Lufthansa fliegt in Corona-Krise aus der Verlustzone

– von Ilona Wissenbach

Entgegen der Erwartung von Analysten schrieb der Konzern im abgelaufenen Sommerquartal schwarze Zahlen, zumindest operativ. Damit habe die Airline-Gruppe einen weiteren Meilenstein auf dem Weg aus der von der Corona-Pandemie ausgelösten Krise erreicht, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Die gestiegene Nachfrage nach Ferienflügen in Europa, ein Anspringen der Geschäftsreisen und der Rekordgewinn bei der Frachttochter Lufthansa Cargo sorgten für den ersten Mini-Betriebsgewinn von 17 Millionen Euro nach anderthalb Jahren hoher Verluste. “Die positive Entwicklung wird sich weiter fortsetzen”, sagte Spohr. Nach einer Halbierung des Betriebsverlusts 2021 auf gut zweieinhalb Milliarden Euro werde der Konzern im Jahr 2022 wieder profitabel.

Analysten hatten im Schnitt noch mit einem operativen Verlust von 33 Millionen Euro gerechnet, da die Lufthansa stärker als andere Fluggesellschaften von der Rückkehr von Geschäftsreisen abhängig ist. Lufthansa-Aktien stiegen nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen um mehr als fünf Prozent. Ohne die hohen Kosten für Programme zum Personalabbau erzielte der MDax-Konzern einen operativen Gewinn von 272 Millionen Euro.

In den Sommermonaten erholte sich der Luftverkehr in Europa dank schwindender Corona-Reisebeschränkungen spürbar, sodass die Tochter Eurowings überraschend einen Betriebsgewinn von 108 Millionen Euro erzielte. Auch die zum Konzern gehörenden Airlines Swiss und Austrian verbuchten Quartalsgewinne, die Kernmarke Lufthansa schrieb dagegen rote Zahlen. Auf Rekordkurs ist die Frachttochter Lufthansa-Cargo zu mehr als einer Milliarde Euro Betriebsgewinn im Jahr. Die Nachfrage nach Luftfracht ist wegen der Engpässe in der Schifffahrt und Störungen globaler Lieferketten hoch, das Kapazitätsangebot aber weiter knapp, deshalb steigen die Frachtpreise. “Ein Ende der Erfolgsserie ist derzeit nicht absehbar”, sagte Spohr. Die günstige Angebot-Nachfrage-Kluft bleibe wahrscheinlich über 2022 hinaus bestehen.

LUFTHANSA SIEHT SICH IM STEIGFLUG

Auch Europas führender Billigflieger Ryanair und Air France KLM waren im Sommerquartal erstmals wieder profitabel gewesen. Ryanair schaffte sogar einen Nettogewinn, während Lufthansa unter dem Strich 72 Millionen Euro Verlust machte. Die zwölf Airlines der Lufthansa-Gruppe beförderten von Juli bis September 19,6 Millionen Passagiere. Das entsprach knapp der Hälfte des Vorkrisenniveaus. Der Umsatz war mit 5,2 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie vor Jahresfrist.

Die Neubuchungen hätten schon im September rund 80 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht, auch auf den lukrativen Transatlantikrouten, erklärte Spohr. “Die Buchungszahlen steigen und steigen.” Denn ab dem 8. November lassen die USA Reisende mit Covid-Impfung wieder ins Land. Trotzdem bleibt die Lufthansa bei der Jahresprognose von nur 40 Prozent der Vorkrisenkapazität. Im kommenden Jahr soll diese auf 80 Prozent ab Sommer steigen, sodass im Gesamtjahr 2022 mehr als 70 Prozent der Sitzplatzkapazität von 2019 angeboten werden. Das sei eine vorsichtige Planung, erklärte Spohr. Die Lufthansa bleibe wegen der Unsicherheit durch Corona flexibel, sich in beide Richtungen anzupassen. Ein Bremsklotz ist noch die weitgehende Abschottung Chinas, das ein Viertel des Langstreckengeschäfts ausmacht. Hier erwartet der Lufthansa-Chef ein Ende der Reisebeschränkungen nicht vor Mitte 2022.

NOCH PERSONALÜBERHANG VON 3000 BESCHÄFTIGTEN

Die Lufthansa kommt mit dem Personalabbau in Deutschland und dauerhaften Kostensenkungen voran, denn die Beschäftigten nehmen Abfindungen und Altersteilzeit stärker an als erwartet. In diesem Jahr haben 4000 Arbeitskräfte das Unternehmen schon verlassen, 3000 weitere haben entsprechende Vereinbarungen getroffen. Es gebe damit noch einen Personalüberhang von rechnerisch bis zu 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Deutschland, erklärte die Airline. Zuletzt zählte Europas größte Airline-Gruppe noch 107.000 Beschäftigte, vor der Corona-Krise waren es knapp 140.000. Mittlerweile seien die jährlichen Kosten um dauerhaft 2,5 Milliarden Euro gesenkt, angepeilt werden 3,5 Milliarden.

Das zweite Quartal in Folge verbrannte die Lufthansa kein Geld mehr, sondern erzielte 13 Millionen Euro Barmittel. Der MDax-Konzern kann nach der Kapitalerhöhung im Oktober bald ohne die milliardenschwere Staatshilfe auskommen, ohne die er pleite gegangen wäre. Die Lufthansa musste mit neun Milliarden Euro Finanzhilfen von Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien in der Corona-Krise gestützt werden. Der deutsche Staat sprang als Großaktionär ein. Die Lufthansa brauchte aber nur einen Teil des Geldes. Bis Jahresende und damit schneller als erwartet will Finanzchef Remco Steenbergen die deutsche Staatshilfe tilgen.

Lufthansa-Aktie: Das ist ein massiver Schreck für alle Anleger!

Mehr als 20 % minus sind aktuell zu verbuchen. Zudem ist eine für die Lufthansa-Aktie wichtige charttechnische Unterstützungszone unterschritten. Die Rede ist von der glatten 7,00er-Marke. Aus dieser Sicht heraus sind nun weitere Ziele auf der Unterseite aktiviert worden. Die Rede ist von 5,37 sowie 4,62 EUR. Dies lässt sich mit einer einfachen Fibonacci-Extension-Messung auswerten. Bereits im Juli und August dieses Jahres trübte die Lage mehr und mehr ein.

Lufthansa-Aktie – es gibt vorerst nichts Positives zu berichten!

Die gesamte Trendindikation drehte bereits dort von einem Bullenmarkt in einem Bärenmarkt. Dies wurde vor allem mit dem Unterschreiten des langfristig relevanten GD200 deutlich. Derzeit gibt es keine positiven Aussagen für die Lufthansa-Aktie zu treffen. Idealerweise können die Bullen aber für eine Bodenbildung und für einen sofortigen Neuanstieg sorgen.

Die Aussicht auf positiv zu drehen, würde allerdings mindestens mehrere Wochen, wahrscheinlich sogar mehrere Monate an Zeit in Anspruch nehmen. Der übergeordnete Abwärtstrend ist nämlich voll intakt und weiter absinkende Kurse sind sehr wahrscheinlich.

Widerstand: SMA38 – 8,66 | SMA100 – 9,67 | SMA200 – 10,28
Unterstützung: letztes Tief – 6 EUR | glatte Marke – 5,00 EUR

Der Chart Lufthansa-Aktie (D1) in EUR

Lufthansa-Aktie Prognose
22.09.2021: Lufthansa-Aktie – fxempire.de chart

Was sagt die Trendanalyse (D1) für die Lufthansa-Aktie?

HighLow Indikator: Hierbei wird untersucht, ob höhere Tiefs und neue Hochpunkte entstehen. Ein Aufwärtstrend wird durch höhere Hochs und steigende Tiefpunkte gekennzeichnet. Von insgesamt 10 HighLows sind nur 4 steigend. Bullisch ist definitiv etwas anderes.

Gleitende Durchschnitte: Jetzt wird geschaut, ob bei der Lufthansa-Aktie die GDs steigend sind. Denn steigende GDs kennzeichnen einen Aufwärtstrend. Von insgesamt 10 gleitenden Durchschnitten ist nicht ein einziger steigend. Insofern ist das als sehr bärisch zu bezeichnen. So geht es nicht weiter!

Macd Indikator: Als Letztes muss bei dem wichtigen Oszillator geprüft werden, ob die Trigger-Linie unter der Signal-Linie ist. Außerdem auch, ob sich der Macd über null befindet. Von insgesamt 10 Macd Analysen ist nicht eine positiv. Insofern ist das als sehr bärisch zu bezeichnen und muss sich ändern.

Die Auswertung der Trendanalyse

21.09.2021: Wie fällt der Blick auf die Gesamtauswertung aus? Von 30 gemessenen Kriterien sind 4 als positiv zu bezeichnen. Das sind lediglich 13,33 %. Deswegen wird der Status hier auf “sehr bärisch” gesetzt. Aus diesem Blickwinkel ist es klug, mit dem Einstieg in die Lufthansa-Aktie zu warten, bis die Analyse ein besseres Ergebnis bringt.

Detailansicht vom Heikin-Ashi-Chart (D1) in EUR

Lufthansa-Aktie Prognose
Lufthansa-Aktie Prognose „Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.”

 

Disclaimer:
Trotz sorgfältiger Analyse kann keine Gewähr für Inhalt, Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen gegeben werden. Die Informationen stellen keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder derivativen Finanzprodukten dar. Der Autor übernimmt keine Haftung für auf dieser Website zur Verfügung gestellten Handelstechniken, Analysen und Tradingideen. Der Autor kann in den besprochenen Wertpapieren, bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung investiert sein.

Bund leiht sich weniger Geld – Öko-Anleihen bleiben im Trend

Das Emissionsvolumen werde um vier Milliarden Euro niedriger ausfallen als Ende 2020 vorgesehen, wie die mit dem Schuldenmanagement betraute Finanzagentur am Dienstag mitteilte. Grund dafür ist, dass weniger Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) abgerufen wurden. Dadurch sinkt der Finanzbedarf des Bundes im Herbst. Die Bundesregierung hatte den Fonds aufgelegt, um notleidenden Unternehmen wie der Lufthansa und TUI über die Virus-Pandemie hinwegzuhelfen.

Insgesamt will sich der Bund in diesem Jahr das Rekordvolumen von etwa 482 Milliarden Euro von Investoren leihen. Davon entfallen 12,5 Milliarden Euro auf sogenannte Grüne Anleihen, mit denen Umelt- und Klimaschutz finanziert werden. Auch im kommenden Jahr will der Bund Green Bonds in etwa dieser Größenordnung herausgeben, wie der Geschäftsführer der Deutschen Finanzagentur, Tammo Diemer, sagte. Genaue Prognosen soll es im Dezember geben. Die erste Grüne Anleihe begab die Bundesrepublik im September 2020.

Auch Großbritannien ist auf den Öko-Zug aufgesprungen. Die Nachfrage nach dem ersten, zehn Milliarden Pfund schweren Green Bond war riesig: Investoren dienten mehr als 100 Milliarden Pfund an. “Das ist eine Bestätigung dafür, dass die Nachfrage nach diesen Produkten auch in Sterling da ist, nicht nur in Euro”, sagte Analyst Antoine Bouvet von der Bank ING. Neben Deutschland hatten auch Italien, Spanien und Frankreich schon Öko-Anleihen an den Märkten platziert.

Viele Staaten haben durch die Corona-Pandemie mehr Schulden angehäuft. Die Regierungen pumpten Milliarden in Unternehmen, um sie wegen der Lockdowns vor einem Kollaps zu bewahren. In Deutschland schreibt Finanzminister Olaf Scholz in diesem Jahr deshalb tiefrote Zahlen. Der Bundestag hatte im April den Nachtragshaushalt 2021 mit einer Rekord-Neuverschuldung von bis zu 240 Milliarden Euro beschlossen. Nicht nur diese Summe muss durch neue Schulden gedeckt werden, sondern auch die Refinanzierung alter Verbindlichkeiten. Allein im Sommerquartal müssen fast 102 Milliarden Euro an Altschulden getilgt werden.

 

Tourismus hofft auf Schub mit Öffnung des Reisemarktes USA

“Diese Nachricht lässt die international besonders stark vernetzte deutsche Wirtschaft aufatmen”, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die USA seien als Urlaubs- und Geschäftsreiseziel für die Reisewirtschaft enorm wichtig, erklärte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig. Fluglinien wittern Morgenluft für das wichtige Nordatlantik-Geschäft. Lufthansa-Chef Carsten Spohr betonte, die Rücknahme der Reiserestriktionen stelle “für unsere Airlines einen großen Schritt aus der Krise dar”.

Die USA hatten am Montagabend angekündigt, die Einreisebeschränkungen aufzuheben, die sie 2020 im Zuge der Coronavirus-Ausbreitung gegen Deutschland, China und viele andere Länder verhängt hatten. Vollständig Geimpfte aus diesen Staaten dürften nun ab Anfang November wieder in die USA einreisen. Die Beschränkungen haben über viele Monate Privat- und Geschäftsreisen in die USA verhindert. Die deutsche Botschafterin in den USA, Emily Haber, sprach auf Twitter von “großartigen Neuigkeiten”. Die Öffnung sei enorm wichtig, auch um transatlantische Geschäfte wieder zu fördern. Die neue Regel gilt für 26 Länder aus Europas Schengen-Raum sowie für China, Großbritannien, Irland, Indien, Südafrika, Iran und Brasilien.

Der Schritt der USA sei lange erwartet worden und nun eine gute Nachricht für Kunden und Reiseanbieter, sagte DRV-Präsident Fiebig. “Das Land ist mit jährlich über zwei Millionen Besuchern aus Deutschland das wichtigste Fernreiseziel für den deutschen Markt.” Der Tourismus-Riese TUI sieht ein gutes Signal für Geschäftsreisende und die Tourismusindustrie. “Ein Badeurlaub in Florida, eine Highway-1-Tour in Kalifornien oder Christmas-Shopping in New York stehen bei unseren Gästen ganz oben auf der Wunschliste”, sagte ein Konzernsprecher. Anfragen dazu in den Reisebüros und Suchenabfragen auf der TUI-Webseite seien bereits deutlich gestiegen. Dies dürfte sich kurzfristig in den Buchungen widerspiegeln.

LUFTHANSA SPÜRT BEREITS BUCHUNGSPLUS VON 40 PROZENT

Auch der Münchner Konkurrent FTI rechnet in den nächsten Monaten mit mehr Nachfrage – vor allem für den Osten der USA. “Wir freuen uns, dass nach Kanada endlich auch die USA wieder ihre Grenzen für Touristen öffnen”, sagte der neue USA-Chef von FTI, Florian Renner, zu Reuters. Kanada hatte bereits vor kurzem die Einreise gelockert und Airlines wie Condor umgehend dazu gebracht, das Flugangebot dorthin auszuweiten. Die Lufthansa erklärte, das Ende des seit 20 Monate geltenden US-Einreisestopps für bestimmte Reisende habe sich sofort bemerkbar gemacht: “Bereits in den ersten Stunden nach Ankündigung durch die US-Administration stiegen die Buchungen für Lufthansa-Flüge über den Nordatlantik im Wochenvergleich um 40 Prozent.”

Der Luftfahrtverband BDL betonte, der transatlantische Verkehr sei für den Tourismus, aber auch für Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks ein enorm wichtiger Verkehrsstrom. Auch der Industrieverband BDI reagierte erleichtert. “Verzögerungen in der Produktion, Lieferung und Durchführung strategischer Projekte gehören ab November hoffentlich der Vergangenheit an”, sagte BDI-Experte Wolfgang Niedermark. Der Einreisestopp habe die Wirtschaft gebremst, “weil durch die eingeschränkte Mobilität insbesondere von Technikern und Ingenieuren wichtige Aufträge und damit Exporte nicht zustande gekommen sind”, erklärte DIHK-Fachmann Treier. “Durch den ‘Travel Ban’ ist den deutschen Unternehmen in den USA ein geschätzter Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe entstanden.”

 

Lufthansa will Staat mit Milliarden-Kapitalerhöhung loswerden

Die Kapitalmaßnahme soll noch vor der Bundestagswahl starten, wie der Konzern am Sonntagabend mitteilte. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung hatte die Fluggesellschaft wegen des in der Corona-Krise brachliegenden Luftverkehrs mit einer milliardenschweren Eigenkapitalspritze vor der Pleite bewahrt. Inzwischen sieht die Lufthansa Licht am Ende des Tunnels. Nun will sie mit dem erwarteten Erlös der Kapitalerhöhung die beiden Stillen Einlagen des WSF, von denen sie 2,5 Milliarden Euro in Anspruch genommen hat, bis Ende des Jahres zurückgezahlt haben. Die ersten 1,5 Milliarden Euro sollen im Oktober, der Rest bis zum Jahresende getilgt werden.

“Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir das Stabilitätspaket nur so lange in Anspruch nehmen werden, wie es notwendig ist”, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. “Wir sind daher stolz darauf, dass wir unser Versprechen nun einlösen und die Maßnahmen schneller zurückzahlen können als ursprünglich erwartet.” Nun könne man sich voll auf die Transformation der Lufthansa Group konzentrieren. Wegen der weltweiten Impffortschritte und der Aufhebung von Reisebeschränkungen spürt die Lufthansa eine anziehende Nachfrage. Die Kranich-Airline setzt deshalb für das Sommer-Quartal auf einen bereinigten operativen Gewinn. “Ausgehend von der operativen Entwicklung des Konzerns im Juli und August wird das Adjusted Ebit (ohne Restrukturierungsaufwendungen) im dritten Quartal voraussichtlich positiv ausfallen”, erklärte der Konzern. Die Kapazität sei auf gut die Hälfte des Vorkrisenniveaus gestiegen, bei einer Auslastung von über 70 Prozent im August.

Die aktuellen Buchungen deuten demnach auf eine anhaltende Nachfrageerholung hin. Ähnlich wie im Juli und August rechnet der Konzern damit, dass die Passagierzahlen in den kommenden Monaten rund die Hälfte des Niveaus von 2019 erreichen werden, gestützt durch einen spürbaren Anstieg von Geschäftsreisen. Zudem sorge die Luftfracht weiter für viel Schwung.

Binnen zwei Jahren muss der Bund dann seinen verbliebenen Aktienanteil von 15,9 Prozent an der Lufthansa wieder verkaufen – wenn er an der Kapitalerhöhung teilnimmt und seine Beteiligung nicht ohnehin verwässern lässt. Er ließ am Sonntagabend offen, ob und in welcher Höhe er nochmals frisches Kapital beisteuert. Der WSF werde sich dazu erst nach Abschluss der Kapitalerhöhung äußern, sagte eine Sprecherin der Deutschen Finanzagentur, die den WSF verwaltet. Nimmt er seine Bezugsrechte wahr, würde ihn das rund 340 Millionen Euro kosten. Er könnte aber auch einen Teil seiner Bezugsrechte verkaufen und so neue Aktien zeichnen.

BLACKROCK WILL AUFSTOCKEN

Mitte August hatte der WSF begonnen, seinen Anteil von 20 Prozent “vor dem Hintergrund der positiven Unternehmensentwicklung” über den Markt um gut vier Prozent abzubauen. Eingestiegen war er im Sommer 2020 zum Nennwert von 2,56 Euro. Er war eingerichtet worden, um wichtigen Firmen über die Corona-Krise hinwegzuhelfen. Auch das Geld aus dem Teilverkauf – geschätzt 200 Millionen Euro – könnte der Staat in neue Lufthansa-Aktien stecken, ohne die EU-Kommission erneut um Erlaubnis zu bitten. Finanzspritzen des Staates gelten sonst als staatliche Beihilfe. Man sei mit den Brüsseler Wettbewerbshütern in kontinuierlichem Austausch, sagte die Sprecherin dazu nur.

Die Lufthansa-Aktionäre können bei der Kapitalerhöhung von Mittwoch (22. September) an bis zum 5. Oktober für jede ihrer Aktien eine neue beziehen. Der Preis für die 597,7 Millionen neuen Papiere liegt mit je 3,58 Euro um 56 Prozent unter dem Schlusskurs vom Freitag (8,21 Euro). Im Vergleich zu dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Kurs (TERP) werden die Aktien mit einem Abschlag von 39 Prozent angeboten. 14 Banken haben sich verpflichtet, alle neuen Papiere, die die Lufthansa nicht an die eigenen Aktionäre losschlägt, auf die eigenen Bücher zu nehmen – der Erlös ist der Lufthansa damit sicher. Der US-Fondsriese Blackrock ist bereit, neue Lufthansa-Aktien für bis zu 300 Millionen Euro zu kaufen. Er hatte seinen Anteil an der Fluggesellschaft kurz vor dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 auf weniger als drei Prozent reduziert.

 

Lufthansa profitiert im Frachtgeschäft von Lieferketten-Problemen

Die positivsten Nachrichten für den Konzern in den letzten Wochen kämen von der Luftfrachttochter, sagte der Konzern-Chef am Montagabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). “Sie wird dieses Jahr über eine Milliarde Gewinn beisteuern”, sagte er. Dies werde “mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit” erreicht.

Die globalen Lieferketten seien in Folge der Covid-Krise absolut aus dem Takt geraten, führte der Airline-Chef aus. “Das ist das ideale Geschäft bei der Luftfracht.” Diese werde immer dann gebraucht, wenn Werttransporte per Schiff oder per Bahn nicht schnell genug seien. Große Kunden seien die Autoindustrie, aber auch Pharmaprodukte und medizinische Produkte seien gefragt. Zudem spiele der Online-Handel eine wichtige Rolle. “Wir sind mehr oder weniger global ausverkauft in der Luftfracht,” sagte Spohr. Dabei habe der Konzern auch kürzere Strecken im Blick. “Wir haben jetzt gerade entschieden, ins Kurzstreckengeschäft einzusteigen”, sagte Spohr.

Ermutigend ist für den Lufthansa-Chef zudem, dass inzwischen der Geschäftsreiseverkehr langsam wieder zurückkehrt. So habe sich in den letzten Wochen die Nachfrage nach Flügen in der Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien um 15 Prozent erhöht. “Und wenn man nur auf die innerdeutschen Flüge schaut, sogar um 30 Prozent.” Beides sei ein Streckengebiet, in dem Lufthansa viele Geschäfts- und weniger Tourismusreisen habe.

SPOHR: IN GESPRÄCHEN ÜBER AUSSTIEG DES BUNDES

Der Konzern, zu der auch die Airlines Eurowings, Swiss, Austrian und Brussels Airlines gehören, wurde 2020 mit einem Finanzrahmen von neun Milliarden Euro von Deutschland, der Schweiz, Österreich und Belgien in der schweren Krise vor der Pleite bewahrt. Der Bund hatte im Rahmen einer milliardenschweren Stützungsaktion eine Beteiligung von 20 Prozent erworben und war damit zum Hauptaktionär aufgestiegen.

Lufthansa sei bereits in der Lage gewesen, die ersten Stabilisierungsmittel zurückzuführen, sagte Spohr. Die erste Milliarde sei schon zurückgeflossen. “Und wir sind in der Tat in Gesprächen mit der Bundesregierung über den Einstieg in den Ausstieg.” Er würde gerne noch mit den jetzigen Ansprechpartnern Klarheit schaffen, sagte Spohr. Ende 2023 müsse der Staat spätestens die Aktien verkauft haben. Der Bund hatte Mitte August angekündigt, seine Beteiligung von 20 Prozent um zunächst bis zu ein Viertel zu verringern. Die Lufthansa und die Bundesregierung wollen die Airline-Gruppe möglichst schnell wieder unabhängig von der Hilfe des Steuerzahlers machen.

 

Staat wirft Teil seiner Lufthansa-Aktien auf den Markt

“Vor dem Hintergrund der positiven Unternehmensentwicklung” werde der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) seinen Anteil von 20 Prozent um maximal ein Viertel reduzieren, teilte die Deutsche Finanzagentur mit. Der Verkauf sollte noch am Montag beginnen. Das drückte die Lufthansa-Aktie um gut drei Prozent auf 8,96 Euro. Doch selbst zu diesem Preis würde der Bund mit dem rettenden Einstieg in der Corona-Krise einen Gewinn erwirtschaften.

Der WSF hatte die Beteiligung von 20 Prozent als Teil einer milliardenschweren Stützungsaktion für die in der Corona-Krise in Existenznot geratene Fluggesellschaft für 300 Millionen Euro erworben und wurde damit zum Hauptaktionär. An der Börse ist das zum Nennwert von 2,56 Euro je Aktie erworbene Paket inzwischen mehr als das Dreifache wert. Allein mit dem Teilverkauf könnte der Staat rund 250 Millionen Euro einnehmen.

Der WSF war eingerichtet worden, um wichtigen Unternehmen über die Corona-Krise hinwegzuhelfen. Der Lufthansa stand er allein mit sechs Milliarden Euro bei. Neben dem Aktienpaket gewährte der Bund ihr stille Einlagen von 5,7 Milliarden Euro, die die Fluggesellschaft erst zum Teil in Anspruch genommen hat. “Nach ersten Erfolgen der von der Deutschen Lufthansa eingeleiteten zukunftsgerichteten Maßnahmen passt der WSF damit seine Beteiligungshöhe unter Beachtung der Interessen beider Seiten zielgerichtet an”, hieß es in der Mitteilung. “Im Rahmen der bestehenden Stabilisierungsmaßnahmen wird der WSF die Deutsche Lufthansa weiterhin entsprechend seiner Position als wesentlicher Aktionär begleiten.”

Die Lufthansa-Aktien stehen schon länger unter Druck, weil die Fluggesellschaft eine Kapitalerhöhung angekündigt hat. Die Lufthansa und ihr Großaktionär wollen die Airline möglichst schnell wieder unabhängig vom Steuerzahler machen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr will die Kapitalerhöhung möglichst noch im September über die Bühne bringen, um einen Teil der Finanzhilfe zurückzuzahlen. Der WSF ließ am Montag offen, ob und wie er sich daran als Aktionär beteiligen werde. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen, sagte ein Sprecher. “Der WSF wird zu gegebener Zeit bestehende Handlungsalternativen abwägen.” Vor einer Beteiligung braucht der Bund erneut grünes Licht von der EU, da es sich um eine weitere Staatsbeihilfe handeln würde.

Die Lufthansa hatte die Möglichkeit ins Gespräch gebracht, dass der Bund sich beteiligt, ohne frisches Geld dafür in die Hand zu nehmen. Entweder könnte er dazu die Einnahmen aus dem Teilverkauf der Aktien verwenden. Oder er könnte einen Teil der Bezugsrechte für die neuen Aktien verkaufen, um mit dem Erlös neue Aktien zu kaufen – eine sogenannte “Operation Blanche”. Erst nach der Rückzahlung der stillen Einlagen muss der Bund sein Aktienpaket vollständig verkaufen.

 

Lufthansa spart sich zusehends aus der Corona-Krise

– von Ilona Wissenbach

Von den bis 2024 geplanten Einsparungen beim Personalaufwand und anderen Kosten in Höhe von 3,5 Milliarden seien schon rund 60 Prozent realisiert, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag. “Wir konnten die Kosten schneller senken, dafür kommt das Geschäft ein bisschen später.” Die Flugbuchungen stiegen zwar seit Lockerungen von Corona-Reisebeschränkungen im Mai in Europa kräftig, sodass die Airline-Gruppe den Verlust reduzierte. Doch die lukrativen Transatlantikflüge wurden mangels Einreiseerlaubnis der USA noch nicht stark hochgefahren.

Niedrigere Kosten erreicht die Lufthansa durch massiven Personalabbau, der mittlerweile auch in Deutschland in die Tausende geht. “Dass uns dabei bislang über 30.000 Kolleginnen und Kollegen verlassen haben, schmerzt uns alle, ist aber für die nachhaltige Rettung der über 100.000 verbliebenen Arbeitsplätze unausweichlich”, erklärte Spohr. Ende Juni zählte die Airline-Gruppe, zu der neben der Kernmarke Lufthansa die Billigtochter Eurowings sowie Swiss, Austrian und Brussels Airlines gehören, noch 108.000 Beschäftigte.

In Deutschland sind bereits 5000 Abgänge über Fluktuation oder mit Abfindungen besiegelt. Weitere 5000 Stellen sollen gestrichen werden, wobei Spohr bekräftigte, durch Teilzeitregeln bei den gut bezahlten Piloten und Pilotinnen müssten nicht so viele gehen. Er sei optimistischer, über Vereinbarungen mit den Gewerkschaften weiter ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Die Schweizer Tochter Swiss baut bis Ende des Jahres 2000 Positionen ab, davon 500 über Kündigungen. Bei Austrian Airlines müssen noch 500 Mitarbeitende gehen, nachdem 850 über Fluktuation schon ausschieden, erklärte Airline-Chef Alexis von Hoensbroech.

BETRIEBSVERLUST UNTER EINER MILLIARDE

Mit der langsamen Erholung des Passagierluftverkehrs konnte die Lufthansa von April bis Juni den operativen Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und zum Jahresbeginn deutlich senken. Das bereinigte Betriebsergebnis belief sich auf Minus 952 Millionen Euro nach 1,7 Milliarden Euro vor Jahresfrist. Die Passagierfluggesellschaften schrieben weiter tiefrote Zahlen. Sie beförderten mit sieben Millionen Fluggästen zwar mehr als vier Mal so viele wie im Vorjahresquartal, als der Luftverkehr fast stillstand. Das waren aber nur 18 Prozent des Vorkrisenniveaus bei einer Kapazität von 29 Prozent, verglichen mit 2019. Erstmals seit Ausbruch der Pandemie konnte die Lufthansa den Mittelabfluss stoppen und nahm 340 Millionen Euro Barmittel ein. Gewinnbringer war einmal mehr das Frachtgeschäft von Lufthansa Cargo mit Rekordergebnis. Die Wartungstochter Lufthansa Technik und die vor dem Verkauf stehende internationale Cateringsparte LSG erzielten erstmals wieder Überschüsse. Der Umsatz stieg um 70 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, blieb aber weit entfernt vom Niveau normaler Zeiten, als die Lufthansa fast zehn Milliarden Euro Erlös eingeflogen hatte.

Für das Gesamtjahr bleibt das Lufthansa-Management vorsichtig und bekräftigte die Prognose, im Durchschnitt 40 Prozent der Vorkrisenkapazität zu erreichen. Im laufenden Quartal sollen es 50 Prozent sein, im Schlussquartal 60 Prozent. Ryanair, der Erzrivale in Europa, peilt im Gesamtjahr zwei Drittel an, hat aber anders als Lufthansa keine Langstreckenflüge, die noch länger von Reisebeschränkungen begrenzt werden. “Wir sind hoffentlich in der letzten Phase der Pandemie, die unsere Branche und unser Unternehmen getroffen hat wie nichts zuvor”, sagte Spohr. Die schon länger erhoffte Öffnung der USA für Reisende aus Europa erwartet er jetzt bis Ende September. Die jüngsten Aussagen der US-Regierung, Geimpfte womöglich einreisen zu lassen, sei ermutigend. Doch die Asien-Pazifik-Routen blieben wohl bis Ende des Jahres weitgehend verschlossen.

Die wachsende Zahl von Covid-Infektionen mit der Delta-Virusvariante wird nach Einschätzung von Spohr nicht zu einem neuen Einbruch führen. Das Risiko sei mit Impfungen und Tests, die bei Flugreisen gefordert werden, beherrschbar, sagte er. Swiss-Chef Dieter Vranckx warnte aber: “Der leichte Aufschwung, den wir in den letzten Wochen verzeichnet haben, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage infolge der weiterhin unberechenbaren pandemischen Entwicklung äußerst angespannt ist.”

 

Scholz prüft Beteiligung an Lufthansa-Kapitalerhöhung

– von Michael Nienaber und Christian Kraemer

“Eins ist klar: Wenn Unternehmen das Ziel haben, sich aus den Notwendigkeiten einer staatlichen Unterstützung zu befreien, dann werden wir das möglich machen”, sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. “Denn unsere Unterstützung ist ja auf den Weg gebracht worden, damit die Unternehmen die Krise überleben und dann wieder auf eigenen Füßen stehen, ohne dass wir gewissermaßen mit unserem Geld aushelfen müssen.” Die in wirtschaftliche Turbulenzen geratene Fluggesellschaft will sich nach Reuters-Informationen im Sommer oder Frühherbst mindestens drei Milliarden Euro frisches Kapital besorgen, um die stille Einlage des Bundes von 5,5 Milliarden Euro teilweise zu tilgen.

Der Staat hatte der Lufthansa unter die Arme gegriffen, die in der Corona-Krise in wirtschaftliche Turbulenzen geraten war. Seither hält der Bund neben der stillen Beteiligung 20 Prozent der Lufthansa-Aktien und ist damit ihr größter Aktionär. Diese könnte er bei der Kapitalerhöhung einsetzen, um neue Anteile zu zeichnen. Doch eine schnelle Weichenstellung erwartet Scholz nicht: “Solche Entscheidungen kann man ja nicht über das Knie brechen.” Wichtig sei zunächst, dass die nächsten Schritte im Unternehmen gut vorbereitet würden.

Aus Sicht der Lufthansa wäre ein guter Zeitpunkt für eine Kapitalerhöhung, wenn die Erholung der Branche von der Corona-Krise klar werde – also im Sommer. In der Urlaubssaison will die Fluglinie ihre Kapazität hochfahren. Vorstandsmitglied Harry Hohmeister hat jüngst von einer deutlich besseren Nachfrage gesprochen und angekündigt, man werde 30 bis 50 zusätzliche Flugzeuge einsetzen. Bei diesem Zeitplan könnte das Thema auch in den Bundestagswahlkampf hineinspielen. Für den Bund geht es um eine politische Grundsatzentscheidung. Wenn er bei der Kapitalspritze nicht mitzieht, drohen seine Anteile zu verwässern, und er würde mit der Sperrminorität auch sein Mitspracherecht bei der Lufthansa verlieren. Andererseits gilt eine Einmischung in das operative Geschäft als verpönt.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte sich der Bund auf zwei Wegen an der Finanzspritze beteiligen: Entweder verkauft er einen Teil seiner Bezugsrechte und nimmt den Erlös zum Kauf neuer Aktien. Dann müsste er kein frisches Geld der Steuerzahler in die Hand nehmen, sein Anteil würde aber etwas verwässert. Oder aber der Bund setze seine Bezugsrechte zum Kauf von Lufthansa-Aktien für bis zu eine Milliarde Euro ein. Für die anderen Investoren wäre das ein positives Signal, heißt es in der Branche. Aktien könnte der Bund schneller wieder abstoßen als die stillen Einlagen. Allerdings könnte das Engagement die EU-Kommission erneut wegen staatlicher Beihilfen auf den Plan rufen.

Reuters hatte vor drei Wochen über die Pläne berichtet. Der MDax-Konzern bevorzuge eine große statt mehrerer kleiner Kapitalerhöhungen. Deutsche Bank und Bank of America fühlten für die Lufthansa bereits bei institutionellen Investoren vor. Die Lufthansa-Aktie war am Mittwoch mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 11,17 Euro zweitgrößter Kursgewinner im MDax.

 

Knorr-Bremse-Erben ziehen sich bei Lufthansa zurück – Aktie fällt

– von Alexander Hübner

Die Familiengesellschaft KB Holding trennte sich über Nacht von gut der Hälfte der Beteiligung, die Thiele im Jahr vor seinem Tod im Februar zusammengekauft hatte. Die von Testamentsvollstrecker Robin Brühmüller verwaltete Holding erlöste mit dem Verkauf von 33 Millionen ihrer 60 Millionen Lufthansa-Aktien 323 Millionen Euro und hält nun noch rund 4,5 Prozent an der Fluggesellschaft. Damit ist sie nach Refinitiv-Daten aber immer noch zweitgrößter Aktionär der Fluggesellschaft nach dem Bund.

Ein Sprecher Brühmüllers wollte sich am Freitag nicht dazu äußern, ob die KB Holding bei der größten deutschen Airline am Ende ganz aussteigen wolle. Sie hat sich aber verpflichtet, in den nächsten zwei Monaten keine weiteren Aktien zu verkaufen. Große Kursgewinne dürften Thieles Erben mit den Lufthansa-Aktien nicht erzielt haben. Der Preis lag mit 9,80 Euro um zehn Prozent unter dem Xetra-Schlusskurs vom Donnerstag, wie die mit der Platzierung beauftragte Investmentbank Morgan Stanley mitteilte. Er liegt damit nahe am Durchschnittskurs, den der Unternehmer im Frühjahr 2020 gezahlt haben dürfte, als er in der Corona-Krise binnen weniger Monate eine Beteiligung von bis zu 15,5 Prozent an der Lufthansa aufgebaute.

Thiele hatte die Rettung der Lufthansa aus der Corona-Krise zur Zitterpartie gemacht, weil er sich als Großaktionär bis zum letzten Moment weigerte, die Bedingungen der Teilverstaatlichung zu akzeptieren.

Der Abschlag auf den Börsenkurs bei der Platzierung ist ungewöhnlich groß. Entsprechend ging die Aktie am Freitag um 6,4 Prozent auf 10,18 Euro in die Knie. Ein Händler sagte, der Preisnachlass habe womöglich mit der Erwartung zu tun, dass die geplante Kapitalerhöhung um drei Milliarden Euro kurz bevorstehe. Daher wollten Investoren im Vorfeld nicht mehr zugreifen.

DER STAAT KASSIERT MIT

Anders als bei den Mehrheitsbeteiligungen am Lkw- und Bahn-Zulieferer Knorr-Bremse und am Bahntechnik-Konzern Vossloh hatten Thieles Erben sich nicht ausdrücklich dazu bekannt, an dem Lufthansa-Aktienpaket festzuhalten. Thieles Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen sollen bis zum Jahresende in eine Familienstiftung eingebracht werden, wie aus seinem Testament hervorgeht. Der Stiftung sowie Thieles Tochter Julia Thiele-Schürhoff gehören dann 59 Prozent an Knorr-Bremse und 50,1 Prozent an Vossloh.

Weil die Stiftung erst nach Thieles Tod gegründet wird, erbt zunächst seine Ehefrau Nadia. Damit wird Erbschaftssteuer fällig – nach Medienberichten über fünf Milliarden Euro. Thieles Erlös aus dem Verkauf von Aktien beim Börsengang von Knorr-Bremse 2018 dürfte aber reichen, um die Steuer zu zahlen. Das “Manager Magazin” zählte die Familie Thiele zuletzt zu den acht reichsten in Deutschland, mit einem Vermögen von rund 17 Milliarden Euro. Thiele hatte bei Knorr-Bremse 1969 als Patent-Sachbearbeiter begonnen, kaufte seinen Arbeitgeber in der Krise 1985 und baute den Mittelständler zum Weltmarktführer für Lastwagen- und Zug-Bremsen aus. 2011 stieg er bei Vossloh ein.