Europas Börsen starten erneuten Erholungsversuch

Frankfurt (Reuters) – Zum Abschluss einer turbulenten Börsenwoche steigen Anleger wieder in die europäischen Aktienmärkte ein.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils mehr als ein Prozent auf 13.900 beziehungsweise 3660 Punkte. “Wer an diesem Morgen allerdings die positiven Nachrichten sucht, die für die Erholung verantwortlich sind, wird keine finden”, gab Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets zu bedenken. Es handele sich lediglich um eine Reaktion auf vorangegangene Verluste und um die Folgen aufgelöster Wetten auf einen weiteren Kursverfall.

Denn die Belastungsfaktoren, die die Kurse in den vergangenen Wochen auf Talfahrt geschickt hatten, sind nicht verschwunden: Der Ukraine-Krieg tobt weiter, die US-Notenbank Fed ist mitten in einem Zinserhöhungszyklus und China kämpft mit strengen Lockdowns gegen das Wiederaufflammen der Coronavirus-Pandemie, was Wirtschaftsabläufe weltweit belastet. “Sollte es zu einer Konjunkturabkühlung kommen, könnte es an den Märkten ungemütlich werden”, warnte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG.

ÖLPREIS ZIEHT WIEDER AN – BITCOIN AUF ERHOLUNGSKURS

Am Rohölmarkt schob die Diskussion um ein EU-Embargo russischer Öl-Lieferungen die Preise erneut an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 107,87 Dollar je Barrel (159 Liter). Allerdings bremsten Spekulationen auf eine geringere Nachfrage beim Top-Abnehmer China wegen der dortigen Konjunkturrisiken den Anstieg, sagte Stephen Innes, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter SPI. “Investoren warten auf ein Licht am Ende des chinesischen Lockdown-Tunnels.” Die sinkenden Fallzahlen auf der einen und die wiederholte Verschärfung der Pandemie-Beschränkungen auf der anderen Seite tauchten sie in ein Wechselbad der Gefühle.

Bitcoin-Anleger nutzten die jüngsten Kursverluste ebenfalls zum Wiedereinstieg. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise gewann knapp sechs Prozent auf 30.180 Dollar. “Abzuwarten bleibt, ob sich der Erholungsversuch nachhaltig ausgestaltet”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Sämtliche zuletzt zu beobachtende Gegenbewegungen waren temporärer Natur und wurden regelmäßig wieder abverkauft.”

TELEKOM HEBT ZIELE AN – FREENET IM AUFWIND

Bei den Unternehmen rückte die Deutsche Telekom ins Rampenlicht. Der Bonner Konzern blickt nach einem starken Quartalsergebnis optimistischer auf das Gesamtjahr. Die neuen Ziele blieben aber etwas hinter den Markterwartungen zurück, monierte ein Börsianer. Die T-Aktie überwand dennoch ihre Anfangsverluste und legte 0,6 Prozent zu.

Deutlicher Aufwärts ging es für Freenet. Die Titel des Mobilfunkers stiegen um drei Prozent. Dank Einsparungen habe das Unternehmen einen überraschend hohen operativen Quartalsgewinn ausgewiesen, lobte Analyst Ulrich Rathe von der Investmentbank Jefferies. Damit habe Freenet die Markterwartungen das fünfte Mal in Folge übertroffen. Dies sollte die Zweifel am Geschäftsmodell dämpfen.

US-Senat stimmt für weitere Amtszeit von Fed-Chef Powell

Washington (Reuters) – Der US-Senat hat wie erwartet für eine weitere Amtszeit des Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, gestimmt.

Das Ergebnis fiel am Donnerstag mit 80 zu 19 Stimmen deutlich aus. Zwar hatte der Bankenausschuss der Kongresskammer bereits Mitte März die Wiederernennung des Fed–Chefs auf den Weg gebracht. Allerdings wurde der Vorgang durch einen Streit über eine weitere Kandidatin für die Zentralbank, Lisa Cook, verzögert: Die Republikaner im Ausschuss weigerten sich, die Ökonomin zu unterstützen, die der demokratische Präsident Joe Biden als erste afroamerikanische Frau für das Direktorium ausgewählt hatte. Am Mittwoch stimmte der Senat für Philip Jefferson. Damit dienen zum ersten Mal in der US-Geschichte zwei schwarze Fed-Gouverneure im Direktorium.

Fed-Chef Powell – Rückkehr zu zwei Prozent Inflation wird wehtun

Washington (Reuters) – US-Notenbankchef Jerome Powell hat die US-Bevölkerung auf Härten im Kampf gegen die Inflation eingestimmt.

“Es wird auch einige Schmerzen mit sich bringen, die Inflation auf zwei Prozent zu senken”, sagte Powell am Donnerstag dem Sender Marketplace Radio laut redaktioneller Fassung https://www.marketplace.org/2022/05/12/fed-chair-jerome-powell-controlling-inflation-will-include-some-pain. “Aber am Ende wäre es am schmerzhaftesten, wenn wir dabei versagen würden.” Dann könnte sich die Inflation auf einem hohen Niveau festsetzen. “Und das kennen wir.” Powell bezeichnete den Kampf gegen die Teuerung als seine wichtigste Aufgabe. Er wiederholte die Erwartung, dass die Notenbank bei den kommenden beiden Sitzungen die Zinsen jeweils um einen halben Prozentpunkt erhöhen wird. Die Verbraucherpreise in den USA lagen im April 8,3 Prozent höher als im Vorjahr.

Zins- und Rezessionssorgen treiben Anleger um

Frankfurt (Reuters) – Rezessionssorgen treiben europäische Aktienanleger um. Dax und EuroStoxx50 fielen am Donnerstag um jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 13.739,64 beziehungsweise 3618,62 Punkte.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones büßte 0,6 Prozent ein. Mit den Rohstoffpreisen ging es teilweise ebenfalls abwärts. Das Industriemetall Kupfer verbilligte sich um knapp drei Prozent auf 9079 Dollar je Tonne.

Gefragt waren dagegen “sichere Häfen” wie die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um bis zu 0,5 Prozent auf ein 19-1/2-Jahres-Hoch von 104,72 Punkten. Die Nachfrage nach Staatsanleihen drückte die Renditen der zehnjährigen Bonds aus den USA und Deutschland auf 2,844 beziehungsweise 0,863 Prozent. Die “Antikrisen-Währung” Gold gab dagegen 0,9 Prozent auf 1836 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) nach. Ihr machte die Dollar-Rally zu schaffen, die das Edelmetall für Investoren außerhalb der USA unattraktiver macht.

INFLATION BLEIBT BESORGNISERREGEND HOCH

Die Börsen litten immer noch unter den Nachwehen des enttäuschend geringen Rückgangs der US-Teuerungsrate, sagte Anlagestratege Lyn Graham-Taylor von der Rabobank. Die Fed sei entschlossen, die Inflation zu bekämpfen. Gleichzeitig sei die Chance für eine “weiche Landung” der Konjunktur gering. “Insgesamt verschlechtern sich die Aussichten für die Wirtschaft.”

Die am frühen Nachmittag veröffentlichten US-Erzeugerpreise hellten die Stimmung auch nicht auf. Sie gingen zwar im April auf elf Prozent im Jahresvergleich zurück. Analysten hatten aber auf einen Rückgang auf 10,7 Prozent gehofft. Vor diesem Hintergrund sehen Investoren die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im Juni von 0,75 statt der von der Notenbank signalisierten 0,5 Prozentpunkte bei 61 Prozent.

Genährt wurden die Rezessionsängste darüber hinaus von neuen Corona-Fällen in zuvor als “Covid-frei” ausgewiesenen Bezirken der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai. Das deute darauf hin, dass der dortige Lockdown aufrecht erhalten und das Wirtschaftsleben stark eingeschränkt bleibe, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann.

Für zusätzliche Unruhe sorgte Russlands Stopp von Gaslieferungen an einige deutsche Gas-Firmen. Das treffe Europa zu einem heiklen Zeitpunkt, sagte Analyst Ole Hvalbye von der Bank SEB. Derzeit würden die Lager für den kommenden Winter aufgefüllt. Vor diesem Hintergrund stieg der europäische Erdgas-Future um zehn Prozent auf 103 Euro je Megawattstunde.

SIEMENS NACH ZAHLEN AUF TALFAHRT – DISNEY UNTER DRUCK

Am deutschen Aktienmarkt fielen die Titel von Siemens um 2,5 Prozent. Dieser Kursrutsch sei eine Kaufgelegenheit, schrieb Analystin Denise Molina vom Research-Haus Morningstar. Der angekündigte Rückgang der Gewinnmarge, der für den aktuellen Ausverkauf ausgelöst habe, sei auf einige Einmal-Effekte zurückzuführen. Außerdem wachse der Auftragseingang des Technologiekonzerns schneller als der Umsatz.

Unter Verkaufsdruck gerieten auch die Titel von Walt Disney, die an der Wall Street um bis zu 5,5 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 99,47 Dollar fielen. Der Unterhaltungskonzern enttäuschte mit einem Quartalsergebnis unter Markterwartungen. Außerdem warnte die Firma vor Belastungen durch Lieferketten-Probleme sowie steigende Löhne und Gehälter. Die Analysten der Bank JPMorgan bezweifelten, dass Disney das Kundenwachstum seiner Streaming-Sparte Disney+ aufrecht erhalten und seine Gesamtjahresziele erreichen könne.

Kurseinbruch von “Stablecoin” TerraUSD macht Krypto-Anleger nervös

Hongkong/London/Frankfurt (Reuters) – Der Kursverfall einer bislang wenig bekannten Cyber-Devise versetzt die gesamte Kryptobranche in Aufregung.

Die Währung TerraUSD, deren Kurs eigentlich eins zu eins an den US-Dollar gebunden sein sollte, stürzte in den vergangenen Tagen zeitweise rund 70 Prozent ab und lag dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge am Donnerstag bei 0,63 Dollar. “Der Kollaps der Kursbindung von TerraUSD hatte einige hässliche und vorhersehbare Nebenwirkungen”, sagte Richard Usher, Manager beim auf Digitalwährungen spezialisierten Finanzdienstleister BCB. Eine davon seien der Ausverkauf bei anderen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Deren Kurs fiel seit Wochenbeginn um 18 beziehungsweise 25 Prozent.

TerraUSD gehört zu den sogenannten Stablecoins. Ihre Kurse sind an andere Werte wie den US-Dollar oder Gold gebunden. Damit sollen Kurskapriolen, wie sie bei Bitcoin an der Tagesordnung sind, vermieden werden. Denn bei Letzteren entscheidet allein Angebot und Nachfrage über den Preis. Während die meisten Anbieter von Stablecoins die Kursbindung mit Einlagen beispielsweise in Dollar oder Gold gewährleisten, ist TerraUSD ein “dezentraler” Stablecoin. Hier soll automatisiert ein komplexer Mechanismus von Handelsgeschäften mit anderen Kryptowährungen den Kurs bei einem US-Dollar pro TerraUSD halten. Mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt 7,6 Milliarden Dollar ist TerraUSD laut CoinMarketCap.com die Nummer 14 der Kryptowährungen.

Im Sog von TerraUSD geriet auch der Kurs des bekanntesten Stablecoins, Tether, ins Rutschen und fiel am Donnerstag auf bis zu 0,95 Dollar. Da Tether nur unzureichend transparent mache, mit welchen Wertpapierbeständen es die Kursbindung an den Dollar aufrecht erhalte, sei es ein natürliches Ziel für Spekulanten, sagte BCB-Experte Usher. Tether sei aber etablierter als TerraUSD. Daher werde sich der Kurs sicher bald wieder bei einem Dollar einpendeln. Mit einem Börsenwert von etwa 82 Milliarden Dollar ist Tether hinter Bitcoin und Ethereum die Nummer drei unter den Kryptowährungen. Rund die Hälfte der addierten Marktkapitalisierung aller Stablecoins entfällt auf diese Cyber-Devise.

Vor diesem Hintergrund wollen Regierungen die Regulierung des Sektors vorantreiben. Ashley Alder, Chef der Weltorganisation der Börsenaufsichten (IOSCO), signalisierte für kommendes Jahr die Gründung einer internationalen Behörde für Kryptowährungen. Neben dem Klimawandel und der Pandemie sei dies das dritte wichtige Thema für Regierungen. Die US-Notenbank hatte unlängst vor Kurseinbrüchen bei Stablecoins gewarnt, weil in turbulenten Börsenzeiten der Wert der Einlagen, die die Preisbindung gewährleisten sollen, fallen könne.

US-Inflation sinkt auf 8,3 Prozent – “Höhepunkt scheint überschritten”

– von Lucia Mutikani und Reinhard Becker und Klaus Lauer

Washington/Berlin (Reuters) – Nach einer Zeit rasanter Anstiege ebbt die Inflation in den USA erstmals seit August vorigen Jahres ab.

Die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen fiel im April auf 8,3 von 8,5 Prozent im März, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Beim Tanken machten sich günstigere Spritpreise nach den vom Ukraine-Schock ausgelösten Rekordständen an den Zapfsäulen bemerkbar. Experten hatten zwar mit einem stärkeren Rückgang der US-Teuerung auf 8,1 Prozent gerechnet. Manche Fachleute deuten die April-Zahl jedoch als gutes Anzeichen. “Der Höhepunkt der Teuerung scheint überschritten”, so Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg.

Sollte ein weiterer deutlicher Anstieg der Energiepreise ausbleiben, werde die Inflationsrate schrittweise zurückgehen, meint Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Auch er geht davon aus, dass der Gipfel überschritten ist: “Fallen die Teuerungsraten in den kommenden Monaten weiter, dürften sich die erhitzten Inflationsgemüter etwas besänftigen.” Doch gibt es noch keine endgültige Entwarnung an der Preisfront, zumal der Spritpreis laut der Regierungsbehörde EIA jüngst wieder angezogen hat. US-Präsident Joe Biden hat den Kampf gegen die hohe Inflation, die an der Kaufkraft der Bürger nagt, zu seiner innenpolitischen “Top-Priorität” erklärt.

FED HAT NOCH ARBEIT VOR SICH

Die Commerzbank-Volkswirte verweisen zudem auf einen statistischen Effekt, der den Rückgang der US-Inflationsrate im April erst ermöglicht habe: “Dies lag nur daran, dass die Preise im letzten Jahr von März auf April stärker gestiegen waren als in diesem Jahr und dieser Anstieg nun aus dem 12-Monats-Zeitraum herausfiel”, erläuterten die Experten Christoph Balz und Bernd Weidensteiner. Tatsächlich seien Preise in diesem April stärker angehoben worden als erwartet. Dies gelte vor allem für die Mieten und Dienstleistungen wie Flugreisen und Hotelübernachtungen. Dagegen seien etwa Gebrauchtwagen wieder günstiger zu haben, nachdem diese voriges Jahr ein wesentlicher Inflationstreiber waren.

Im März hatte die US-Teuerungsrate den höchsten Stand seit Ende 1981 erreicht. Materialengpässe und erhöhte Energiekosten auch infolge des Ukraine-Krieges halten den Preisdruck weiter hoch. Angesichts des starken Auftriebs und heiß laufenden Arbeitsmarkts hat die Notenbank Federal Reserve jüngst den größten Zinssprung seit 22 Jahren gemacht. Die Währungshüter beschlossen Anfang des Monats einstimmig eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt auf die neue Zins-Spanne von 0,75 bis 1,00 Prozent. Sie signalisierten, weitere kräftige Schritte nach oben folgen zu lassen, um die Inflation in Schach zu halten.

Chefökonom Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank sieht auch nach dem jüngsten Rückgang der Teuerungsrate noch jede Menge Arbeit auf die Notenbank zukommen: “Gelöst ist das Inflationsproblem nämlich nicht. Störungen in der globalen Lieferlogistik, hohe Energiepreise und steigende Löhne werden vorerst weiter für Inflationsdruck sorgen.” Die Fed werde bei den Leitzinsen daher weiter “kurzen Prozess” machen. Auf mittlere Sicht werde sie damit Wachstumsschrammen hervorrufen.

Die US-Wirtschaft hat zu Jahresbeginn bereits eine Talfahrt hingelegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent. Laut der US-Währungshüterin Loretta Mester wird es womöglich auch ein weiteres Quartal mit schrumpfender Wirtschaft oder schwachem Wachstum geben. Doch müsse dies in Kauf genommen werden, wenn die Fed die Inflation drücken wolle.

Bilanzen stützen Europas Börsen – Inflation im Blick

Frankfurt (Reuters) – Gestützt auf positive Firmenbilanzen haben Europas Börsen zur Wochenmitte ihren Erholungskurs fortgesetzt.

Während der EuroStoxx50 am Mittwochvormittag 1,6 Prozent auf 3612 Zähler zulegte, bremste ein Kursrutsch von Bayer den Dax-Anstieg etwas ab. Der deutsche Leitindex lag rund ein Prozent höher bei 13.671 Punkten. Rückläufige Corona-Zahlen in Shanghai linderten die Konjunktursorgen der Anleger in Asien, zudem seien Schnäppchenjäger unterwegs, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege von RoboMarkets. Halt gebe den Börsen auch die Bilanzsaison. “Knapp 70 Prozent der im deutschen Leitindex enthaltenen Unternehmen überraschten die Analysten positiv mit ihren Zahlen zum ersten Quartal.”

Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland, die hohe Inflation und steigende Zinsen sowie die Lieferkettenproblematik sorgen nach Einschätzung der Analysten der Helaba jedoch für ein anhaltend schwieriges Umfeld an den Börsen. “Insofern ist die Gefahr eines erneuten Kursrücksetzers nicht gebannt.” Am Montag war der Dax auf ein Zwei-Monats-Tief gefallen.

“INFLATION, INFLATION, INFLATION”

Die weitere Richtung an den Börsen dürften die am Nachmittag (14.30 MESZ) anstehenden US-Inflationszahlen vorgeben. “Der wichtigste Faktor für die Märkte ist derzeit Inflation, Inflation, Inflation”, sagte Carlos Casanova, Ökonom beim Finanzhaus UBP. Jeder sei besorgt über die steigende Teuerung und die Möglichkeit einer Rezession in den USA, die mit jeder Zinserhöhung zunehme. Experten rechnen in den USA für April mit einer Abschwächung der Teuerungsrate im Jahresvergleich auf 8,1 von 8,5 Prozent. Sollten die Rate stärker ausfallen als erwartet, könnte das Börsianern zufolge die Spekulationen auf einen größeren Zinsschritt der Fed im Umfang von 75 Basispunkten anheizen und den Dollar stützen. Bislang preisen die Märkte eine weitere Zinsanhebung auf der Juni-Sitzung um mindestens 50 Basispunkte ein. Der Dollar-Index stand zuletzt mit 103,65 Punkten in Reichweite seines kürzlich erreichten 20-Jahres-Hochs. Seit Jahresbeginn hat die US-Devise mehr als acht Prozent zugelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird sich nach den Worten ihres Ratsmitglieds Francois Villeroy de Galhau im Sommer von ihrer Nullzinspolitik verabschieden.

An den Rohstoffmärkten verteuerte sich Öl der Nordseesorte Brent um 3,2 Prozent auf 105,71 Dollar je Fass. Zwar lehnt Ungarn das von der EU-Kommission vorgeschlagene Öl-Embargo gegen Russland bislang ab. “Doch selbst wenn einige der Maßnahmen gelockert werden, ist es wahrscheinlich, dass die EU-Sanktionen die EU-Importe von russischem Öl und raffinierten Produkten immer noch erheblich reduzieren werden”, sagte Vivek Dhar, Analyst der Commonwealth Bank.

GLYPHOSAT-STREIT MACHT BAYER ERNEUT ZU SCHAFFEN

Gefragt waren europaweit Autowerte. Der Branchenindex zog um mehr als drei Prozent an. An der Dax-Spitze rangierten Titel des Essenslieferdienstes Delivery Hero mit einem Zuschlag von mehr als sieben Prozent. Seit Jahresbeginn haben die Papiere rund 75 Prozent verloren.

Ein Rückschlag im Glyphosat-Streit schickte Bayer um bis zu 7,6 Prozent abwärts auf ein Zwei-Monats-Tief von 57,16 Euro. Der Agrar- und Pharmakonzern kann sich nach einer Empfehlung der Generalstaatsanwaltschaft weniger Hoffnung machen, seine Berufung im Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken seines glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup vor dem Obersten Gericht der USA voranzutreiben. “Damit ist das Szenario, das alle Roundup-Klagen beenden würde, wahrscheinlich vom Tisch”, sagte ein Händler. Auf ein Rekordtief von 15,67 Euro fielen die Papiere von Siemens Energy. Der Energietechnikkonzern blickt wegen der Belastungen durch die spanische Windenergietochter Siemens Gamesa und der Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine skeptischer als bislang auf das Geschäftsjahr.

Thyssenkrupp erfreute die Investoren hingegen mit einem Quartalsergebnis über den Erwartungen und einer Anhebung der Jahresziele. Die Aktien kletterten um bis zu 11,3 Prozent auf 7,83 Euro.

Fed-Vertreter signalisieren konstanten Zinskurs

Eltville/Washington (Reuters) – Angesichts von Marktspekulationen über aggressivere Zinsschritte mehren sich die Stimmen in der US-Notenbank Fed, die es bei Erhöhungen um einen halben Prozentpunkt belassen möchten.

“Die Wirtschaft kann mit höheren Zinsen umgehen und braucht tatsächlich höhere Zinsen”, sagte der Präsident des Fed-Bezirks New York, John Williams, am Dienstag auf einer Bundesbank-Veranstaltung vor Journalisten. Als Grundannahme ergäben Anhebungen um 50 Basispunkte Sinn. Die Fed hebe aber nicht nur die Zinsen an, sie reduziere auch ihre Bilanz. “Das ist eine ziemlich wichtige und erhebliche Rücknahme von geldpolitischer Unterstützung für die Wirtschaft,” sagte er. Beide Instrumente würden so eingesetzt, dass die Geldpolitik gestrafft werde.

Die Chefin des Fed-Bezirks Cleveland, Loretta Mester, erklärte, sie würde sich mit Blick auf die nächsten beiden Sitzungen mit Erhöhungen um jeweils einen halben Prozentpunkt wohlfühlen. Womöglich werde es auch ein weiteres Quartal mit schrumpfender Wirtschaft oder schwachem Wachstum geben, doch müsse dies in Kauf genommen werden, betonte sie auf Yahoo Finance: “Aber das muss passieren, wenn wir die Inflation drücken wollen.”

Der Präsident der Fed von Richmond, Tom Barkin, erklärte, höhere Zinsen führten nicht notwendigerweise zu einer Rezession. “Wir werden tun, was wir tun müssen”, fügte er mit Blick auf die von Fed-Chef Jerome Powell in Aussicht gestellten Zinserhöhungen um jeweils einen halben Prozentpunkt im Juni und Juli hinzu.

Die US-Wirtschaft hat zu Jahresbeginn überraschend eine Talfahrt hingelegt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel im ersten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent. Powell hält die US-Konjunktur allerdings für stark und erwartet ein solides Wachstum in diesem Jahr. Nichts deute daraufhin, dass die Wirtschaft in Richtung Rezession unterwegs sei.

Die Währungshüter beschlossen Anfang des Monats einstimmig eine Erhöhung um einen halben Prozentpunkt auf die neue Zins-Spanne von 0,75 bis 1,00 Prozent – der größte Zinssprung seit 22 Jahren. Sie signalisierten, weitere kräftige Schritte nach oben folgen zu lassen. Die Furcht vor schnell steigenden Zinsen hatte die US-Börsen zuletzt schwer belastet.

Anleger kehren nach Ausverkauf an Europas Börsen zurück

Frankfurt (Reuters) – Die jüngsten Kursverluste haben an Europas Börsen Schnäppchenjäger auf den Plan gerufen.

“Es gibt zwar nicht viele Mutige. Aber es gibt auch diesmal ein paar Mutige, die die günstigen Kurse zum Einstieg nutzen”, sagte Thomas Altmann, Portfolio-Manager vom Vermögensverwalter QC Partners. Der Dax zog am Dienstag um bis zu 1,8 Prozent auf 13.626 Punkte an, nachem er am Montag um 2,1 Prozent auf den niedrigsten Wert seit zwei Monaten gefallen war. Der EuroStoxx legte in der Spitze gleich stark auf 3589 Zähler zu.

In den USA deuteten die US-Futures ebenfalls auf einen freundlichen Handelsstart hin. Technologielastige Nasdaq-Futures zogen 1,5 Prozent an. Der Anstieg sei eine natürliche Korrektur nach dem vorangegangenen Einbruch, sagte Peter McCallum, Stratege beim Finanzhaus Mizuho. Investoren könnten sich auch vor den anstehenden US-Inflationsdaten am Mittwoch in Stellung bringen. Enttäuschende Konjunkturdaten aus China und die Furcht vor schnell steigenden Zinsen hatten die US-Börsen zum Wochenauftakt schwer belastet und den Nasdaq-Index um mehr als vier Prozent einbrechen lassen.

“Aus taktischer Sicht könnten die Leute in der Delle kaufen, aber das bedeutet nicht, dass es attraktiv ist”, sagte Sebastian Galy, Stratege bei Nordea Asset Management. Für etwas Rückenwind sorgte indes der ZEW-Index, der überraschend zulegte. Das Barometer für die Einschätzung zur deutschen Konjunktur in den nächsten sechs Monaten stieg im Mai um 6,7 auf minus 34,3 Punkte. Damit blicken Börsenprofis ungeachtet des anhaltenden russischen Krieges gegen die Ukraine nicht mehr ganz so pessimistisch auf die deutsche Wirtschaft.

ÖL BLEIBT UNTER DRUCK – BITCOIN ZIEHT AN

Dass die Konjunktursorgen angesichts der verschärften Corona-Restriktionen in China in den Köpfen der Investoren fest verankert sind, zeigte sich am Rohölmarkt. Nach dem Rückgang um rund fünf Prozent zum Wochenanfang gab der Preis für Rohöl der Sorte Brent erneut fast zwei Prozent auf 104 Dollar pro Barrel nach. In der Diskussion in der Europäischen Union über einen Importstopp für russisches Öl gibt es nach Angaben des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell noch immer einige Schwierigkeiten. Diese sollen spätestens beim Treffen der EU-Außenminister am 16. Mai beigelegt werden.

Der Dollar-Index zeigte sich wenig verändert, nachdem er am Montag ein 20-Jahres-Hoch erreicht hatte. Auch die Anleihe-Renditen entfernten sich nicht weit von ihren am Vortag erzielten Mehr-Jahres-Hochs.

Dagegen zog der Erholungskurs auch Kryptowährungen wieder nach oben. Nachdem der Preis für Bitcoin bis unter die 30.000-Dollar-Marke gefallen war, legte die Cyber-Devise um mehr als zwei Prozent auf 31.645 Dollar zu. “Es besteht kein Zweifel daran, dass der Bitcoin-Kurs extrem überverkauft ist”, sagte Analyst Naeem Aslam von Avatrade.

SWEDISH-MATCH-ANLEGER SETZEN AUF PHILIP MORRIS

Bei den Einzelwerten zündeten Übernahmepläne des Zigarettenherstellers Philip Morris bei den Anlegern des umworbenen Rivalen Swedish Match. Die Aktien des vor allem auf rauchfreie Tabak-Produkte setzenden schwedischen Herstellers kletterten um 25 Prozent und waren damit auf dem Weg zum bislang größten Tagesgewinn. Dem “Wall Street Journal” zufolge könnte die Übernahme einen Wert von 15 Milliarden Dollar haben. Das entspricht laut den Analysten der Investmentbank Jefferies einem Aufschlag von etwa 25 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag.

Mehrere Firmen überzeugten Anleger zudem mit ihrem Zahlenwerk. So kletterte Siltronic mit einem Kursplus von knapp sechs Prozent an die Spitze im MDax. Die gescheiterte Übernahme durch GlobalWafers bescherte dem Chip-Zulieferer im ersten Quartal einen Sonderertrag von 50 Millionen Euro. Das hohe Ergebnis dank der Kündigungsgebühr beflügele die Aktie, sagte ein Händler. Schaeffler habe ebenfalls deutlich bessere Zahlen zum Jahresauftakt vorgelegt als befürchtet. Die Anteilsscheine des Autozulieferers zogen mehr als acht Prozent an.

Anleger kehren nach Ausverkauf an Europas Börsen zurück

Frankfurt (Reuters) – Nach dem Ausverkauf zum Wochenanfang nutzen einige Anleger die Kursrückgänge an den Börsen für Aktienkäufe.

Zwar sei die Anlegerstimmung wegen der Lieferengpässe, der steigenden Zinsen und der Inflation weiterhin sehr negativ, sagte Jochen Stanzl, Analyst beim Handelshaus CMC Markets. “An solchen Punkten genügt es oft schon, wenn Signale kommen, dass sich die Situation nicht weiter verschärft.” Der Dax zog am Dienstag 1,7 Prozent auf 13.610 Punkte an, nachem er am Montag um 2,1 Prozent auf den niedrigsten Wert seit zwei Monaten gefallen war. Der EuroStoxx legte gleich stark auf 3586 Zähler zu.

“Aus taktischer Sicht könnten die Leute in der Delle kaufen, aber das bedeutet nicht, dass es attraktiv ist”, sagte Sebastian Galy, Stratege bei Nordea Asset Management. Für etwas Rückenwind sorgte indes der ZEW-Index, der überraschend zulegte. Das Barometer für die Einschätzung zur deutschen Konjunktur in den nächsten sechs Monaten stieg im Mai um 6,7 auf minus 34,3 Punkte. Damit blicken Börsenprofis ungeachtet des anhaltenden russischen Krieges gegen die Ukraine nicht mehr ganz so pessimistisch auf die deutsche Wirtschaft.

BITCOIN AUF ERHOLUNGSKURS – ÖL UNTER DRUCK

Der Erholungskurs sorgte auch bei Kryptowährungen für Unterstützung. Nachdem der Preis für Bitcoin bis unter die 30.000-Dollar-Marke gefallen war, legte die Cyber-Devise um knapp zwei Prozent auf 31.390 Dollar zu. “Es besteht kein Zweifel daran, dass der Bitcoin-Kurs extrem überverkauft ist”, sagte Analyst Naeem Aslam von Avatrade.

Dagegen fürchteten die Anleger am Rohölmarkt weiter Nachfrageausfälle angesichts verschärfter Corona-Restriktionen in China. Nach dem Rückgang um rund fünf Prozent zum Wochenanfang gab der Preis für Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee erneut um ein Prozent auf 104,78 Dollar pro Barrel nach.

SWEDISH-MATCH-ANLEGER SETZEN AUF PHILIP MORRIS

Bei den Einzelwerten zündeten Übernahmepläne des Zigarettenherstellers Philip Morris bei den Anlegern des umworbenen Rivalen Swedish Match. Die Aktien des vor allem auf rauchfreie Tabak-Produkte setzenden schwedischen Herstellers kletterten um mehr als 24 Prozent und waren damit auf dem Weg zum bislang größten Tagesgewinn. Dem “Wall Street Journal” zufolge könnte die Übernahme einen Wert von 15 Milliarden Dollar haben. Das entspricht laut den Analysten von Jefferies einem Aufschlag von etwa 25 Prozent auf den Schlusskurs vom Montag.

Mehrere Unternehmen konnten Anleger zudem mit ihrem Zahlenwerk überzeugen. So kletterte Siltronic mit einem Kursplus von sechs Prozent an die Spitze im MDax. Die gescheiterte Übernahme durch GlobalWafers bescherte dem Chip-Zulieferer im ersten Quartal einen Sonderertrag von 50 Millionen Euro. Das hohe Ergebnis dank der Kündigungsgebühr beflügele die Aktie, sagte ein Händler. Auch Schaeffler habe deutlich bessere Zahlen zum Jahresauftakt vorgelegt als befürchtet. Die Anteilsscheine des Autozulieferers zogen fast neun Prozent an.