Starke Firmenbilanzen geben Europas Börsen Auftrieb

Frankfurt (Reuters) – Starke Firmenbilanzen locken Anleger an die Aktienmärkte.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Donnerstag um jeweils etwa ein Prozent auf 14.502 beziehungsweise 3933 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte 0,4 Prozent vor.

Risiken wie der Ukraine-Krieg oder die US-Zinswende hätten offenbar ihren Schrecken verloren, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. “Anders formuliert, die Marktteilnehmer haben sich an die aktuelle geopolitische Situation und die steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten gewöhnt.”

Selbst die Aussicht auf eine nahende Kehrtwende der Europäischen Zentralbank (EZB) schmälerte die Kauflaune der Investoren kaum. In den vergangenen Tagen hätten vor allem die Verfechter einer strafferen Geldpolitik für eine baldige Zinserhöhung getrommelt, sagte Peter Schaffrik, Anlagestratege der Investmentbank RBC Capital Markets. Inzwischen stimmten auch moderatere Kräfte wie der EZB-Vize Luis de Guindos in diesen Chor ein.

Vor diesem Hintergrund stieg der Euro zeitweise um 0,8 Prozent auf 1,0936 Dollar. Europäische Staatsanleihen flogen dagegen aus den Depots. Dies brachte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel mit 0,939 Prozent auf Schlagdistanz zu ihrem jüngsten Sieben-Jahres-Hoch.

ÖL TEURER – SCHWÄCHELNDE FÖRDERUNG TREIBT METALLPEISE

Unterdessen verteuerten Ausfälle libyscher Lieferungen die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 1,4 Prozent auf 108,34 Dollar je Barrel (159 Liter). “Grund hierfür sind die anhaltenden Blockaden von Öleinrichtungen”, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. “Das dürfte es der EU erschweren, nach alternativen Anbietern zu suchen, um ein Ölembargo gegen Russland beschließen zu können.”

Auch bei Kupfer griffen Investoren zu, nachdem einige Bergbaukonzerne einen Rückgang der Erzfördermengen bekanntgegeben hatten. Der Preis für das Industriemetall stieg um 0,7 Prozent auf 10.296 Dollar je Tonne. Steigende Kosten für Treibstoff und andere Güter erschwerten es den Unternehmen, die Produktion am Laufen zu halten, sagte Analyst Ole Hansen von der Saxo Bank. “Wir brauchen aber Steigerungen in den kommenden Jahren, um unsere Pläne bezüglich des Klimaschutzes oder der Abhängigkeit von russischen Lieferungen erfüllen zu können.” Kupfer spielt eine wichtige Rolle bei der Elektrifizierung von Verkehr und Industrie.

LICHT UND SCHATTEN IN DER ROHSTOFFBRANCHE – ABB GEFRAGT

So brach die Produktion des chilenischen Kupfer-Förderers Antofagasta unter anderem wegen einer Dürre im ersten Quartal um 24 Prozent ein. Die in London notierten Aktien des Unternehmens verbuchten mit einem Minus von zeitweise gut neun Prozent den größten Kurssturz seit dem Börsen-Crash vom März 2020. Konkurrent BHP kürzt wegen Arbeitskräfte-Mangel und Protesten von Anwohnern und Arbeitern der weltgrößten Kupfermine Escondida in Chile seine Produktionsziele für 2022. BHP-Papiere gaben daraufhin drei Prozent nach.

Aurubis stiegen dagegen zeitweise auf ein Rekordhoch von 119,75 Euro und schlossen 6,6 Prozent im Plus bei 116 Euro. Europas größte Kupferhütte hob nach einem starken Quartalsergebnis seine Gesamtjahresziele an. Auf dieser Basis habe er seine Prognosen für den operativen Gewinn 2021/2022 auf 558 von 456 Millionen Euro angehoben, schrieb DZ Bank-Analyst Dirk Schlamp.

An der Wall Street gehörte Tesla dank überraschend starker Zahlen mit einem Plus von zeitweise fast zwölf Prozent zu den Favoriten. Der Elektroautobauer meistere alle Schwierigkeiten mit Bravour, lobte Analyst Craig Irwin von der Investmentbank Roth. “Nichtsdestotrotz: Die Aktie ist angesichts der sich rasch nähernden ernsthaften Konkurrenz unerhört überbewertet. Tesla mag heute der Branchen-King sein, künftige Kursverluste sind aber nur eine Frage der Zeit.”

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

Verbraucherstimmung in Euro-Zone fängt sich nach Ukraine-Schock etwas

Brüssel/Berlin (Reuters) – Die Stimmung der Verbraucher in der Euro-Zone hat sich trotz des Ukraine-Krieges und Rekord-Inflation überraschend wieder etwas aufgehellt.

Das Barometer für das Konsumklima stieg im April um 1,8 Punkte auf minus 16,9 Zähler, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der EU-Kommission hervorgeht. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf minus 20,0 Zähler gerechnet. Damit fängt sich die Stimmung wieder etwas, nachdem sie unter dem Eindruck des Kriegsausbruchs in der Ukraine im März eingebrochen war.

Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine hat die Energiepreise in die Höhe getrieben, was Autofahrer beim Tanken an der Zapfsäule ablesen können. Auch viele Rohstoffe und Materialien sind teurer geworden und treiben die Inflation, die im März mit 7,4 Prozent im Euroraum einen Rekordwert erreichte.

(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Rene Wagner – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Auch EZB-Vizechef hält erste Zinserhöhung im Juli für möglich

Frankfurt (Reuters) – Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) mehren sich die Stimmen, die eine Zinserhöhung bereits im Juli für möglich halten.

Ein solcher Schritt sei abhängig von den Konjunkturdaten, die die EZB im Juni sehen werde, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Agentur “Bloomberg”. “Aus heutiger Sicht ist Juli möglich, und September oder später ist auch möglich. Wir schauen uns die Daten an und erst dann entscheiden wir”, sagte der Stellvertreter von Notenbank-Chefin Christine Lagarde. Am Mittwoch hatte bereits Bundesbank-Präsident Joachim Nagel gesagt, Anfang des dritten Quartals könne mit einer ersten Zinsanhebung gerechnet werden.

Lagarde hatte vergangene Woche nach der EZB-Zinssitzung noch einmal bekräftigt, dass die großangelegten Anleihenkäufe der Notenbank voraussichtlich im dritten Quartal enden werden und einige Zeit danach Zinserhöhungen denkbar seien. Eine erste Zinsanhebung bereits im Juli hatten Euro-Wächter Insidern zufolge nicht ausgeschlossen. Die EZB hatte letztmalig im Jahr 2011 Schlüsselzinsen angehoben.

Wie auch Nagel sprach sich De Guindos für ein frühes Ende der Anleihenkäufe aus. “Meiner Meinung nach sollte das Programm im Juli enden und für die erste Zinserhöhung müssen wir uns unsere Projektionen und die verschiedenen Szenarien anschauen und erst dann entscheiden”, führte der EZB-Vize aus. Noch sei nichts beschlossen. Neue volkswirtschaftliche Prognosen der EZB-Volkswirte werden den Währungshütern zur Juni-Zinssitzung vorliegen.

DE GUINDOS: INFLATION ÜBER VIER PROZENT IM SCHLUSSQUARTAL

Die EZB will erst dann an der Zinsschraube drehen, wenn sie sich sicher ist, dass die Inflation im Prognosezeitraum das Notenbankziel von zwei Prozent erreicht und dort auch bleibt bis zum Ende des Zeitraums. Der Druck auf die Notenbank ist zuletzt allerdings immer größer geworden. Denn infolge hochschießender Energiepreise ist die Teuerung im Währungsraum im März auf 7,4 Prozent hochgeschnellt – und das liegt deutlich über der Zielmarke der Währungshüter. Aus Sicht von De Guindos wird die Inflation zwar im zweiten Halbjahr wieder sinken. “Aber selbst dann wird sie im Schlussquartal über vier Prozent liegen.”

Lagarde wies unterdessen auf das durch hohe Unsicherheit geprägte Wirtschaftsumfeld hin. “Unter den gegenwärtigen Bedingungen hoher Unsicherheit werden wir beim Vorgehen in der Geldpolitik an Optionalität, Gradualismus und Flexibilität festhalten”, hieß es in ihrer Erklärung zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die EZB werde alles, was nötig ist, unternehmen, um Preisstabilität zu sichern.

(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Kerstin Dörr Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Russische Zentralbankchefin signalisiert Zinssenkung

(Reuters) – Die russische Zentralbank erwägt trotz hoher Inflation und einer Kapitalflucht infolge der westlichen Sanktionen eine Zinssenkung.

“Wir werden die Möglichkeit einer weiteren Senkung in den kommenden Sitzungen in Betracht ziehen”, sagte ihre Chefin Elvira Nabiullina am Donnerstag in einer Rede vor dem Parlament. Um einen Absturz des Landeswährung Rubel zu verhindern, hatte die Notenbank den Zinssatz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine zunächst von 9,5 auf 20,0 Prozent angehoben, mittlerweile aber wieder auf 17 Prozent zurückgenommen. Die nächste Entscheidung steht am 29. April an.

Nabiullina sieht die heimische Wirtschaft wegen der westlichen Sanktionen vor einem Strukturwandel. “Probleme können selbst bei einer Produktion mit hohem Lokalisierungsgrad auftreten”, warnte sie. So stelle Russland beispielsweise sein eigenes Papier her, verwende dabei aber ausländische Bleichmittel. Auch würden im Ausland hergestellte Verpackungsmaterialien für in Russland produzierte Lebensmittel dringend benötigt. Die Umstellung gehe nicht von heute auf morgen. “Das alles braucht Zeit”, sagte die Währungshüterin.

Sie kündigte zudem eine Prüfung der Devisenkontrollen an. Es müsse eine Situation vermieden werden, bei der der Rubelkurs auf dem Schattenmarkt vom offiziellen Niveau abweiche. Russische Privatkunden hatten im März Devisen im Wert von 9,8 Milliarden Dollar von ihren Konten abgehoben. “Der Bankensektor war mit einem erheblichen Abfluss von Geldern der Bevölkerung konfrontiert”, sagte der für Bankenregulierung zuständige Notenbankdirektor Alexander Danilow. “Menschen haben in Panik Geld von ihren Konten genommen.”

Unterdessen ist die Inflationsrate auf den höchsten Stand seit rund 20 Jahren gestiegen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich in der Woche bis 15. April um durchschnittlich 17,62 Prozent, wie das Wirtschaftsministerium ermittelte. Seit dem Kriegsbeginn am 24. Februar sind fast alle Preise gestiegen – ob Gemüse, Zucker oder Smartphones. Der Kampf gegen die Inflation bleibe die wichtigste Aufgabe, sagte Nabiullina. Sie geht davon aus, dass die Zielmarke der Zentralbank von vier Prozent erst 2024 wieder erreicht werden dürfte.

Höhere Zinsen können die Nachfrage nach Krediten für Konsum und Investitionen und damit den Preisauftrieb dämpfen. Sinkende Zinsen wiederum können der Konjunktur auf die Sprünge helfen.

(geschrieben von Rene Wagner, redigiert von Kerstin Dörr – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Inflation im Euroraum auf Rekordhoch – Preisanstieg revidiert bei 7,4 Prozent

Brüssel/Berlin (Reuters) – Angetrieben von massiv gestiegenen Energiepreisen infolge des Ukraine-Kriegs ist die Inflation im Euroraum auf ein Rekordhoch geklettert.

Dienstleistungen und Waren kosteten im März durchschnittlich 7,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag auf Basis endgültiger Daten mitteilte. In einer früheren Schätzung war sogar von 7,5 Prozent die Rede.

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass der Inflationsdruck vorerst weiter hoch bleibt. Ob mit den Daten vom März das Ende der Fahnenstange erreicht ist, wird sich bereits am 29. April zeigen: Dann stehen die Verbraucherpreisdaten für den laufenden Monat an, die einen neuen Rekordwert bringen könnten.

Der Ukraine-Krieg wird aus Sicht von Experten der EZB-Geldpolitik die Inflation im Euro-Raum nach oben treiben. Sie gehen aktuell von einem Anstieg der Verbraucherpreise 2022 von durchschnittlich 6,0 Prozent aus. Anfang Februar – also noch vor der russischen Invasion der Ukraine – hatten sie lediglich einen Wert von 3,0 Prozent veranschlagt. Die EZB strebt 2,0 Prozent Inflation als optimales Niveau für die Wirtschaft im Euroraum an.

 

(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Rene Wagner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Inflation in Österreich so hoch wie zuletzt vor 40 Jahren

Wien (Reuters) – Der Ukraine-Krieg treibt die Teuerung in Österreich weiter in die Höhe.

Die Inflationsrate kletterte im März im Jahresvergleich auf 6,8 Prozent, teilte die Statistik Austria am Donnerstag in einer Schnellschätzung mit. Das ist der höchste Wert seit November 1981. Haupttreiber seien weiterhin die Energiepreise. “Das Leben in Österreich hat sich nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine so stark verteuert wie seit über 40 Jahren nicht mehr”, sagte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Ähnlich hoch war die Inflation zuletzt im November 1981 mit 7,0 Prozent.

Gegenüber dem Vormonat erhöhten sich die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent. Ausschlaggebend für die Teuerung im März sei ein Preissprung bei Treibstoffen gewesen, die schon bisher starke Preistreiber gewesen waren, erklärten die Statistiker. Die Preise für Haushaltsenergie seien ebenfalls weiter gestiegen, besonders massiv die Heizölpreise, die sich im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr als verdoppelt hätten. Ohne Teuerungen für Treibstoffe und Heizöl läge die Inflation bei 4,7 Prozent.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich. Redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Nestle will nach kräftigen Preiserhöhungen nachlegen

Zürich (Reuters) – Preiserhöhungen haben das Wachstum des Nahrungsmittelriesen Nestle im ersten Quartal angeschoben.

Der Umsatz des Schweizer Konzerns kletterte von Januar bis März auf 22,2 Milliarden Franken, wie Nestle am Donnerstag mitteilte. Damit erreichte der Hersteller von Nespresso, Maggi und KitKat ein um Zukäufe, Verkäufe von Sparten und Währungseinflüsse bereinigtes Plus von 7,6 Prozent. Preiserhöhungen steuerten 5,2 Prozent zu dem Wachstum bei. Mit den höheren Preisen reagiert der Konzern auf steigende Kosten für Rohstoffe, Verpackung, Energie und Transport.

“Die Kosteninflation steigt weiterhin kräftig an, weshalb im Verlauf des Jahres weitere Preisanpassungen und eindämmende Maßnahmen erforderlich sein werden”, erklärte Konzernchef Mark Schneider. Die Nachfrage der Verbraucher habe bisher nicht gelitten. Besonders gefragt waren weiterhin Kaffee-Produkte und Heimtiernahrung. Nestle bekräftigte den Ausblick für das Gesamtjahr. Im Februar hatte der Konzern aus Vevey am Genfersee für 2022 ein organisches Plus von rund fünf Prozent und eine operative Ergebnismarge zwischen 17,0 und 17,5 (2021: 17,4) Prozent in Aussicht gestellt.

Angesichts des Krieges in der Ukraine und den Sanktionen des Westens klammerte Nestle das Russland-Geschäft aus den Wachstumszahlen aus. Wie das Unternehmen bereits früher mitgeteilt hatte, werden in dem Markt inzwischen nur noch lebensnotwendige Nahrungsmittel verkauft. Im Vorjahr setzte Nestle in Russland 1,7 Milliarden Franken um.

Nestle übertraf mit dem Umsatz und dem organischen Wachstum im ersten Quartal die Analystenerwartungen. “Ein hervorragender Start ins Jahr für Nestle”, urteilte Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. “Wie bei anderen Lebensmittel- und Getränkeunternehmen scheint die hohe Inflation (noch) keinen Einfluss auf den Appetit der Verbraucher auf Produkte von starken Marken zu haben.” Der französische Konkurrent Danone hatte am Vortag ein überraschend starkes Umsatzplus von 7,1 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro gemeldet und seine Prognose bekräftig.

Tesla übersteht Turbulenzen und glänzt mit Ertragskraft

– von Hyunjoo Jin und Jan Schwartz

San Francisco/Hamburg (Reuters) – Tesla hat die Turbulenzen um Lieferengpässe und steigende Rohstoffkosten abgeschüttelt und setzt mit seiner Ertragskraft neue Standards in der Branche.

Der von dem Multimilliardär Elon Musk geführte US-Elektroautobauer schraubte die operative Rendite zu Jahresbeginn auf 19,2 Prozent hoch – viereinhalb Prozentpunkte mehr als im vorangegangenen Quartal und erreichte damit ein Niveau, das fast alle anderen Hersteller in den Schatten stellt. Lediglich Nischenhersteller wie einige Sportwagenschmieden können da mithalten. “Tesla ist der weltweit profitabelste Autobauer nach Ferrari”, sagte Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Erreicht hat Tesla dies dank einer hohen Produktivität, Kostensenkungen und höheren Preisen.

Dabei liefen die beiden neuen Werke in Grünheide bei Berlin und Austin im US-Bundesstaat Texas noch gar nicht auf vollen Touren. Mit den Fabriken, die gerade erst eröffnet wurden. will Tesla seine Abhängigkeit von China verringern und die hohe Nachfrage besser bedienen. In seinem größten Werk in Shanghai hatten die Bänder wegen des Corona-Lockdowns zuletzt fast drei Wochen stillgestanden. Trotz der Produktionsunterbrechung stellte Musk am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Telefonkonferenz zur Präsentation der Quartalsbilanz für 2022 einen Anstieg der Auslieferungen auf mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge in Aussicht, 60 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Musk zeigte sich zudem zuversichtlich, dass der Konzern wie versprochen über mehrere Jahre hinweg die Auslieferungen um 50 Prozent jährlich steigern könne.

Zuletzt hatte Tesla die Preise für seine Fahrzeuge kräftig erhöht. Das kam bei Experten gut an: “Der Preisanstieg liegt schön über der Kosten-Inflation”, sagte Analyst Craig Irwin von Roth Capital. Die Tesla-Aktie legte nachbörslich um sechs Prozent zu.

DIE GEWINNMASCHINE KOMMT AUF TOUREN

Den Umsatz steigerte Tesla im ersten Quartal um 81 Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar – eine Milliarde mehr als Analysten laut Refinitiv-Daten im Schnitt erwartet hatten. Der Nettogewinn schnellte auf 3,3 Milliarden Dollar in die Höhe. Im Vorjahreszeitraum hatten 438 Millionen zu Buche gestanden. Tesla lieferte dabei so viele Fahrzeuge aus wie noch nie. Insgesamt rollten in den ersten drei Monaten 310.000 Autos zu den Kunden, zwei Drittel mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Auch Musk selbst profitiert: Dem laut Forbes reichste Mann der Welt dürfte nach den guten Ergebnissen eine Erfolgsbeteiligung von 23 Milliarden Dollar erhalten. Musk bezieht kein Gehalt, sondern erhält an verschiedene Leistungskriterien gekoppelte Erfolgsbeteiligungen.

Als Grund für steigende Kosten und begrenzenden Faktor für das Wachstum der E-Mobilität nannte Musk den rasanten Kostenanstieg für Lithium. Er ermutigte andere Unternehmen, sich in diesem Geschäft zu engagieren, das aus seiner Sicht hohe Margen verspricht. Für die kommenden Monate stellte der umtriebige Manager, dessen Aktivitäten von der Raumfahrt über unterirdische Transportsysteme bis hin zur Energieversorgung reichen, “einige aufregende Ankündigungen” bezüglich der Sicherung von Rohstoffen für Batterien in Aussicht. Wie oft bei seinen öffentlichen Auftritten kündigte Musk auch ein neues Produkt an: Bis 2024 wolle Tesla ein Robotaxi ohne Lenkrad oder Pedal in Serie produzieren. Praktisch alle großen Autobauer tüfteln derzeit am automatisierten Fahren. Bis die Fahrzeuge serienreif und ohne Fahrer auskommen, dürften nach Meinung von Experten aber noch mehrere Jahren vergehen.

Auf die Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter, mit deren Ankündigung Musk für Wirbel gesorgt hatte, ging der Tesla-Chef nicht ein. Er hatte vergangene Woche bekanntgegeben, Twitter für 43 Milliarden Dollar zu übernehmen. Kritiker befürchten, das umstrittene Vorhaben und die damit verbundene Debatte über Meinungsfreiheit im Internet könne ihn ablenken vom Tesla-Geschäft. Investoren halten es für möglich, dass für die Übernahme Tesla-Aktien verkaufen oder weitere Papiere beleihen könnte, um sein Angebot zu finanzieren.

US-Eigenheimabsatz sinkt – Preise auf Rekordhoch

Washington (Reuters) – Die Verkäufe von Eigenheimen in den USA sind im März angesichts rekordhoher Preise zurückgegangen.

Der Absatz bestehender Häuser sank um 2,7 Prozent zum Vormonat auf eine Jahresrate von 5,77 Millionen, wie der Maklerverband National Association of Realtors am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 5,80 Millionen Einheiten gerechnet. Die Verkäufe kehren damit auf das Niveau vor der Corona-Pandemie zurück.

Für viele Amerikaner ist der Kauf eines Eigenheims unerschwinglich geworden. Der durchschnittliche Preis für ein bestehendes Haus stieg im März um 15 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf das Rekordhoch von 375.300 Dollar. Baudarlehen sind mittlerweile so teuer wie seit zwölf Jahren nicht mehr, was künftige Käufe erschweren dürfte: Der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Hypothek mit einem festen Zins stieg in der Woche zum 15. April auf 5,20 Prozent, wie aus den Daten des Branchenverbandes Mortgage Bankers Association (MBA) hervorgeht. Damit stieg er für das beliebteste US-Wohnungsbaudarlehen binnen eines Jahres um zwei Prozentpunkte. Dies gilt als ein Zeichen dafür, dass die US-Notenbank Fed ihrem Ziel näher kommt, den heiß gelaufenen Immobilienmarkt abzukühlen.

Seit Jahresbeginn seien die Finanzierungskosten für Häuslebauer damit so stark gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Hauptgrund dafür ist das Vorgehen der Fed, die im März wegen der sehr hohen Inflation erstmals seit Jahren ihren Leitzins angehoben hat. Zudem wird erwartet, dass sie im Mai mit dem Abbau ihres Portfolios an US-Wertpapieren im Wert von 8,5 Billionen Dollar beginnen wird. Deren Käufe haben die Kreditkosten für Verbraucher – insbesondere die für Hypotheken – während der Corona-Pandemie niedrig gehalten.

Die Erwartung einer strafferen Geldpolitik der Fed führte zu einem sprunghaften Anstieg der Renditen von Staatsanleihen. Die der 10-jährigen Anleihe, die als richtungsweisende Benchmark für Hypothekenzinsen gilt, kletterte auf den höchsten Stand seit 2018. Der jüngste Anstieg der Finanzierungskosten für Eigenheime führte in der vergangenen Woche bereits dazu, dass weniger Amerikaner einen Antrag auf ein Baukredit stellten, so die MBA.

Europas Börsen im Aufwind – Wall Street und Bilanzen helfen

Frankfurt (Reuters) – Ermuntert von der jüngsten Rally an der Wall Street greifen Anleger auch bei europäischen Aktien zu.

Hintergrund ist die Hoffnung auf eine starke Bilanzsaison. Der Dax stieg am Mittwoch um 1,2 Prozent auf 14.319 Punkte, der EuroStoxx50 gewann 1,7 Prozent auf 3898 Zähler.

“Anleger nutzen die durch die Bilanzsaison eröffnete Gelegenheit, ihr Engagement in bestimmten Sektoren zu erhöhen”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Gleichzeitig beobachteten sie die Entwicklung der Anleihe-Renditen genau und warteten gespannt auf den Konjunkturbericht der US-Notenbank Fed. Vom “Beige Book” versprächen sie sich Rückschlüsse auf das Tempo der erwarteten Zinserhöhungen.

Am Bondmarkt ließ der Verkaufsdruck nach. Dadurch fielen die Renditen der zehnjährigen Anleihen aus den USA und Deutschland auf 2,871 beziehungsweise 0,851 Prozent, sie blieben aber auf Tuchfühlung mit ihren jüngsten Mehrjahreshochs.

Am Ölmarkt kletterten die Preise wieder nach oben. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 108,17 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem sie am Dienstag rund fünf Prozent nachgegeben hatte. “Der Ausverkauf als Reaktion auf die gesenkte Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das weltweite Wirtschaftswachstum war wohl überzogen”, sagte Warren Patterson, Chef-Rohstoffanalyst der ING Bank. Durch die Ausfälle libyscher Lieferungen und ein mögliches europäisches Embargo für russisches Öl müsse mit weiteren Preisaufschlägen gerechnet werden.

DANONE, HEINEKEN UND ASML ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN

Bei den europäischen Aktienwerten gehörte Danone zu den Favoriten. Der französische Lebensmittelriese steigerte den Quartalsumsatz überraschend deutlich um 7,1 Prozent. Die Analysten des Vermögensverwalters Alliance Bernstein sprachen von einem starken Jahresauftakt und hoben hervor, dass neben den Erlösen auch der Absatz zugelegt habe. Zudem schürte ein Medienbericht Spekulationen über einen Zusammenschluss mit dem französischen Milchprodukte-Anbieter Lactalis. Danone betonte allerdings, keine seiner drei Haupt-Sparten verkaufen zu wollen. Die Papiere des Konzerns schafften mit einem Plus von bis zu 9,5 Prozent den größten Kurssprung seit fast 17 Jahren.

Gefragt waren auch die Titel von Heineken, die sich in Amsterdam um 4,7 Prozent verteuerten. Dank der Wiedereröffnung von Lokalen vermeldete die Brauerei einen überraschend starken Anstieg des Quartalsabsatzes um 5,2 Prozent. Gemeinsam mit den bekräftigten Margenzielen seien die Zahlen ermutigend, schrieben die Analysten der Bank JPMorgan.

Die ebenfalls in Amsterdam notierten Aktien von ASML rückten knapp sieben Prozent vor. Der Chipausrüster übertraf mit seinem Quartalsergebnis die Markterwartungen. Außerdem überstrahlten die positiven Aussagen zu den mittel- und langfristigen Zielen die aktuellen Belastungen durch die Inflation, kommentierten die Analysten der Bank Credit Suisse. Im Windschatten von ASML gewannen die US-Rivalen Applied Materials, Lam und KLA im vorbörslichen US-Geschäft jeweils rund 1,5 Prozent.

Im Rampenlicht stand außerdem Siemens Energy. Unter anderem wegen anhaltender Probleme bei der Windkraftanlagen-Tochter Siemens Gamesa stellt der Energietechnik-Konzern seine Gesamtjahresziele auf den Prüfstand. Ein Ende der Verluste dort sei nicht in Sicht, monierte Analyst Matthew Donen vom Research-Haus Morningstar. Gamesa-Aktien drehten im Handelsverlauf dennoch ins Plus und gewannen 4,7 Prozent. Das Unternehmen verkaufte Windkraftanlagen für 580 Millionen Euro an den Versorger SSE. Die Papiere von Siemens Energy folgten den Gamesa-Papieren ins Plus und gewannen 0,3 Prozent.

 

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)