Windkraft-Tochter Siemens Gamesa will Preise erhöhen

“Wir werden die Preise für neue Windturbinen um drei bis fünf Prozent erhöhen”, sagte der Chef der Siemens-Energy-Tochter, Andreas Nauen, der “WirtschaftsWoche” nach einem Vorabbericht am Freitag. Bei Aufträgen für das derzeit problematische Geschäft mit Windkraftanlagen an Land werde es außerdem keinen Festpreis mehr geben, sondern Gleitpreisklauseln wie es schon länger bei Offshore-Windturbinen mit langer Projektlaufzeit üblich sei. Damit kann der Anlagenbauer steigende Materialpreise an die Kunden weitergeben.

Nauen erklärte zudem, Gamesa werde den lokalen Vertrieb in China einstellen, das Russland-Geschäft auf den Prüfstand stellen und auf Projekte in der Türkei verzichten, wenn dabei ein hoher lokaler Fertigungsanteil gefordert werde. Die spanische Gamesa ist derzeit das Sorgenkind der Siemens-Tochter Siemens Energy. Im vergangenen Quartal machte das Unternehmen gut 150 Millionen Euro operativen Verlust, vor allem wegen gestiegener Kosten für Rohmaterialien von Windkraftturbinen an Land.

 

Europas Börsen wieder auf Rekordkurs – Corona-Sorgen bleiben

Unterstützung komme außerdem von der anhaltend lockeren Geldpolitik der Notenbanken und der Attraktivität von Dividendenpapieren im Vergleich zu Anleihen, sagte Mark Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS.

Der breit gefasste Index Stoxx600 erreichte am Mittwoch mit 468,45 Punkten den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch. Dax und EuroStoxx50 gewannen jeweils rund ein halbes Prozent auf 15.656 beziehungsweise 4138 Punkte. Gleichzeitig fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein Sechs-Monats-Tief von minus 0,502 Prozent.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer seien die fallenden Coronavirus-Fallzahlen in Großbritannien, sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. “Das gibt Hoffnung, dass es im Rest Europas ebenso kommt.” In Asien werde die rasche Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante wegen geringer Impfquoten aber zum Problem, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Neue Lockdowns würden die bereits bestehenden Engpässe in den Lieferketten noch einmal verschärfen und damit auch die Inflation, die jetzt schon die Gewinnmargen der Unternehmen belastet, anheizen.”

Gespannt warteten Börsianer auf die Beschäftigtenzahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Experten rechnen für Juli mit dem Aufbau von 695.000 Stellen. Das entspricht dem Niveau des Vormonats. Die ADP-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Arbeitsmarkt-Daten am Freitag. Von diesen wiederum lassen sich Rückschlüsse auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed ziehen. Deren Chef Jerome Powell hat mehrfach betont, dass sich der US-Arbeitsmarkt noch ein ganzes Stück verbessern müsse, bevor sein Haus die geldpolitischen Zügel wieder anzieht.

HUGO BOSS UND TAYLOR WIMPEY ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN

Am deutschen Aktienmarkt stiegen die Titel von Hugo Boss um bis zu drei Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 53,46 Euro. In Großbritannien und China erreichte der Absatz des Modekonzerns wieder das Niveau vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Außerdem stellte die Firma ein Wachstumsprogramm vor, mit dessen Hilfe der Jahresumsatz bis 2025 auf vier Milliarden Euro verdoppelt werden soll. Die operative Marge solle auf zwölf Prozent steigen.

Mit einem Kursplus von 3,2 Prozent gehörte Taylor Wimpey zur Spitzengruppe des Londoner Auswahlindex FTSE. Dank eines anhaltend starken britischen Immobilienmarktes hob der drittgrößte Eigenheimbauer des Landes seine Ziel für den operativen Gesamtjahresgewinn auf umgerechnet 963 Millionen Euro an. “Taylor Wimpey könnte einer der großen Pandemie-Gewinner werden”, sagte Analystin Laura Hoy vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Der im Branchenvergleich aggressivere Kauf von Gründstücken werde sich bei einer anhaltend starken Baukonjunktur auszahlen.

COMMERZBANK UND SIEMENS ENERGY ENTTÄUSCHEN

Der erneute Rutsch in die roten Zahlen drückte die Commerzbank dagegen 5,2 Prozent ins Minus. Rechne man die Sonderposten allerdings heraus, liege das operative Ergebnis über den Erwartungen, gab Analystin Martina Matouskova von der Investmentbank Jefferies zu bedenken.

Abwärts ging es auch für Siemens Energy. Die Aktien des Energietechnik-Konzerns waren mit einem Minus von knapp drei Prozent Schlusslicht im Dax. Die Kappung der Margenziele komme zwar nicht überraschend, belaste aber trotzdem, sagte ein Börsianer. Die Tochter Siemens Gamesa sei weiterhin ein Bremsklotz und nicht der erhoffte Wachstumstreiber. Vor diesem Hintergrund erhöhte Siemens Energy den Druck auf das Management des Windkraftanlagen-Bauers. Dessen Aktien stiegen in Madrid um zwei Prozent.

 

“Extrem ärgerlich” – Siemens Energy tadelt Problemtochter Gamesa

– von Tom Käckenhoff und Christoph Steitz

“Der Onshore-Bereich ist absolut nicht zufriedenstellend. Das ist extrem ärgerlich”, sagte Vorstandschef Christian Bruch am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Wegen der Verluste der Tochter musste er die Ziele für den Gesamtkonzern nach unten korrigieren. Die Prognose einer bereinigten operativen Umsatzrendite (Ebita-Marge) von drei bis fünf Prozent sei nicht zu halten. Der Konzern rechne nur noch mit zwei bis unter drei Prozent. Personelle Konsequenzen bei Gamesa forderte er nicht. Das Management sei bereits in den vergangenen zwölf Monaten runderneuert worden. “Die Probleme müssen gelöst werden”, betonte Finanzchefin Maria Ferraro.

Siemens Gamesa kämpft mit gestiegenen Rohmaterialpreisen und höheren Kosten für das Hochfahren der neuen Onshore-Windturbinen-Generation 5.X. Dies betrifft den Bereich mit Windrotoren an Land. Die Offshore-Sparte und der Service laufen deutlich besser. “Wir sind in einem Turnaround-Modus. Das wussten wir. Aber wir hatten natürlich erwartet, dass da deutlich schneller die Probleme in den Griff kommen”, kritisierte Bruch. Durchgreifen kann er bei Gamesa aber nicht, Siemens Energy hält nur zwei Drittel der Anteile. Zu Spekulationen, dass der Konzern den Erwerb der übrigen Anteile von Siemens Gamesa anstrebt, wollte er sich nicht konkret äußern. Dies habe für ihn keine Top-Priorität, sagte Bruch lediglich. Das Restpaket von 33 Prozent hat derzeit einen Wert von 5,3 Milliarden Euro.

Finanzchefin Ferraro zufolge wird Siemens Energy in diesem Jahr einen Nettoverlust einfahren. Die Prognose für 2023, wonach die Ebita-Marge bei 6,5 bis 8,5 Prozent liegen soll, bestätigte sie. Dabei bleibe es – zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Die Aktie verlor zeitweise rund drei Prozent an Wert.

KLASSISCHES GESCHÄFT GAS AND POWER LÄUFT BESSER

Im abgelaufenen dritten Quartal erzielte Siemens Energy in der Sparte Siemens Gamesa Renewables beim angepassten Ebita vor Sondereffekten einen Fehlbetrag von 154 Millionen Euro. Für mehr Freude sorgte bei Bruch die Sparte Gas and Power. Sie fuhr operativ einen Gewinn von 231 Millionen Euro ein nach einem Verlust von 55 Millionen vor Jahresfrist. Im Quartal konnte Siemens Energy den Umsatz um 8,8 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro steigern. Dank Gas and Power fuhr der Konzern ein angepasstes (Ebita) vor Sondereffekten von 54 Millionen Euro ein nach einem Verlust von 213 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

 

Wind-Tochter wird für Siemens Energy zur Dauerbelastung

– von Alexander Hübner und Isla Binnie

Weil der Windanlagenbauer im laufenden Geschäftsjahr 2020/21 (Ende September) zum zweiten Mal in Folge operativ mit roten Zahlen rechnen muss, erreicht auch der deutsche Mutterkonzern sein Renditeziel nicht. Die operative Umsatzrendite vor Sondereffekten werde unterhalb der angepeilten Spanne von drei bis fünf Prozent bleiben, räumte der Energietechnik-Konzern ein. Siemens-Gamesa-Vorstandschef Andreas Nauen deutete am Donnerstag an, dass es ein Jahr länger dauern könne, bis der Hoffnungsträger des Konzerns seine Ziele schafft.

Der vor einem Jahr an die Spitze von Siemens Gamesa gerückte Nauen wollte sich nicht mehr festlegen, ob eine operative Marge von acht bis zehn Prozent bis 2023 erreichbar sei oder erst im Jahr 2024. “Wir melden uns wieder bei Ihnen, wenn wir mit unseren Hausaufgaben weiter sind”, sagte Nauen vor Analysten. Die Aktie von Siemens Gamesa stürzte um bis zu 17 Prozent ab; in diesem Jahr hat sie ein Drittel an Wert verloren. Die schlechten Nachrichten lösten auch einen Ausverkauf bei anderen Windanlagenbauern aus: Nordex und die dänische Vestas fielen um je 7,5 Prozent. Die im Leitindex Dax notierte Siemens-Energy-Aktie brach um neun Prozent auf 23,41 Euro ein.

ERST NORWEGEN, JETZT BRASILIEN

Siemens Gamesa kämpft mit stark steigenden Rohstoffpreisen für Stahl oder Kupfer, aber auch mit Problemen beim Hochlauf der neuen Turbinen-Generation 5.X. Vor allem in Brasilien sorge die Corona-Pandemie für Nachschub- und Ausführungsprobleme, die die Kosten nach oben trieben, teilte das Unternehmen mit. Auf die 5.X-Projekte in Brasilien habe man deshalb 229 Millionen Euro abgeschrieben. Operative Probleme und defizitäre Projekte sind nicht neu bei Gamesa. 2019/20 waren die Spanier bei der Installation von fünf großen Windparks in Norwegen vom Winter überrascht worden. Die Gespräche mit Kunden über die Weitergabe der hohen Stahlpreise seien schwierig, sagte Nauen. “Aber es ist klar, dass wir angesichts des Ausmaßes der Erhöhungen nicht darauf sitzenbleiben können.”

Siemens Gamesa rechnet im laufenden Geschäftsjahr nicht mehr mit einem Gewinn. Die um Sondereffekte bereinigte Umsatzrendite vor Steuern und Zinsen (Ebit-Marge) werde bei null bis minus ein Prozent liegen; bisher war Nauen von drei bis fünf Prozent ausgegangen. Bereits im Vorjahr hatte die Siemens-Energy-Tochter mit minus 2,5 Prozent rote Zahlen geschrieben. Der Umsatz werde am unteren Ende der Prognosespanne von 10,2 bis 10,5 Milliarden Euro liegen. Dabei hatte Siemens Gamesa die Erwartung schon vor drei Monaten nach unten korrigiert. Im dritten Quartal (April bis Juni) lag der Umsatz bei 2,7 Milliarden Euro, der bereinigte Verlust bei 150 Millionen Euro.

SIEMENS ENERGY FEHLT DER DURCHGRIFF

Angesichts dieser Zahlen werde auch der Mutterkonzern die Erwartungen der Analysten im dritten Quartal nicht erfüllen, warnte Siemens Energy. Der Konzernumsatz soll im Geschäftsjahr aber wie geplant um drei bis acht Prozent zulegen; hier hatte Siemens Energy bereits vor drei Monaten Abstriche gemacht. Im angestammten Geschäft mit Turbinen für Gas- und Kohlekraftwerke laufe alles nach Plan, betonte Siemens Energy. Dort werde der Umsatz um zwei bis sechs Prozent wachsen, bei einer operativen Umsatzrendite von 3,5 bis 5,5 Prozent.

Die Zukunft soll aber vor allem bei Siemens Gamesa liegen. Steigende Ordereingänge und staatliche Infrastrukturprogramme hatten Siemens Energy noch im Mai zuversichtlich für das Geschäft mit Erneuerbaren Energien gestimmt. Die anhaltenden Probleme dürften aber die Debatte hochkochen lassen, ob eine Komplettübernahme der spanischen Tochter nicht doch sinnvoll wäre. Vorstandschef Christian Bruch hatte bereits laut darüber nachgedacht. Siemens Energy hält zwar zwei Drittel der Anteile an Siemens Gamesa, kann bei dem börsennotierten Unternehmen aber nicht wie gewünscht durchregieren. Mit dem Kursrutsch würde eine Übernahme der restlichen Anteile deutlich billiger.

 

Siemens Energy dementiert Übernahmepläne für Gamesa

Berichte in spanischen Medien über derartige Überlegungen hatten die Anleger in Madrid elektrisiert. Die Börsenaufsicht CNMV setzte die Gamesa-Aktie vom Handel aus und forderte Siemens Energy zu einer Stellungnahme auf. Und die fiel klar aus: “Auch wenn wir natürlich für die Zukunft kein Szenario ausschließen können, können wir bestätigen, dass Siemens Energy derzeit nicht an einem Übernahmeangebot arbeitet”, hieß es in der Mitteilung vom Dienstag.

Die Zeitung “Expansion” hatte berichtet, dass der Siemens-Konzern Investmentbanken angeheuert habe, um strategische Möglichkeiten auszuloten, darunter ein Angebot an die restlichen Siemens-Gamesa-Aktionäre mit dem Ziel, die Firma von der Börse zu nehmen. Der Auftrag sei über Siemens Energy an Morgan Stanley vergeben worden. Die Deutsche Bank solle zudem ein Wertgutachten erstellen. Solche Aufträge gebe es nicht, stellte Siemens Energy klar.

Siemens Energy hält 67 Prozent an Siemens Gamesa. Für die restlichen, an der Madrider Börse notierten Aktien müsste der Mehrheitsaktionär – gemessen am Kurs der Gamesa-Papiere – mehr als 5,7 Milliarden Euro hinblättern. Die Börsianer ließen sich durch das Dementi nicht stören: Nach der Wiederaufnahme des Handels legten Siemens Gamesa in Madrid fast drei Prozent zu. Siemens Energy lagen nach dem Dementi mit 25,23 Euro immer noch 2,8 Prozent im Plus.

Siemens Energy gehört noch zu 35,1 Prozent der Siemens AG, weitere 9,9 Prozent hatte nach dem Börsengang der Pensionsfonds des Münchener Konzerns übernommen. Die Siemens AG ist tunlichst darauf bedacht, jeden Eindruck einer operativen Einflussnahme auf die frühere Kraftwerks-Tochter zu vermeiden.

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte die Spekulationen über eine Komplettübernahme kürzlich selbst befeuert: “Das steht natürlich irgendwann im Raum”, sagte er. Jetzt sei es aber noch zu früh, um darüber zu diskutieren. “Wir sind jetzt gerade mal ein halbes Jahr an der Börse, also Schritt für Schritt.” Ohne eine separate börsennotierte Gesellschaft in Spanien ließen sich Entscheidungsprozesse etwa für Zukäufe und Verkäufe beschleunigen, sagte ein Banker.

 

Spanische Börsenaufsicht setzt Handel mit Siemens Gamesa aus

Zuvor hatte die Zeitung “Expansion” berichtet, dass der Siemens-Konzern Banken angeheuert habe, um strategische Möglichkeiten auszuloten. Hierzu gehöre auch eine Übernahme von Siemens Gamesa samt Abschied von der Börse. Der Auftrag sei von der Siemens AG über Siemens Energy an Morgan Stanley vergeben worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Die Deutsche Bank solle ein Wertgutachten erstellen. Siemens, Siemens Energy und Siemens Gamesa lehnten eine Stellungnahme ab. Morgan Stanley und der Deutschen Bank war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Siemens Gamesa war 2017 durch den Zusammenschluss des spanischen Konzerns Gamesa und der damaligen Windenergiegeschäfte von Siemens geschmiedet worden. Heute hält Siemens Energy 67 Prozent an dem Unternehmen. Siemens Energy wiederum gehört noch zu 35 Prozent der Siemens AG, weitere 10 Prozent hält der Pensionsfonds des Münchener Konzerns. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte kürzlich gesagt, dass es für einen Erwerb der restlichen Anteile von Siemens Gamesa noch zu früh sei. Der Zeitpunkt werde aber kommen. Mit einer Übernahme könnten Entscheidungsprozesse etwa für Zukäufe und Verkäufe beschleunigt werden, erklärte ein Banker. Die Aktien von Siemens Energy legten zeitweise um mehr als drei Prozent zu. In Frankfurt gehandelte Papiere von Siemens Gamesa verteuerten sich im Frankfurter Handel um 3,5 Prozent.