US-Wohnbaugeschäft kühlt sich im April ab – Deutlich weniger Genehmigungen

Washington (Reuters) – Angesichts steigender Hypothekenkosten hat der Wohnbau in den USA im April eine Dämpfer erlitten.

Die Zahl der neu begonnenen Projekte fiel im April um 0,2 Prozent auf – hochgerechnet auf das gesamte Jahr – 1,724 Millionen, wie das Handelsministerium am Mittwoch mitteilte. Im Vormonat waren es abwärts revidiert 1,728 Millionen. Die Zahl der Baugenehmigungen fiel zugleich im April deutlich – und zwar um 3,2 Prozent auf annualisiert 1,819 Millionen.

Die US-Notenbank hat im Kampf gegen die stark steigende Inflation jüngst den größten Zinsschritt seit 22 Jahren unternommen. Mit dem aktuellen Zinsniveau von 0,75 bis 1,00 Prozent sind auch Hypotheken teurer geworden. Mit einem Durchschnittszins von 5,30 Prozent bei Verträgen zur Baufinanzierung mit 30-jähriger Laufzeit wurde zuletzt der höchste Wert seit Juli 2009 erreicht. Die kräftig gestiegenen Preise für Holz und Baumaterialien sorgen überdies für höhere Kosten.

Krieg bremst deutsche Baubranche – “Wir können oft nicht bauen”

Berlin (Reuters) – Anhaltender Materialmangel und steigende Baupreise, mehr Stornierungen und drohende Kurzarbeit: Der Ukraine-Krieg trifft die lange Jahre boomende deutsche Bauindustrie mit voller Wucht und sorgt dafür, dass die Branche ihre Ziele für 2022 einkassiert.

Man erwarte für die realen Umsätze nur noch “eine Entwicklung zwischen Null und minus zwei Prozent”, sagte Präsident Peter Hübner vom Branchenverband HDB am Mittwoch in Berlin. Er bezeichnete die Lage als paradox. “Wir wollen bauen, wir sollen bauen, aber wir können oft nicht bauen.” Grund seien Lieferengpässe bei Baumaterialien und höhere Rohstoffpreise. Dies sorge dafür, dass immer mehr Auftraggeber Projekte verschöben oder gleich stornierten.

Zum Jahreswechsel hätten alle Ampeln für den Bau noch auf grün gestanden, betonte Hübner. Man habe damals nominal für dieses Jahr noch ein Wachstum von 5,5 Prozent angepeilt. Nach Abzug steigender Baupreise wäre dies real ein Plus von 1,5 Prozent gewesen. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine veränderte die Lage aber völlig. Denn allein ein Drittel der vom Verband befragten Firmen bezieht Material aus diesen beiden Ländern. Neun von zehn Betrieben beklagen direkte oder indirekte Auswirkungen des Krieges auf ihr Unternehmen.

Der Chef des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) zeichnete ein Bild mit trüben Aussichten. Für 2023 rechne er mit einem ähnlichen Umsatz-Rückgang wie im laufenden Jahr. “Wir hoffen, dass wir das Ganze 2024 wieder ins Positive drehen können.” Positiv sei, dass die Baufirmen trotz der schwierigen Lage weiter Personal einstellen wollen. Man rechne für 2022 mit 920.000 Beschäftigten und so mit einem Plus von 9000.

Beim wichtigen Wohnungsbau, der der Branche jahrelang wachsende Geschäfte beschert hat, erwartet Hübner einen Umsatz-Rückgang in diesem Jahr. “Damit stehen die Ziele der Bundesregierung infrage”, warnte der HDB-Präsident. Denn die Ampel-Koalition hat sich den Bau von jährlich 400.000 Wohnungen zum Ziel gesetzt. Der HDB rechnet für dieses Jahr nur mit rund 320.000 Wohnungen, da das “Bündnis bezahlbarer Wohnraum” in diesem Jahr auf Sanierung im Bestand setze statt auf Neubauten.

Die Umsatz-Prognose steht laut Hübner unter dem Vorbehalt, “dass sich im weiteren Jahresverlauf keine weiteren Verschärfungen bei Energiepreisen und dem Bezug von Baumaterial ergeben”. Denn die teure Energie treffe die Betriebe enorm. “Für uns ist Diesel das Mega-Thema.” Diese Abhängigkeit könne man auch so schnell nicht ändern. Einen Anstieg der Energiepreise um 30 Prozent könne die Branche nicht ausgleichen.

Zudem habe man mit Preissteigerungen zu kämpfen, Firmen könnten teilweise nur mit tagesaktuellen Preisen kalkulieren. Preise für Betonstahlmatten seien binnen Jahresfrist um 70 Prozent gestiegen und für Bitumen um 45 Prozent. “Investoren sind derzeit hochsensibel”, betonte Hübner. Dies gelte vor allem für private Bauherren und dürfte den Wohnungsbau auch 2023 spürbar bremsen, zumal die Kreditzinsen stiegen. Ferner sei bei den Materialengpässen kaum Besserung in Sicht. “Der Krieg legt die engen Lieferketten und Abhängigkeiten brutal und schonungslos offen.” Dies zeige sich bei einem der größten Stahlwerke in Europa, dem Asowstal-Komplex im ukrainischen Mariupol. Dort, wo sich Soldaten unter Beschuss russischer Truppen verschanzt hatten, dürfte wohl vorerst nicht produziert werden. “Deshalb gibt es bei Stahl eine echte Angebotsverknappung”, warnt Hübner.

Er plädierte dafür, den Produktionsstandort Deutschland weniger abhängig vom Ausland zu machen. Deshalb müsse man mehr heimische Rohstoffe nutzen können. Dies sei vor allem aus Umweltschutzgründen derzeit kaum möglich, kritisierte Hübner.

Inflation im Euroraum verharrt im April auf hohem Vormonatsniveau

Brüssel/Berlin (Reuters) – Die bereits hohe Inflation im Euroraum hat im April nicht weiter angezogen.

Dienstleistungen und Waren kosteten wie schon im März durchschnittlich 7,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch auf Basis endgültiger Daten mitteilte. In einer Schnellschätzung hatten die Statistiker zunächst einen Anstieg von 7,5 Prozent gemeldet.

Energie verteuerte sich im April zum Vorjahr um 37,5 Prozent nach einem Anstieg von 44,3 Prozent im März. Auch unverarbeitete Lebensmittel erwiesen sich mit einer Verteuerung um 9,2 Prozent als Inflationstreiber. Im März lag das Plus nur bei 7,8 Prozent.

Die niedrigsten Teuerungsraten wurden in Frankreich und Malta (je 5,4 Prozent) und in Finnland (5,8 Prozent) gemessen. Die höchsten Inflationswerte wiesen Estland (19,1 Prozent) und Litauen (16,6 Prozent) auf. Deutschland lag mit einer Rate von 7,8 Prozent ebenfalls über dem Durchschnitt im Euroraum.

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass der Inflationsdruck vorerst weiter hoch bleibt. Nach Ansicht der meisten Ökonomen wird sie im Juli geldpolitisch die Zügel anziehen und noch dieses Jahr die Ära der Negativzinsen beenden.

Briten ächzen unter hoher Inflation von neun Prozent – Höchststand seit 1982

London (Reuters) – Die Verbraucherpreise in Großbritannien sind im April so stark gestiegen wie seit 1982 nicht mehr und verstärken die soziale Not unter ärmeren Briten.

Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 9,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Office for National Statistics am Mittwoch in London mitteilte. Außenministerin Liz Truss äußerte sich bei Sky News alarmiert: “Wir sind in einer sehr, sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage.”

Die konservative Politikerin sprach von ernstem Gegenwind angesichts des globalen Problems sehr stark steigender Preise und nannte die Inflation in Großbritannien extrem hoch. Die Bank of England erwartet, dass noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist und die Teuerungsrate im Laufe des Jahres die Zehn-Prozent-Marke übersteigen wird. Insbesondere teure Energie und Nahrungsmittel treiben die Inflation. Die rasant steigenden Lebenshaltungskosten treffen die Bürger auf der Insel laut einer Umfrage des Instituts Ipsos hart: Demnach drehen zwei von drei Briten die Heizung ab, um Kosten einzusparen. Mehr als ein Viertel der Befragten gab sogar an, wegen ihres knappen Budgets Mahlzeiten auszulassen.

Diese Lage lässt die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung des konservativen Premiers Boris Johnson steigen: In einer Befragung des Instituts YouGov erklärten 72 Prozent der Briten, dass die Regierung die Wirtschaft schlecht manage. Dabei wird der Ruf immer lauter, die Sozialhilfe zu erhöhen, um ärmere Bevölkerungsschichten angesichts der rasant steigenden Lebenshaltungskosten zu entlasten.

Finanzminister Rishi Sunak verweist allerdings darauf, dass hohe Inflation quasi ein weltweites Problem sei. Die Regierung könne die Bürger nicht komplett von Risiken abschirmen. Sie tue was sie könne und stehe auch bereit, mehr zu tun.

KAUFKRAFT ERODIERT

Die Arbeitslosigkeit ist mit 3,7 Prozent zwar auf den niedrigsten Stand seit 1974 gesunken. Doch die Kaufkraft erodiert, da die Lohnsteigerungen die höheren Lebenshaltungskosten bei weitem nicht wettmachen können.Und es gibt bereits Anzeichen, dass die Inflation in dem EU-Aussteigerland weiter anziehen wird. So kletterten die Preise ab Fabriktor im April um 14,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – der größte Anstieg seit Juli 2008.

Die Notenbank in London stemmt sich bereits mit Zinserhöhungen gegen die hochschießende Inflation im Land. In ihrer bereits vierten Anhebung binnen sechs Monaten setzte sie den Leitzins Anfang des Monats um einen viertel Punkt auf 1,0 Prozent nach oben. Ein derart hohes Niveau der Leitzinsen hat es seit 2009 im Vereinigten Königreich nicht mehr gegeben.

Japans Wirtschaft schrumpft – Gegenwind bleibt

Tokio (Reuters) – Die japanische Wirtschaft ist im ersten Quartal wegen der Corona-Auflagen geschrumpft.

Das Bruttoinlandsprodukt der nach den USA und China drittgrößten Volkswirtschaft der Welt sank von Januar bis März um 0,2 Prozent zum Vorquartal, wie die Regierung am Mittwoch in Tokio mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten sogar einen doppelt so starken Rückgang erwartet. Das Vor-Corona-Niveau werde nach wie vor nicht erreicht, sagte Wirtschaftsminister Daishiro Yamagiwa.

Unter den Corona-Beschränkungen litten vor allem die Dienstleister. Die Konsumausgaben der Verbraucher – die mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmachen – stagnierte in den ersten drei Monaten. Auch vom Außenhandel kamen keine Wachstumsimpulse. Die Aussichten für einen starken Aufschwung sind auch in den kommenden Monaten eher schlecht. “Der Lockdown in China und die Zinserhöhungen in den USA sowie die Ukraine-Krise könnten die Auslandsnachfrage belasten”, sagte Ökonom Hiroshi Shiraishi vom Bankhaus BNP Paribas Securities. Sinkende Realeinkommen könnten zudem die Erholung der Inlandsnachfrage behindern.

“Die zwischenzeitlichen Lockerungen der Corona-Restriktionen sprechen zwar für eine Erholung der japanischen Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf”, sagte LBBW-Ökonom Dirk Chlench. “Aber angesichts der Belastungen durch steigende Rohstoffpreise wird das gesamtwirtschaftliche Wachstum im rohstoffarmen Japan gering ausfallen.” Er rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von 2,4 Prozent.

Firmenbilanzen geben Wall Street Auftrieb

Frankfurt/New York (Reuters) – Starke Geschäftszahlen einiger Konzerne ermuntern Anleger zum Einstieg in den US-Aktienmarkt.

Der Standardwerteindex Dow Jones schloss am Dienstag 1,3 Prozent höher auf 32.654 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte 2,8 Prozent auf 11.984 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 legte zwei Prozent auf 4088 Punkte zu. Der Ausverkauf der vergangenen Wochen habe die Verkäufer erschöpft, sagte Finanzmarkt-Expertin Mimi Duff von der Beratungsfirma GenTrust. “Daher ist bei jedem Anzeichen guter Nachrichten eine Erholung möglich.”

Hierzu gehörte auch die Aussicht auf ein Ende der Lockdowns in China, die die Weltwirtschaft in den vergangenen Wochen ausgebremst hatte. Die Hoffnung auf eine anziehende Rohstoff-Nachfrage des Top-Abnehmers verteuerte das Industriemetall Kupfer um 1,4 Prozent auf 9367 Dollar je Tonne.

Darüber hinaus winkte eine Lockerung der strengen Auflagen für chinesische Technologiekonzerne. Dies verhalf den in den USA notierten Aktien der Online-Händler Alibaba und Pinduoduo zu Kursgewinnen von 6,4 beziehungsweise 6,1 Prozent.

HOME DEPOT UND UNITED AIRLINES SIND OPTIMISTISCHER

Ebenfalls gefragt waren die Titel von Home Depot mit einem Plus von 1,7 Prozent. Die Baumarktkette hob auf Basis eines Quartalsergebnisses über Markterwartungen ihre Gesamtjahresziele an. Viele hätten dagegen angesichts der zahlreichen Risiken wie steigenden Zinsen, Lieferengpässen und widrigem Frühlingswetter eine Enttäuschung befürchtet, schrieb Analyst Michael Baker vom Research-Haus D.A. Davidson. Die Prognose-Anhebung sei nicht nur überraschend sondern komme auch ungewöhnlich früh im Geschäftsjahr.

Auch United Airlines blickt optimistischer in die Zukunft. Die Fluggesellschaft stellt für das laufende Quartal einen Anstieg des Umsatzes pro verkauftem Sitzkilometer auf 23 bis 25 statt 17 Prozent in Aussicht. Es gebe immer noch einen aufgestauten Bedarf an Urlaubsreisen, kommentierte Analystin Helane Becker vom Vermögensverwalter Cowen. Außerdem liefen Geschäftsreisen wieder an. Die Aktien von United sowie der Rivalen Delta und American Airlines stiegen daraufhin um bis zu 7,9 Prozent.

INFLATION DÄMPFT KAUFLAUNE DER VERBRAUCHER

Ein Wermutstropfen sei allerdings der im Rahmen der Erwartungen ausgefallene Anstieg der US-Einzelhandelsumsätze, monierte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. “Die Zahlen sagen uns, dass die gestiegene Inflation Verbraucher abschreckt.”

Dies sei auch der Grund hinter den gekippten Gesamtjahreszielen von Walmart, sagte Analystin Stephanie Wissink von der Investmentbank Jefferies. Wegen steigender Kosten warnte der Einzelhändler vor einem Gewinnrückgang um ein Prozent. Bislang hatte er ein Plus im mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht gestellt. Walmart-Titel brachen daraufhin um mehr als elf Prozent ein.

Powell will Inflation drücken – aggressiveres Vorgehen nicht ausgeschlossen

New York (Reuters) – Die US-Notenbank will die geldpolitischen Zügel laut Fed-Chef Jerome Powell solange anziehen, bis die Inflation unter Kontrolle ist.

Es müsse “klare und überzeugende” Anzeichen dafür geben, dass der Preisauftrieb nachlasse, sagte er am Dienstag auf einer Veranstaltung des “Wall Street Journal”. Das wolle die Fed sehen. Falls es nicht dazu komme, werde sie ein aggressiveres Vorgehen erwägen müssen. Die Notenbank habe die Werkzeuge und das Stehvermögen, die Inflation zu bekämpfen: “Niemand sollte an unserer Entschlossenheit zweifeln.”

Wenn es nötig sei, werde die Zentralbank bei den Zinsen auch ohne Zögern über das neutralen Niveau hinausgehen, bei dem die Wirtschaft weder stimuliert noch gebremst wird. Auf der jüngsten Zinssitzung habe es eine breite Unterstützung für die Überlegung gegeben, die Zinsen auf den Sitzungen im Juni und Juli um jeweils einen halben Prozentpunkt zu erhöhen. Damit sei zwar keine Vorhersage verbunden. Doch wenn sich die Wirtschaft so entwickele wie erwartet, lägen diese Optionen auf dem Tisch.

Die Fed sieht sich mit einer Inflationsrate von zuletzt 8,3 Prozent konfrontiert. Sie hat vor diesem Hintergrund jüngst den größten Zinsschritt seit 22 Jahren unternommen – eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt auf die neue Zins-Spanne von 0,75 bis 1,00 Prozent. Am Markt hielten sich weiter Spekulationen, die Fed könne angesichts des anhaltend hohen Preisauftriebs zu noch größeren Zinsschritten in Höhe von einem Dreiviertel-Prozentpunkt gezwungen sein.

Powell betonte, durch Marktreaktionen auf das Agieren der Fed hätten sich die Finanzierungsbedingungen bereits deutlich verschärft. Im Kampf gegen die Inflation müsse auch in Kauf genommen werden, dass das Wirtschaftswachstum niedriger ausfalle. Zugleich wiederholte der Notenbank-Chef seine Formulierung, wonach es der Fed wohl gelingen werde, “eine Art sanfte Landung” der Wirtschaft hinzubekommen.

Lockerungen in China lassen Anleger in Europa aufatmen

Frankfurt (Reuters) – China macht sich locker und europäische Anleger atmen auf.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils etwa 1,5 Prozent auf 14.185,94 beziehungsweise 3738,62 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte ein knappes Prozent vor. Bei Rohstoffen griffen sie ebenfalls zu. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 114,91 Dollar je Barrel (159 Liter) und das Industriemetall Kupfer um 1,5 Prozent auf 9373 Dollar je Tonne.

Zuvor hatten chinesische Behörden ein Ende der strengen Pandemie-Beschränkungen für die Wirtschaftsmetropole Shanghai in Aussicht gestellt. “Geringere Fallzahlen schüren Wetten auf eine wieder anziehende Nachfrage und eine solide Erholung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades.

Ein weiterer Stimmungsaufheller war eine mögliche Lockerung der strengen Auflagen für chinesische Technologiekonzerne. Dies verhalf in Hongkong unter anderem dem Facebook-Rivalen Tencent zu einem Kursplus von 5,3 Prozent. Dessen Großaktionär Prosus gewann daraufhin in Amsterdam ebenfalls 5,3 Prozent. An der Wall Street rückten die Titel des chinesischen Online-Händlers Alibaba 5,6 Prozent vor.

ZINSSPEKULATIONEN TREIBEN PFUND UND EURO

Vor diesem Hintergrund ließen sich Anleger auch nicht von Signalen für raschere Zinserhöhungen der großen Notenbanken die Stimmung verderben. So fiel die Arbeitslosenquote in Großbritannien auf den niedrigsten Stand seit 48 Jahren, während die Löhne überraschend stark um sieben Prozent zulegten. Die Bank von England (BoE) werde ihre Geldpolitik schneller straffen müssen, da das Lohnwachstum schnell zu einem weiteren Inflationstreiber werde, warnte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Daraufhin legte das Pfund Sterling bis zu 1,5 Prozent auf 1,2498 Dollar zu, so stark wie zuletzt vor eineinhalb Jahren.

Parallel dazu gewann der Euro rund ein Prozent auf 1,0540 Dollar. EZB-Ratsmitglied Klaas Knot schloss eine Anhebung des Schlüsselsatzes um einen halben Prozentpunkt nicht aus, sollte der Teuerungsdruck zunehmen. Es sei aber nicht sicher, ob die EZB ihren Worten auch Taten folgen lasse, gab Commerzbank-Analystin You-Na Park-Heger zu bedenken. Am Bondmarkt verstärkten Knots Aussagen dennoch den Verkaufsdruck. Dadurch stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf 1,056 Prozent.

DAIMLER TRUCK NACH ZAHLEN GEFRAGT

Im Dax griffen Investoren bei den Aktien von Daimler Truck besonders beherzt zu. Sie stiegen dank eines Umsatz- und Gewinnanstiegs bei dem Nutzfahrzeug-Hersteller um 6,5 Prozent. Die Gewinnmarge im Asien-Geschäft sei allerdings enttäuschend und die Bus-Sparte schreibe weiter Verluste, monierte Analyst Himanshu Agarwal von der Investmentbank Jefferies. Im Windschatten von Daimler Truck rückte der Rivale Traton 2,7 Prozent vor.

Stark gefragt waren auch die Papiere von Imperial Brands, die in London um bis zu 8,3 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 1854 Pence stiegen. Unter anderem dank des Erfolgs seiner E-Zigarettenmarke “Blu” steigerte der Tabakkonzern seinen Gewinn den Angaben zufolge auf 113 Pence je Aktie. Der “Gauloises”-Macher sei mit seinem Fünfjahresplan zur Verlagerung des Schwerpunkts auf Tabak-Alternativen im Plan, kommentierte Analystin Alicia Forry vom Vermögensverwalter Investec. Der Ausblick sei ermutigend.

EZB-Ratsmitglied befeuert Zinsfantasien – Euro steigt

Amsterdam/Washington (Reuters) – Nach dem großen Zinsschritt in den USA ist nun auch im Euroraum eine kräftige Anhebung im Gespräch.

EZB-Ratsmitglied Klaas Knot hält für Juli zwar eine Erhöhung um einen Viertel Punkt für realistisch, sieht aber auch die Tür für eine größere Erhöhung offen. Falls Daten in den nächsten Monaten darauf schließen ließen, dass die Inflation auf noch breiterer Basis stehe oder zulege, sei dies nicht auszuschließen, sagte der Niederländer bei einem Fernsehauftritt: “In diesem Fall wäre ein logischer nächster Schritt ein halber Prozentpunkt.”

Zurzeit müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten. Dieser sogenannte Einlagesatz liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Die Möglichkeit rascherer Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) veranlasste Anleger zum Kauf von Euro. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich am Dienstag zeitweise um 1,2 Prozent auf 1,0555 Dollar.

Bundesbankchef Joachim Nagel und auch andere Währungshüter haben bereits eine Zinswende für Juli ins Auge gefasst, dabei aber nicht laut über eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt nachgedacht. Die EZB steht unter Zugzwang, da die Teuerungsrate mit zuletzt 7,5 Prozent im Euroraum weit über das Ziel der Zentralbank von 2,0 Prozent hinausgeschossen ist. Die Bundesbank sieht auch deshalb Eile geboten, da sie hierzulande für dieses Jahr mittlerweile mit einer hohen Teuerungsrate von fast sieben Prozent rechnet.

In den USA ist der Preisauftrieb aktuell weit stärker: Die Inflationsrate lag zuletzt bei 8,3 Prozent. Die US-Notenbank hat vor diesem Hintergrund jüngst den größten Zinsschritt seit 22 Jahren unternommen. Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell beschlossen Anfang des Monats einstimmig eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt auf die neue Zins-Spanne von 0,75 bis 1,00 Prozent.

Sie signalisierten zugleich, weitere kräftige Schritte nach oben folgen zu lassen, um die Inflation in Schach zu halten. Laut dem US-Währungshüter James Bullard hat die Notenbank dafür einen “guten Plan” entwickelt. Eine Anhebung um jeweils einen halben Prozentpunkt auf den nächsten Zinstreffen im Juni und Juli sei derzeit ein gutes Basis-Szenario, sagte der Präsident des Fed-Bezirks St. Louis.

Unicef – Ukraine-Krieg verschärft weltweit Unterernährung bei Kindern

London (Reuters) – Der Krieg in der Ukraine verschärft den Vereinten Nationen zufolge weltweit die Lage bereits unterernährter Kinder massiv.

Ohne weitere Zuschüsse in den kommenden sechs Monaten laufe man in Gefahr, etwa 600.000 weniger Kinder mit einer Spezialnahrung retten zu können, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef, am Dienstag mit. Der Preis für einen Karton der Nahrung, die Erdnüsse, Öl, Zucker und andere Nährstoffe enthält, dürfte um 16 Prozent steigen. Bislang lag der Preis im Schnitt bei 41 Dollar und reichte, um ein unterernährtes Kind über sechs bis acht Wochen wieder auf die Beine zu bringen. Um die Kosten zu decken, sind laut Unicef rund 25 Millionen Dollar nötig.

13,6 Millionen Kinder jünger als fünf Jahre leiden den Angabe zufolge unter massiver Unterernährung, wiegen für ihre Größe viel zu wenig. Ein Todesfall von fünf in dieser Altersgruppe ist auf nicht ausreichende Ernährung zurückzuführen. Bereits vor der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine hätte die Spezialnahrung zur Rettung von Leben für zwei von drei Kindern nicht zur Verfügung gestanden, teilte Unicef weiter mit.