Schweizer Notenbank bleibt bei expansiver Geldpolitik

Zürich (Reuters) – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält vor dem Hintergrund des jüngsten Franken-Anstiegs auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren an ihrer bisherigen expansiven Geldpolitik fest.

Den Leitzins und den Zins auf Sichteinlagen bei der Notenbank beließen die Währungshüter am Donnerstag bei minus 0,75 Prozent. Sie sind auch weiterhin bereit, sich mit Devisenmarktinterventionen gegen eine übermäßige und wirtschaftsschädliche Aufwertung des Frankens zu stemmen. “Die SNB bleibt sich treu” fasste Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, stellvertretend für viele andere Volkswirte zusammen. “Große geldpolitische Veränderungen stehen wohl vorerst nicht an.”

Die SNB ist dank einer vergleichsweise moderaten Teuerung in der Alpenrepublik und der robuste Wirtschaftslage des Landes in einer verhältnismäßig komfortablen Lage. Anders als etwa für die US-Notenbank (Fed) besteht kein Druck, den Krisenmodus bald zu verlassen. Sein Augenmerk richtet das dreiköpfige SNB-Direktorium um Präsident Thomas Jordan vor allem auf den Franken. “Die Höhe des Schweizer Frankens ist uns sehr wichtig”, sagte Jordan. “Der Wechselkurs ist ein wichtiges Element der monetären Bedingungen in der Schweiz, und wir beobachten ihn weiterhin sehr genau und berücksichtigen ihn.” Eingriffe am Devisenmarkt seien ein wesentliches Element der SNB-Geldpolitik. Den Franken stuft die Notenbank weiterhin als hoch bewertet ein.

Andere große Notenbanken dagegen planen angesichts einer stark anziehenden Inflation eine Straffung ihrer Geldpolitik. So signalisierte die amerikanische Fed am Mittwoch für 2022 mehrere Zinserhöhungen. Und von der Europäischen Zentralbank (EZB), deren Zinsentscheidung am frühen Nachmittag auf dem Programm steht, wird erwartet, dass sie den Ausstieg aus dem Pandemie-Krisenmodus einleiten wird.

VORSICHTIGERE WACHSTUMS- UND HÖHERE INFLATIONSPROGNOSE

Gar etwas optimistischer als zuletzt fällt die Konjunktureinschätzung der SNB für das zu Ende gehenden Jahr aus. Sie rechnet 2021 nun mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um rund 3,5 Prozent, nachdem sie im September noch von rund drei Prozent ausgegangen war. 2022 dürfte sich das Wachstum dann auf rund drei Prozent verlangsamen.

Die Teuerung dürfte der SNB zufolge 2021 und 2022 etwas stärker anziehen als bislang geschätzt. Die Verbraucherpreise dürften dieses Jahr um 0,6 Prozent steigen, im kommenden dann um 1,0 Prozent. An der Inflationsprognose von 0,6 Prozent im Jahr 2023 hält die Notenbank fest. Handlungsbedarf zeichnet sich für die SNB, die eine Inflation zwischen null und zwei Prozent anpeilt, damit nicht ab.

Von Reuters im Vorfeld der vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB befragte Volkswirte hatten übereinstimmend unveränderte Zinsen prognostiziert. Die Währungshüter setzen seit bald sieben Jahren auf den weltweit tiefsten Negativzins und Fremdwährungskäufe, um eine übermäßige Aufwertung des Franken zu unterbinden.

EZB berät über Plan zum Ausstieg aus Pandemie-Krisenmodus

Frankfurt/Berlin (Reuters) – Angesichts rasant steigender Preise beraten die Währungshüter der EZB an diesem Vormittag über eine allmähliche Abkehr von der sehr lockeren Geldpolitik.

Für den Mittag (13.45 Uhr) ist ein Beschluss des EZB-Rats zu erwarten, das nach Ausbruch der Corona-Pandemie geschaffene große Anleihen-Kaufprogramm namens PEPP nach gut zwei Jahren ab April abzuschalten. Es ist auf 1,85 Billionen Euro ausgelegt. Damit es nach dem voraussichtlichen Ende der Zukäufe im Frühjahr 2022 nicht zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommt, soll es einen möglichst reibungslosen Übergang geben. Dabei dürfte das kleinere Anleihenprogramm APP in neu justierter Form das Mittel der Wahl sein.

Die EZB hatte bereits 2015 mit den Staatsanleihen-Käufen im Rahmen des Programms begonnen, um die Konjunktur zu stützen. Die Europäische Zentralbank (EZB) schleuste über dieses Kaufprogramm zuletzt monatlich 20 Milliarden Euro in das Finanzsystem. Als eine Option gilt, das monatliche Kaufvolumen aufzustocken. Die Währungshüter könnten allerdings auch einen Gesamtumfang für die Zeit bis Ende 2022 festlegen.

Die auf Preisstabilität ausgerichtete EZB sieht sich zurzeit mit einem massiven Inflationsproblem konfrontiert: Die Teuerung erreichte im November ein Rekordniveau von 4,9 Prozent. Angetrieben wird sie durch die Energiepreise, die in der Jahresrate im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 quasi explodiert sind. Auch spielen Störungen der Lieferketten eine Rolle, die sich aus der Pandemie ergeben haben. Die neue Coronavirus-Variante Omikron bereitet den Währungshütern weiteres Ungemach, da die rasche Verbreitung die Konjunkturaussichten eintrübt.

Am Leitzins von 0,0 Prozent dürfte der EZB-Rat auf der Sitzung nicht rütteln. EZB-Chefin Christine Lagarde hat überdies signalisiert, dass eine Erhöhung im kommenden Jahr sehr unwahrscheinlich sei. Mit Spannung warten EZB-Beobachter darauf, ob sie diese Einschätzung auch auf der Pressekonferenz wiederholt. Anders als in der Euro-Zone stehen die Zeichen in den USA nächstes Jahr auf Zinswende.

Vertreter einer eher straffen Linie in der EZB dringen angesichts des unklaren Konjunkturbilds und wegen anhaltender Inflationsgefahren darauf, dass sich die EZB geldpolitisch nicht über 2022 hinaus festlegt. Den Währungshütern liegen nun auch aktualisierte Wachstums- und Inflationsprognosen der EZB-Volkswirte vor, die erstmals bis ins Jahr 2024 reichen. Im September hatten die EZB-Ökonomen geschätzt, dass die Teuerungsrate 2022 mit 1,7 Prozent wieder unter das EZB-Ziel von 2,0 Prozent sinken und 2023 mit 1,5 Prozent noch niedriger ausfallen wird.

Fed löst sich wegen Inflation schneller vom Krisenmodus – Zinswende naht

– von Howard Schneider und Reinhard Becker und Hakan Ersen

Washington/Berlin (Reuters) – Angesichts hoher Inflation leitet die US-Notenbank (Fed) einen baldigen Abschied vom Krisenmodus ein und signalisiert für 2022 mehrere Zinserhöhungen.

Die monatlichen Konjunkturspritzen sollen bis März komplett eingestellt werden – ab Mitte Januar wird das Abbautempo bei den Wertpapierkäufen dazu auf 30 Milliarden Dollar monatlich verdoppelt. Mit den am Mittwoch vorgestellten Plänen der US-Notenbank wird der Boden für die Zinswende bereitet. Fed-Chef Jerome Powell machte deutlich, dass die Wirtschaft die Hilfen nicht mehr benötigt und die Zeiten des billigen Geldes bald gezählt sind: Angesicht der hohen Inflation und der raschen Fortschritte am Arbeitsmarkt sei die Fed “sehr, sehr gut aufgestellt für Zinserhöhungen”.

Der Arbeitsmarkt macht aus Sicht des Notenbankchefs rasche Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung, dem erklärten Ziel der Fed. Mit 4,2 Prozent sei die Quote bereits in der Nähe der Vier-Prozent-Marke angekommen, betonte Powell. Zugleich schrillen wegen der rasant steigenden Preise die Alarmglocken bei der Notenbank. Die Inflation sei “weit über das Ziel” der Notenbank hinausgeschossen, warnte Powell.

An den Terminmärkten wird mittlerweile für Mai 2022 fest mit der Zinswende gerechnet. Wie aus dem Ausblick der Währungshüter hervorgeht, halten diese im Mittel drei Zinsschritte nach oben im kommenden Jahr für angebracht. Ende 2022 würde das Niveau dann bei 0,9 Prozent liegen. Einstweilen beließen die Währungshüter den Leitzins aber in der Spanne von null bis 0,25 Prozent.

“AGGRESSIVE SEITE DER FED”

Die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik ermunterte Anleger zum Kauf von Dollar. Mit US-Aktien deckten sich Investoren ebenfalls ein. Die Wall Street schloss nach Powells Ankündigung deutlich im Plus. “Am Aktienmarkt hatten Investoren darauf gehofft, die aggressive Seite der Fed zu sehen. Ihnen gefällt, dass die Fed endlich gegen die Inflation vorgeht, die außer Kontrolle geraten ist”, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade.

Die Fed sieht sich mit dem stärksten Inflationsdruck seit Anfang der 80er Jahre konfrontiert. Die Verbraucherpreise stiegen im November um 6,8 Prozent. Das Ziel der Notenbank liegt bei 2,0 Prozent. “Die US-Inflationsdaten für November waren angesichts des stärksten Preisdrucks seit fast 40 Jahren eine Steilvorlage, welche die Fed gewissermaßen zum Handeln gezwungen hat”, meint LBBW-Analyst Elmar Völker.

In ihrer nun aktualisierten Inflationsprognose geht die Fed davon aus, dass die Teuerungsrate auch 2022 mit 2,6 Prozent erhöht bleiben wird. Vor allem Energiepreise, Engpässe bei Lieferketten und Corona-bedingte Nachholeffekte sorgen derzeit für anhaltenden Preisdruck.

ZEW-Experte Friedrich Heinemann sieht auch die massiven Konjunkturspritzen der Regierung von Präsident Joe Biden als Treiber der Teuerung: “Die sehr hohe US-Inflationsrate von über sechs Prozent zeigt inzwischen deutlich, dass das Biden-Konjunkturpaket überdimensioniert war und über das Ziel hinausgeschossen ist.” Eine durch historisch hohe Staatsschulden angefachte Nachfrage treffe auf ein durch Lieferengpässe eingeschränktes Angebot. “Dieser Mix ist hochinflationär, so dass die Geldpolitik nun gegensteuern muss.”

Weltbank-Präsident David Malpass hatte jüngst einen Kurswechsel in der internationalen Geldpolitik gefordert. Die enormen Anleihekäufe der Zentralbanken gehörten “zu den makroökonomischen Wurzeln der Inflation”, sagte der 65-jährige Amerikaner dem “Handelsblatt”.

Billigere Häuser und weniger Neubau – Chinas Immobilienmarkt unter Druck

Peking (Reuters) – Chinas Immobilienmarkt gerät immer mehr unter Druck.

Mitten in der Zitterpartie um den Branchenriesen Evergrande meldeten die Statistikbehörden am Mittwoch einen weitreichenden Abwärtstrend auf dem Häusermarkt. So sanken die Preise für neue Eigenheime im November im Vergleich zu Oktober um 0,3 Prozent. Das ist der größte Rückgang seit Februar 2015. Nur in neun von 70 Städten gingen die Preise im Monatsvergleich überhaupt noch nach oben. Der Umsatz beim Verkauf neuer Eigenheime schrumpfte im Vergleich zum November 2020 sogar um 16,3 Prozent. In diesem Zeitraum gingen auch Neubau und Investitionen zurück: Die Fläche neu begonnener Projekte verringerte sich um 21 Prozent, die Investitionen von Entwicklern um 4,3 Prozent.

Der Immobilien-Schock sei längst noch nicht überwunden, urteilten Experten wie der Chefökonom des Vermögensverwalters Zhonghai Shengrong Capital Management, Zhang Yi. Der Druck auf den Markt resultiere vor allem aus der Schuldenkrise bei einigen Entwicklern und den jüngsten Maßnahmen der chinesischen Regierung. Vergangene Woche hatten sowohl der Immobilienkonzern Evergrande als auch sein Rivale Kaisa die Frist für die Rückzahlung einer Auslandsanleihe verpasst. Um Finanzrisiken zu begrenzen, deckeln die chinesischen Behörden unter anderem die Kreditvergabe an Immobilienentwickler.

Eine stärkere Regulierung auch anderer Branchen gehört zum Vorstoß von Chinas mächtigem Staatschefs Xi Jinping, der nach Einschätzung von Beobachtern die Auswüchse des Kapitalismus beschneiden und die Volksrepublik zu ihren sozialistischen Wurzeln zurückführen will. Erst am Freitag erklärten Vertreter der Regierung, sie wollten sich verstärkt für die Bedürfnisse von Eigenheim-Käufern einsetzen. “Häuser sind zum Wohnen da, nicht zum Spekulieren”, hieß es in Peking.

Britische Inflationsrate steigt auf 5,1 Prozent – Zehn-Jahres-Hoch

London (Reuters) – Die britischen Verbraucherpreise sind im November so stark gestiegen wie seit über zehn Jahren nicht mehr.

Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um durchschnittlich 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Statistikbehörde am Mittwoch in London mitteilte. Insbesondere Benzin, Kleidung und Schuhe kosteten deutlich mehr. Damit hat sich der Preisauftrieb nochmals erheblich beschleunigt: Im Oktober lag die Inflationsrate noch bei 4,2 Prozent. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 4,7 Prozent gerechnet. Viele Analysten rechnen damit, dass der Höhepunkt der Teuerung damit noch nicht erreicht ist: Der Internationale Währungsfond etwa sagt für das kommende Frühjahr eine Rate von 5,5 Prozent voraus – es wäre die höchste seit 30 Jahren.

Dennoch rechnen Experten nicht damit, dass die Zentralbank schon an diesem Donnerstag mit einer Zinserhöhung auf die immer stärker steigenden Preise reagieren wird. “Wir gehen davon aus, dass die Bank of England bei der Sitzung in dieser Woche abwarten wird”, sagte KPMG-Ökonom Yael Selfin. “Sie will mehr Zeit haben, um die Folgen der Omikron-Variante für Wachstum und Inflation zu bewerten.” Die hochansteckende Variante des Corona-Virus breitet sich derzeit auf der Insel aus.

Aktuell liegt der Leitzins in Großbritannien auf dem Rekordtief von 0,1 Prozent. Angesichts der rasant steigenden Preise dort halten es manche Investoren für möglich, dass er in absehbarer Zeit auf 0,25 Prozent steigen könnte. Die Bank von England könnte damit im Kreis der großen Notenbanken die erste sein, die die Zinszügel anzieht.

Weltbank-Präsident David Malpass hat jüngst einen Kurswechsel in der internationalen Geldpolitik gefordert. “Wir brauchen eine andere Geldpolitik, die den Nutzen auf kleine Unternehmen ausdehnt und das Wachstum in den Entwicklungsländern stärker fördert”, sagte der 65-jährige Amerikaner dem “Handelsblatt”. Die enormen Anleihekäufe der Zentralbanken gehörten “zu den makroökonomischen Wurzeln der Inflation”, sagte Malpass.

Dax vor Fed-Entscheid höher erwartet

Frankfurt (Reuters) – Wenige Stunden vor dem mit Spannung erwarteten Fed-Entscheid wird der Dax Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge am Mittwoch höher starten.

Am Dienstag hatte er gut ein Prozent tiefer bei 15.453,56 Punkten geschlossen.

Die US-Notenbank werde am Abend (MEZ) voraussichtlich eine beschleunigte Drosselung ihrer Wertpapierkäufe verkünden, prognostizierte Jens Franck, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters NordIX. “Im Raum steht unter anderem eine Reduktion der monatlichen Käufe von US-Staatsanleihen um 15 bis 20 Milliarden Dollar.” Anleger rechneten daher ab Mitte 2022 mit einer ersten US-Zinserhöhung. Die Fed werde alles daransetzen, die Kapitalmärkte sorgfältig auf weitere geldpolitische Schritte vorzubereiten.

Wegen der am Donnerstag anstehenden Sitzung der Bank von England (BoE) richteten Investoren ihre Aufmerksamkeit außerdem auf die britischen Inflationsdaten, sagte Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus IG. Er halte eine Teuerungsrate von fünf Prozent oder mehr für möglich. Experten erwarten für November im Schnitt einen Wert von 4,7 Prozent im Jahresvergleich.

Schlusskurse europäischer Indizes Stand

am vorangegangenen Handelstag

Dax

15.453,56

Dax-Future

15.528,00

EuroStoxx50

4.144,51

EuroStoxx50-Future

4.162,50

Schlusskurse der US-Indizes am Stand Veränderung

vorangegangenen Handelstag

Dow Jones

35.544,18 -0,3 Prozent

Nasdaq

15.237,64 -1,1 Prozent

S&P 500

4.634,09 -0,7 Prozent

Asiatische Indizes am Mittwoch Stand Veränderung

 

Nikkei

28.460,18 +0,1 Prozent

Shanghai

3.660,88 +0,0 Prozent

Hang Seng

23.650,10 +0,1 Prozent

Chinas Industrieproduktion nimmt Fahrt auf – Einzelhandel leidet unter Beschränkungen

Peking (Reuters) – Die chinesische Industrieproduktion ist im November schneller als erwartet gewachsen.

Die Industrieproduktion stieg im abgelaufenen Monat im Jahresvergleich um 3,8 Prozent, wie Daten des Nationalen Statistikamtes am Mittwoch zeigten. Von Reuters befragte Analysten hatten 3,6 Prozent erwartet. Im Oktober war die Produktion um 3,5 Prozent gewachsen. Eine höhere Energieproduktion und eine Senkung der Rohstoffpreise gaben der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Schwung.

Die Einzelhandelsumsätze stiegen im November im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent und blieben damit unter dem von Analysten erwarteten Wachstum von 4,6 Prozent und dem Anstieg von 4,9 Prozent im Oktober.

Chinas Wirtschaft, die nach einer zunächst soliden Erholung von der Pandemie an Fahrt verliert, steht auf dem Weg ins Jahr 2022 vor zahlreichen Herausforderungen, die auf einen Rückgang des Immobiliensektors und strenge Corona-Beschränkungen zurückzuführen sind, die die Verbraucherausgaben drücken.

Nato-Chef Stoltenberg will oberster Währungshüter Norwegens werden

Oslo (Reuters) – Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg will neuer Chef der norwegischen Zentralbank werden.

Er habe große Lust auf den Job, sagte der ehemalige Ministerpräsident Norwegens am Dienstag der Nachrichtenagentur NTB. Das Finanzministerium habe ihn im November angesprochen und gefragt, ob er sich bewerben wolle. “Das habe ich getan und ich bin sehr motiviert, diesen Job anzutreten”, sagte der 62-Jährige, dessen Partei derzeit zusammen mit der Zentrumspartei regiert. Die Opposition sieht die Unabhängigkeit der Notenbank bedroht. Zudem gibt es bereits 22 Bewerbungen, unter anderem von der Vize-Notenbankgouverneurin Ida Wolden Bache. Sie gilt als Favoritin und wäre die erste Frau an der Spitze der Notenbank.

Es sei in Norwegen nicht üblich, dass Politiker den Posten des obersten Währungshüters einnähmen, sagte Sveinung Rotevatn, Vize-Chef der oppositionellen liberalen Partei, dem öffentlich-rechtlichen Sender NRK. “Es ist sehr wichtig, dass jeder darauf vertraut, dass die Zentralbank unabhängig handelt.”

Stoltenberg ist ein Freund von Ministerpräsident Jonas Gahr Stoere, der nach eigenen Angaben wegen der Freundschaft nicht am Auswahlverfahren für den Notenbankchef teilnehmen will. Auch Finanzminister Trygve Slagsvold Vedum von der Zentrumspartei kennt Stoltenberg gut – er war Landwirtschaftsminister im letzten Kabinett Stoltenbergs.

Seit 2014 ist Stoltenberg Chef der Nato. Er sagte der Agentur NTB, er würde zunächst seine Amtzeit bei dem westlichen Militärbündnis regulär zu Ende bringen. Diese endet Ende September 2022. Aktuell gibt es schwere Spannungen zwischen der Nato und Russland im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt

Der Sozialdemokrat Stoltenberg war von 2000 bis 2001 und dann von 2005 bis 2013 norwegischer Ministerpräsident. Er hatte auch andere Posten im Kabinett inne, darunter den des Finanzministers. Der aktuelle Zentralbank-Chef Oeystein Olsen hat seinen Rückzug für Februar angekündigt, zehn Monate vor dem eigentlichen Ende seiner zweiten sechsjährigen Amtszeit. Der Chef der Notenbank in Norwegen ist nicht nur mit klassischen Zentralbank-Themen wie der Zinspolitik beschäftigt, sondern hat auch die Aufsicht über den weltgrößten staatlichen Investitions-Fonds mit einem Volumen von 1,4 Billionen Dollar.

Ifo – EZB muss wegen Inflationsgefahr Weichen für schärfere Linie stellen

Berlin (Reuters) – Wegen anhaltender Inflationsgefahr fordert Ifo-Chef Clemens Fuest ein Abschalten des in der Pandemie geschaffenen großen Anleihenprogramms der EZB ab dem Frühjahr.

“Wir haben sehr starke Signale von den Unternehmen, dass erhebliche Preiserhöhungen bevorstehen”, sagte er am Dienstag bei der Vorstellung der Konjunkturprognose des Münchner Instituts. Insofern sei es angezeigt, dass die Europäische Zentralbank ihre Politik ändere: “Ich würde erwarten und fordern, dass am kommenden Donnerstag das Ende des Pandemie-Notprogamms auch wirklich angekündigt wird.”

Das unter dem Kürzel PEPP bekannte 1,85 Billionen Euro schwere Programm sollte Ende März auslaufen. “Es ist wichtig, eine Wende einzuleiten und ein Abschmelzen der Käufe einzuleiten”, sagte Fuest. Er verwies darauf, dass die Notenbank auch noch andere Instrumente habe – etwa das kleinere Anleihenprogramm APP.

Eine Fortsetzung der Zukäufe im Rahmen des PEPP sei über das Frühjahr hinaus mit der aktuelle Inflations- und Konjunkturentwicklung “überhaupt nicht vereinbar”. Weltweit gehe die Konjunkturerholung weiter und das bedeute, dass sich die Geldpolitik auf ihr Mandat konzentrieren und den Preisanstieg begrenzen müsse, sagte Fuest.

Anders als die meisten Fachleute erwartet das Ifo 2022 eine weiter steigende Inflation. Demnach dürfte sie von 3,1 Prozent im laufenden Jahr auf 3,3 Prozent im kommenden Jahr steigen. “Dabei spielen steigende Kosten, die mit den Lieferengpässen einhergehen, eine treibende Rolle und auch die verzögerte Anpassung an die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise”, erklärte das Ifo. Erst 2023 sollte die Rate dann auf 1,8 Prozent zurückgehen und damit wieder unter die Marke von 2,0 Prozent sinken, die die EZB als Idealwert für die Inflation in der Euro-Zone anstrebt.

Auch Weltbank-Präsident David Malpass hatte einen Kurswechsel in der internationalen Geldpolitik gefordert. Dem “Handelsblatt” sagte er, die enormen Anleihekäufe der Zentralbanken gehörten “zu den makroökonomischen Wurzeln der Inflation”.

Wie Reuters von EZB-Insidern erfuhr, laufen die Überlegungen in der EZB-Führungsetage für die Zinssitzung am Donnerstag darauf hinaus, das PEPP ab Frühjahr einzustellen. Zugleich soll das bereits im Oktober 2014 als Konjunkturstütze eingeführte Asset Purchases Programme (APP) im Umfang von zurzeit 20 Milliarden Euro pro Monat neu justiert werden. Dabei will sich die EZB sowohl beim Umfang als auch für den Zeitraum der Zukäufe strikte Grenzen setzen und wohl keine Festlegung über 2022 hinaus vornehmen.

Bundesregierung stimmt Wirtschaft auf harten Winter ein

Berlin (Reuters) – Die deutsche Wirtschaft muss sich der Bundesregierung zufolge auf einen harten Corona-Winter einstellen.

“Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens haben die konjunkturellen Risiken zuletzt wieder zugenommen”, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. Im laufenden vierten Quartal dürfte die Wirtschaftsleistung daher “eher schwach ausfallen”. Grund dafür sei das Infektionsgeschehen, das die über den Sommer erfolgte Erholung der Dienstleister abermals bremsen dürfte. Von Beschränkungen wie 2G-Regeln – Zutritt nur für Geimpfte und Genesene – sei vor allem das Gastgewerbe betroffen, in geringerem Maße auch der Einzelhandel.

In der Industrie machten sich zudem anhaltende Lieferengpässe und hohe Beschaffungskosten negativ bemerkbar. Dadurch sei die Produktion trotz guter Auftragslage gebremst worden. “Wenn sich die Lieferengpässe über das nächste Jahr auflösen, wird es zu einer deutlichen Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung kommen”, so das seit voriger Woche vom Grünen Robert Habeck geleitete Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Entspannung wird bei der Inflation erwartet, die im November mit 5,2 Prozent so hoch ausfiel wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. “Zu Beginn nächsten Jahres nach Auslaufen der Sondereffekte dürfte sich der Auftrieb der Verbraucherpreise wieder merklich abschwächen”, erklärte das Ministerium. Dazu zählt unter anderem die Mehrwertsteuer, die im zweiten Halbjahr 2020 im Kampf gegen die Corona-Rezession gesenkt wurde und inzwischen wieder auf dem alten Niveau liegt. Das hat den Preisauftrieb in den vergangenen Monaten mit befeuert.

Der Aufschwung in Deutschland dürfte im zu Ende gehenden Jahr nach Prognose der Bundesregierung eine Nummer kleiner ausfallen als ursprünglich gedacht. Sie senkte ihre Wachstumsprognose vor einigen Wochen auf 2,6 Prozent von zuvor 3,5 Prozent. 2022 soll es zu einem Plus von 4,1 Prozent reichen, 2023 dann zu 1,6 Prozent.