Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro für Netzgebühren

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund in einem ersten Schritt die Stromtarife mit Milliarden-Hilfen.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, bestätigte Wirtschaftsminister Robert Habeck am Mittwoch eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. “Wir sorgen jetzt dafür, dass diese Kostensteigerungen aufgefangen werden und verhindern damit eine zusätzliche Belastung für Industriebetriebe, Mittelstand und Verbraucherinnen und Verbraucher”, sagte der Grünen Politiker. Ohne die Hilfe hätten sich die Entgelte verdreifacht. Die Netzbetreiber hatten zuvor erklärt, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Habeck sagte, die knapp 13 Milliarden Euro würden zunächst vom Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) genommen. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Regierungskreise – Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund mit Milliarden-Hilfe die Stromtarife.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, sagten mit den Planungen Vertraute am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eigentlich hätten sich die Entgelte für 2023 wegen der Energiekrise auf um die zehn Cent von etwa drei Cent pro Kilowattstunde mehr als verdreifachen müssen, sagten die Insider. Die Netzbetreiber bestätigten, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben und der Bund dies stabilisiere. Zur Höhe des Zuschusses äußerten sie sich nicht.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zunächst nicht.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Unklar blieb zunächst, woher das Geld genommen wird. In Regierungskreisen war mehrfach auf das Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) verwiesen worden. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Europas Börsen auf Erholungskurs – Adidas und Puma tiefer

Frankfurt (Reuters) – Versöhnlicher Abschluss für den schwärzesten September seit der Finanzkrise von 2008: Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils etwa 1,3 Prozent auf 12.125 beziehungsweise 3317 Punkte.

Das Minus seit Monatsbeginn summierte sich allerdings auf knapp sechs Prozent. Echtes Kaufinteresse sei nicht zu beobachten, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. Vielmehr lösten einige Investoren ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auf.

Auch Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets warnte vor möglichen erneuten Rücksetzern. “Zu schwer wiegen die Sorgen über eine davongaloppierende Inflation, auf die die Notenbanken noch lange mit Zinserhöhungen reagieren dürften. Zudem verändert sich die geopolitische Lage mit der russischen Annexion der vier besetzten Gebiete und den Sabotage-Akten an den Gaspipelines[nL8N310517 nicht wirklich zum Positiven.”

ERNEUTER ANSTIEG DER EUROPÄISCHEN INFLATIONSRATE ERWARTET

In diesem Zusammenhang warteten Investoren gespannt auf die europäischen Preisdaten. Experten prognostizierten einen Anstieg der Teuerungsrate auf 9,7 Prozent im Jahresvergleich. Die deutsche Inflation hatte erstmals seit rund 70 Jahren die Marke von zehn Prozent erreicht. “Die notwendigen geldpolitischen Konsequenzen dürften die Börse noch eine ganze Weile beschäftigen”, sagte RobMarkets-Experte Molnar.

Unterdessen verhalfen Spekulationen um eine Drosselung der Erdöl-Förderung durch die Staaten der großen Exportländer der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 89,54 Dollar je Barrel (159 Liter). “Im August blieb die Produktion der Opec+ aber bereits schätzungsweise 3,37 Millionen Barrel pro Tag hinter den Zielen zurück”, gaben die Experten der Bank ING zu bedenken. Daher werde die reale Fördermenge weniger stark zurückgehen als offiziell angekündigt. Einige Opec+-Staaten haben wegen maroder Förderanlagen Probleme, ihre Quoten zu erfüllen.

Gefragt waren auch Industriemetalle. Die überraschende Rückkehr des Barometers für die Stimmung der chinesischen Industrie über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten schüre Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage des Top-Abnehmers. Kupfer verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 7582 Dollar je Tonne.

Am Erdgas-Markt entspannte sich die Lage dank kontinuierlicher Lieferungen von Flüssiggas als Ersatz für Importe aus Russland weiter. Der europäische Future gab 4,2 Prozent auf 176,50 Euro je Megawattstunde nach.

ADIDAS UND PUMA STRAUCHELN WEGEN NIKE-ZAHLEN

Am Aktienmarkt gerieten Adidas und Puma unter Verkaufsdruck. Ihre Papiere fielen um vier beziehungsweise 5,4 Prozent, nachdem der US-Rivale einen Gewinneinbruch gemeldet und vor weiterem Margendruck gewarnt hatte. Die verstärkten Rabatt-Aktionen seien ein schlechtes Omen für die europäischen Sportartikel-Hersteller, kommentierte Analyst James Grzinic von der Investmentbank Jefferies. Sie würden voraussichtlich nachziehen müssen. Dies überschatte die bislang robuste Nachfrage diesseits des Atlantik. Nike-Titel brachen im vorbörslichen US-Geschäft um gut neun Prozent ein.

Unterdessen hielten sich die Papiere der Porsche AG über ihrem Ausgabepreis von 82,50 Euro. Am zweiten Tag nach dem Börsengang legten sie 0,7 Prozent auf 83,08 Euro zu. Großaktionär Volkswagen rückte nach dem Ausverkauf vom Donnerstag 0,8 Prozent vor.

(Bericht von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

“Dead Cat Bounce” an Europas Börse – Pfund erholt

Frankfurt (Reuters) – Nach den jüngsten Kursverlusten steigen erste Anleger wieder in die europäischen Aktienmärkte ein.

Ein Preissprung beim Erdgas dämpfte ihre Kauflaune allerdings. Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils ein knappes Prozent auf 12.338 beziehungsweise 3373 Punkte.

“Wir sehen eine kleine Erleichterungsrally oder einen ‘Dead Cat Bounce'”, sagte Michael Brown, Manager beim Finanzdienstleister Caxton. So nennen Börsianer eine kurzzeitige Kurserholung in einem längerfristigen Abwärtstrend. “Aus meiner Sicht ist das einzig lohnenswerte Investitionsobjekt der Dollar”, fügte Brown hinzu. Der Markt unterschätze die Wachstumsrisiken, daher müsse bei den meisten Anlageklassen, vor allem bei Aktien, mit Verkäufen gerechnet werden, so lange die US-Notenbank Fed ihr Zinserhöhungstempo nicht drossele.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gab am Dienstag zwar 0,2 Prozent nach, blieb mit 113,63 Punkten auf Tuchfühlung mit seinem jüngsten 20-Jahres-Hoch. Neben den Zinserhöhungsspekulationen hatte die Weltleitwährung dank ihres Images als “sicherer Hafen” in den vergangenen Tagen zeitweise fast fünf Prozent aufgewertet.

SCHÄDEN AN PIPELINES TREIBEN GASPREIS

Kopfzerbrechen bereiteten Investoren mehrere Lecks an russischen Erdgas-Pipelines durch die Nordsee. “Das klingt nicht nach einem Zufall”, sagte Tom Marzec-Manser vom Analysedienst ICIS. Obwohl derzeit durch keine der beiden Pipelines Gas fließt, weckte der Vorfall Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der europäischen Gasinfrastruktur. Die trieb den europäische Erdgas-Preis neun Prozent in die Höhe auf 189,50 Euro je Megawattstunde.

Aufwärts ging es auch mit dem Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 85,51 Dollar je Barrel (159 Liter). Kupfer und Gold legten jeweils ein Prozent auf 7417 Dollar je Tonne beziehungsweise 1639 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. “Jede Schwäche des Dollar löst eine Erleichterungsrally aus, wenn auch nur eine kurze”, sagte Analyst Geordie Wilkes vom Research-Haus Sucden. Eine Abwertung der Weltleitwährung macht Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver. Öl erhielt Börsianern zufolge darüber hinaus von möglichen Ausfällen der US-Förderung wegen eines Wirbelsturms im Golf von Mexico Rückenwind.

PFUND AUF ERHOLUNGSKURS – PORSCHE-BÖRSENGANG IM BLICK

Am Devisenmarkt habe das Bekenntnis der Bank von England (BoE) zu weiteren Zinserhöhungen und die Ankündigung von Details zur geplanten Entlastungen der Bürger durch die Regierung die Talfahrt des Pfund Sterling vorerst beendet, sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Positiv sei vor allem, dass die Notenbanker den Anschein von Panik vermieden hätten.

“Aber reicht das?”, fragte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Das Statement dürfte kaum diejenigen beruhigen, die die Entschlossenheit der BoE im Kampf gegen die Inflation bereits im Vorfeld angezweifelt hatten.” Das Pfund verteuerte sich dennoch auf 1,0794 Dollar, nachdem es am Montag auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar gefallen war.

Am deutschen Aktienmarkt standen erneut der Autobauer Volkswagen und sein Großaktionär Porsche SE im Rampenlicht. Zwei Tage vor dem geplanten Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche signalisierten die begleitenden Banken, dass die Papiere wohl am oberen Ende der bis 82,50 Euro reichenden Angebotsspanne zugeteilt werden. “Obwohl vielen Anlegern der Appetit auf Aktien in den vergangenen Wochen vergangen sein dürfte, machen sie hier scheinbar eine Ausnahme”, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus RoboMarkets. Die Titel von VW und Porsche SE legten jeweils rund ein halbes Prozent zu.

(Bericht von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Erzeuger erhöhen Preise in Rekordtempo – “Unfassbarer Preishammer”

Berlin (Reuters) – Die Kostenexplosion bei Öl, Gas und Strom lässt die deutschen Erzeugerpreise in einem noch nie dagewesenen Tempo steigen.

Sie erhöhten sich im August um durchschnittlich 45,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dies sei “der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949”. Damit wurde der erst im Juli erreichte bisherige Rekordwert von 37,2 Prozent weit übertroffen. Das kommt überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem minimalen Rückgang gerechnet. Allein von Juli auf August legten die Erzeugerpreise um 7,9 Prozent zu. “Das ist ebenfalls der höchste Anstieg gegenüber dem Vormonat seit Beginn der Erhebung”, hieß es dazu.

Banken-Ökonomen zeigten sich überrascht von der Entwicklung. “Ein unfassbarer Preishammer”, kommentierte LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch. “Das alles verheißt nichts Gutes für die Inflation. Sie ist gekommen, um zu bleiben.” Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der allgemeinen Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Zumindest ein Teil der enormen Preissteigerung dürfte bei den Verbrauchern ankommen. “Da ist enormer Inflationsdruck in der Pipeline”, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Verbraucherpreise könnten bereits im September die Marke von zehn Prozent überschreiten.

Im August waren die Lebenshaltungskosten noch um 7,9 Prozent gestiegen. Mit dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts sei aber schon im laufenden Monat September mit einem weiteren Schub zu rechnen, erwartet auch die Bundesbank. Die Inflationsrate dürfte “in den nächsten Monaten in den zweistelligen Bereich vorrücken” heißt es in deren aktuellen Monatsbericht.

“DRÜCKT DEN WOHLSTAND DAUERHAFT”

Hauptverantwortlich für die starke Teuerung auf Erzeugerebene ist Energie, die seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine am 24. Februar erheblich mehr kostet. Hier lagen die Produzentenpreise um 139,0 Prozent höher als im August 2021. Erdgas kostete mehr als dreimal so viel wie ein Jahr zuvor (+209,4 Prozent), Strom verteuerte sich sogar um 278,3 Prozent. Für Mineralölerzeugnisse wurden 37,0 Prozent mehr verlangt. Leichtes Heizöl war mehr als doppelt so teuer wie ein Jahr zuvor (+104,0 Prozent), während für Kraftstoffe 27,3 Prozent mehr verlangt wurden. Nahrungsmittel verteuerten sich um durchschnittlich 22,3 Prozent.

Für viele Unternehmen sind vor allem die Energiepreise ein Problem. “Manche können die gestiegenen Kosten weitergeben, andere nicht”, sagte der Geschäftsführer für den Bereich Wirtschaftspolitik beim Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), Claus Michelsen. “Dort drückt die Entwicklung dann auf die Margen und die Möglichkeit zu investieren. Die Energiepreise belasten damit nicht nur den Konsum. “Sie drücken auch das Produktionspotenzial und damit den dauerhaft den Wohlstand”, sagte Michelsen.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Schweizer Regierung senkt Wachstumsprognose

Zürich (Reuters) – Die Schweizer Regierung hat wegen der lahmenden Konjunktur in Europa und anderen Exportmärkten ihre Wachstumsprognose gesenkt.

Die beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) angesiedelten Ökonomen des Bundes erwarten 2022 nun einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,0 Prozent, wie aus ihrer am Dienstag vorgelegten Prognose hervorgeht. Im Juni hatten sie noch ein Plus von 2,6 Prozent veranschlagt. Für 2023 senkte die Expertengruppe ihre Wachstumsprognose auf 1,1 (bisher: 1,9) Prozent.

Im Jahr 2021 hatte sich die Wirtschaft der Alpenrepublik vom Corona-bedingten Einbruch im Jahr davor erholt und war um 3,9 Prozent gewachsen. Aufgrund der gestiegenen Energiepreise rechnet die Regierung neu mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent für 2022 sowie von 2,3 Prozent für 2023.

(Bericht von Oliver Hirt und Paul Arnold, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Hamburgs Bürgermeister warnt vor Ablehnung eines Cosco-Einstiegs im Hafen

Berlin (Reuters) – Hamburgs Regierungschef Peter Tschentscher fürchtet gravierende Wettbewerbsnachteile, falls Wirtschaftsminister Robert Habeck den Einstieg des chinesischen Reederei-Riesens Cosco bei einem Container-Terminal in Hamburg verhindern sollte.

“Eine Ablehnung der Cosco-Beteiligung durch die Bundesregierung ist im Hinblick auf die nationale Sicherheit und Unabhängigkeit nicht begründbar”, sagte Tschentscher der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview am Montag. “Sie wäre eine schwere Belastung für den Wirtschaftsstandort und eine einseitige, wettbewerbsverzerrende Benachteiligung Hamburgs gegenüber Rotterdam und Antwerpen, in denen Cosco bereits Terminal-Anteile besitzt.” Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müssten auch in Hamburg Terminalbeteiligungen von Reedereien möglich sein, argumentierte der Erste Bürgermeister der Hansestadt.

Habeck hatte gesagt, dass er bei der Investitionsprüfung zu einer Ablehnung “tendiere”. Cosco hat mit dem Hafen eine Minderheitsbeteiligung an der Betreibergesellschaft des kleinsten der vier Container-Terminals vereinbart.

(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax-Optionen verfallen bei 12.750,86 Punkten

Frankfurt (Reuters) – Der Settlement-Kurs für Dax-Optionen ist am Freitag mit 12.750,86 Punkten festgesetzt worden.

Für MDax und TecDax lagen die Settlements bei 23.952,46 beziehungsweise 2838,79 Stellen. Die Optionen auf den EuroStoxx50 verfielen bei einem Kurs von 3496,30 Punkten und diejenigen auf den Stoxx50 bei 3476,88 Zählern.

(Bericht von Anika Ross. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Wirtschaft mahnt Habeck bei China-kritischem Kurs zur Zurückhaltung

– von Andreas Rinke

Berlin (Reuters) – Die Wirtschaft warnt vor Plänen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, das China-Geschäft zu bremsen.

“Die staatliche Förderung und Absicherung des China-Geschäfts deutscher Unternehmen muss grundsätzlich erhalten bleiben”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Asien-Pazifik-Ausschusses (APA) der deutschen Wirtschaft, Friedolin Strack, der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Hintergrund ist der Unmut vieler Unternehmen, dass das von dem Grünen-Politiker Habeck geführte Wirtschaftsministerium darüber nachdenkt, Instrumente wie staatliche Investitions- und Exportgarantien oder Messeförderung für China zurückzufahren. “Eine angemessene Präsenz auf dem zentralen Wachstumsmarkt China ist wichtig – nicht nur für einzelne Unternehmen, sondern auch aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive.”

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte vor Einschnitten gewarnt. Sowohl APA als auch DIHK vertreten Firmen im Auslandsgeschäft, alleine in China sind rund 5000 deutsche Unternehmen aktiv. Wirtschafts- und Außenministerium dringen dagegen auf einen härteren Kurs gegenüber China und verweisen auf Menschenrechtsverletzungen und die Gefahr einer zu großen wirtschaftlichen Abhängigkeit von China.

Der APA-Hauptgeschäftsführer verwies darauf, dass die Bundesregierung immer wieder betone, eine breite wirtschaftliche Entkopplung von China sei nicht im Interesse Deutschlands. Dies hatte zuletzt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mehrfach gesagt. “Das Ziel darf (…) nicht ein Abzug aus China, sondern muss die zusätzliche Erschließung weiterer Wachstumsmärkte in Asien und anderen Weltregionen sein”, sagte Strack. “Insbesondere der exportorientierte deutsche Mittelstand ist auf effektive Außenwirtschaftsinstrumente wie Investitionsgarantien und Hermes-Bürgschaften angewiesen.” Wenn man diese etwa für China überarbeite, müsse man dies an klaren Kriterien ausrichten. “Der strategische Nutzen muss den Schaden für die deutsche Wirtschaft rechtfertigen.”

DIHK VERWEIST AUF PROBLEME MIT LIEFERKETTEN

“Die international aktive deutsche Wirtschaft ist aktuell massiv von Lieferkettenstörungen betroffen und kämpft mit teilweise immens gestiegenen Preisen für Rohmaterialien und Vorprodukten”, sagte auch DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier zu Reuters. “In dieser Phase wäre eine strategisch betriebene Abkehr von unserem größten Handelspartner ein weiterer herber Schlag ins außenwirtschaftliche Kontor.”

Differenzen mit dem Habeck-Ministerium gibt es auch bei chinesischen Investitionen in Deutschland. APA-Hauptgeschäftsführer Strack wollte sich zwar nicht zum Fall des geplanten Einstieg des chinesischen Reederei-Riesen Cosco in eine Betriebsgesellschaft an einem der vier Container-Terminals im Hamburger Hafen äußern. Eine Prüfung ausländischer Investitionen in kritische Infrastruktur sei angemessen. Aber er fügte hinzu: “Chinesische Investitionen sollten aus Sicht des APAs in Deutschland und Europa willkommen bleiben.” Die Eingriffsrechte müsse die Bundesregierung mit Blick auf wirtschaftliche Interessen “besonnen” einsetzen.

Habeck hatte im Reuters-Interview gesagt, dass er dazu tendiere, den vom Hamburger Hafen ausdrücklich gewünschten Einstieg von Cosco zu verbieten. Auch der DIHK-Außenwirtschaftschef Treier sagte gegenüber Reuters: “Wenn keine klaren Sicherheitskriterien nachvollziehbar sind, hat die Untersagung von Investitionen des für unsere Wirtschaft so wichtigen Handelspartners China negative Auswirkungen auf die Investitionsattraktivität unserer Standorte.”

Eine Studie der auf wirtschaftliche und politische Analysen spezialisierten Rhodium-Gruppe stellt fest, dass sich die Investitionen europäischer Firmen auf wenige Konzerne konzentrieren. Im vergangenen Jahr standen die zehn größten Investoren für 71 Prozent der Direktinvestitionen. 2021 kamen dabei 46 Prozent der europäischen Investitionen aus Deutschland, dahinter folgt Großbritannien mit 20 Prozent. “Unter den deutschen Unternehmen sind die drei großen Automobilhersteller (Volkswagen, BMW und Daimler) und der Chemiekonzern BASF die Vorreiter in China. Auf diese vier Unternehmen allein entfallen von 2018 bis 2021 wertmäßig 34 Prozent aller europäischen ausländischen Direktinvestitionen in China”, heißt es in der Studie.

(Redigiert von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Hamburger Hafen warnt vor Verbot von Cosco-Einstieg in Terminal

– von Andreas Rinke

Berlin (Reuters) – Der Hamburger Hafen hat die Bundesregierung davor gewarnt, den geplanten Einstieg des chinesischen Reederei-Riesen Cosco bei einem Container-Terminal zu untersagen.

“Ein Einstieg der Chinesen in die Betriebsgesellschaft wäre ein Riesengewinn für den Hafen und keine Gefahr, zumal Cosco bald die weltgrößte Reederei sein wird”, sagte der Vorstand der Hafen Hamburg Marketing, Axel Mattern, der Nachrichtenagentur Reuters. “Eine Absage an die Chinesen wäre eine Katastrophe nicht nur für den Hafen, sondern für Deutschland”, fügte er mit Hinweis auf mögliche chinesische Reaktionen hinzu. In der Bundesregierung wird derzeit heftig über einen schärferen Kurs gegenüber China diskutiert. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte deutsche Firmen am Wochenende zu mehr Investitionen in anderen asiatischen Ländern und auf anderen Kontinenten aufgerufen.

Cosco will sich mit 35 Prozent an der Betreibergesellschaft des Container-Terminals Tollerort im Hamburger Hafen beteiligen. Mitte August wurden Bedenken im Bundeswirtschaftsministerium gegen die Pläne des Hafenbetreibers HHLA bekannt. Ein Sprecher des Ministeriums bestätigte am Freitag, dass ein Investitionsprüfverfahren laufe, weil es sich bei Häfen um kritische Infrastruktur handele. Er dementierte, dass Wirtschaftsminister Robert Habeck ein Veto eingelegt habe. Wie Reuters von mehreren mit dem Vorgang beschäftigten Personen erfuhr, ist man sich in der Bundesregierung aber uneins, ob der Einstieg genehmigt oder abgelehnt werden soll. In den von den Grünen geführten Außen- und Wirtschaftsministerien gebe es eine klare Tendenz zu einer Ablehnung, im Kanzleramt dagegen Vorbehalte, hieß es übereinstimmend.

Mattern hält die Genehmigung für zwingend: “Es geht doch nur um eine Minderheitsbeteiligung an der Betreibergesellschaft des Terminals Tollerort – den Cosco schon heute maßgeblich nutzt”, betonte er. Cosco werde auch keinen Grund und Boden erwerben. Auch beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte man vor negativen Konsequenzen im Falle einer Ablehnung: “Wenn keine klaren Sicherheitskriterien nachvollziehbar sind, hat die Untersagung von Investitionen des für unsere Wirtschaft so wichtigen Handelspartners China negative Auswirkungen auf die Investitionsattraktivität unserer Standorte”, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier zu Reuters.

Kanzler Scholz hatte die deutsche Wirtschaft am Wochenende aufgefordert, sich nicht zu sehr von einzelnen Partnern abhängig zu machen. “Ich kenne eine Raffinerie, die hat seit 20 Jahren jedes Jahr eine Gebühr dafür bezahlt, das sie auch unabhängig von einer Pipeline, die sie versorgt, auch von anderen Pipeline versorgt werden kann”, sagte er, ohne die Firma zu nennen. Nun zahle sich dies nach dem Stopp russischer Lieferungen aus. “Es braucht eine Kultur, diese Frage der Sicherheit und Unabhängigkeit mit zu kalkulieren und zu sagen, das kostet, aber es ist notwendig. Als Land müssen wir das auch”, sagte Scholz bei den Unternehmergesprächen in Baden-Baden. Zugleich wandte er sich entschieden gegen eine Deglobalisierung, die Deutschland nur schaden würde.

(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)