Anleger vor US-Inflation auf der Hut – Coba und Bayer heben ab

Der Dax kam am Mittwoch trotz einer Welle von teils deutlich besser als erwartet ausgefallenen Firmenbilanzen nur schwer vom Fleck und notierte am Mittag 0,2 Prozent höher bei 15.155 Punkten. Der EuroStoxx50 trat bei 3949 Punkten auf der Stelle.

Investoren spekulieren, dass steigende Rohstoffpreise und wachsender Inflationsdruck in den USA zu früheren Zinserhöhungen und höheren Anleiherenditen weltweit führen könnten. Analysten rechnen bei den Inflationsdaten am Nachmittag (MESZ) im Schnitt für April mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Vormonat hatte der Wert bei 2,6 Prozent gelegen. Steigt die Inflation stärker als von der US-Notenbank erwartet ist Experten zufolge fraglich, ob sie noch längere Zeit an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten kann.

Für die Aktienmärkte sei der Zinsanstieg ein giftiger Cocktail, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. “Die Verkaufsbereitschaft hat deutlich zugenommen.” Steigende Zinsen erhöhen unter anderem die Finanzierungskosten für die Unternehmen.

ANLEIHERENDITEN GEBEN NACH – KUPFER WEITER IM AUFWIND

An den Anleihemärkten gingen die Renditen nach dem jüngsten Anstieg zurück. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundespapiere fiel um rund einen Basispunkt auf minus 0,17 Prozent, nachdem sie am Dienstag auf den höchsten Stand seit März vergangenen Jahres geklettert war. Die US-Treasuries rentierten mit 1,617 Prozent ebenfalls leicht unter ihrem Vortagesniveau. Analysten zufolge schichteten einige Anleger ihr Geld aus hoch bewerteten Aktiensegmenten um, was den Renditerückgang bei den Anleihen erkläre.

Am Markt für Industriemetalle blieben die Konjunkturoptimisten am Ruder. Kupfer verteuerte sich um bis zu 1,5 Prozent auf 10.620 Dollar je Tonne und blieb auf Tuchfühlung mit dem jüngsten Rekordhoch.

Der Ölpreis blieb unterstützt von der Hoffnung auf eine baldige Nachfrageerholung. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 68,99 Dollar je Fass. Die Internationale Energieagentur (IEA) verstärkte den Optimismus der Investoren mit ihrer jüngsten Markteinschätzung: “Das erwartete Angebotswachstum für den Rest des Jahres entspricht bei weitem nicht unserer Prognose für eine deutlich stärkere Nachfrage über das zweite Quartal hinaus.”

STARKER JAHRESAUFTAKT BEI BAYER UND COBA

Bei der Commerzbank bejubelten Anleger einen starken Jahresauftakt. Die Aktien schossen um 7,5 Prozent nach oben. Die zweitgrößte Privatbank Deutschlands kehrte überraschend in die schwarzen Zahlen zurück und blickt optimistischer nach vorne. Papiere von Bayer standen mit einem Kursplus von 3,9 Prozent an der Dax-Spitze. Vor allem dank des Agrargeschäftes habe der Umsatz im Quartal vier Prozent über den durchschnittlichen Analystenerwartungen gelegen, hieß es bei Credit Suisse. Obwohl die Jahresprognose nicht angehoben worden sei, sollten die Aktien von den starken Quartalszahlen profitieren, fassten die Analysten von JP Morgan zusammen.

Eine angehobene Prognose von Deutsche Telekom kam ebenfalls gut an. Die Aktien kletterten um 2,2 Prozent. Der Telekomkonzern habe zum Jahresstart Stärke bewiesen, urteilten die Analysten von Jefferies. Das stimme für die mittelfristigen Aussichten optimistisch.

In London stiegen die Aktien von Diageo mehr als drei Prozent. Der weltgrößte Spirituosenhersteller mit Marken wie Johnnie Walker oder Smirnoff rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem organischen Wachstum des Betriebsgewinns von mindestens 14 Prozent und kommt mit seinem Aktienrückkaufprogramm weiter voran.

 

Börsen erholen sich vom “Yellen-Schreck”

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Mittwoch um jeweils etwa zwei Prozent auf 15.170,78 beziehungsweise 3998,98 Punkte, nachdem sie am Dienstag als Reaktion auf Aussagen von US-Finanzministerin Janet Yellen zu möglichen Zinserhöhungen jeweils rund zwei Prozent abgerutscht waren. An der Wall Street ging der breit gefasste S&P 500-Index ebenfalls auf Erholungskurs und gewann 0,4 Prozent.

“Einige ihrer Aussagen wurden von Anlegern offenbar fälschlicherweise als Aufforderung an die Fed zu Zinserhöhungen interpretiert”, sagte James Athey, Manager beim Vermögensverwalter Aberdeen Standard. Die Kursreaktionen zeigten, wie nervös Investoren seien. “Es könnte sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssen, um sicher zu stellen, dass unsere Wirtschaft nicht überhitzt”, hatte Yellen unter anderem gesagt. Später betonte sie, dass dies weder etwas sei, das sie erwarte oder empfehle.

Ein Straffung der US-Geldpolitik sei ohnehin auf absehbare Zeit nicht in Sicht, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Schließlich werde die Notenbank Fed nicht müde zu betonen, dass ihr Ziel Vollbeschäftigung sei, komme was wolle.

ÖLPREIS ZIEHT AN – KUPFER AUF REKORDHOCH

Genährt wurden die Inflationsspekulationen von den steigenden Rohstoffpreisen. So verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um gut ein Prozent auf 69,61 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in den westlichen Industrienationen würden die Nachfrage in der Sommer-Reisesaison voraussichtlich in die Höhe treiben, prognostizierte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates. Ein landesweiter Lockdown in Indien, wo das Coronavirus derzeit besonders heftig wütet, könnte die Stimmung aber schnell wieder eintrüben, warnten seine Kollegen von der ING Bank. Der Index für die europäischen Öl- und Gaswerte stieg dennoch um 3,2 Prozent.

Unterdessen stieg der Preis für eine Tonne Kupfer um bis zu 0,7 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 10.040 Dollar je Tonne. Gleiches galt für den Index des europäischen Bergbau-Sektors, der zeitweise 618,60 Punkte erreichte. Das Industriemetall profitierte Börsianern zufolge von der Aussicht auf eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft von den Coronavirus-Folgen. Hinzu komme der Trend zur Elektromobilität und zum klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft, der den Bedarf von Stromleitungen in die Höhe treibe. Gleichzeitig sei das Angebot knapp.

DEUTSCHE POST, MOELLER-MAERSK UND T-MOBILE US IM AUFWIND

Das “stärkste Auftaktquartal aller Zeiten” und angehobene Gesamtjahresziele hievten die Papiere der Deutschen Post auf ein Rekordhoch von 51,30 Euro. Der Logistik-Konzern sei für 2021 optimistischer als er, schrieb DZ Bank-Analyst Dirk Schlamp. “Die Tatsache, dass die Post auch die Mittelfristziele angehoben hat, unterstreicht, dass das Unternehmen auch für die Post-Covid-Zeit zuversichtlich gestimmt ist.” Die “Aktie Geld” schloss 4,6 Prozent im Plus bei 50,88 Euro.

Auch Moeller-Maersk blickt optimistisch in die Zukunft. Das Quartalsergebnis der Containerschiff-Reederei liege im Rahmen der Markterwartungen, kommentierte Analyst David Kerstens von der Investmentbank Jefferies. Die neuen Gesamtjahresziele lägen aber deutlich darüber. Darüber hinaus kündigte das Unternehmen weitere fünf Milliarden Dollar schwere Aktienrückkäufe an. Die Aktie stieg daraufhin in Kopenhagen um sieben Prozent.

Nach einem Umsatz- und Gewinnsprung hob auch T-Mobile die Gewinnziele an. Dank des stetigen Kundenzustroms und Einsparungen durch die Fusion mit dem Rivalen Sprint rechne er mit steigenden Mittelzuflüssen bei der US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, prognostizierte Analyst Colby Synesael vom Vermögensverwalter Cowen. Außerdem stehe 2023 ein Aktienrückkauf auf der Agenda. T-Mobile-Titel rückten vier Prozent vor.

 

Europas Börsen auf Talfahrt – “Die Luft ist raus”

Der Dax sackte bis zum Nachmittag um 1,4 Prozent ab und rutschte zeitweise knapp unter die Marke von 15.000 Punkten. Der EuroStoxx50 fiel um ein Prozent auf 3960 Zähler. Auch die Kurse an der Wall Street gaben vorbörslich nach.

Trotz starker Firmenbilanzen geht es an den Aktienmärkten seit einigen Tagen nicht weiter voran, was einige Börsianer mittlerweile als Warnsignal werten. “Die Luft ist raus. Das deutet darauf hin, dass eine Konsolidierung unmittelbar bevorsteht”, sagte ein Händler. Seit Jahresbeginn hat der Dax rund elf Prozent gewonnen.

Ein Renditesprung an den Anleihemärkten zu Wochenbeginn drückte zudem nachhaltig auf die Stimmung der Anleger und schürte frische Inflationssorgen. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundestitel gab indes auf minus 0,216 Prozent nach, nachdem sie am Montag bei minus 0,16 Prozent ein 14-Monats-Hoch markiert hatte. Genährt werden die Inflationsspekulationen von der Aussicht auf ein beschleunigtes Weltwirtschaftswachstum. Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in den USA und Großbritannien nehme Fahrt auf, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Europa holt bei den Massen-Impfungen rasch auf und wird im Sommer ein ähnliches Niveau erreichen.” Dies schüre die Hoffnung auf eine Normalisierung des Lebens. Die explodierenden Corona-Fallzahlen in Indien zeigten allerdings, dass die Erholung ungleichmäßig verlaufe.

Am Rohölmarkt spielten der mögliche Nachfrage-Rückgang beim wichtigen Abnehmer Indien nur eine untergeordnete Rolle. Investoren setzten auf eine anziehende Reise-Tätigkeit in den westlichen Industrienationen, sagte Analyst Ash Glover vom Brokerhaus CMC. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,3 Prozent auf 68,42 Dollar je Barrel (159 Liter). Im Windschatten gewann der europäische Aktienindex für die Öl- und Gasbranche 1,2 Prozent.

GUT, ABER NICHT GUT GENUG

Ein Minus von 1,6 Prozent wies hingegen der europäische Tech-Sektor auf, der Auto-Index gab rund ein Prozent ab. Vor allem die Automobilbranche hat angesichts von Produktions- und Lieferengpässen in der Halbleiterindustrie momentan Probleme. Die Aktien von Infineon fielen um 4,4 Prozent, obwohl der Chip-Hersteller im Quartal besser abschnitt als gedacht und seine Jahresziele anhob. Allerdings gehen dem Halbleiter-Konzern durch den Chip-Mangel Erlöse durch die Lappen – ein Zustand, der laut Infineon noch bis 2022 andauern könnte.

Auch bei Teamviewer und Hellofresh machten Anleger trotz starker Wachstumszahlen Kasse. Die Papiere der Softwarefirma und des Kochbox-Versenders fielen um bis zu acht Prozent. Es sei unklar, wie sich das Konsumverhalten nach Überwindung der Pandemie entwickeln werde, gaben die Experten der Bank JPMorgan zu bedenken. Elektronik-, Software- und Internet-Werte hatten von den Beschränkungen des öffentlichen Lebens in den vergangenen Monaten profitiert.

Auf dieser Erfolgswelle sieht sich der Wohnmobil-Anbieter Trigano noch länger reiten. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres steigerte das Unternehmen seinen Gewinn den Angaben zufolge um 74 Prozent auf 114,4 Millionen Euro. Die Titel legten daraufhin in Paris um fast zwölf Prozent zu, so stark wie zuletzt vor einem halben Jahr.

 

Anleger bleiben vor Fed-Entscheid vorsichtig

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 15.255 beziehungsweise 4012 Punkte. Investoren seien hin- und hergerissen zwischen soliden Firmenbilanzen und den steigenden Coronavirus-Fallzahlen in einigen Ländern wie Indien, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activtrades.

US-Notenbankchef Jerome Powell werde nach den geldpolitischen Beratungen am Mittwoch voraussichtlich sein Mantra einer auf absehbare Zeit ultra-lockeren Geldpolitik wiederholen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Trotz der sich verbessernden Konjunkturdaten bleibt die Fed im Krisenmodus.” Die Notenbank werde eine deutliche Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sowie eine deutliche Entspannung der Gesundheitslage abwarten, bevor sie ihre Wertpapierkäufe drossele, prognostizierten die Analysten der Bank Unicredit.

Die unverändert positive Grundstimmung am Markt spiegelte sich unter anderem in Kursgewinnen der Reise- und Touristikbranche wider. Dank eines wachsenden Tempos bei den Corona-Massenimpfungen in der EU stieg der europäische Branchenindex auf ein Rekordhoch von 282,16 Punkten. Der Sektor hatte in den vergangenen Monaten besonders stark unter den Pandemie-Beschränkungen gelitten.

ÖLPREIS IM AUFWIND – KUPFER AUF ZEHN-JAHRES-HOCH

Aufwärts ging es auch für den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 65,98 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger warteten gespannt auf die Ergebnisse der Beratungen der großen Export-Staaten zu den Förderquoten. “Sollte die Opec+ die Lage in Indien ignorieren, könnten sich die Kursgewinne schnell in Luft auflösen”, warnte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad. Das aufstrebende Schwellenland ist einer der weltweit wichtigsten Öl-Abnehmer.

Unterdessen setzte Kupfer wegen möglicher Angebotsengpässe seinen Höhenflug fort. Das Industriemetall gewann gut zwei Prozent und war mit 9965 Dollar je Tonne zeitweise so teuer wie zuletzt vor zehn Jahren. “Chilenische Hafenarbeiter haben wegen Streits über die Altersversorgung zum Streik aufgerufen”, erläuterte Analyst Carsten Menke von der Bank Julius Bär. “Sie werden von den Bergbaugewerkschaften unterstützt.” Chile ist ein wichtiger Kupfer-Lieferant, und die weltweite Nachfrage übertrifft bereits jetzt das Angebot.

Gefragt war auch Bitcoin, das sich um drei Prozent auf 54.999 Dollar verteuerte. Angeheizt werde die Rally von den Plänen der Bank JPMorgan, einen Fonds für diese Kryptowährung aufzulegen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Ein US-Bitcoin-Fonds wäre ein weiterer Ritterschlag.”

ÜBERNAHMEFANTASIE UM HELLA – UBS UNTER DRUCK

Am deutschen Aktienmarkt rückte am Mittag Hella ins Rampenlicht. Einem Magazinbericht zufolge sondiert die Industriellenfamilie Hueck, die zusammen mit der Familie Röpke 60 Prozent an dem Autozulieferer hält, den Markt für einen Verkauf ihrer Anteile. Eine solche Transaktion könnte eine Übernahmeofferte für die übrigen Aktionäre nach sich ziehen und der Konzern könnte von der Börse genommen werden, kommentierte Analyst Sascha Gommel von der Investmentbank Jefferies. Hella-Aktien verbuchten mit einem Plus von zeitweise knapp 13 Prozent den zweitgrößten Kurssprung der Firmengeschichte.

Die Titel von UBS fielen dagegen in Zürich um knapp drei Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos verhagelte der Bank die Bilanz. Die finanziellen Belastungen seien zwar geringer als beim Rivalen Credit Suisse, aber höher als gedacht, sagte Markets.com-Experte Wilson.