Studie – Russland hat in Handelskrieg weit mehr zu verlieren als der Westen

(Das IfW korrigiert seine Angabe zu Estland, zweiter Satz im vierten Absatz: Es droht ein Minus von 2,0 Prozent, nicht von minus 1,1 Prozent.)

Berlin (Reuters) – Die russische Wirtschaft hat einer Studie zufolge bei einem Handelskrieg mit den USA und deren Partnern langfristig deutlich mehr zu verlieren als die Alliierten.

Die russische Wirtschaftsleistung dürfte jährlich um knapp zehn Prozent niedriger ausfallen als bei einem Fortbestand der Handelsbeziehungen, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervorgeht. “Ein Handelskrieg zwischen Russland sowie den USA und ihren Verbündeten würde Russlands Wirtschaft langfristig empfindlich treffen”, sagte IfW-Forscher Alexander Sandkamp. Die westlichen Alliierten dürften zwar kurzfristig ebenfalls zum Teil stark betroffen sein. Auf längere Sicht hätten sie aber insgesamt nur eine um jährlich 0,17 Prozent geringere Wirtschaftsleistung zu befürchten.

Der Grund für die ungleiche Verteilung der Kosten liegt vor allem in der geringen wirtschaftlichen Bedeutung Russlands: Letztere sind in Bezug auf Im- und Exporte für Russland wichtiger als umgekehrt. So war die EU im Jahr 2020 für 37,3 Prozent des russischen Außenhandels verantwortlich, umgekehrt finden aber lediglich 4,8 Prozent des Außenhandels der EU mit Russland statt. Wird dazu noch der intraeuropäischen Handel berücksichtigt, wäre der Russland-Anteil nochmals deutlich geringer.

“Sanktionen zeigen kurzfristig meist wirtschaftliche, aber keine politische Wirkung”, sagte Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr. “Halten sie lange an und sind umfassend, kann sich ihr politisches Wirkungspotenzial vergrößern.” Nach einer Anpassungsphase im Welthandel werd Russland deutlich geschwächt dastehen. “Der Schaden für die Alliierten ist dagegen überschaubar”, sagte Felbermayr.

Allerdings sind die Kosten der Simulation zufolge auch bei den Alliierten sehr ungleich verteilt. Stärker betroffen wären langfristig osteuropäische Länder wie Litauen (- 2,5 Prozent), Lettland (-2,0 Prozent) und Estland (ebenfalls -2,0 Prozent). Deutschland und Österreich müssten dagegen nur mit Verlusten von 0,4 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) rechnen, die USA sogar nur mit Verlusten von 0,04 Prozent.

Als Folge des Konflikts könnte Russland zwar seinen Handel mit Ländern wie China ausweiten und insbesondere mehr in diese Länder exportieren. 2020 gingen knapp 14,6 Prozent der russischen Exporte nach China, allerdings kamen nur knapp 2,8 Prozent der chinesischen Importe aus Russland. Insgesamt würde sich das Realeinkommen in China daher im Modell lediglich um 0,02 Prozent jährlich erhöhen. “Wirtschaftlich wäre China also nicht der große Krisengewinner”, so ein weiteres Fazit der Studie.

Deutscher Exportüberschuss sinkt fünftes Jahr in Folge

Berlin (Reuters) – Der im Ausland stark kritisierte deutsche Exportüberschuss ist 2021 bereits das fünfte Jahr in Folge gesunken.

Die Exporte übertrafen die Importe um 172,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das sind 4,2 Prozent weniger als 2020 und sogar 22,8 Prozent weniger als 2019, dem Jahr vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

Zu den wenigen Ländern, aus denen mehr Waren ein- als ausgeführt wurden, gehört Russland, das vom Westen wegen der Ukraine-Invasion gerade mit harten Sanktionen belegt wird. Wegen stark gestiegener Preise für Rohöl- und Erdgas kam ein Importüberschuss von 6,5 Milliarden Euro zustande. 2020 hatte es – wegen des niedrigen Preisniveaus im ersten Corona-Jahr – erstmals seit 1993 einen Exportüberschuss im Warenaustausch mit Russland gegeben.

Die höchsten Exportüberschüsse wies im Außenhandel mit den Vereinigten Staaten (50,0 Milliarden Euro), Frankreich (40,0 Milliarden Euro) und Großbritannien (33,3 Milliarden Euro) aus. Der frühere US-Präsident Donald Trump, aber auch die EU-Kommission und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben die enormen Überschüsse immer wieder kritisiert. Sie könnten zu Ungleichgewichten führen und daher eine Gefahr für die Weltwirtschaft darstellen. Für China wies Deutschland im vergangenen Jahr dagegen erneut einen Importüberschuss aus: Insgesamt überstieg der Wert der aus der Volksrepublik importierten Waren den Wert der dorthin exportierten Güter um 38,1 Milliarden Euro.

Besonders mit Maschinen erzielt Deutschland hohe Exportüberschüsse: 2021 summierten sie sich in dieser deutschen Vorzeigebranche auf 104,0 Milliarden Euro. Auf den Rängen zwei und drei lagen Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile mit 95,7 Milliarden Euro und chemische Erzeugnisse mit 43,0 Milliarden Euro. Importüberschüsse wies der Außenhandel bei Erdöl und Erdgas (-60,8 Milliarden Euro) und landwirtschaftlichen Erzeugnissen (-22,0 Milliarden Euro) aus.

Fitch und Moody’s senken Daumen über Russlands Kreditwürdigkeit – “Ramsch”

New York (Reuters) – Die Ratingagenturen Fitch und Moody’s haben die Kreditwürdigkeit von Russland nach den westlichen Sanktionen infolge des Ukraine-Krieges auf “Ramsch”-Niveau herabgestuft.

Fitch nahm die Bewertung um sechs Stufen von BBB auf B zurück. Eine so starke Abwertung eines einzelnen Staates habe es zuletzt 1997 bei Südkorea gegeben. Gleichzeitig werden die Aussichten “negativ” bewertet, was die Tür zu weiteren Herabstufungen öffnet. Moody’s nahm das Rating am Donnerstag ebenfalls um sechs Stufen zurück, und zwar Baa3 auf B3. Begründet wurden die Schritte damit, dass die westlichen Sanktionen die Fähigkeit des Landes zur Bedienung der Schulden in Frage stellten und die Wirtschaft schwächen erheblich würden. Zuvor hatte mit Standard & Poor’s die dritte große Ratingagentur bereits den Daumen über die Bonität des Schwellenlandes gesenkt.

Die internationalen Sanktionen stellten “einen großen Schock für Russlands Kreditgrundlagen dar und könnte seine Bereitschaft zur Bedienung der Staatsschulden untergraben”, begründete Fitch das Vorgehen. Besonders die Sanktionen der USA und der EU, die jegliche Transaktionen mit der russischen Zentralbank verbieten, hätten “eine viel größere Auswirkung” als alle früheren Strafmaßnahmen. Ein Großteil der internationalen Währungsreserven für Eingriffe am Devisenmarkt seien dadurch unbrauchbar gemacht worden. “Die Sanktionen könnten auch Russlands Bereitschaft zur Rückzahlung von Schulden beeinträchtigen”, warnte Fitch. Moody’s erklärte, dass Umfang und Schwere der Sanktionen “über die ursprünglichen Erwartungen” hinausgingen.

Die russische Regierung hat mit einer Reihe von Maßnahmen auf das westliche Vorgehen geantwortet. So hat die Zentralbank ihren Leitzins auf 20 Prozent mehr als verdoppelt, um dem Kursverfall der Landeswährung Rubel zu begrenzen. Geplant ist zudem, den Nationalen Wohlstandsfonds anzuzapfen.

UN-Vollversammlung verurteilt russischen Einmarsch in die Ukraine

New York (Reuters) – Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit den russischen Einmarsch in die Ukraine verurteilt.

Für eine entsprechende Resolution stimmten auf der seltenen Notfallsitzung 141 Mitgliedsstaaten. Es enthielten sich 35 – einschließlich China – und fünf stimmten dagegen, darunter Russland, Belarus und Syrien. In dem Text wird die russische “Aggression gegen die Ukraine” verurteilt und ein Abzug der russischen Truppen gefordert. Resolutionen der Vollversammlung sind nicht bindend, haben jedoch politisches Gewicht. Zudem können sie nicht durch ein Veto im Sicherheitsrat blockiert werden, wo Russland einen ständigen Sitz hat. Nach Angaben der UN war es die erste Notfallsitzung seit 1982.

“Dies ist ein außergewöhnlicher Moment”, hatte die US-Botschafterin bei der UN, Linda Thomas-Greenfield, in ihrer Rede erklärt. “Stimmen Sie mit Ja, wenn Sie der Meinung sind, dass die UN-Mitgliedstaaten – einschließlich Ihres Landes – ein Recht auf Souveränität und territoriale Integrität haben.” Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sprach in ihrer auf Englisch gehaltenen Rede von einer neuen Wirklichkeit, die der Konflikt markiere. Das Auswärtige Amte erklärte vor der Abstimmung, die Bundesregierung hoffe auf “ein breites Signal” der Welt an Russland.

Dessen UN-Vertreter Wassili Nebensja rief die Generalversammlung dagegen auf, den Entwurf zurückzuweisen. Die Resolution könne zu weiterer Eskalation beitragen, erklärte er und wies den Vorwurf zurück, russischen Truppen gingen gezielt gegen Zivilisten vor. Die russische Armee war am 24. Februar in das Nachbarland eingerückt. Die Regierung in Moskau spricht im Gegensatz zu anderen Staaten nicht von einem Krieg, sondern von einem militärischen Sondereinsatz.

Ukraine-Krieg zehrt an Nerven der Anleger – Inflationsangst steigt

Frankfurt (Reuters) – Der Krieg in der Ukraine schickt Europas Börsen auf eine Berg- und Talfahrt.

So schürte die Rohstoffpreis-Rally am Mittwoch Konjunktur- und Inflationsängste. Unterstützt von Kursgewinnen der Wall Street konnten Dax und EuroStoxx50 ihre anfänglichen Verluste aber wettmachen. Sie legten bis zum Abend 0,7 Prozent auf 14.000,11 Punkte beziehungsweise 1,7 Prozent auf 3831,39 Zähler zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte ebenfalls 1,7 Prozent vor.

“Wieder einmal keimt Hoffnung auf ein Ende des Krieges auf, nachdem beide Kontrahenten Bereitschaft für eine Fortsetzung der Verhandlungen signalisierten”, sagte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets. “Endet aber auch dieses Treffen, sofern es denn überhaupt stattfindet, ohne Ergebnis und gehen die Angriffe Russlands auf die Ukraine mit unverminderter Härte weiter, dürfte der Dax schon morgen wieder die Reise gen Süden antreten.”

Unterdessen griff die Furcht vor einer Energiekrise in Europa weiter um sich. Der Preis für die Ölsorte Brent aus der Nordsee stieg um bis zu 8,5 Prozent und lag mit 113,94 Dollar je Barrel (159 Liter) so hoch wie zuletzt vor mehr als siebeneinhalb Jahren. “Das Öl-Embargo gegen Russland muss gar nicht mehr beschlossen werden, da sich schon jetzt keine Raffinerie mehr traut, russisches Öl zu kaufen, während eine Bank nach der anderen keine Finanzierungen mehr für Käufe für russisches Öl ausstellt”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Die USA erwägen nach eigenen Angaben Sanktionen gegen die russische Öl- und Gasindustrie.

ERDGAS, KOHLE UND WEIZEN AUF REKORDHOCHS

Dies befeuerte die Rally bei Kohle und Erdgas. Die entsprechenden Terminkontrakte stiegen um rund 32 Prozent auf 263 Dollar je Tonne beziehungsweise gut 50 Prozent auf 185 Euro je Megawattstunde. Das ist in beiden Fällen ein Rekordhoch.

Der europäische Weizen-Future legte elf Prozent zu und war mit 390 Euro je Tonne ebenfalls so teuer wie nie. Da weder Russland noch die Ukraine Getreide aus der Schwarzmeer-Region exportieren könnten, falle etwa 30 Prozent des weltweiten Weizen-Nachschubs derzeit weg, rechnete Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch vor.

Bei Palladium liefert Russland Experten zufolge sogar etwa 40 Prozent des weltweiten Bedarfs. Das für Autokatalysatoren benötigte Edelmetall verteuerte sich um zwei Prozent auf 2634 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

WIE REAGIEREN EZB UND FED AUF DIE INFLATION?

Vor diesem Hintergrund stieg die Inflation in der Euro-Zone im Februar auf ein Rekordhoch von 5,8 Prozent und setzt die Europäische Zentralbank (EZB) rund eine Woche vor ihrer Ratssitzung unter Zugzwang. “Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass die EZB ihren heikelsten Moment vor sich hat”, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. “Werden Inflationsrisiken oder wirtschaftliche Risiken stärker gewichtet?”

Die US-Notenbank halte an ihrem Plan einer ersten Zinserhöhung im März fest, sagte Fed-Chef Jerome Powell im Rahmen einer Anhörung vor dem Kongress. Er betonte, dass sein Haus dabei flexibel auf die Entwicklungen reagieren werde. Börsianer werteten dies als Zeichen für eine behutsame Straffung der Geldpolitik.

Erneut abwärts ging es für die russische Währung. Im Gegenzug stieg der Dollar im Moskauer Handel um knapp neun Prozent auf ein Rekordhoch von 110 Rubel. Da die dortigen Aktienmärkte erneut geschlossen blieben, mussten im Ausland notierte Papiere russischer Firmen Federn lassen. So stürzten die Titel der Sberbank und des Gaskonzerns Gazprom um 80 beziehungsweise 33 Prozent ab.

Gleichzeitig ließ die Nachfrage nach westlichen Rüstungswerten nach. Die geplante Aufstockung der Wehretats von Deutschland und anderen europäischen Nato-Staaten hatte Firmen wie Rheinmetall in den vergangenen Tagen Kursgewinne von mehr als 50 Prozent beschert. Die Aktien des Anbieters von “Leopard 2”-Panzern fielen um drei Prozent auf 151,80 Euro, nachdem sie zunächst auf ein Rekordhoch von 162,95 Euro gestiegen waren. In den USA rutschten die Papiere der Rivalen Lockheed Martin und Raytheon um 3,2 Prozent ab.

Scholz – Nato wird in Krieg in der Ukraine nicht eingreifen

Jerusalem (Reuters) – Bundeskanzler Olaf Scholz hat ein militärisches Eingreifen der Nato in die russische Invasion in die Ukraine ausgeschlossen.

“Wir werden nicht militärisch eingreifen”, sagte Scholz am Mittwoch bei seinem Antrittsbesuch in Israel mit Blick auf die Nato. “Das wäre in dieser Situation falsch”, fügte er nach einem Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett hinzu. Es handele sich um eine sehr gefährlichen Situation, weil an dem Konflikt auch eine atomare Supermacht beteiligt sei. Der Westen zeige die “richtige Haltung zwischen Konsequenz und notwendiger Vorsicht”. Auch die USA hatten mehrfach betont, sie würden nicht militärisch in der Ukraine eingreifen. Bennett betonte, dass sich Israel um eine “vernünftige, angemessene” Antwort auf den Konflikt bemühe.

Beide Regierungschefs betonten, dass sie die Ukraine aber weiter unterstützen wollten. Bennett verwies darauf, dass Israel gerade drei Flugzeuge voll mit Hilfsgütern in die Ukraine geschickt habe. Israel hat den russischen Angriff zwar verurteilt, aber vermieden, sich den westlichen Sanktionen gegen Russland anzuschließen. Stattdessen bot Bennett die Vermittlung seines Landes an, die auch von der Ukraine gefordert worden war. Bennett telefonierte am Sonntag mit Russlands Präsident Wladimir Putin. Israel hat in den vergangenen Jahren sowohl viele Juden aus Russland als auch aus der Ukraine aufgenommen. Zudem pflegt die israelische Regierung Kontakte zu Russland als Schutzmacht für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Israels Luftwaffe bombardiert in Syrien regelmäßig Stellungen iranischer Milizen, die dort an der Seite der Truppen Assads gegen Rebellen kämpfen.

Scholz rief den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, sofort alle Kampfhandlungen in der Ukraine zu stoppen. Er begrüßte, dass es überhaupt wieder diplomatische Gespräche zwischen Russland und der Ukraine gebe, auch wenn eine erste Runde erfolglos geblieben sei. Alle seien sich einig, dass es nicht angehen könne, dass Personen verfolgt würden, fügte er auf eine Frage nach Attentatsdrohungen gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hinzu.

Das Wort Russland nahm Bennett in der Pressekonferenz nicht in den Mund. Die USA und die Europäer dringen darauf, dass sich möglichst viele Staaten weltweit den Sanktionen gegen Russland anschließen, um das Land nach dem Angriff auf die Ukraine zu isolieren. Israel gilt auch als Lieferant von Hightech-Produkten nach Russland. Die westlichen Staaten hatten einen Exportstopp für Hightech-Güter nach Russland verhängt.

Deutscher Arbeitsmarkt vor dem Krieg im Aufwärtstrend

Nürnberg (Reuters) – Der deutsche Arbeitsmarkt hat die Corona-Krise weitgehend abgeschüttelt und seinen Aufwärtstrend im Februar fortgesetzt.

In den “wirklich hervorragenden Daten” sei aber noch nicht abgebildet, “dass wir in Europa einen Krieg vor der Haustür haben”, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, am Mittwoch in Nürnberg. Die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland für deutsche Unternehmen seien schwer abzuschätzen. Einerseits stehe Russland für Deutschland nur auf Platz 14 der Handelspartner. Andererseits habe das Land eine Schlüsselposition bei der Versorgung mit Gas und Kohle. Mögliche Einbrüche in einzelnen Branchen seien aber beherrschbar. “Dafür ist das Kurzarbeitergeld da”, sagte Scheele.

Die Arbeitslosenzahl ging im Februar um 34.000 auf 2,428 Millionen zurück. Das waren laut BA 476.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,1 Punkte auf 5,3 Prozent. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen habe es im Februar 33.000 Erwerbslose weniger gegeben als im Januar. Auch die Kurzarbeit gehe entgegen den eigenen Erwartungen weiter zurück. Nach vorläufigen Daten habe es im Dezember noch 641.000 Kurzarbeitende gegeben, nach rund 690.000 im November. “Offenbar haben viele Betriebe und Unternehmen aufgrund der Unsicherheit am Arbeitsmarkt Kurzarbeit vorsorglich angezeigt, diese aber dann nicht in Anspruch genommen”, erklärte Arbeits-Staatssekretärin Leonie Gebers. Im Februar registrierte die BA noch 201.000 vorsorgliche Anzeigen von Kurzarbeit.

Kurzfristig dürfe der Aufschwung am Arbeitsmarkt nach Einschätzung der KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib auch durch die russische Invasion in der Ukraine nicht gestoppt werden. “Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und die gegen Russland verhängten Sanktionen dürften zwar über die Verteuerung von Öl und Gas die Unternehmen und private Haushalte in Deutschland belasten”, erklärte Köhler-Geib. “Aber es ist wenig wahrscheinlich, dass dies ausreicht, den Beschäftigungsaufschwung im Frühjahr zu verhindern.” Mittelfristig seien neue Engpässe bei Rohstoffen oder sogar eine Rationierung der Gasversorgung Risiken für den Arbeitsmarkt.

Habeck will bei Gas-Lieferstopp Kohlekraftwerke länger am Netz halten

Berlin (Reuters) – Die Bundesregierung peilt bei einem kompletten Lieferstopp von Gas einen langsameren Ausstieg aus der Kohle-Verstromung an.

“Kurzfristig kann es sein, dass wir vorsichtshalber, um vorbereitet zu sein für das Schlimmste, Kohlekraftwerke in der Reserve halten müssen, vielleicht sogar laufen lassen”, sagte Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch im Deutschlandfunk. “Da muss der Pragmatismus jede politische Festlegung schlagen. Die Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein.” Die Bundesregierung plant zudem, ähnlich wie bei Öl und Gas eine Kohlereserve anzulegen.

Die Ampel-Koalition strebt laut Koalitionsvertrag einen völligen Verzicht auf Kohle-Strom bis 2030 an. Zug um Zug gehen bereits jetzt Kohlekraftwerke über regelmäßige Auktionsverfahren vom Netz. Wer die geringste Entschädigung verlangt, kann seine Anlage abschalten. Viele Betreiber hatten daran ein Interesse, da die Kraftwerke kaum noch wirtschaftlich liefen. Allerdings prüft die Bundesnetzagentur, ob sie für die Versorgungssicherheit notwendig sind und kann so ein Abschalten verhindern. Zuletzt waren Ende 2021 Kraftwerke vom Netz gegangen. Aufgrund der Auktionsverfahren wären die nächsten im Oktober an der Reihe.

Kohlestrom hatte im vergangenen Jahr noch einen Anteil von gut 27 Prozent an der Stromerzeugung, bei Gas waren es 15 Prozent.

Experten – Händler meiden auch ohne Sanktionen russisches Öl

Washington (Reuters) – Auch ohne Sanktionen der US-Regierung meiden amerikanische Energiehändler russische Öl-Importe.

“Die Leute fassen russische Barrel nicht an”, sagte ein Händler am Hafen von New York. Was noch verschifft werde, sei vor dem russischen Vorstoß in die Ukraine gekauft worden. “Danach kommt nicht mehr viel. Niemand möchte dabei gesehen werden, wie er russische Produkte kauft und einen Krieg gegen das ukrainische Volk finanziert”, fügte er hinzu. Öl-Händler in Asien sagen der Nachrichtenagentur Reuters, sie warteten auf klarere Informationen von Banken und ihren jeweiligen Regierungen, ob sie russisches Öl kaufen dürfen. Schiffsmaklern zufolge liegt auch der russische Öltanker NS “Concord” gegenwärtig ohne Ziel vor der Golfküste der USA.

Die Präsidentin der Analystenfirma ESAI Energy, Sarah Emerson, zeigte sich wenig überrascht von der Zurückhaltung am Markt. Sie verweist auf die Unsicherheit bezüglich der Sanktionen gegen Banken sowie andere Maßnahmen, die entsprechende Geschäfte erschweren. Nach ersten ESAI-Schätzungen sind etwa zehn Prozent der russischen Ölexporte betroffen. Allerdings mache es Russlands Stellung am weltweiten Energiemarkt unwahrscheinlich, dass der Export ganz zum Erliegen kommen werde. “Die großen Akteure können aus dem Markt aussteigen, aber es gibt da draußen nicht genug Öl, dass alle aussteigen können”, sagte Emerson.

Insider – Weltbank treibt 350 Mio Dollar Kredit für Ukraine voran

Washington (Reuters) – Die Weltbank will Insidern zufolge innerhalb von Tagen eine Zustimmung zu einer Kredit-Zahlung an die Ukraine in Höhe von 350 Millionen Dollar erteilen.

Die Ausweitung eines bereits bestehenden Kredits würde der “Unterstützung des Haushalts” dienen, sagten die Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit würden dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj keine Beschränkungen für den Einsatz der Gelder auferlegt. Einem der Insider zufolge könne ein Entwurf noch Ende der Woche für eine Genehmigung vorliegen. Wie es weiter hieß, könnte die Zahlung gestoppt werden, sollte Selenskyjs Regierung gestürzt werde. Die Weltbank hätte mit der Summe im vergangenen Jahr der Ukraine Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar gewährt.