Amerikaner werden wieder spendabler – US-Konsum zieht an

Washington (Reuters) – Trotz der hohen Inflation in den USA geben die Verbraucher wieder mehr Geld aus.

Sie steigerten ihre Ausgaben im August um 0,4 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Volkswirte hatten nur mit einem Plus von 0,2 Prozent gerecht, nach einem Rückgang im Juli von revidiert 0,2 Prozent. Die Verbraucher bilden mit ihren Ausgaben das Rückgrat der US-Wirtschaft, da diese zu mehr als zwei Dritteln zum Bruttoinlandsprodukt beitragen.

Die Finanzmärkte treibt die Sorge um, dass die US-Notenbank Federal Reserve im Kampf gegen die ausufernde Inflation einen zu aggressiven Kurs einschlagen und letztlich eine kräftige Rezession auslösen könnte – also eine Konjunkturschwäche auf breiter Front. Die Fed steht mit ihrer Zinspolitik unter Zugzwang, da die stark steigenden Preise an der Kaufkraft der Amerikaner nagen.

Die Inflation lag in den USA zuletzt bei 8,3 Prozent. Ein Inflationsmaß, das die US-Notenbank Fed ebenfalls bei ihrer Geldpolitik berücksichtigt, sind die persönlichen Ausgaben der Konsumenten. Dabei bleiben Nahrungsmittel- und Energiekosten ausgeklammert, die stark schwanken. Dieser sogenannte PCE-Kernindex zeigt für August eine Jahresteuerungsrate von 4,9 Prozent an. Im Juli waren es revidiert 4,7 Prozent. Experten hatten für August ebenfalls mit 4,7 Prozent gerechnet.

Die Fed treibt wegen der hohen Preissteigerungsrate den Leitzins in großen Schritten nach oben. Unlängst hob sie ihn zum dritten Mal in Folge ungewöhnlich kräftig um einen Dreiviertel-Prozentpunkt an auf die aktuelle Spanne von 3,00 bis 3,25 Prozent.

(Bericht von Lucia Mutikani, geschrieben von Klaus Lauer; redigiert von Hans Seidenstücker – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Lindner verteidigt neuen Abwehrschirm – CDU kritisiert “Schulden-Wumms”

Berlin (Reuters) – Der neue Abwehrschirm gegen die sprunghaft gestiegenen Energiepreise sorgt zumindest teilweise für Unmut.

Bundesfinanzminister Christian Lindner verteidigte die 200 Milliarden Euro schweren Pläne am Freitag im Bundestag als notwendig, weil russische Energielieferungen ausblieben. Die Opposition kritisierte, dass viele Details offen seien, es aber einen “Schulden-Wumms” gebe. In den nächsten Tagen sollen Experten einen Vorschlag zur geplanten Gaspreisbremse vorlegen. Diese dürfte allein nächstes Jahr einen zweistelligen Milliarden-Betrag erfordern. Die Top-Bonität Deutschlands scheint trotz der neuen Schulden vorerst nicht in Gefahr. Der Bundestag beschloss zur Entlastung der Bürger für 18 Monate eine gesenkte Mehrwertsteuer auf Gas und Fernwärme.

Mit den neuen Hilfen soll der Corona-Krisenfonds WSF reaktiviert und gefüllt werden. Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte in Berlin, anders als in der Pandemie werde der WSF jetzt so aufgesetzt, dass auch kleinere Firmen profitieren könnten. Lindner erklärte, das Geld könne nur zweckgebunden eingesetzt werden – für die geplanten Preisbremsen auf Strom und Gas, Hilfen für Unternehmen und insbesondere die Gas-Importeure. “Hinter dem Abwehrschirm bleiben wir solide”, so der FDP-Vorsitzende. Der WSF soll noch dieses Jahr mit Kreditermächtigungen in Höhe von 200 Milliarden Euro ausgestattet werden – weil 2022 wegen der Pandemie und des Krieges in der Ukraine die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse noch ausgesetzt ist. 2023 soll sie dann wieder greifen, was mit einer deutlich verringerten Neuverschuldung einhergehen muss.

Insgesamt bleibe die Finanzpolitik solide, versicherte Lindner. Die temporäre Subvention von Preisen solle Unternehmen Zeit geben, sich anzupassen. Denn die Preise würden nicht mehr auf alte Niveaus fallen. Die Rating-Agentur Moody’s, die die Kreditwürdigkeit Deutschlands bewertet, teilte mit, der Schuldenstand werde dadurch 2023 auf 69,5 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung steigen und 2024 auf 68,7 Prozent. Das seien gut 2,5 Prozentpunkte mehr als bisher erwartet, sagte Moody’s-Analyst Steffen Dyck. “Vor dem Hintergrund eines Schuldenstands, der niedriger ist als in anderen europäischen Ländern, bleibt der Anstieg in einem klar verkraftbaren Rahmen.” In Großbritannien hatten Pläne der Regierung zur Senkung der Steuern sowie kostspielige Hilfen wegen der Energiepreise zuletzt einen Ausverkauf am Devisen- und Anleihenmarkt ausgelöst.

CDU-Politiker Mathias Middelberg sprach im Bundestag von einem “Schulden-Wumms” – in Anspielung auf den “Doppel-Wumms”, von dem Kanzler Olaf Scholz am Donnerstag gesprochen hatte. Es gebe 200 Milliarden Euro neue Schulden, ohne dass konkrete Details für die Verwendung bekannt seien.

GASPREIS-SUBVENTIONIERUNG DÜRFTE 2023 BIS ZU 37 MRD KOSTEN

Bis Mitte Oktober soll eine Expertenkommission Vorschläge für eine Gaspreisbremse machen. Diese könnte den Staat – je nach konkreter Ausgestaltung – laut Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) 2023 zwischen 15,6 und 36,5 Milliarden Euro kosten. Am günstigsten wäre ein Preisdeckel, bei dem ein subventionierter, also geförderter Grundverbrauch abhängig von der Zahl der Personen im Haushalt gewährt wird. In etwa doppelt so teuer wäre ein Preisdeckel, der als Referenz den Vorjahresverbrauch zu beispielsweise 80 Prozent abdeckt. “Je nachdem, welche Gasmengen bei welchem Preis gedeckelt werden, kann es große Unterschiede geben”, sagte IMK-Direktor Sebastian Dullien.

Knapp die Hälfte der deutschen Haushalte heizt oder kocht mit Gas, das im Winter knapp zu werden droht und womöglich rationiert werden muss. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mahnte erneut mehr Einsparungen an. “Für die oberen 20 Prozent des normalen Verbrauchs wird man sicherlich die volle Rechnung bezahlen müssen”, sagte der Grünen-Politiker im Deutschlandfunk.

Der Bundestag gab unterdessen grünes Licht für die Mehrwertsteuersenkung auf Gas und Fernwärme. Damit sollen Verbraucher ab Oktober 2022 bis Ende März 2024 mit insgesamt mehr als 13 Milliarden Euro entlastet werden. Der Mehrwertsteuersatz wird von 19 auf sieben Prozent reduziert. Die finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Katharina Beck, sagte, im Idealfall würden die Preise um rund zehn Prozent gedämpft. Die Opposition kritisierte, die Preise würden wesentlich stärker steigen, so dass es am Ende gar keine Entlastung gebe.

(Bericht von Christian Krämer, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

BaFin schränkt Futures-Handel für Kleinanleger ein

Frankfurt (Reuters) – Die Finanzaufsicht untersagt ab kommendem Jahr Kleinanlegern den Handel mit bestimmten riskanten Finanzderivaten.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will mit ihrer Allgemeinverfügung Kleinanleger davor schützen, beim Handel mit sogenannten Futures massive Vermögensverluste zu erleiden. Wie die Behörde am Freitag in Bonn mitteilte, geht es dabei um Terminkontrakte, bei denen der Anleger je nach Kursentwicklung zum Ausgleich möglicher Verluste Geld nachschießen muss und damit sein Verlustrisiko erhöht. Ab Januar ist nun die Vermarktung und der Verkauf solcher Produkte an Kleinanleger verboten. Die Aufseher haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Verbraucherschutz künftig stärker in den Blick zu rücken.

Futures stehen wegen ihrer Hebelwirkung immer wieder in den Schlagzeilen. Denn bei diesen Finanzprodukten können Kleinanleger mit relativ geringem Einsatz zum Teil sehr hohe Gewinne erzielen. Allerdings können sie auf der anderen Seite auch sehr hohe Verluste erleiden. Denn wenn das investierte Kapital nicht ausreicht, um Verluste auszugleichen, muss der Anleger mit seinem sonstigen Vermögen dafür gerade stehen. Verluste können so das investierte Kapital um ein Vielfaches übertreffen. “Mit ihrer Produktinterventionsmaßnahme stellt die Aufsichtsbehörde sicher, dass sich der Verlust von Kleinanlegern beim Future-Handel auf den Betrag beschränkt, den diese investiert haben”, erklärte die Aufsicht. Die Bafin hatte die Pläne bereits im Februar angekündigt.

Anders als im Februar in Aussicht gestellt soll es aber Ausnahmen geben. So soll für Kleinanleger der Handel mit Futures zu Absicherungszwecken auch künftig unter bestimmten Bedingungen möglich sein. Dabei hat die Aufsicht unter anderem Agrarbetriebe im Blick. Ausgenommen von dem Verbot sind zudem Futures-Kontrakte mit denen Positionen abgewickelt oder geschlossen werden, die noch vor dem Inkrafttreten des Verbots eröffnet worden sind. Die neue Regelung betrifft nicht solche Futures bei denen die Nachschusspflicht vertraglich ausgeschlossen ist. Kleinanleger können bei diesen Kontrakten nur das investierte Geld verlieren. Der Handel mit solchen Futures soll für sie weiterhin möglich sein.

(Bericht von Frank Siebelt; Redigiert von Ralf Banser; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Inflationsrate im Euro-Raum mit zehn Prozent erstmals zweistellig

– von Frank Siebelt und Klaus Lauer

Frankfurt (Reuters) – Die Inflation im Euro-Raum ist im September angetrieben durch einen massiven Preisschub bei Energie erstmals zweistellig.

Die Verbraucherpreise stiegen binnen Jahresfrist um 10,0 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag auf Basis einer ersten Schätzung mitteilte. Das ist die höchste Inflationsrate seit es den Euro gibt. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 9,7 Prozent gerechnet. Im August hatte die Rate noch bei 9,1 Prozent gelegen. Auch in Deutschland, der größten Volkswirtschaft im Euro-Raum, hat die Inflation im September die Schwelle von zehn Prozent durchbrochen.

Mit dem unerwartet kräftigen Inflationsschub wird nun ein weiterer Jumbo-Zinsschritt der Europäischen Zentralbank (EZB) auf der nächsten Zinssitzung im Oktober immer wahrscheinlicher. Zuletzt hatten zahlreiche Währungshüter erklärt, dass eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte auf der Tagesordnung stehen sollte. Denn das Inflationsziel der EZB rückt jetzt immer mehr in die Ferne. Die Teuerungsrate ist mittlerweile fünf mal so hoch wie das Notenbankziel von zwei Prozent.

“Beängstigend ist, dass der Inflationsanstieg rasant breiter wird”, kommentierte Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe die Daten. Auch der schwache Euro treibe den Inflationsanstieg an. “Dies erhöht den Druck, auf die EZB, den Leitzins schnell und kräftig anzuheben.” Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat die hohe Inflation inzwischen dazu geführt, dass immer mehr Bürger bezweifeln, ob die EZB die Inflation langfristig wie versprochen auf zwei Prozent begrenzen kann. “Diese Entankerung der langfristigen Inflationserwartungen ist gefährlich”, merkte er an. “Die EZB sollte ihren Einlagensatz rasch in Richtung vier Prozent anheben.” Aktuell liegt dieser für die Finanzmärkte derzeit maßgebliche Schlüsselzins bei 0,75 Prozent. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, rechnet nun für die Oktober-Zinssitzung mit einer weiteren XXL-Anhebung um 0,75 Prozentpunkte.

In Deutschland war die Inflation nach europäischer Messung (HVPI) im September im Zuge des Wegfalls des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts sogar auf 10,9 Prozent gestiegen. In den Niederlanden lag sie noch höher bei 17,1 Prozent. Die höchsten Inflationsraten im Euro-Raum verzeichneten die drei baltischen Länder mit Teuerungsraten von mehr als 22 Prozent. In Frankreich fiel der Preisanstieg dagegen mit 6,2 Prozent am geringsten aus.

ENERGIEPREISE SCHIESSEN NACH OBEN

Stärkster Inflationstreiber im September waren die in Folge des Ukraine-Kriegs immer weiter hochschießenden Energiepreise. Binnen Jahresfrist verteuerte sich Energie im September um 40,8 Prozent. Im August hatte der Anstieg noch bei 38,6 Prozent gelegen. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak kletterten um 11,8 Prozent nach 10,6 Prozent im August, die für Industriegüter ohne Energie zogen um 5,6 Prozent an nach 5,1 Prozent im August. Dienstleistungen kosteten 4,3 Prozent mehr.

Sorgen dürfte der EZB bereiten, dass selbst ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel die Inflation ungebrochen steigt. Die sogenannte Kerninflation erhöhte sich auf 6,1 Prozent nach 5,5 Prozent im August. Dies zeigt an, dass der Preisschub inzwischen immer weitere Bereiche der Wirtschaft erfasst. Für die Währungshüter ist das keine einfache Situation, da sich die Konjunktur inzwischen merklich abkühlt. Sie haben zuletzt aber klar gemacht, dass die Inflationsbekämpfung derzeit Vorrang vor Konjunkturerwägungen hat. Chefvolkswirt Krüger von Hauck Aufhäuser Lampe ist sich sicher: “Die hohe Kerninflation wird nur unter Hinnahme einer Rezession zu bekämpfen sein.”

(Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Europas Börsen auf Erholungskurs – Adidas und Puma tiefer

Frankfurt (Reuters) – Versöhnlicher Abschluss für den schwärzesten September seit der Finanzkrise von 2008: Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils etwa 1,3 Prozent auf 12.125 beziehungsweise 3317 Punkte.

Das Minus seit Monatsbeginn summierte sich allerdings auf knapp sechs Prozent. Echtes Kaufinteresse sei nicht zu beobachten, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. Vielmehr lösten einige Investoren ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auf.

Auch Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets warnte vor möglichen erneuten Rücksetzern. “Zu schwer wiegen die Sorgen über eine davongaloppierende Inflation, auf die die Notenbanken noch lange mit Zinserhöhungen reagieren dürften. Zudem verändert sich die geopolitische Lage mit der russischen Annexion der vier besetzten Gebiete und den Sabotage-Akten an den Gaspipelines[nL8N310517 nicht wirklich zum Positiven.”

ERNEUTER ANSTIEG DER EUROPÄISCHEN INFLATIONSRATE ERWARTET

In diesem Zusammenhang warteten Investoren gespannt auf die europäischen Preisdaten. Experten prognostizierten einen Anstieg der Teuerungsrate auf 9,7 Prozent im Jahresvergleich. Die deutsche Inflation hatte erstmals seit rund 70 Jahren die Marke von zehn Prozent erreicht. “Die notwendigen geldpolitischen Konsequenzen dürften die Börse noch eine ganze Weile beschäftigen”, sagte RobMarkets-Experte Molnar.

Unterdessen verhalfen Spekulationen um eine Drosselung der Erdöl-Förderung durch die Staaten der großen Exportländer der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 89,54 Dollar je Barrel (159 Liter). “Im August blieb die Produktion der Opec+ aber bereits schätzungsweise 3,37 Millionen Barrel pro Tag hinter den Zielen zurück”, gaben die Experten der Bank ING zu bedenken. Daher werde die reale Fördermenge weniger stark zurückgehen als offiziell angekündigt. Einige Opec+-Staaten haben wegen maroder Förderanlagen Probleme, ihre Quoten zu erfüllen.

Gefragt waren auch Industriemetalle. Die überraschende Rückkehr des Barometers für die Stimmung der chinesischen Industrie über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten schüre Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage des Top-Abnehmers. Kupfer verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 7582 Dollar je Tonne.

Am Erdgas-Markt entspannte sich die Lage dank kontinuierlicher Lieferungen von Flüssiggas als Ersatz für Importe aus Russland weiter. Der europäische Future gab 4,2 Prozent auf 176,50 Euro je Megawattstunde nach.

ADIDAS UND PUMA STRAUCHELN WEGEN NIKE-ZAHLEN

Am Aktienmarkt gerieten Adidas und Puma unter Verkaufsdruck. Ihre Papiere fielen um vier beziehungsweise 5,4 Prozent, nachdem der US-Rivale einen Gewinneinbruch gemeldet und vor weiterem Margendruck gewarnt hatte. Die verstärkten Rabatt-Aktionen seien ein schlechtes Omen für die europäischen Sportartikel-Hersteller, kommentierte Analyst James Grzinic von der Investmentbank Jefferies. Sie würden voraussichtlich nachziehen müssen. Dies überschatte die bislang robuste Nachfrage diesseits des Atlantik. Nike-Titel brachen im vorbörslichen US-Geschäft um gut neun Prozent ein.

Unterdessen hielten sich die Papiere der Porsche AG über ihrem Ausgabepreis von 82,50 Euro. Am zweiten Tag nach dem Börsengang legten sie 0,7 Prozent auf 83,08 Euro zu. Großaktionär Volkswagen rückte nach dem Ausverkauf vom Donnerstag 0,8 Prozent vor.

(Bericht von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Scholz – Gaspreise werden “massiv fallen”

Berlin (Reuters) – Die Gaspreise für Bürger und Unternehmer in Deutschland werden laut Kanzler Olaf Scholz durch die neuen Maßnahmen der Regierung drastisch zurückgehen.

“Es geht um eine massive Senkung der Gaspreise”, sagte Scholz am Donnerstag im ZDF. Die eingesetzte Kommission werde “Mitte Oktober oder etwas früher” Vorschläge über die genaue Ausgestaltung der Gaspreisbremse machen. Die Regierung werde dann die Preise so lange heruntersubventionieren, wie sie zu hoch sind. In der Zwischenzeit werde man dafür sorgen, dass mehr Erdgas als Ersatz für russische Lieferungen zur Verfügung steht. “Am Ende sollen Preise wieder normales Niveau erreichen”, sagte Scholz ohne allerdings zu sagen, welches Preisniveau er damit meint.

Deutschland habe die finanzielle Kraft, diesen Kurs durchzuhalten, sagte Scholz weiter. Es habe die geringste Verschuldungsquote unter den wichtigsten westlichen Industrieländern (G7). Man werde so viel Geld einsetzen wie gebraucht werde in 2022, 2023 und wenn nötig auch in 2024. Zuvor hatte die Regierung einen Schutzschirm in Höhe von bis zu 200 Milliarden Euro verkündet.

Scholz wehrte sich gegen den Vorwurf, dass es sich um einen Schattenhaushalt handele. Deutschland habe schon früher in der Krise hohe Kredite aufgenommen und sie dann nach der Krise zurückgezahlt, weil die Wirtschaftskraft erhalten werden konnte. Dies werde auch diesmal so sein.

(Bericht von Andreas Rinke; redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Insider – Neues EZB-Kriseninstrument muss für Italien nicht eingesetzt werden

Frankfurt (Reuters) – Währungshüter der EZB sehen derzeit Insidern zufolge keine Notwendigkeit dafür, mit Hilfe ihres neuen Anleihen-Schutzschirms Italien unter die Arme zu greifen.

Analysten hatten darüber spekuliert, ob die Europäische Zentralbank (EZB) ihr neugeschaffenes Anleihenkauf-Instrument TPI aktivieren werde, um einen Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen und deren Renditeaufschläge einzudämmen. Vier Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters allerdings nun, aus ihrer Sicht sei es nicht erforderlich TPI einzusetzen. Denn die bisherigen Marktreaktionen seien weder ungeordnet noch ungerechtfertigt, merkten sie an. Dies sind zwei Schlüsselbedingungen der Währungshüter für eine Aktivierung des neuen Instruments.

Sorgen bezüglich der Entwicklung der italienischen Staatsfinanzen angesichts des Regierungswechsels hatten zuletzt die Renditen italienischer Staatsbonds nach oben getrieben. Die Rendite zehnjähriger Titel kletterte zeitweilig auf 4,927 Prozent und damit auf das höchste Niveau seit fast zehn Jahren. Der Renditeaufschlag zu deutschen Staatstiteln (Spread) nahm auf über 2,50 Prozentpunkte zu. Noch im Sommer hatte eine derartige Spreadausweitung die EZB auf den Plan gerufen. Die Euro-Notenbank eine Stellungnahme zu den Informationen ab.

(Bericht von Francesco Canepa, Balazs Koranyi, Frank Siebelt; Redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Regierung spannt erneut Schutzschirm – 200 Mrd gegen hohe Energiepreise

Berlin (Reuters) – Die Bundesregierung plant zur Abfederung der sprunghaft gestiegenen Energiekosten einen weiteren Abwehrschirm für Verbraucher und Unternehmen

Das Volumen bezifferte die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP am Donnerstag auf bis zu 200 Milliarden Euro. Konkret geplant sind neben einer Strompreisbremse nun auch eine Gaspreisbremse. “Man kann sagen: Das ist hier ein Doppel-Wumms”, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin. Er hatte in der Corona-Pandemie 2020 das damalige Konjunkturpaket der großen Koalition bereits als “Wumms” bezeichnet. Nun stünden zusammen mit den drei Entlastungspaketen aus diesem Jahr insgesamt rund 300 Milliarden Euro zur Verfügung.

“Die Preise müssen runter”, sagte SPD-Politiker Scholz, der wegen einer Corona-Infektion in Quarantäne ist und virtuell zu der Pressekonferenz mit Wirtschaftsminister Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner zugeschaltet wurde. Es werde auf absehbare Zeit keine russischen Gaslieferungen mehr geben. Russlands nutze Energie als Waffe.

Deswegen soll der Corona-Krisenfonds WSF, der unter anderem die Lufthansa gerettet hatte und eigentlich schon eingestellt wurde, wieder aktiviert werden. Er soll nun mit neuen Kreditermächtigungen in Höhe von 200 Milliarden Euro ausgestattet werden. Eigentlich war vorgesehen, dass neue Anträge beim WSF nicht mehr gestellt werden können. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds hält noch einige Beteiligungen, die in den nächsten Jahren abgebaut werden dürften.

Mit dem neuen Abwehrschirm sollen noch größere Krisen abgewendet werden. “Wir sind immer noch in einer kritischen Situation”, sagte Grünen-Politiker Habeck mit Blick auf die Versorgungssicherheit. Es müsse aber mehr Energie eingespart werden, auch von den privaten Haushalten. Dies hatte zuvor bereits der Chef der Bundesnetzagentur angemahnt: “Der Gasverbrauch von Haushalten und Gewerbe in der letzten Woche lag deutlich über dem durchschnittlichen Verbrauch der Vorjahre”, kritisierte Klaus Müller. Die Zahlen seien ernüchternd. Ohne erhebliche Einsparungen werde es schwer, eine Gasmangellage im Winter zu vermeiden. Diese könnte staatliche Rationierungen nach sich ziehen.

Im Fall einer Gasmangellage könnte Deutschland nach Ansicht der führenden Forschungsinstitute 2023 auch in eine beispiellose Rezession rutschen. Dann dürfte die Wirtschaft um 7,9 Prozent schrumpfen, erklärten die Ökonomen in ihrem Herbstgutachten für die Bundesregierung. Zu diesem Risikoszenario komme es bei einem kalten Winter und fehlenden Einsparungen beim Energieverbrauch. Die Fachleute gehen in ihrer Basisrechnung aber davon aus, dass eine Notlage wohl verhindert werden kann. Dieses Jahr erwarten sie 1,4 Prozent Wirtschaftswachstum und 2023 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,4 Prozent. Die Forscher empfehlen, die hohen Energiepreise nicht zu stark zu senken und stattdessen lieber gezielt ärmere Haushalte zu unterstützen.

GASUMLAGE WIRD ZWEI TAGE VOR DEM START WIEDER EINKASSIERT

Die eigentlich ab Anfang Oktober greifende und zuletzt immer stärker kritisierte Gasumlage wird in letzter Minute wieder abgeschafft. Sie werde per Verordnung zurückgenommen, kündigte Habeck an. “Die Gasumlage wird nicht mehr benötigt.” Es gebe über den WSF jetzt eine bessere Möglichkeit, um Unternehmen mit Kapital auszustatten.

Das jetzt beschlossene Programm soll Habeck zufolge eine Laufzeit bis Ende des übernächsten Winters haben, also bis März oder April 2024. Die eingesetzte Expertenkommission zum Umgang mit den hohen Energiekosten solle zeitnah einen Vorschlag für eine Gaspreisbremse machen. Dieser werde dann beraten und umgesetzt.

“Wir befinden uns in einem Energiekrieg um Wohlstand und Freiheit”, sagte Finanzminister Lindner. Die Lage habe sich mit den Lecks an den Nord-Stream-Pipelines noch einmal verschärft. Die 200 Milliarden Euro könnten bis 2024 ausschließlich zweckgebunden verwendet werden – für die Preisbremsen, Hilfen für Unternehmen und insbesondere die Gas-Importeure. Das Geld stehe nicht für weitere Forderungen aus den Bundesländern zur Verfügung, so der FDP-Chef. Es gehe darum, einen Dammbruch bei den Ausgaben zu verhindern. Die Schuldenbremse solle nächstes Jahr eingehalten werden. Dieses Jahr ist sie wegen der Pandemie und des Krieges in der Ukraine aber noch ausgesetzt. Das soll nun noch einmal genutzt werden, um den WSF zu füllen.

INFLATION SO HOCH WIE SEIT 1950ER JAHREN NICHT MEHR

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar sind die Energiepreise massiv gestiegen. Die gesamte Inflation lag im September bei 10,0 Prozent und damit auf den höchsten Niveau seit Anfang der 1950er Jahre. Das zehrt an der Kaufkraft der Verbraucher, viele Firmen stehen wegen hoher Kosten mit dem Rücken zur Wand.

Das neue Paket der Regierung bezeichnete der Chemieverband VCI als Befreiungsschlag, mit dem geklotzt statt gekleckert werde. “Jetzt brauchen wir Tempo bei den Details.” Der Verband der Familienunternehmer mahnte an, die Maßnahmen auch auf europäischer Ebene zu flankieren. Am Freitag ist ein weiteres Sondertreffen der EU-Energieminister geplant.

Bei der Gaspreisbremse ist offenbar geplant, die Kosten für ein Grundkontingent zu deckeln: “Daher werden die Preise – zumindest für einen Teil des Verbrauchs – auf ein Niveau gebracht, welches private Haushalte und Unternehmen vor Überforderung schützt”, heißt es im Ampel-Papier zu den neuen Maßnahmen. Die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf sieben Prozent für 18 Monate, die der Bundestag am Freitag beschließen soll, bleibt bestehen. Der ermäßigte Satz gilt auch für Fernwärme.

(Bericht von Christian Krämer, Andreas Rinke, Alexander Ratz, Holger Hansen und Klaus Lauer, redigiert von Hans Seidenstücker. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Deutsche Inflation bei 10,0 Prozent – Höchster Stand seit 1951

– von Klaus Lauer und Frank Siebelt

Berlin (Reuters) – Die Inflation in Deutschland hat sich im September massiv erhöht und ist auf den höchsten Stand seit Anfang der 1950er Jahre geklettert.

Nach dem Wegfall des 9-Euro-Tickets und des Tankrabatts kosteten Waren und Dienstleistungen durchschnittlich 10,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 9,4 Prozent gerechnet, nach 7,9 Prozent im August. “Mit diesem neuen 70-Jahres-Hoch ist allerdings der Höhepunkt der Inflation leider noch nicht erreicht”, sagte Sebastian Dullien vom gewerkschaftsnahen IMK-Institut. “In den kommenden Monaten wird es noch weiter aufwärts gehen.”

Derzeit liegt die Inflationsrate auf dem höchsten Niveau seit Dezember 1951, als die Jahresteuerung – auf weitgehend vergleichbaren Daten – bei 10,5 Prozent lag. Der Ukraine-Krieg treibt die Preise vor allem für Energie, aber auch von Rohstoffen und Lebensmitteln enorm in die Höhe. Energie kostete im September binnen Jahresfrist 43,9 Prozent mehr, während sich Nahrungsmittel um 18,7 Prozent verteuerten – dies sind jeweils weitere Steigerungen zum Vormonat.

“SCHALLMAUER 10 PROZENT – PREISHAMMER VON STROM UND GAS”

“Die Inflationsrate durchbricht die Schallmauer”, kommentierte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit einer raschen Beruhigung sei nicht zu rechnen, die Teuerung werde vorerst im zweistelligen Bereich bleiben. “Der Preishammer kommt derzeit von Strom und Gas”, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. “Denn nach und nach sickern die exorbitanten Großhandelspreise zu den Haushalten durch.” Einen Vorgeschmack böten die extrem höheren Neuvertragspreise.

Die Bundesregierung plant zur Abfederung der sprunghaft gestiegenen Energiekosten einen weiteren Abwehrschirm für Firmen und Verbraucher. Das Volumen bezifferte Bundeskanzler Olaf Scholz auf bis zu 200 Milliarden Euro und sprach von einem “Doppel-Wumms”. Konkret geplant sind neben einer Strompreisbremse nun auch eine Gaspreisbremse.

“Die hohe Inflation wirkt wie eine Vollbremsung für die Konjunktur”, erläuterte Chefökonom Michael Heise vom Vermögensverwalter HQ Trust. “Geringere Kaufkraft und weniger Konsum der privaten Haushalte, steigende Produktionskosten der Unternehmen und konjunkturdämpfende Anti-Inflationsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank kommen zusammen.” Die extreme Inflation dürfte auch die Notenbanker veranlassen, die Leitzinsen weiter zu erhöhen. “Der EZB bleibt gar nichts anderes übrig, als schnell und kräftig an der Zinsschraube zu drehen, sagte Chefökonom Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, die EZB sollte “ihre Leitzinsen auf den nächsten Sitzungen erneut kräftig um jeweils 0,75 Prozentpunkte anheben.”[L8N3104G0]

10,8 PROZENT INFLATION IN BAYERN – SPAREN BEIM EINKAUF

In Nordrhein-Westfalen etwa stieg die Jahresteuerung auf 10,1 und in Bayern sogar auf 10,8 Prozent. Bergauf ging es auch in Brandenburg mit 9,9 Prozent, in Baden-Württemberg mit 9,5 Prozent und in Hessen mit 9,4 Prozent. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen bundesweit mit einer Inflation von 8,4 Prozent im Jahresschnitt 2022. Diese dürfte dann nächstes Jahr auf 8,8 Prozent klettern und sich erst wieder 2024 auf 2,2 Prozent beruhigen, heißt es im Herbstgutachten der Regierungsberater. Die EZB hält eine Rate von zwei Prozent für ideal für die Konjunktur. Im Euro-Raum liegt die Teuerung derzeit aber auf dem Rekordwert von 9,1 Prozent. Für die am Freitag anstehenden September-Daten erwarten Fachleute sogar 9,7 Prozent.

Die Deutschen ändern einer Umfrage des Handelsverbands HDE zufolge wegen der sprunghaft gestiegenen Energiekosten bereits ihr Einkaufsverhalten. “So machen sich zwei Drittel der Befragten angesichts der anstehenden Rechnungen für Strom und Wärme große Sorgen”, erklärte der HDE. 60 Prozent geben demnach an, beim Lebensmittelkauf verstärkt Sonderangebote zu nutzen, 46 Prozent verzichten auf den Kauf bestimmter Produkte, und knapp ein Drittel kauft insgesamt geringere Mengen. “Generell sagen 60 Prozent, sie müssten sich aktuell beim Einkauf einschränken, um mit ihrem Geld auszukommen.” Für die kommenden Monate richteten sich angesichts der Preisentwicklungen 76 Prozent darauf ein, sparsamer einzukaufen.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Hans Seidenstücker – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Rehn (EZB) sorgt sich um Tragfähigkeit der Schulden im Euro-Raum

Helsinki (Reuters) – Finnlands Notenbankchef Olli Rehn sorgt sich um die Tragfähigkeit der Schulden in vielen Euro-Ländern.

Durch die Energie-Krise seien die öffentlichen Finanzen im Euro-Raum mit neuen Herausforderungen konfrontiert, teilte die finnischen Notenbank am Donnerstag in Helsinki mit. Die langfristige Schuldentragfähigkeit von mehr als einem Drittel der Euro-Länder sei ernsthaft gefährdet. Die Bemühungen der Länder, Wege zu finden, um die Belastungen der Haushalte durch hohe Energierechnungen zu begrenzen, seien zwar verständlich. “Aber wahllose Ausgabenerhöhungen würden im Kampf gegen die Inflation nicht helfen”, erklärte Rehn. Stattdessen seien passgenaue, zeitlich befristete Maßnahmen zur Unterstützung der Hilfsbedürftigsten der richtige Ansatz, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB).

Unlängst hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde gefordert, geplante fiskalische Maßnahmen der Länder, mit denen die Folgen der hochschießenden Energie-Preise für die Bevölkerung abgemildert werden sollen, befristet und zielgerichtete zu gestalten. Damit werde das Risiko begrenzt, dass die Inflation weiter angeheizt werde. Die Aufgabe der Geldpolitik werde dadurch zudem erleichtert.

(Bericht von Anne Kauranen; Bearbeitet von Frank Siebelt; Redigiert von; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)