Personalkonzern Adecco will Wachstum mit Rekordkauf ankurbeln

Für den Technologie-Dienstleister Akka Technologies ist Adecco bereit, zwei Milliarden Euro auf den Tisch zu legen – mehr als doppelt so viel wie die belgische Firma vor der Ankündigung wert war. Adecco-Chef Alain Dehaze verspricht sich vom Zukauf neuen Schub. “Dieses Geschäft wird unser Umsatzwachstum ankurbeln und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie, in Wachstumsbereichen mit höheren Margen tätig zu sein”, sagte Dehaze am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Akka stellt ihren Kunden Ingenieure für Technologie-Entwicklungsprojekte zur Verfügung und beschäftigt insgesamt rund 20.000 Personen. Drei Viertel des Umsatzes von 1,5 Milliarden Euro entfallen auf Software- und Digital-Dienstleistungen. Akka bedient vor allem Unternehmen aus den Branchen Auto, Luftfahrt und Eisenbahn wie den Peugeot– und Fiat-Hersteller Stellantis, Airbus oder Safran. Dabei profitiert der Technologie-Dienstleister vom Trend bei vielen Firmen, Forschungs- und Entwicklungsarbeit auszulagern.

Es handle sich nicht nur um den größte Zukauf seit der Firmengründung vor 25 Jahren, sondern auch um den wichtigsten, sagte Dehaze. Akka sei wesentlich unabhängiger von der Konjunktur als das angestammte Geschäft. Zudem müssten die Produkte in den meisten Branchen auf eine zunehmend digitale Welt umgerüstet werden. “Autos werden zu Computern auf Rädern, weil sie vernetzt sind”, sagte Dehaze. “Man braucht neue Kapazitäten, um den Kunden bei der Entwicklung dieser intelligenten Produkte zu helfen.”

GESCHÄFT ZIEHT AN

Akka ergänze die in einem ähnlichen Geschäft tätigte Tochter Modis hervorragend. Während Modis vor allem in den Regionen Asien-Pazifik und Nordamerika stark sei, habe Akka den Schwerpunkt in Europa. Zusammen kämen sie auf rund 50.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro und würden damit in dem Geschäft nur noch vom französischen Informatik-Dienstleister CapGemini überboten. Mit der Übernahme will Adecco 265 Millionen Euro an Synergien heben.

Gemessen am Umsatz lässt Adecco mit der Transaktion zudem die niederländische Randstad als weltweit führender Personaldienstleister hinter sich. Wie die gesamte Branche litt auch Adecco 2020 unter der Corona-Krise, sodass der Umsatz um 17 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro einbrach. Inzwischen zeichnet sich aber eine Erholung ab. Im zweiten Quartal 2021 kletterte der Umsatz um 26 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Den Gewinn konnte der Konzern auf 145 Millionen Euro versiebenfachen. Adecco gehe für das laufende Quartal von einer anhaltenden Verbesserung des Geschäftsumfeldes aus. “Die Länder haben gelernt, mit dem Virus umzugehen und die Wirtschaft zu schützen, und die Beschränkungen werden aufgehoben”, sagte Finanzchef Coram Williams. “Wir sind immer noch nicht da, wo wir im zweiten Quartal 2019 waren, aber wir sind optimistisch.”

Mit jährlichen Raten von sechs bis acht Prozent wächst das Technologie-Consulting deutlich schneller als das breite Personal-Geschäft. Die bedeutende Investition in Akka sei angesichts der besser vorhersehbaren und stabileren Erträge vorteilhaft für Adecco, erklärte ZKB-Analyst Gian Marco Werro.

AKKA-AKTIEN SCHIESSEN NACH ÜBERNAHMEOFFERTE IN DIE HÖHE

Dafür muss Adecco aber auch tief in die Tasche greifen. 49 Euro bieten die Schweizer je Akka-Aktie, gemessen am Kurs vom vergangenen Freitag entspricht dies einem ungewöhnlich hohen Aufpreis von 115 Prozent. An der Börse kletterten Akka im Morgenhandel um 88 Prozent auf 46,23 Euro. Adecco verloren dagegen sieben Prozent.

Die Übernahme verläuft in zwei Schritten. Adecco hat bereits die Zusage der Familien Ricci und Frere, ihre Anteile zu verkaufen. Dadurch kommt Adecco in den Besitz von 48 Prozent der Akka-Anteile. Gegen Ende des ersten Quartals 2022 will der Züricher Konzern dann ein Übernahmeangebot für die restlichen an den Börsen von Paris und Brüssel gehandelten Titel vorlegen. Der Akka-Verwaltungsrat habe sich einstimmig für die Adecco-Offerte ausgesprochen. Die Transaktion solle im ersten Halbjahr 2022 abgeschlossen werden. Die Schweizer wollen die Übernahme vor allem durch Anleihen-Emissionen finanzieren. Dazu soll eine Kapitalerhöhung im Umfang von bis zu 350 Millionen Euro kommen.

 

Autobauer Stellantis verbündet sich mit Apple-Zulieferer Foxconn

Die beiden Unternehmen kündigten am Dienstag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Namen “Mobile Drive” an, das seinen Sitz in den Niederlanden haben wird. Ziel der Partnerschaft sei die Entwicklung von Hardware und Software für die Vernetzung von Fahrzeugen. Mobile Drive solle sich an Ausschreibungen beteiligen und neben Stellantis auch andere Autohersteller beliefern.

“Software ist ein strategischer Schritt für unsere Branche, und Stellantis will mit Mobile Drive eine Vorreiterrolle einnehmen”, erklärte Stellantis-Chef Carlos Tavares. Der aus der Fusion der Opel-Mutter PSA mit dem italienisch-amerikanischen Autobauers Fiat Chrysler hervorgegangene Stellantis-Konzern und Foxconn wollen Plattformen für Infotainment-, Telematik- und Cloud-Dienste entwickeln, die im Auto über mobiles Internet (Over-the-Air) aktualisiert werden.

Foxconn hat bereits Partnerschaften mit anderen Autoherstellern. Erst Anfang 2021 hatte sich die in Taiwan ansässige Firma mit dem chinesischen Autobauer und Daimler-Partner Geely zusammengetan, um eine Auftragsfertigung und Beratungsdienste für Mobilitätsunternehmen auf die Beine zu stellen.

In die Automobilindustrie ist viel Bewegung gekommen, seitdem Tech-Konzerne verstärkt ins Geschäft mit Daten und Diensten für E-Autos drängen. Apple wird nachgesagt, ein autonomes Fahrzeug auf die Straße bringen zu wollen. Dazu laufen Insidern zufolge schon seit längerem hinter den Kulissen Gespräche mit verschiedenen Partnern, die einen solche Fahrzeug bauen könnten. Sollte Apple ein solches Auto anbieten, wäre dies nicht nur eine Herausforderung für den US-Elektroautobauer Tesla. Alle großen Autobauer arbeiten derzeit mit Hochdruck am automatisierten Fahren und investieren Milliarden, um in Zukunft auch mit Mobilitätsdiensten Geld zu verdienen.

 

Autobauer Stellantis warnt vor weiterer Belastung durch Chipmangel

Im ersten Quartal seien dadurch rund 190.000 Autos weniger produziert worden als geplant, erklärte der weltweit viertgrößte Autobauer am Mittwoch. Das habe die Absatzerholung im Vergleich zu dem von der Corona-Krise geprägten Vorjahresquartal gebremst, sodass die Auslieferungen um elf Prozent auf 1,57 Millionen Fahrzeuge zulegten. Der Absatz von Opel/Vauxhall lag nach Daten des europäischen Autoverbandes ACEA von Januar bis März auf dem Vorjahresniveau mit gut 106.000 Fahrzeugen.

Stellantis, aus der Fusion des italienisch-amerikanischen Herstellers Fiat Chrysler mit der französischen PSA-Gruppe hervorgegangen, rechnet damit, dass der Engpass bei Halbleitern die Produktion im laufenden Quartal noch stärker beeinträchtigen werde als in den ersten drei Monaten. Erst in der zweiten Jahreshälfte rechnet der Vorstand mit einer Entspannung. “Wir erwarten eine Verbesserung im zweiten Halbjahr, aber es wäre naiv zu glauben, das wird einfach verschwinden”, erklärte Finanzchef Richard Palmer. Die Folgen wären wahrscheinlich auch im kommenden Jahr noch zu spüren.

Weltweit leidet die Autoindustrie seit Ende letzten Jahres unter einem Engpass an Computerchips. Die Chip-Hersteller hatten aufgrund der hohen Nachfrage nach Kommunikations- und Unterhaltungselektronik vorrangig diese Branche bedient, während die Autoindustrie wegen Absatzproblemen in der Corona-Krise vorübergehend die Abrufe reduziert und dann zum Teil zu spät neu bestellt hatte. Zuletzt hatte deshalb Ford die Produktion in den Werken Köln und Saarlouis heruntergefahren. Auch bei Daimler und Audi müssen die Bänder angehalten werden, weil elektronische Bauteile fehlen. Bei Stellantis sind acht von 44 Montagewerken betroffen.

Der Umsatz von Stellantis mit seinen 14 Marken stieg pro forma im ersten Quartal um 14 Prozent auf 37 Milliarden Euro. Der Konzern bekräftigte das Gewinnziel für das Gesamtjahr einer bereinigten operativen Marge von 5,5 bis 7,5 Prozent, ergänzte jedoch, es sei nur begrenzt absehbar, wie sich der Chipmangel auf das Jahresergebnis auswirken werde.