Intel reserviert Kapazitäten für Autobauer in irischer Chipfabrik

Konzernchef Pat Gelsinger sagte am Dienstag auf der Automesse IAA laut Redetext, Intel habe ein Programm ins Leben gerufen, um es den von der globalen Chipknappheit gebeutelten Autobauern zu ermöglichen, ihre Chips in Intel-Fabriken herzustellen. Einzelheiten dieses Programms namens “Intel Foundry Services Accelerator” will der Intel-Chef der Branche auf der Messe präsentieren. Intel zufolge sind seine Herstellungsverfahren weitaus fortschrittlicher als die meisten der heute in der Automobilindustrie verwendeten Technologien zur Chipproduktion.

Mehrere Autobauer und wichtige Zulieferer, darunter BMW, Volkswagen, Daimler und Bosch, haben Intel zufolge ihr Interesse für das Programm signalisiert. Ein Sprecher wollte aber nicht sagen, ob Intel diese Firmen bereits als Kunden dafür gewonnen habe. Für den weltgrößten Chipkonzern ist die Autobranche wichtig. Bis 2030 würden Chips 20 Prozent der Kosten von Fahrzeugen ausmachen, fünfmal mehr als noch 2019, sagte Gelsinger laut Redetext.

 

Gartner – Chip-Engpässe dauern bis Mitte 2022 an

“Aktuell ist die Nachfrage höher als das Angebot. Es wird sechs bis neun Monate oder noch länger dauern, bis sich das ausgleicht”, sagte Chip-Analyst Alan Priestley in einem am Mittwoch veröffentlichten Gespräch mit Reuters. Ein normales Niveau dürfte erst Mitte 2022 erreicht werden. Bis dahin werde die Verfügbarkeit von Chips die Produktion von vielen elektronischen Produkten einschränken.

Laut Priestley lassen sich neue Kapazitäten nicht einfach hinzufügen, “weil die Fabriken in der Regel sowieso mit einer Auslastung von 95 Prozent arbeiten.” Zudem sei die Fertigung von Halbleitern “sehr komplex und teuer” und es dauere bis zu drei Jahre, eine Fabrik hochzuziehen. Die derzeitige Knappheit habe aber vielen Industrieländern die Abhängigkeit von den drei großen Halbleiteranbietern Intel, TSMC und Samsung Electronics vor Augen gehalten. Deswegen versuchten nun einige, den Bau von Fabriken zu fördern und subventionieren, um zumindest eine bessere Verteilung der Werke rund um den Globus zu erreichen. Intel hat bereits angekündigt, ein Werk in Europa errichten zu wollen und erwägt, dafür einen Standort in Deutschland zu wählen.

 

Marke VW bekommt Chipkrise zu spüren – Ausblick bleibt vorsichtig

Die nach Absatz größte Marke der Wolfsburger Autogruppe behält ihre vorsichtige Prognose einer operativen Rendite zwischen drei und vier Prozent deshalb bei. VW begründete dies am Freitag bei der Präsentation der Zahlen für das erste Quartal mit fehlenden Computerchips und Elektronikbauteilen. Dies hatte schon in den vergangenen Wochen zu Produktionsausfällen geführt. “Die Auswirkungen werden wir vermehrt im zweiten Quartal sehen”, sagte ein Sprecher. Der Konzern hingegen hatte seine Prognose leicht angehoben und stellt nun bis zu sieben Prozent Marge in Aussicht.

Die Marke mit dem VW-Logo, die für ein Drittel des Konzernabsatzes steht, benötigt besonders viele Chips. Angaben über die Höhe der erwarteten Belastungen macht VW nicht. Konzernchef Herbert Diess hatte an Vortag gesagt, das Management sei mit Halbleiterkonzernen wie Infineon und Intel in Kontakt, um für die kommenden Jahre mehr Kapazitäten zu bekommen. Dafür seien Investitionen erforderlich, man arbeite an einem Plan. Bis die Versorgungsprobleme behoben seien, werde aber noch einige Zeit vergehen.

In der Branche gehen viele davon aus, dass die Lieferung von Bauteilen erst im nächsten Jahr wieder reibungslos läuft. Volkswagen hat trotz des weltweiten Chipmangels inmitten der Pandemie eines der besten ersten Quartale seiner Geschichte eingefahren. Der Gewinn stieg vor allem, weil die Ertragsstützen Porsche und Audi und die Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti ihre Auslieferungen teils deutlich steigerten.

 

Chip-Knappheit kommt Volkswagen in die Quere

– von Jan Schwartz

Europas größter Autobauer erzielte im Auftaktquartal operativ zwar einen der höchsten Gewinne in seiner Geschichte, rechnet für die laufenden Monate aber mit erheblich mehr Gegenwind. Die Unterversorgung mit Halbleitern in der gesamten Industrie werde im zweiten Quartal “deutlichere Auswirkungen haben als bisher” und den Gewinn belasten, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz am Donnerstag bei der Präsentation der Zwischenbilanz. Die Produktion von E-Autos sei von dem Mangel bisher weitgehend unbeeinflusst, ergänzte Konzernchef Herbert Diess bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Er könne aber nicht ausschließen, dass es dort ebenfalls zu Engpässen komme.

Wegen fehlender Chips und anderen elektronischen Teilen hatte Volkswagen in den vergangenen Wochen wiederholt die Produktion drosseln und Kurzarbeit anmelden müssen. Weltweit haben die Autobauer damit zu kämpfen, weil die Lieferanten seit Ausbruch der Corona-Krise vorrangig Computerhersteller und Anbieter von Unterhaltungselektronik bedienen. Als sich die Pkw-Nachfrage Ende 2020 schneller als erwartet erholte und die Autoindustrie dringend Chips benötigte, waren die Kapazitäten bereits vergeben. Auch der Autozulieferer Continental, von dem Volkswagen viele Teile bezieht, rechnet erst für das zweite Halbjahr mit einem Nachlassen der Lieferengpässe: “Wir sehen, dass das zweite Quartal wahrscheinlich der Höhepunkt der Knappheit ist und es dann besser werden wird”, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer.

Diess erklärte den akuten Mangel damit, dass während des Wintersturms in den USA mehrere Halbleiterfabriken ausfielen und ein Brand beim japanischen Hersteller Renesas die Lage verschärfte. Volkswagen führe mit Lieferanten Gespräche, um die Versorgung abzusichern. Außerdem sei der Konzern mit großen Halbleiterkonzernen wie Infineon und Intel in Kontakt, um für die kommenden Jahre mehr Kapazitäten zu bekommen. Dafür seien Investitionen erforderlich, man arbeite an einem Plan. Bis die Versorgungsprobleme behoben seien, werde noch einige Zeit vergehen. In der Branche gehen viele davon aus, dass die Lieferung von Computerbauteilen erst im nächsten Jahr wieder reibungslos läuft.

EINEN TICK OPTIMISTISCHER

Der Wolfsburger Autoriese schöpft wegen der gestiegenen Pkw-Nachfrage denn auch nur vorsichtig Hoffnung. Obwohl sich das operative Ergebnis im ersten Quartal auf 4,8 Milliarden Euro verfünffachte und die Orderbücher voll sind, traut sich Volkswagen nur eine kleine Anhebung des Ausblicks zu. Statt einer operativen Rendite am oberen Ende der Spanne zwischen fünf und 6,5 Prozent werden nun bis zu sieben Prozent in Aussicht gestellt. Im Zeitraum Januar bis März lag die Gewinnmarge des Konzerns mit 7,7 Prozent oberhalb dieses Korridors, nach mageren 1,6 Prozent vor einem Jahr.

Diess gab sich zuversichtlich: “Wir sind mit viel Momentum ins Jahr gestartet und operativ stark unterwegs”, erklärte er. Die Offensive bei E-Autos nehme weiter Fahrt auf und bei der Transformation komme Volkswagen gut voran. “Im weiteren Jahresverlauf ist noch viel von uns zu erwarten.” An der Börse konnte er damit nur zeitweise punkten. Nach anfänglichen Kursgewinnen drehte die VW-Aktie ins Minus.

LUXUSAUTOS GEFRAGT

Zu dem starken Jahresstart trug vor allem die rasante Erholung in China bei, wo die Auslieferungen nach dem Stillstand zu Beginn des vergangenen Jahres um 61 Prozent kletterten. Weltweit schlug Volkswagen im ersten Quartal mit 2,4 Millionen Fahrzeugen ein Fünftel mehr Fahrzeuge los als vor Jahresfrist. Vor allem die Ertragsstützen Porsche und Audi und die Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti steigerten ihre Auslieferungen teils deutlich. Das robuste Geschäft ließ auch den Mittelzufluss anschwellen. Der Netto-Cash-Flow im Autogeschäft übertraf mit 4,7 Milliarden Euro das erste Quartal des Vorkrisenjahres 2019 um mehr als das Doppelte. Die Liquidität verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel auf rund 29,7 Milliarden Euro.

Damit dürften die ehrgeizigen Investitionspläne für den Umbau zu einem Mobilitäts- und Technologieunternehmen, das neben Elektroautos auch selbstfahrende Fahrzeuge und damit verbundene Dienste anbietet, fürs Erste gesichert sein. Diess sagte, er sei sicher, dass Volkswagen die Transformation aus dem Cash-Flow bestreiten könne. Der Frage nach einem möglichen Börsengang der Ertragsperle Porsche, die im ersten Quartal mit einer Rendite von 16,7 Prozent glänzte, wich er aus. Diess hat mehrfach erklärt, dass der diesbezüglich keinen akuten Handlungsbedarf sieht.

 

Infineon macht Zulieferer für Chip-Engpässe verantwortlich

Große Auftragshersteller wie TSMC hätten nicht ausreichend investiert, um der Nachfrage nachzukommen, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss am Dienstag. “Wir erwarten, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch einige Zeit bestehen bleibt mit dem Risiko, dass es bis 2022 anhält.” Im Autosegment, das für 45 Prozent des Umsatzes steht, werde sich die Lage in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres entspannen. Der verlorene Umsatz werde aber wohl erst 2022 wieder aufgeholt werden.

Während Infineon Leistungshalbleiter und Logik-Chips selbst produziert, ist das Unternehmen bei Microcontrollern von Lieferanten abhängig. Branchenführer TSMC plant Insidern zufolge den Bau von mehreren weiteren Fabriken im US-Bundesstaat Arizona. Unklar ist, wie groß diese Fertigungsstätten ausfallen sollen. Erst im vergangenen Monat hatte TSMC angekündigt, in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Kapazitäten zu investieren. Auch in Europa soll die Produktion von Chips ausgebaut werden. Der zuständige EU-Kommissar Thierry Breton führte dazu zuletzt eine Reihe von Spitzengesprächen mit wichtigen Firmen der Branche, mit dem Ziel, die Chip-Produktion in Europa zu erhöhen. Intel-Chef Pat Gelsinger brachte zuletzt Deutschland als möglichen Standort für eine Chipfabrik ins Spiel und sprach sich für Staatshilfen in Milliardenhöhe für ihren Bau aus.

Infineon-Chef Ploss kündigte für sein Unternehmen Investitionen mit Augenmaß an. Die Fabrik in Villach werde den Betrieb im vierten Quartal des Geschäftsjahres (bis Ende September) aufnehmen, das seien drei Monate früher als zunächst geplant. Ein wichtiger Meilenstein sei geschafft, die Reinräume könnten nun mit Fertigungsanlagen ausgestattet werden. Die Chipbranche ist berüchtigt für ihre ausgeprägten Zyklen, in denen sich Zeiten von Knappheit mit Überkapazitäten abwechseln.

PROGNOSE ANGEHOBEN

Auf das Gesamtjahr blicken die Münchner etwas optimistischer als noch im Februar. Das Unternehmen sagte einen Umsatz von elf Milliarden Euro für die zwölf Monate bis Ende September voraus, wenn der Dollar einigermaßen stabil bleibe. Auch die Umsatzrendite soll sich mit 18 Prozent etwas besser entwickeln als zuletzt angenommen. Allerdings dürften die Folgen des zeitweiligen Stillstands des Werks in Austin im US-Bundesstaat Texas das Umsatzwachstum vor allem im dritten Quartal dämpfen. An der Börse gaben die Aktien 4,5 Prozent nach und waren damit Schlusslicht im Dax. Analysten sprachen von Gewinnmitnahmen: “In diesem Quartal hat es sich für die Halbleiterhersteller nicht immer ausgezahlt, die Erwartungen zu übertreffen”, schrieben die Experten bei der UBS.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres lag der Umsatz bei 2,7 Milliarden Euro und damit rund ein Drittel höher als vor Jahresfrist. Das Segmentergebnis schnellte um 72 Prozent nach oben auf 470 Millionen Euro. Beide Kennzahlen fielen etwas besser aus als vom Unternehmen befragte Analysten erwartet hatten. Der Konzernüberschuss verbesserte sich um 14 Prozent auf 203 Millionen Euro.