US-Dienstleister schalten beim Wachstum einen Gang zurück

Der Einkaufsmanager-Index fiel auf 60,1 Punkte nach einem Rekordwert von 64,0 im Mai, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Firmen-Umfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Das ist das niedrigste Niveau seit Februar. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit einem leichten Rücksetzer auf 63,5 Punkte gerechnet. Das Barometer liegt trotz des Rückgangs weiter deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

“Die Stimmung im Dienstleistungsbereich hat sich im Juni eingetrübt, was vor dem Hintergrund des deutlichen Anstiegs in den Monaten zuvor und in Anbetracht des extrem hohen Niveaus nicht überbewertet werden sollte”, so Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba. Das Wachstumsszenario bleibe intakt, dennoch könnte die Diskussion über ein Zurückfahren der Konjunkturhilfen der Notenbank Fed einen kleinen Dämpfer erhalten.

Die Fed will ihre Geldspritzen zur Linderung der Corona-Krise im Umfang von 120 Milliarden Dollar pro Monat so lange fortsetzen, bis spürbare weitere Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind. Beobachter erhoffen sich von der am Mittwoch anstehenden Veröffentlichung der Protokolle der jüngsten Zinssitzung Aufschluss über die internen Debatten der Währungshüter zu diesem Thema.

 

Fed bereitet Abkehr von Krisenmodus vor – Zinswende womöglich 2023

– von Gertrude Chavez-Dreyfuss und Howard Schneider und Reinhard Becker

Fed-Chef Jerome Powell signalisierte am Mittwoch nach dem Zinsbeschluss, dass ein Plan zum Abschmelzen der Anleihenkäufe bei einem anhaltenden Aufschwung auf den kommenden Sitzungen zum Thema werden dürfte. Vorerst erneuerten die Währungshüter jedoch ihr Bekenntnis, dass sie die monatliche Dosis der Geldspritzen in Höhe von 120 Milliarden Dollar solange verabreichen wollen, bis erhebliche Fortschritte bei Preisstabilität und Beschäftigung erreicht sind. Laut Powell ist die Fed noch lange nicht am Ziel: “Aber wir machen gute Fortschritte.”

Die Währungshüter sehen sich inmitten des aufkommenden Booms mit rasant steigenden Verbraucherpreisen konfrontiert, während der Arbeitsmarkt noch immer weit von seinem hohen Vorkrisenniveau entfernt ist. Angesichts der längst nicht ausgestandenen Krise beließ die Fed den Leitzins in der Spanne von null bis 0,25 Prozent. Allerdings signalisierten die Währungshüter erstmals seit Ausbruch der Pandemie, dass es 2023 eine Erhöhung geben könnte. Bislang hatten sie im Mittel eine Zinswende erst ein Jahr später angepeilt.

“Dies deutet darauf hin, dass die Fed unter dem Eindruck steigender Preisrisiken ihren Zeitplan zur Politiknormalisierung beschleunigt”, so die Einschätzung von Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. “Die Fed ändert den Tonfall markant. Die Märkte werden auf eine straffere Geldpolitik vorbereitet”, meinte auch Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. An den Terminmärkten wird nun schon für Februar 2023 mit der Zinswende gerechnet. Die Signale für eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik schickten den Gold-Preis auf Talfahrt. Die US-Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 verbuchten Verluste. Der Dollar erhielt hingegen Rückenwind.

“TAGE DES WEITER-SO SIND GEZÄHLT”

“Bei anhaltender Konjunkturerholung bleiben die Tage des geldpolitischen Weiter-so gezählt”, so Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. Über eine Kaufdrosselung dürfte die Fed seiner Meinung nach bereits auf ihrer Sitzung im Juli diskutieren. Konkrete Signale für ein Zurückfahren der Käufe erwarten viele Beobachter allerdings erst für die große Notenbanker-Konferenz in Jackson Hole, die Ende August wieder als Präsenzveranstaltung angeboten wird. Sollte sich der Aufschwung festigen, könnte Powell in Wyoming einen Fingerzeig geben, wann der Ausstieg konkret eingeleitet wird. Dies werde erst Anfang 2022 der Fall sein, wobei den Finanzmärkten eine Vorwarnzeit von “mindestens einem Quartal” eingeräumt werde, meint Ökonom Brian Nick vom Investmentmanager Nuveen.

Powell ließ sich auf der Pressekonferenz jedoch kein Wort zur zeitlichen Planung des Ausstiegs entlocken: Er betonte lediglich, die Fed werde “geordnet, methodisch und transparent” vorgehen. Trotz des bereits kräftigen Aufschwungs nach der Krise blieb die Aufholjagd am Jobmarkt nach den massiven Stellenverlusten vom vorigen Frühjahr zuletzt hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück. Der Fed-Chef erwartet jedoch, dass sich der Arbeitsmarkt in ein bis zwei Jahren wieder “sehr stark” präsentiert.

Sorge dürfte der Fed hingegen bereiten, dass die Verbraucherpreise (CPI) zuletzt kräftig anzogen: Sie kletterten um 5,0 Prozent und damit so stark wie seit rund 13 Jahren nicht mehr.. Die Notenbank sieht den Preisanstieg als vorübergehendes Phänomen: In ihrer Prognose gehen die Währungshüter davon aus, dass die Inflationskennziffer für die persönlichen Verbraucherausgaben (PCE) 2022 in der von der Fed besonders beachteten Kernrate auf 2,1 Prozent zurückgehen wird – nach 3,0 Prozent im laufenden Jahr. Zugleich erwarten sie, dass auf die Krise ein kräftiger Boom folgt: Für 2021 veranschlagen sie ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 7,0 Prozent. 2022 sollen immerhin 3,3 Prozent herausspringen.

 

Finanzaufsicht warnt Banken vor Folgen von Gebührenurteil

“Das hat das Potenzial, für die Banken richtig teuer zu werden”, sagte BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler am Dienstag. Einige Banken könne das Urteil im schlimmsten Fall die Hälfte des Jahresgewinns kosten. Beim Thema Corona gab die BaFin bei ihrer virtuellen Jahrespressekonferenz dagegen Entwarnung. Die Banken seien grundsätzlich in der Lage, die durch die Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise zu überstehen.

Das Urteil des BGH zu Gebührenänderungen sei überraschend gekommen, sagte Thorsten Pötzsch, der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Bankenabwicklung zuständig ist. Das oberste deutsche Berufungsgericht hatte Ende April geurteilt, dass Banken nicht einfach ihre Gebühren ändern können, wenn der Kunde den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht binnen zwei Monaten widerspricht. Das benachteilige die Kunden.(AZ: XI ZR 26/20) Die Gerichte müssten nun klären, wie AGB künftig rechtssicher geändert und Kunden über Gebührenanhebungen informiert würden. “Das wird schwierig und eine große Herausforderung”, sagte Pötzsch.

Konkret könnten die finanzielle Folgen aber erst abgeschätzt werden, wenn die schriftliche Urteilsbegründung vorliege. Klar sei auch noch nicht, ob andere Branchen ebenfalls von dem Urteil betroffen seien. Die Comdirect hatte eine eigentlich für Anfang Mai geplante Preiserhöhungen bereits auf Eis gelegt, ihre Mutter Commerzbank will für Juli anstehende Preisanhebungen nach bisherigen Stand dagegen durchziehen.

KOSTEN DER BANKEN MÜSSEN RUNTER

Das Urteil belastet die ohnehin unter Druck stehenden Erträge der Banken zusätzlich. Die seit Jahren niedrigen Zinsen in der Euro-Zone erschweren es ihnen, auskömmliche Erträge zu erwirtschaften. Gebühren werden deshalb für sie immer wichtiger. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, müssten Banken noch stärker an der Kostenschraube drehen als bisher, sagte Röseler, der die BaFin bis zum Antritt des neuen Präsidenten Mark Branson im Sommer interimsmäßig leitet. Die Deutsche Bank und die Commerzbank seien konsequent unterwegs, bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken gebe es noch viel Spielraum.

Zudem müssen sich Banken nach Einschätzung der BaFin auf weitere Kreditausfälle einstellen. “Wir müssen davon ausgehen, dass nicht alle von der Pandemie gebeutelten Unternehmen der Realwirtschaft wieder gesunden”, sagte Röseler. Bis sich das auf die Banken durchschlage, könne es aber dauern. Auch nicht alle Geldhäuser würden die Krise überstehen. “Eine Entwarnung können wir derzeit nur für das System aussprechen, also die Branche als Ganzes.” Generell hätten die Institute zwar ein Ertragsproblem, aber kein Problem mit faulen Krediten.

GENAUER HINTER DIE FASSADE SCHAUEN

Um künftig Skandale wie die Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard zu vermeiden, will die Aufsichtsbehörde mehr IT-Fachkräfte und Wirtschaftsprüfer einstellen. Eine schnelle Eingreiftruppe soll bei Firmen vor Ort forensische Untersuchungen vornehmen können, also praktisch Detektivarbeit betreiben. “Wir wollen schneller, genauer und aus erster Hand wissen, wo die Erträge herkommen, denn wo das Geld verdient wird, liegen die Risiken”, sagte Röseler. Bei Unregelmäßigkeiten werde die BaFin Geschäfte der Banken einschränken. Doch sei auch das keine Garantie dafür, dass der BaFin nie mehr Fehler unterliefen, räumte Röseler ein. “Man kann uns als Aufsicht bis an die Zähne forensisch bewaffnen, es wird und kann in einem Rechtsstaat nie gelingen, jede Art von Kriminalität zu verhindern.”

 

Anleger vor US-Inflation auf der Hut – Coba und Bayer heben ab

Der Dax kam am Mittwoch trotz einer Welle von teils deutlich besser als erwartet ausgefallenen Firmenbilanzen nur schwer vom Fleck und notierte am Mittag 0,2 Prozent höher bei 15.155 Punkten. Der EuroStoxx50 trat bei 3949 Punkten auf der Stelle.

Investoren spekulieren, dass steigende Rohstoffpreise und wachsender Inflationsdruck in den USA zu früheren Zinserhöhungen und höheren Anleiherenditen weltweit führen könnten. Analysten rechnen bei den Inflationsdaten am Nachmittag (MESZ) im Schnitt für April mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Vormonat hatte der Wert bei 2,6 Prozent gelegen. Steigt die Inflation stärker als von der US-Notenbank erwartet ist Experten zufolge fraglich, ob sie noch längere Zeit an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten kann.

Für die Aktienmärkte sei der Zinsanstieg ein giftiger Cocktail, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. “Die Verkaufsbereitschaft hat deutlich zugenommen.” Steigende Zinsen erhöhen unter anderem die Finanzierungskosten für die Unternehmen.

ANLEIHERENDITEN GEBEN NACH – KUPFER WEITER IM AUFWIND

An den Anleihemärkten gingen die Renditen nach dem jüngsten Anstieg zurück. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundespapiere fiel um rund einen Basispunkt auf minus 0,17 Prozent, nachdem sie am Dienstag auf den höchsten Stand seit März vergangenen Jahres geklettert war. Die US-Treasuries rentierten mit 1,617 Prozent ebenfalls leicht unter ihrem Vortagesniveau. Analysten zufolge schichteten einige Anleger ihr Geld aus hoch bewerteten Aktiensegmenten um, was den Renditerückgang bei den Anleihen erkläre.

Am Markt für Industriemetalle blieben die Konjunkturoptimisten am Ruder. Kupfer verteuerte sich um bis zu 1,5 Prozent auf 10.620 Dollar je Tonne und blieb auf Tuchfühlung mit dem jüngsten Rekordhoch.

Der Ölpreis blieb unterstützt von der Hoffnung auf eine baldige Nachfrageerholung. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 68,99 Dollar je Fass. Die Internationale Energieagentur (IEA) verstärkte den Optimismus der Investoren mit ihrer jüngsten Markteinschätzung: “Das erwartete Angebotswachstum für den Rest des Jahres entspricht bei weitem nicht unserer Prognose für eine deutlich stärkere Nachfrage über das zweite Quartal hinaus.”

STARKER JAHRESAUFTAKT BEI BAYER UND COBA

Bei der Commerzbank bejubelten Anleger einen starken Jahresauftakt. Die Aktien schossen um 7,5 Prozent nach oben. Die zweitgrößte Privatbank Deutschlands kehrte überraschend in die schwarzen Zahlen zurück und blickt optimistischer nach vorne. Papiere von Bayer standen mit einem Kursplus von 3,9 Prozent an der Dax-Spitze. Vor allem dank des Agrargeschäftes habe der Umsatz im Quartal vier Prozent über den durchschnittlichen Analystenerwartungen gelegen, hieß es bei Credit Suisse. Obwohl die Jahresprognose nicht angehoben worden sei, sollten die Aktien von den starken Quartalszahlen profitieren, fassten die Analysten von JP Morgan zusammen.

Eine angehobene Prognose von Deutsche Telekom kam ebenfalls gut an. Die Aktien kletterten um 2,2 Prozent. Der Telekomkonzern habe zum Jahresstart Stärke bewiesen, urteilten die Analysten von Jefferies. Das stimme für die mittelfristigen Aussichten optimistisch.

In London stiegen die Aktien von Diageo mehr als drei Prozent. Der weltgrößte Spirituosenhersteller mit Marken wie Johnnie Walker oder Smirnoff rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem organischen Wachstum des Betriebsgewinns von mindestens 14 Prozent und kommt mit seinem Aktienrückkaufprogramm weiter voran.

 

Schweizer Börse rutscht zu Wochenbeginn ab

Händler erklärten, die Aussicht auf längerfristig niedrige US-Zinssätze habe zwar die Aktien von zyklischen Unternehmen wie etwa dem Uhrenkonzern Swatch angeschoben. Dagegen zogen sich die Investoren aus den Titeln von Firmen mit einem beständigeren Geschäft zurück. Diese Werte sind an der Schweizer Börse schwer gewichtet, sodass sich der SMI um 0,7 Prozent auf 11.096 Punkte ermässigte.

Der Pharmakonzern Roche verlor 0,9 Prozent an Wert. Die Aktien des Arznei-Auftragsfertigers Lonza schwächten sich in Zusammenhang mit der Auszahlung der Dividende um 2,6 Prozent ab. Der Augenheilkonzern Alcon setzte die Talfahrt der Vorwoche fort und büsste weitere 3,5 Prozent ein.

Dagegen zogen Orascom Development 2,2 Prozent an. Die ägyptische Tochter des Tourismuskonzerns hat den Gewinn im ersten Quartal vervielfacht. Vor der Veröffentlichung ihrer Zwischenberichte standen auch Versicherer in der Gunst der Anleger. Swiss Life gewannen 0,5 Prozent, Zurich 0,1 Prozent.

 

Kaplan (Fed) dringt auf Debatte über Abschmelzen der Bondkäufe “eher früher als später”

Er wolle, dass diese Diskussion “eher früher als später” geführt werde, sagte der Chef des Fed-Bezirks Dallas am Donnerstag. Wenn die Fed mit der Verringerung ihrer Anleihenkäufe beginne, werde die Wirtschaft “weit gesünder” sein. Sie habe sich bereits schneller erholt als erwartet. Zugleich gebe es Sorgen, dass die Anleihenkäufe für “Exzesse und Ungleichgewichte” an den Finanzmärkten sorgen könnten. Dies gelte auch für den Immobilienmarkt.

Kaplan hatte bereits vorigen Monat vor Kursübertreibungen an den Börsen gewarnt und eine Debatte über ein Abschmelzen der Käufe angemahnt. Die nächste Zinssitzung steht Mitte Juni an, bei der auch neue Projektionen zur Wirtschaftsentwicklung und ein aktualisierter Zinsausblick anstehen.

Die Währungshüter um Notenbankchef Jerome Powell erwerben monatlich Wertpapiere im Volumen von 120 Milliarden Dollar, um die Wirtschaft auf dem Weg aus der Corona-Krise anzuheizen. Diese erholt sich Powell zufolge zwar, ist jedoch “noch nicht über den Berg”. Er will die Käufe in bisherigem Umfang noch so lange fortführen, bis substanzielle weitere Fortschritte auf dem Weg zu Vollbeschäftigung und Preisstabilität erreicht sind. Bislang steht aus Sicht der Fed ein Abschmelzen der Käufe jedoch noch nicht an.

 

Börsen erholen sich vom “Yellen-Schreck”

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Mittwoch um jeweils etwa zwei Prozent auf 15.170,78 beziehungsweise 3998,98 Punkte, nachdem sie am Dienstag als Reaktion auf Aussagen von US-Finanzministerin Janet Yellen zu möglichen Zinserhöhungen jeweils rund zwei Prozent abgerutscht waren. An der Wall Street ging der breit gefasste S&P 500-Index ebenfalls auf Erholungskurs und gewann 0,4 Prozent.

“Einige ihrer Aussagen wurden von Anlegern offenbar fälschlicherweise als Aufforderung an die Fed zu Zinserhöhungen interpretiert”, sagte James Athey, Manager beim Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Die Kursreaktionen zeigten, wie nervös Investoren seien. “Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicher zu stellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt”, hatte Yellen unter anderem gesagt. Später betonte sie, dass dies weder etwas sei, das sie erwarte oder empfehle.

Ein Straffung der US-Geldpolitik sei ohnehin auf absehbare Zeit nicht in Sicht, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Schließlich werde die Notenbank Fed nicht müde zu betonen, dass ihr Ziel Vollbeschäftigung sei, komme was wolle.

ÖLPREIS ZIEHT AN – KUPFER AUF REKORDHOCH

Genährt wurden die Inflationsspekulationen von den steigenden Rohstoffpreisen. So verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um gut ein Prozent auf 69,61 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in den westlichen Industrienationen würden die Nachfrage in der Sommer-Reisesaison voraussichtlich in die Höhe treiben, prognostizierte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates. Ein landesweiter Lockdown in Indien, wo das Coronavirus derzeit besonders heftig wütet, könnte die Stimmung aber schnell wieder eintrüben, warnten seine Kollegen von der ING Bank. Der Index für die europäischen Öl- und Gaswerte stieg dennoch um 3,2 Prozent.

Unterdessen stieg der Preis für eine Tonne Kupfer um bis zu 0,7 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 10.040 Dollar je Tonne. Gleiches galt für den Index des europäischen Bergbau-Sektors, der zeitweise 618,60 Punkte erreichte. Das Industriemetall profitierte Börsianern zufolge von der Aussicht auf eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft von den Coronavirus-Folgen. Hinzu komme der Trend zur Elektromobilität und zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft, der den Bedarf von Stromleitungen in die Höhe treibe. Gleichzeitig sei das Angebot knapp.

DEUTSCHE POST, MOELLER-MAERSK UND T-MOBILE US IM AUFWIND

Das “stärkste Auftaktquartal aller Zeiten” und angehobene Gesamtjahresziele hievten die Papiere der Deutschen Post auf ein Rekordhoch von 51,30 Euro. Der Logistik-Konzern sei für 2021 optimistischer als er, schrieb DZ Bank-Analyst Dirk Schlamp. “Die Tatsache, dass die Post auch die Mittelfristziele angehoben hat, unterstreicht, dass das Unternehmen auch für die Post-Covid-Zeit zuversichtlich gestimmt ist.” Die “Aktie Geld” schloss 4,6 Prozent im Plus bei 50,88 Euro.

Auch Moeller-Maersk blickt optimistisch in die Zukunft. Das Quartalsergebnis der Containerschiff-Reederei liege im Rahmen der Markterwartungen, kommentierte Analyst David Kerstens von der Investmentbank Jefferies. Die neuen Gesamtjahresziele lägen aber deutlich darüber. Darüber hinaus kündigte das Unternehmen weitere fünf Milliarden Dollar schwere Aktienrückkäufe an. Die Aktie stieg daraufhin in Kopenhagen um sieben Prozent.

Nach einem Umsatz- und Gewinnsprung hob auch T-Mobile die Gewinnziele an. Dank des stetigen Kundenzustroms und Einsparungen durch die Fusion mit dem Rivalen Sprint rechne er mit steigenden Mittelzuflüssen bei der US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, prognostizierte Analyst Colby Synesael vom Vermögensverwalter Cowen. Außerdem stehe 2023 ein Aktienrückkauf auf der Agenda. T-Mobile-Titel rückten vier Prozent vor.

 

US-Finanzministerin – Womöglich moderate Erhöhung der Zinsen nötig

“Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicher zu stellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt”, sagte Yellen in aufgezeichneten Bemerkungen zu einer Online-Veranstaltung des Magazins “The Atlantic” am Dienstag. Dabei sprach sie von “sehr moderaten Erhöhungen” der Zinsen. Die US-Wirtschaft benötige jedoch die Investitionen, um wettbewerbsfähig und produktiv zu sein. “Ich denke, unsere Wirtschaft wird durch sie schneller wachsen,” ergänzte sie.

Später sagte Yellen auf einer Veranstaltung vom “Wall Street Journal”, sie gehe nicht davon aus, dass die Inflation ein Problem für die US-Wirtschaft darstellen werde. Die Preiserhöhungen während der Konjunkturerholung seien nämlich nur vorübergehend. Mit Blick auf ihre früheren Äußerungen zu möglichen leichten Zinserhöhungen erklärte sie: “Das ist nichts, das ich erwarte oder empfehle”.

Biden will der US-Wirtschaft mit einem mehr als zwei Billionen Dollar schweren Infrastrukturprogramm aus der Corona-Krise helfen. Damit sollen vor allem Jobs für Arbeiter und die Mittelschicht geschaffen werden. Darüber hinaus plant Biden eine Stärkung amerikanischer Familien und mehr Ausgaben für Bildung. Die Programme würden einen “großen Unterschied” machen, was die Ungleichheit in den USA angehe, sagte die frühere Fed-Chefin Yellen. Die Republikaner haben dagegen die anvisierten Steuererhöhungen kritisiert, mit den Biden die Vorhaben finanzieren will. Yellen stand vor Notenbankchef Jerome Powell von 2014 bis 2018 an der Spitze der Federal Reserve.

 

Sparkassen-Ökonomen – Globale Verschuldung drückt auf Wirtschaftsentwicklung

Durch das Eingreifen von Notenbanken und niedrige Zinsen könnten viele Länder derzeit ihre Schuldenlast zwar tragen, erklärten die Experten der Sparkassen-Finanzgruppe am Dienstag. “Doch wenn Konjunktur, Teuerung und Zins erst wieder anziehen, wird die notwendige Sanierung und Konsolidierung umso schmerzlicher”, warnte Chefvolkswirt Reinhold Rickes vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband.

In den Industrieländern dürfte es nach der Pandemie vorübergehend konjunkturell wieder besser laufen. “Wir werden einen Boom nach der Krise bekommen”, sagte Chefvolkswirtin Gertrud Traud von der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba). Die Staaten könnten sich allerdings auch durch kräftiges Wirtschaftswachstum nicht so schnell ihrer Schulden entledigen, hieß es. Wichtig sei es, in Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung und Gesundheit zu investieren. Im Gegenzug müsse die Politik genau überlegen, für welche Bereiche sie weniger ausgeben wolle, sagte Traud. Hier müsse man sich etwa Subventionen genau anschauen.

Noch besorgniserregender sei die Situation in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Bis zum Beginn der Finanzkrise 2008 sei es durch Programme des Internationalen Währungsfonds (IWF) und Entschuldungsinitiativen gelungen, die Staatsverschuldung dort zu reduzieren. Seit der Finanzkrise habe sich der Trend wieder umgekehrt und die Corona-Pandemie habe das Problem beschleunigt.

“Gerade in den ärmsten Ländern – zum Beispiel Kenia, Pakistan, Ecuador und Äthiopien – mussten schon vor der Pandemie mehr als ein Fünftel der Exporterlöse für den Schuldendienst des Staates aufgewendet werden”, sagte Traud. Die Corona-Krise habe in den meisten Ländern die Einnahmen aus dem Auslandsgeschäft einbrechen lassen und damit den Schuldendienst erschwert. Es sei deshalb gut, dass weltweit über Schuldenerleichterungen für diese Länder gesprochen werde, betonte Traud. Schuldenschnitte für Industriestaaten lehnte sie allerdings ab.