General Motors schraubt nach Rekordgewinn Prognose höher

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte im zweiten Quartal auf den Rekordwert von 4,1 Milliarden Dollar, wie der größte US-Autobauer am Mittwoch mitteilte. Im gleichen Zeitraum vor einem Jahr war wegen der Pandemie ein Verlust von 536 Millionen Dollar angefallen. Die Prognose hob das Management um GM-Chefin Mary Barra trotz Belastungen durch einen teuren Rückruf des Elektrofahrzeugs Chevrolet Bolt an. Demnach soll der Betriebsgewinn (Ebit) in diesem Jahr zwischen 11,5 und 13,5 Milliarden Dollar liegen statt wie bisher erwartet in einer Spanne zwischen zehn und elf Milliarden Dollar.

Bei seinem Ausblick geht der Detroiter Konzern davon aus, dass im zweiten Halbjahr in Nordamerika etwa 100.000 Fahrzeuge nicht produziert werden können. Außerdem rechnet das Unternehmen wegen höherer Rohstoffkosten mit Belastungen von bis zu zwei Milliarden Dollar. “Die Halbleiterknappheit bleibt bestehen und die Herausforderungen in der Lieferkette werden sich in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen”, erklärte General Motors. Weltweit sind Autobauer von Lieferengpässen bei wichtigen Bauteilen betroffen und müssen deswegen immer wieder die Produktion unterbrechen. Die Opel-Mutter Stellantis fürchtet, in diesem Jahr 1,4 Millionen Autos nicht herstellen zu können, weil Steuerelemente fehlen. Selbst der weltgrößte Autobauer Toyota, der wegen einer guten Bevorratung bisher weitgehend verschont geblieben ist, bekommt die Engpässe inzwischen zu spüren.

GM profitiert von der hohen Nachfrage nach seinen Pickups und SUV, für die er hohe Preise verlangen kann. Dadurch wurden Kosten im Zusammenhang mit dem Rückruf und der Produktionsunterbrechungen wegen des Halbleitermangels wettgemacht. Den Wert der Fahrzeuge, die wegen fehlender Elektronikteile nicht fertig gebaut werden konnten und zwischengelagert wurden, gab GM mit 1,4 Milliarden Dollar an. Der Konzern teilte mit, die optimistischeren Aussichten für das Gesamtjahr hingen davon ab, dass keine Fahrzeuge davon länger auf Lager blieben. Seinen Plan, bis 2025 mehr als 30 elektrifizierte Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, darunter zwei neue Elektroautos, bekräftigte General Motors. Die bis 2025 angekündigten Investitionen von 35 Milliarden Dollar seien in erster Linie dafür gedacht, die Produktionskapazitäten für E-Autos und Batterien zu erhöhen.

 

Ford steigt ins Rennen um E-Autos ein – Ausgaben steigen massiv

Der zweitgrößte US-Autobauer kündigte am Mittwoch an, die Ausgaben für neue Elektroautos und die Entwicklung von Batterien bis 2030 um mehr als ein Drittel auf über 30 Milliarden Dollar zu steigern. Bisher waren 22 Milliarden Dollar eingeplant. Nach Ansicht von Analysten muss der Konzern aus Dearborn bei der Elektrifizierung aufholen, um nicht von anderen Autobauern abgehängt zu werden. US-Marktführer General Motors hat angekündigt, die Produktion bis 2035 komplett auf E-Autos umzustellen.

So weit geht Ford nicht: Der Konzern, der bei E-Autos in Europa mit Volkswagen zusammenarbeitet, peilt bis zum Ende des Jahrzehnts bei batteriegetriebenen Fahrzeugen einen Anteil von 40 Prozent seines weltweiten Absatzes an. Das Unternehmen hatte jüngst den vollelektrischen SUV Mustang Mach-E auf den Markt gebracht und plant die Einführung je einer elektrischen Version des Transporters Transit und des Pickup-Bestsellers F-150. “Das ist unsere größte Chance für Wachstum und Wertschöpfung seit Henry Ford mit dem Model T begann”, erklärte Konzernchef Jim Farley. Mit dem Model T hatte Ford zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Grundlage für die Massenproduktion von Autos gelegt.

Auch in die Entwicklung von Batterien für E-Autos steigt Ford ein und hat sich dafür an dem Startup Solid Power beteiligt, das an kostengünstigen Festköperzellen arbeitet. Vergangene Woche erst hatte der Autobauer ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem südkoreanischen Hersteller SK Innovation angekündigt, das in zwei Werken in den USA Batteriezellen produzieren soll. Auch an der Softwareentwicklung arbeitet Ford. Die Zahl der Fahrzeuge, deren Systeme übers Internet auf dem neuesten Stand gehalten werden können, soll noch in diesem Jahr auf eine Million steigen. Bis 2028 sollen es 33 Millionen Fahrzeuge sein.

Ford kündigte außerdem die Gründung einer neuen Unternehmenseinheit an, die sich auf gewerbliche und staatliche Kunden konzentrieren soll – ein Segment, in dem Farley große Wachstumschancen sieht. In Europa nutzt Ford gegen Lizenzgebühr den von Volkswagen entwickelten Elektrobaukasten MEB. Dazu wird das Kölner Werk des US-Autobauers zu einem europäischen Zentrum für Elektroautos umgebaut.