Europas Börsen bleiben trotz Corona-Sorgen auf Erholungskurs

Die rasche Verbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus dämpfte die Kauflaune der Anleger allerdings etwas. Der Dax stieg am Freitagnachmittag um 0,9 Prozent auf 15.557 Punkte, der EuroStoxx50 kletterte um 1,3 Prozent auf 4042 Zähler. Auch an der Wall Street ging es vorbörslich bergauf. “Es gibt noch immer eine größere Zahl an Investoren, die die Rally unterinvestiert beobachtet haben oder die an der Seitenlinie auf günstigere Einstiegskurse warten”, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

Auf Wochensicht lagen die europäischen Indizes allerdings im Minus. “Offenbar setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Impfprogramme allein nicht ausreichen, um die Wirtschaft zu ihrer Normalität vor Corona zurückzubringen”, sagte Anlagestratege Jim Reid von der Deutschen Bank. Dennoch sind Impfstoff-Hersteller für die Börsen weiterhin Zugpferde: Investoren griffen am Freitag zu den Titeln von BioNTech, die sich um mehr als vier Prozent verteuerten. Die Biotechfirma und ihr US-Partner Pfizer wollen in den USA, der EU und anderen Ländern die Zulassung für eine Auffrischungsimpfung gegen den Erreger Covid-19 beantragen. Erste Testergebnisse deuteten darauf hin, dass bei einer Auffrischung die Bildung von Antikörpern fünf- bis zehn Mal stärker sei als ohne.

REISEWERTE IM AUFWIND

Gefragt waren europaweit auch Reise- und Tourismuswerte. Deren europäischer Branchenindex gewann 1,6 Prozent, nachdem Großbritannien die Lockerung seiner Einreise-Bestimmungen angekündigt hatte. Das Land will die Quarantäne-Pflicht für vollständig Geimpfte kippen. Dies gab vor allem britischen Fluggesellschaften Auftrieb. EasyJet und die British-Airways-Mutter IAG gewannen jeweils rund zwei Prozent. Der irische Billig-Flieger Ryanair rückte 1,2 Prozent vor. Ein rund 50-prozentiger Anstieg der Auslieferungen bescherte Airbus den größten Kurssprung seit sechs Wochen. Die Aktien des Flugzeugbauers stiegen in Paris um 4,6 Prozent auf 114,02 Euro.

Aktien der dänischen Reederei Moeller Maersk fielen in der Spitze um 3,9 Prozent auf ein Fünf-Wochen-Tief. US-Präsident Joe Biden will bestehende Monopole im Transportsektor aufbrechen und den Wettbewerb auf dem Wasser und der Schiene verbessern. Hierzu sollen Betreiber unter anderem gezwungen werden, ihre Schienennetze für Konkurrenten zu öffnen.

ÖLPREISE STEIGEN – ANGEBOTSENGPASS BEFÜRCHTET

Spekulationen auf einen Angebotsengpass trieben den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um ein Prozent auf 74,82 Dollar je Barrel. “Der Rückgang der US-Lagerbestände untermauert die Einschätzung, dass die dortige Nachfrage mit Beginn der Sommer-Reisesaison anzieht”, sagt Hiroyuki Kikukawa, Chef-Analyst des Brokerhauses Nissan Securities. Gleichzeitig stagniere die Produktion der US-Schieferölförderer. Das mache Investoren trotz des Streits bei der Opec+ um die Förderquoten optimistisch.

 

S&P 500: die Luft wird dünn

Technische Analyse zum S&P 500

Der S&P 500 konnte seinen Kursschub in den vergangenen Tagen fortsetzen und in den anvisierten Zielbereich 4.350-4.400 Punkten vorstoßen. Am Mittwoch markierte er ein Allzeithoch bei 4.362 Punkten. Der Trend bleibt entsprechend in allen Zeitebenen klar bullish. Signifikante Intraday-Rücksetzer lockten in den letzten beiden Handelstagen sofort Schnäppchenjäger an, die die Notierung wieder in den Bereich der Tageshochs beförderten.

Wermutstropfen vorhanden

Unter der Oberfläche sind indes weiterhin Wermutstropfen für die Bullen auszumachen. Vor allem die Marktbreite sendet zahlreiche Warnsignale.  Der Aufschwung wird von nur wenigen Werten getragen, was den Trend anfällig für eine Korrektur oder Umkehr macht. Der McClellan-Oszillator notiert beispielsweise trotz Rekordhoch im negativen Terrain. Während im S&P 100 98 Prozent der Werte über der 200-Tage-Linie notieren, sind es für den gesamten Aktienmarkt lediglich 71 Prozent mit stark sinkender Tendenz. Auch das Sentiment ist gemessen an einigen Indikatoren extrem euphorisch und stellt somit einen Belastungsfaktor dar. Die Saisonalität spricht für eine noch in diesem Monat beginnende Schwächephase.

Kritischer Support im Fokus

Wir favorisieren daher nach Abschluss der laufenden Impulswelle eine mittelfristige Korrekturphase, die den Index ausgehend vom Hoch mindestens 5-10 Prozent abwärts schicken dürfte. Eine preisliche Bestätigung bleibt jedoch noch abzuwarten. Sollte die Marke von 4.400 Punkten überwunden werden, ließen sich noch kurzfristige Ausdehnungsziele bei 4.407/4.419 Punkten und 4.439 Punkten ausmachen. Mit Blick auf die Unterseite befindet sich nächster Support bei 4.314/4.321 Punkten. Ein Rutsch darunter, insbesondere per Tagesschluss, wäre aus unserer Sicht eine erste preisliche Bestätigung für eine ausgedehnte Verschnaufpause von der jüngsten Rally. Potenzielle nächste Auffangbereiche lauten dann 4.287 Punkte und 4.257/4.268 Punkte.

Hinweis:

Trotz sorgfältiger Analyse übernimmt Global Investa keine Gewähr für Inhalt, Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Die bereitgestellten Informationen stellen keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Anlagevermittlung dar.

 

Ölpreis-Rally schürt Inflationsangst an der Börse

Dax und EuroStoxx50 büßten am Dienstag jeweils ein knappes halbes Prozent auf 15.613 beziehungsweise 4078 Punkte ein. Gefragt war dagegen Gold, das sich um ein Prozent auf 1810 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Gleichzeitig kletterte das europäische Inflationsbarometer, der sogenannte Five-Year-Five-Year-Forward, auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch.

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg in der Spitze um 0,9 Prozent auf 77,84 Dollar je Barrel (159 Liter), den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Die US-Sorte WTI gewann bis zu 2,4 Prozent und war mit 76,98 Dollar so teuer wie zuletzt im November 2014. Ausgelöst wurden die aktuellen Käufe durch die geplatzten Gespräche der Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, über die Produktionsquoten. Damit bleiben Börsianern zufolge die aktuellen Beschränkungen in Kraft. “Es wäre nicht überraschend, wenn sich Brent der Marke von 100 Dollar nähert”, warf Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade ein.

“Der Einfluss der höheren Ölpreise wird vorübergehen”, prognostizierte Anlagestratege Sebastien Galy von der Vermögensverwaltung der Nordea Bank. “In einigen Wochen werden beide Seiten sicher zu einer Einigung kommen.” Denkbar wäre auch, dass sich einige Opec-Mitglieder nicht mehr an die Förderbremse gebunden fühlten und die Produktion rasch hochfahren, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.

Der Ölpreis-Anstieg machte Unternehmen aus der Branche für Investoren attraktiver. Der europäische Sektor-Index stieg um bis zu 0,9 Prozent. Der russische Leitindex erreichte sogar ein Rekordhoch.

PERSONALMANGEL GEFÄHRDET ZIELE VON SHOP APOTHEKE

Am deutschen Aktienmarkt steuerten die Titel von Shop Apotheke dagegen mit einem Minus von zeitweise knapp 14 Prozent auf den größten Tagesverlust seit einem knappen Dreiviertel Jahr zu. Die Online-Apotheke habe enttäuschende Quartalsergebnisse vorgelegt und sehe wegen Personalmangels die Gesamtjahresziele in Gefahr, kommentierte Analyst Alexander Thiel von der Investmentbank Jefferies. Offenbar verliere das Unternehmen Marktanteile an den Rivalen Zur Rose. Dessen Aktien fielen in Zürich um 1,3 Prozent.

In London konnten die Titel von Ocado ihre Anfangsgewinne von bis zu vier Prozent nicht halten und gaben rund ein Prozent nach. Der operative Halbjahresgewinn des Online-Supermarkts liege mit umgerechnet 71 Millionen Euro zwar über den Markterwartungen, sagte ein Börsianer. Die Firma mache unter dem Strich aber immer noch hohe Verluste.

Aufwärts ging es dagegen für das Pfund Sterling. Sein Kurs stieg um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 1,3853 Dollar beziehungsweise 1,1699 Euro. Die britische Währung profitiere von der geplanten Aufhebung der restlichen Corona-Restriktionen in England zum 19. Juli, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. “Andere Staaten werden genau beobachten, wie sich das britische Experiment entwickelt.”

 

DAX: Wie ist die aktuelle Prognose? Jetzt noch kaufen?

Technische Analyse zum DAX Index

(Betrachtung im D1-Chart)

Der DAX konnte seinen Aufwärtstrend oberhalb der 50-Tage-Linie ungeachtet einer volatileren Gangart in den vergangenen Handelstagen verteidigen. Er hält sich weiter in unmittelbarer Rufweite zum Rekordhoch bei 15.803 Punkten. Eine Entscheidung darüber, ob der Index seinem saisonalen Muster treu bleibt und zeitnah eine neue Bestmarke markieren kann, um anschließend nach einem Top im Verlauf des Julis in eine mehrwöchige bis mehrmonatige korrektive Phase überzugehen, sollte in den kommenden Handelstagen fallen.

Kurzfristige Chancen auf der Oberseite bleiben bestehen

Wir favorisieren weiterhin ein temporäres neues Hoch im Dunstkreis der noch ausstehenden potenziellen Zielbereiche bei 15.900/16.000 Punkten oder 16.187-16.274 Punkten im Juli. Dort befinden sich diverse Fibonacci-Extensionsziele, die deckelnde Widerstandslinie entlang der Hochpunkte vom 19. April und 11. Juni sowie die obere Begrenzung (gemessen durch Indikatoren) im Wochenchart. Eine preisliche Bestätigung wäre in einem Tagesschluss oberhalb des aktuellen Widerstands bei 15.803 Punkten zu erblicken. Nach dem anvisierten Hoch rechnen wir mit der Etablierung eines mittelfristigen Abwärtstrends.

Triggerzone auf der Unterseite

Die Alternative wäre aus unserer Sicht ein bereits vorgeschalteter Rutsch unter die kritische Supportzone bei aktuell 15.448-15.461 Punkten, insbesondere per Tagesschluss. Hier fungieren eine horizontale Akkumulationszone und die 50-Tage-Linie als Unterstützungsthemen. In diesem Fall würden wir einen dynamischen Abverkauf in Richtung 15.309 Punkte und nachfolgend 14.816-14.961 Punkte als wahrscheinlich einstufen. Unterhalb der letztgenannten Zone würde sich dann auch das übergeordnete Chartbild signifikant eintrüben.

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Märkte im Blick: S&P 500, DAX, EUR/USD, Bitcoin …

Aktien

Überwiegend weiter positiv gestaltete sich das Bild in der vergangenen Woche an den Aktienmärkten. Für den S&P Global 1200 ging es um 0,69 Prozent aufwärts auf ein neues Rekordhoch. Aus technischer Sicht ergab sich hier mit einem Ausbruch aus einer mehrwöchigen Konsolidierung am Freitag ein Anschlusskaufsignal. Auch der S&P 500 markierte mit einem Plus von 1,67 Prozent auf 4.352 Zähler eine neue historische Bestmarke. In Asien, Europa und den Emerging Markets dominierten derweil die roten Vorzeichen. Für den DAX reichte es gestützt vom schwächeren Euro immerhin zu einem Anstieg um 0,27 Prozent auf 15.650 Punkte. Das Allzeithoch bei 15.803 Punkten bleibt damit in unmittelbarer Rufweite. Hauptthemen waren die grassierende Delta-Variante des Corona-Virus als Belastungsfaktor einerseits und zahlreiche positiv hereingekommene Makro- und Stimmungsdaten andererseits. Die wichtigen am Freitag veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten für den Juni konnten erstmals seit drei Monaten auf der Oberseite überraschen. Statt eines erwarteten Anstiegs der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft um 706.000 konnte die weltgrößte Volkswirtschaft 850.000 neue Stellen schaffen. Zudem wurden die Zahlen für die beiden Vormonate nach oben revidiert.

Devisen

Am Devisenmarkt markierte der Dollar-Index am Freitag unmittelbar nach den Arbeitsmarktdaten ein 3-Monats-Hoch bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Auf Wochensicht stand ein Plus von 0,47 Prozent zu Buche. EUR/USD gab um 0,58 Prozent auf 1,1863 USD nach. Stark gesucht war das Pfund Sterling mit einem Plus von 0,40 Prozent gegenüber dem Greenback und 0,50 Prozent gegenüber der Gemeinschaftswährung. Die Kryptowährungen tendierten ganz überwiegend fest. Der Bitcoin gewann gegenüber dem Dollar 3,08 Prozent hinzu. Ethereum verteuerte sich um 12,19 Prozent.

Rohstoffe

Am Rohstoffmarkt dominierten trotz des starken Dollars die Kursgewinne. Der S&P GSCI Rohstoffindex für 24 Spotpreise haussierte um 2,17 Prozent auf ein 7-Jahres-Hoch bei 541,45 Punkten. Vor allem bei den Agrarstoffen ging es kräftig aufwärts. Die Futures-Preise für Mais und Sojabohnen sprangen um gut 11 respektive 10 Prozent nach oben. Daneben richtete sich der Fokus auf das virtuelle Treffen der Allianz OPEC+. Überraschend konnte man sich hier aufgrund von Differenzen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien noch nicht über mögliche Produktionsanhebungen einigen. Die Sitzung wurde vertagt. Brent-Öl verteuerte sich um 1,05 Prozent auf ein 3-Jahres-Hoch bei 76,17 USD. Gold handelte auf Wochensicht 0,31 Prozent fester bei 1.783 USD.

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DAX: Die Spannung steigt!

Der DAX scheint seine Konsolidierungsphase abschließen zu wollen und drehte in diesem Zusammenhang erst unlängst im Unterstützungsbereich von 15.450 bis 15.500 Punkten wieder auf.

Gespanntes Warten auf die US-Arbeitsmarktdaten

Am bevorstehenden Freitag stehen wieder die US-Arbeitsmarktdaten (NFP) auf der Agenda. Diese könnten weiteren Auftrieb in Richtung eines neuen Allzeithochs liefern. Kurse über 16.000 Punkte wirken daher nur als Frage der Zeit. Unter mittelfristigen Projektionsgesichtspunkten erlaubt sich oberhalb dieser runden Kursmarke jedenfalls weiteres Aufwärtspotenzial bis 16.665 Punkten. Die Bullen bleiben dementsprechend auf Kurs und sorgen für einen Fortbestand der generell als absolut intakt zu definierenden Rally-Bewegung. Erhöhte Volatilität muss jedoch am Freitag einkalkuliert werden. Dabei werden die Karten für den weiteren Kursverlauf im Juli gemischt.

Bärisches Szenario

Kritisch für alle Bullen würde es ohnehin erst bei einem Rückgang unter das Reaktionstief vom 21. Juni werden. Notierungen unterhalb von 15.300 Punkten lassen dabei weitere Verluste in Richtung der Marke von 14.800 Punkten zu.

Hinweis

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Immobilien-Großfusion hievt Europas Börsen auf Rekordhochs

Abbröckelnde Kurse an der Wall Street machten einen Teil der anfänglichen Gewinne aber wieder zunichte. Der Dax stieg am Dienstag zeitweise auf 15.568,60 Punkte und schloss 0,2 Prozent im Plus bei 15.456,09 Zählern. Der breit gefasste Stoxx600 rückte auf bis zu 447,15 Stellen vor. Der Auswahlindex EuroStoxx50 notierte am Abend knapp im Plus bei 4040,30 Punkten. An der Wall Street büßte der US-Standardwerteindex Dow Jones dagegen 0,2 Prozent ein.

Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia macht einen neuen Anlauf, um den Rivalen Deutsche Wohnen für 52 Euro je Aktie und damit insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro zu schlucken. Die Offerte sei recht attraktiv und die angestrebten Einsparungen erreichbar, kommentierte Analyst Kai Klose von der Berenberg Bank. Durch den freiwilligen Mietendeckel werde das Einnahmenwachstum hier aber hinter den angestrebten drei bis 3,8 Prozent zurückbleiben.

Vonovia-Aktien fielen zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Tief von 48,57 Euro und verabschiedeten sich 6,1 Prozent im Minus bei 48,91 Euro in den Feierabend. Die Papiere von Deutsche Wohnen verbuchten dagegen mit einem Plus von fast 16 Prozent auf 52,06 Euro den größten Tagesgewinn seit zwölf Jahren.

GUTE STIMMUNG IN DEUTSCHLANDS CHEF-ETAGEN

Rückenwind erhielten die Aktienmärkte auch vom überraschend starken Anstieg des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. “Die Weichen sind auf Erholung und Aufschwung gestellt”, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. “Es geht nur noch darum, wie stark die Erholung ausfallen wird.” Engpässe bei Vorprodukten könnten das Wachstum zwar bremsen, aber nicht gefährden.

Hiervon profitierten unter anderem die Finanzwerte, die sensibel auf Konjunkturaussichten reagieren. Der europäische Bankenindex stieg auf bis zu 139,57 Punkte, den höchsten Stand seit Ausbruch der Coronavirus-Krise in Europa Anfang 2020. Die Papiere der Deutschen Bank markierten mit 12,51 Euro zeitweise sogar ein Drei-Jahres-Hoch.

FED DÄMPFT INFLATIONSSORGEN

Erleichtert reagierten Anleger zudem auf das jüngste erneute Bekenntnis der Fed zu ihrer ultra-lockeren Geldpolitik. Direktorin Lael Brainard wiederholte außerdem das Mantra der US-Notenbank, dass der aktuelle Inflationsanstieg vorübergehend sei. Aktuell schenkten Anleger diesen Beteuerungen Glauben, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. “Das ist allerdings ein Katz-und-Maus-Spiel”, warnte Giles Coghlan, Chef-Devisenanalyst des Brokerhauses HYCM. “Irgendwann wird die Drosselung der Wertpapierkäufe kommen.” Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Dienstag um bis zu 0,4 Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 89,533 Punkten.

Die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen gab Technologie-Werten Auftrieb. Der europäische Branchenindex stieg um 1,4 Prozent. An der Wall Street rückten Konzerne wie Amazon, Facebook oder der Google-Mutter Alphabet bis zu 0,8 Prozent vor. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

Bei den Kryptowährungen ging die Achterbahnfahrt weiter. Bitcoin verbilligte sich um zwei Prozent auf 38.233 Dollar, nachdem die älteste und wichtigste Cyber-Devise über das lange Wochenendes in einer Spanne zwischen 43.000 und 31.000 Dollar geschwankt hatte. “Die Sorgen vor weiteren schärferen Regulierungen nimmt den Optimisten offensichtlich die Luft zum Atmen”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Ende vergangener Woche hatten chinesische Behörden die Zügel angezogen. Einige Kryptowährungsfirmen kündigten daraufhin ihren Rückzug aus dem Land an.

Anleger bleiben vor Fed-Entscheid vorsichtig

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 15.255 beziehungsweise 4012 Punkte. Investoren seien hin- und hergerissen zwischen soliden Firmenbilanzen und den steigenden Coronavirus-Fallzahlen in einigen Ländern wie Indien, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activtrades.

US-Notenbankchef Jerome Powell werde nach den geldpolitischen Beratungen am Mittwoch voraussichtlich sein Mantra einer auf absehbare Zeit ultra-lockeren Geldpolitik wiederholen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Trotz der sich verbessernden Konjunkturdaten bleibt die Fed im Krisenmodus.” Die Notenbank werde eine deutliche Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sowie eine deutliche Entspannung der Gesundheitslage abwarten, bevor sie ihre Wertpapierkäufe drossele, prognostizierten die Analysten der Bank Unicredit.

Die unverändert positive Grundstimmung am Markt spiegelte sich unter anderem in Kursgewinnen der Reise- und Touristikbranche wider. Dank eines wachsenden Tempos bei den Corona-Massenimpfungen in der EU stieg der europäische Branchenindex auf ein Rekordhoch von 282,16 Punkten. Der Sektor hatte in den vergangenen Monaten besonders stark unter den Pandemie-Beschränkungen gelitten.

ÖLPREIS IM AUFWIND – KUPFER AUF ZEHN-JAHRES-HOCH

Aufwärts ging es auch für den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 65,98 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger warteten gespannt auf die Ergebnisse der Beratungen der großen Export-Staaten zu den Förderquoten. “Sollte die Opec+ die Lage in Indien ignorieren, könnten sich die Kursgewinne schnell in Luft auflösen”, warnte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad. Das aufstrebende Schwellenland ist einer der weltweit wichtigsten Öl-Abnehmer.

Unterdessen setzte Kupfer wegen möglicher Angebotsengpässe seinen Höhenflug fort. Das Industriemetall gewann gut zwei Prozent und war mit 9965 Dollar je Tonne zeitweise so teuer wie zuletzt vor zehn Jahren. “Chilenische Hafenarbeiter haben wegen Streits über die Altersversorgung zum Streik aufgerufen”, erläuterte Analyst Carsten Menke von der Bank Julius Bär. “Sie werden von den Bergbaugewerkschaften unterstützt.” Chile ist ein wichtiger Kupfer-Lieferant, und die weltweite Nachfrage übertrifft bereits jetzt das Angebot.

Gefragt war auch Bitcoin, das sich um drei Prozent auf 54.999 Dollar verteuerte. Angeheizt werde die Rally von den Plänen der Bank JPMorgan, einen Fonds für diese Kryptowährung aufzulegen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Ein US-Bitcoin-Fonds wäre ein weiterer Ritterschlag.”

ÜBERNAHMEFANTASIE UM HELLA – UBS UNTER DRUCK

Am deutschen Aktienmarkt rückte am Mittag Hella ins Rampenlicht. Einem Magazinbericht zufolge sondiert die Industriellenfamilie Hueck, die zusammen mit der Familie Röpke 60 Prozent an dem Autozulieferer hält, den Markt für einen Verkauf ihrer Anteile. Eine solche Transaktion könnte eine Übernahmeofferte für die übrigen Aktionäre nach sich ziehen und der Konzern könnte von der Börse genommen werden, kommentierte Analyst Sascha Gommel von der Investmentbank Jefferies. Hella-Aktien verbuchten mit einem Plus von zeitweise knapp 13 Prozent den zweitgrößten Kurssprung der Firmengeschichte.

Die Titel von UBS fielen dagegen in Zürich um knapp drei Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos verhagelte der Bank die Bilanz. Die finanziellen Belastungen seien zwar geringer als beim Rivalen Credit Suisse, aber höher als gedacht, sagte Markets.com-Experte Wilson.

 

Schweizer Börse gibt nach – Anleger verkaufen Novartis und UBS

Der Leitindex SMI sank um weitere 0,7 Prozent auf 11.087 Punkte. Vor der US-Zinsentscheidung scheuten Investoren vor dem Aufbau neuer Positionen zurück. Zudem lasteten kräftige Kurseinbussen des Schwergewichts Novartis und der Grossbank UBS auf den Index.

Die Novartis-Aktien verloren 1,8 Prozent. Die Corona-Pandemie hat dem Pharmakonzern den Jahresauftakt verhagelt, Konzernumsatz und -gewinn sanken im ersten Quartal. Novartis hält zwar an der Jahresprognose fest, doch bei der Generika-Tochter Sandoz dürfen die Verkäufe dieses Jahr zurückgehen

Die UBS-Anteile ermässigten sich um 1,9 Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos Capital kostet das grösste Schweizer Geldhaus im ersten Quartal 774 Millionen Dollar – deutlich mehr als Experten erwartet hatten.

Zu den Gewinnern dagegen gehörte ABB mit einem Kursplus von 1,2 Prozent. Der Elektrotechnikkonzern bringt einen möglichen Börsengang seines Geschäfts mit Ladetechnik für Elektroautos auf den Weg.

 

US-Industrie fährt im März kleines Auftragsplus ein

Die Bestellungen für langlebige Gebrauchsgüter wie Flugzeuge und Maschinen stiegen lediglich um 0,5 Prozent zum Vormonat, wie das Handelsministerium am Montag mitteilte. Ökonomen hatten mit einem weit größeren Plus von 2,3 Prozent gerechnet, nach einem Rückgang von revidiert 0,9 Prozent im Februar. In einer ersten Schätzzahl war für Februar noch ein Minus von 1,2 Prozent ermittelt worden.

“Die US-Industrie kann nicht mit den erwartet starken Auftragswerten glänzen”, führte Ökonom Ulrich Wortberg von der Helaba aus. Allerdings seien die aufwärts revidierten Februarwerte zu beachten. Darüber hinaus signalisierten die Stimmungsbarometer eine anhaltende Erholung. Die US-Wirtschaft wuchs im April in Rekordgeschwindigkeit: Der Einkaufsmanagerindex kletterte um 2,5 auf 62,2 Punkte, wie das Institut IHS Markit jüngst zu seiner Firmenumfrage mitteilte. Seit Beginn der Datenerhebung 2009 wurde noch kein höherer Wert ermittelt. Das Barometer signalisiert bereits ab 50 ein Wachstum.

Experten trauen der weltgrößten Volkswirtschaft in diesem Jahr ein kräftiges Wachstum zu. Ein Grund dafür ist das rasche Impftempo, das schneller als anderswo zu Lockerungen von Lockdown-Maßnahmen führt.