Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro für Netzgebühren

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund in einem ersten Schritt die Stromtarife mit Milliarden-Hilfen.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, bestätigte Wirtschaftsminister Robert Habeck am Mittwoch eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters. “Wir sorgen jetzt dafür, dass diese Kostensteigerungen aufgefangen werden und verhindern damit eine zusätzliche Belastung für Industriebetriebe, Mittelstand und Verbraucherinnen und Verbraucher”, sagte der Grünen Politiker. Ohne die Hilfe hätten sich die Entgelte verdreifacht. Die Netzbetreiber hatten zuvor erklärt, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Habeck sagte, die knapp 13 Milliarden Euro würden zunächst vom Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) genommen. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Regierungskreise – Bund dämpft Strompreis mit 13 Milliarden Euro

– von Markus Wacket

Berlin (Reuters) – Im Kampf gegen rasant steigende Energiepreise dämpft der Bund mit Milliarden-Hilfe die Stromtarife.

Knapp 13 Milliarden Euro würden zugeschossen, um die Gebühren von Haushalten und Industrie für die Nutzung der Übertragungsnetze auf aktuellem Niveau zu stabilisieren, sagten mit den Planungen Vertraute am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Eigentlich hätten sich die Entgelte für 2023 wegen der Energiekrise auf um die zehn Cent von etwa drei Cent pro Kilowattstunde mehr als verdreifachen müssen, sagten die Insider. Die Netzbetreiber bestätigten, dass die Gebühren bei gut drei Cent bundesweit einheitlich bleiben und der Bund dies stabilisiere. Zur Höhe des Zuschusses äußerten sie sich nicht.

Bei Haushaltskunden schlagen die Kosten für die Übertragungsnetze mit etwas unter zehn Prozent des Gesamt-Strompreises zu Buche. Bei Industriekunden etwa aus der Chemie- oder Stahlbranche sind es bis zu einem Drittel. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zunächst nicht.

Hintergrund der gestiegenen Kosten sind die großen Ungleichgewichte im europäischen Stromnetz etwa wegen des Ausfalls vieler französischer Atomkraftwerke. Der Kosten des Reserve-Einsatzes von Kohlemeilern schlägt bei den Entgelten ebenfalls durch. Daher verursacht die Stabilisierung des Netzes deutlich höhere Kosten als in der Vergangenheit. Die vier Übertragungsnetz-Betreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW berechnen die Höhe des Entgelts.

Neben den ohnehin stark gestiegenen Basis-Strompreisen zeichneten sich zuletzt rasant steigende Netznutzungskosten ab. Diese setzen sich zum einen aus denen für die großen Übertragungsleitungen und der örtlichen Verteilnetzen zusammen. Diese werden auf den Strompreis aufgeschlagen. Bei den Übertragungsnetzen waren es zuletzt insgesamt gut fünf Milliarden Euro, die sich auf rund 18 Milliarden erhöht hätten. Dies wird durch den Zuschuss von knapp 13 Milliarden Euro verhindert.

INSIDER – PREISSTEIGERUNG FÜR KLEINE VERTEILNETZE DROHEN

In der nächsten Woche steht die Veröffentlichung der Verteilnetz-Entgelte an, die voraussichtlich ebenfalls steigen und Haushalte prozentual stärker als die Industrie treffen. In Branchenkreisen hieß es, diese Steigerung könne Privatkunden mit rund vier Cent pro Kilowattstunde treffen. Das wären für einen größeren Haushalt über 100 Euro im Jahr, wenn der Bund nicht auch hier die Entgelte dämpft.

Im Schatten der Gaspreis-Entwicklung waren auch die Strompreise kräftig gestiegen, was große Verbraucher wie die Stahl- oder Aluminiumindustrie hart trifft. In ihrem dritten Entlastungspaket Anfang September hatte die Regierung daher bereits angekündigt: “Um die Haushalte bei den Strompreisen zu entlasten, wird eine Strompreisbremse eingeführt und der Anstieg der Netzentgelte gedämpft.”

Unklar blieb zunächst, woher das Geld genommen wird. In Regierungskreisen war mehrfach auf das Konto zur Förderung Erneuerbarer Energien (EEG-Konto) verwiesen worden. Dort liegen rund 18 Milliarden Euro, die derzeit für Subventionen der Wind- oder Solarenergie nicht benötigt werden. Wegen der hohen Strompreise rechnen sich Bau und Betrieb derzeit auch ohne Zuschüsse.

(Redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Deutschland und Spanien wollen enger zusammenarbeiten

A Coruna (Reuters) – Deutschland und Spanien wollen in der Rüstungs- und Energiepolitik enger zusammenarbeiten.

In einem für die 25. Regierungskonsultationen ausgearbeiteten Aktionsplan bekräftigen beide Regierungen zudem, dass sie auf den Bau der sogenannten MidCat-Gaspipeline von der iberischen Halbinseln nach Mitteleuropa bestehen. “Wir werden uns beide für höhere Verbindungskapazitäten von der Iberischen Halbinsel einsetzen, um deren Beitrag zur sicheren Versorgung ganz Europas zu erhöhen,” heißt es in dem Entwurf. Bis 2025 soll eine Pipeline durch die Pyrenäen gebaut werden, die dann auch Wasserstoff nach Norden transportieren soll. “Die nötigen Gespräche sollen alle Parteien und auch die EU-Kommission führen”, heißt es in Anspielung auf den bisherigen Widerstand der französischen Regierung weiter.

Kanzler Olaf Scholz traf am Mittwochnachmittag mit dem halben Kabinett in Spanien ein. Begleitet wird er unter anderem von Vizekanzler Robert Habeck, Finanzminister Christian Lindner, Außenministerin Annalena Baerbock und Verteidigungsministerin Christine Lambrecht – was den Stellenwert der bilateralen Begegnung unterstreicht. In A Coruna will Scholz zunächst mit Spaniens Regierungschefs Pedro Sanchez zusammentreffen, bevor es eine gemeinsame Kabinettssitzung geben soll.

Als Themen waren zunächst die Energie- und Finanzpolitik in der EU sowie der Krieg in der Ukraine und gemeinsame Rüstungsprojekte genannt worden. Das Bekenntnis zur Rüstungskooperation und einer mit Frankreich koordinierten Rüstungsexportpolitik findet sich auch im Entwurf des Aktionsplans. Als gemeinsame Projekte werden das künftige Luftkampfsystem FCAS, der Eurofighter oder das Transportflugzeug A400M sowie weitere Projekte benannt. Eine mögliche Zusammenarbeit bei einem Luftabwehrschirm, die die spanische Seite ins Spiel gebracht hatte, wird nicht erwähnt.

Zudem wollen beide Staaten ihre Abstimmung bei der Migration, in der Politik gegenüber dem westlichen Balkan, bei der Einhaltung der Rechtsstaatsnormen in der EU, aber auch bei der Außenpolitik in Lateinamerika und Nordafrika verstärken. Künftig sollen – ähnlich wie mit Frankreich – gegenseitig Diplomaten ausgetauscht und ausgebildet werden.

Scholz hatte sich schon zuvor in einem Interview mit “El Pais” dafür ausgesprochen, dass Paris die Blockade gegen die von Spanien und Deutschland gewünschte Gaspipeline durch Frankreich aufgibt. “Die Europäische Union muss sich in puncto Energieversorgung noch stärker miteinander vernetzen”, sagte Scholz der Zeitung. “Insbesondere der Anschluss der Iberischen Halbinsel an das europäische Pipeline-Netz wäre ein ganz wichtiger Schritt für uns alle, deshalb werbe ich für den Bau von MidCat”, betonte der Kanzler. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lehnt den Bau der Pipeline bisher ab, auch weil er Konkurrenz für die französischen Atomkraftwerke und LNG-Terminals fürchtet. Portugal und Spanien verfügen ihrerseits über mehrere LNG-Terminals, über die Flüssiggas angelandet werden kann.

Scholz wehrte zudem spanische Wünsche nach einer weitgehenden Lockerung der EU-Fiskalregeln ab. “Mein Eindruck ist, dass die bisherigen Regeln sich bewährt haben, eben weil sie ein hohes Maß an Flexibilität in Krisenzeiten gezeigt haben”, sagte er. Im Sommer habe die Bundesregierung ihre Vorstellungen einer begrenzten Weiterentwicklung der europäischen Schuldenregeln vorgelegt.

(Bericht von Andreas Rinke, David Latona; redigiert von Scot W. Stevenson; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Siemens Gamesa trennt sich von Onshore-Chef – “Mussten was ändern”

Madrid (Reuters) – Siemens Gamesa trennt sich angesichts anhaltender Verluste vom Chef seiner Sparte für Windkraftanlagen an Land.

Lars Bondo Krogsgaard sei “nicht mehr im Unternehmen”, schrieb der als Sanierer angetretene Vorstandschef Jochen Eickholt in einem Reuters am Mittwoch vorliegenden Memo an die Belegschaft. “Der Beweggrund für diese Entscheidung ist, dass wir angesichts der Verluste im Onshore-Geschäft und der andauernden Enttäuschungen, die zu mehreren Gewinnwarnungen und massiven Abweichungen von Budgets, Prognosen, Plänen und Kosten geführt haben (…), etwas ändern mussten”, hieß es in der E-Mail. Eine Sprecherin der spanischen Tochter des Energietechnik-Konzerns Siemens Energy, sagte, man suche einen Nachfolger.

Krogsgaard sagte, er wünsche seinem “früheren Arbeitgeber und den Kollegen das Beste für die Zukunft”. Der Däne ist seit vielen Jahren in der Windbranche tätig. Von 2015 bis 2017 war er Vorstandschef des Hamburger Konkurrenten Nordex.

Siemens Gamesa macht für die Verluste und Planabweichungen der vergangenen Jahre die Onshore-Sparte verantwortlich. Im Geschäft mit Windrädern an Land hinkt das Unternehmen – anders als bei Anlagen auf hoher See (Offshore) hinter der Konkurrenz her. Eickholt hatte erklärt, er wolle die drängendsten Probleme in der Onshore-Sparte bis Jahresende lösen, defizitäre Projekte würden Siemens Gamesa aber noch bis ins Jahr 2024 belasten – in dem das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben soll. Ende September hatte das Unternehmen den Abbau von 2900 seiner 27.000 Stellen angekündigt.

(Bericht von Isla Binnie; Geschrieben von Alexander Hübner; Redigiert von Olaf Brenner; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Preiswelle ebbt nicht ab – Ifo erwartet 11 Prozent Inflation

Berlin (Reuters) – Ein Ende der Teuerungswelle in Deutschland ist nicht in Sicht, im Gegenteil: Mehr Unternehmen wollen dem Ifo-Institut zufolge in den kommenden Monaten ihre Verkaufspreise heraufsetzen.

Demnach planen alle Lebensmittelhändler mit Preiserhöhungen, wie die Münchner Forscher am Mittwoch zu ihrer Auswertung der September-Umfrage mitteilten. “Das birgt natürlich sozialen Sprengstoff, denn die Haushaltseinkommen steigen weit weniger”, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser der Nachrichtenagentur Reuters. Auch die übergroße Mehrheit der Verkäufer von Drogerie-Artikeln (92,3 Prozent), Blumen, Pflanzen und Zoobedarf (89,6), von Spielwaren (89,0) von Fahrrädern (84,4) und von Papier- und Schreibwaren (83,8) wollen mehr Geld von ihren Kunden verlangen.

“Die Inflationswelle dürfte daher leider noch nicht abebben”, sagte Wollmershäuser. “Vor allem bei Gas und Strom ist noch einiges in der Preispipeline.” Die Zahl der Unternehmen, die mit Preiserhöhungen planen, ist zuletzt in der Gesamtwirtschaft gestiegen: Das entsprechede Barometer kletterte im September auf 53,5 Punkte, von 48,1 im August. Der Saldo ergibt sich, wenn vom prozentualen Anteil der Unternehmen, die ihre Preise anheben wollen, der Anteil derjenigen Betriebe abgezogen wird, die sie senken wollen.

Dabei hatte die Teuerungsrate im September mit 10,0 Prozent bereits den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht. “Die Inflationsrate dürfte in den kommenden Monaten auf jeden Fall auf 11 Prozent steigen”, sagte Konjunkturchef Wollmershäuser. Ab 2023 dürfte dann die von der Bundesregierung angekündigte Gas- und Strompreisbremse wirken. Aber um deren Auswirkung genau beziffern zu können, müsse man deren konkrete Ausgestaltung kennen. Eine von der Regierung ins Leben gerufene Kommission will in den kommenden Tagen konkrete Vorschläge präsentieren.

Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns zum 1. Oktober droht die ohnehin hohe Inflation in Deutschland weiter anzuheizen. 30,7 Prozent der vom Ifo-Institut befragten 6900 Firmen beschäftigen Mitarbeiter für weniger als zwölf Euro pro Stunde. 58,3 Prozent planen als Reaktion auf die nun geltende Lohnuntergrenze von zwölf Euro, ihre Preise hochzusetzen. Bislang lag die gesetzliche Lohnuntergrenze bei 10,45 Euro pro Stunde.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Reinhard Becker. – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

WTO kappt Handelsprognose – Bild für 2023 deutlich eingetrübt

Genf (Reuters) – Die Welthandelsorganisation (WTO) rechnet für das kommende Jahr mit einem spürbar geringeren globalen Handel als zuletzt.

Der Warenhandel werde nur noch um 1,0 Prozent steigen, teilte die WTO am Mittwoch in Genf mit. Bisher war die Organisation noch von 3,4 Prozent Wachstum ausgegangen. “Das Bild für 2023 hat sich deutlich eingetrübt”, sagte die WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala und fügte hinzu, die Risiken für die Prognose des nächsten Jahres seien eher nach unten gerichtet. “Wenn sich der Krieg in der Ukraine verschlimmert anstatt sich zu bessern, wird das enorme Auswirkungen haben.” Für 2022 erwartet die WTO ein Plus von 3,5 Prozent, nachdem sie ihre Schätzung im April von 4,7 auf 3,0 Prozent gesenkt hatte.

Die WTO erklärte, ihre Prognosen seien mit großer Unsicherheit behaftet. Sie gab für dieses Jahr eine Bandbreite der Handelsentwicklung von +2,0 bis +4,9 Prozent an und für 2023 von -2,8 bis +4,6 Prozent. Wetterereignisse, die Lebensmittel produzierende Regionen treffen oder die Infrastruktur für Energieexporte beschädigen, könnten die Entwicklung weiter beeinträchtigen. Dies gelte auch für die schwächere Entwicklung in China, wo Corona-Ausbrüche die Produktion gestört haben.

Okonjo-Iweala sagte, die Welt benötige eine diversifiziertere und weniger konzentrierte Basis für die Produktion von Waren und Dienstleistungen. Dies könnte das Wachstum ankurbeln, die Widerstandsfähigkeit erhöhen und die langfristige Preisstabilität fördern. Denn dies verringere die Anfälligkeit für extreme Wetterereignisse und lokale Störungen.

Die WTO-Chefin warnte auch vor der “verlockenden Reaktion”, auf Handelsbeschränkungen zurückzugreifen. So seien die von verschiedenen Ländern verhängten Beschränkungen für den Export von Nahrungsmitteln und Düngemitteln im vergangenen Monat von 57 auf 42 gesunken – dann aber aufgrund neuer Maßnahmen wieder auf 53 gestiegen. “Diese würden den Inflationsdruck nur verstärken und den Lebensstandard senken und uns wahrscheinlich eher anfälliger für die Krise machen, mit der wir zu kämpfen haben.”

(Bericht von Philip Blenkinsop, geschrieben von Klaus Lauer; – Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax wieder im Minus – Anleger trauen eigener Courage nicht

Frankfurt (Reuters) – Der in den vergangenen Tagen an den Aktienmärkten bestimmende Optimismus ist am Mittwoch wieder abgeebbt.

Der Dax lag am frühen Nachmittag 1,1 Prozent im Minus bei 12.574 Punkten, nachdem er am Dienstag noch knapp vier Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx50 verlor 0,9 Prozent auf 3452 Punkte.

In den vergangenen Tagen hatten Hoffnungen der Anleger auf ein Ende der massiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed den Börsen weltweit Auftrieb gegeben. “Es macht sich zunehmend der Eindruck breit, der Markt ist vorschnell von einem Höhepunkt der Inflation ausgegangen”, sagte Stuart Cole, Ökonom bei Equiti Capital. “Solange wir keinen wesentlichen Rückgang des Verbraucherpreisindexes sehen, werden die Zentralbanken meiner Meinung nach ihre restriktive Haltung beibehalten und eine weitere Abschwächung des Wachstums in Kauf nehmen.”

ADP DATEN IM FOKUS – NEUSEELAND DÄMPFT HOFFNUNG

Deswegen klopfen Investoren alle Konjunkturdaten auf Hinweise zum weiteren Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed ab. Die im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Beschäftigungszahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP brachten allerdings kaum neue Erkenntnisse. Sie gelten als Indikator für die offiziellen Daten am Freitag.

Auch eine weitere drastische Zinserhöhung in Neuseeland dämpfte die Vorstellung, dass die Zentralbanken kurz davor stehen, das Tempo der geldpolitischen Straffung zu drosseln. Die Reserve Bank of New Zealand hob ihren Leitzins wie erwartet um halben Prozentpunkt an, diskutierte allerdings einen Schritt um 0,75 Prozentpunkte und stellte weitere Zinsschritte in Aussicht.

ÖLPREIS VERHARRT VOR OPEC+-TREFFEN

Im Blick stand auch Öl. Im Laufe des Tages beraten das Exportkartell Opec und seine Verbündeten über Förderkürzungen. Insidern zufolge sprechen sie über eine Reduzierung ihrer Förderquoten in Höhe von ein bis zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd). Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent aus der Nordsee fiel um 0,1 Prozent auf 91,97 Dollar, nachdem er am Vortag um knapp drei Dollar zugelegt hatte. Der Markt dürfte eine deutliche Förderkürzung bereits einkalkuliert haben, wie man an den jüngsten Preissteigerungen gesehen habe, sagte Tina Teng, Analystin des Brokerhauses CMC Markets. In den vergangenen drei Monaten war der Ölpreis aufgrund von Rezessionsängsten von rund 120 Dollar auf um die 90 Dollar gefallen.

Auch am Devisenmarkt schwand der Optimismus der Vortage, der als riskanter geltende Währungen gestützt hatte. Die Anleger gingen wieder auf Nummer sicher und griffen zur Weltleitwährung: Der Dollar-Index, der die US-Währung in Vergleich setzt zu einer Gruppe anderer wichtiger Devisen, legte um 0,7 Prozent zu auf 110,89 Punkte. Der Euro gab dagegen nach auf 0,992 Dollar nach.

“Es bleibt schwer, eine wesentliche Veränderung in den Aussichten der Euro-Zone zu erkennen, die eine signifikante Rückkehr des Appetits der Märkte auf den Euro rechtfertigen würde”, sagte Anlagestratege Francesco Pesole von der ING Bank.

AKTIEN BRITISCHER EINZELHÄNDLER VERPÖNT

Bei den europäischen Einzelwerten ging es durch alle Sektoren bergab. Im britischen Leitindex verloren die Aktien von Tesco 2,8 Prozent. Die Supermarktkette äußerte sich weniger zuversichtlich für ihren weiteren Geschäftsverlauf. Dies setzte auch dem Rivalen Sainsbury und dem Online-Supermarkt Ocado zu, deren Aktien um bis zu 5,5 Prozent abrutschten.

Auch in den deutschen Indizes standen nur wenige Papiere auf der Gewinnerseite. So stiegen im SDax die Aktien von Shop Apotheke um 1,1 Prozent. Der Online-Pharmahändler hatte für das dritte Quartal ein deutliches Umsatzplus gemeldet. Im MDax gewannen Carl Zeiss Meditech knapp zwei Prozent nach einer Kaufempfehlung der Berenberg Bank.

(Bericht von Myria Mildenberger und Zuzanna Szymanska. Redigiert von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Lindner will Frist für Grundsteuer-Erklärung verlängern

Berlin (Reuters) – Bundesfinanzminister Christian Lindner will die Frist zur Abgabe der Grundsteuererklärung über den 31. Oktober hinaus verlängern.

Er wolle den Ländern “eine maßvolle Verlängerung” um einige Monate vorschlagen, kündigte der FDP-Chef am Mittwoch in Berlin an. Die Menschen hätten momentan andere und größere Sorgen, “deshalb sollte jetzt der Druck bei den Steuerpflichtigen nicht zu groß werden”, begründete der Minister seinen Vorschlag. Das Ministerium gehe im übrigen davon aus, dass bislang erst weniger als 30 Prozent ihre Erklärung zur Grundsteuer abgegeben hätten.

Bundestag und Bundesrat hatten die Reform nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 2019 beschlossen. Das Gericht forderte die Überarbeitung des Regelwerks, weil die Bemessungswerte für Grundstücke in West und Ost völlig veraltet sind. Infolge dessen müssen 36 Millionen Grundstücke und Häuser neu bewertet werden. Durch die Anpassung an aktuelle Werte dürfte die Steuerlast für viele steigen. Die Steuer spült den Kommunen jährlich gut 14 Milliarden Euro in die Kassen.

(Bericht von Alexander Ratz; Redigiert von Christian Rüttger; Bei Rückfragen wenden Sie sich an berlin.newsroom@tr.com)

Pfund Sterling gibt nach – Truss-Rede im Blick

London/Frankfurt (Reuters) – Das britische Pfund ist am Mittwoch etwas gefallen und hat damit seinen mehrtägigen Aufwärtstrend beendet.

Das Pfund notierte am Mittag 0,6 Prozent tiefer zum Dollar bei 1,1404 Dollar. Allerdings hielt es sich damit immer noch deutlich über dem in der vergangenen Woche erreichten Rekordtief von 1,0327 Dollar, als die von der britischen Regierung geplanten Steuersenkungen Zweifel an der Stabilität der Staatsfinanzen geschürt hatten. Am Montag hatte die britische Regierung gegengelenkt und auf die Senkung des Höchstsatzes für die Einkommenssteuer verzichtet.

Die britische Premierministerin Liz Truss sprach bei einer Rede am Mittwoch von stürmischen Zeiten. Analystin Susannah Streeter von Hargreaves Lansdown sagte, innerhalb der konservativen Partei gebe es große Unsicherheit und viele Meinungsverschiedenheiten über den wirtschaftspolitischen Kurs.

(Bericht von Myria Mildenberger; redigiert von Hans Seidenstücker; Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Chemie-Nobelpreis geht an drei Molekül-Forscher

Stockholm/Berlin (Reuters) – Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an die Amerikaner Carolyn Bertozzi und Barry Sharpless sowie den Dänen Morten Meldal.

Sie werden für ihre Erkenntnisse im Bereich der Molekülforschung ausgezeichnet, wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mitteilte. Für Sharpless ist es bereits der zweite Nobelpreis. 2001 wurde er ebenfalls im Bereich Chemie ausgezeichnet.

Die Akademie würdigte die Wissenschaftler Sharpless und Meldal, “weil sie die Chemie in das Zeitalter des Funktionalismus geführt und die Grundlagen der Klick-Chemie gelegt haben”. Bertozzi habe die Klick-Chemie in eine neue Dimension geführt, indem sie sie in lebenden Organismen angewendet habe. Dank ihrer Erkenntnisse konnte die Wissenschaft unter anderem die Zielgenauigkeit von Krebsmedikamenten verbessern.

Der mit zehn Millionen Schwedischen Kronen (etwa 920.000 Euro) dotierte Nobelpreis ist eine der weltweit wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen. Er wird in mehreren Disziplinen vergeben. Im vergangenen Jahr ging der Chemie-Nobelpreis an den deutschen Wissenschaftler Benjamin List und den in Schottland geborenen US-Forscher David MacMillan, die für die Entwicklung der asymmetrischen Organokatalyse oder die Beschleunigung von chemischen Reaktionen ausgezeichnet wurden.

Als bekannteste Trägerin des Chemie-Nobelpreises gilt Marie Curie, die ihn 1911 für die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium erhielt. Sie ist zugleich der erste Mensch, der zwei Mal mit dem Nobelpreis geehrt wurde: 1903 wurde sie im Bereich Physik ausgezeichnet.

(Bericht von Niklas Pollard, Simon Johnson and Johan Ahlander in Stockholm, Nette Nöstlinger in Berlin, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)