IG Metall – Tarifpolitik kann hohe Inflation nicht ausgleichen

Frankfurt (Reuters) – Die IG Metall Baden-Württemberg hat Erwartungen auf starke Lohnerhöhungen angesichts aktuell hoher Inflationsraten gedämpft.

“Exorbitante Inflationsraten sind nicht durch Tarifpolitik auszugleichen”, sagte Roman Zitzelsberger, Leiter des wichtigen Tarifbezirks der Gewerkschaft, am Montag zur bevorstehenden Forderungsdiskussion der Mitglieder. Die Politik müsse als Mitverursacher den Teuerungsraten von derzeit über sieben Prozent entgegensteuern. Gleichwohl liege die Priorität der Mitglieder nach Befragungen bei einer deutlichen, dauerhaft wirksamen Erhöhung der Monatsentgelte, nachdem es in den vergangenen vier Jahren nur Einmalzahlungen gegeben habe.

Die Stahlindustrie, in der die Gewerkschaft mit einer Forderung von 8,2 Prozent Lohnerhöhung in die Verhandlungen zog, sieht Zitzelsberger nicht als Vorbild.[L5N2X23R3] Es komme auf die spezifische Situation in jeder Branche an. Für die Metall- und Elektroindustrie gelte ein anderes Niveau, signalisierte der Bezirkschef eine niedrigere Prozentzahl. Die Gewerkschaft werde ihrer Formel treu bleiben, die auf der Zwei-Prozent-Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank als einem Element beruht. Produktivitätszuwachs und eine aus Sicht der Gewerkschaft gerechtfertigte Umverteilung von Unternehmensgewinnen sind die anderen beiden Faktoren.

Die Lage der wichtigsten deutschen Industrie ist nach Einschätzung der Gewerkschaft gemischt. Einerseits verdienen viele Firmen gut und haben dicke Auftragsbücher. Andererseits sind Lieferkettenstörungen durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg Risikofaktoren. Ein Stopp der Gaslieferungen aus Russland wäre ein Schock, auf den sich die Tarifparteien mit schnelleren Vereinbarungen zu Kurzarbeit einstellen wollen. Dass die im September beginnenden Tarifverhandlungen deshalb verschoben würden, hält Zitzelsberger aber für unwahrscheinlich.

In allen IG-Metall-Bezirken laufen in den kommenden Wochen die Diskussionen über die Tarifforderung, die am 30. Juni beschlossen werden soll. Der neue Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Joachim Schulz, erklärte jüngst, die Erwartungen der Tarifparteien lägen weiter auseinander als üblich. Er rechne mit einer enorm schwierigen Tarifrunde. Die Unternehmen seien durch steigende Kosten schwer belastet. “Deshalb darf es in der anstehenden Tarifrunde eigentliche keine zusätzlichen Belastungen durch steigende Personalkosten geben.” Andererseits müssten die Arbeitgeber anerkennen, dass auch die Beschäftigten aufgrund der hohen Inflation belastet seien.

(Bericht von Ilona Wissenbach, redigiert von Ralf Bode,. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

Finnisches Konsortium kappt auch wegen Ukraine-Krieg AKW-Projekt mit Russland

Helsinki (Reuters) – In Finnland hat ein Firmenkonsortium ein Projekt zum Bau eines Atomkraftwerks mit Russland gestoppt.

Das Unternehmensgruppe Fennovoima erklärte am Montag, den Vertrag mit dem russischen Staatskonzern Rosatom für die Erstellung der Anlage in Zentral-Finnland aufgekündigt zu haben. Als Grund nannte Fennovoima Verzögerungen und wachsende Risiken durch den Krieg in der Ukraine. Seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine hatte der finnische Wirtschaftsminister Mika Lintilä eine endgültige Genehmigung des AKW-Projekts wiederholt ausgeschlossen. Lintilä begrüßte die Entscheidung des Konsortiums. Das traditionell neutrale Finnland erwägt seit Kurzem angesichts des Vorgehens Russlands in der Ukraine eine Mitgliedschaft in der Nato.

An dem Konsortium hält die Uniper-Mutter Fortum zusammen mit dem finnischen Stahlkocher Outokumpu und dem schwedischen Unternehmen SSAB zwei Drittel der Anteile, der russische Rosatom-Konzern über die Firma RAOS Voima den Rest. Was mit dieser Beteiligung nun geschieht, sei derzeit noch unklar, sagte Fennovoima-Verwaltungsratschef Esa Härmälä. Auch sei es noch zu früh für Überlegungen, ob sich das Konsortium einen anderen Partner zum Bau der Anlage suchen könnte. Die Unternehmensgruppe habe bisher 600 bis 700 Millionen Euro für das Projekt ausgegeben. Die Gesamtkosten für die Anlage waren mit 7,5 Milliarden Euro beziffert worden. Zu Abschreibungen, die auf Fennovoima-Eigner zukommen könnten, wollte sich Härmälä nicht äußern.

Das AKW soll auf der finnischen Halbinsel Hanhikivi gebaut werden. Die Frist für die endgültige Baugenehmigung lief bis Ende 2022. Wirtschaftsminister Lintilä erklärte am Montag, die Entscheidung von Fennovoima sei eindeutig. “Es wäre praktisch unmöglich gewesen, das Projekt fortzusetzen.” Der Krieg in der Ukraine habe die Risiken für das Projekt verschärft. “RAOS konnte keines dieser Risiken abmildern.” Einzelheiten wurden nicht genannt.

Finnland trennt eine 1300 Kilometer lange Grenze von Russland, das den Krieg in seinem anderen Nachbarland als “Spezialoperation” bezeichnet.

Das Konsortiumsmitglied Fortum ist die Muttergesellschaft des deutschen Energiekonzerns Uniper, der seinerseits größter ausländischer Kunde des russischen Gaskonzerns Gazprom ist. Uniper hat im ersten Quartal einen Milliardenverlust eingefahren, der auf Abschreibungen im Zusammenhang mit der vorerst gescheiterten Gaspipeline Nord Stream 2 und der russischen Tochter Unipro zurückgeführt wurde.

Bei Rosatom war am Montag zunächst keine Stellungnahme zu der Entwicklung zu bekommen, die finnische Tochter RAOS wollte sich nicht äußern.

Großbank SocGen zieht sich mit Verkauf aus Russland zurück

Paris (Reuters) – Die französische Großbank Societe Generale (SocGen) verkauft ihre russische Tochter Rosbank und deren Versicherungsgeschäft an den russischen Oligarchen Wladimir Potanin.

Mit der Vereinbarung ziehe sich die Bank geordnet aus Russland zurück und gewährleiste gleichzeitig Kontinuität für ihre Mitarbeiter und Kunden, teilte das französische Institut am Montag mit. Der Milliardär Potanin ist der größter Anteilseigner des Nickelkonzerns Norilsk Nickel. In Kanada ist der 61-jährige mit Sanktionen belegt worden, in Europa und in den USA steht er dagegen nicht auf den Sanktionslisten. Potanin erwirbt die Rosbank über seine Holding Interros Capital.

Für die Franzosen ist der Rückzug ein Verlustgeschäft: SocGen muss dadurch insgesamt Belastungen von drei Milliarden Euro verdauen. Finanzielle Details des Deals wurden nicht genannt. SocGen teilte aber mit, Interros habe zugestimmt, nachrangige Verbindlichkeiten der Rosbank zurückzuzahlen. Die harte Kernkapitalquote werde im Zuge der Transaktion um rund 0,2 Prozentpunkte sinken. SocGen wolle aber an Aktienrückkauf- und Dividendenplänen festhalten.

Anleger zeigten sich über das Ende der Unsicherheit erfreut. Die SocGen-Aktie legte in Paris bis zum Nachmittag um mehr als sechs Prozent zu. “Russland trägt nur zwei Prozent zum Gewinn bei, doch der Aktienkurs der SocGen ist heute um sieben Prozent gestiegen, obwohl sie das Geschäft im Wesentlichen verschenkt”, kommentierte Johann Scholtz, Analyst bei Morningstar, den Deal. Dies zeige, welche Kursabschläge am Markt für potenzielle russische Risiken vorgenommen würden. Der Deal muss allerdings noch von den Behörden genehmigt werden.

OLIGARCH POTANIN IST ZWEITREICHSTER MANN RUSSLANDS

Die französische Großbank war 2006 bei der Rosbank eingestiegen und hatte ihre eigenen Russland-Aktivitäten 2010 mit dem Institut fusioniert. Für den anfänglichen Anteil von zehn Prozent an der Rosbank hatte SocGen damals 317 Millionen Dollar gezahlt. Zahlreiche westliche Firmen haben sich nach der russischen Invasion der Ukraine und den daraufhin verhängten Sanktionen inzwischen aus Russland zurückgezogen oder haben dies angekündigt.

Potanin ist laut dem Magazin Forbes der zweitreichster Russe mit einem Vermögen von rund 27 Milliarden US-Dollar. Sein Aufstieg begann im Außenhandelsministerium der früheren Sowjetunion. Er arbeitete zeitweise als Bankier, bevor er 1990 die Gesellschaft Interros gründete, die als Dachgesellschaft für seine zahlreichen Aktivitäten fungiert, die von der Metallproduktion bis hin zu einem Ski-Resort reichen.

Stahlkonzern Salzgitter warnt vor Risiken durch Ukraine-Krieg

Hamburg (Reuters) – Der niedersächsische Stahlkonzern Salzgitter warnt angesichts des Kriegs in der Ukraine vor Folgen für die Geschäftsentwicklung.

Der Angriff Russlands auf das Nachbarland und seine Folgen könnten dazu führen, dass die wirtschaftliche Erholung abrupt abgebremst werde. Das könne Auswirkungen auch auf Konzerngesellschaften haben, teilte der Thyssenkrupp-Rivale am Montag mit. Damit gehe die Gefahr eines weiteren Anstiegs der bereits sehr hohen Energiekosten einher. “Somit bestehen aktuell kaum quantifizierbare Prognoserisiken,” erklärte der Vorstand. Mit seinem Großkunden Volkswagen vereinbarte Salzgitter ab Ende 2025 die Lieferung von CO2-armem Stahl für das neue Elektroauto “Trinity”, das ab 2026 in Wolfsburg vom Band laufen soll.

Salzgitter-Chef Gunnar Groebler bekräftigte trotz der Kriegswirren den erst vor wenigen Wochen gemachten Geschäftsausblick. “Wir stehen zu dieser Prognose, natürlich im Lichte der aktuellen Entwicklung”, sagte er bei der Bilanzpräsentation. “Ein Stück weit fahren wir hier auf Sicht”, sagte Finanzchef Burkhard Becker. Anders als Thyssenkrupp bereitet Salzgitter keine Kurzarbeit vor.

Der Konzern hatte Anfang Februar und damit vor dem Einmarsch Russlands in der Ukraine für dieses Jahr einen Vorsteuergewinn von 600 bis 750 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Umsatz soll 2022 auf knapp elf Milliarden Euro steigen nach 9,8 Milliarden im Vorjahr. Schon damals hatte Salzgitter erklärt, die hohen Energiekosten belasteten die Bilanz.

Salzgitter hatte im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von 706 Millionen Euro erwirtschaftet nach einem Verlust im Jahr davor von 196 Millionen Euro. An die Aktionäre sollen 75 Cent je Anteilschein fließen, die höchste Dividende seit 2008.

Die Partnerschaft mit VW sieht vor, dass Salzgitter CO2-armen Stahl am Stammsitz in Niedersachsen herstellt und damit die kurzen Wegen nach Wolfsburg nutzt. Geplant ist ein geschlossener Wertstoffkreislauf, bei dem VW die bei der Produktion anfallenden Stahlreste Salzgitter zur Verfügung stellt, der diese einschmilzt, zu neuen Stahlprodukten verarbeitet und für die Autofertigung nach Wolfsburg liefert. Die Abnahmemengen für den CO2-armen Stahl im Zeitraum 2025 bis 2030 wollen die Partner Ende 2022 vereinbaren.

Elon Musk – Tesla unter Inflationsdruck

Bengaluru (Reuters) – Tesla-Chef Elon Musk, sagt der US-Elektroautobauer und sein Weltraumunternehmen SpaceX seien einem erheblichen Inflationsdruck bei Rohstoffen und Logistik ausgesetzt.Musk fragte in einem Tweet nach den Inflationsaussichten und zitierte einen Artikel, in dem es hieß, der Ukraine-Russland-Konflikt habe die Rohstoffpreise auf den höchsten Stand seit 2008 getrieben.

Die Aktien von Tesla, die am Freitag 5 % niedriger bei 795,35 $ schlossen, haben seit Jahresbeginn etwa 25 % verloren. Tesla hat in der vergangenen Woche die Preise für die amerikanischen Allradmodelle Model Y und die Limousine Model 3 Long Range um jeweils 1.000 US-Dollar, sowie für einige in China hergestellte Fahrzeuge der Modelle Model 3 und Model Y um 10.000 Yuan (1.582,40 US-Dollar) erhöht.

Tesla und SpaceX haben am späten Sonntagabend nicht sofort auf Anfragen von Reuters reagiert.

“Bomben schlagen in Häusern ein” – Keine Pause im Ukraine-Krieg

Kiew/Lwiw/Berlin (Reuters) – Zwei Wochen nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine hat ein erstes Treffen der Außenminister beider Länder keine greifbaren Fortschritte gebracht.

Bei den Beratungen am Donnerstag in der Türkei gelang keinerlei Vereinbarung für eine Waffenruhe oder die Einrichtung eines sicheren Korridors, um Bewohner aus der umkämpften Hafenstadt Mariupol zu evakuieren. Ein Hilfskonvoi für Mariupol musste nach ukrainischen Angaben wegen anhaltenden Beschusses wieder umkehren. “Bomben schlagen in Häusern ein”, schrieb der Stadtrat der 400.000-Einwohner-Stadt in den sozialen Medien. Etwa 2,3 Millionen Menschen sind seit Kriegsbeginn aus der Ukraine geflohen. In Deutschland warnten Großhändler und Logistiker vor Engpässen als Folge des Krieges. Explodierende Energiepreise machen Verbrauchern und der Wirtschaft zu schaffen. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich brachte “kurzfristige Entlastungen” ins Gespräch.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu wertete es als Erfolg, dass erstmals seit Kriegsbeginn Regierungsmitglieder Russlands und der Ukraine zu einem Gespräch zusammenkamen. Das wichtigste Ergebnis des von ihm vermittelten Treffens zwischen dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba und dessen russischen Kollegen Sergej Lawrow sei es, dass ein Kontakt hergestellt worden sei. Kuleba sagte, er habe eine Waffenruhe und die Einrichtung humanitärer Korridore vorgeschlagen. Lawrow sei darauf nicht eingegangen. Eine Waffenruhe sei nie auf der Tagesordnung des Treffens gewesen, sagte Lawrow. Er unterstrich russische Forderungen nach einer Entwaffnung der Ukraine und einem Neutralitätsstatus für das Land. Beide Seiten zeigten sich bereit, die Gespräche fortzusetzen.

Bundeskanzler Olaf Scholz und der französische Präsident Emmanuel Macron sprachen telefonisch mit Russlands Staatschef Wladimir Putin über die Lage. Demnach drangen Scholz und Macron auf eine sofortige Waffenruhe. Die drei Politiker hätten beschlossen, in den nächsten Tagen in engem Kontakt miteinander zu bleiben, hieß es in Regierungskreisen in Berlin.

SELENYKYJ: DREI TOTE BEI ANGRIFF AUF GEBURTSKLINIK

Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge wurden bei einem Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol am Mittwoch drei Menschen getötet. Darunter sei ein Kind, sagte Selenskyj in einer TV-Ansprache. Die Behauptung Russlands, dass sich in der Klinik keine Menschen befunden hätten, sei nicht wahr. Das russische Präsidialamt kündigte eine Untersuchung durch das russische Militär an, nachdem es etliche Videoberichte über verletzte Frauen und Zerstörungen in der Klinik gegeben hatte. In der Hafenstadt sitzen etwa 400.000 Menschen seit über einer Woche fest, abgeschnitten von Lebensmitteln, Wasser oder Strom. Hilfsorganisationen forderten dringende Hilfe.

Russland räumte ein, dass die westlichen Sanktionen seiner Wirtschaft schwer zusetzten. “Unsere Wirtschaft hat einen Schock erlitten, und das hat negative Konsequenzen, die wir minimieren werden”, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Er sprach von einem Wirtschaftskrieg gegen Russland. Später gab Russland ein Ausfuhrverbot für bestimmte Güter bekannt. Dazu gehörten Technologie, Telekommunikation, Medizin, Fahrzeuge, landwirtschaftliche und elektrische Ausrüstung. Erwogen wird zudem laut einem Medienbericht, Getreideausfuhren an einige ehemalige Staaten der Sowjetunion auszusetzen.

IOM: BEREITS 2,3 MILLIONEN MENSCHEN AUS UKRAINE GEFLOHEN

Nach Angaben der UN-Migrationsbehörde IOM sind seit Beginn des Krieges 2,3 Millionen Menschen aus der Ukraine ins Ausland geflohen. Ukrainische Stellen meldeten fortgesetzten russischen Beschuss von mehreren ukrainischen Städten. Bisherige Gespräche zwischen Russland und der Ukraine konzentrierten sich vor allem auf Fluchtkorridore für die Bevölkerung der bombardierten Städte. Die meisten kamen allerdings am Ende nicht zustande.

Die russische Invasion ist der größte Angriff auf einen europäischen Staat seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Ukraine und der Westen sprechen von einem Angriffskrieg Russlands auf Befehl von Putin. Russland bezeichnet sein Vorgehen dagegen als “Sondereinsatz”, der nicht darauf abziele, ein Territorium zu besetzen, sondern die militärischen Kapazitäten des Nachbarn zu zerstören und als gefährlich eingestufte Nationalisten in der Ukraine zu fassen. China als enger Verbündeter Russlands hat die Invasion bisher nicht kritisiert. Allerdings meldeten russische Behörden am Donnerstag, dass China sich weigere, russische Fluggesellschaften mit Ersatzteilen für Flugzeuge zu versorgen.

EU UND USA DEBATTIEREN SANKTIONEN UND HILFEN

Auf einem informellen EU-Gipfel in Versailles diskutierten die 27 EU-Staats- und Regierungschefs ab dem Nachmittag über neue Russland-Sanktionen, Hilfen für die Ukraine und mögliche wirtschaftliche Hilfen wegen einer drohenden Rezession. Das US-Repräsentantenhaus billigte am Mittwochabend ein Hilfspaket über 13,6 Milliarden Dollar für die Ukraine. Unterdessen kündigten weitere westliche Firmen wie Sony und Nintendo ihren Rückzug vom russischen Markt an. Die US-Investmentbank Goldman Sachs will als erstes Wall-Street-Institut sein Geschäft in Russland abwickeln.

Bundesfinanzminister Christian Lindner nannte die Auswirkungen des Krieges auf deutsche Exporte und die Stabilität der Finanzmärkte beherrschbar. Allerdings könnten Lieferketten unterbrochen werden und hohe Energiekosten die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen einschränken. SPD-Fraktionchef Mützenich forderte, die Koalition seiner Partei mit Grünen und FDP müsse über “kurzfristige Entlastungen” für Verbraucher angesichts steigender Preise beraten. Russlands Präsident Putin erklärte am Nachmittag, sein Land halte sich an alle Lieferverpflichtungen im Energiebereich.

(Bericht mit Zulieferungen aus mehreren Reuters-Büros, geschrieben von Holger Hansen und Andreas Rinke; redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Sony und Honda arbeiten bei Elektroautos zusammen

Tokio (Reuters) – Die japanischen Konzerne Sony und Honda arbeiten bei Elektroautos zusammen.

Der Elektronikhersteller und der Autobauer kündigten am Freitag an, noch in diesem Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, das Elektroautos entwickeln und verkaufen soll. Das erste Modell solle im Jahr 2025 auf den Markt kommen. Honda sei für die Produktion zuständig, Sony werde die Mobilitätsplattform entwickeln. “Mit dem Gemeinschaftsunternehmen wollen wir die Evolution in der Mobilität anführen, indem wir unsere Technologie und Erfahrung mit der langjährigen Erfahrung von Honda bei der Entwicklung und dem Bau von Autos verbinden”, sagte Sony-Chef Kenichiro Yoshida.

Honda-Chef Toshihiro Mibe schloss einen Börsengang des Gemeinschaftsunternehmens nicht aus, auch wenn das derzeit nicht auf der Tagesordnung stehe. Zugleich zeigte er sich offen für weitere Partner. Honda werde weiterhin seine eigene Elektroautostrategie verfolgen, betonte er. Mit dem Schritt treibt Sony seine Ambitionen als wichtiger Spieler im Automarkt voran, während Autohersteller wie Honda unter Druck stehen, emissionsfreie Fahrzeuge zu entwickeln.

Glencore steigt nach Jahrzehnten bei russischer Russneft aus

Moskau/London (Reuters) – Der Schweizer Rohstoffhändler Glencore steigt nach rund zwei Jahrzehnten beim russischen Ölunternehmen Russneft ausen.

Der Verkauf, den die neue Vorstandsriege seit längerem plante, wurde im Dezember umgesetzt und soll vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen in der ersten Hälfte des Jahres 2022 unter Dach und Fach kommen, wie Glencore am Dienstag mitteilte. Der Vorstand machte keine Angaben zum Grund der Veräußerung und nannte auch nicht den Käufer oder den Wert der Transaktion.

Russneft, das rund 130.000 Barrel pro Tag produziert, geriet zuletzt in schweres Fahrwassser, nachdem sein ehemaliger Besitzer, der Oligarch Michail Gutserijev, vergangenes Jahr von der Europäischen Union wegen enger Verbindungen zum belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko mit Sanktionen belegt wurde. Dies erschwerte Russnefts Ölexporte, da Glencore mehrere Monate lang auf Käufe verzichtete. “Glencore wählt den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus Russneft, da die Ölpreise gut sind, während der Vermögenswert ziemlich riskant ist”, sagte ein Insider.

Der seit Mitte 2021 amtierende Glencore-Chef Gary Nagle und Öl-Chef Alex Sanna führen das Engagement in Russland insgesamt schrittweise zurück, während die Vorgänger Ivan Glasenberg und Alex Beard noch engere Beziehungen zu Moskau pflegten. Der seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 schwelende Konflikt zwischen dem Kreml und dem Westen hat sich in den vergangenen Monaten zugespitzt.

Derweil halfen dem Handelsriesen Glencore 2021 die steigenden Rohstoffpreise auf die Sprünge: Das bereinigte operative Ergebnis schnellte nach ersten Berechnungen um 84 Prozent in die Höhe auf 21,3 Milliarden Dollar.

Stahlkonzern Salzgitter fährt 2021 Gewinn ein – Aktie gefragt

Düsseldorf (Reuters) – Der niedersächsische Stahlkonzern Salzgitter hat im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder einen Gewinn erzielt.

Der nach Thyssenkrupp zweitgrößte deutsche Stahlkocher teilte am Donnerstag mit, 2021 einen Vorsteuergewinn von 707 Millionen Euro erwirtschaftet zu haben. Im Jahr davor stand noch ein Verlust von 196 Millionen Euro in den Büchern. Salzgitter habe vor allem von höheren Ergebnissen der Sparten Flachstahl und Handel profitiert. Die Beteiligung an der Kupferhütte Aurubis brachte mit 217 Millionen Euro mehr als doppelt soviel ein wie zuvor. An der Börse schoss die Salzgitter-Aktie um mehr als acht Prozent in die Höhe.

Für 2022 stellte der Vorstand einen Vorsteuergewinn von 600 bis 750 Millionen Euro in Aussicht. Der Umsatz soll 2022 auf knapp elf Milliarden Euro steigen nach 9,8 Milliarden 2021. Belastend wirkten sich die hohen Energiekosten aus, erklärte das Unternehmen. Den kompletten Bericht zum Geschäftsjahr 2021 will Salzgitter am 21. März vorlegen.

Voestalpine nach Gewinnsprung zuversichtlicher für 2021/22

Frankfurt (Reuters) – Der österreichische Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine zeigt sich nach einem Gewinnsprung in den ersten neun Monaten bei den Zielen für das Geschäftsjahr 2021/22 optimistischer als bisher.

Von Januar bis Ende Dezember sei das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt worden, teilte der Thyssenkrupp-Rivale am Mittwoch mit. Die Entwicklung sei auf eine robuste Nachfrage zurückzuführen, obwohl die Herausforderungen durch Corona, Versorgungsengpässe und hohe Energiekosten anhielten. Für das Gesamtjahr hält das Linzer Unternehmen nun eine Verdopplung des Ebitda auf 2,2 Milliarden Euro für möglich.

Bisher hatte Voestalpine eine Bandbreite von 1,9 bis 2,2 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Im Vorjahr war ein Ebitda von 1,1 Milliarden erzielt worden. Das Schlussquartal 2021/22 sollte noch einmal eine deutliche Ergebnissteigerung gegenüber den bereits sehr guten Vorquartalen bringen, erklärte das Unternehmen am Mittwoch weiter. “Insbesondere die Lieferkettenprobleme in der Automobilindustrie scheinen im Herbst die Talsohle durchschritten zu haben.” Die Folgen des Halbleitermangels in der Autoindustrie hatten Voestalpine zuletzt noch zu schaffen gemacht. Die Branche ist für Voestalpine wichtig, da der Konzern die deutschen Premium-Autobauer mit hochfesten Karosserieteilen und Blechen beliefert.

Weiterhin erfreuliche Trends gebe es im Luftfahrt- und Energiesegment. Der Eisenbahnbereich entwickele sich solide. Voestalpine ist Weltmarktführer in der Produktion von Komplettweichensystemen. Der Konzern hatte mit schwankenden Rohstoffkosten und dem sprunghaften Anstieg der Energiepreise gegen Ende des dritten Quartals zu kämpfen.

Konzernchef Herbert Eibensteiner sprach von höchst erfreulichen Zahlen. “Dass wir in einem nach wie vor instabilen Wirtschaftsumfeld sogar die Ergebnisse vor Ausbruch der Pandemie deutlich übertreffen konnten, bestätigt eindrucksvoll die strategische Ausrichtung und die Leistungsfähigkeit unseres Konzerns.”

In den ersten neun Monaten erhöhte sich der Umsatz um 36,7 Prozent auf 10,9 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) drehte auf 947 Millionen Euro nach einem Verlust von 134 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Vorsteuergewinn erreichte fast 893 Millionen Euro nach einem Minus von 210 Millionen Euro.

Die Voestalpine-Aktie legte mehr als sechs Prozent zu.