Lockere EZB-Geldpolitik stimmt Aktienanleger optimistisch

Der Dax legte um 0,4 Prozent auf 15.679 Zähler zu, der EuroStoxx50 rückte um 0,6 Prozent vor. Die EZB hatte am Donnerstag angekündigt, das Tempo ihrer Krisen-Anleihenkäufe moderat zu verringern. Eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Notfall-Programms fällten die Euro-Wächter aber noch nicht. “Dieses äußerst vorsichtige Vorgehen zeigt, dass die Börsianer von der EZB auf absehbare Zeit nicht mit all zu viel Gegenwind rechnen müssen”, prognostizierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Das auf insgesamt 1,85 Billionen Euro angelegte PEPP-Programm ist eines der Hauptinstrumente der EZB, um den Kreditfluss an die Wirtschaft während der Corona-Krise zu stützen. Zuletzt wurden im Rahmen von PEPP Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von monatlich rund 80 Milliarden Euro erworben. Insidern zufolge wurde auf der jüngsten Zinssitzung nun ein flexibles monatliches Kaufziel innerhalb einer Spanne von 60 bis 70 Milliarden Euro vereinbart. Die PEPP-Käufe sollen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden.

EURO TRITT AUF DER STELLE

Der Euro zeigte sich von dem EZB-Entscheid relativ unbeeindruckt. Es sei wenig wahrscheinlich, dass das PEPP-Programm schon im März auslaufe, schließlich seien die Volumina am Donnerstag nur moderat reduziert worden, schreibt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. Daher gebe es für den Devisenmarkt vorerst auch keinen Grund, den Euro-Wechselkurs zu überdenken. Die Gemeinschaftswährung notierte kaum verändert bei 1,1845 Dollar. Am Rentenmarkt fielen die Reaktionen deutlicher aus, vor allem bei den Bonds südeuropäischer Staaten. Die Verzinsung zehnjähriger griechischer Anleihen fiel auf 0,754 Prozent zurück – am Mittwoch hatte sie noch bei 0,858 Prozent gelegen. Auch für die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsbonds ging es abwärts.

NEGATIVER ANALYSTENKOMMENTAR MACHT FMC ZU SCHAFFEN

Unter den Einzelwerten ragten im Dax nach einem negativen Analystenkommentar Fresenius Medical Care heraus. Die Aktien fielen in der Spitze um 4,4 Prozent auf 62,02 Euro, den tiefsten Stand seit mehr als fünf Monaten. Die Analysten von JP Morgan rechnen damit, dass die steigende Zahl der Covid-19-Patienten langfristige Auswirkungen auf die Umsatzentwicklung des Unternehmens haben dürfte. Die Pandemie trifft FMC besonders, da gerade Dialysepatienten anfälliger für Covid-19 sind. Die Titel des Mutterkonzerns Fresenius gaben rund ein Prozent nach.

Auf der Gewinnerseite konnten Adidas, Delivery Hero und Infineon punkten. Sie legten zwischen 2,1 und 1,9 Prozent zu. Im MDax rückten Puma um 2,2 Prozent vor.

In Paris setzt der bevorstehende Abstieg aus dem Pariser Auswahlindex CAC40 Atos zu. Die Aktien der IT-Firma fielen um drei Prozent. Den Platz von Atos nimmt zum 17. September die Diagnostik-Firma Eurofins ein, deren Aktien zeitweise 1,9 Prozent gewannen.

 

“Wo bleiben die Chips?” – Halbleitermangel bremst die Autobranche

– von Christina Amann

Die Opel-Mutter Stellantis fürchtet, in diesem Jahr 1,4 Millionen Autos nicht herstellen zu können, weil die wichtigen Bauteile fehlen. Der Münchner Autobauer BMW, der anfangs noch recht ungeschoren durch die Chipkrise kam, stellt sich auf schwierige Monate ein. “Mit zunehmender Dauer der Liefer-Engpässe wird die Situation angespannter”, beschreibt Finanzvorstand Nicolas Peter die Lage. Vier Fünftel der deutschen Autofirmen kämpfen mit einem Mangel an Vorprodukten, ergab eine Umfrage des Ifo-Instituts. Auf der anderen Seite versucht der Chip-Hersteller Infineon händeringend, die Produktionskapazitäten zu erhöhen.

Schon zu Jahresbeginn hatten die Autobauer zu kämpfen, weil die Chip-Hersteller im Corona-Lockdown 2020 ihre Produktion auf die höhere Nachfrage nach Unterhaltungselektronik ausrichteten und die Kapazitäten nicht mehr für die Autos reichten. Dann fielen Fabriken in den USA und in Japan nach einem Unwetter und einem Brand aus. Inzwischen sind es steigende Corona-Fallzahlen in südostasiatischen Ländern wie Malaysia, die den Einkäufern der Autobauer Kopfzerbrechen bereiten. Der Münchener Konzern Infineon, der besonders viel Geschäft mit Auto-Chips macht, musste die Fertigung im malaysischen Malakka zweimal für insgesamt 20 Tage stoppen und impft nun die Belegschaft durch, um weitere Unterbrechungen zu vermeiden. Zwischen 200 und 300 Millionen Euro Umsatz fehlen Infineon inzwischen wegen der Stillstand-Zeiten.

CHIPMANGEL TREIBT GEWINNE NACH OBEN

“Die Vorräte sind auf einem historischen Tiefstand. Unsere Chips gehen aus der Fertigung direkt in die Endanwendungen”, schilderte Ploss die Lage. “Die Lieferschwierigkeiten bleiben allgegenwärtig. Wir kämpfen um jeden zusätzlichen Wafer.” Etwas Hoffnung macht ihm, dass die neue Fabrik für Leistungshalbleiter im österreichischen Villach seit Dienstag – früher als geplant – betriebsbereit ist. Mit einer Besserung der Situation rechnet Ploss aber “frühestens weit im Jahr 2022.”

Derweil warten die Autobauer verzweifelt auf Lieferungen. Es kommt zu Produktionsausfällen, in den Werken gilt Einschichtbetrieb oder die Bänder stehen sogar ganz still. Da ist es fast ein Glück, dass viele deutsche Konzerne ab August reguläre Produktionspausen zur Wartung der Anlagen angesetzt haben. “Wir rechnen im zweiten Halbjahr mit weiteren Produktionseinschränkungen und damit verbundenen Auswirkungen auf den Fahrzeugabsatz”, sagte BMW-Finanzchef Peter. Bis Jahresende könnten womöglich 70.000 bis 90.000 Fahrzeuge wegen der Knappheit nicht produziert werden. Der Stuttgarter Rivale Mercedes-Benz geht davon aus, dass mehr als 150.000 Autos in diesem Jahr weniger als geplant vom Band rollen. Noch stärker sind die Massenhersteller betroffen: VW konnte in der ersten Jahreshälfte eine hohe sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht fertigen.

Als Reaktion auf die Engpässe konzentrieren sich viele Autohersteller auf margenstarke, große Fahrzeuge und drosseln die Produktion kleinerer Modelle. Das spiegelt sich in den Gewinnen wider: Der französisch-italienische Konzern Stellantis, der aus der Fusion von Fiat Chrysler und PSA hervorgegangen ist, schaffte eine Gewinnmarge von 11,4 Prozent – ein hoher Wert für einen Massenhersteller – und hängte damit den Rivalen Volkswagen mit seinen 8,8 Prozent ab. BMW erzielte in der Autosparte in den ersten sechs Monaten eine Rendite von 13 Prozent und zeigte sich zuversichtlich, im Gesamtjahr am oberen Ende der Prognosespanne von sieben bis neun Prozent zu landen. Mercedes-Benz schaffte mit 12,8 Prozent das dritte Quartal in Folge eine zweistellige Rendite auf bereinigter Basis – ein historisches Ergebnis.

GEBRAUCHTWAGENMARKT BOOMT

Zugute kommt den Herstellern die weltweit starke Nachfrage, weswegen sie ihre Neuwagen ohne größere Preisnachlässe verkaufen können. BMW schaffte im ersten Halbjahr einen Absatzrekord. Trotz der Chip-Engpässe rechnet BMW mit einem “soliden Wachstum” bei den Auslieferungen – also ein Plus von fünf bis knapp zehn Prozent. Der Umsatz der Münchner stieg in der ersten Jahreshälfte um 28 Prozent auf 55,4 Milliarden Euro, der Gewinn schnellte auf 7,6 Milliarden Euro von 362 Millionen im Vorjahr. Die starken Ergebnisse dürften insbesondere auf umfangreiche Sparmaßnahmen, nachgeholten Käufen und einer Konzentration auf margenstarkes Geschäft beruhen, erläuterte Frank Schwope, Analyst bei der NordLB.

Aber auch Einmaleffekte kamen den Münchnern zugute: So konnte BMW die Rückstellung für das EU-Kartellverfahren wegen Absprachen rund um die Abgasreinigung von Dieselautos auflösen, nachdem die Strafe geringer ausfiel als angenommen. Barclays-Experten verwiesen zudem auf geringere Pensionskosten, die weitere 500 Millionen Euro beisteuerten. An der Börse wurden die Zahlen mit Verkäufen quittiert: Mit einem Abschlag von bis zu 4,5 Prozent waren die BMW-Papiere Schlusslicht im deutschen Leitindex Dax.

 

Bosch startet mit zweiter deutscher Chip-Fabrik im Juli

Europas Wirtschaft habe bei der Mikroelektronik großes Innovationspotenzial, müsse zur Konkurrenz in Asien und den USA aber aufschließen, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim digitalen Festakt zum Start der Fabrik am Montag. “Wir sind nicht in der Pole Position, wir müssen aufholen.” Mit mehr Kompetenzen in der Schlüsseltechnologie gelt es, auf weniger Abhängigkeit hinzuarbeiten, damit krisenfester zu werden und Arbeitsplätze zu schaffen. Eine solche Fabrik mit hochmoderner Halbleitertechnik helfe, “die Wettbewerbsfähigkeit Europas als Wiege für Spitzeninnovation zu stärken”, erklärte auch die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Margrethe Vestager.

“Mit dieser neuen Fabrik zeigt Bosch wieder einmal: Deutschland kann Hightech”, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Die Produktion der Halbleiter für Bosch-Elektrowerkzeuge und Automobilteile werde mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz auf ein neues Niveau gehoben. Die Produktion werde im Juli und damit ein halbes Jahr früher als geplant starten.

Der seit Anfang des Jahres herrschende Mangel an Speicherchips in der Autoindustrie führte Europas große Abhängigkeit von den Chip-Massenproduzenten in Asien vor Augen. Dies werde die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise erschweren, sagte die Bundeskanzlerin. Die Bosch-Fabrik wurde auch dank staatlicher Fördergelder im Rahmen eines EU-Forschungsprogramms für strategisch wichtige Technologien auf die Beine gestellt. Fast zwei Milliarden Euro öffentlicher Gelder mobilisierten Vestager zufolge rund sieben Milliarden Euro private Investitionen. Die EU hatte im Dezember ein zweites IPCEI-Programm für Mikroelektronik angekündigt. Ziel ist es, bis 2030 den Anteil Europas an der Chipproduktion weltweit auf 20 Prozent zu verdoppeln. Der Plan sei “haushaltsmäßig nicht ganz einfach zu realisieren”, ergänzte Merkel.

WACHSTUMSFELD HALBLEITER

Das Beispiel Bosch verdeutlicht, dass sich der akute Engpass wegen langer Vorlaufzeiten für den Bau von Fabriken und auch in der Produktion ohnehin nicht über Nacht lösen lässt. Der Stuttgarter Stiftungskonzern hatte das Projekt – mit Kosten von einer Milliarde Euro plus rund 200 Millionen Euro öffentlicher Fördermittel die größte Investition der Firmengeschichte – schon vor vier Jahren beschlossen. Im Juli soll die Produktion von Chips für Elektrowerkzeuge starten, im September dann solche für die Autoindustrie. Allerdings handelt es sich um andere als die Standardchips, die zurzeit Mangelware sind. Dennoch schaffe auch das Entlastung, erklärte Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger[L5N2NP2GS]. Die Autoindustrie könne noch bis zum kommenden Jahr mit Produktionsausfällen zu kämpfen haben. Nach der Krise müsste die Branche ihre Einkaufspolitik ändern und künftig bei den Halbleiterherstellern verbindlich bestellen statt nur ihren Bedarf anzukündigen und kurzfristig zu ändern, forderte Kröger.

Die Milliardeninvestition wird sich nach Einschätzung des Stiftungskonzerns lohnen, denn Halbleiter seien vor allem im Automobilbau ein Wachstumsfeld. Der weltweit größte Autozulieferer ist nach eigenen Angaben der einzige, der seit 1970 schon selbst Halbleiter produziert, und zwar bislang in einem Werk in Deutschland. In diesem Feld ist Bosch nach Daten der Experten von Strategy Analytics der sechstgrößte Anbieter, der deutsche Konkurrent Infineon mit 13 Prozent Marktanteil vor NXP aus den Niederlanden die Nummer eins. In zwei Jahren etwa werde Mikroelektronik im Wert von 600 Euro in einem Fahrzeug stecken, fünf Mal so viel wie vor 25 Jahren, schätzt Bosch. Die stärksten Zuwächse seien bei Systemen der Fahrerassistenz, des Infotainments und des elektrischen Antriebs zu erwarten.

Der Standort Dresden geht mit 250 Mitarbeitern an den Start – Fernziel sind 700 Beschäftigte. Wie schnell die Kapazität so hoch gefahren wird, dass die Fabrik voll ausgelastet wird, wollte Denner in einem Pressegespräch nicht sagen. Boschs Fabrikpläne hätten andere Technologiekonzerne wie Vodafone oder Jenoptik animiert, am Standort Dresden zu expandieren, erklärte Frank Bösenberg, Chef des Branchenverbandes Silicon Saxony.

 

Marke VW bekommt Chipkrise zu spüren – Ausblick bleibt vorsichtig

Die nach Absatz größte Marke der Wolfsburger Autogruppe behält ihre vorsichtige Prognose einer operativen Rendite zwischen drei und vier Prozent deshalb bei. VW begründete dies am Freitag bei der Präsentation der Zahlen für das erste Quartal mit fehlenden Computerchips und Elektronikbauteilen. Dies hatte schon in den vergangenen Wochen zu Produktionsausfällen geführt. “Die Auswirkungen werden wir vermehrt im zweiten Quartal sehen”, sagte ein Sprecher. Der Konzern hingegen hatte seine Prognose leicht angehoben und stellt nun bis zu sieben Prozent Marge in Aussicht.

Die Marke mit dem VW-Logo, die für ein Drittel des Konzernabsatzes steht, benötigt besonders viele Chips. Angaben über die Höhe der erwarteten Belastungen macht VW nicht. Konzernchef Herbert Diess hatte an Vortag gesagt, das Management sei mit Halbleiterkonzernen wie Infineon und Intel in Kontakt, um für die kommenden Jahre mehr Kapazitäten zu bekommen. Dafür seien Investitionen erforderlich, man arbeite an einem Plan. Bis die Versorgungsprobleme behoben seien, werde aber noch einige Zeit vergehen.

In der Branche gehen viele davon aus, dass die Lieferung von Bauteilen erst im nächsten Jahr wieder reibungslos läuft. Volkswagen hat trotz des weltweiten Chipmangels inmitten der Pandemie eines der besten ersten Quartale seiner Geschichte eingefahren. Der Gewinn stieg vor allem, weil die Ertragsstützen Porsche und Audi und die Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti ihre Auslieferungen teils deutlich steigerten.

 

Chip-Knappheit kommt Volkswagen in die Quere

– von Jan Schwartz

Europas größter Autobauer erzielte im Auftaktquartal operativ zwar einen der höchsten Gewinne in seiner Geschichte, rechnet für die laufenden Monate aber mit erheblich mehr Gegenwind. Die Unterversorgung mit Halbleitern in der gesamten Industrie werde im zweiten Quartal “deutlichere Auswirkungen haben als bisher” und den Gewinn belasten, sagte Finanzvorstand Arno Antlitz am Donnerstag bei der Präsentation der Zwischenbilanz. Die Produktion von E-Autos sei von dem Mangel bisher weitgehend unbeeinflusst, ergänzte Konzernchef Herbert Diess bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Er könne aber nicht ausschließen, dass es dort ebenfalls zu Engpässen komme.

Wegen fehlender Chips und anderen elektronischen Teilen hatte Volkswagen in den vergangenen Wochen wiederholt die Produktion drosseln und Kurzarbeit anmelden müssen. Weltweit haben die Autobauer damit zu kämpfen, weil die Lieferanten seit Ausbruch der Corona-Krise vorrangig Computerhersteller und Anbieter von Unterhaltungselektronik bedienen. Als sich die Pkw-Nachfrage Ende 2020 schneller als erwartet erholte und die Autoindustrie dringend Chips benötigte, waren die Kapazitäten bereits vergeben. Auch der Autozulieferer Continental, von dem Volkswagen viele Teile bezieht, rechnet erst für das zweite Halbjahr mit einem Nachlassen der Lieferengpässe: “Wir sehen, dass das zweite Quartal wahrscheinlich der Höhepunkt der Knappheit ist und es dann besser werden wird”, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer.

Diess erklärte den akuten Mangel damit, dass während des Wintersturms in den USA mehrere Halbleiterfabriken ausfielen und ein Brand beim japanischen Hersteller Renesas die Lage verschärfte. Volkswagen führe mit Lieferanten Gespräche, um die Versorgung abzusichern. Außerdem sei der Konzern mit großen Halbleiterkonzernen wie Infineon und Intel in Kontakt, um für die kommenden Jahre mehr Kapazitäten zu bekommen. Dafür seien Investitionen erforderlich, man arbeite an einem Plan. Bis die Versorgungsprobleme behoben seien, werde noch einige Zeit vergehen. In der Branche gehen viele davon aus, dass die Lieferung von Computerbauteilen erst im nächsten Jahr wieder reibungslos läuft.

EINEN TICK OPTIMISTISCHER

Der Wolfsburger Autoriese schöpft wegen der gestiegenen Pkw-Nachfrage denn auch nur vorsichtig Hoffnung. Obwohl sich das operative Ergebnis im ersten Quartal auf 4,8 Milliarden Euro verfünffachte und die Orderbücher voll sind, traut sich Volkswagen nur eine kleine Anhebung des Ausblicks zu. Statt einer operativen Rendite am oberen Ende der Spanne zwischen fünf und 6,5 Prozent werden nun bis zu sieben Prozent in Aussicht gestellt. Im Zeitraum Januar bis März lag die Gewinnmarge des Konzerns mit 7,7 Prozent oberhalb dieses Korridors, nach mageren 1,6 Prozent vor einem Jahr.

Diess gab sich zuversichtlich: “Wir sind mit viel Momentum ins Jahr gestartet und operativ stark unterwegs”, erklärte er. Die Offensive bei E-Autos nehme weiter Fahrt auf und bei der Transformation komme Volkswagen gut voran. “Im weiteren Jahresverlauf ist noch viel von uns zu erwarten.” An der Börse konnte er damit nur zeitweise punkten. Nach anfänglichen Kursgewinnen drehte die VW-Aktie ins Minus.

LUXUSAUTOS GEFRAGT

Zu dem starken Jahresstart trug vor allem die rasante Erholung in China bei, wo die Auslieferungen nach dem Stillstand zu Beginn des vergangenen Jahres um 61 Prozent kletterten. Weltweit schlug Volkswagen im ersten Quartal mit 2,4 Millionen Fahrzeugen ein Fünftel mehr Fahrzeuge los als vor Jahresfrist. Vor allem die Ertragsstützen Porsche und Audi und die Luxusmarken Bentley, Lamborghini und Bugatti steigerten ihre Auslieferungen teils deutlich. Das robuste Geschäft ließ auch den Mittelzufluss anschwellen. Der Netto-Cash-Flow im Autogeschäft übertraf mit 4,7 Milliarden Euro das erste Quartal des Vorkrisenjahres 2019 um mehr als das Doppelte. Die Liquidität verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um zwei Drittel auf rund 29,7 Milliarden Euro.

Damit dürften die ehrgeizigen Investitionspläne für den Umbau zu einem Mobilitäts- und Technologieunternehmen, das neben Elektroautos auch selbstfahrende Fahrzeuge und damit verbundene Dienste anbietet, fürs Erste gesichert sein. Diess sagte, er sei sicher, dass Volkswagen die Transformation aus dem Cash-Flow bestreiten könne. Der Frage nach einem möglichen Börsengang der Ertragsperle Porsche, die im ersten Quartal mit einer Rendite von 16,7 Prozent glänzte, wich er aus. Diess hat mehrfach erklärt, dass der diesbezüglich keinen akuten Handlungsbedarf sieht.

 

Infineon macht Zulieferer für Chip-Engpässe verantwortlich

Große Auftragshersteller wie TSMC hätten nicht ausreichend investiert, um der Nachfrage nachzukommen, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss am Dienstag. “Wir erwarten, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch einige Zeit bestehen bleibt mit dem Risiko, dass es bis 2022 anhält.” Im Autosegment, das für 45 Prozent des Umsatzes steht, werde sich die Lage in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres entspannen. Der verlorene Umsatz werde aber wohl erst 2022 wieder aufgeholt werden.

Während Infineon Leistungshalbleiter und Logik-Chips selbst produziert, ist das Unternehmen bei Microcontrollern von Lieferanten abhängig. Branchenführer TSMC plant Insidern zufolge den Bau von mehreren weiteren Fabriken im US-Bundesstaat Arizona. Unklar ist, wie groß diese Fertigungsstätten ausfallen sollen. Erst im vergangenen Monat hatte TSMC angekündigt, in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Dollar in den Ausbau der Kapazitäten zu investieren. Auch in Europa soll die Produktion von Chips ausgebaut werden. Der zuständige EU-Kommissar Thierry Breton führte dazu zuletzt eine Reihe von Spitzengesprächen mit wichtigen Firmen der Branche, mit dem Ziel, die Chip-Produktion in Europa zu erhöhen. Intel-Chef Pat Gelsinger brachte zuletzt Deutschland als möglichen Standort für eine Chipfabrik ins Spiel und sprach sich für Staatshilfen in Milliardenhöhe für ihren Bau aus.

Infineon-Chef Ploss kündigte für sein Unternehmen Investitionen mit Augenmaß an. Die Fabrik in Villach werde den Betrieb im vierten Quartal des Geschäftsjahres (bis Ende September) aufnehmen, das seien drei Monate früher als zunächst geplant. Ein wichtiger Meilenstein sei geschafft, die Reinräume könnten nun mit Fertigungsanlagen ausgestattet werden. Die Chipbranche ist berüchtigt für ihre ausgeprägten Zyklen, in denen sich Zeiten von Knappheit mit Überkapazitäten abwechseln.

PROGNOSE ANGEHOBEN

Auf das Gesamtjahr blicken die Münchner etwas optimistischer als noch im Februar. Das Unternehmen sagte einen Umsatz von elf Milliarden Euro für die zwölf Monate bis Ende September voraus, wenn der Dollar einigermaßen stabil bleibe. Auch die Umsatzrendite soll sich mit 18 Prozent etwas besser entwickeln als zuletzt angenommen. Allerdings dürften die Folgen des zeitweiligen Stillstands des Werks in Austin im US-Bundesstaat Texas das Umsatzwachstum vor allem im dritten Quartal dämpfen. An der Börse gaben die Aktien 4,5 Prozent nach und waren damit Schlusslicht im Dax. Analysten sprachen von Gewinnmitnahmen: “In diesem Quartal hat es sich für die Halbleiterhersteller nicht immer ausgezahlt, die Erwartungen zu übertreffen”, schrieben die Experten bei der UBS.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres lag der Umsatz bei 2,7 Milliarden Euro und damit rund ein Drittel höher als vor Jahresfrist. Das Segmentergebnis schnellte um 72 Prozent nach oben auf 470 Millionen Euro. Beide Kennzahlen fielen etwas besser aus als vom Unternehmen befragte Analysten erwartet hatten. Der Konzernüberschuss verbesserte sich um 14 Prozent auf 203 Millionen Euro.