Evergrande-Krise bringt Schweizer Börse grössten Kurssturz seit Januar

Der Leitindex SMI sackte am Montag in der Spitze um 2,4 Prozent ab. Stärker war das Bluechip-Barometer letztmals Ende Januar gefallen. Etwas mehr als eine Stunde vor Handelsschluss notierte der SMI noch um 1,8 Prozent schwächer bei 11.721 Punkten. Das “Angstbarometer” Volatilitätsindex schoss 20 Prozent hoch.

Alle 20 Standardwerte rutschten ab. Regelrecht unter die Räder kamen die Grossbanken: Die Aktien der Credit Suisse brachen um 6,8 Prozent ein und die des Rivalen UBS um 5,9 Prozent. Die Angst vor einem Zahlungsausfall beim zweitgrößten chinesischen Immobilienentwickler und vor einer neuen Immobilienkrise schickte Bankwerte europaweit auf Talfahrt, der Bankenindex fiel um 3,5 Prozent.

Markante Einbussen gab es auch für Richemont und Swatch mit 3,6 und 3,2 Prozent Kursminus. Reiche Chinesen könnten wegen der Evergrand-Krise weniger Geld für Luxusartikel ausgeben, befürchteten Investoren. Auch andere Branchenvertreter wie LVMH oder Dior verloren stark an Wert. Swatch kippt zudem zum Handelsschluss aus dem SMI.

Besser als der SMI hielten sich die Schwergewichte Nestle und Novartis mit Kursabschlägen von 0,7 beziehungsweise 1,1 Prozent.

 

CureVac gibt Produktionspartnerschaften für Covid-19-Impfstoff auf

Das Tübinger Biotechunternehmen gibt erste Produktionspartnerschaften zur Herstellung des Vakzins auf. Die Verträge mit Wacker Chemie und dem Schweizer Auftragshersteller Celonic seien gekündigt worden, teilte CureVac am Dienstag mit. Die Verträge mit Rentschler Biopharma und Novartis blieben dagegen bestehen. CureVac führte dies auf eine geringere Nachfrage nach seinem Impfstoff zurück, der in der entscheidenden klinischen Studie nur eine Wirksamkeit von insgesamt 48 Prozent zeigte. Ob der Impfstoff je zugelassen wird, ist völlig offen. Die Daten werden gegenwärtig von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA geprüft.

Zu den Produktionspartnern von CureVac gehören neben Rentschler und Novartis nach wie vor auch noch Bayer, GlaxoSmithKline und Fareva. Daran habe sich nichts geändert, sagte eine Sprecherin. CureVac arbeitet gegenwärtig an einem verbesserten Vakzin der zweiten Generation, das im vierten Quartal in die klinische Entwicklung gebracht werden soll. Dieses entwickelt CureVac anders als das ursprüngliche nicht alleine, sondern zusammen mit GlaxoSmithKline. Durch die Verkleinerung des Partnernetzwerks erwartet das Unternehmen keine Einschränkung der Materialverfügbarkeit für seinen Impfstoff der zweiten Generation.

 

BioNTech verstärkt sich bei Krebstherapien – Zukauf in den USA

Von Kite Pharma, einer Tochter des amerikanischen Biotechkonzerns Gilead, übernimmt Biontech eine Produktionsstätte in Gaithersburg im US-Bundesstaat Maryland, wie die Gesellschaft am Montag mitteilte. Sie soll die bestehende Zelltherapie-Produktionsstätte in Idar-Oberstein ergänzen und die Entwicklung von Krebsarzneien in diesem Feld beschleunigen. Dafür kauft Biontech auch eine Forschungs-Plattform für TCR-Zelltherapien von Kite. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Biontech hatte bereits im vergangenen Jahr die US-Firma Neon Therapeutics für 67 Millionen Dollar gekauft, um seine Position bei T-Zelltherapien auszubauen. Das Mainzer Biotechunternehmen ist inzwischen vor allem für seinen Covid-19-Impfstoff bekannt, wurde aber mit dem Ziel gegründet, individualisierte Krebstherapien zu entwickeln. Die am weitesten vorangeschrittene Krebsarznei von Biontech in Zusammenarbeit mit der Roche-Tochter Genentech befindet sich in der zweiten von drei Phasen der klinischen Entwicklung.

TCR-Therapien gehören zu den Krebsimmuntherapien, die darauf abzielen, das körpereigene Abwehrsystem so zu aktivieren, dass es Krebszellen erkennen und zerstören kann. Ärzte entnehmen dem Patienten bei dieser Therapie T-Zellen des Immunsystems, verändern sie genetisch mit dem Ziel, dass sie die Krebszellen als feindlich erkennen, und verabreichen sie dem Patienten zurück. Auf diesem Gebiet forschen auch Unternehmen wie Bayer, Novartis oder Johnson & Johnson.

 

Schweizer Börse gibt nach – Anleger verkaufen Novartis und UBS

Der Leitindex SMI sank um weitere 0,7 Prozent auf 11.087 Punkte. Vor der US-Zinsentscheidung scheuten Investoren vor dem Aufbau neuer Positionen zurück. Zudem lasteten kräftige Kurseinbussen des Schwergewichts Novartis und der Grossbank UBS auf den Index.

Die Novartis-Aktien verloren 1,8 Prozent. Die Corona-Pandemie hat dem Pharmakonzern den Jahresauftakt verhagelt, Konzernumsatz und -gewinn sanken im ersten Quartal. Novartis hält zwar an der Jahresprognose fest, doch bei der Generika-Tochter Sandoz dürfen die Verkäufe dieses Jahr zurückgehen

Die UBS-Anteile ermässigten sich um 1,9 Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos Capital kostet das grösste Schweizer Geldhaus im ersten Quartal 774 Millionen Dollar – deutlich mehr als Experten erwartet hatten.

Zu den Gewinnern dagegen gehörte ABB mit einem Kursplus von 1,2 Prozent. Der Elektrotechnikkonzern bringt einen möglichen Börsengang seines Geschäfts mit Ladetechnik für Elektroautos auf den Weg.