahreszeitraum. Besonders hoch war der Zuwachs in Asien, wo Ferrari neue Modelle auf den Markt brachte. Auch in Europa und Amerika legten die Verkäufe zu.

Die Prognose für den Mittelzufluss im laufenden Jahr hob das Unternehmen auf rund 450 Millionen Euro an. Zuvor waren 350 Millionen in Aussicht gestellt worden. Der Ausblick für Umsatz und Gewinn blieb trotz des kräftigen Gewinnanstiegs dagegen unverändert. Das kam an der Börse nicht gut an. Die Aktie verlor an der Mailänder Börse zeitweise 2,8 Prozent an Wert.

Ferrari profitiert wie andere Hersteller von Luxusautos davon, dass besonders reiche Käufer weniger von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen sind. Dagegen leidet das Volumensegment stärker unter der Krise. Auch bei Volkswagen bekamen die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini die Krise weniger zu spüren.

 

Ferrari gewinnt Chiphersteller-Manager Vigna als neuen Konzernlenker

Der 52-jährige Manager soll ab September den italienischen Sportwagenhersteller leiten und in ein neues Zeitalter führen, teilte Ferrari am Mittwoch mit. Er folgt damit auf Louis Camilleri, der im Dezember aus persönlichen Gründen überraschend das Handtuch geworfen hatte. In den vergangenen Monaten hatte John Elkann, der Spross der Agnelli-Familie, Ferrari übergangsweise geführt.

Mit Vigna, der bei STM den größten Geschäftsbereich mit Analogchips und Sensoren verantwortet, entschied sich Ferrari für einen Manager ohne Luxusgüter- und Automobilerfahrung. Verwaltungsvorstand Elkann betonte, Vigna verfüge über ein großes Verständnis für Technologien, die einen Großteil des Wandels der Branche vorantreiben. Hinzu kämen seine Fähigkeiten in den Bereichen Innovation, Geschäftsaufbau wie auch seine Führungsqualitäten. Ferrari hatte sich zuletzt eine Neuausrichtung verordnet, bietet bereits Hybridmodelle an und will sein erstes Elektro-Fahrzeug 2025 auf den Markt bringen.

Die Ferrari-Aktien verloren an der Mailänder Börse 0,8 Prozent. Analysten reagierten überrascht. “Die Ernennung ist höchst unerwartet und spiegelt aus unserer Sicht die Notwendigkeit wider, Ferrari ‘neu zu erfinden’ und die Schwierigkeit, Kandidaten zu finden, die bereit sind, die Aufgabe zu übernehmen”, kommentierte Philippe Houchois von Jefferies.