Britische Bank NatWest ködert Anleger mit Milliarden-Ausschüttung

Das mehrheitlich im Staatsbesitz befindliche Geldhaus folgt damit Rivalen wie Barclays und Lloyds, die nach Gewinnsprüngen im Halbjahr ebenfalls die Füllhörner ausgießen. NatWest-Aktionäre erhalten über eine Zwischendividende von drei Pence je Titel und Aktienrückkäufen im Volumen von 750 Millionen Pfund insgesamt 1,1 Milliarden Pfund zurück, wie NatWest am Freitag mitteilte. Insgesamt kommt sie in diesem Jahr damit auf fast drei Milliarden Pfund an Gewinnausschüttungen. Börsianer überzeugte NatWest-Chefin Alison Rose damit trotzdem nicht – die Aktien fielen um ein Prozent.

Die Bank of England hatte ihre in der Pandemie verhängten Dividendenbeschränkungen vor kurzem aufgehoben, weil sich ihrer Meinung nach die Aussichten für die Institute verbessert haben. Die Währungshüter hatten Banken im ersten Lockdown aufgefordert, auf Dividenden, Aktienrückkäufe und Boni zunächst zu verzichten, damit sie genügend Kapital haben zur Bewältigung der Krise. Auch die Europäische Zentralbank erlaubt den Banken in der Euro-Zone wieder Ausschüttungen – aber erst ab Oktober.

NatWest verdiente von Januar bis Juni vor Steuern mit 2,5 Milliarden Pfund mehr als von Analysten erwartet. Vor einem Jahr hatte die ehemals als Royal Bank of Scotland bekannte Bank noch einen Verlust von 770 Millionen Pfund eingefahren. Wie die heimischen Rivalen profitierte NatWest von einer geringeren Risikovorsorge, weil in der Pandemie weniger Kredite ausfielen als befürchtet.

Analysten fragen sich allerdings, wie der Finanzkonzern, der 2008 vom britischen Staat mit 45 Milliarden Pfund vor der Pleite gerettet wurde, künftig die Erträge steigern will. Rose hat dem Investmentbanking eine strikte Rosskur verordnet und speckt den Anleihehandel ab. Die Erträge in der Sparte brachen im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte ein. Zudem drohen dem Institut Strafen in Folge einer Geldwäsche-Ermittlung.

 

EU bestraft UBS und weitere Banken wegen Anleihen-Kartell

Die EU-Kommission verhängte am Donnerstag eine Strafe von 172,4 Millionen Euro gegen die Schweizer Großbank. Auch die japanische Nomura und die italienische UniCredit werden zur Kasse gebeten. Insgesamt sollen diese drei Häuser 371 Millionen Euro auf den Tisch legen. Portigon (die frühere WestLB), NatWest, Bank of America und Natixis beteiligten sich der Kommission zufolge zwar ebenfalls an dem Kartell, müssen aus verschiedenen Gründen aber nichts bezahlen. So hatte NatWest das Verfahren mit einer Anzeige ins Rollen gebracht.

Nach Angaben der EU betrieben die Banken das Kartell im Geschäft mit europäischen Staatsanleihen von 2007 bis 2011. Dabei hätten sich ihre Händler im Vorfeld von Auktionen gegenseitig über Preis-Offerten und Volumina informiert. “Ein gut funktionierender Markt für europäische Staatsanleihen ist sowohl für die Mitgliedsstaaten der Eurozone, die diese Anleihen emittieren, um Liquidität zu generieren, als auch für die Investoren, die diese Anleihen kaufen und handeln, von größter Bedeutung”, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Zuvor waren bereits Finanzhäuser unter anderem wegen ihrer Beteiligung an Devisenkartellen sowie Euribor- und Libor-Benchmark-Kartellen bestraft worden.

Die UBS erklärte, dass der Fall nach Berücksichtigung bereits gebildeter Rückstellungen das Ergebnis im zweiten Quartal 2021 mit bis zu 100 Millionen Dollar belasten könnte. Die Bank erwägt genau wie Nomura, den Entscheid anzufechten. Einen Schritt weiter ist UniCredit. Die Mailänder kündigten Berufung bei den europäischen Gerichten an: Die Ergebnisse des EU-Verfahrens belegten kein Fehlverhalten.