Chinas Wachstumsmotor gerät ins Stottern – Sorge um Weltkonjunktur

– von Kevin Yao und Gabriel Crossley

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Juli bis September lediglich um 4,9 Prozent zum Sommerquartal 2020 und damit so langsam wie seit einem Jahr nicht mehr, wie das Statistikamt in Peking am Montag mitteilte. Zugleich legte die Wirtschaft gegenüber dem Frühjahr nur noch um magere 0,2 Prozent zu, womit manche Experten hinter dem Wachstumsziel der Regierung von mehr als sechs Prozent für das Gesamtjahr nunmehr ein Fragezeichen setzen. Steigende Rohstoffpreise und Energie-Engpässe – etwa bei Kohle – bremsen die Erholung von der Corona-Krise zusehends.

Belastend hinzu kommt die weltweite Verknappung bei Computer-Chips, die laut Ökonomen auch chinesische Unternehmen empfindlich trifft. “Die Aufholphase wird fortgesetzt, jedoch immer impulsloser”, so NordLB-Experte Bernd Krampen. Zudem schürt der wankende Immobilienriese China Evergrande Sorgen um die weitere Entwicklung der Konjunktur in der Volksrepublik, die als wichtiger Taktgeber für die Weltwirtschaft gilt.

China Evergrande sitzt auf einem Schuldenberg von mehr als 300 Milliarden Dollar und hat bereits mehrere Fristen für fällige Zinszahlungen an seine Anleihegläubiger verstreichen lassen. LBBW-Ökonom Matthias Krieger sieht in der “exorbitanten Verschuldung” zahlreicher chinesischer Unternehmen einen Hemmschuh für die Wirtschaft im Reich der Mitte: “Die Überschuldung von Evergrande, die an den Finanzmärkten derzeit für erhebliche Unruhe sorgt, war hier wohl nur ein erster Warnschuss.”

Laut Chefökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank ist die Regierung in Peking nun darauf bedacht, die Immobilienunternehmen des Landes zu stutzen. Dies werde die Wohnbauinvestitionen bremsen: “Die chinesischen Wachstumsraten werden also auch in den kommenden Quartalen kleiner ausfallen.”

Dies ist auch für die Weltkonjunktur kein gutes Omen: Denn China gilt seit einiger Zeit als einer der “Vorläufer” der globalen Konjunkturtendenzen, wie NordLB-Analyst Krampen erläutert. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte jüngst seine Erwartungen an das Wachstum in China etwas nach unten korrigiert: Die Volksrepublik soll zwar 2021 weiter Zugpferd der globalen Wirtschaft bleiben, doch traut der Fonds dem Land für nächstes Jahr nur noch ein BIP-Plus von 5,6 Prozent zu. Das globale Bruttoinlandsprodukt soll demnach 2022 nur noch 4,9 Prozent erreichen – nach prognostizierten 5,9 Prozent im laufenden Jahr.

ENERGIEENGPÄSSE LASTEN AUF WACHSTUM

China leidet zurzeit auch unter Energie-Engpässen, wobei neben knappen Kohlevorräten auch strengere Emissionsnormen eine Rolle spielen. Das hat zu weitreichenden Drosselungen des Stromverbrauchs geführt, während die Nachfrage nach Energie steigt. Manche Fabriken mussten wegen Stromknappheit und staatlichen Auflagen zur Einhaltung der Emissionsziele bereits vorerst dichtmachen.

Notenbankchef Yi Gang hatte noch am Wochenende erklärt, er rechne für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von acht Prozent. Die Wirtschaft laufe “gut”. Doch die jüngste Abkühlung der Konjunktur beim wichtigen Handelspartner China schlug in Europa Anlegern zu Wochenbeginn auf die Stimmung. Dax und EuroStoxx50 fielen um jeweils etwa ein halbes Prozent auf 15.513 beziehungsweise 4158 Punkte. Insbesondere europäische Hersteller von Luxusgütern wie LVMH gerieten unter Druck, denn für sie ist China ein sehr wichtiger Absatzmarkt.

Angesichts der schwächer als erwartet ausgefallenen Wachstumszahlen im Sommer erschienen die Prognosen für ein BIP-Plus von sechs Prozent im Gesamtjahr als zu optimistisch, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Die Regierung in Peking hat sich für dieses Jahr ein eher bescheidenes Wachstumsziel von über sechs Prozent gesetzt, nachdem es wegen der Corona-Pandemie 2020 nur zu einem Plus von 2,3 Prozent gereicht hatte – das schwächste Wachstum seit 44 Jahren.

Auf eine Abkühlung der Konjunktur in China deuten auch die frischen Daten zur Industrieproduktion hin: Das Plus blieb im September mit 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich hinter den Erwartungen der Experten zurück, die einen Zuwachs von 4,5 Prozent auf dem Zettel hatten.

Laut VP-Bank-Chefökonom Gitzel zeigt das schwächere chinesische Wachstum allerdings auch, dass das Corona-Virus seinen wirtschaftlichen Schrecken verloren hat. Das asiatische Land habe lange von einer Sondernachfrage nach elektronischen und medizinischen Produkten während der Corona-Wellen profitiert. Doch mittlerweile kehre wieder Normalität in den Alltag ein, zumal auch der Einsatz der Mitarbeiter im Homeoffice weltweit zurückgefahren werde: “Die Nachfrage nach Notebooks und elektronischen Waren ist damit vorerst gedeckt. Die chinesische Wirtschaft muss nun wieder kleinere Brötchen backen.”

 

(Reporter: geschrieben von Reinhard Becker, Mitarbeit Hakan Ersen, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter der Telefonnummer +49 30 2201 33711 oder +49 30 2201 33702)

 

DAX – Kampf um die 15.000 Punkte Marke

Seit dem Aufschwung vom letzten Juli bei dem der DAX zuletzt knapp die 15.000 Punkte gesehen hatte sah alles nach einem weiteren Rasanten Aufschwung aus. Das Hoch von 16.030 Punkten sollte aber nicht weiter durchbrochen werden.

Auf die anschließende seitliche Bewegung folgte nun ein Abverkauf der sich seit nun mehr als 3 Wochen anhält. Seit Oktober ist der Kampf nun bei der 15.000 Marke. Kann diese gehalten werden?

Nervosität bei den Anlegern

Gründe für den letzten Abrutsch gibt es vielerlei.
In erster Linie sind die globalen Märkte von der Lage in Chinas Immobiliensektor besorgt. Die Zinszahlungsausfälle von Evergrande und dem Entwickler Fantasia scheuen Anleger weitere Risiken aufzunehmen da potenzielle Dominoeffekte nicht auszuschließen sind. Eine klare Politik Chinas lässt sich auch nicht abzeichnen.

Weiters ist wegen der aktuellen hohen Inflation bereits eine Zinserhöhung durch die Europäischen Zentralbank (EZB) Ende 2022 fest eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung des Einlagesatzes um ein Zehntel Punkt wird für Dezember 2022 auf 100 Prozent geschätzt.

Und zu guter Letzt steht die kommende Berichtssaison vor der Tür und Anleger sind vorsichtig und stehen konservativ den Ergebnissen gegenüber. Die ersten Indikatoren sind nämlich bereits eingetrübt. Der ZEW-Index fiel nämlich überraschend stark.

Abwarten oder Handeln?

Zu Beobachten ist ob der Dax unter der 200 Tages Linie schließt. Danach wäre ein Schlusskurs unter 15.000 entscheidend. Falls diese Szenarien eintreffen, könnte ein Abverkauf in Kraft treten, bei dem die nächste Unterstützung bei 14.830 getestet werden würde.

Vorsichtige Investoren sollten die nächsten Tage stillhalten und beobachten wie die makroökonomische Lage sich entwickelt.

Wer risikofreudiger ist, kann darauf Wetten dass der Schlusskurs der nächsten Tage nicht unter den 15.000 landet und sich seitlich bewegt. Das Geld ist durch die niedrige Zinspolitik schließlich im Umlauf und die Notenbanken waren in der Vergangenheit immer mit allen Mitteln bereit die Wirtschaft zu beflügeln.

Trading Idee bei einem Kurs von ca. 15.000 wäre der Kauf einer Call Option auf den Dax bei 15.000 und zeitgleichem Verkauf einer Call Option bei 15.300 mit Fälligkeit Freitag 15.10.

Disclaimer:

Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die Informationen ersetzen keine, auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete, fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.

Metalle noch in der Korrektur – Inflation erstmals seit 1993 über 4%

Am Donnerstag sprang der Goldpreis um 40 US-Dollar nach oben, als US-Notenbankchef Jerome Powell konstatierte, die Vereinigten Staaten seien weit von der Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt entfernt. Da dies jedoch ein Ziel der Geldpolitik ist, wurde dies als Hinweis auf eine mögliche Verschiebung des geplanten Taperings interpretiert, was wiederum mehr Inflation bedeuten würde, worauf der Goldpreis sofort mit einem Preissprung reagierte.

Gold kletterte jedoch nur bis auf 1.764 US-Dollar, da bei 1.770 US-Dollar ein mittelfristiger Abwärtstrend verläuft, den es erst zu überwinden gilt. Scheitert der Goldpreis hier, so droht ein erneuter Test der Unterstützung bei 1.680 US-Dollar. Gelingt dem Goldpreis hingegen der Ausbruch, so würde dies ein Kaufsignal erzeugen, dem die anderen Edelmetalle folgen dürften.

Silber folgte dem Goldpreis und konnte sich mit einem Plus von 0,7% auf 22,56 US-Dollar gerade noch einmal über der wichtigen Unterstützung bei 22 US-Dollar ins Wochenende retten, nachdem es bereits einen kurzzeitigen Tageseinbruch auf 21,40 US-Dollar gab. Der Silberpreis keilt sich gerade ein zwischen der Unterstützung bei 22 US-Dollar und einem Abwärtstrend, der bei 23 US-Dollar verläuft.

Kann der Abwärtstrend an dieser wichtigen Unterstützung überwunden werden, so wäre dies bullisch auf Sicht der nächsten Wochen. Fällt der Silberpreis hingegen unter die Unterstützung bei 22 US-Dollar im Zuge eines wieder schwächeren Goldpreises, so würde sich eine Falltür öffnen und ein finaler Abverkauf auf 19 US-Dollar stünde bevor, bei dem sich der Terminmarkt völlig von der Spekulation bereinigen dürfte.

Platin beendete die vergangene Handelswoche mit einem Minus von einem Prozent und Palladium fiel um 2,4%. Da beide Edelmetalle hauptsächlich in der Automobilindustrie ihren Einsatz in Katalysatoren finden, ist der aktuell herrschende Chipmangel, der die Automobilhersteller zur Kurzarbeit zwingt, der kurzfristig dominierende Faktor, der auf die Preise drückt.

Spätestens dann, wenn die Automobilhersteller zur vollen Produktion zurückkehren können, werden sich die Preise der beiden Edelmetalle wieder erholen. Da weder Silber, Platin noch Palladium aktuell ein Defizit vorweisen können, werden diese Edelmetalle mit dem Goldpreis fallen, sollte dieser noch weiter korrigieren. Unser Hauptaugenmerk liegt daher kurzfristig darauf, ob der Goldpreis seinen Abwärtstrend überwinden kann oder dieser intakt bleiben wird.


Silber ist zum Gold unterbewertet – Platin und Palladium zeigen sich aktuell sehr schwach

Das größte Risiko für Silber, Platin und Palladium auf mittelfristige Sicht, wäre eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008, die eine Rezession auslöste, durch die die Rohstoffpreise crashten. Das Platzen der irrationalen Immobilienblase in China und eine mögliche Wiederholung der Lehman-Pleite, bleibt in den nächsten Monaten ein Risikofaktor, der für die Weltwirtschaft zu einem großen Problem werden kann.

Die Aktien des Immobiliengiganten Evergrande wurden vergangene Woche bereits vom Handel in Hong Kong ausgesetzt, da man einen Bankrott befürchtet. Wie bei dem Platzen der Immobilienblase in 2007 dauerte es einige Zeit, bis sich die Kreditausfälle durch das Bankensystem fraßen, weshalb die nächsten Monate von Unsicherheit an den Märkten geprägt sein werden.

Eine Wiederholung der Krise von 2008 würde kurzfristig die Preise dieser primär industriell genutzten Edelmetalle drücken, doch würde sich der langfristige Ausblick verbessern, insbesondere für Silber, da die Notenbanken auf eine erneute Rezession mit noch mehr Geld aus der Druckerpresse reagieren werden. Ein weiteres QE-Programm würde die realen Zinsen weit im negativen Bereich halten und insbesondere Gold und Silber als sicherer Hafen langfristig von der Inflation profitieren.

Silber ist aktuell 25% zu Gold und zum breiten Rohstoffsektor unterbewertet, was in der Vergangenheit immer antizyklische Kaufchancen bot. Sollte es zu einem Sell Off an die Unterstützung bei 19 US-Dollar kommen, so würde dies eine antizyklische Kaufchance mit einem sehr guten Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) auf Sicht von mindestens einem Jahr bieten.

Besonders die Silberminen kamen in der vergangenen Handelswoche unter Verkaufsdruck, doch auch die Goldminen, mussten in den letzten Wochen herbe Verluste verbuchen. Der HUI-Goldminenindex ist aktuell günstiger als vor der Corona-Krise und vor den QE-Programmen.

Sollte dem Goldpreis der Sprung über den Abwärtstrend nicht gelingen und dieser im Vorfeld eines Taperings, das womöglich mit der Notenbanksitzung am 3. November angekündigt und gestartet wird, noch einmal deutlich fallen, so dürfte es zu einer Verkaufspanik bei den Minen führen, die den HUI für kurze Zeit auf ca. 180-190 Punkte drücken könnte. Wir hatten bei 350 Punkten in 2020 und bei 320 Punkten in 2021 Verkäufe empfohlen, wobei nun endlich der lang ersehnte Kaufzeitpunkt in Reichweite rückt.

Das Sentiment für die Edelmetalle und Minenaktien ist bereits denkbar schlecht und ein finaler Abverkauf wäre die finale Kapitulation, worauf das Smart Money diese Chance zur Akkumulation nutzen wird. Darauffolgend dürften die Edelmetalle und Minenaktien im nächsten Jahr wieder deutlich ansteigen. Es ist erstaunlich, dass die Minenaktien, trotz der hohen Gewinne, die diese aktuell einfahren und der herrschenden ultralockeren Geldpolitik, noch einmal so stark korrigieren konnten.


Goldminen sind aktuell günstiger als vor der Corona-Krise und vor den QE-Programmen

Eine Rezession könnte die Goldnachfrage anfachen

Die Margen der Unternehmen kommen aufgrund der Inflation zunehmend unter Druck, was die Unternehmensergebnisse zunehmend belasten dürfte. Steigende Zinsen und die Angst vor weniger Liquidität drücken zusätzlich auf die Aktienmärkte. Nach dem Bruch des langfristigen Aufwärtstrends ist der breite Aktienindex S&P500 bereits technisch angeschlagen. Ein Bruch der Unterstützung bei 4.300 Punkten könnte eine zehnprozentige Korrektur nach sich ziehen, worauf Investoren den sicheren Hafen des Goldes wieder verstärkt suchen dürften.

Ein großes Problem wäre jedoch eine Rezession im Reich der Mitte, die Ihren Anfang mit dem Platzen der Immobilienblase nimmt und den Rest der Welt wieder mit in eine Rezession zieht. Die Notenbanken würden darauf sofort mit einer Ausweitung oder Wiederaufnahme der Anleihekaufprogramme reagieren.

Spätestens dann wird den Investoren ihr Fehler bewusstwerden und diese realisieren, dass es kein Zurück zum Normal und Wachstum auf absehbare Zeit geben wird. Im Gegenteil werden die Notenbanken auf die neuen Krisen wieder mit Inflation antworten und damit noch mehr Benzin ins Feuer gießen. Der US-Dollar sowie der Euro werden dabei sukzessive ihre Kaufkraft verlieren und der Goldpreis diametral gegensätzlich ansteigen.

Die Folgen dieser ultralockeren Geldpolitik sind bereits weltweit sichtbar. Die Teuerung in der Bundesrepublik, gemessen an der Regierungsstatistik, war im September auf 4,3% angestiegen. Erstmals seit 30 Jahren liegt die sogenannte „Inflationsrate“ bei über vier Prozent. Diese Geldentwertung ist eine logische Konsequenz aus der Ausweitung der Geldmenge durch die Europäische Zentralbank, die auf ein gleichbleibendes Güterangebot trifft.

Die deutschen Importpreise waren im August mit einem Plus von 16,5% zum Vorjahr sogar so stark gestiegen wie zuletzt vor 40 Jahren. Diese gestiegenen Kosten werden sukzessive in die Konsumentenpreise einfließen, womit klar sein dürfte, dass die Teuerung nicht nur vorübergehend so hoch sein wird. Zuletzt waren die Einfuhrpreise 1981 im Zuge der zweiten Ölkrise (+17,4%) so stark angestiegen.


Die Konsumentenpreise in Deutschland stiegen um 4,3% zum Vorjahr im September

Langfristig agierende Investoren, die aktuell ihr Gold und ihre Minenaktien verkaufen, im Glauben die Inflation wäre nur vorübergehend und die Wirtschaft würde wieder an Fahrt aufnehmen, werden schon bald auf dem falschen Fuß erwischt werden. Eine neue Rezession steht mit einem unausweichlichen Anstieg der Zinsen bereits vor der Türe, auf welche die Notenbanken mit dem Drucken von Geld reagieren werden. In dieser Stagflation werden Anleihen und Aktien real in einen Bärenmarkt übergehen, während die Edelmetalle und Minenaktien ansteigen werden.

Das Einzige, das das Drucken von Geld bewirkt ist eine Zerstörung der Kaufkraft einer Währung und die Zerstörung der Wirtschaft. Ein mahnendes Beispiel ist Venezuela, dessen Wirtschaft durch die Sozialisten völlig zerstört wurde, sodass dort heute bereits 95% der Menschen in Armut leben. In Venezuela gibt es seit Freitag neue Geldscheine, wobei sechs Nullen gestrichen wurden.

Die Zentralbank hatte im Februar mitgeteilt, dass die Inflation im Jahr 2020 bei fast 3.000 Prozent lag. Planwirtschaft führt immer zur Vernichtung von Wohlstand, auch hier in Europa und den USA. Bereiten Sie sich auf die kommende Geldentwertung vor und nutzen Sie diese irrationale Korrektur am Goldmarkt als Chance, um noch einmal günstig in Edelmetalle und Minenaktien investieren zu können.

Technische Analyse zu Palladium: Historisch einmalige Shortposition – Chipmangel dominierender Faktor

Terminmarkt: COT-Report vom 01.10.2021

Die absolute Short-Position der Spekulanten ist mit netto 3,6 Tsd. Kontrakten so extrem, wie noch nie zuvor in der Geschichte. Dies ist grundsätzlich ein antizyklisches Kaufsetup. Die letzte Handelswoche war neutral, doch in der Vorwoche zeigte sich wieder Schwäche und ein Überangebot, weshalb Trader kurzfristig noch einmal vorsichtig sein müssen.

Das Überangebot am physischen Markt, das sich in der Schwäche am Terminmarkt ausdrückt, ist eine direkte Folge des Chipmangels in der Automobilindustrie, welche in die Kurzarbeit gezwungen wird. Die geringere Automobilproduktion sorgt temporär für geringere Nachfrage nach Palladium für Katalysatoren, wogegen auf das Gesamtjahr weiterhin mit einem Defizit am Markt zu rechnen ist. Nachholeffekte könnten das Überangebot schnell wieder in ein Defizit verwandeln, sobald sich die Lage am Chipmarkt entspannt hat. Dies würde Spekulanten zur Eindeckung ihrer Shortposition zwingen, womit der Preis schnell wieder ansteigen könnte.


Die Terminmarktdaten für Palladium sind im Kaufbereich


Noch nie zuvor hatten die Spekulanten so stark auf einen weiter fallenden Preis gesetzt

Die Nachfrage nach Palladium war aufgrund des Chipmangels schwach. Nachdem sich bei 2.300 US-Dollar antizyklisch eine Kaufchance ergab, wurde dieses Signal kurze Zeit später wieder negiert und auf die Schwäche folgte ein Abverkauf bis an die Unterstützung bei 1.900 US-Dollar.

Das CRV für Käufe auf mittelfristige Sicht von 6-9 Monaten ist bereits sehr gut. Kurzfristige Trader müssen hingegen noch vorsichtig sein, denn sollte der Goldpreis noch einmal auf 1.680 US-Dollar abrutschen, dann wäre es denkbar, dass Palladium noch einmal bis 1.600 US-Dollar korrigiert.

Kann der Goldpreis hingegen seinen Abwärtstrend verlassen und über 1.775 US-Dollar den Kreuzwiderstand überwinden, so würde dies ein kurzfristiges Kaufsignal am Goldmarkt erzeugen. Die Bären am Palladiummarkt könnten es folglich mit der Angst zu tun bekommen und ihre Shortpositionen glattstellen, was dann eine Trendwende bei Palladium einläuten dürfte.

Insgesamt bleibt der Chipmangel in der Automobilindustrie ein exogener Risikofaktor, der schwer einzuschätzen ist. Langfristig wird eine weitere Abschwächung der Weltwirtschaft auf den Palladiumpreis drücken. Mittelfristig erwarten wir noch einmal eine Erholung des Preises, doch Anstiege auf das Allzeithoch bei 2.900 US-Dollar sehen wir als Chance Gewinne einzustreichen.


Die Unterstützung bei 1.900 US-Dollar wird stark umkämpft

Im kurzfristigen Chart sieht man noch einmal deutlich die einfachen technischen Signale, die bereits durch die COT-Daten und weiterer Indikatoren frühzeitig angekündigt wurden. Im Zuge eines schwachen Goldpreises konnte auch Palladium nicht den Widerstand bei 2.500 US-Dollar überwinden. Die COT-Daten zeigten Schwäche und so gab es mit dem erneuten Unterschreiten der Unterstützung bei 2.300 US-Dollar ein erneutes Verkaufssignal.

Da das Defizit am Palladiummarkt, das über die letzten Jahre vorherrschte, aktuell wegen dem Chipmangel verschwunden ist, ist ein Anstieg des Palladiumpreises ohne einen starken Goldpreis kurzfristig unwahrscheinlich. Kann der Goldpreis bullisch ausbrechen, so würde Platin über 2.000 US-Dollar ein kurzfristiges Kaufsignal erzeugen mit dem Ziel bei 2.300 US-Dollar.

Auch wenn das Setup seitens der COT-Daten gut zu sein scheint, reagieren die Platinmetalle extrem stark auf Veränderungen der Nachfrage aus der Automobilindustrie. Dies ist ein Risikofaktor, der kurzfristig schwer einzuschätzen ist. Im Zweifel sollte man kurzfristig den Palladiummarkt meiden oder nur sehr risikoavers agieren.


Die Unterstützung bei 1.900 US-Dollar wird aktuell umkämpft

Blickt man langfristig zurück in die Vergangenheit, so ist Palladium aktuell sehr teuer zu Platin. In den letzten 50 Jahren war Platin fast immer deutlich teurer als Palladium. Es ist weiterhin mit einer zunehmenden Substitution in der Industrie zu rechnen, weshalb sich der Palladiumpreis im Vergleich zu Platin langfristig schlechter entwickeln dürfte. Gerade in einer Stagflation, in der die Margen der Unternehmen immer weiter sinken, dürfte sich dieser Trend weiter fortsetzen. Letztlich dürfte der Palladiummarkt irgendwann in ein Überangebot rutschen, während der Platinmarkt in ein Defizit übergehen sollte.

Platin könnte daher Palladium in den nächsten zehn Jahren outperformen und das Ratio beider Edelmetalle zu ihrem Mittelwert bei 3 zurückkehren. Dies würde bedeuten, dass das günstige Platin das teure Palladium um das Sechsfache outperformen würde, weshalb wir langfristig agierenden Investoren auf Sicht von zehn Jahren ein Investment in Platin empfehlen, da hier das Chance-Risiko-Verhältnis viel besser ist. Kurz- bis mittelfristig dürfte Palladium hingegen noch das stärkere der beiden Edelmetalle bleiben, sobald der Chipmangel vorbei ist und es zu Nachholeffekten kommt. In ein bis zwei Jahren könnte sich dieser Trend jedoch schon verkehren und Platin die Nase vorne haben.


Langfristig gibt es viel Fantasie für einen Preisanstieg von Platin und eine relative Schwäche von Palladium

 

Ifo – Lage der deutschen Autoindustrie trübt sich stark ein

Das entsprechende Ifo-Barometer brach von 32,0 Punkten im Vormonat auf 13,2 Zähler ein, wie das Ifo-Institut am Montag zu seiner monatlichen Umfrage mitteilte. Im Juli lag der Wert sogar noch bei 52,9. “Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Autobranche die am stärksten von Lieferengpässen mit Vorprodukten betroffene Branche ist”, sagte Oliver Falck, der Leiter des Ifo-Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien. Der Autobauer Opel etwa gab erst vorige Woche bekannt, er werde wegen fehlender Halbleiter sein Werk in Eisenach mindestens bis zum Jahresende schließen.

Positive Impulse für die Branche kommen aus dem Ausland: Die Exporterwartungen haben sich deutlich verbessert. Dieser Indikator stieg von 17,0 auf 34,5 Punkte. Das kann sich positiv auf die Produktionserwartungen auswirken: Dieser Wert kletterte von 35,4 auf 37,4 Punkte. “Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Unsicherheit vieler Konsumenten in China durch die Krise des Immobilienentwicklers Evergrande auf die Stimmung der deutschen Autobauer drückt, die inzwischen mehr Autos in China produzieren als in Deutschland”, sagte Falck. Der Handel mit Aktien des hoch verschuldeten Unternehmens Evergrande wurde am Montag an der Hongkonger Börse ausgesetzt, nachdem das Unternehmen vergangene Woche zum zweiten Mal eine wichtige Zinszahlung verpasst hatte.

Auch die Situation im Inland bleibt dem Ifo-Institut zufolge für die deutsche Autoindustrie kritisch: Der Auftragsbestand fiel auf 5,3 Punkte, nach 17,1 im August. Im Juli waren noch 52,5 Zähler ermittelt worden. Die Nachfrage sei erstmals seit Mai 2020 wieder rückläufig, ermittelten die Forscher. Der Wert fiel von 1,7 auf minus 15,7 Punkte.

 

Zitterpartie um Evergrande-Zahlungen geht in die nächste Runde

Der Konzern kündigte am Mittwoch an, seine Beteiligung an der Shengjing Bank für 9,99 Milliarden Yuan (rund 1,3 Milliarden Euro) an eine staatliche Vermögensgesellschaft zu veräußern. Mit den Einnahmen sollen Schulden beglichen werden, die Evergrande bei der Bank hat. Zu einer am Mittwoch fällig werdenden Zinszahlung von 47,5 Millionen Dollar auf eine Auslands-Anleihe gab es dagegen vorerst keine Informationen. Vergangene Woche hatte das Unternehmen eine ähnliche Zahlfrist kommentarlos verstreichen lassen.

Ausländische Investoren machten sich auch dieses Mal wenig Hoffnungen. “Sie haben letzte Woche nicht gezahlt, und sie werden wohl auch dieses Mal nicht zahlen”, sagte der Berater eines internationalen Gläubigers. Allerdings gebe es ja noch die 30-tägige Nachfrist, nach der der Konzern erst offiziell in Verzug gerät. Die Gläubiger warteten deshalb derzeit ab und versuchten, das Schlimmste abzuwenden, sagte der Berater weiter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Bei Evergrande war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

SIGNALE AUS PEKING UND SHENZHEN LASSEN AKTIEN STEIGEN

Das erneute Schweigen des Immobilienriesen zu seinen internationalen Zahlungsverpflichtungen schürt den Verdacht einer Ungleichbehandlung in- und ausländischer Gläubiger. Schließlich geht es bei dem gleichzeitig eingefädelten innerchinesischen Anteilsverkauf weniger um die Stützung von Evergrande selbst als darum, dass mit der Shengjing Bank einer der größten heimischen Kreditgeber noch etwas von seinem Geld sieht. Die Bank fordert, dass der Evergrande-Konzern sämtliche Netto-Einnahmen aus dem Verkauf seiner Shengjing-Anteile zur Begleichung von Schulden bei der Bank nutzen muss. Bereits in der vergangenen Woche hatte Evergrande kurz vor dem Verstreichen der Zahlungsfrist auf einen Dollar-Bond eine Einigung mit heimischen Anlegern über einen Yuan-Bond erzielt.

Der Konzern, einst der Inbegriff des chinesischen Bau-Booms, steht bei Kunden, Banken und Anlegern mit mehr als 300 Milliarden Dollar in der Kreide. Bei Investoren stieg zuletzt die Hoffnung auf staatliche Hilfen. So signalisierte die chinesische Zentralbank Unterstützung für private Evergrande-Anleger. Der jüngste Deal mit dem staatlichen Vermögensverwalter signalisiert Beobachtern zufolge, wie die Pekinger Führung mithilfe eigener Unternehmen einen unkontrollierten Kollaps des Immobilienriesen verhindern will.

Die Signale aus Peking und vom Evergrande-Sitz in Shenzhen sorgten an den Börsen für Erleichterung. In Hongkong legte die gebeutelte Evergrande-Aktie am Mittwoch bis zu 17 Prozent zu.

 

Analysten – Stromausfälle könnten China mehr zusetzen als Evergrande

“Die Evergrande-Krise entwickelt sich schon seit geraumer Zeit, und ich denke, dass die Risiken gezielt entschärft werden”, sagte Hedgefondsmanager Yuan Yuwei von Water Wisdom Asset Management. Die Stromausfälle würden hingegen das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage stören. Das wiederum wirke sich direkt auf den Konsum und die Realwirtschaft aus. “Die Folgen werden eher außer Kontrolle geraten”, warnte Yuan.

20 Provinzen haben seit Mitte August Stromabschaltungen vorgenommen, darunter die Industriezentren Guangdong, Zhejiang und Jiangsu. Das setzt die Profitabilität unter Druck. Das Gewinnwachstum der chinesischen Industrieunternehmen hat sich im August bereits den sechsten Monat in Folge abgeschwächt. Die Überschüsse legten nur noch um 10,1 Prozent zum Vorjahresmonat zu.

China sieht sich einem Energieengpass gegenüber. Hervorgerufen wird der durch knappe Kohlevorräte, strengere Emissionsnormen und eine starke Nachfrage seitens der Hersteller. Das hat zu weitreichenden Drosselungen des Stromverbrauchs geführt. Manche Fabriken haben ihren Betrieb aufgrund von Stromknappheit und staatlichen Auflagen zur Einhaltung von Emissionszielen sogar eingestellt. Die Großbanken Goldman Sachs und Nomura haben daraufhin ihre Prognosen für das chinesische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auch deshalb bereits nach unten korrigiert. Die Aktien chinesischer Chemieproduzenten, Automobilhersteller und Schifffahrtsunternehmen sind gefallen, während Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien in die Höhe geschnellt sind.

Ein Börsenindex, der Nichteisenmetallhersteller wie Kupfer– und Aluminiumunternehmen abbildet, ist in diesem Monat bereits um 15 Prozent gefallen. Die Aktien der größten Stahlhersteller Chinas sind eingebrochen: Baoshan Iron & Steel und Angang Steel haben seit ihren jüngsten Höchstständen von Mitte September jeweils mehr als 20 Prozent verloren.

Die Produktion von Stahl, Aluminium und Zement sowie der Bau von Infrastrukturen seien von den Stromausfällen und Lieferbeschränkungen unmittelbar betroffen, schrieben die Analysten von Morgan Stanley. Die Probleme könnten auf weitere Branchen wie die Schifffahrt und die Autobauer übergreifen. Yang Tingwu, stellvertretender Geschäftsführer des Hedgefondshauses Tongheng Investment, sagte, er bevorzuge jetzt Unternehmen mit wenigen Fabriken. Chinas Beschränkungen für Energie- und Kohlenstoffemissionen seien “auf kurze Sicht schlechte Nachrichten für die Gesamtwirtschaft”.

Bei Investoren steigt derweil die Hoffnung auf staatliche Hilfen für den schuldenbeladenen Immobilienkonzern Evergrande. Die chinesische Zentralbank signalisierte Unterstützung für private Anleger, denen Evergrande Milliarden schuldet.

 

Bitcoin – Das chinesische Kartenhaus bricht zusammen

Rückblick

Schon seit dem neuen Allzeithoch um 65.000 USD am 14.April 2021 befindet sich der Bitcoin in einer Korrektur. In den ersten Wochen nach diesem Allzeithoch wiegte sich die Krypto-Gemeinde aber noch in Sicherheit, denn Bitcoin konsolidierte zwischen 47.000 und 60.000 USD seitwärts, während Ethereum (ETH) und zahlreiche andere Altcoins noch bis zum 10.Mai auf neue Rekordhochs stürmten („altcoin season“).

Eine erste scharfe Korrekturwelle warf die Bitcoin-Notierungen dann jedoch zügig bis auf ca. 29.500 USD in den Keller. Im Anschluss kam es bis Mitte Juli zu einer zweimonatigen Bodenbildung, wobei mit 28.500 USD nochmal ein leicht tieferes Tief gesehen wurde (-56% vom neuen Allzeithoch).

Auf der Basis eines völlig darniederliegenden Sentiments mit sehr hohen Panikwerten startete ab dem 20.Juli schließlich ein gewaltiger Short-Squeeze, welcher den Bitcoin innerhalb von nur sieben Wochen wie vermutet bis an das 61,8%-Retracement und darüber hinaus bis auf 52.950 USD um über 80% nach oben katapultierte. Die meisten Altcoins zogen bei dieser Erholung mit, einige ausgewählte Coins wie Solana (SOL) und Cardano (ADA) erreichten sogar neue Rekordstände. Ethereum (ETH) hingegen verfehlte trotz einer Erholung von 134% genau wie der Bitcoin sein Allzeithoch.

Seitdem kam es in den letzten drei Wochen zu einer neuerlichen Korrekturwelle. Dabei fielen die Bitcoin-Notierungen bereits bis auf 39.650 USD und Ethereum bis auf 2.650 USD zurück. Trotz dieser insgesamt ernüchternden Performance in den letzten Monaten ist der Optimismus im Sektor weiterhin groß. Absurde Züge nahm vor allem der Hype um die sogenannten NFTs (Non-Fungible Tokens) an.

An sich sind NFTs ganz sicher eine spannende Entwicklung mit hohem Potenzial für die Zukunft. Aber angesichts der absurd hohen Beträge, welche hier zuletzt für in der Regel erbärmliche digitale Bildchen bezahlt wurden, man muss eindeutig von einer „JPGmania“ sprechen!

Insgesamt ist die Bitcoin-Rally seit dem 14.April entweder „nur“ unterbrochen oder aber beendet und der Sektor befindet sich bereits in einem Krypto-Winter. Zu dieser an sich noch unklaren Situation kommt nun das Zusammenbrechen der Immobilienblase in China….

Chartanalyse Bitcoin in US-Dollar

Bitcoin in USD, Wochenchart vom 28.September 2021. Quelle: Tradingview

In den letzten Monaten ist die Bitcoin-Rally ins Stocken geraten. Der Wochenchart setzt bislang eine Konsolidierung auf hohem Niveau in Szene. Das tiefere Hoch bei 52.950 USD lässt allerdings nichts Gutes erahnen. Nur mit Fantasie und viel Optimismus lässt sich ein größeres Konsolidierungsdreieck (gestrichelt in hellblau) konstruieren, welches bullisch nach oben aufgelöst werden könnte. Bestätigt ist dieses Muster aber noch lange nicht.

Klar ungünstig wirkt sich hingegen das noch recht frische Stochastik-Verkaufssignal aus. Der Oszillator hat erst kürzlich nach Süden gedreht und könnte für den Weg bis in die überverkaufte Zone viele Wochen benötigen. Damit kommt vermutlich schon der Unterstützungszone zwischen ca. 38.000 und 41.000 USD entscheidende Bedeutung zu.

Denn je öfter die Bären hier attackieren, umso brüchiger wird diese Unterstützung. Einen bärischen Durchbruch müssten die Bullen dann allerspätestens im Bereich um 34.500 bis 35.500 USD quasi sofort kontern. Andernfalls ist der Weg gen 30.000 USD bereits vorgezeichnet, womit sich jedoch das große Bild erheblich eintrüben würde.

Insgesamt kann man den Wochenchart noch als halbwegs neutral innerhalb einer großen Seitwärts-Konsolidierung klassifizieren. Gut schaut die Angelegenheit aber nicht mehr aus und man fragt sich schon, woher eigentlich alle Krypto-Investoren in diesen Tagen ihren Optimismus nehmen.

Unterschreitet der Bitcoin das Tief aus der Vorwoche bei 39.525 USD dreht die Sachlage auf Alarmstufe rot! Nur bei Bitcoin-Kursen oberhalb von 51.000 USD steigen die Wahrscheinlichkeiten für eine Fortsetzung der Rally wieder deutlich an.

Bitcoin in USD, Tageschart vom 28.September 2021. Quelle: Tradingview

Auf dem Tageschart hat sich durch das letzte Hoch bei 52.950 USD eine neue Abwärtstrendlinie ergeben, die ab jetzt auf der Oberseite das Maß aller Dinge für den Bitcoin sein dürfte. Zusammen mit dem 61,8%-Retracement bei 51.030 USD ist somit die Zone zwischen aktuell ca. 50.000 und 51.000 USD ein betonhartes Widerstandslager der Bären. Aber bereits die leicht fallende 200-Tagelinie (45.505 USD) konnten die Bullen zuletzt nicht mehr verteidigen.

Noch ist hier keine eindeutige Entscheidung gefallen, aber je länger sich das Kursgeschehen unterhalb dieses gleitenden Durchschnitts bewegt, desto mehr wird die 200-Tagelinie ebenfalls zu einem Widerstand. Der Stochastik Oszillator driftet dazu passend gen Süden, hat aber die überverkaufte Zone noch nicht erreicht. Das technische Bild trübt sich also auch auf dem Tageschart zunehmend ein.

Zusammengefasst ist der Tageschart in einem Abwärtstrend und damit bärisch. Bislang ging es in den letzten drei Wochen in zwei Schüben gen Süden. Aufgrund der beiden eingebauten Zwischenerholungen ist bislang noch keine überverkaufte Lage entstanden. Stattdessen hat der Stochastik Oszillator noch Luft nach unten, so dass Kursziele im Bereich 35.000 bis 38.000 USD auf Sicht der kommenden ein bis vier Wochen realistisch erscheinen.

Sentiment Bitcoin

Crypto Fear & Greed Index vom 27.September 2021. Quelle: Crypto Fear & Greed Index

Durch den Abverkauf der letzten drei Wochen ist die Stimmung wieder ein gutes Stück in den Keller gerutscht. Eine extreme Panik ist aktuell aber sicherlich (noch) nicht zu beobachten.

Crypto Fear & Greed Index langfristig vom 26.September 2021. Quelle: Sentimentrader

Mittelfristig betrachtet erlebte das Bitcoin-Sentiment in den letzten Monaten ein wahre Achterbahnfahrt. Nach der totalen Euphorie zum Jahresbeginn und einer weiterhin exzessiv gierigen Stimmung bis in den Mai hinein, lagen die Nerven dann vor allem im Juni und Juli aufgrund der scharfen Korrektur blank. Klassischerweise kam es daher ab Ende Juli bis in den September hinein zu der gewaltigen Short-Covering Rally, welche sentiment-technisch wiederum für einen völlig übertriebenen Optimismus sorgte.

In der Summe scheint der Krypto-Sektor momentan auf dem Weg zum nächsten Panik-Tief. Bis dahin wird es aber wohl noch einige Kursverluste benötigen. Übergeordnet verlieren die Optimisten zudem seit Jahresanfang an Momentum. D.h. die Stimmung wird sich möglicherweise über längere Zeit im Keller einnisten müssen, was wiederum für eine ausgedehnte und tiefe Korrektur sprechen würde.

Bitcoin gegen Gold

Bitcoin/Gold-Ratio vom 28.September 2021. Quelle: Tradingview

Bei Kursen von derzeit ca. 41.700 USD für einen Bitcoin und 1.742 USD für eine Feinunze Gold liegt das Bitcoin/Gold-Ratio aktuell bei 23,91. D.h. man muss für einen Bitcoin derzeit fast 24 Unzen Gold bezahlen. Andersherum gesagt kostet eine Feinunze Gold aktuell ca. 0,0417 Bitcoin. Im Vergleich zu den Höchstkursen im März und April hatte der Bitcoin zunächst über 56% gegen Gold verloren.

Ab Mitte Mai konsolidiert das Bitcoin/Gold-Ratio zwei Monate lang seitwärts. Im Anschluss dezimierte der Bitcoin das Gold aber wieder durch seine scharfe Erholung. Das Hoch vom April wurde aber klar verfehlt, so dass nun eine mögliche Trendwende zugunsten des Goldes möglich wäre. Dazu müsste der steile Aufwärtstrendkanal aber nach unten durchbrochen werden. Gelingt dies, eröffnet sich erhebliches Erholungspotenzial für den Goldpreis gegen den Bitcoin. Und sei es nur dadurch, dass Gold deutlich weniger stark fällt als der Bitcoin.

Grundsätzlich sollte man sowohl in Edelmetallen als auch in Bitcoins investiert sein. D.h. mindestens 10% und besser 25% seines Gesamtvermögens sollte man in physische Edelmetalle anlegen, während man in Kryptos und vor allem im Bitcoin zunächst wenigstens 1% bis 5% halten sollte. Wer sich mit den Kryptowährungen und Bitcoin sehr gut auskennt und das Potenzial erkannt hat, kann individuell sicherlich bei größeren Rücksetzern auch deutlich höhere Prozentzahlen in Bitcoin allokieren. Für den normalen Anleger, der natürlich vor allem in Aktien und Immobilien investiert ist, sind maximal 5% im immer noch spekulativen und vor allem hochvolatilen Bitcoin aber ein guter Richtwert.

Aktuell müssen sich Anleger aber auf heftige Kursverluste in allen Assetklassen einstellen. Diese werden im Bitcoin heftiger, im Gold milder ausfallen.

Makro-Update: Das chinesische Kartenhaus bricht zusammen

Während die Notenbanken unvermindert ihre Bilanzsummen und damit ihre Währungsmengen wöchentlich weiter aufblasen, versucht insbesondere die amerikanische FED die Märkte mit ihrem Tapering- und Normalisierungsgeschwätz zu bluffen. Wenn wir die Zeichen der Zeit aber richtig deuten, werden die Märkte gar nicht mehr zu einer Tapering-Nagelprobe ansetzen können, denn in China braut sich mittlerweile gewaltiges zusammen!

Ein Bild, das Text, draußen, Stadt enthält.

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Geisterstädte (mit nachgebautem Eifelturm!) in China

Seit der Finanzkrise 2008 ist China in unglaublicher Geschwindigkeit gewachsen und zu einem der größten globalen Player aufgestiegen. Dabei sind in den letzten 15 Jahren Milliarden von USD nach China geflossen. Die massive Wanderungsbewegung vom Land in die Stadt sowie die dortige Aufbruchsstimmung basierend auf den durch Deng Xiaoping eingeführten Marktreformen in Verbindung mit den weltweit gewaltigen Stimulus-Maßnahmen lösten einen noch nie gesehen Boom aus, der auch die westliche Welt aus dem Sumpf der Finanzkrise zog.

In einer zentralistisch (= sozialistisch, = kommunistisch, = totalitär) geführten Volkswirtschaft werden die Finanzmittel und Produktionsgüter aber nicht effizient nach Angebot und Nachfrage verteilt, sondern am Bürokraten-Schreibtisch zentral ohne die Schwarmintelligenz des freien Marktes umverteilt. So haben die lokale Parteibonzen die ständigen Wachstums-Vorgaben aus der weit entfernten Parteizentrale in Peking zunehmend in den Immobiliensektor geleitet, in der blinden Hoffnung damit das gewünschte und vorgegebene Wachstum zu erzeugen.

Das ging Jahre lang gut und kurbelte die Weltwirtschaft an. Natürlich mischten auch die westlichen Finanzinstitute bei der Finanzierung und Kredit-Bündelung kräftig mit. Die immer weiter steigenden Immobilienpreise sorgten für einen sich selbst verstärkenden Effekt, so dass immer größere Kartenhäuser basierend auf den gestiegenen Grundstückspreisen gestrickt werden konnten.

Die Bilder von sogenannten Ghost Cities sind schon seit einigen Jahren im Umlauf, trotzdem ging der Immobilienboom, welcher ca. 25% der Wirtschaft in China ausmacht, immer weiter. Betrug und extreme Hebel dürften dort an der Tagesordnung gewesen sein. Mit der nun offensichtlichen Pleite von Evergrande, welche bereits seit über einem Jahr schmorte, ist die Party aber zu Ende.

Es besteht höchste Ansteckungsgefahr und ein weltweiter Flächenbrand wird immer wahrscheinlicher. Zu verschachtelt und intransparent ist der hochverschuldete Immobiliensektor in China. Wir müssen davon ausgehen, dass schon in Kürze weitere Zusammenbrüche anstehen und dass vor allem ausländische Investoren ihre Kredite abschreiben werden müssen.

Das Aufwachen in der westlichen Welt wird dramatische Konsequenzen haben, insbesondere da man nun feststellen wird müssen, dass man jahrelang eine gefaktes Kartenhaus mit hohen Milliardenbeträgen finanziert hat und am Ende nur leerstehende Hochhauswüsten, Geisterstädte und unvollendete Baustellen zurückbleiben. Die Frage lautet nicht mehr ob, Evergrande „too big to fail“ ist, sondern ob der chinesische Immobilen-Sektor womöglich „too big to save“ ist.

Alle Märkte werden von einer „Risk-off Mentalität“ getroffen werden und nur der US-Dollar wird in diesem Umfeld zumindest vorübergehend der sichere Hafen sein. Der Goldpreis aber auch die seit April laufende Korrektur beim Bitcoin zeichnen dieses Bild schon vor. Allerdings werden die Notenbanker panisch auf die absehbaren Zusammenbrüche reagieren und mit gewaltigen Rettungsmaßnahmen alles bisher Gesehene in den Schatten stellen. Spätestens wenn die Special Drawing Rights (SDRs) ins Spiel kommen, kann das Kursgeschehen schlagartig von stark deflationär auf stark inflationär drehen.

Anlegern in allen Assetklassen steht eine schwindelerregende Achterbahnfahrt bevor. Man ist gut beraten momentan jegliches Risiko zurückzufahren und genügend Bargeldreserven sowie physisches Gold und Silber vorzuhalten.

Fazit: Die Party ist vorbei, Risk-Off!

Der Krypto-Sektor wurde in den letzten Jahren immer wieder heftig von der Kommunistischen Partei Chinas attackiert. Das Mining-Verbot im Juni sorgte schließlich für Konsequenzen und setzte die Bitcoin-Preise stark unter Druck. Nun hat China auch die ASIC-Chip-Hersteller angegriffen. Damit geht ein Jahrzehnt der Hashrate-Konzentration in China zu Ende.

Mittel- und längerfristig dürfte das Bitcoin-Netzwerk dadurch deutlich dezentralisierter und robuster werden. Viele der Miner bzw. deren Mining-Equipment ist bereits aus China in andere Länder abgewandert. In den USA droht allerdings eine deutliche Verschärfung der Regulierung durch die Bundesregierung. Kurzfristig ergibt sich dadurch weiteres Korrekturpotenzial in einem Markt, der sowieso schon angeschlagen ist.

Die Makro-Situation ist ohne Zweifel hochkomplex und schwer zu durchschauen. Fakt ist jedoch, dass der Bitcoin technisch bereits seit April in einer Korrektur steckt. Gleichzeitig kommen aus China zunehmend gewaltige Schockwellen aufgrund des Zusammenbruchs des dortigen Immobiliensektors als auch durch die massiven Angriffe der Zentralregierung auf den Bitcoin selbst. In den USA wird es voraussichtlich zu einer heftigen Regulierung der Stable-Coins kommen.

Insgesamt ist daher zu befürchten, dass der Bitcoin schon in Kürze eine Etage tiefer segeln bzw. crashen wird und womöglich auch die nächste Unterstützung um 35.000 USD dann nur eine Durchgangsstation darstellen könnte. Im Bitcoin-Future wartet weiterhin die offene Kurslücke zwischen 24.605 USD und 26.080 USD.

Wir gehen aktuell mindestens von einem Rücksetzer bis auf 35.000 USD aus, halten aber auch eine weitaus tiefere Korrektur für sehr gut möglich. Es empfiehlt sich höchste Vorsicht und eine „Risk-Off Mentalität“.

Florian Grummes

Edelmetall- und Krypto-Experte

www.midastouch-consulting.com

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Quelle: www.celticgold.eu

 

Zentralbank signalisiert Hilfen für Krisenkonzern Evergrande

Die People’s Bank of China (PBOC) versprach, die Rechte und Interessen von Privatleuten, die am Immobilienmarkt investiert sind, zu wahren. Konkret zu den Schuldenproblemen von Evergrande äußerte sich die Notenbank nicht, bei Anlegern machte sich dennoch Erleichterung breit. Die gebeutelten Evergrande-Aktien legten in Hongkong um gut acht Prozent zu. Auch Titel von anderen Immobilienkonzernen.HSCIPC waren gefragt.

Die PBOC erklärte auf ihrer Internetseite am Montagabend zudem, sie werde ihre Geldpolitik “flexibel, zielgerichtet und angemessen” gestalten sowie ein stabileres Kreditwachstum und eine angemessene Liquidität im Markt gewährleisten. Zudem pumpte die Zentralbank weitere Milliarden in den Geldmarkt. Auf einen Kommentar der Regierung oder der Notenbank haben Investoren seit Tagen gewartet.

Die Provinzregierung der Stadt Shenzhen will die Vermögensverwaltungssparte Evergrande Wealth unter die Lupe nehmen. In einem Brief an Anleger, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte, teilte die Finanzaufsicht von Shenzhen mit, eine gründliche Untersuchung der Schuldenprobleme der Firma einleiten zu wollen. Zudem forderte sie Evergrande auf, sich um Rückzahlungen an Anleger zu bemühen. Weder Evergrande noch die Regierung von Shenzhen nahmen dazu Stellung.

Evergrande hat – wie andere hoch verschuldete Konglomerate auch – hochverzinsliche Anlageprodukte an Anleger verkauft und sich damit Geld unter Umgehung der staatlichen Vorschriften für die Aufnahme von Krediten besorgt. Insgesamt türmte der Konzern in den vergangenen Jahren Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar auf und ist in Zahlungsverzug gegenüber Gläubigern geraten. Anleger fürchten bei einem möglichen Zusammenbruch des zweitgrößten chinesischen Immobilienentwicklers negative Auswirkungen auf andere Branchen.

In der vergangenen woche hatte Evergrande eine Zahlungsfrist für Anleihezinsen kommentarlos verstreichen lassen. Am Mittwoch werden weitere 47,5 Millionen Dollar fällig.

 

SOZIALER FRIEDEN SOLL ERHALTEN BLEIBEN

Analysten gehen mittlerweile fest davon aus, dass sich die Regierung in Peking darum bemühen wird, eine Finanzkrise wie nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers 2009 zu vermeiden. “Wir gehen davon aus, dass die Auswirkungen auf das Bankensystem überschaubar sein werden und dass sich die Regierung stattdessen auf die sozialen Folgen unfertiger Wohneinheiten konzentrieren wird”, sagte Sheldon Chan, Leiter der Asien-Anleihestrategie des Brokerhauses T. Rowe Price. Für Evergrande arbeiten rund 200.000 Menschen, jährlich heuert der Konzern mehrere Millionen Arbeiter für Bauprojekte an. Wütende Investoren hatten vor ein paar Wochen die Zentrale des Unternehmens gestürmt und ihr angelegtes Geld zurückverlangt.

Der Präsident der Förderbank Asian Development Bank (ADB), Masatsugu Asakawa, sagte, China habe ausreichende geldpolitische Möglichkeiten zur Stützung des Finanzsystems und zur Vermeidung von Dominoeffekten. “Ich glaube nicht, dass die Schwierigkeiten einer einzigen Firma eine globale Krise auslösen werden, wie sie durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers verursacht wurden”, sagte Asakawa. Finanzielle Folgen für Kunden von Evergrande und die haushaltspolitische Lage von chinesischen Lokalprovinzen seien aber nicht auszuschließen.

Um herauszufinden, welche Banken in welchem Ausmaß von einem möglichen Evergrande-Kollaps betroffen sein könnten, verlangt die Zentralbank in Hongkong Auskünfte der Kreditinstitute, wie Bloomberg unter Berufung auf Insider berichtete. Sie hätten 24 Stunden Zeit für eine Rückmeldung an die Aufsichtsbehörde. Wie Daten der Researchfirma Morningstar zeigten, gehören zu den Anleihegläubigern von Evergrande unter anderem BlackRock, die Royal Bank of Canada sowie die Schweizer Bank UBS Group und der Londoner Vermögensverwalter Ashmore.

 

Furcht vor Zusammenbruch steigt – Evergrande zahlt nicht

Das Unternehmen ließ am Freitag eine viel beachtete Zahlfrist für Anleihezinsen kommentarlos verstreichen. Evergrande-Aktie brachen um zwölf Prozent ein. Sichere Anlagehäfen wie Gold und deutsche Bundesanleihen standen dagegen hoch im Kurs. Der zweitgrößte Immobilienentwickler Chinas hat Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar aufgetürmt. Experten fürchten, dass ein Kollaps schwere Folgen für das chinesische Finanzsystem hat. Investoren hoffen auf ein Eingreifen der Regierung in Peking.

Evergrande hatte eigentlich angekündigt, Zinsen in Höhe von 83,5 Millionen Dollar für eine Übersee-Anleihe ausschütten zu wollen. Die Inhaber der Anleihe hätten aber weder das Geld noch eine Nachricht des Unternehmens erhalten, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen zu Reuters. Unklarheit herrschte auch über Zinszahlungen von 47,5 Millionen Dollar, die in den kommenden Tagen fällig werden. Für Evergrande beginnt nun eine 30-tägige Nachfrist, nach der der Konzern offiziell in Verzug geraten würde. Zinsen für einen heimischen Bond hatte Evergrande zuletzt bedient. “Die Regierung in Peking denkt sich wohl, dass sie Gläubiger aus dem Ausland anders behandeln kann”, sagte Karl Clowry, Partner beim Brokerhaus Addleshaw Goddard.

Die chinesische Zentralbank pumpte erneut Geld in das Bankensystem, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Von Seiten der Regierung kam aber bislang nichts Offizielles zu möglichen Staatshilfen. Das “Wall Street Journal” hatte unter Berufung auf Insider berichtet, Behörden in Peking hätten Lokalregierungen darum gebeten, Vorbereitungen für einen möglichen Zusammenbruch Evergrandes zu treffen. “Die Regierung in Peking wird wohl versuchen, größere Verwerfungen zu verhindern und vor allem die Verluste der chinesischen Bevölkerung in Grenzen zu halten”, erklärte LBBW-Analyst Frank Klumpp. Evergrande hat Finanzberater engagiert, die eine Restrukturierung ausarbeiten sollen.

Einzelne Banken in China stoppten die Kreditvergabe für Immobilienentwickler, wie Reuters aus Finanzkreisen erfuhr. “Es wird davon ausgegangen, dass nicht nur Evergrande, sondern auch einige andere Entwickler am Rande einer Liquiditäts-Krise oder sogar einer Insolvenz stehen”, sagte ein Insider bei der Bank of Shanghai. Für Bauprojekte in weniger populären Städten sei es viel schwieriger geworden, Darlehen zu bekommen, sagte eine andere Person beim Vermögensverwalter Huarong. Andere Banken verlangten inzwischen mehr Sicherheiten.

Rund 30 Prozent des gesamten Kreditvolumens chinesischer Finanzinstitute entfiel zuletzt auf den Immobilienbereich, wie Daten der Zentralbank zeigen.

SPIEL AUF ZEIT

“Je länger die Politik wartet, bevor sie handelt, desto höher ist das Risiko einer harten Landung”, warnten Analysten der Bank Societe Generale. “Wir sind besorgt über die möglichen Auswirkungen auf die Realwirtschaft.” Bei Evergrande arbeiten 200.000 Menschen, mehrere Millionen Arbeiter werden jährlich für Bauprojekte angeheuert. Zudem haben viele Kleinanleger Geld in Evergrande-Finanzprodukte investiert. Manche von ihnen hatten vor ein paar Tagen die Zentrale des Unternehmens gestürmt und ihr Geld zurückverlangt. Analyst Jackson Chan vom Online-Broker Bondsupermart erwartet, dass Evergrande die 30-tägige Frist nun voll ausnutzt, um mögliche Unterstützung des Staates abzuwarten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) schickte beruhigende Signale in die Märkte. Die Probleme von Evergrande seien auf China zentriert, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde dem TV-Sender CNBC. “Für Europa kann ich sagen, dass das direkte Engagement begrenzt ist.” Die EZB schaue sich die Situation aber an. Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve, Jerome Powell, hatte zuletzt erklärt, mögliche Folgen für US-Unternehmen durch die Schuldenprobleme von Evergrande seien begrenzt. Dagegen warnte die Schweizer Notenbank SNB davor, die Situation zu verharmlosen und es als lokales Problem in China zu betrachten.

Evergrande hat sein Wachstum in den vergangenen Jahren mit Schulden finanziert und gerät nun in Zahlungsverzug gegenüber Banken, Anleihegläubigern sowie Kunden und Mitarbeitern. Mehrere Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit herunter, Aktien und Anleihen gerieten in freien Fall. Seit Jahresanfang büßten Evergrande-Titel 85 Prozent ihres Wertes ein. Auch die Titel anderer Immobilienkonzerne stehen unter Druck.

 

Schweizer Notenbank – Evergrande ist nicht nur lokales Problem

“Es ist falsch, hier in Alarmismus zu verfallen, aber auch falsch, hier einfach alles zu ignorieren und zu sagen, es sei ein lokal kleines Problem”, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. “Wir haben immer wieder gesehen, dass aus scheinbar kleinen Entwicklungen plötzlich die Finanzmärkte verunsichert werden und größere Korrekturen kommen. Wir werden das ganz genau verfolgen, wie das alle anderen Zentralbanken auch machen werden.”

Evergrande zeige, dass es immer wieder zu unerwarteten Störungen kommen könne, die dann größere Auswirkungen hätten, sagte Jordan. Entsprechend wichtig sei es, dass die Akteure auf den Finanzmärkten wie etwa Banken über Eigenkapitalpolster verfügten, um Verluste absorbieren und so Dominoeffekte vermeiden zu können.

Von Schweizer Banken sind bisher keine Alarmsignale gekommen. Credit Suisse erklärte am Mittwoch, dass ein Schwellenländer-Anleihenfonds der Bank mit 0,6 Prozent des Gesamtvolumens von zuletzt rund zwei Milliarden Dollar in Evergrande-Papieren investiert sei. Zudem seien Zielfonds von eigenen Dachfonds minimal exponiert. Ausfälle der Anleihen würden aber in erster Linie die Fonds-Inhaber und nicht die Bank selbst treffen. Zur Frage, ob auch die eigene Bilanz des Instituts von einem Ausfall betroffen wäre, erklärte ein Sprecher: “Die Credit Suisse ist kein bestehender Kreditgeber von Evergrande, und wir haben kein direktes Kreditengagement bei diesem Unternehmen.” Die UBS habe kein “materielles Exposure” gegenüber Evergrande, erklärte eine der Bank nahestehende Person.

Der mit insgesamt 305 Milliarden Dollar verschuldete chinesische Immobilienriese hatte kürzlich bekanntgegeben, mit Hilfe “privater Verhandlungen” eine Lösung für die am Donnerstag fällige Zinszahlung eines bis 2025 laufenden Yuan-Bonds gefunden zu haben. Unklar blieb aber zunächst, ob Evergrande im Tagesverlauf Zinsen für eine Anleihe wie versprochen bedient.