Dax höher erwartet – Inflation im Blick

Frankfurt (Reuters) – Zum Auftakt der neuen Börsenwoche wird der Dax Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge am Montag höher starten.

Belastet von Zins- und Konjunktursorgen hatte er am Freitag 1,3 Prozent auf 15.318,95 Punkte nachgegeben.

Daher richten Anleger ihre Aufmerksamkeit wenige Tage vor den geldpolitischen Beratungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf die deutschen Inflationsdaten. Experten erwarten für Januar einen Rückgang der Teuerungsrate auf 4,3 von 5,3 Prozent im Jahresvergleich. In den USA steht unter anderem der Chicagoer Einkaufsmanager-Index auf der Agenda.

Daneben halten Firmenbilanzen Börsianer auf Trab. So öffnen der Billig-Flieger Ryanair, der Autozulieferer Stabilus und Atoss Software ihre Bücher.

Schlusskurse europäischer Indizes Stand

am vorangegangenen Handelstag

Dax

15.318,95

Dax-Future

15.522,00

EuroStoxx50

4.136,91

EuroStoxx50-Future

4.183,50

Schlusskurse der US-Indizes am Stand Veränderung

vorangegangenen Handelstag

Dow Jones

34.725,47 +1,7 Prozent

Nasdaq

13.770,57 +3,1 Prozent

S&P 500

4.431,85 +2,4 Prozent

Asiatische Indizes am Montag Stand Veränderung

Nikkei

27.047,08 +1,2 Prozent

Shanghai

Kein Handel

Hang Seng

23.802,26 +1,1 Prozent

Japans Industrieproduktion schrumpft stärker als erwartet

Tokio (Reuters) – Die japanische Industrieproduktion ist im Dezember wegen eines Rückgangs im Maschinenbausektor stärker geschrumpft als von Experten vorhergesagt.

Sie fiel im Vergleich zum November um 1,0 Prozent, wie das Handelsministerium in Tokio am Dienstag mitteilte. Eine Reuters-Prognose hatte im Mittel einen Rückgang um 0,8 Prozent erwartet. Es ist der erste Rückgang seit drei Monaten.

“Die Produktion ging vor allem bei den Investitionsgüterherstellern zurück, was wahrscheinlich auf die starken Auswirkungen der Chip-Knappheit zurückzuführen ist”, sagte Takeshi Minami, Chefökonom des Norinchukin Research Institute. “Das deutet darauf hin, dass sich die Auswirkungen ausweiten, auch wenn der Schwerpunkt bislang auf der Autoindustrie lag.” Die vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) befragten Hersteller rechnen im Januar mit einem Produktionswachstum von 5,2 Prozent und 2,2 Prozent im Februar.

Mittelstand fordert weitere Entlastung bei Energiekosten

Berlin (Reuters) – Der Vorstoß zur vorzeitigen Abschaffung der EEG-Umlage von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) trifft in der Wirtschaft auf Zustimmung, geht aber nach Vorstellungen des Mittelstandes nicht weit genug.

“Damit wird ein Beitrag zur finanziellen Entlastung der Unternehmen und Verbraucher geleistet. Dies ist angesichts konjunktureller Bremsspuren und Preisexplosionen bei Energie und Lebensmitteln überfällig“, sagte Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), den Zeitungen der “Funke Mediengruppe” (Montagsausgaben). Der Verbandschef forderte darüber hinaus weitere Entlastungen. So sei die Stromsteuer in Deutschland über 20 Mal höher als von der Europäischen Union (EU) vorgeschrieben. Dies erzeuge hohe Nachteile bei der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produzenten und verringere zusätzlich das Wirtschaftswachstum. “Es ist deshalb erforderlich, über die EEG-Umlage hinaus die Energiekosten auf das europäische Niveau abzusenken.”

US-Währungshüter denkt über Zinspause nach einer Erhöhung im März nach

Washington (Reuters) – US-Währungshüter Neel Kashkari hält nach einer für März signalisierten Zinswende eine Pause im Erhöhungszyklus für denkbar.

Er erwarte, dass der geldpolitische Schlüsselsatz auf der Sitzung Mitte März angehoben werde, sagte der Chef des Fed-Bezirks Minneapolis am Freitag. Danach sei es vorstellbar, je nach Konjunkturlage zunächst eine Pause einzulegen: “Das ist denkbar, ich will es nicht vorwegnehmen.” US-Notenbankchef Jerome Powell hat eine Zinswende für März angedeutet und die Finanzmärkte auf weitere Schritte nach oben vorbereitet. Die Volkswirte der Bank of America gehen mittlerweile von sieben Zinserhöhungen im laufenden Jahr um jeweils einen Viertelprozentpunkt aus.

Damit würde die Fed bei jeder der kommenden Sitzungen einen Straffungsschritt beschließen. Eine von Kashkari ins Spiel gebrachte Pause wäre somit nicht drin. Der Chef der Fed von Minneapolis erklärte, er sei offen dafür, die Zinsen “ein paar Mal” zu erhöhen. Wegen des unklaren Konjunkturausblicks verbiete es sich, die Gangart der Zinserhöhungen vorab mit Signalwörtern wie “behutsam” oder “schrittweise” zu beschreiben. Er gehe jedoch davon aus, dass der Preisdruck bald nachlasse. Die Verbraucherpreise waren im Dezember mit 7,0 Prozent so rasant gestiegen wie seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr.

Steuereinnahmen von Bund und Ländern 2021 deutlich gestiegen

Berlin (Reuters) – Die Steuereinnahmen von Bund und Ländern sind im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen.

Im Vergleich mit dem ersten Corona-Krisenjahr 2020 legten sie um 11,5 Prozent auf knapp 761 Milliarden Euro zu, wie das Bundesfinanzministerium am Freitag mitteilte. Damit wurden die Prognosen von Experten noch einmal klar übertroffen. Der Arbeitskreis Steuerschätzung war zuletzt von knapp 745 Milliarden ausgegangen. Im Dezember 2021 war die Dynamik noch stärker. Hier gab es bei Bund und Ländern mit 111,5 Milliarden Euro ein Einnahmeplus von 19,5 Prozent.

“Der Bund schwimmt im Geld – auch als Folge der zuletzt ausufernden Inflation”, sagte der finanz- und haushaltspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Sebastian Brehm. Trotzdem verschiebe die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP mit dem Nachtragshaushalt zusätzlich 60 Milliarden Euro in den Klimafonds. Der Fokus müsste aber sein, die Inflationsbelastungen der Menschen auszugleichen. Die Teuerungsrate wird dieses Jahr nach Schätzung der Regierung noch einmal auf 3,3 (2021: 3,1) Prozent zulegen.

Die Linke empfahl FDP-Finanzminister Christian Lindner, kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. “Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt für Steuersenkungen”, so Finanzpolitiker Christian Görke. Auch eine temporäre Senkung der Mehrwertsteuer auf Energie käme infrage. “Das würde nicht nur Geringverdiener und die Mittelschicht entlasten, sondern auch die Wirtschaft anschieben.”

Allerdings profitierten vergangenes Jahr vor allem die Länder von der Erholung der Wirtschaft, während der Bund weiterhin viele Corona-Lasten zu schultern hat. Insgesamt gingen die reinen Bundessteuern 2021 um 7,1 Prozent zurück, die allein den Ländern zufließenden Steuern kletterten dagegen um 13,8 Prozent. Bei den Steuern, die beiden Ebenen zustehen, gab es einen Zuwachs von 15 Prozent.

Ökonomen wie Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sind deswegen vorsichtig. “Der Staat kämpft noch immer mit Defiziten, etwa in den Sozialversicherungen. Und die Ausgaben zur Bekämpfung der Pandemie sind weiterhin erheblich”, sagte er zu Reuters. Die hohen Energiepreise seien nur bedingt bei den Steuern zu spüren gewesen. “Besonders stark ist die Inflation im Dezember bei der Umsatzsteuer zu sehen.” Kräftig im Plus seien im Dezember und Gesamtjahr 2021 die gewinnabhängigen Steuern gewesen. “Das geht auch darauf zurück, dass Unternehmen ihre Margen verbessert haben, also höhere Preise durchsetzen konnten.”

Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,7 Prozent gewachsen. Damit konnte der Einbruch aus dem ersten Corona-Krisenjahr 2020 von damals 4,6 Prozent aber noch nicht wieder ausgeglichen werden. Die zumindest bessere konjunkturelle Entwicklung spiegelt sich bei vielen Steuern wider: Die – 2020 für sechs Monate abgesenkte – Umsatzsteuer kletterte 2021 um 14,3 Prozent, die Einkommenssteuer um 14,8 Prozent und die maßgeblich von der Gewinnentwicklung der Unternehmen abhängende Körperschaftssteuer um fast 74 Prozent. Auch die wieder stärkere Reisetätigkeit schlug sich nieder: Die Luftverkehrssteuer lag knapp 94 Prozent oberhalb des Niveaus von 2020.

Deutsche Wirtschaft schrumpft Ende 2021 – Omikron dämpft

– von Klaus Lauer

Berlin (Reuters) – Delta und Omikron, Inflation und Lieferprobleme: Dieser Cocktail war Ende 2021 Gift für die deutsche Konjunktur.

Die Wirtschaft schrumpfte zwischen Oktober und Dezember überraschend stark um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Nun droht sogar eine vorübergehende Rezession, bevor die Wirtschaft dann ab dem Frühjahr im Zuge sinkender Inzidenzen die Virus-Pandemie schrittweise abschütteln sollte. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sprach von gedämpfter Dynamik zum Jahresanfang, zeigte sich aber zuversichtlich für 2022. “Wir haben eine robuste Wirtschaft und einen stabilen Arbeitsmarkt.” In diesem Jahr werde die Konjunktur um 3,6 und 2023 um weitere 2,3 Prozent zulegen.

Die Statistiker hatten Mitte Januar zwar in einer ersten groben Schätzung einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,5 bis 1,0 Prozent für Ende 2021 veranschlagt. Nach zuletzt positiven Konjunkturdaten hatten Ökonomen aber nur mit einem Minus von 0,3 Prozent gerechnet. “Der Abwärtssog war gewaltig”, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. “Die deutsche Wirtschaft steckte in der Corona- und Materialmangelfalle fest.” Das hohe Infektionsgeschehen und die Beschränkungen hätten einmal mehr die Dienstleister belastet.

Das Statistikamt erklärte, die Wirtschaftskraft sei noch im Sommer trotz Liefer- und Materialengpässen gewachsen. “Die Erholung der deutschen Wirtschaft wurde durch die vierte Corona-Welle und erneute Verschärfungen der Corona-Schutzmaßnahmen zum Jahresende gestoppt.” Besonders die Ausgaben der Verbraucher sanken, während die staatlichen Konsumausgaben zunahmen. Die Bauinvestitionen gingen im Vergleich zum Sommer zurück.

HOFFNUNGSTRÄGER KONSUM – RISIKO CHINA

Gerade die Verbraucher sollen die Wende bringen. Mussten sie sich zuletzt mit Kino-, Theater- und Restaurantbesuchen sowie beim Shoppen zurückhalten, könnte demnächst der Knoten platzen. “Sobald die aktuelle Covid-Welle abflacht, dürften die Menschen wieder mehr für den Konsum ausgeben”, sagte Sebastian Dullien vom IMK-Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Zwar dämpften die hohen Energiepreise derzeit die verfügbare Kaufkraft. “Aber die Deutschen haben dafür in der Corona-Zeit rund 200 Milliarden Euro zusätzlich gespart, von denen einiges in den Konsum fließen dürfte.”

Der Rückgang beim BIP zum Jahresende war das erste Minus seit Anfang 2021. Fachleute gehen davon aus, dass Corona die Konjunktur auch im laufenden Quartal belastet. So könnte es zu einer technischen Rezession kommen – wenn die Wirtschaftskraft also in zwei Vierteljahren in Folge sinkt. “Omikron und Lieferketten bleiben vorerst hartnäckige Spielverderber”, sagte Chefökonom Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. “Für das laufende Quartal ist an eine dynamische Wachstumsrückkehr nicht zu denken.” Auch Jens-Oliver Niklasch von der LBBW rechnet mit einem mauen Jahresstart 2022 – “zumal üblicherweise hohe Inflation eine echte Konsumbremse ist”.

2021 hatte die Wirtschaft um revidiert 2,8 Prozent zugelegt. Dies konnte den Einbruch aus dem ersten Corona-Krisenjahr 2020 von 4,6 Prozent nicht ausgleichen. Wegen anhaltender Risiken etwa durch globale Lieferengpässe ist Deutschland noch lange nicht aus dem Schneider. Denn eine Verschärfung der Corona-Krise in China durch die Omikron-Variante könnte einer Studie zufolge die Erholung der deutschen Wirtschaft stark bremsen. Dann könnte sich das für 2022 erwartete Wachstum von vier Prozent auf nur noch 2,1 Prozent fast halbieren, teilte das Analyse- und Beratungsunternehmen Prognos zu einer Simulationsrechnung mit. Die deutsche Wirtschaftsleistung würde 2022 dann um 61 Milliarden Euro geringer ausfallen als gedacht. [L8N2U81U7]

Frankreichs Wirtschaft legte derweil trotz Omikron Ende 2021 überraschend stark um 0,7 Prozent zu und schaffte im Gesamtjahr mit sieben Prozent das stärkste Wachstum seit 1969. Allerdings war die Wirtschaft von Deutschlands Nachbar im Corona-Rezessionsjahr 2020 auch massiv um 8,0 Prozent eingebrochen. Die Konjunktur in Spanien zog 2021 um fünf Prozent an und damit so kräftig wie seit 2000 nicht mehr, wobei das BIP zum Jahresende um zwei Prozent kletterte.

Geschäftsklima im Euro-Raum trübt sich zu Jahresbeginn weiter ein

Berlin/Brüssel (Reuters) – Die Stimmung in der Wirtschaft der Euro-Zone hat sich zu Jahresbeginn weiter eingetrübt.

Das Barometer fiel im Januar um 1,1 auf 112,7 Punkte, wie aus den am Freitag veröffentlichten Daten der EU-Kommission hervorgeht. Von Reuters befragte Experten hatten mit einem Rückgang auf 114,5 Zähler gerechnet. Allerdings wurde der Dezember-Wert nun nachträglich auf 113,8 nach unten revidiert – von zuvor genannten 115,3 Punkten.

Bergab ging es mit der Stimmung im Januar im europäischen Dienstleister-Bereich und auch am Bau. Auch in der Industrie und bei den Verbrauchern trübte sie sich etwas ein. Im Einzelhandel hellte sich die Laune hingegen auf. Gegen den Trend stieg das Barometer für das Geschäftsklima in Deutschland (plus 0,8) and Spanien (plus 0,6). In Italien (minus 6,1), Frankreich (minus 2,8) und den Niederlanden (minus 1,3) fiel es hingegen deutlich.

Importpreise klettern 2021 so stark wie seit 40 Jahren nicht

Berlin (Reuters) – Die explodierenden Energiekosten haben die deutschen Importe 2021 so kräftig verteuert wie seit 40 Jahren nicht mehr.

Die Einfuhrpreise stiegen im Jahresdurchschnitt um 13,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Einen stärkeren Preisanstieg hatte es zuletzt 1981 mit 13,7 Prozent gegeben. Im Dezember ebbte der Preisdruck minimal ab. Die Einfuhren verteuerten sich um 24,0 Prozent binnen Jahresfrist und damit etwas weniger als von Ökonomen mit 26,4 Prozent erwartet. Im November hatte das Plus noch bei 24,7 Prozent gelegen und so auf dem höchsten Stand seit der ersten Ölpreiskrise Ende 1974.

Die erhöhten Kosten bei den Einfuhren heizen auch die Verbraucherpreise an. Diese kletterten zuletzt mit 5,3 Prozent so stark wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Für Preisdruck bei den Importen sorgten vor allem teurere Energie und Vorleistungsgüter, sagte Analyst Kristian Tödtmann von der DekaBank. “Dies ist eine Belastung sowohl für private Haushalte als auch für Unternehmen, was zu Druck an anderer Stelle führt.” Das betreffe etwa Lohnverhandlungen oder den Versuch der Unternehmen, höhere Kosten weiterzureichen. “Inwieweit es in den nächsten Monaten zu einer Entlastung kommt, ist extrem unsicher.” Die wichtigsten Einflussfaktoren seien die Weltmarktpreise für Öl und Erdgas, Geopolitik sowie die globalen Lieferkettenprobleme.

Der massive Anstieg der Importpreise geht vor allem auf rasant steigende Kosten für Energie zurück: Deren Einfuhr verteuerte sich 2021 um fast 84 Prozent. Alle Energieträger waren im Durchschnitt deutlich teurer als 2020. Besonders stark stiegen die Preise für elektrischen Strom mit 216,4 Prozent und Erdgas mit 138,7 Prozent. Klammert man Energie aus, lagen die Importpreise 2021 im Schnitt nur um 7,3 Prozent über Vorjahr.

Vorleistungsgüter waren 2021 um 15,7 Prozent teurer. Die Importpreise für Düngemittel und Stickstoffverbindungen lagen um gut 64 Prozent, Eisenerze um 55,5 Prozent, gesägtes und gehobeltes Holz um fast 41 Prozent, Kunststoffe in Primärformen um 33,2 Prozent und Metalle um 30,3 Prozent über dem Niveau von 2020. Dagegen wurde für elektronische Bauelemente im Durchschnitt 4,5 Prozent weniger bezahlt als ein Jahr zuvor. Die gestiegenen Kosten machen der Industrie und dem Bau zu schaffen und verhindern einen stärkeren Aufschwung.

Die Exportpreise lagen 2021 im Schnitt 5,6 Prozent über dem Vorjahr. Allein im Dezember verteuerten sich die Ausfuhren binnen Jahresfrist allerdings um 10,9 Prozent. “Eine größere Vorjahresveränderung hatte es zuletzt im Dezember 1974 gegeben”, erklärten die Statistiker.

IWF fordert von Japan Reduzierung der Pandemiehilfen

Tokio (Reuters) – Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat das hoch verschuldete Japan aufgefordert, die Pandemie-Nothilfen zurückzufahren.

Zudem sei eine Erhöhung der Steuern auf Immobilien und Kapitalerträge in Betracht zu ziehen, sobald sich die Wirtschaft von den Folgen der Virus-Krise erholt hat. “Was wir brauchen, ist ein breiteres Paket von staatlichen Ausgaben- und Einnahmemaßnahmen, das auch eine Erhöhung der Verbrauchssteuer umfassen könnte”, sagte der Vize-Direktor der Abteilung Asien und Pazifik des IWF, Odd Per Brekk, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die wirtschaftliche Erholung Japans werde sich in diesem Jahr wahrscheinlich verstärken. Sobald der Aufschwung gefestigt sei, müsse das Land seine Bemühungen zur Eindämmung seiner enormen Verschuldung fortsetzen, so der IWF. 2019 lag die Staatsverschuldung bei 222,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. In Bezug auf die Geldpolitik forderte der IWF die Bank of Japan (BoJ) auf, ihr massives Konjunkturprogramm beizubehalten und für eine Feinjustierung bereitzustehen, falls die Inflationsdynamik schwach bleibe.

Die BoJ betreibt eine Politik zur Kontrolle der Zinskurve – im Fachjargon Yield Curve Control (YCC) genannt. Dabei geht es darum, neben kurzfristigen auch längerfristige Zinsen zu steuern. Derzeit strebt die BoJ im Rahmen dieser Politik an, ihr kurzfristiges Zinsziel bei minus 0,1 und die Zielrendite für zehnjährige Staatsanleihen bei null Prozent zu halten. Der IWF schlägt der Notenbank nun vor, zu erwägen, bei diesem Manöver Anleihen mit kürzerer Laufzeit als zehn Jahren anzusteuern. Laut Brekk hat die bisherige Politik zwar funktioniert, doch mit negativen Nebenwirkungen für den Finanzsektor. Kritiker der YCC beklagen, dass dies die Gewinnmarge von Finanzinstituten bei der Kreditvergabe beeinträchtige und zu Verzerrungen an den Märkten führe.

Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda zeigte sich offen für eine künftige Änderung der ultra-lockeren Linie. Eine modifizierte Strategie zu entwickeln, stehe an, wenn das Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank bei der Inflation erreicht sei. Jetzt sei dies zwar noch verfrüht. Doch wenn der Zeitpunkt für einen Ausstieg gekommen sei, sei auch das Ansteuern einer kürzeren Laufzeit bei der Kontrolle der Zinskurve eine Option.

Japans Verbraucherpreise sind im Dezember bereits den zweiten Monat in Folge so schnell gestiegen wie seit knapp zwei Jahren nicht mehr. Der landesweite Kern-Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im Dezember um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der schnelle Anstieg wird als Zeichen für den zunehmenden Inflationsdruck durch steigende Kraftstoff- und Rohstoffkosten gesehen. Analysten zufolge gilt es als unwahrscheinlich, dass der Anstieg des VPI die BoJ dazu veranlassen könnte, die geldpolitischen Impulse in absehbarer Zeit zurückzunehmen, da die Inflation noch weit von dem Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank entfernt ist.

Habeck erwartet 2023 Konjunkturabkühlung und wieder normalere Inflation

Berlin (Reuters) – Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck rechnet im kommenden Jahr mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur.

“Wir erwarten dann ein Wachstum in 2023 von 2,3 Prozent”, sagte der Grünen-Politiker am Freitag im Bundestag. Für das laufende Jahr kalkuliert die Bundesregierung mit einem Plus von 3,6 Prozent. Das Niveau vor Ausbruch der Corona-Krise werde im zweiten Quartal 2022 wieder erreicht. “Wir haben eine robuste Wirtschaft und einen stabilen Arbeitsmarkt.” Zu Jahresbeginn sei die Dynamik wegen der anhaltenden Einschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie aber noch gedämpft. Im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaft um revidiert 2,8 Prozent zugelegt, konnte damit den Einbruch aus dem ersten Corona-Krisenjahr 2020 von 4,6 Prozent aber noch nicht ausgleichen.

Die Bundesregierung rechnet dieses Jahr zudem mit einer Inflation von 3,3 (2021: 3,1) Prozent. Die Nettolöhne sollten um 3,5 Prozent zulegen. 2023 werde sich die Teuerungsrate dann wieder um zwei Prozent einpendeln. Sie ist zuletzt sprunghaft gestiegen – wegen der wirtschaftlichen Erholung von der Pandemie, globalen Lieferkettenproblemen sowie hohen Energie- und Lebensmittelpreisen.

Habeck sagte, die Stabilisierung der Energiepreise sei eine wichtige Aufgabe für die neue Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP. Mittelfristig müsse der Ausstieg aus fossilen Energien vorangetrieben werden ebenso wie der Ausbau erneuerbarer Energien. “Das ist die Strategie, die wir gehen müssen.” Denn die jetzige Inflation gehe stark auf die Gaspreise zurück. Außerdem sollte die EEG-Umlage – der Strompreis-Aufschlag zum Ausbau erneuerbarer Energien – so schnell wie möglich abgeschafft werden. Und Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten effizienter werden. “Taten braucht es”, erwiderte der CDU-Politiker Jens Spahn im Parlament. Für Habeck müsse die Devise lauten: “Weniger Poesie, mehr Machen”.

Der Wirtschaftsminister betonte, Deutschland stehe mittelfristig vor großen Herausforderungen: “Wir werden in eine dramatische Fach- und Arbeitskräftelücke reinlaufen.” Mehr Qualifizierung und mehr Zuwanderung seien deswegen nötig. “Wir entlassen zehn Prozent der jungen Leute aus der Schule, ohne dass die beruflich qualifiziert sind. Das kann so nicht bleiben.”