Umweltschützer siegen – Serbien verbietet Rio Tinto Lithium-Abbau

Melbourne/Belgrad (Reuters) – Proteste von Umweltschützern haben ein milliardenschweres Projekt des Bergbaukonzerns Rio Tinto zum Lithium-Abbau in Serbien zu Fall gebracht.

Die Aktien des britisch-australischen Unternehmens setzten am Freitag ihre Talfahrt an der Londoner Börse fort, nachdem die serbische Regierung am Donnerstagabend die Abbaulizenzen wegen Umweltbedenken widerrufen hatte. Dem waren wochenlange Proteste der Bevölkerung gegen die geplante Mine im westserbischen Jadar-Tal vorausgegangen. Rio Tinto wollte mit dem 2,4 Milliarden Dollar schweren Vorhaben – seinem bislang einzigen zur Förderung von Lithium, einem wichtigen Rohstoff für E-Autobatterien – zum größten Produzenten in Europa und einem der zehn größten weltweit aufsteigen.

Vor Kurzem erst war wegen Verzögerungen im Genehmigungsprozess der Produktionsbeginn um ein Jahr auf 2027 verschoben worden. Die serbische Regierungschefin Ana Brnabic begründete die Entscheidung mit Forderungen von Umweltschützern. Nach deren Ansicht würde die Mine Land und Grundwasser verschmutzen. Der Bergbaukonzern habe die anliegenden Gemeinden nicht ausreichend informiert, hielt Brnabic Rio Tinto vor. Das Unternehmen hatte früher erklärt, sich an Gesetze zu halten und den Dialog zu suchen.

Serbien steht vor der Wahl im April. Die Beziehungen zu Australien litten zuletzt unter dem Streit über die Teilnahme des serbischen Tennisstars Novak Djokovic an den Australian Open. Der Weltranglistenerste wurde kurz vor Beginn des Turniers zur Abreise gezwungen, weil die australische Regierung sein Visum annulierte. Djokovic hatte im Dezember auf Instagram ein Foto der Umweltproteste mit einem unterstützenden Kommentar gepostet. In den sozialen Medien machte nach der Absage an das Projekt der Jux die Runde, Rio Tinto sei jetzt so wie Djokovic ausgewiesen worden.

Der Bergbaukonzern erklärte, er sei äußerst besorgt über den Beschluss der Regierung in Belgrad und werde deren Rechtsbasis überprüfen. Der Konzern hat bereits 450 Millionen Dollar für Machbarkeitsstudien und andere Untersuchungen zu dem Projekt ausgegeben. Die Regierung Australiens erklärte, sie bedaure den Rückzug. “Wir weisen auf die großen wirtschaftlichen Vorteile der beachtlichen Investition von Rio Tinto in Serbien hin.”

Der Verzicht Serbiens könnte sich auch auf die Versorgung der Autoindustrie mit dem Batterierohstoff auswirken. Die Kapazität wurde auf 58.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr taxiert, genug für eine Million E-Autos. Es wäre die größte Förderung in Europa gewesen – und ein wichtiger Beitrag dazu, den Kontinent von Lithium-Importen unabhängiger zu machen. Schon jetzt ist der Rohstoff knapp und würde es nach bisheriger Prognose die nächsten drei Jahre bleiben, erklärten Experten. Das könne sich durch den Ausfall der Rio-Tinto-Lieferungen noch länger hinziehen und die Lithium-Preise weiter in die Höhe treiben. “Wir sind an einem Punkt, wo das Lithium-Angebot das Tempo des Hochlaufs von Elektroautos bestimmen wird”, sagte Saul Kanovic, Analyst von Credit Suisse.

Firmenbilanzen halten Börsen im Plus – Inflationssorgen bremsen

Frankfurt (Reuters) – Nach den Kursverlusten der beiden vergangenen Wochen tasten sich weitere Anleger an die europäischen Aktienmärkte zurück.

“Trotz der schwelenden Sorgen um steigende Zinsen und den Abzug von Liquidität richten sie ihre Aufmerksamkeit vorübergehend auf die Firmenbilanzen”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Gestützt auf ermutigende Zahlen einiger Konzerne legten Dax und EuroStoxx50 am Donnerstag jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 15.912,33 beziehungsweise 4297,60 Punkte zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte 1,2 Prozent vor.

Ohnehin seien die Inflationsängste überzogen, warnte Portfoliomanager Dickie Hodges von der Investmentbank Nomura. “Wir sind nach wie vor der Meinung, dass sich die Inflation von den derzeitigen Niveaus aus abschwächen wird, aber das wird seine Zeit brauchen.” Die US-Notenbank Fed werde die Zinsen nur behutsam anheben.

Davon sei die Europäische Zentralbank (EZB) noch meilenweit entfernt, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Sie scheint taub für die Inflationsschreie.” Die deutschen Erzeugerpreise stiegen im Dezember gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24,2 Prozent, so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1949. EZB-Chefin Christine Lagarde erteilte einer raschen Zinswende dennoch eine Absage. Sie rechne ebenfalls mit einem Rückgang der Inflation.

Vor diesem Hintergrund griffen Investoren wieder bei Bundesanleihen zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,022 Prozent. Am Mittwoch hatte sie sich erstmals seit fast drei Jahren wieder ins Plus vorgearbeitet.

ZINSSENKUNG IN CHINA TREIBT INDUSTRIEMETALL-PREISE

Unterdessen setzte die chinesische Notenbank einige Referenzzinsen für Kredite herunter, um einer Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft entgegenzuwirken. Die Hoffnung auf eine anziehende Nachfrage aus diesem wichtigen Abnehmerland verhalf Kupfer zu einem Kursplus von 1,6 Prozent auf 9999 Dollar je Tonne. Das zur Stahl-Herstellung benötigte Nickel erreichte mit 24.435 Dollar ein Zehneinhalb-Jahres-Hoch und das in Lebensmittel-Dosen eingesetzte Zinn war mit 44.180 Dollar zeitweise so teuer wie nie. Börsianern zufolge lieferten hier Angebotsengpässe zusätzlichen Rückenwind.

Gefragt war auch Palladium, das sich um 2,3 Prozent auf 2047 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Auslöser der Rally seien die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. Russland sei schließlich ein wichtiger Palladium-Lieferant. “Ein Exportstopp des für die Automobilindustrie so wichtigen Rohstoffes könnte wohl nicht aufgefangen werden.”

Aus Furcht vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine warfen Investoren Staatsanleihen der beiden Parteien aus ihren Depots. Dies trieb die Renditen der bis 2025 laufenden ukrainischen Bonds auf 11,839 Prozent und diejengen der bis 2047 laufenden russischen Titel auf 4,518 Prozent. Der Warschauer Index auf ukrainische Aktien fiel auf ein Acht-Monats-Tief von 580,38 Punkten.

LIEFERPROBLEME PERLEN AN PUMA AB

Am deutschen Aktienmarkt legten die Titel von Puma dagegen dank eines Rekordergebnisses 1,2 Prozent zu. “Die Zahlen waren top, da gibt es nichts auszusetzen”, sagte ein Händler. Ein Wermutstropfen sei allerdings der Verzicht auf einen Ausblick.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Travelers um bis zu 5,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 169,01 Dollar. Starke Erträge aus Investitionen bescherten dem Versicherer einen Quartalsgewinn von 5,20 Dollar je Aktie, etwa 50 Prozent mehr als erwartet.

Börsen im Aufwind – “Sieben Prozent Inflation, na und?!”

Frankfurt (Reuters) – Die Aussicht auf eine behutsame Straffung der US-Geldpolitik gibt den europäischen Börsen Auftrieb.

Zusätzlichen Rückenwind erhielten sie von den mit Erleichterung aufgenommenen US-Inflationsdaten. Der Dax stieg am Mittwoch um 0,4 Prozent auf 16.010,32 Punkte und der EuroStoxx50 um 0,8 Prozent auf 4315,09 Zähler. An der Wall Street rückte der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,1 Prozent vor. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel dagegen um 0,6 Prozent auf ein Zwei-Monats-Tief von 95,087 Zählern.

Die US-Verbraucherpreise stiegen wie erwartet im Dezember um sieben Prozent zum Vorjahreszeitraum. “Sieben Prozent Inflation, na und?!”, fragte Analyst Konstantin Oldenburger vom Online-Broker CMC Markets. “Mit den Daten wurden lediglich die Erwartungen des Marktes bestätigt, dass die US-Notenbank demnächst die Zinsen erhöhen wird.”

Vor diesem Hintergrund griffen Investoren auch bei Staatsanleihen wieder zu. Dies drückte die Renditen der zehnjährigen Bonds aus den USA und Deutschland auf plus 1,736 beziehungsweise minus 0,057 Prozent.

Mut mache Börsianern zudem die Nominierungsanhörung von Jerome Powell vor dem US-Senat, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Der Fed-Chef bestätigte zwar erneut, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Inflation in den Griff bekommen zu wollen, dabei aber dann vielleicht doch nicht so schnell vorzugehen, wie noch aus dem Sitzungsprotokoll zu Beginn des Jahres von den Anlegern herausgelesen wurde.”

NICKEL AUF 10-JAHRES-HOCH

Am Rohstoffmarkt setzte Nickel seinen Höhenflug fort. Das Industriemetall legte zeitweise 4,4 Prozent zu und war mit 22.745 Dollar je Tonne so teuer wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren. Die Lagerbestände haben sich in den vergangenen fünf Monaten halbiert und sind so niedrig wie zuletzt vor rund zwei Jahren. Grund hierfür sei der Elektroauto-Boom, sagt Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. “Denn Batterien mit einem hohen Nickelanteil werden nach wie vor von den Autoherstellern präferiert.”

Im Windschatten erreichte das für Lebensmitteldosen benötigte Zinn ein Rekordhoch von 41.490 Dollar je Tonne. Kupfer stieg um 3,2 Prozent auf 10.026 Dollar. Vor diesem Hintergrund erreichte der Index für die europäische Bergbau-Branche zeitweise ein Elf-Jahres-Hoch von 656,65 Punkten.

Dank der schwindenden Angst vor einem Rückschlag für die Weltwirtschaft durch die Omikron-Variante des Coronavirus deckten sich Investoren auch mit Rohöl ein. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,2 Prozent auf 84,72 Dollar je Barrel (159 Liter). “Omikron ist jetzt die Geschichte von gestern”, sagte Luca Paolini, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Pictet. Der Index für die europäische Öl- und Gasbranche stieg um bis zu 2,5 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 300,15 Punkten.

TEAMVIEWER ÜBERZEUGT MIT ZAHLEN – OCUGEN IM AUFWIND

Am deutschen Aktienmarkt sorgte Teamviewer mit einem Kursplus von fast 1,5 Prozent für Aufsehen. Das ist der zweitgrößte Tagesgewinn der Firmengeschichte. Das Quartalsergebnis der Softwarefirma habe zwar die Erwartungen übertroffen, schrieb DZ Bank-Analyst Armin Kremser. “Andererseits sehen wir die positive Entwicklung nicht als wirkliche Überraschung an, da der Vorstand nach der Gewinnwarnung den neuen Ausblick extrem konservativ gestaltet hatte.”

Zulegen konnten auch die Papiere von Ocugen, die sich an der Wall Street um bis zu 11,5 Prozent verteuerten. Dem Entwicklungspartner Bharat Biotech zufolge neutralisiert eine Auffrischungsimpfung mit dem Coronavirus-Vakzin der beiden Pharmafirmen sowohl die Delta- als auch die Omikron-Variante. Das Serum hat eine Notfall-Zulassung der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Großhandelpreise im vergangenen Jahr mit stärkstem Anstieg seit 1974

Berlin (Reuters) – Der Verkaufspreise im deutschen Großhandel sind im vergangenen Jahr wegen so stark gestiegen wie seit 47 Jahren nicht mehr.

Sie erhöhten sich um durchschnittlich 9,8 Prozent im Vergleich zu 2020, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Einen größeres Plus hatte es zuletzt 1974 in der ersten Ölpreiskrise gegeben, als die Preise sogar um 12,9 Prozent anzogen. Besonders stark verteuerten sich im abgelaufenen Jahr Mineralölerzeugnisse mit 32,0 Prozent sowie Erze, Metalle und Metallhalbzeug mit 44,3 Prozent. “Dabei kommt auch ein Basiseffekt aufgrund des niedrigen Preisniveaus für viele Rohstoffe im Jahr 2020 im Zusammenhang mit der Corona-Krise zum Tragen”, erklärten die Statistiker.

Im Dezember hat sich der Preisdruck erstmals seit rund einem Jahr wieder abgeschwächt, blieb aber in der Nähe seines Rekordhochs. Die Verkaufspreise lagen im letzten Monat des vorigen Jahres um 16,1 Prozent höher als im Dezember 2020, weil viele Rohstoffe und Vorprodukte deutlich mehr kosteten. Im November hatte es mit 16,6 Prozent den kräftigsten Anstieg seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 1962 gegeben. Die Entwicklung gilt als Indikator für zukünftige Inflationstendenzen, da der Großhandel das Scharnier zwischen Herstellern und Endkunden darstellt. Die Inflationsrate liegt aktuell mit 5,3 Prozent so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Experten gehen davon aus, dass die Teuerung in den kommenden Monaten noch recht hoch bleiben dürfte, aber etwa ab Jahresmitte merklich nachlassen sollte.

Wegen der Erholung der Weltkonjunktur von der Corona-Rezession stiegen im vergangenen Jahr die Preise für viele Produkte rasant. Dadurch kommt es zu globalen Engpässen, die zu weiter steigenden Preisen führen. Hinzu kommen gestörte Lieferketten, etwa durch Corona-Ausbrüche in China, wo die Behörden wegen eines einzigen entdeckten Falls schon mal ganze Fabriken und Häfen geschlossen haben. Die Volksrepublik ist seit Jahren der wichtigste deutsche Handelspartner.

Fed-Signale zur Geldpolitik verderben Anlegern die Laune

Frankfurt (Reuters) – Aus Furcht vor einer schärferen Straffung der US-Geldpolitik als erwartet ziehen sich Anleger aus den europäischen Aktienmärkten zurück.

Dax und EuroStoxx50 fielen am Donnerstag um jeweils etwa eineinhalb Prozent auf 16.052,03 beziehungsweise 4323,64 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 0,3 Prozent ein.

Auslöser dieser Verkäufe seien die Mitschriften der jüngsten Beratungen der US-Notenbank Fed, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. “Was die Märkte scheinbar auf dem falschen Fuß erwischt hat, war die Diskussion um eine Reduzierung der Bilanz, also den Entzug von Liquidität.”

Die Diskussion um das sogenannte Quantitative Tightening (QT) deute darauf hin, dass die Inflation der Fed-Führung größere Sorgen bereite als gedacht, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Es ist noch nicht so lange her, da sahen sie Zinserhöhungen frühestens 2024 und QT wurde nicht einmal erwähnt.”

Portfoliomanager Carlos de Sousa vom Vermögensverwalter Vontobel mahnte jedoch zur Besonnenheit. “Die Tatsache, dass sie Quantitative Tightening diskutieren, bedeutet nicht, dass sie es auch tun werden.”

BOND-RENDITEN ZIEHEN KRÄFTIG AN – GOLD UNTER DRUCK

Um ihre Wertpapierbestände abzubauen, kann eine Notenbank das Geld aus auslaufenden Anleihen nicht mehr reinvestieren oder aktiv verkaufen. Vor diesem Hintergrund flogen Staatsbonds aus den Depots. Dies trieb die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Treasuries auf ein Neun-Monats-Hoch von plus 1,753 Prozent. Ihre deutschen Pendants rentierten mit minus 0,031 Prozent so hoch wie zuletzt vor gut zweieinhalb Jahren.

Am Aktienmarkt gerieten vor allem Technologiewerte unter die Räder. Der europäische Branchenindex verbuchte mit einem Minus von 2,4 Prozent den größten Tagesverlust seit dem Kursrutsch nach dem Auftauchen der Omikron-Variante des Coronavirus Anfang Dezember zu. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen. Die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik machte auch die “Anti-Inflationswährung” Gold unattraktiver. Das Edelmetall gab ein Prozent auf 1790 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) nach.

ZINSERHÖHUNGSSPEKULATIONEN SCHIEBEN FINANZWERTE AN

Gefragt waren dagegen Finanzwerte, da ihnen in Phasen steigender Zinsen größere Gewinne winken. Der europäische Banken-Index stieg gegen den Trend um bis zu 1,1 Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 153,20 Punkten. In den USA verbuchten Geldhäuser wie Bank of America, Citigroup und JPMorgan Kursgewinne von bis zu 3,2 Prozent.

Zu den Favoriten zählten auch die Aktien von ALD, die in Paris acht Prozent zulegten. Die Autoleasing-Firma will für 4,9 Milliarden Euro den Rivalen LeasePlan übernehmen. Das Unternehmen verspricht sich von dem Deal eine Verbesserung des Reingewinns um fünf Prozent ab 2024. Die Titel der ALD-Mutter Societe Generale (SocGen) gewannen 1,7 Prozent.

Mit dem Ölpreis ging es ebenfalls aufwärts. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um zwei Prozent auf 82,37 Dollar je Barrel (159 Liter). Als einen Grund nannte Commerzbank-Analystin Barbara Lambrecht die Unruhen in Kasachstan. “Das Land stemmt derzeit immerhin eine Ölförderung von 1,6 Millionen Barrel pro Tag.”

Finnland droht Streik von mehr als 50.000 Industriebeschäftigten

Helsinki (Reuters) – In der finnischen Technologie-, Bergbau- und Metallindustrie droht ein Streik von mehr als 50.000 Beschäftigten.

Der zehntägige Ausstand ist ab Mitte Januar geplant, wie die Gewerkschaften am Donnerstag mitteilten. Betroffen wären mehr als 200 Unternehmen, darunter Branchengrößen wie Nokia und Kone oder der schwedische Maschinenbauer Sandvik und der Schweizer Industriekonzern ABB. Die Gewerkschaften verlangen höhere Löhne, um gestiegene Lebenshaltungskosten aufzufangen. Die Betriebe lehnen dies ab, weil sie durch die geforderten Mehrausgaben ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sehen. Am 4. Januar ist ein Treffen mit der Nationalen Schlichtungsstelle geplant, um doch noch eine Lösung zu finden.

Dax mit ruhigem Jahresausklang – Anleger blicken auf 2022

Frankfurt (Reuters) – Das teils turbulente Börsenjahr 2021 klingt für Dax-Anleger geruhsam aus.

Der deutsche Leitindex beendete den verkürzten Handel am Donnerstag 0,2 Prozent im Plus bei 15.884,86 Punkten. Der EuroStoxx50 notierte ein halbes Prozent höher bei 4305,72 Zählern. “Die Investoren können zum Jahresausklang getrost die Sektkorken knallen lassen”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Der Dax berappelte sich in den vergangenen Wochen nach dem Schock über die neue Corona-Variante Omikron wieder und gewann auf Jahressicht rund 16 Prozent. Damit schloß er das neunte Mal in zehn Jahren mit einem Jahresgewinn ab. Von Reuters befragte Analysten sagen dem Index für 2022 neue Kursrekorde voraus. Dafür sind allerdings keine allzu großen Ausschläge nötig: Von seiner bisherigen Bestmarke von 16.290 Zählern ist der Dax nur noch rund 400 Punkte oder knapp drei Prozent entfernt.

Die Börse dürfte auch in den ersten Wochen des neuen Jahres “wie ein Seismograf auf die Erkenntnisse und Zahlen zur Omikron-Variante des Coronavirus reagieren”, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets. Anleger hofften darauf, dass die wieder verschärften Pandemie-Beschränkungen nur vergleichsweise kurze Zeit in Kraft blieben.

In Asien legte der Tokioter Nikkei-Index auf Jahressicht 4,9 Prozent zu und steht damit so hoch wie seit 1989 nicht mehr. Im Vergleich zu den US-Börsen, wo die Tech-Börse Nasdaq auf ein Jahresplus von 22 Prozent zusteuert, ist der Zuwachs allerdings eher moderat. An den US-Börsen zogen die Aktienfutures am Donnerstag vorbörslich noch weiter an.

IMPORTQUOTEN AUS CHINA DÄMPFEN LAUNE AM ÖLMARKT

Am Ölmarkt trübte die Aussicht auf geringere Importquoten Chinas im nächsten Jahr die Stimmung. Die Nordseesorte Brent und das US-Leichtöl WTI verbilligten sich um je ein knappes halbes Prozent auf 78,96 beziehungsweise 76,21 Dollar je Barrel (159 Liter). Brancheninsidern zufolge liegen die ersten von China an Raffinerien übermittelten Importquoten für 2022 rund elf Prozent unter den Vergleichszahlen für 2021. Von den insgesamt 42 Unternehmen, die die garantierten Quoten betreffen, profitierten vor allem die großen privaten Raffinerien. Das nähre die Sorge an den Börsen, dass China strengere Maßnahmen gegen unabhängige Raffinerien durchsetzen wolle, sagte ein in Singapur ansässiger Analyst.

Bei den Edelmetallen steuerte Gold auf seine schwächste Jahresbilanz seit 2015 zu. Mit aktuell um die 1800 Dollar je Feinunze steht unter dem Strich ein Verlust von knapp fünf Prozent seit Jahresanfang. Als Belastungsfaktoren nannten Börsianer den stärkeren US-Dollar und festere Anleiherenditen. Sie machen Gold für Investoren unattraktiver.

Zu den Gewinnern zählten am Aktienmarkt europaweit am Donnerstag Technologiewerte mit einem Plus von rund einem Prozent. Wegen der Furcht vor weiteren Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr mussten Airlines Federn lassen. So verloren die Aktien der Lufthansa rund ein Prozent.

Mehrere europäische Börsen, darunter Deutschland, Italien und Spanien, bleiben am Freitag geschlossen. In Paris und London werden vor dem neuen Jahr für eine verkürzte Sitzung Aktien gehandelt.

Importpreise steigen wie seit Ölkrise 1974 nicht mehr

Berlin (Reuters) – Die explodierenden Energiekosten verteuern die deutschen Importe so stark wie seit der Ölkrise in den 70er Jahren nicht mehr.

Die Einfuhrpreise stiegen im November um 24,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Eine höhere Rate hatte es zuletzt im Oktober 1974 in der ersten Ölpreiskrise gegeben. Damals kletterten die Einfuhrpreise sogar um 28,8 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen rechneten nun lediglich mit einem Anstieg von 22,3 Prozent. Im Oktober hatte das Plus 21,7 Prozent betragen, im September 17,7 Prozent.

Die erhöhten Kosten bei den Einfuhren könnten auch die Verbraucherpreise weiter anheizen. Diese stiegen zuletzt mit 5,2 Prozent so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Der jüngste Inflationsschub wird aus Sicht der Bundesbank länger anhalten als bisher gedacht.

Der massive Anstieg der Importpreise geht vor allem auf rasant steigende Kosten für Energie zurück: Deren Einfuhr verteuerte sich um 159,5 Prozent im Vergleich zum November 2020. Bei Erdgas fiel der Preisaufschlag dabei mit 270,9 Prozent besonders drastisch aus, bei Erdöl gab es ein Plus von 100,4 Prozent. Die Einfuhrpreise für importierte Steinkohle erhöhten sich um 153,7 Prozent. Den höchsten Preisanstieg im Vorjahresvergleich gab es beim Strom mit einem Plus von 359,9 Prozent.

Erzeugerpreise legen 19,2 Prozent zu – Größter Anstieg seit 1951

Berlin (Reuters) – Die deutschen Hersteller haben ihre Preise im November wegen teurer Energie so stark angehoben wie seit 70 Jahren nicht mehr.

Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte stiegen um 19,2 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das ist der stärkste Zuwachs seit November 1951 mit damals 20,6 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten sogar mit einer noch stärkeren Teuerung von 19,9 Prozent gerechnet, nach 18,4 Prozent im Oktober. Neben Energie verteuerten sich vor allem Vorprodukte wie Holz und Metalle merklich.

“Bisher gibt es keine Anzeichen dafür, dass es bald eine nachhaltige Entspannung geben wird”, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Da nicht sei nur bei Energie, sondern auch bei den anderen Vorprodukten kein Nachlassen des Preisauftriebs festzustellen. “Die dadurch kräftig steigenden Kosten geben die Produzenten von Konsumgütern zunehmend an ihre Kunden weiter”, sagte Solveen. Das sieht auch Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) so. Die Entwicklung ” lässt eine allmähliche Überwälzung gestiegener Kosten in die Verbraucherpreise hinein erwarten”, sagte der Experte. Auch das Ifo-Institut gibt noch keine Entwarnung an der Preisfront. “Preiserhöhungen bleiben auf der Agenda der Unternehmen”, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu der Dezember-Umfrage seines Instituts unter 9000 Betrieben. In der Industrie erwarte dies mindestens jedes zweite Unternehmen.

Die Produzentenpreise gelten als Vorläufer für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt – noch bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben. Diese stiegen zuletzt mit 5,2 Prozent so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. “Die Inflation wird vorerst hoch bleiben, auch weil die Lieferengpässe weiterhin die Herstellungskosten erhöhen und das Konsumgüterangebot verknappen”, sagt etwa das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) voraus. So dürften die Verbraucherpreise sowohl im zu Ende gehenden als auch im kommenden Jahr um durchschnittlich rund drei Prozent steigen.

Hauptverantwortlich für die hohen Erzeugerpreise war den Statistikern zufolge abermals die Energie. Sie verteuerte sich im November um durchschnittlich 49,4 Prozent. Erdgas verteuerte sich mit 83,4 Prozent besonders stark, elektrischer Strom um 48,0 Prozent. Vorleistungsgüter kosteten knapp ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Metalle verteuerten sich hier um 37 Prozent deutlich. Dabei kletterten die Preise für Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen mit 54,4 Prozent besonders kräftig. Besonders hohe Anstiege wurden zudem bei Sekundärrohstoffen (+79,1 Prozent), Verpackungsmitteln aus Holz (+73,7 Prozent) sowie Nadelschnittholz (+72,5 Prozent) ermittelt. Düngemittel und Stickstoffverbindungen kosteten 43,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Bei Papier und Pappe lag das Plus bei 28,0 Prozent.

Nahrungsmittel waren 4,7 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Besonders stark stiegen hier die Preise für pflanzliche, nicht behandelte Öle (+59,0 Prozent) und Butter (+37,3). Rindfleisch kostete 17,5 Prozent mehr als im November 2020, Backwaren 3,9 Prozent mehr. Dagegen würde Schweinefleisch 5,8 Prozent billiger.

Börsen am “Super Donnerstag” der Notenbanken im Aufwind

Frankfurt (Reuters) – An einem Tag voller Zentralbank-Sitzungen greifen Anleger beherzt bei europäischen Aktien zu.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Donnerstag um jeweils etwa ein Prozent auf 15.363,40 beziehungsweise 4209,80 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gewann 0,4 Prozent. An den Rohstoffmärkten waren die Optimisten ebenfalls in der Überzahl. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um knapp zwei Prozent auf 75,27 Dollar je Barrel (159 Liter) und das wichtige Industriemetall Kupfer sogar um 3,1 Prozent auf 9486 Dollar je Tonne.

Anleger reagierten erleichtert auf die Entscheidung der US-Notenbank, ihre Wertpapierkäufe rascher zurückzufahren und für 2022 drei Zinserhöhungen zu signalisieren, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Das vertreibt die Unsicherheit über den geldpolitischen Ausblick und dämpft die Sorgen, dass die Inflation außer Kontrolle gerät.” Mut machten Anlegern zudem die optimistischen Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell zum Konjunkturausblick, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Des straffen geldpolitischen Kurses zum Trotz sieht er keine Abschwächung.” Sollte sich die Konjunktur aber abkühlen, könne die Stimmung rasch kippen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist zwar von Zinserhöhungen noch weit entfernt, beginnt aber ebenfalls, den Geldhahn langsam zuzudrehen. Sie lässt das Pandemie-Notkaufprogramm PEPP im März 2022 auslaufen. Allerdings will sie im Gegenzug das kleinere Wertpapier-Ankaufprogramm APP aufstocken, um Börsenturbulenzen zu vermeiden. “In der Summe verkleinert die EZB damit die Wertpapierkäufe im kommenden Jahr deutlich”, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. “Im Gegensatz zur Fed sieht sich die EZB allerdings nicht unter Zugzwang, einen deutlichen Kurswechsel zu vollziehen.” Der Euro baute nach dem EZB-Entscheid seine Kursgewinne auf 1,1311 Dollar aus.

BANK VON ENGLAND – “UND SIE BEWEGT SICH DOCH”

Die Bank von England (BoE) überraschte Börsianer dagegen mit einer Zinserhöhung. Dies sei ein Indiz dafür, dass die Inflationsrisiken an der Spitze der Tagesordnung der Notenbanken stehen, kommentierten die Analysten der Commerzbank. Als Reaktion auf den BoE-Entscheid stieg das Pfund Sterling zeitweise um ein knappes Prozent auf 1,3374 Dollar.

Aufwärts ging es auch für die norwegische Krone, nachdem die dortige Notenbank den Leitzins ebenfalls angehoben und drei weitere Schritte für 2022 signalisiert hatte. Im Gegenzug fiel der Dollar um bis zu 0,8 Prozent auf 8,9384 Kronen. “Die Botschaft der Norges Bank ist, dass die norwegische Wirtschaft weniger auf ein Krisen-Zinsniveau angewiesen ist”, sagte Kjersti Haugland, Chef-Volkswirtin der Investmentbank DNB Markets.

Gegen den Trend senkte die türkische Notenbank dagegen ihren Leitzins ungeachtet einer hohen Inflation. Dies drückte die Landeswährung erneut auf Rekordtiefs. Dollar und Euro stiegen auf 15,736 beziehungsweise 17,8394 Lira. “Der Wahnsinn nimmt kein Ende”, kritisierte VP-Experte Gitzel. “Mit der Währungsschwäche wird Inflation importiert.”

LEERVERKÄUFER VICEROY KNÖPFT SICH S&T VOR

Am deutschen Aktienmarkt rückte S&T ins Rampenlicht. Der Leerverkäufer Viceroy griff die IT-Firma an und bezeichnete sie als überbewertet. Die Firma des britischen Investors Fraser Perring hatte zuvor bereits den zusammengebrochenen Zahlungsabwickler Wirecard und die Immobilienfirma Adler attackiert. S&T versprach eine detaillierte Antwort auf die Vorwürfe in den kommenden Tagen. Die Papiere der Firma verbuchten mit einem Minus von fast 30 Prozent den größten Tagesverlust der Firmengeschichte.

An der Wall Street stiegen die Titel von Accenture dagegen um bis zu zehn Prozent auf ein Rekordhoch von 413,10 Dollar. Das Quartalsergebnis der IT- und Beratungsfirma habe in allen Bereichen die Erwartungen übertroffen, lobte Analyst Surinder Thind von der Investmentbank Jefferies. Das Unternehmen machte einen Quartalsumsatz von 14,97 Milliarden Dollar und steigerte das Neugeschäft um 30 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar.