Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro für Netzgebühren

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund in einem ersten Schritt die Stromtarife mit Milliarden-Hilfen.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, bestätigte Wirtschaftsminister Robert Habeck am Mittwoch eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. “Wir sorgen jetzt dafür, dass diese Kostensteigerungen aufgefangen werden und verhindern damit eine zusätzliche Belastung für Industriebetriebe, Mittelstand und Verbraucherinnen und Verbraucher”, sagte der Grünen Politiker. Ohne die Hilfe hätten sich die Entgelte verdreifacht. Die Netzbetreiber hatten zuvor erklärt, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Habeck sagte, die knapp 13 Milliarden Euro würden zunächst vom Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) genommen. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Regierungskreise – Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund mit Milliarden-Hilfe die Stromtarife.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, sagten mit den Planungen Vertraute am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eigentlich hätten sich die Entgelte für 2023 wegen der Energiekrise auf um die zehn Cent von etwa drei Cent pro Kilowattstunde mehr als verdreifachen müssen, sagten die Insider. Die Netzbetreiber bestätigten, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben und der Bund dies stabilisiere. Zur Höhe des Zuschusses äußerten sie sich nicht.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zunächst nicht.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Unklar blieb zunächst, woher das Geld genommen wird. In Regierungskreisen war mehrfach auf das Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) verwiesen worden. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Deutschland und Spanien wollen enger zusammenarbeiten

A Coruna (Reuters) – Deutschland und Spanien wollen in der Rüstungs- und Energiepolitik enger zusammenarbeiten.

In einem für die 25. Regierungskonsultationen ausgearbeiteten Aktionsplan bekräftigen beide Regierungen zudem, dass sie auf den Bau der sogenannten MidCat-Gaspipeline von der iberischen Halbinseln nach Mitteleuropa bestehen. “Wir werden uns beide für höhere Verbindungskapazitäten von der Iberischen Halbinsel einsetzen, um deren Beitrag zur sicheren Versorgung ganz Europas zu erhöhen,” heißt es in dem Entwurf. Bis 2025 soll eine Pipeline durch die Pyrenäen gebaut werden, die dann auch Wasserstoff nach Norden transportieren soll. “Die nötigen Gespräche sollen alle Parteien und auch die EU-Kommission führen”, heißt es in Anspielung auf den bisherigen Widerstand der französischen Regierung weiter.

Kanzler Olaf Scholz traf am Mittwochnachmittag mit dem halben Kabinett in Spanien ein. Begleitet wird er unter anderem von Vizekanzler Robert Habeck, Finanzminister Christian Lindner, Außenministerin Annalena Baerbock und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht – was den Stellenwert der bilateralen Begegnung unterstreicht. In A Coruna will Scholz zunächst mit Spaniens Regierungschefs Pedro Sanchez zusammentreffen, bevor es eine gemeinsame Kabinettssitzung geben soll.

Als Themen waren zunächst die Energie- und Finanzpolitik in der EU sowie der Krieg in der Ukraine und gemeinsame Rüstungsprojekte genannt worden. Das Bekenntnis zur Rüstungskooperation und einer mit Frankreich koordinierten Rüstungsexportpolitik findet sich auch im Entwurf des Aktionsplans. Als gemeinsame Projekte werden das künftige Luftkampfsystem FCAS, der Eurofighter oder das Transportflugzeug A400M sowie weitere Projekte benannt. Eine mögliche Zusammenarbeit bei einem Luftabwehrschirm, die die spanische Seite ins Spiel gebracht hatte, wird nicht erwähnt.

Zudem wollen beide Staaten ihre Abstimmung bei der Migration, in der Politik gegenüber dem westlichen Balkan, bei der Einhaltung der Rechtsstaatsnormen in der EU, aber auch bei der Außenpolitik in Lateinamerika und Nordafrika verstärken. Künftig sollen – ähnlich wie mit Frankreich – gegenseitig Diplomaten ausgetauscht und ausgebildet werden.

Scholz hatte sich schon zuvor in einem Interview mit “El Pais” dafür ausgesprochen, dass Paris die Blockade gegen die von Spanien und Deutschland gewünschte Gaspipeline durch Frankreich aufgibt. “Die Europäische Union muss sich in puncto Energieversorgung noch stärker miteinander vernetzen”, sagte Scholz der Zeitung. “Insbesondere der Anschluss der Iberischen Halbinsel an das europäische Pipeline-Netz wäre ein ganz wichtiger Schritt für uns alle, deshalb werbe ich für den Bau von MidCat”, betonte der Kanzler. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lehnt den Bau der Pipeline bisher ab, auch weil er Konkurrenz für die französischen Atomkraftwerke und LNG-Terminals fürchtet. Portugal und Spanien verfügen ihrerseits über mehrere LNG-Terminals, über die Flüssiggas angelandet werden kann.

Scholz wehrte zudem spanische Wünsche nach einer weitgehenden Lockerung der EU-Fiskalregeln ab. “Mein Eindruck ist, dass die bisherigen Regeln sich bewährt haben, eben weil sie ein hohes Maß an Flexibilität in Krisenzeiten gezeigt haben”, sagte er. Im Sommer habe die Bundesregierung ihre Vorstellungen einer begrenzten Weiterentwicklung der europäischen Schuldenregeln vorgelegt.

(Bericht von Andreas Rinke, David Latona; redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax wieder im Minus – Anleger trauen eigener Courage nicht

Frankfurt (Reuters) – Der in den vergangenen Tagen an den Aktienmärkten bestimmende Optimismus ist am Mittwoch wieder abgeebbt.

Der Dax lag am frühen Nachmittag 1,1 Prozent im Minus bei 12.574 Punkten, nachdem er am Dienstag noch knapp vier Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx50 verlor 0,9 Prozent auf 3452 Punkte.

In den vergangenen Tagen hatten Hoffnungen der Anleger auf ein Ende der massiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed den Börsen weltweit Auftrieb gegeben. “Es macht sich zunehmend der Eindruck breit, der Markt ist vorschnell von einem Höhepunkt der Inflation ausgegangen”, sagte Stuart Cole, Ökonom bei Equiti Capital. “Solange wir keinen wesentlichen Rückgang des Verbraucherpreisindexes sehen, werden die Zentralbanken meiner Meinung nach ihre restriktive Haltung beibehalten und eine weitere Abschwächung des Wachstums in Kauf nehmen.”

ADP DATEN IM FOKUS – NEUSEELAND DÄMPFT HOFFNUNG

Deswegen klopfen Investoren alle Konjunkturdaten auf Hinweise zum weiteren Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed ab. Die im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Beschäftigungszahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP brachten allerdings kaum neue Erkenntnisse. Sie gelten als Indikator für die offiziellen Daten am Freitag.

Auch eine weitere drastische Zinserhöhung in Neuseeland dämpfte die Vorstellung, dass die Zentralbanken kurz davor stehen, das Tempo der geldpolitischen Straffung zu drosseln. Die Reserve Bank of New Zealand hob ihren Leitzins wie erwartet um halben Prozentpunkt an, diskutierte allerdings einen Schritt um 0,75 Prozentpunkte und stellte weitere Zinsschritte in Aussicht.

ÖLPREIS VERHARRT VOR OPEC+-TREFFEN

Im Blick stand auch Öl. Im Laufe des Tages beraten das Exportkartell Opec und seine Verbündeten über Förderkürzungen. Insidern zufolge sprechen sie über eine Reduzierung ihrer Förderquoten in Höhe von ein bis zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd). Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent aus der Nordsee fiel um 0,1 Prozent auf 91,97 Dollar, nachdem er am Vortag um knapp drei Dollar zugelegt hatte. Der Markt dürfte eine deutliche Förderkürzung bereits einkalkuliert haben, wie man an den jüngsten Preissteigerungen gesehen habe, sagte Tina Teng, Analystin des Brokerhauses CMC Markets. In den vergangenen drei Monaten war der Ölpreis aufgrund von Rezessionsängsten von rund 120 Dollar auf um die 90 Dollar gefallen.

Auch am Devisenmarkt schwand der Optimismus der Vortage, der als riskanter geltende Währungen gestützt hatte. Die Anleger gingen wieder auf Nummer sicher und griffen zur Weltleitwährung: Der Dollar-Index, der die US-Währung in Vergleich setzt zu einer Gruppe anderer wichtiger Devisen, legte um 0,7 Prozent zu auf 110,89 Punkte. Der Euro gab dagegen nach auf 0,992 Dollar nach.

“Es bleibt schwer, eine wesentliche Veränderung in den Aussichten der Euro-Zone zu erkennen, die eine signifikante Rückkehr des Appetits der Märkte auf den Euro rechtfertigen würde”, sagte Anlagestratege Francesco Pesole von der ING Bank.

AKTIEN BRITISCHER EINZELHÄNDLER VERPÖNT

Bei den europäischen Einzelwerten ging es durch alle Sektoren bergab. Im britischen Leitindex verloren die Aktien von Tesco 2,8 Prozent. Die Supermarktkette äußerte sich weniger zuversichtlich für ihren weiteren Geschäftsverlauf. Dies setzte auch dem Rivalen Sainsbury und dem Online-Supermarkt Ocado zu, deren Aktien um bis zu 5,5 Prozent abrutschten.

Auch in den deutschen Indizes standen nur wenige Papiere auf der Gewinnerseite. So stiegen im SDax die Aktien von Shop Apotheke um 1,1 Prozent. Der Online-Pharmahändler hatte für das dritte Quartal ein deutliches Umsatzplus gemeldet. Im MDax gewannen Carl Zeiss Meditech knapp zwei Prozent nach einer Kaufempfehlung der Berenberg Bank.

(Bericht von Myria Mildenberger und Zuzanna Szymanska. Redigiert von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

RWE erwartet bei Energie-Versorgung im kommenden Jahr härteren Winter

Düsseldorf (Reuters) – Der Winter 2023/24 könnte dem Stromkonzern RWE zufolge für die Energieversorgung deutlich herausfordernder werden als der jetzt bevorstehende Winter.

Abhängig davon, wie stark die Temperaturen sinken, wie sich die Lage der Atomkraft in Frankreich entwickelt und wie viel Windkraft erzeugt werden könne, könnten die Gas-Speicher im kommenden Frühjahr noch mit 15 bis zu über 30 Prozent gefüllt sein, sagte RWE-Chef Markus Krebber am Dienstag im Gespräch mit Analysten. Doch anders als in diesem Jahr werde es dann voraussichtlich keine Gas-Zuflüsse mehr aus Russland geben, um die Speicher wieder aufzufüllen. “Der Winter 2023/24 könnte deutlich schwerer werden”, sagte er. Im Frühjahr 2024 müssten dann ausreichend Kapazitäten für Gas und die Anlandung von Flüssiggas (LNG) vorhanden sein, um die Lücken zu füllen.

(Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Scholz verteidigt Gaspreisbremse gegen Kritik aus EU

Berlin (Reuters) – Bundeskanzler Olaf Scholz hat die geplante Dämpfung der Energiepreise in Deutschland gegen Kritik aus der EU verteidigt.

“Wie viele andere Länder werden wir das auch beim Gas tun”, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Berlin beim Besuch seines niederländischen Kollegen Mark Rutte. “Einige sind ja schon längst dabei mit großen Unterstützungen und Maßnahmen exakt das zu tun, was wir uns jetzt für dieses Jahr und die nächsten beiden Jahre vorgenommen haben.” Das sei vielleicht nicht jedem gleich aufgefallen. Zudem würden mit dem Geld auch die Gas-Importeure gestützt. An dem deutschen Programm mit bis zu 200 Milliarden Euro für Haushalte und Industrie war unter anderem aus Italien Kritik laut geworden, da es den Wettbewerb in Europa verzerren könne. Rückendeckung erhielt Scholz auch von Rutte. Deutschland habe das Recht, nationale Maßnahmen zu treffen.

Zurückhaltend äußerte sich Scholz zudem zu Überlegungen, im Kampf gegen die hohen Gaspreise ähnlich wie bei der Corona-Krise gemeinsam Schulden aufzunehmen. Die Mittel aus dem Corona-Fonds von 750 Milliarden Euro seien noch gar nicht abgeflossen, sagte Scholz.

Entscheidend sei, dass die Gaspreise jetzt gedrückt würden, deren Höhe nicht gerechtfertigt sei. Man sei daher im Austausch mit Exportländern wie Norwegen, den USA oder arabischen Ländern. Die Kooperationsbereitschaft dieser Länder oder auch anderer Lieferanten sei ziemlich groß. “Das glaube ich, ist etwas, worauf man auch setzen kann.”

(Bericht von: Markus Wacket; redigiert von Kerstin Dörr Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Schwindende Zinserhöhungsängste geben Europas Börsen Auftrieb

Frankfurt (Reuters) – Die Hoffnung auf behutsamere Zinserhöhungen der großen Notenbanken lockt Investoren an die europäischen Börsen zurück.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils etwa drei Prozent auf 12.543 beziehungsweise 3443 Punkte. Am Devisenmarkt rückte der Euro 0,5 Prozent auf 0,9870 Dollar vor. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf 1,806 Prozent.

Genährt würden die Spekulationen von einer überraschend geringen Zinserhöhung der australischen Notenbank RBA um einen Viertel Prozentpunkt, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Es sieht danach aus, als könnten sich die Aktienmärkte so langsam, aber sicher vom Feindbild Geldpolitik lösen und etwas positiver in die Zukunft schauen. Zwar ist das Thema Rezession nicht vom Tisch, aber um jeden Preis diese auszulösen und zu beschleunigen, sollte man den Notenbanken vielleicht nicht mehr unterstellen.”

Dem australischen Leitindex bescherte der RBA-Entscheid mit einem Plus von knapp vier Prozent den größten Tagesgewinn seit fast zweieinhalb Jahren. Der australische Dollar ging dagegen in die Knie und fiel um bis zu ein Prozent auf 0,6448 US-Dollar.

BRITISCHE REGIERUNG RÜCKT TEILWEISE VON PLÄNEN AB

Ein weiterer Stimmungsaufheller war die Kehrtwende der neuen britischen Regierung bei ihren Steuersenkungsplänen. Nach massivem Druck verzichtet sie auf die Abschaffung des Spitzensteuersatzes. “Auf die britische Haushaltslage insgesamt wird das aber keinen großen Einfluss haben”, warf John Briggs, Chef-Anlagestratege der Bank NatWest, ein. Allerdings werteten Investoren die Entscheidung als Hinweis, dass die Regierung ihre Pläne zumindest teilweise ändern werde.

Die ursprünglichen Pläne des Finanzministers Kwasi Kwarteng für ein Entlastungspaket und Steuersenkungen hatten die Börsen vergangene Woche in Turbulenzen gestürzt. Weil Investoren an der Finanzierbarkeit der Vorhaben zweifelten, gerieten britische Anleihen ins Trudeln und das Pfund Sterling fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar. Erst eine Geldspritze der Bank von England (BoE) beruhigte die Lage. Am Dienstag kostete die britische Währung 1,1352 Dollar.

RTL BLÄST M6-VERKAUF AB – RHEINMETALL UNTER DRUCK

Bei den deutschen Unternehmen rückte RTL ins Rampenlicht. Der TV-Konzern bläst nach der gescheiterten Fusion seiner Beteiligung M6 mit TF1 den geplanten Verkauf des französischen Senders ab. Eine Konsolidierung des TV-Marktes sei aber nach wie vor notwendig, um gegen die Konkurrenz von Streamingdiensten bestehen zu können, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies. M6-Aktien fielen um bis zu zehn Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 11,22 Euro, während RTL-Papiere 0,6 Prozent zulegten.

Die Papiere von Rheinmetall rutschten wegen eines möglichen Dämpfers für das Geschäft im laufenden Jahr um gut sechs Prozent ab. Börsianer verweisen auf Berichte, denen zufolge sich die Entscheidung für einen Großauftrag des australischen Militärs bis 2023 verzögern könnte.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Teure Energie treibt Erzeugerpreise im Euroraum – Rekordanstieg von 43,3 Prozent

Berlin/Brüssel (Reuters) – Die Preise der Hersteller in der Euro-Zone ziehen im Rekordtempo an und signalisieren eine weiter steigende Inflationsgefahr.

Die Produzentenpreise in der Industrie erhöhten sich im August um 43,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 43,1 Prozent gerechnet. Im Juli lag das Plus bei 38,0 Prozent.

Allein im Energiebereich gab es im August eine enorme Verteuerung im Vergleich zum Vorjahresmonat von 116,8 Prozent. Klammert man diesen Bereich aus, zogen die Erzeugerpreise in der Industrie um 14,5 Prozent an. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – also bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben.

Der Energiepreis-Schub infolge des Ukraine-Kriegs treibt die Inflation im Euro-Raum auf immer neue Rekordstände – zuletzt auf 10,0 Prozent. Die Teuerungsrate ist damit mittlerweile fünf Mal so hoch wie das Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. EZB-Chefin Christine Lagarde hat daher weitere Zinserhöhungen im Kampf gegen die ausufernde Inflation signalisiert. Der geldpolitische Schlüsselsatz liegt derzeit bei 1,25 Prozent.

(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Rene Wagner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Deutschland unterstützt EU-Vorschläge für Strompreisbremse

Brüssel (Reuters) – Die Bundesregierung hat sich hinter die Vorschläge der EU-Kommission für eine Abschöpfung hoher Gewinne der Stromproduzenten gestellt.

“Das Modell, das die Kommission vorschlägt, ist eins, dem wir zustimmen können”, sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck zum Auftakt des Energie-Ministertreffens am Freitag in Brüssel. Dieses Konzept habe Deutschland stark mitgeprägt, man bereite sich auf eine schnelle Umsetzung vor. Noch nicht zufrieden sei er mit den Instrumenten zum Ausbau Erneuerbarer Energien in Europa. Dies müsse an anderer Stelle geregelt werden.

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, den Abnahmepreis für Strom aus Erneuerbarer Energie, Atomkraft oder auch fossilen Energien mit der Ausnahme von Gas bei 180 Euro pro Megawattstunde zu deckeln. Die Differenz zu den höheren Verkaufspreisen an der Börse soll abgeschöpft werde. Beim Ausmaß sollen aber die einzelnen Staaten wiederum Spielraum haben, worauf Deutschland gedrängt hatte. So könnten je nach Erzeugungsart letztlich unterschiedliche Summen beim Produzenten bleiben.

Strittiger dürfte die Frage der Deckelung von Gaspreisen in der EU sein. Habeck setzte sich für einen gemeinsamen Einkauf der EU ein, um die Marktmacht zu nutzen. Zudem dürften befreundete Lieferländer wie Algerien die Lage der EU nicht mit hohen Preisen ausnutzen. “Partnerschaft heißt nicht, dass man den anderen ausbeutet”, sagte er.

(Bericht von Markus Wacket; redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Europas Börsen auf Erholungskurs – Adidas und Puma tiefer

Frankfurt (Reuters) – Versöhnlicher Abschluss für den schwärzesten September seit der Finanzkrise von 2008: Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils etwa 1,3 Prozent auf 12.125 beziehungsweise 3317 Punkte.

Das Minus seit Monatsbeginn summierte sich allerdings auf knapp sechs Prozent. Echtes Kaufinteresse sei nicht zu beobachten, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. Vielmehr lösten einige Investoren ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auf.

Auch Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets warnte vor möglichen erneuten Rücksetzern. “Zu schwer wiegen die Sorgen über eine davongaloppierende Inflation, auf die die Notenbanken noch lange mit Zinserhöhungen reagieren dürften. Zudem verändert sich die geopolitische Lage mit der russischen Annexion der vier besetzten Gebiete und den Sabotage-Akten an den Gaspipelines[nL8N310517 nicht wirklich zum Positiven.”

ERNEUTER ANSTIEG DER EUROPÄISCHEN INFLATIONSRATE ERWARTET

In diesem Zusammenhang warteten Investoren gespannt auf die europäischen Preisdaten. Experten prognostizierten einen Anstieg der Teuerungsrate auf 9,7 Prozent im Jahresvergleich. Die deutsche Inflation hatte erstmals seit rund 70 Jahren die Marke von zehn Prozent erreicht. “Die notwendigen geldpolitischen Konsequenzen dürften die Börse noch eine ganze Weile beschäftigen”, sagte RobMarkets-Experte Molnar.

Unterdessen verhalfen Spekulationen um eine Drosselung der Erdöl-Förderung durch die Staaten der großen Exportländer der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 89,54 Dollar je Barrel (159 Liter). “Im August blieb die Produktion der Opec+ aber bereits schätzungsweise 3,37 Millionen Barrel pro Tag hinter den Zielen zurück”, gaben die Experten der Bank ING zu bedenken. Daher werde die reale Fördermenge weniger stark zurückgehen als offiziell angekündigt. Einige Opec+-Staaten haben wegen maroder Förderanlagen Probleme, ihre Quoten zu erfüllen.

Gefragt waren auch Industriemetalle. Die überraschende Rückkehr des Barometers für die Stimmung der chinesischen Industrie über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten schüre Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage des Top-Abnehmers. Kupfer verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 7582 Dollar je Tonne.

Am Erdgas-Markt entspannte sich die Lage dank kontinuierlicher Lieferungen von Flüssiggas als Ersatz für Importe aus Russland weiter. Der europäische Future gab 4,2 Prozent auf 176,50 Euro je Megawattstunde nach.

ADIDAS UND PUMA STRAUCHELN WEGEN NIKE-ZAHLEN

Am Aktienmarkt gerieten Adidas und Puma unter Verkaufsdruck. Ihre Papiere fielen um vier beziehungsweise 5,4 Prozent, nachdem der US-Rivale einen Gewinneinbruch gemeldet und vor weiterem Margendruck gewarnt hatte. Die verstärkten Rabatt-Aktionen seien ein schlechtes Omen für die europäischen Sportartikel-Hersteller, kommentierte Analyst James Grzinic von der Investmentbank Jefferies. Sie würden voraussichtlich nachziehen müssen. Dies überschatte die bislang robuste Nachfrage diesseits des Atlantik. Nike-Titel brachen im vorbörslichen US-Geschäft um gut neun Prozent ein.

Unterdessen hielten sich die Papiere der Porsche AG über ihrem Ausgabepreis von 82,50 Euro. Am zweiten Tag nach dem Börsengang legten sie 0,7 Prozent auf 83,08 Euro zu. Großaktionär Volkswagen rückte nach dem Ausverkauf vom Donnerstag 0,8 Prozent vor.

(Bericht von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)