Dax mit ruhigem Jahresausklang – Anleger blicken auf 2022

Frankfurt (Reuters) – Das teils turbulente Börsenjahr 2021 klingt für Dax-Anleger geruhsam aus.

Der deutsche Leitindex beendete den verkürzten Handel am Donnerstag 0,2 Prozent im Plus bei 15.884,86 Punkten. Der EuroStoxx50 notierte ein halbes Prozent höher bei 4305,72 Zählern. “Die Investoren können zum Jahresausklang getrost die Sektkorken knallen lassen”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Der Dax berappelte sich in den vergangenen Wochen nach dem Schock über die neue Corona-Variante Omikron wieder und gewann auf Jahressicht rund 16 Prozent. Damit schloß er das neunte Mal in zehn Jahren mit einem Jahresgewinn ab. Von Reuters befragte Analysten sagen dem Index für 2022 neue Kursrekorde voraus. Dafür sind allerdings keine allzu großen Ausschläge nötig: Von seiner bisherigen Bestmarke von 16.290 Zählern ist der Dax nur noch rund 400 Punkte oder knapp drei Prozent entfernt.

Die Börse dürfte auch in den ersten Wochen des neuen Jahres “wie ein Seismograf auf die Erkenntnisse und Zahlen zur Omikron-Variante des Coronavirus reagieren”, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets. Anleger hofften darauf, dass die wieder verschärften Pandemie-Beschränkungen nur vergleichsweise kurze Zeit in Kraft blieben.

In Asien legte der Tokioter Nikkei-Index auf Jahressicht 4,9 Prozent zu und steht damit so hoch wie seit 1989 nicht mehr. Im Vergleich zu den US-Börsen, wo die Tech-Börse Nasdaq auf ein Jahresplus von 22 Prozent zusteuert, ist der Zuwachs allerdings eher moderat. An den US-Börsen zogen die Aktienfutures am Donnerstag vorbörslich noch weiter an.

IMPORTQUOTEN AUS CHINA DÄMPFEN LAUNE AM ÖLMARKT

Am Ölmarkt trübte die Aussicht auf geringere Importquoten Chinas im nächsten Jahr die Stimmung. Die Nordseesorte Brent und das US-Leichtöl WTI verbilligten sich um je ein knappes halbes Prozent auf 78,96 beziehungsweise 76,21 Dollar je Barrel (159 Liter). Brancheninsidern zufolge liegen die ersten von China an Raffinerien übermittelten Importquoten für 2022 rund elf Prozent unter den Vergleichszahlen für 2021. Von den insgesamt 42 Unternehmen, die die garantierten Quoten betreffen, profitierten vor allem die großen privaten Raffinerien. Das nähre die Sorge an den Börsen, dass China strengere Maßnahmen gegen unabhängige Raffinerien durchsetzen wolle, sagte ein in Singapur ansässiger Analyst.

Bei den Edelmetallen steuerte Gold auf seine schwächste Jahresbilanz seit 2015 zu. Mit aktuell um die 1800 Dollar je Feinunze steht unter dem Strich ein Verlust von knapp fünf Prozent seit Jahresanfang. Als Belastungsfaktoren nannten Börsianer den stärkeren US-Dollar und festere Anleiherenditen. Sie machen Gold für Investoren unattraktiver.

Zu den Gewinnern zählten am Aktienmarkt europaweit am Donnerstag Technologiewerte mit einem Plus von rund einem Prozent. Wegen der Furcht vor weiteren Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr mussten Airlines Federn lassen. So verloren die Aktien der Lufthansa rund ein Prozent.

Mehrere europäische Börsen, darunter Deutschland, Italien und Spanien, bleiben am Freitag geschlossen. In Paris und London werden vor dem neuen Jahr für eine verkürzte Sitzung Aktien gehandelt.

Forscher – Hohe Inflation kostet den deutschen Staat Milliarden

– von Rene Wagner

Berlin (Reuters) – Die rasant steigende Inflation kommt in diesem Jahr nicht nur die Verbraucher teuer zu stehen, sondern auch den deutschen Staat.

“Unter dem Strich bleibt ein Minus von etwa fünf Milliarden Euro”, sagte der Steuerexperte des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Jens Boysen-Hogrefe, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar sorgten die steigenden Preise 2021 für höhere Einnahmen des Staates bei der Mehrwertsteuer. “Zugleich musste der Staat aber auch selbst höhere Preise zahlen”, erläuterte der Experte, der im Arbeitskreis Steuerschätzungen des Bundesministeriums der Finanzen sitzt. “Mit Blick auf Konsum und Investitionen hat die starke Inflation tatsächlich dem Staat in der Summe eher geschadet.”

So stecken Bund, Länder und Kommunen im Jahr etwa 50 Milliarden jährlich in den Bau – von Straßen bis Gebäuden. Die Baupreise sind aber besonders kräftig gestiegen. Der IfW-Ökonom schätzt, dass dies den Staat im zu Ende gehenden etwa 1,3 Milliarden Euro an Mehrkosten beschert hat im Vergleich zu einer normalen Inflation. Noch größer sind die negativen Folgen beim Staatskonsum: Die Behörden und Ministerien geben jährlich viel Geld aus, von neuer Büroausstattung über Strom und Heizkosten für Büros bis hin zu Benzin für Dienstfahrzeuge. Hier musste wegen der hohen Inflation ebenfalls mehr bezahlt werden. “Das sorgte für zusätzliche Ausgaben von rund sieben Milliarden Euro”, sagte Boysen-Hogrefe.

“STAAT HAT GUTE KARTEN, WENN LÖHNE STEIGEN”

    Dem gegenüber stehen allerdings auch höhere Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, da diese mit den gestiegenen Verbraucherpreisen automatisch zulegen. Doch diese Mehreinnahmen dürften sich auf nur etwa 700 Millionen Euro belaufen, so der Forscher. Bei privaten Bauinvestitionen dürften die höheren Preise dem Staat weitere knapp 2,5 Milliarden Euro in die Kassen gespült haben. Diesen insgesamt gut drei Milliarden an zusätzlichen Einnahmen stehen allerdings die acht Milliarden Euro an höheren Kosten gegenüber, weshalb der Staat am Ende weniger Geld zur Verfügung hat.

    Boysen-Hogrefe nahm als Basis für seine Berechnungen die für dieses Jahr erwartete durchschnittliche Teuerungsrate des privaten Konsums von rund drei Prozent und verglich diese mit dem Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent. Dabei hat er zusätzlich noch den Sondereffekt aus der Wiederanhebung der Mehrwertsteuer herausgerechnet. Dadurch bleibt eine bereinigte Inflationsrate von 2,3 Prozent übrig.

    “Der Staat kann bei importierter Inflation eigentlich nur verlieren”, sagte Boysen-Hogrefe mit Blick auf die Entwicklung von Öl, Gas und anderen importieren Waren, die sich 2021 besonders stark verteuert haben. Bei heimischer Inflation dürfte das Plus bei Gewinn- und Lohnsteuern, sowie Sozialversicherungs-Beiträgen alles andere überragen. “Der Staat hat immer dann gute Karten, wenn die Löhne stark steigen”, sagte der Experte. Dann kletterten auch die an die Lohnentwicklungen gekoppelten Beitragseinnahmen – etwa für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

China genehmigt Bau von vier Mega-Rechenzentren für Küstenregionen

Peking (Reuters) – China will mit vier neuen Mega-Rechenzentren den hohen Datenbedarf der Küstenzentren sicherstellen.

Die Cluster sollen in der nördlichen Region der Inneren Mongolei, der nordwestlichen Region Ningxia, der Provinz Gansu und der südwestlichen Provinz Guizhou errichtet werden, teilte die Staatliche Kommission für Entwicklung und Reform mit. Die Standorte könnten ihre Energie- und Umweltvorteile nutzen, um grüne und kohlenstoffarme Mega-Rechenzentren zu errichten.

China will seine Massendaten-Industrie bis 2025 durch den Bau mehrerer Cluster von Rechenzentren für mehr als drei Billionen Yuan (415,5 Milliarden Euro) ausbauen. Einige Städte in Chinas nördlichen und westlichen Regionen, die reich an erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie sind, haben bereits Rechenzentren gebaut, um die wirtschaftlich entwickelte Küste zu versorgen.

Bundesbanker – Banken sollten Inflationsrisiko nicht unterschätzen

Berlin (Reuters) – Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling warnt Unternehmen und Banken vor einer Unterschätzung der Inflationsrisiken.

Er sehe “eine gewisse Gefahr darin, dass man sich derart auf die Auswirkungen der Pandemie fokussiert, dass andere Risiken, die womöglich größer und auch längerfristig sind, zu wenig Aufmerksamkeit bekommen”, sagte Wuermeling der “Börsen-Zeitung” (Dienstagausgabe). Auf die Nachfrage, an welche Risikoquellen er dabei konkret denke, sagte der Bundesbanker: “Zum Beispiel an die Folgen einer möglicherweise länger anhaltenden Inflation und einen damit verbundenen Zinsanstieg, wie wir ihn in den USA und anderen Ländern bereits sehen”. Hier könnten sich in der Folge Markt- und Zinsänderungsrisiken merklich materialisieren.

Die Inflationsrate in Deutschland ist mit 5,2 Prozent so hoch wie seit fast 30 Jahre nicht mehr. Dazu tragen vor allem steigende Energiepreise, Materialengpässe und gestörte Lieferketten sowie Sondereffekte wie die wieder angehobene Mehrwertsteuer bei. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass die Preise im kommenden Jahr mit durchschnitt 3,3 Prozent schneller zulegen werden als 2021 mit 3,1 Prozent.

In der deutschen Wirtschaft herrscht angesichts der hohen Inflation Unmut über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). “Die EZB tut nicht zu wenig, sie tut das Falsche”, hatte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, der Nachrichtenagentur Reuters zuletzt gesagt. “Dass sie in Krisenzeiten zur Stabilisierung der Staatsfinanzen beiträgt, kann politisch durchaus gerechtfertigt werden – aber nicht auf Dauer.” Langfristig gefährde dies das Vertrauen in die Währung durch Geldwertvernichtung. Eine Abkehr von dieser Politik sei daher erforderlich. “Wir sollten die aktuelle Entwicklung ernst nehmen”, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian, mit Blick auf die Preisentwicklung. “Was mir in dieser Hinsicht Sorge macht: Die EZB hat noch kein richtiges Ausstiegssignal aus ihrer lockeren Geldpolitik erkennen lassen.”

Deutsche Wirtschaft – Lieferengpässe bleiben 2022, hohe Inflation auch

– von Rene Wagner

Berlin (Reuters) – Industrie, Handwerk, Exporteure, Handel und Digitalbranche rechnen auch im kommenden Jahr mit anhaltenden Materialengpässen sowie deutlich steigenden Preisen.

“Mit einer schnellen Entspannung ist nicht zu rechnen”, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, in einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter großen Wirtschaftsverbänden. “Material- und Liefer-Engpässe bremsen Produktion bis weit ins Jahr 2022.” Die Lieferschwierigkeiten hätten die deutsche Industrie im zu Ende gehenden Jahr bereits grob geschätzt gut zehn Prozent an Produktionseinbußen gekostet.

“Speziell der Chipmangel wird die deutsche Wirtschaft auch 2022 und darüber hinaus beschäftigen”, warnte der Präsident des Digitalverbandes Bitkom, Achim Berg. “Die Engpässe betreffen alle Arten von Halbleitern von Speicherchips über Prozessoren und Sensoren bis zu einfachen Dioden.” Besonders betroffen seien etwa Hersteller von Servern und IT-Infrastruktur, Telekommunikationsausrüstung und Computer-Hardware. “Die Folgen sind steigende Preise und zunehmende Lieferverzögerungen”, sagte Berg. Einige Anbieter hätten ihre Produktionskapazitäten bereits bis Ende 2023 ausgelastet. Aufgrund der langen und unflexiblen Produktionszyklen und der komplexen Wertschöpfungsketten ließen sich dafür keine schnellen Lösungen finden.

“Aktuell trifft eine weltweit steigende Nachfrage auf zu geringe Produktionskapazitäten und Transportprobleme”, beklagt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian. “Es mangelt derzeit an Containern, an Frachtkapazitäten auf Schiffen – und es gibt zudem Produktionsausfälle.” Wegen der Lieferengpässe dürften notwendige Rohstoffe und Vorprodukte hierzulande knapp und teuer bleiben. Viele international vernetzte deutsche Unternehmen stünden vor einem Berg an Aufträgen, den sie aufgrund von Materialmangel nicht abarbeiten könnten. “Die Aufholstrecke ist noch lang, denn eine Entspannung bei den Problemen in der Lieferkette ist leider noch nicht in Sicht”, fasste Adrian die Lage zusammen.

Die Exporteure sehen das ähnlich. “Die Wurzeln liegen zum einen in der wieder deutlich gestiegenen Nachfrage in allen Bereichen, insbesondere nach Rohstoffen und Vorleistungsgütern, zum anderen aber auch in den immer wiederkehrenden Problemen in Folge der Corona-Pandemie”, sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Dirk Jandura. Der Markt könne das selbst lösen. Im Laufe des kommenden Jahres dürfte eine Entspannung einsetzen.

Dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zufolge hat sich die Lage in der eigenen Branche insgesamt zwar etwas entspannt, da eine Reihe von Baumaterialien inzwischen wieder besser verfügbar sei. “Das gilt allerdings nicht für bestimmte Vorprodukte und Materialien”, so der ZDH. “Hier werden die Produktionskapazitäten auch in den kommenden Monaten nicht ausreichen, um die gesamte Nachfrage zu decken.” Auch die Logistikketten dürften angespannt bleiben. In vielen Regionen der Welt reichten die Kapazitäten für das Be- und Entladen der Frachtschiffe und den Weitertransport der Container nach wie vor nicht aus. “Eine wirkliche Entspannung der Lieferketten kann also frühestens im zweiten Quartal 2022 erwartet werden”, so der ZDH. Für einzelne Branchen könnte es aber noch im gesamten Jahresverlauf Probleme bei der Materialbeschaffung geben. Hinzu kommen sollen nun auch noch massive Importzölle für Schrauben aus China.

“CORONA BLEIBT GRÖSSTES RISIKO”

Die größte Gefahr für den Aufschwung sieht die Wirtschaft allerdings nicht von den Engpässen ausgehen, sondern von Corona. “Das größte Risiko für die Weltkonjunktur ist weiterhin die Pandemie”, sagte Industriepräsident Russwurm. “Die Impfquoten sind in nahezu allen Ländern der Welt zu niedrig.” Der Außenhandelsverband erwartet deshalb einen schwierigen Jahresauftakt. “Der ungebrochen starken Nachfrage in der Wirtschaft und bei den Verbrauchern stehen doch erhebliche Unsicherheiten aus der Corona-Entwicklung, geopolitische Spannungen, Versorgungsengpässe und Probleme bei der Energieversorgung entgegen”, sagte Jandura. Notwendig seien bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Investitionen in die Infrastruktur, Klimaschutz mit Augenmaß, eine konsequente Digitalisierungspolitik, weniger Bürokratie und eine kluge Steuerpolitik könnten eine neue Dynamik schaffen. “Unser Land muss schneller, moderner und digitaler werden”, sagte der BGA-Präsident.

Die Konjunkturprognosen für 2022 stehen unter dem Vorbehalt, ob es im neuen Jahr weitere Infektionswellen geben wird und – falls ja – wie stark diese ausfallen, wie Bitkom-Chef Berg betonte. “Die deutsche Wirtschaft wird sich mittelfristig weiter erholen, und die Digitalbranche sticht in der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung positiv heraus.” Das Geschäftsklima sei hier durchweg positiver als in der Gesamtwirtschaft. “Für die digitale Wirtschaft gehen wir davon aus, dass 2022 ein konjunkturell starkes Jahr wird”, sagte Berg.

Die Handwerksbetriebe hatten im Oktober für 2022 ein durchschnittliches Plus von vier Prozent erwartet. “Allerdings sind Umsatzprognosen im Moment sprichwörtlich ein Blick in die Glaskugel”, so der ZDH. Zu groß seien die Unsicherheiten wegen der besorgniserregenden Entwicklung der Pandemie, der Dauer der Lieferkettenprobleme und den immer größeren Fachkräfteengpässen. Wenn die wirtschaftliche Erholung im Handwerk andauern solle, müsse die neue Ampel-Regierung schnell für langfristige Planungssicherheit sorgen – etwa bei Arbeitsvorgaben und Schutzkonzepten in der Pandemie schaffen. Wenn es gelinge, ab dem Frühjahr die Infektionszahlen niedrig und die Omikron-Variante im Zaum zu halten, seien die Voraussetzungen für ein stärkeres Wachstum als im Jahr 2021 nach wie vor gut.

Japans Industrie nimmt dank Automobilbranche Fahrt auf

Tokio (Reuters) – Die japanische Industrie ist dank nachlassender Lieferengpässe im Automobilsektor weiter auf Erholungskurs.

Die Industrieproduktion stieg nach offiziellen Daten vom Dienstag im November um 7,2 Prozent gegenüber dem Vormonat und übertraf damit die in einer Reuters-Umfrage prognostizierte Zunahme von 4,8 Prozent. Damit stieg die Produktion den zweiten Monat in Folge, nach einem Plus von 1,8 Prozent im Oktober. Die vom Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) befragten Hersteller erwarten einen Produktionsanstieg von 1,6 Prozent im Dezember und 5,0 Prozent im Januar. Die Regierung in Tokio hob ihre Einschätzung der Industrieproduktion an und erklärte, es gebe Anzeichen für einen Aufschwung.

Vor allem die Automobilbranche kurbelte die Wirtschaft an: Der Sektor profitierte von einer Erholung der weltweiten Ersatzteilversorgung. Die Daten zeigen, dass die Produktion von Autos und anderen Kraftfahrzeugen im November um 43,1 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen ist. Trotz der gesteigerten Produktion können sich die japanischen Automobilhersteller noch immer nicht vollständig von den anhaltenden globalen Problemen bei der Versorgung mit Teilen und Chips befreien. Japans führender Automobilhersteller Toyota kündigte vergangene Woche an, die Produktion in fünf inländischen Fabriken im Januar aufgrund von Lieferproblemen und der Gesundheitskrise auszusetzen.

China verschärft Regeln für Börsennotierungen im Ausland

Shanghai (Reuters) – Die chinesische Regierung verschärft die Anforderungen für Börsennotizen im Ausland.

Firmen, die in bestimmten Industrien tätig seien, benötigen nun vor dem Gang auf das Parkett im Ausland grünes Licht der zuständigen Behörden, wie die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) am Montag mitteilte. Betroffen davon seien alle Bereiche, in denen ausländische Investitionen verboten oder eingeschränkt seien – wie etwa Nachrichtenorganisationen, Telekommunikation oder Bildungseinrichtungen. Zudem dürften ausländische Investoren keinen Einfluss auf das Management nehmen und mit maximal 30 Prozent beteiligt sein.

Die Volksrepublik verschärft seit einer Weile die Regulierung großer Privatunternehmen. Ihr sind vor allem die Firmen ein Dorn im Auge, die für ihren Gang an den Kapitalmarkt ein spezielles juristisches Konstrukt wählen, das VIE (Variable Interest Entities) genannt wird. Auf Basis der jüngsten Änderungen wird es VIE-strukturierten Firmen weiterhin möglich sein, im Ausland eine Börsennotiz zu ergattern, solange sie sich an die Regeln halten. Das Handelsministerium bezeichnete die Vorgaben als Möglichkeit für ausländische Investoren, ihre Investitionskanäle zu verbreitern.

Investoren hatten angesichts der Probleme des Fahrdienstes DIDI nach dem Börsengang und dem angekündigten Delisting befürchtet, dass die Regierung in Peking allen Börsennotizen im Ausland ein Riegel vorschiebt.

Anleger starten vorsichtig in letzte Börsenwoche 2021

Frankfurt (Reuters) – Nach dem verlängerten Weihnachtswochenende halten sich Anleger mit Engagements an den europäischen Börsen zurück.

Viele hätten ihre Bücher für 2021 bereits geschlossen, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Und diejenigen, die noch aktiv sind, werden nur dann neue Positionen eingehen, wenn sie Schnäppchen wittern.”

Dax und EuroStoxx50 legten am Montag jeweils 0,3 Prozent auf 15.796 beziehungsweise 4268 Punkte zu. Der eine oder andere Portfoliomanager betreibe sicher noch Bilanzkosmetik vor dem Jahreswechsel, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Diese legten sich noch diejenigen Werte ins Depot, die in den vergangenen Monaten besonders gut gelaufen seien.

“Eine Belastung stellen die nach wie vor hohen Infektionszahlen dar”, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Auch wenn das Infektionsgeschehen zumindest auf den ersten Blick etwas abflacht, könnte schon im neuen Jahr eine neue Omikron-Welle das gesellschaftliche, aber auch wirtschaftliche Leben lahmlegen. Gleichzeitig spricht der Blick in die Statistik bis in den Januar hinein für steigende Kurse im Dax. Anleger wägen nun ab, welche der beiden Faktoren derzeit schwerer wiegen.”

STROMPREIS GIBT NACH – MEHR WINDENERGIE ERWARTET

In die Tiefe rauschte dagegen der Strompreis. Der Terminkontrakt zur Lieferung einer Megawattstunde Strom am darauffolgenden Tag fiel zeitweise um rund die Hälfte auf 106 Euro je Megawattstunde. Vorhersagen zufolge steigt die Windstrom-Menge am Dienstag um etwa ein Drittel. Zugleich dämpfe das vergleichsweise milde Winterwetter die Nachfrage, sagten Börsianer.

Abwärts ging es auch wieder für die türkische Währung. Im Gegenzug verteuerten sich Dollar und Euro um jeweils etwa sechs Prozent auf 11,258 beziehungsweise 12,798 Lira. In der vergangenen Woche waren die Kurse der Lira wegen einer Staatsgarantie für Spareinlagen und milliardenschwerer Interventionen der Notenbank um etwa 45 Prozent eingebrochen. Weil die türkische Zentralbank die Zinsen trotz hoher Inflation niedrig hält, sind neue Rekordtiefs der Lira nach Einschätzung von Experten nur eine Frage der Zeit.

LUFTHANSA IM MINUS – ZAHLREICHE FLÜGE GESTRICHEN

Bei den deutschen Unternehmen rückte Lufthansa ins Rampenlicht. Wegen einer geringeren Nachfrage streicht die Fluggesellschaft ab Mitte Januar 33.000 Verbindungen. Lufthansa-Aktien verloren daraufhin 0,4 Prozent. Die US-Konkurrenten American Airlines, Delta und United büßten sogar bis zu zwei Prozent ein. Weil wegen Coronavirus-Infektionen Maschinencrews fehlten, mussten in den USA am verlängerten Weihnachtswochenende mehrere Tausend Flüge gestrichen werden.

In Zürich stiegen die Titel von Roche dagegen um 1,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 382,05 Franken. Am Freitag hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA einen Corona-Schnelltest des Pharmakonzerns für Personen ab 14 Jahren freigegeben. Der Test schlägt den Angaben zufolge auch auf die Omikron-Variante an.

Deutsche Wirtschaft kritisiert EZB – “Sie tut das Falsche”

– von Rene Wagner

Berlin (Reuters) – In der deutschen Wirtschaft herrscht angesichts der hohen Inflation Unmut über die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

“Die EZB tut nicht zu wenig, sie tut das Falsche”, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, in einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Wirtschaftsverbänden. “Dass sie in Krisenzeiten zur Stabilisierung der Staatsfinanzen beiträgt, kann politisch durchaus gerechtfertigt werden – aber nicht auf Dauer.” Langfristig gefährde dies das Vertrauen in die Währung durch Geldwertvernichtung. Eine Abkehr von dieser Politik sei daher erforderlich.

Die Teuerungsrate liegt aktuell mit 5,2 Prozent so hoch wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. “Wir sollten die aktuelle Entwicklung ernst nehmen”, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Peter Adrian, mit Blick auf die Preisentwicklung. “Was mir in dieser Hinsicht Sorge macht: Die EZB hat noch kein richtiges Ausstiegssignal aus ihrer lockeren Geldpolitik erkennen lassen.”

Der Digitalverband Bitkom sieht eine ganze Reihe von Inflationstreibern: steigende Rohstoff- und Energiepreise, die  CO2-Bepreisung, anhaltende Lieferengpässe und Nachfrageüberschüsse bei vielen Gütern und Produkten. “Umso wichtiger ist, dass die Notenbanken durch eine anhaltende Politik des superbilligen Geldes nicht zusätzlich Öl ins Feuer schütten, sondern die verfügbaren Instrumente zum Gegensteuern nutzen”, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg.

“ALSBALD ERSTE SIGNALE NOTWENDIG”

Ähnlich schätzt das der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ein. Diese Preissteigerungseffekte würden durch die insgesamt recht lockere Geldpolitik der EZB zusätzlich genährt und auch weiter verstärkt. “Damit sich die aktuelle Preisdynamik nicht dauerhaft verfestigt, muss die EZB alsbald erste Signale in Richtung einer wieder zurückhaltenderen Geldmengenpolitik geben”, so der ZDH. Zudem stünden die Tarifpartner in der Verantwortung dafür, dass sich keine Lohn-Preis-Spirale verfestige – also sich Preise und Löhne immer weiter nach oben schaukeln. “Der angekündigte politisch festgelegte Mindestlohn von zwölf Euro wirkt hier leider alles andere als zielführend”, kritisiert der ZDH die Politik der neuen Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP.

Bitkom-Präsident Berg hält es zudem in der Förderpolitik für ratsam, maßzuhalten. “So macht es keinen Sinn, Unsummen für die Breitbandförderung auszugeben, wenn die Kapazitäten fehlen, diese zusätzlichen Mittel auch zu verbauen”, sagte er. “Zu viel Geld kann hier kontraproduktiv sein und führt einzig und allein dazu, dass die Preise im Netzausbau und anschließend bei Mobilfunk- und Breitbanddiensten steigen.” Eine Milliarde Euro pro Jahr zur Unterstützung des Netzausbaus in dünn besiedelten Regionen wäre ausreichend.

Dem BGA zufolge sollte die Politik ihre Maßnahmen auch auf ihre Preisauswirkungen hin überprüfen. “Und vor allem, indem sie den Wandel in der Energieversorgung und Mobilität für Bürger und Betriebe plan- und bezahlbar hält”, sagte BGA-Präsident Jandura.

Der EZB-Rat hatte im Dezember zwar das Ende der Anleihen-Zukäufe über das 1,85 Billionen Euro schwere Pandemie-Notprogramm PEPP ab dem Frühjahr beschlossen. Fällige Tilgungsbeträge sollen jedoch noch bis mindestens Ende 2024 reinvestiert werden. Damit die Finanzmärkte nach dem Auslaufen der PEPP-Zukäufe ab April 2022 nicht auf dem Trockenen sitzen, schafft die EZB zudem eine flexible Brücke über das kleinere Anleihenprogramm namens APP. Dessen Ende, das als eine Voraussetzung für eine Zinswende gilt, ließen die Währungshüter aber bewusst offen. EZB-Chefin Christine Lagarde ließ durchblicken, dass die Nullzinspolitik im Jahr 2022 fortgesetzt werden soll.

Japans Einzelhandelsumsätze steigen zweiten Monat in Folge

Tokio (Reuters) – Der Einzelhandel in Japan ist im November dank rückläufiger Corona-Fälle auf Erholungskurs.

Die Einzelhandelsumsätze stiegen im November um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und übertrafen die Schätzungen von Analysten, wie Regierungsdaten am Montag zeigten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 1,7 Prozent gerechnet, nach einem nach unten korrigierten Plus von 1,0 Prozent im Oktober.

Die Regierung in Tokio hob die Corona-Beschränkungen im September auf und hat sie bis auf strenge Grenzkontrollen, mit denen die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante verhindert werden soll, nicht wieder verschärft. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Japan ist im November weiter gesunken, was die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen anschob. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wird laut der jüngsten Reuters-Umfrage im laufenden Quartal um annualisierte 6,1 Prozent wachsen. Im dritten Quartal verzeichnete sie wegen Störungen der Lieferketten und der sinkende Nachfrage infolge der raschen Ausbreitung des Virus noch einen Einbruch von 3,6 Prozent.