Ifo – Lage der deutschen Autoindustrie trübt sich stark ein

Das entsprechende Ifo-Barometer brach von 32,0 Punkten im Vormonat auf 13,2 Zähler ein, wie das Ifo-Institut am Montag zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Im Juli lag der Wert sogar noch bei 52,9. “Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Autobranche die am stärksten von Lieferengpässen mit Vorprodukten betroffene Branche ist”, sagte Oliver Falck, der Leiter des Ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Der Autobauer Opel etwa gab erst vorige Woche bekannt, er werde wegen fehlender Halbleiter sein Werk in Eisenach mindestens bis zum Jahresende schließen.

Positive Impulse für die Branche kommen aus dem Ausland: Die Exporterwartungen haben sich deutlich verbessert. Dieser Indikator stieg von 17,0 auf 34,5 Punkte. Das kann sich positiv auf die Produktionserwartungen auswirken: Dieser Wert kletterte von 35,4 auf 37,4 Punkte. “Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unsicherheit vieler Konsumenten in China durch die Krise des Immobilienentwicklers Evergrande auf die Stimmung der deutschen Autobauer drückt, die inzwischen mehr Autos in China produzieren als in Deutschland”, sagte Falck. Der Handel mit Aktien des hoch verschuldeten Unternehmens Evergrande wurde am Montag an der Hongkonger Börse ausgesetzt, nachdem das Unternehmen vergangene Woche zum zweiten Mal eine wichtige Zinszahlung verpasst hatte.

Auch die Situation im Inland bleibt dem Ifo-Institut zufolge für die deutsche Autoindustrie kritisch: Der Auftragsbestand fiel auf 5,3 Punkte, nach 17,1 im August. Im Juli waren noch 52,5 Zähler ermittelt worden. Die Nachfrage sei erstmals seit Mai 2020 wieder rückläufig, ermittelten die Forscher. Der Wert fiel von 1,7 auf minus 15,7 Punkte.

 

Chipmangel bremst deutschen Automarkt – E-Autos weiter gefragt

Im August kamen lediglich gut 193.000 Neuwagen auf die Straßen, 23 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das Flensburger Kraftfahrt-Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit schrumpfte der Absatz unmittelbar vor Beginn der wichtigen Automesse IAA Mobility in München den zweiten Monat in Folge stark. Das lag vor allem daran, dass elektronische Bauteile fehlen und die Hersteller deshalb die Produktion immer wieder unterbrechen müssen – und das trotz voller Auftragsbücher. Während der Auftragseingang nach Branchenangaben im Inland um acht Prozent zulegte, sank die Produktion um ein Drittel.

Unter den deutschen Herstellern verbuchte im vergangenen Monat lediglich die zum neuen Stellantis-Konzern gehörende Marke Opel ein Absatzplus. Bei Mercedes, Volkswagen und BMW schrumpften die Neuzulassungen dagegen teils deutlich. Während Autos mit Verbrennungsmotoren weiter auf dem Rückmarsch waren, blieb die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen hoch. Allerdings waren die Wachstumsraten deutlich niedriger als noch vor einigen Monaten. Der Absatz rein batteriegetriebener Fahrzeuge kletterte um rund 80 Prozent 28.860 Einheiten. Bei Plug-in-Hybriden, deren Batterien an der Steckdose aufgeladen werden können, stieg der Absatz um 43 Prozent auf knapp 24.500 Stück. Insgesamt lag der Elektro-Anteil an den Neuzulassungen damit bei 27,6 Prozent. Damit sei der bisherige Höchstwert von Dezember deutlich übertroffen worden, teilte der Verband der Automobilindustrie mit.

 

“Wo bleiben die Chips?” – Halbleitermangel bremst die Autobranche

– von Christina Amann

Die Opel-Mutter Stellantis fürchtet, in diesem Jahr 1,4 Millionen Autos nicht herstellen zu können, weil die wichtigen Bauteile fehlen. Der Münchner Autobauer BMW, der anfangs noch recht ungeschoren durch die Chipkrise kam, stellt sich auf schwierige Monate ein. “Mit zunehmender Dauer der Liefer-Engpässe wird die Situation angespannter”, beschreibt Finanzvorstand Nicolas Peter die Lage. Vier Fünftel der deutschen Autofirmen kämpfen mit einem Mangel an Vorprodukten, ergab eine Umfrage des Ifo-Instituts. Auf der anderen Seite versucht der Chip-Hersteller Infineon händeringend, die Produktionskapazitäten zu erhöhen.

Schon zu Jahresbeginn hatten die Autobauer zu kämpfen, weil die Chip-Hersteller im Corona-Lockdown 2020 ihre Produktion auf die höhere Nachfrage nach Unterhaltungselektronik ausrichteten und die Kapazitäten nicht mehr für die Autos reichten. Dann fielen Fabriken in den USA und in Japan nach einem Unwetter und einem Brand aus. Inzwischen sind es steigende Corona-Fallzahlen in südostasiatischen Ländern wie Malaysia, die den Einkäufern der Autobauer Kopfzerbrechen bereiten. Der Münchener Konzern Infineon, der besonders viel Geschäft mit Auto-Chips macht, musste die Fertigung im malaysischen Malakka zweimal für insgesamt 20 Tage stoppen und impft nun die Belegschaft durch, um weitere Unterbrechungen zu vermeiden. Zwischen 200 und 300 Millionen Euro Umsatz fehlen Infineon inzwischen wegen der Stillstand-Zeiten.

CHIPMANGEL TREIBT GEWINNE NACH OBEN

“Die Vorräte sind auf einem historischen Tiefstand. Unsere Chips gehen aus der Fertigung direkt in die Endanwendungen”, schilderte Ploss die Lage. “Die Lieferschwierigkeiten bleiben allgegenwärtig. Wir kämpfen um jeden zusätzlichen Wafer.” Etwas Hoffnung macht ihm, dass die neue Fabrik für Leistungshalbleiter im österreichischen Villach seit Dienstag – früher als geplant – betriebsbereit ist. Mit einer Besserung der Situation rechnet Ploss aber “frühestens weit im Jahr 2022.”

Derweil warten die Autobauer verzweifelt auf Lieferungen. Es kommt zu Produktionsausfällen, in den Werken gilt Einschichtbetrieb oder die Bänder stehen sogar ganz still. Da ist es fast ein Glück, dass viele deutsche Konzerne ab August reguläre Produktionspausen zur Wartung der Anlagen angesetzt haben. “Wir rechnen im zweiten Halbjahr mit weiteren Produktionseinschränkungen und damit verbundenen Auswirkungen auf den Fahrzeugabsatz”, sagte BMW-Finanzchef Peter. Bis Jahresende könnten womöglich 70.000 bis 90.000 Fahrzeuge wegen der Knappheit nicht produziert werden. Der Stuttgarter Rivale Mercedes-Benz geht davon aus, dass mehr als 150.000 Autos in diesem Jahr weniger als geplant vom Band rollen. Noch stärker sind die Massenhersteller betroffen: VW konnte in der ersten Jahreshälfte eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht fertigen.

Als Reaktion auf die Engpässe konzentrieren sich viele Autohersteller auf margenstarke, große Fahrzeuge und drosseln die Produktion kleinerer Modelle. Das spiegelt sich in den Gewinnen wider: Der französisch-italienische Konzern Stellantis, der aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA hervorgegangen ist, schaffte eine Gewinnmarge von 11,4 Prozent – ein hoher Wert für einen Massenhersteller – und hängte damit den Rivalen Volkswagen mit seinen 8,8 Prozent ab. BMW erzielte in der Autosparte in den ersten sechs Monaten eine Rendite von 13 Prozent und zeigte sich zuversichtlich, im Gesamtjahr am oberen Ende der Prognosespanne von sieben bis neun Prozent zu landen. Mercedes-Benz schaffte mit 12,8 Prozent das dritte Quartal in Folge eine zweistellige Rendite auf bereinigter Basis – ein historisches Ergebnis.

GEBRAUCHTWAGENMARKT BOOMT

Zugute kommt den Herstellern die weltweit starke Nachfrage, weswegen sie ihre Neuwagen ohne größere Preisnachlässe verkaufen können. BMW schaffte im ersten Halbjahr einen Absatzrekord. Trotz der Chip-Engpässe rechnet BMW mit einem “soliden Wachstum” bei den Auslieferungen – also ein Plus von fünf bis knapp zehn Prozent. Der Umsatz der Münchner stieg in der ersten Jahreshälfte um 28 Prozent auf 55,4 Milliarden Euro, der Gewinn schnellte auf 7,6 Milliarden Euro von 362 Millionen im Vorjahr. Die starken Ergebnisse dürften insbesondere auf umfangreiche Sparmaßnahmen, nachgeholten Käufen und einer Konzentration auf margenstarkes Geschäft beruhen, erläuterte Frank Schwope, Analyst bei der NordLB.

Aber auch Einmaleffekte kamen den Münchnern zugute: So konnte BMW die Rückstellung für das EU-Kartellverfahren wegen Absprachen rund um die Abgasreinigung von Dieselautos auflösen, nachdem die Strafe geringer ausfiel als angenommen. Barclays-Experten verwiesen zudem auf geringere Pensionskosten, die weitere 500 Millionen Euro beisteuerten. An der Börse wurden die Zahlen mit Verkäufen quittiert: Mit einem Abschlag von bis zu 4,5 Prozent waren die BMW-Papiere Schlusslicht im deutschen Leitindex Dax.

 

Lithium-Förderer Vulcan Energy denkt an Börsengang

“Derzeit ziehen wir eine Erstnotierung an der Börse in Frankfurt in Betracht, denn wir verspüren viel Interesse von Investoren in Europa”, sagte der Chef der Vulcan Energie Ressourcen GmbH, Horst Kreuter, der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Das Mutterunternehmen Vulcan Energy ist bereits in Australien börsennotiert. Jetzt könnte die eigenständige deutsche Tochter den Gang aufs Börsenparkett wagen. “Wir haben den Entscheidungsprozess gestartet und hoffen, diesen noch in diesem Jahr zu finalisieren”, ergänzte Kreuter.

Mit einer Tochter des koreanischen Batterieriesen LG Chem hat Vulcan nach Unterzeichnung einer Absichtserklärung den ersten Großkunden in Aussicht. Das Interesse der Autohersteller an dem CO2-frei gewonnenen Rohstoff für E-Auto-Batterien sei groß, ergänzte Kreuter. Das Unternehmen will Lithium aus Thermalwasser in der Tiefe des Oberrheingrabens gewinnen. Zu den potenziellen Kunden von Vulcan gehört auch der Opel-Mutterkonzern Stellantis, der Insidern zufolge eine Absichtserklärung zum Kauf von Lithium abgegeben hat. Dazu wollte sich Kreuter nicht äußern. Außerdem ist Daimler nach eigenen früheren Angaben im Gespräch mit dem 2018 gegründeten Startup aus Karlsruhe, das mittlerweile rund 60 Beschäftigte hat.

LG Energy Solutions (LGES), die Tochter des Batterieriesen LG Chem, wolle im ersten Jahr 5000 metrische Tonnen Lithium-Hydroxid abnehmen und das Volumen schrittweise auf 10.000 Tonnen im Jahr erhöhen, teilte Vulcan Energy weiter mit. Der Vertrag soll zum geplanten Produktionsbeginn Mitte 2024 starten und eine Laufzeit von fünf Jahren haben, die um weitere fünf Jahre verlängert werden kann. Das Auftragsvolumen von LGES werde bis zum Hochlauf 2026 ein Viertel der Gesamtproduktion ausmachen, erklärte Vulcan Energy weiter, sagte Vulcan-Manager Francis Wedin.

PILOTANLAGE LÄUFT

Mit dem Umschwung zu Elektroautos steigt die Nachfrage nach dem Batterierohstoff massiv. Nach Schätzungen von Geologen birgt die Region im Südwesten Deutschlands genug Lithium für mehr als 400 Millionen Elektroautos. Nach dem Verfahren von Vulcan wird heißes Thermalwasser aus Tausenden Metern Tiefe an die Oberfläche gepumpt, wobei Wärme und Strom entstehen. Dieser kann verkauft werden, sodass die Förderkosten gedeckt werden. Das Lithiumhydroxid kann aus dem Wasser extrahiert werden, das dann wieder in die Tiefe zurückfließt. Die Kosten für die Extraktionsanlage müssen Kreuter zufolge über den Preis eingespielt werden. Dieser werde voraussichtlich aber unter dem von Lithiumcarbonat aus Chile oder Argentinien liegen, das aufwendiger im Tagebau gewonnen werde.

Die Standorte in der Region, die sich über Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen erstreckt, stehen noch nicht fest. Eine Pilotanlage läuft seit April. “Anfang nächsten Jahres geht eine Demonstrationsanlage in Betrieb, die von der Menge her Tonnen erzeugen kann”, ergänzte Kreuter. Das Material werde dann bei Batterieherstellern gestestet. Bis 2024 sollen in zwei Anlagen 15.000 Tonnen im Jahr gewonnen werden. In der zweiten Phase ab 2025 plant die Firma drei weitere Anlagen für ein Volumen von 40.000 Tonnen. Das wäre genug Lithium für die Batteriezellen von einer Million E-Autos. Dafür werden Investitionen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro gebraucht – über den möglichen Börsengang und Bankkredite.

 

Automarkt in Deutschland erholt sich weiter

Im Mai kamen mit rund 230.600 Neuwagen 37 Prozent Fahrzeuge mehr auf die Straßen als im schwachen Vorjahresmonat, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Donnerstag mitteilte. Damit fiel der Zuwachs nicht so hoch aus wie im April, als sich die Neuzulassungen binnen Jahresfrist fast verdoppelt hatten. Im April 2020 hatten die Autoproduktion und der Handel wegen der Pandemie noch weitgehend stillgestanden.

Nach Einschätzung des Importeurverbands VDIK ist die Krise damit aber längst nicht überwunden. Die hohen Wachstumsraten dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Pkw-Markt weiterhin erkennbar schwächele, erklärte Verbandschef Reinhard Zirpel. “Seit Jahresbeginn blieb das Neuzulassungsvolumen 16 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.”

Mit Ausnahme von Mercedes-Benz (minus 14,8 Prozent) steigerten im Mai alle deutschen Marken ihren Absatz, allen voran BMW mit plus 92 Prozent. Marktführer VW steigerte sich um mehr als die Hälfte, die zum französisch-italienischen Stellantis-Konzern gehörende Rüsselsheimer Marke Opel legte um rund 42 Prozent zu und Audi erhöhte die Neuzulassungen um ein Drittel.

E-AUTOS WEITER STARK GEFRAGT

Der Boom bei den Elektroautos hielt unterdessen an: Der Absatz rein batteriegetriebener Fahrzeuge verfünffachte sich fast auf rund 26.800 Einheiten. Bei Plug-in-Hybriden, bei denen ein Verbrenner dem E-Motor zeitweise Arbeit abnimmt, vervierfachte sich der Absatz binnen Jahresfrist auf 27.200 Fahrzeuge. Der Anteil der Benziner an den Neuzulassungen stieg leicht auf 37,7 Prozent, während Dieselautos erneut weniger gefragt waren. Ihr Anteil sank auf 22,3 Prozent. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller neu registrierten Fahrzeuge fiel um knapp ein Fünftel auf 125 Gramm pro Kilometer.

Ingesamt kletterten die Pkw-Neuzulassungen in den ersten fünf Monaten um 12,8 Prozent auf rund 1,12 Millionen Fahrzeuge.