Zinssorgen und Ukraine-Konflikt belasten Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) – Die Furcht vor einer raschen Zinswende in den USA und einem eskalierenden Russland-Ukraine-Konflikt hat die Börsen am Freitag nach unten gezogen.

Der Dax fiel am Nachmittag um 2,2 Prozent auf 15.561 Zähler, der EuroStoxx50 gab 1,9 Prozent auf 4216 Punkte nach. Auch an der Wall Street zeichneten sich vorbörslich deutliche Verluste ab. Mittlerweile rechnen Börsianer nicht nur damit, dass die US-Notenbank Fed an den Zinsschrauben dreht, sondern auch schneller, als bislang angenommen. Dafür wird die Fed in der kommenden Woche Experten zufolge den Grundstein legen.

“Es gibt viele Spekulationen – vier, fünf, sechs US-Zinserhöhungen in diesem Jahr, eine Erhöhung um 50 Basispunkte im März – was die zugrunde liegende Angst der Märkte genährt hat”, sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Handelshaus Oanda. “Wir dürfen die Dominoeffekte der USA auf die globalen Märkte niemals unterschätzen, und Europa steht mit der Omikron-Variante und der Energiekrise vor eigenen Herausforderungen”, sagte Erlam.

Darüber hinaus waren die Verbraucherpreise in der Eurozone im Dezember in einem Rekordtempo gestiegen, angetrieben durch einen Anstieg der Energiepreise und Engpässe in der Lieferkette. Die EZB ist mit Blick auf den Inflationsausblick intern uneins. Wie aus den Protokollen der Zinssitzung vom Dezember hervorgeht, kreiste die Diskussion darum, ob sich die Inflation länger als erwartet halten könnte. Die Risikoscheu der Anleger drückte auch den Kurs der Kryptowährung Bitcoin, die rund sieben Prozent auf 38.462 Dollar nachgab.

SICHERE HÄFEN GEFRAGT

Investoren griffen angesichts der politischen Spannungen zwischen der Ukraine und Russland zu Bundesanleihen. Die Kurse der gern als sicherer Hafen angesteuerten Titel stiegen, im Gegenzug fiel die Rendite mit minus 0,064 Prozent auf den tiefsten Stand seit einer Woche. Anleger warfen hingegen russische und ukrainische Staatsanleihen aus den Depots. Der Moskauer Aktienindex RTS rutschte um zwei Prozent ab.

“Die Spannungen nehmen zu und Experten erwarten eine Verschärfung der Krise durch Gewalt”, sagt Christian Henke vom Broker IG. Russland hat an der Grenze zur Ukraine rund 100.000 Soldaten zusammengezogen, weist den Vorwurf aber zurück, eine Invasion in die ehemalige Sowjetrepublik vorzubereiten. US-Außenminister Antony Blinken und der russische Außenminister Sergej Lawrow wollen nach ersten Beratungen weiter im Gespräch bleiben.

NEUER RÜCKSCHLAG FÜR WINDKRAFT-TOCHTER VON SIEMENS ENERGY

Im Dax brachen Siemens Energy um bis zu 15,7 Prozent ein und steuerten damit auf ihren bislang größten Tagesverlust zu. Mit 19,35 Euro markierten sie den tiefsten Stand seit November 2020. Der Energietechnik-Konzern muss wegen anhaltender Probleme der spanischen Windkraft-Tochter Siemens Gamesa erneut Abstriche an den Prognosen machen. Die Papiere von Siemens Gamesa sackten in Madrid um bis zu 16,2 Prozent ab. Die Papiere der Rivalen Nordex und Vestas büßten bis zu 7,5 Prozent ein.

Der trübe Ausblick des Streaming-Anbieters Netflix sorgte ebenfalls für lange Gesichter. Netflix rechnet nur mit 2,5 Millionen Neukunden von Januar bis März, was weniger als die Hälfte dessen ist, was sich Analysten erhofft hatten. Vorbörslich notierten die Titel rund 20 Prozent im Minus. Auch andere Aktien der US-Unterhaltungsbranche wie Walt Disney mussten Federn lassen. Im Sog dessen fielen auch die schwedische Nordic Entertainment um rund acht Prozent. Die Citi-Analysten prognostizierten, der Ausblick werde Spekulationen schüren, ob der Markt für abonnierbare Video-Dienste zu schwächeln beginne.

Firmenbilanzen halten Börsen im Plus – Inflationssorgen bremsen

Frankfurt (Reuters) – Nach den Kursverlusten der beiden vergangenen Wochen tasten sich weitere Anleger an die europäischen Aktienmärkte zurück.

“Trotz der schwelenden Sorgen um steigende Zinsen und den Abzug von Liquidität richten sie ihre Aufmerksamkeit vorübergehend auf die Firmenbilanzen”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Gestützt auf ermutigende Zahlen einiger Konzerne legten Dax und EuroStoxx50 am Donnerstag jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 15.912,33 beziehungsweise 4297,60 Punkte zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte 1,2 Prozent vor.

Ohnehin seien die Inflationsängste überzogen, warnte Portfoliomanager Dickie Hodges von der Investmentbank Nomura. “Wir sind nach wie vor der Meinung, dass sich die Inflation von den derzeitigen Niveaus aus abschwächen wird, aber das wird seine Zeit brauchen.” Die US-Notenbank Fed werde die Zinsen nur behutsam anheben.

Davon sei die Europäische Zentralbank (EZB) noch meilenweit entfernt, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Sie scheint taub für die Inflationsschreie.” Die deutschen Erzeugerpreise stiegen im Dezember gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24,2 Prozent, so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1949. EZB-Chefin Christine Lagarde erteilte einer raschen Zinswende dennoch eine Absage. Sie rechne ebenfalls mit einem Rückgang der Inflation.

Vor diesem Hintergrund griffen Investoren wieder bei Bundesanleihen zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,022 Prozent. Am Mittwoch hatte sie sich erstmals seit fast drei Jahren wieder ins Plus vorgearbeitet.

ZINSSENKUNG IN CHINA TREIBT INDUSTRIEMETALL-PREISE

Unterdessen setzte die chinesische Notenbank einige Referenzzinsen für Kredite herunter, um einer Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft entgegenzuwirken. Die Hoffnung auf eine anziehende Nachfrage aus diesem wichtigen Abnehmerland verhalf Kupfer zu einem Kursplus von 1,6 Prozent auf 9999 Dollar je Tonne. Das zur Stahl-Herstellung benötigte Nickel erreichte mit 24.435 Dollar ein Zehneinhalb-Jahres-Hoch und das in Lebensmittel-Dosen eingesetzte Zinn war mit 44.180 Dollar zeitweise so teuer wie nie. Börsianern zufolge lieferten hier Angebotsengpässe zusätzlichen Rückenwind.

Gefragt war auch Palladium, das sich um 2,3 Prozent auf 2047 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Auslöser der Rally seien die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. Russland sei schließlich ein wichtiger Palladium-Lieferant. “Ein Exportstopp des für die Automobilindustrie so wichtigen Rohstoffes könnte wohl nicht aufgefangen werden.”

Aus Furcht vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine warfen Investoren Staatsanleihen der beiden Parteien aus ihren Depots. Dies trieb die Renditen der bis 2025 laufenden ukrainischen Bonds auf 11,839 Prozent und diejengen der bis 2047 laufenden russischen Titel auf 4,518 Prozent. Der Warschauer Index auf ukrainische Aktien fiel auf ein Acht-Monats-Tief von 580,38 Punkten.

LIEFERPROBLEME PERLEN AN PUMA AB

Am deutschen Aktienmarkt legten die Titel von Puma dagegen dank eines Rekordergebnisses 1,2 Prozent zu. “Die Zahlen waren top, da gibt es nichts auszusetzen”, sagte ein Händler. Ein Wermutstropfen sei allerdings der Verzicht auf einen Ausblick.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Travelers um bis zu 5,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 169,01 Dollar. Starke Erträge aus Investitionen bescherten dem Versicherer einen Quartalsgewinn von 5,20 Dollar je Aktie, etwa 50 Prozent mehr als erwartet.

Hohe Inflation und schwache Währung – Türkische Notenbank macht Zinspause

Istanbul (Reuters) – Die türkische Notenbank hat nach einer Reihe von umstrittenen Zinssenkungen eine Verschnaufpause bei der Lockerung ihrer Geldpolitik eingelegt.

Die Währungshüter hielten den Leitzins wie von Fachleuten erwartet am Donnerstag unverändert bei 14 Prozent. Man werde die Auswirkungen der jüngsten Entscheidungen beobachten und gehe davon aus, dass die Inflation abebben werde, was wiederum für Stabilität sorgen dürfte. Man habe mit einer umfassenden Überprüfung des politischen Rahmens begonnen, um der Währung Vorrang einzuräumen und das Inflationsmandat zu erfüllen. Trotz hoher Inflation und Währungskrise hatte die Zentralbank erst Mitte Dezember den Schlüsselzins erneut gesenkt. Unter dem Druck von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan lockerte die Zentralbank die Geldpolitik seit September insgesamt um fünf Prozentpunkte.

In der Folge kletterte die Inflation zuletzt auf 36 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2002. Die türkische Lira hatte 2021 zum Dollar rund 44 Prozent an Wert verloren. Analystin Maya Senussi von Oxford Economics geht vorerst davon aus, dass die Zinsen im laufenden Jahr auf dem aktuellen Niveau bleiben. Aber es gebe keine Garantie, dass die Zinssenkungen vorbei seien.

Ihr Kollege Jason Tuvey vom Analysehaus Capital Economics rechnet damit, dass die Inflation in den nächsten Monaten steigen und für den großen Teil des Jahres bei 40 bis 45 Prozent bleiben könnte. “Wenn die Zentralbank die Zinsen jetzt nicht erhöht, gibt es jetzt wenig Grund zu der Annahme, dass sie dies in den kommenden Monaten tun wird”, sagte Tuvey. Er gehe davon aus, dass der nächste Zinsschritt eher nach unten gehe als nach oben. Denn die Inflation dürfte gegen Ende des Jahres wieder zurückgehen, sofern die Lira nicht erneut zusammenbreche. VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel erklärte, Zinserhöhungen könnten der Währung zu einer Erholung zu verhelfen. “Dies würde die importierte Inflation dämpfen und die Bevölkerung damit finanziell entlasten.”

OECD empfiehlt Schweiz Festhalten an expansiver Geldpolitik

Zürich (Reuters) – Die Industriestaaten-Organisation OECD empfiehlt der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bis auf weiteres ein Festhalten an ihrer expansiven Geldpolitik.

“Die Geldpolitik sollte akkommodierend bleiben, bis der Aufschwung nachdrücklich in Gang gekommen ist”, erklärten die OECD-Wirtschaftsexperten in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Länderbericht für die Alpenrepublik. Die Organisation geht davon aus, dass sich die Wirtschaft des Landes erholen und die Inflation moderat bleiben wird. Diese Einschätzung sei allerdings mit erheblichen Risiken und Unsicherheiten verbunden, wie es hieß. Der Regierung legt die OECD nahe, Flexibilität im finanzpolitische Rahmen zu nützen und eine zu schnelle Straffung der Fiskalpolitik zu vermeiden.

Die OECD rechnet im laufenden Jahr mit einem Anstieg des Schweizer Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,0 Prozent. Für das kommende Jahr wird dann ein Wachstum von 1,8 Prozent veranschlagt. Das deckt sich mit den Prognosen von Regierung und SNB. Die Schweizer Währungshüter stemmen sich seit sieben Jahren mit Devisenmarktinterventionen und Negativzinsen gegen eine wirtsaftsschädliche Verteuerung des besonders in Krisenzeiten als sicherer Hafen gefragten Frankens.

Inflationssorgen bremsen Europas Börsen – Bilanzen stützen

Frankfurt (Reuters) – Hin- und hergerissen zwischen Inflationssorgen und der Hoffnung auf gute Firmengewinne sind Europas Anleger am Donnerstag in Deckung gegangen.

Dax und EuroStoxx50 notierten am Vormittag jeweils 0,2 Prozent tiefer bei 15.785 und 4258 Punkten. Die bevorstehende Zinswende in den USA, eine weiter steigende Inflation und ein schwelender Russland-Ukraine-Konflikt bereiteten den Anlegern Probleme, sagte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus RoboMarkets.

Die als Vorläufer für die Entwicklung der Inflation geltenden Produzentenpreise waren in Deutschland im Dezember mit 24,2 Prozent so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Statistik im Jahr 1949. “Haupttreiber bleiben die Energiepreise, wo sich insbesondere Strom und Gas noch einmal deutlich verteuert haben”, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist eine rasche Zinswende dennoch kein Thema. Die EZB müsse geldpolitisch nicht so aggressiv vorgehen, wie es die US-Notenbank Fed voraussichtlich tun werde, sagte EZB-Chefin Christine Lagarde. Sie gehe davon aus, dass sich die Preise 2022 stabilisierten und es schrittweise zu einem Rückgang komme. Börsianer rechnen mittlerweile angesichts des Preisauftriebs mit einer viel schnelleren Straffung in den USA als noch vor einem Monat angenommen. Aufmerksam werden Investoren auch den Zinsentscheid der türkischen Zentralbank verfolgen. Diese hatte die Geldpolitik in den vergangenen Monaten trotz anziehender Inflation mehrfach gelockert.

METALLPREISE STEIGEN NACH ZINSSENKUNG IN CHINA

Auch in China senkte die Zentralbank wegen einer drohenden Abkühlung der Konjunktur in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft einen wichtigen Schlüsselzinssatz. In Erwartung weiterer geldpolitischer Lockerungen im größten Stahlerzeugerland kletterten die Eisenerz-Preise an den Rohstoffbörsen. Der Mai-Kontrakt gewann 1,3 Prozent auf 742 Yuan je Tonne. “Wir betrachten die Zinssenkungen dieser Woche als einen vorbeugenden Schritt, um eine Wachstumserholung im Jahr 2022 voranzutreiben”, sagte Vivek Dhar, Rohstoffanalyst der Commonwealth Bank of Australia. Auch die Preise für Industriemetalle wie Nickel und Palladium zogen kräftig an.

Am Anleihemarkt griffen Investoren zaghaft wieder zu. Nachdem die Bundesanleihe am Mittwoch erstmals seit fast drei Jahren wieder über null Prozent gelegen hatte, rentierte sie bei minus 0,019 Prozent.

LIEFERPROBLEME PERLEN AN PUMA AB

Am Aktienmarkt waren die Papiere von Puma zeitweise stark gefragt. Die hohe Nachfrage nach seinen Produkten bescherten dem Sportartikelhersteller Rekordergebnisse. Die Aktie, die seit September im deutschen Leitindex notiert ist, stieg zeitweise um mehr als vier Prozent, bröckelte dann aber auf ein Plus von noch 1,2 Prozent ab. “Die Zahlen waren top, da gibt es nichts auszusetzen”, sagte ein Händler. “Dass jetzt noch kein Ausblick gegeben wurde, könnte bei einigen für Unsicherheit sorgen.”

Die Papiere von Alstom kletterten zeitweise um 3,5 Prozent. Der französische Zughersteller machte in Europa gute Geschäfte im dritten Quartal und steigerte seinen Umsatz. Auch der britische Essenslieferdienst Deliveroo profitierte von einer gestiegenen Nachfrage. Die Aktien verteuerten sich um 2,7 Prozent.

USD/JPY kommt mit Potential aus der Korrektur

Sauberes Auffanglevel im Tagestrend

Tickmill-Analyse: USDJPY im Tageschart

Der Test des Unterstützungsbereichs um 112,50 JPY Mitte November vergangenen Jahres hat die Basis für die Rally im USDJPY gelegt. Im Hoch ging es dann bis auf 116,35 JPY. In der anschließenden Korrektur ging es dann ebenfalls dynamisch zur Sache. Ein scharfer Abverkauf führte die Kurse auf Talfahrt.

Da es aus technischer Sicht erst um den Schwungbereich bei 113,50 JPY einen Auffangbereich innerhalb der Korrektur gab, war erst dort mit einer Gegenreaktion im der dynamischen Regression zu rechnen. So kam es dann auch. Die bullische Hammerkerze vom Freitag vergangener Woche lieferte den ersten Hinweis für einen möglichen Richtungswechsel. Die Bestätigung dieses Signals durch steigende Kurse am Montag ebnen nun den Weg zum Hoch bei 116,35 JPY.

Diese Marken sollten die Kursanstiege befeuern

Tickmill-Analyse: USDJPY im 4-Stundenchart

Durch die dynamische Gestaltung der korrektiven Phase lassen sich im Tageschart keine sauberen Zwischenstationen für die laufende Progression ausfindig machen. Der Blick in den untergeordneten 4-Stundenchart hingegen ist hier sehr hilfreich.

Gelingt der Sprung über das kleine Zwischenhoch bei 114,70 JPY nachhaltig, bieten die Verlaufshochs bei 115,60 JPY und 116,18 JPY zwei planbare Anlaufmarken auf dem Weg zum Trendhoch des Tages. Gelingt der Kurswechsel hingegen nicht, bietet dem sich fortsetzenden Regressionstrend das Zwischentief bei 113,48 JPY eine Orientierung.

Videobesprechung

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Erfolgreiches Trading wünscht Ihnen

Ihr Mike Seidl

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Europas Börsen im Plus – Milliarden-Poker um Glaxo-Sparte

Frankfurt (Reuters) – Nach den jüngsten Kursverlusten kehren Anleger in die europäischen Aktienmärkte zurück.

Gemischte Konjunkturdaten aus China und fehlende Impulse aus den USA hielten sie allerdings von größeren Käufen ab. Dax und EuroStoxx50 stiegen am Montag um jeweils etwa ein halbes Prozent auf 15.939 beziehungsweise 4295 Punkte. Die Handelsumsätze blieben dabei unterdurchschnittlich, weil die Wall Street wegen eines US-Feiertags geschlossen war. An solchen Tagen lehnen sich europäische Investoren nur ungern aus dem Fenster.

Die chinesische Wirtschaft wuchs 2021 um 8,1 Prozent und damit etwas stärker als erwartet. Das sei aber nur optisch beeindruckend, warnte NordLB-Analyst Bernd Krampen. Es drohe eine Abkühlung der Konjunktur. “Eine restriktivere Kreditvergabe setzt den Immobilienmarkt unter Druck, steigende Rohstoffpreise sorgen für Schließungen ganzer Unternehmen wie auch die Zero-Covid-Politik immer wieder zu scharfen Lockdown-Maßnahmen führt.”

Vor diesem Hintergrund senkte die chinesische Zentralbank überraschend einen mittelfristigen Schlüsselzins für Kredite an einige Finanzfirmen. Die Begründung dieses Schrittes mit der Pandemie und der schwächelnden Binnennachfrage sollte westliche Notenbanker aufhorchen lassen, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Gerade letzteres dürfte das Thema Stagflation wieder auf die Tagesordnung bringen.” Dieser Begriff steht für wirtschaftliche Stagnation bei steigender Inflation.

ÖLPREIS ZIEHT AN – OPEC KOMMT MIT LIEFERUNG NICHT NACH

Ein erneuter Anstieg der Ölpreise hielt den Teuerungsdruck hoch. Die Sorte Brent aus der Nordsee rückte zeitweise 0,8 Prozent vor und war mit 86,71 Dollar je Barrel (159 Liter) so teuer wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren. “Das Angebot der Opec+-Staaten reicht nicht aus, um die starke weltweite Nachfrage zu befriedigen”, sagte Analyst Toshitaka Tazawa vom Brokerhaus Fujitomi. Einige Exportstaaten haben wegen maroder Förderanlagen Probleme, ihre Förderquoten zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund stieg der Index für die europäische Öl- und Gasbranche um bis zu 0,8 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 304,84 Punkten.

Daneben machte die Ukraine-Krise Investoren nervös, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Eine unfassende Invasion durch Russland würde die Börsen natürlich auf Talfahrt schicken. “Aber würde es die Aktien langfristig belasten? Das ist wenig wahrscheinlich.” Russische und ukrainische Anleihen flogen bereits jetzt aus den Depots. Dies trieb deren Renditen auf den höchsten Stand seit dem Corona-Börsencrash im Frühjahr 2020. Gleiches galt für die jeweiligen Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Anleger gegen Zahlungsausfälle absichern können.

SILTRONIC AUF TALFAHRT – GLAXO IM AUFWIND

Am deutschen Aktienmarkt verbuchte Siltronic mit einem Minus von bis zu elf Prozent den größten Kursrutsch seit fast zwei Jahren. Dem Chipindustrie-Zulieferer zufolge droht die 4,35 Milliarden Euro schwere Übernahme durch den taiwanischen Rivalen GlobalWafers am Widerstand der Bundesregierung zu scheitern. Dessen Titel gaben in Taipeh 2,2 Prozent nach. Die Papiere des Siltronic-Großaktionärs Wacker Chemie büßten 0,6 Prozent ein.

In London gewannen die Aktien von GlaxoSmithKline dagegen bis zu sechs Prozent und notierten mit 1737 Pence so hoch wie zuletzt vor etwa eineinhalb Jahren. Börsianern zufolge könnte der “Domestos”-Anbieter Unilever seine umgerechnet 60 Milliarden Euro schwere Offerte für die Konsumgüter-Sparte des Pharmakonzerns auf bis zu 72 Milliarden Euro nachbessern. Unilever-Papiere fielen um bis zu 7,3 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 3650 Pence.

Chinas Notenbank senkt überraschend einen Schlüsselzins – Konjunktur kühlt sich ab

Shanghai/Berlin (Reuters) – Chinas Notenbank stemmt sich mit einer unerwarteten Zinssenkung gegen die Konjunkturabkühlung.

Erstmals seit April 2020 senkte die PBoC am Montag einen Referenzzins für mittelfristige Darlehen an einige Finanzinstitute (MLF) – und zwar auf 2,85 von 2,95 Prozent. Damit sollen die Kreditkosten für Firmen gedrückt und so die Konjunktur insgesamt angeschoben werden. Mit der Senkung wurden unter dem Strich 200 Milliarden Yuan (27,5 Milliarden Euro) in das Bankensystem gepumpt. Die meisten von Reuters befragten Ökonomen wurden von dem Schritt überrascht.

“Dass sich die PBoC bereits Anfang Januar zu dieser Lockerung entschlossen hat, zeigt, dass sich der wirtschaftliche Abwärtsdruck Ende 2021 verstärkt hat und im ersten Quartal nicht besonders viel Luft nach oben ist”, meint Ökonom Ken Cheung von der Mizuho Bank. Experten erwarten nun, dass die PBoC schon bald nachlegen wird: “Der Zinsschritt deutet an, dass die chinesischen Währungshüter über die Konjunkturaussichten stark beunruhigt sind”, sagte Commerzbank-Analyst Hao Zhou. Daher werde die PBoC am Donnerstag voraussichtlich auch den Leitzins senken. Dann wird sie unter anderem über den Referenzzins für Kredite mit einjähriger Laufzeit (LPR) entscheiden – dieser liegt derzeit bei 3,8 Prozent. Der LPR ist an den MLF gekoppelt und wird am 20. jeden Monats festgelegt.

Chinas Wirtschaft wuchs im vierten Quartal nur noch um 4,0 Prozent, nachdem es schon im Sommerquartal nur zu einem Plus von 4,9 Prozent gereicht hatte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Gesamtjahr 2021 um 8,1 Prozent zu. “Dies klingt erst einmal nach einem enormen Wachstum, der Blick hinter die Kulissen aber offenbart, dass es sich nicht um eine echte Weiterentwicklung der Wirtschaft handelt”, meint Jürgen Molnar, Anlagestratege beim Brokerhaus RoboMarkets. Zum einen seien die Vergleichswerte durch die Corona-Pandemie relativ gesehen sehr niedrig. Zum anderen belaufe sich ein Großteil des Wachstums auf die Immobilienbranche. Spätestens seit der Krise um den hoch verschuldeten Branchenriesen Evergrande wissen man, dass der Bauboom in China vor allem eines sei: überdimensional groß. “So groß, dass manche Bauprojekte aufgrund von fehlendem Kapital nicht abgeschlossen werden können.”

Zurzeit versucht Evergrande, durch den Verkauf von Vermögenswerten und Aktien Barmittel zu beschaffen, um Lieferanten und Gläubiger bezahlen zu können. Das sich bereits über Monate hinziehende Schuldendrama um den Konzern erhöht den Druck auf die Pekinger Regierung, einen Flächenbrand auf dem chinesischen Immobilien- und Finanzmarkt zu verhindern.

Europas Börsen im Sinkflug – US-Bilanzen helfen nicht

Frankfurt (Reuters) – Durchwachsene Geschäftszahlen von US-Banken zu Beginn der Bilanzsaison haben Europas Anleger am Freitag verstimmt.

Dax und EuroStoxx50 gaben am Nachmittag je 1,1 Prozent auf 15.852 und 4263 Punkten nach. Auch an der Wall Street zeichnete sich eine schwächere Eröffnung ab.

Ein schwächelndes Handelsgeschäft überschattete den – eigentlich höher als erwartet ausgefallenen – Quartalsgewinn von JPMorgan. Die Aktien der Großbank sackten im vorbörslichen US-Geschäft um drei Prozent ab. Der Gewinn der Citigroup brach in den Schlussmonaten des vergangenen Jahres um mehr als ein Viertel ein. Rivale Wells Fargo verbuchte hingegen dank Spartenverkäufen einen Gewinnsprung von 86 Prozent. Die Titel zogen um 2,6 Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 57,40 Dollar an.

16.000ER MARKE IST HOHE HÜRDE FÜR DAX

Vorsichtig stimmten die Anleger die hohen Inflationsraten und die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik sowie die Omikron-Welle. “Die 16.000 ist im Moment eine verdammt hohe Hürde für den Dax”, sagte Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. “Die Angst, gleich zu Jahresbeginn auf der falschen Seite positioniert zu sein, ist riesig.” Auch die jüngsten US-Konjunkturdaten fielen überwiegend schwächer aus als erwartet. Die Einzelhandelsumsätze sanken im Dezember um 1,9 Prozent. Experten hatten mit Ausgaben auf dem Niveau des Vormonats gerechnet. Im November waren sie noch um 0,3 Prozent gestiegen. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Die Furcht vor Versorgungsengpässen und der zuletzt schwächere Dollar trieben die Ölpreise weiter in die Höhe. Das Nordseeöl Brent verteuert sich um bis zu 1,5 Prozent auf 85,75 Dollar je Fass und kostete damit so viel wie seit Ende Oktober nicht mehr. Der Preis für das US-Öl WTI stieg ebenfalls um 1,5 Prozent auf 83,35 Dollar je Barrel und markierte den höchsten Stand seit Mitte November.

GEWINNMITNAHMEN BEI FINANZWERTEN

Aktienanleger nutzen die Veröffentlichung von Geschäftszahlen einiger US-Banken zu Gewinnmitnahmen bei europäischen Instituten. Der heimische Branchenindex, der am Vormittag zeitweise ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch von 160,17 Punkten erreicht hatte, drehte ins Minus und verlor 0,8 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt notierten SAP nach vorläufigen Geschäftszahlen 1,2 Prozent tiefer. “Die operative Gewinnmarge hat mit dem Umsatzanstieg nicht schrittgehalten”, monierte ein Börsianer. Zudem sei der Ausblick recht zurückhaltend. Die Markterwartung an das Betriebsergebnis liege am oberen Ende der von SAP angepeilten Spanne.

Gefragt waren dagegen die Aktien von Wacker Chemie – die Titel des Spezialchemiekonzerns setzten sich mit einem Plus von 7,8 Prozent an die MDax-Spitze. Wacker Chemie hat den operativen Gewinn im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt und die Erwartungen damit deutlich übertroffen. Auch für die Aktie der Deutsche-Bank-Tochter DWS ging es nach einer positiv aufgenommenen Bilanz bergauf.Die Titel legten im SDax 2,6 Prozent zu.

Einen rabenschwarzen Tag erlebten an der Pariser Börse die Anleger des Energieriesen EdF. Der von der französischen Regierung angeordnete Verkauf günstigen Atomstroms an die Konkurrenz brockte dem Konzern mit bis zu 25 Prozent den größten Kurssturz der Firmengeschichte ein. Damit schrumpfte der Börsenwert von EdF zeitweise um mehr als acht Milliarden Euro. Am Nachmittag notierten die Papiere noch fünfzehn Prozent im Minus.

China mit Rekord-Exportüberschuss von 676 Milliarden Dollar

Peking (Reuters) – Exportweltmeister China hat 2021 einen Exportüberschuss in Rekordhöhe erzielt.

Die Ausfuhren übertrafen die Importe um 676,43 Milliarden Dollar (fast 590 Mrd Euro), wie die Zollbehörde am Freitag in Peking mitteilte. Das sind gut 152 Milliarden mehr als 2020. Es ist zugleich der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1950.

Grund dafür ist die weltweit starke Nachfrage nach Waren “Made in China”. Diese legten im vergangenen Jahr um 29,9 Prozent zu, nachdem es im ersten Corona-Jahr lediglich zu einem Plus von 3,6 Prozent gereicht hatte. Besonders gefragt waren beispielsweise Computer und anderer Elektronik, die etwa für das pandemiebedingte Arbeiten von Zuhause benötigt werden. Auch medizinische Produkte wie etwa Masken wurden wegen der Pandemie in aller Welt benötigt. Die chinesischen Importe legten um 30,1 Prozent zu, nachdem sie 2020 noch um 1,1 Prozent gefallen waren.

Experten zufolge hat China von der Pandemie-bedingten Unterbrechung der Lieferketten etwa in den westlichen Ländern profitiert. “Wir gehen davon aus, dass die chinesischen Exporte im laufenden ersten Quartal aufgrund der robusten globalen Nachfrage stark bleiben werden”, sagte der Chefökonom von Pinpoint Asset Management, Zhang Zhiwei. “Derzeit könnten die starken Exporte der einzige Motor sein, der Chinas Wirtschaft hilft.”

Chinas stellvertretender Handelsminister hatte zuletzt allerdings davor gewarnt, dass sein Land im neuen Jahr mit beispiellosen Schwierigkeiten konfrontiert sein werde. Er verwies darauf, dass andere Exportnationen ihre Produktion nun wieder kräftig hochfahren dürften. Die deutsche Industrie etwa sitzt auf einem rekordhohen Auftragsberg, den sie wegen Materialmangels bislang nicht abtragen konnte.

Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird einer Ökonomen-Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr um 5,2 Prozent wachsen. 2021 dürfte es aufgrund von Nachholeffekten zu einem besonders kräftigen Plus von 8,0 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt gereicht haben. “Insbesondere im ersten Halbjahr dürfte ausreichend politische Unterstützung bereitgestellt werden, um sicherzustellen, dass das Wirtschaftswachstum nicht unter Pekings Komfortzone fällt”, sagte Tommy Wu von Oxford Economics. So könnte die Zentralbank ihre Geldpolitik lockern.