Heil will im Herbst Mindestlohn-Versprechen einlösen

– von Holger Hansen

Berlin (Reuters) – Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will zum 1. Oktober ein zentrales Wahlkampfversprechen der SPD umsetzen und den Mindestlohn in einem Schritt auf zwölf Euro anheben.

Dies geht aus seinem Reuters vorliegenden Gesetzentwurf hervor, den Heil am Freitag in der Bundesregierung verteilte. Derzeit beträgt der Mindestlohn noch 9,82 Euro. Zum 1. Juli steigt er nach geltendem Recht auf 10,45 Euro. Die Anhebung auf zwölf Euro drei Monate danach entspricht einer Steigerung um 15 Prozent. Davon profitieren dem Entwurf zufolge etwa 6,2 Millionen Beschäftigte, die dann noch einen Stundenlohn von weniger als zwölf Euro erhielten. Für die Arbeitgeber rechnet Heil für das verbleibende Quartal mit höheren Lohnkosten von rund 1,63 Milliarden Euro.

Mit der Gesetzesregelung zieht sich die Bundesregierung den Zorn der Bundesvereinigung der Arbeitgeber (BDA) zu. Der Spitzenverband sprach von “Staatslöhnen”, die ein Angriff auf die Tarifautonomie seien: “Das ist nichts anderes als eine schallende Ohrfeige für Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände.” Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) dagegen hatte eine Anhebung auf zwölf Euro gefordert. “Niedrige Löhne werden in erster Linie dort gezahlt, wo Tarifverträge fehlen”, sagte DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell zu Reuters. “Dort wird die Anhebung des Mindestlohns am stärksten wirken.”

WEITERE ERHÖHUNGEN DURCH KOMMISSION AB 2024

Dem Entwurf zufolge soll der Mindestlohn dann für 15 Monate unverändert bleiben. Über die nächste Anhebung zum 1. Januar 2024 soll dann wieder die Mindestlohnkommission aus Arbeitgebern und Gewerkschaften entscheiden. Die Höhe soll die Kommission bereits bis zum 30. Juni 2023 festlegen.

Der gesetzliche Mindestlohn war 2015 mit 8,50 Euro eingeführt worden. Trotz vielfacher Warnungen von Experten blieben massive Jobverluste seinerzeit aus. SPD und Grüne hatten im Bundestagswahlkampf eine einmalige Erhöhung auf zwölf Euro noch in diesem Jahr versprochen und verankerten dies auch im Koalitionsvertrag mit der FDP. Die Anhebung auf zwölf Euro wird im Gesetzentwurf unter anderem damit begründet, dass der deutsche Mindestlohn im europäischen Vergleich eher gering ausfalle im Verhältnis zum mittleren Lohneinkommen. Zudem würden Beschäftigte bessergestellt als vergleichbare Hartz-IV-Bezieher, die keiner Arbeit nachgingen. Dies sei ein zusätzlicher Anreiz zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit.

Regierung senkt Wachstumsprognose – Erwartet noch höhere Inflation

– von Holger Hansen und Christian Krämer

Berlin (Reuters) – Die Bundesregierung wird ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft nächste Woche deutlich senken.

Es werde dann für dieses Jahr nur noch mit einem Plus von 3,6 Prozent gerechnet, heißt es im Entwurf des Jahreswirtschaftsberichts, der der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag. Er soll am kommenden Mittwoch im Kabinett verabschiedet werden. Die Vorgängerregierung war im Herbst noch von 4,1 Prozent Wachstum für dieses Jahr ausgegangen.

Die zuletzt sprunghaft gestiegene Inflation wird nach Einschätzung der Bundesregierung 2022 nicht sinken. Im Schnitt dürfte sie bei 3,3 Prozent liegen – nach 3,1 Prozent im vergangenen Jahr. Eine höhere Jahresrate wurde zuletzt vor fast 30 Jahren ermittelt – 1993 mit damals 4,5 Prozent.

Experten waren lange davon ausgegangenen, dass die Teuerung nur vorübergehend hoch sein wird und hatten auf Sonderfaktoren verwiesen. Sie scheint sich aber immer mehr als hartnäckig zu erweisen, was an der Kaufkraft der Verbraucher zehrt. Die Kerninflation ohne Berücksichtigung der Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Energie schätzt die Bundesregierung für 2022 immer noch auf 2,5 Prozent. Beide Faktoren waren zuletzt maßgeblich für die hohen Steigerungen. “Die Bundesregierung behält die Entwicklung der Inflationsrate und die maßgeblichen preistreibenden Einflussfaktoren auf den Energiemärkten und aufgrund der Lieferkettendisruptionen im Blick.”

Der neue Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wird die Prognosen nächste Woche im Bundestag erläutern. Ökonomen zufolge bremsen die Lieferkettenprobleme sowie die anhaltenden Corona-Einschränkungen viele Unternehmen aus – zum Jahreswechsel wird sogar eine Rezession befürchtet.

Vorhersagen für 2023 sind im Jahreswirtschaftsbericht nicht enthalten. 2021 hatte die deutsche Wirtschaft um 2,7 Prozent zugelegt. Damit konnte der Einbruch im ersten Corona-Krisenjahr 2020 von damals 4,6 Prozent nicht ausgeglichen werden. Das Vorkrisenniveau dürfte Ökonomen zufolge erst im Frühjahr wieder erreicht werden.

Die Bundesregierung rechnet 2022 mit einem schwachen Jahresstart. Im Jahresverlauf dürfte sich die Lage bessern, sollten die Corona-Einschränkungen zurückgenommen werden und die Lieferketten wieder besser funktionieren. Wachstumstreiber werde der private Konsum sein.

Bulgariens neue Regierung plant 2024 die Einführung des Euro

Sofia (Reuters) – Bulgariens neue Regierung strebt 2024 die Einführung des Euro an.

Er sei zuversichtlich für dieses Eintrittsdatum, sagte Finanzminister Assen Vassilev der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. “Wir haben das Ziel für Bulgarien bestätigt, am 1. Januar 2024 den Euro einzuführen”, sagte er. Technisch würden alle Arbeiten umgesetzt, das laufe ziemlich gut. Daher gebe es keine Themen. Aktuell umfasst die Euro-Zone 19 Mitgliedsländer.

Das osteuropäische Land ist inzwischen im europäischen System fester Wechselkurse (ERM-2) – eine wichtige Vorstufe auf dem Weg zur Einführung des Euro. Mindestens zwei Jahre lang muss ein Land daran teilnehmen. Das soll sicherstellen, dass die Landeswährung nicht zu stark schwankt. Für die praktische Vorbereitung der Euro-Einführung wird etwa ein Jahr veranschlagt.

Lagarde erwartet abflauende Inflation – Ausblick nicht in Stein gemeißelt

Berlin/Washington/Tokio (Reuters) – Die EZB ist laut ihrer Chefin Christine Lagarde trotz der Erwartung abflauender Inflation grundsätzlich offen für einen geldpolitischen Kurswechsel.

Derzeit sei aber nicht absehbar, dass die Inflation über eine Lohn-Preis-Spirale außer Kontrolle gerate, sagte sie am Freitag auf dem Online-Forum “Davos Agenda”. Die EZB gehe davon aus, dass die starke Teuerung schrittweise zurückgehen werde. “Doch das bedeutet nicht, dass wir nicht offen sein müssten für Änderungen am Inflationsausblick.”

Die Geldpolitik sei abhängig von der Datenlage. Bereits im März stünden neue Projektionen der EZB-Volkswirte an. “Das könnte anders aussehen”, sagte die Französin. Wenn es so käme, müsse sich die EZB ihren Fahrplan für das weitere geldpolitische Vorgehen anschauen. Jedenfalls werde sich die EZB nach dem Ende der Anleihenzukäufe auch andere Instrumente anschauen – Zinserhöhungen gehörten dazu. Lagarde hat allerdings immer wieder betont, dass eine Anhebung im laufenden Jahr sehr unwahrscheinlich sei.

Angetrieben von hohen Energiekosten ist die Inflation in der Euro-Zone zuletzt auf 5,0 Prozent gestiegen. Die Teuerungsrate liegt nun weit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der EZB, die mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt. Die Währungshüter sind mit Blick auf den Inflationsausblick intern uneins. Wie aus den Protokollen der Zinssitzung vom Dezember hervorgeht, kreiste die Diskussion darum, ob sich die Teuerungsphase länger als erwartet hinziehen könnte. Die EZB-Ökonomen sagten in den Dezember-Projektionen für 2022 eine durchschnittliche Inflationsrate in der Währungsunion von 3,2 Prozent voraus. 2023 soll sie dann auf 1,8 Prozent fallen und 2024 auf diesem Niveau verharren.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa sagte auf dem Online-Forum, es sei wichtig, dass Währungshüter ihre geldpolitische Linie an den Daten ausrichteten und klar kommunizierten. Sie glaube, dass sich auch die US-Notenbank Fed der Gratwanderung bewusst sei, die sie im Kampf gegen die Inflation und zum Erhalt der Konjunkturerholung zu bewältigen habe. Eine Straffung der Geldpolitik könne Probleme in Ländern auslösen, die hochgradig in Dollar verschuldet seien. Auch könne die ohnehin schwache Erholung in einigen Staaten durch eine straffere Linie der Fed weiter gedämpft werden.

Dessen ist sich auch die Führung in Peking bewusst. Chinas Präsident Xi Jinping warnte jüngst, falls Industrieländer geldpolitisch auf die Bremse treten oder gar eine Wende vollziehen sollten, komme es zu negativen Folgen für die weltweite Wirtschafts- und Finanzstabilität: “Und Entwicklungsländer würden die Hauptlast tragen.

“KEINE ANGST VOR INFLATION” IN JAPAN

Beobachter erwarten für die am Mittwoch endende zweitägige Sitzung der Fed wichtige Weichenstellungen für wohl im März anstehende Zinswende. Die Finanzmärkte rechnen mit bis zu vier Schritten nach oben im laufenden Jahr. Die Währungshüter sind mit einer Teuerungsrate von zuletzt 7,0 Prozent konfrontiert.

In Japan ist die Lage an der Preisfront wesentlich entspannter: Der landesweite Kern-Verbraucherpreisindex stieg im Dezember um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist das Ziel der Notenbank noch in weiter Ferne. Zentralbankchef Haruhiko Kuroda sagte auf dem Davos-Forum, die Geldpolitik bleibe extrem konjunkturstimulierend: “Wir haben keine Angst vor Inflation, da die Inflation so niedrig ist.”

Zinssorgen und Ukraine-Konflikt belasten Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) – Die Furcht vor einer raschen Zinswende in den USA und einem eskalierenden Russland-Ukraine-Konflikt hat die Börsen am Freitag nach unten gezogen.

Der Dax fiel am Nachmittag um 2,2 Prozent auf 15.561 Zähler, der EuroStoxx50 gab 1,9 Prozent auf 4216 Punkte nach. Auch an der Wall Street zeichneten sich vorbörslich deutliche Verluste ab. Mittlerweile rechnen Börsianer nicht nur damit, dass die US-Notenbank Fed an den Zinsschrauben dreht, sondern auch schneller, als bislang angenommen. Dafür wird die Fed in der kommenden Woche Experten zufolge den Grundstein legen.

“Es gibt viele Spekulationen – vier, fünf, sechs US-Zinserhöhungen in diesem Jahr, eine Erhöhung um 50 Basispunkte im März – was die zugrunde liegende Angst der Märkte genährt hat”, sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Handelshaus Oanda. “Wir dürfen die Dominoeffekte der USA auf die globalen Märkte niemals unterschätzen, und Europa steht mit der Omikron-Variante und der Energiekrise vor eigenen Herausforderungen”, sagte Erlam.

Darüber hinaus waren die Verbraucherpreise in der Eurozone im Dezember in einem Rekordtempo gestiegen, angetrieben durch einen Anstieg der Energiepreise und Engpässe in der Lieferkette. Die EZB ist mit Blick auf den Inflationsausblick intern uneins. Wie aus den Protokollen der Zinssitzung vom Dezember hervorgeht, kreiste die Diskussion darum, ob sich die Inflation länger als erwartet halten könnte. Die Risikoscheu der Anleger drückte auch den Kurs der Kryptowährung Bitcoin, die rund sieben Prozent auf 38.462 Dollar nachgab.

SICHERE HÄFEN GEFRAGT

Investoren griffen angesichts der politischen Spannungen zwischen der Ukraine und Russland zu Bundesanleihen. Die Kurse der gern als sicherer Hafen angesteuerten Titel stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite mit minus 0,064 Prozent auf den tiefsten Stand seit einer Woche. Anleger warfen hingegen russische und ukrainische Staatsanleihen aus den Depots. Der Moskauer Aktienindex RTS rutschte um zwei Prozent ab.

“Die Spannungen nehmen zu und Experten erwarten eine Verschärfung der Krise durch Gewalt”, sagt Christian Henke vom Broker IG. Russland hat an der Grenze zur Ukraine rund 100.000 Soldaten zusammengezogen, weist den Vorwurf aber zurück, eine Invasion in die ehemalige Sowjetrepublik vorzubereiten. US-Außenminister Antony Blinken und der russische Außenminister Sergej Lawrow wollen nach ersten Beratungen weiter im Gespräch bleiben.

NEUER RÜCKSCHLAG FÜR WINDKRAFT-TOCHTER VON SIEMENS ENERGY

Im Dax brachen Siemens Energy um bis zu 15,7 Prozent ein und steuerten damit auf ihren bislang größten Tagesverlust zu. Mit 19,35 Euro markierten sie den tiefsten Stand seit November 2020. Der Energietechnik-Konzern muss wegen anhaltender Probleme der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa erneut Abstriche an den Prognosen machen. Die Papiere von Siemens Gamesa sackten in Madrid um bis zu 16,2 Prozent ab. Die Papiere der Rivalen Nordex und Vestas büßten bis zu 7,5 Prozent ein.

Der trübe Ausblick des Streaming-Anbieters Netflix sorgte ebenfalls für lange Gesichter. Netflix rechnet nur mit 2,5 Millionen Neukunden von Januar bis März, was weniger als die Hälfte dessen ist, was sich Analysten erhofft hatten. Vorbörslich notierten die Titel rund 20 Prozent im Minus. Auch andere Aktien der US-Unterhaltungsbranche wie Walt Disney mussten Federn lassen. Im Sog dessen fielen auch die schwedische Nordic Entertainment um rund acht Prozent. Die Citi-Analysten prognostizierten, der Ausblick werde Spekulationen schüren, ob der Markt für abonnierbare Video-Dienste zu schwächeln beginne.

Inflation und steigende Zinsen drücken Kauflaune in Großbritannien

London (Reuters) – Die höchste Inflation seit fast 30 Jahren und steigende Zinsen verderben den britischen Verbrauchern die Kauflaune.

Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel im Januar um 4,0 auf minus 19 Zähler, wie die GfK-Konsumforscher am Freitag zu ihrer monatlichen Umfrage mitteilten. Das ist der niedrigste Stand seit fast einem Jahr – genauer: seit Februar 2021, als das Land wegen der Corona-Pandemie unter einem strengen Lockdown stand.

“Trotz einiger guter Nachrichten über die Lockerung der Covid-Beschränkungen stellen sich die Verbraucher eindeutig auf eine anziehende Inflation, steigende Kraftstoffrechnungen und die Aussicht auf Zinserhöhungen ein”, sagte GfK-Experte Joe Staton. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Stimmung verbessern werde, sobald die derzeitige Welle von Infektionen mit der hochansteckenden Omikron-Variante des Coronavirus vorüber sei. Denn die Sorgen hätten sich auf die höheren Lebenshaltungskosten verlagert, die die Menschen noch monatelang belasten dürften. Die Inflationsrate war im Dezember auf 5,4 Prozent gestiegen, den höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten. Ökonomen gehen davon, dass sie in den kommenden Monaten sogar über die Marke von sieben Prozent steigen könnte.

Deshalb hat die britische Notenbank im Dezember als erste große Zentralbank der westlichen Welt ihren Leitzins angehoben. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen gehen davon aus, dass die Bank of England bereits am 3. Februar nachlegen und den Leitzins auf 0,5 Prozent anheben wird. An den Märkten wird darüber spekuliert, dass danach noch drei weitere Schritte in diesem Jahr folgen dürften. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, können damit die Nachfrage und am Ende auch die Inflation dämpfen. Zudem wird die Landeswährung Pfund attraktiver. Eine Aufwertung wiederum würde Importe günstiger machen.

Die Bank of England kann sich höhere Zinsen auch deshalb leisten, weil die Wirtschaft im November ihr Vor-Corona-Niveau übertroffen hat. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs in diesem Monat um 0,9 Prozent zum Oktober. Damit ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt nun wieder größer als im Februar 2020, als die Pandemie ihren Lauf nahm.

US-Notenbank lässt ihre Position zu digitalem Zentralbankgeld offen

New York (Reuters) – Die US-Notenbank Fed hält sich in ihrem seit langem erwarteten Positionspapier zur Einführung einer digitalen Version des US-Dollars zurück.

In der am Donnerstag veröffentlichten Analyse gab die Fed keine politischen Empfehlungen und ließ auch ihren Standpunkt offen, ob eine digitale Zentralbankwährung (Central Bank Digital Currencies, CBDC) eingeführt werden sollte.

Gleichwohl listete die Fed Vor- und Nachteile auf, die ein digitaler Dollar aus ihrer Sicht hätte. So könne er Zahlungen beschleunigen und Haushalten eine sichere Zahlungsmöglichkeit bieten. Allerdings berge er auch Risiken für die Finanz-Stabilität und es gebe Bedenken beim Datenschutz. Die Regierung müsse zudem weiter in der Lage sein, illegale Finanzströme zu bekämpfen. Das Papier war 2021 von Fed-Chef Jerome Powell angekündigt worden.

Im Gegensatz zu Kryptowährungen, die in der Regel von privaten Akteuren betrieben werden, würden CBDCs von der Zentralbank ausgegeben und unterstützt. Deren Einführung wird von Währungshütern rund um den Globus geprüft. Denn das bestehende Zahlungssystem hat Mängel. So laufen Transaktionen von Privatkunden und Firmen über Konten bei Banken und Notenbanken. In eine Überweisung sind damit meist mehrere Institute eingebunden. Geldtransfers über Landesgrenzen hinweg können deshalb langsam, teuer und fehleranfällig sein. Dass das auch anders geht, zeigt sich bei privaten Kryptowährungen wie Bitcoin. Sie beruhen auf der Technologie Blockchain. Das ist ein fälschungssicheres, digitales Transaktions-Register, bei dem Mittler wie Banken nicht mehr notwendig sind. Geldströme laufen direkt zwischen zwei Parteien. Ein Nachteil von Kryptowährungen liegt aber in deren enormen Wertschwankungen. Der Wert eines ebenfalls auf Blockchain basierenden digitalen Zentralbankgeldes soll dagegen so stabil wie der von Banknoten sein.

Yellen – Fed und Biden werden Inflation unter Kontrolle bringen

Washington (Reuters) – Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und Präsident Joe Biden werden nach Einschätzung der amerikanischen Finanzministerin Janet Yellen die Inflation unter Kontrolle bringen.

Die Zentralbank und die Regierung würden Maßnahmen ergreifen, um die Preisbeschleunigung im laufenden Jahr zu verringern, sagte Yellen am Donnerstag dem CNBC in einem Interview. Voraussetzung sei aber, dass die Corona-Pandemie in Schach gehalten werde. Die Inflation sei stärker als von den meisten Ökonomen und ihr erwartet gestiegen. Die Regierung und die Notenbank trügen die Verantwortung, dagegen vorzugehen. Und das hätten sie auch so vor. Die Verbraucherpreise in den USA steigen so rasant wie seit rund 40 Jahren nicht mehr. Waren und Dienstleistungen kosteten im Dezember 7,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das ist der höchste Wert seit Juni 1982.

Firmenbilanzen halten Börsen im Plus – Inflationssorgen bremsen

Frankfurt (Reuters) – Nach den Kursverlusten der beiden vergangenen Wochen tasten sich weitere Anleger an die europäischen Aktienmärkte zurück.

“Trotz der schwelenden Sorgen um steigende Zinsen und den Abzug von Liquidität richten sie ihre Aufmerksamkeit vorübergehend auf die Firmenbilanzen”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Gestützt auf ermutigende Zahlen einiger Konzerne legten Dax und EuroStoxx50 am Donnerstag jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 15.912,33 beziehungsweise 4297,60 Punkte zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte 1,2 Prozent vor.

Ohnehin seien die Inflationsängste überzogen, warnte Portfoliomanager Dickie Hodges von der Investmentbank Nomura. “Wir sind nach wie vor der Meinung, dass sich die Inflation von den derzeitigen Niveaus aus abschwächen wird, aber das wird seine Zeit brauchen.” Die US-Notenbank Fed werde die Zinsen nur behutsam anheben.

Davon sei die Europäische Zentralbank (EZB) noch meilenweit entfernt, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Sie scheint taub für die Inflationsschreie.” Die deutschen Erzeugerpreise stiegen im Dezember gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24,2 Prozent, so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1949. EZB-Chefin Christine Lagarde erteilte einer raschen Zinswende dennoch eine Absage. Sie rechne ebenfalls mit einem Rückgang der Inflation.

Vor diesem Hintergrund griffen Investoren wieder bei Bundesanleihen zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,022 Prozent. Am Mittwoch hatte sie sich erstmals seit fast drei Jahren wieder ins Plus vorgearbeitet.

ZINSSENKUNG IN CHINA TREIBT INDUSTRIEMETALL-PREISE

Unterdessen setzte die chinesische Notenbank einige Referenzzinsen für Kredite herunter, um einer Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft entgegenzuwirken. Die Hoffnung auf eine anziehende Nachfrage aus diesem wichtigen Abnehmerland verhalf Kupfer zu einem Kursplus von 1,6 Prozent auf 9999 Dollar je Tonne. Das zur Stahl-Herstellung benötigte Nickel erreichte mit 24.435 Dollar ein Zehneinhalb-Jahres-Hoch und das in Lebensmittel-Dosen eingesetzte Zinn war mit 44.180 Dollar zeitweise so teuer wie nie. Börsianern zufolge lieferten hier Angebotsengpässe zusätzlichen Rückenwind.

Gefragt war auch Palladium, das sich um 2,3 Prozent auf 2047 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Auslöser der Rally seien die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. Russland sei schließlich ein wichtiger Palladium-Lieferant. “Ein Exportstopp des für die Automobilindustrie so wichtigen Rohstoffes könnte wohl nicht aufgefangen werden.”

Aus Furcht vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine warfen Investoren Staatsanleihen der beiden Parteien aus ihren Depots. Dies trieb die Renditen der bis 2025 laufenden ukrainischen Bonds auf 11,839 Prozent und diejengen der bis 2047 laufenden russischen Titel auf 4,518 Prozent. Der Warschauer Index auf ukrainische Aktien fiel auf ein Acht-Monats-Tief von 580,38 Punkten.

LIEFERPROBLEME PERLEN AN PUMA AB

Am deutschen Aktienmarkt legten die Titel von Puma dagegen dank eines Rekordergebnisses 1,2 Prozent zu. “Die Zahlen waren top, da gibt es nichts auszusetzen”, sagte ein Händler. Ein Wermutstropfen sei allerdings der Verzicht auf einen Ausblick.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Travelers um bis zu 5,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 169,01 Dollar. Starke Erträge aus Investitionen bescherten dem Versicherer einen Quartalsgewinn von 5,20 Dollar je Aktie, etwa 50 Prozent mehr als erwartet.

Zinswende für Lagarde kein Thema – EZB intern uneins über Inflationsgefahr

Frankfurt/Paris (Reuters) – Trotz einer internen Debatte über die Gefahren hartnäckiger Inflation ist für die EZB eine Zinswende vorerst kein Thema.

Die Europäische Zentralbank müsse geldpolitisch nicht so aggressiv vorgehen, wie es die US-Notenbank Fed voraussichtlich tun werde, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag dem französischen Hörfunksender France Inter. Denn im Konjunkturzyklus seien die USA dem Euroraum voraus, erklärte die Französin und fügte an: “Wir haben also allen Grund, nicht so schnell und rabiat vorzugehen, wie man es sich bei der Fed vorstellen kann.”

Sie gehe davon aus, dass sich die Inflation 2022 stabilisiere und es schrittweise zu einem Rückgang der Teuerungsrate komme. In den Folgejahren sei eine weitere Entspannung an der Preisfront zu erwarten, da die Energiepreise nicht dauerhaft klettern dürften und sich auch die Materialengpässe nach und nach auflösten.

Diese Sichtweise wird intern im Führungskreis der EZB aber hinterfragt, wie die Protokolle der Zinssitzung vom Dezember zeigen. Dabei kreiste die Diskussion darum, ob sich die Inflation länger als erwartet halten könnte. Ein solches Szenario ist aus der Sicht einiger Währungshüter nicht auszuschließen. Sie verwiesen darauf, dass die EZB bei ihrer Projektion für die Inflationsentwicklung in den Jahren 2023 und 2024 bereits dicht am Inflationsziel von 2,0 Prozent steuere. Da diese Vorhersage mit Aufwärtsrisiken behaftet sei, könne gut und gerne ein Wert über der Zielmarke herauskommen.

KRITIK AN LOCKERER LINIE

Die EZB-Ökonomen sagten für 2022 eine durchschnittliche Teuerungsrate in der Währungsunion von 3,2 Prozent voraus. 2023 soll sie dann auf 1,8 Prozent fallen und 2024 auf diesem Niveau verharren. Laut Protokollen drangen einige Sitzungsteilnehmer darauf, dass die EZB ihre Bereitschaft betone, notfalls “alle Instrumente” in ihrem geldpolitischen Werkzeugkasten anzupassen. Lagarde sagte in dem Hörfunkinterview, die EZB habe bereits auf den erhöhten Preisauftrieb reagiert und stehe für geldpolitische Maßnahmen bereit, falls die Datenlage es erfordern sollte.

Die lockere Geldpolitik im Euroraum ist zuletzt zunehmend in die Kritik geraten. Der deutsche Wirtschaftsweise Volker Wieland forderte die Notenbank auf, die Zinsen bereits im laufenden Jahr anzuheben. Und auch der ehemalige Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, dringt auf einen Kurswechsel. “Die Amerikaner und Briten fangen längst damit an, die Zinsen zu erhöhen. Die EZB sollte folgen”, sagte Sinn jüngst der Wochenzeitung “Die Zeit”.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Federal Reserve bereits im März die Zinsen anheben wird und im laufenden Jahr bis zu drei weitere Schritte nach oben folgen könnten. Und in Großbritannien steht die Notenbank womöglich bereits kurz vor einer zweiten Anhebung. Die Währungshüter in Großbritannien und auch in den USA sind mit einem starken Preisauftrieb konfrontiert: Im Dezember wurde in den Vereinigten Staaten eine Teuerungsrate von 7,0 Prozent erreicht – der höchste Wert seit Juni 1982.

Die Inflation in der Euro-Zone stieg zuletzt auf 5,0 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1997. Die Teuerungsrate liegt nun weit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der EZB, die mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt. Fast die Hälfte des Preisschubs ging im Dezember auf Energie zurück, ein Fünftel auf teurere Dienstleistungen. Für Energie mussten Konsumenten fast 26 Prozent mehr bezahlen als vor Jahresfrist. Ohne Energie hätten die Verbraucherpreise nur um 2,8 Prozent zugelegt.