Starke US-Jobdaten stützen Europas Börsen

Der Dax gewann 0,6 Prozent auf 15.693 Punkte, der EuroStoxx50 stieg um 0,4 Prozent auf 4096 Zähler. Auch an den US-Aktienmärkten ging es vorbörslich aufwärts, nachdem sich die Lage am US-Arbeitsmarkt im Juni überraschend stark aufgehellt hat.

Es entstanden 850.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft, Ökonomen hatten lediglich mit 700.000 gerechnet. “Das sind starke Zahlen, aber nicht so stark, dass sie Inflations- und Zinserhöhungsängste auslösen könnten”, sagte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Broker ThinkMarkets. Am Devisenmarkt konnte der Euro Boden gutmachen und notierte bei 1,1845 Dollar nach zuvor 1,1820 Dollar.

Für Verwunderung bei Börsianern sorgte, dass die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote um einen Tick auf 5,9 Prozent stieg. “Bei ähnlichen starken Arbeitsplatz-Wachstumsraten haben wir im letzten Herbst noch deutliche Rückgänge der Arbeitslosenquote gesehen”, fasste Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zusammen. Das werde es der Fed schwer machen, unmittelbar an eine Straffung der Geldpolitik zu denken. Eine nachhaltige Erholung am Jobmarkt gilt als eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Notenbank ihre Anschubhilfe für die von der Corona-Pandemie gebeutelte Wirtschaft in absehbarer Zeit verringern kann.

OPEC+ UNEINS ÜBER FÖRDERMENGEN

Am Rohölmarkt war Warten angesagt, nachdem die Ländergruppe Opec+, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, ein für Donnerstag geplantes Ministertreffen auf diesen Freitag verschoben hatte. Da sich die Staaten nicht auf eine Lockerung der Förderbremse einigen konnten, gelte die aktuelle Beschränkung weiter, konstatierten die Anlagestrategen der ING Bank. “Dies bedeutet, dass sich der Angebotsengpass verschärft.” Wegen der Erholung der Weltwirtschaft von den Folgen der Coronavirus-Pandemie steigt der Energiebedarf.

Selbst die diskutierte Anhebung der Produktionsquoten um 400.000 Barrel pro Tag wäre zu gering, um den Nachfrageüberhang zu verringern, kritisierte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Ein Preis von 80 Dollar oder mehr könnte die noch gute Stimmung am deutschen Aktienmarkt spürbar belasten.” Am Freitag notierte die Ölsorte Brent aus der Nordsee kaum verändert bei 75,74 Dollar je Barrel (159 Liter).

GRENKE IM AUFWIND – MISTER SPEX MIT KURSPLUS ZUM DEBÜT

Am deutschen Aktienmarkt zählte Grenke mit einem Kursplus von gut drei Prozent zu den Favoriten. Anleger reagierten erleichtert, dass die wegen angeblicher Bilanz-Tricksereien in die Schlagzeilen geratene Leasingfirma das Neugeschäft stabil halten konnte.

Gefragt waren auch die Papiere von Mister Spex. Sie stiegen bei ihrem Börsendebüt auf bis zu 26 Euro und lagen damit vier Prozent über ihrem Ausgabepreis von 25 Euro. Im Verlauf bröckelte der Kurs auf 25,10 Euro ab. Die Emission des Online-Optikers war 375 Millionen Euro schwer.

In Stockholm kam die geplante Komplettübernahme des Videospiele-Entwicklers Relax Gaming durch Kindred bei Anlegern gut an. Die Aktien des Anbieters von Online-Glücksspielen stiegen um gut acht Prozent. Der Deal hat den Angaben zufolge ein Gesamtvolumen von 320 Millionen Euro.

 

Corona-Sorgen trüben die Anleger-Laune erneut

“Die kurzfristigen Effekte der Inflation scheinen unter Kontrolle und in den Kursen enthalten”, sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank. “Aber es bleibt Unsicherheit wegen der neuen Coronavirus-Variante und ihr Einfluss auf die wirtschaftliche Erholung.”

Dax und EuroStoxx50 verloren am Mittwoch jeweils etwa ein Prozent auf 15.531,04 beziehungsweise 4069,21 Punkte, notierten damit aber immer noch rund 15 Prozent über ihrem Niveau zu Jahresbeginn. Gleiches galt für den breit gefassten Stoxx600.

Größere Kursverluste verhinderte die Entspannung bei der Inflation, sagte Analyst Charalambos Pissouros vom Brokerhaus JFD. “Der Wert unter zwei Prozent untermauert die Einschätzung, dass die Europäische Zentralbank vorerst nicht über eine Verringerung der geldpolitischen Unterstützung nachdenken wird.”

US-ARBEITSMARKT IM BLICK – ÖLPREIS IM AUFWIND

Nach den starken Arbeitsmarktdaten aus Deutschland richteten Börsianer ihr Augenmerk auf die andere Seite des Atlantiks. Der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge wurden im Juni in der US-Privatwirtschaft 692.000 Stellen geschaffen. Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 600.000 gerechnet. Die Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag. Im vergangenen Monat hätten die beiden Werte aber recht weit auseinander gelegen, gab ein Analyst zu bedenken. Daher ließen die ADP-Daten nur begrenzt Rückschlüsse auf die US-Geldpolitik zu.

Am Tag vor den Beratungen der Opec+ über eine Lockerung der Förderbremse stieg der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 0,4 Prozent auf 75,06 Dollar je Barrel (159 Liter). Insidern zufolge wollen die großen Export-Staaten über eine Verlängerung ihrer bis April 2022 laufenden Förderquoten-Regelung diskutieren. Experten gehen davon aus, dass die Staatengruppe wegen der anziehenden Nachfrage am Donnerstag eine Anhebung der Fördermenge um 500.000 Barrel pro Tag beschließen wird.

FURCHT VOR NEUEN US-VERFAHREN GEGEN VW

Für die Aktien von Volkswagen ging es dagegen 2,3 Prozent abwärts. Ein Gericht hatte dem US-Bundesstaat Ohio erlaubt, den Autobauer wegen dessen Abgas-Manipulationen zu verklagen. “Wenn man USA und Gerichtsprozess hört, gehen immer alle Warnlampen an”, sagte ein Börsianer.

In Amsterdam stiegen die Titel von Grandvision dagegen um gut 14 Prozent auf 28,20 Euro. Der Brillen-Hersteller EssilorLuxottica will die “Apollo Optik”-Mutter trotz Rechtstreitigkeiten doch übernehmen. Die Papiere des “Ray Ban”-Anbieters stiegen in Paris um 0,2 Prozent.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Bed Bath & Beyond in der Spitze sogar um mehr als 31 Prozent. Der Gewinn des Einrichtungshauses blieb im abgelaufenen Quartal mit 0,05 Dollar je Aktie zwar hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Quartal stellt die Firma aber 0,45 bis 0,55 Dollar in Aussicht. Für das Gesamtjahr peilt sie 1,40 bis 1,55 Dollar an. Bed Bath & Beyond gehört zu den “Meme”-Aktien. Darunter verstehen Börsianer Werte, bei denen sich Kleinanleger in einschlägigen Internet-Foren gegenseitig zum Kauf ermuntern. Das bekannteste Beispiel ist der US-Videospielehändler GameStop.

 

Dax vor EZB-Beschluss und US-Preisdaten wenig verändert

Der Dax notierte vor dem Zinsbeschluss der EZB und den am Nachmittag anstehenden US-Inflationsdaten leicht im Plus bei 15.606 Zählern. Der EuroStoxx50 kam ebenfalls kaum vom Fleck. Anleger fürchten, dass die Notenbanken schneller als bislang erwartet ihre ultralockere Geldpolitik drosseln könnten, sollte die zuletzt anzinflaiehende Teuerung weiter steigen.

Das Thema beschäftige die Anleger seit Wochen, konstatiert Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Experten rechnen damit, dass die US-Inflationsdaten (CPI) für Mai erneut einen kräftigen Anstieg zeigen – Börsianer rechnen mit 4,7 Prozent nach 4,2 Prozent im April. “Eine hohe Mai-Inflation ist an den Börsen bereits eingepreist”, sagt Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Sollte am Ende jedoch eine Fünf vor dem Komma stehen, könnte dies durchaus zu Panik führen, prognostiziert der Portfolio-Manager.

ANLEGER BLICKEN MIT ARGUSAUGEN AUF DIE FED

Anleger klopfen US-Daten derzeit auf Hinweise ab, wann die US-Notenbank damit beginnen könnte, den Geldhahn zuzudrehen und die Zinsen anzuheben. Die Fed greift der von der Corona-Krise gebeutelten US-Wirtschaft zur Zeit mit monatlichen Anleihekäufen im Volumen von 120 Milliarden Dollar unter die Arme. Sie will daran so lange festhalten, bis erhebliche Fortschritte bei der Preisstabilität und bei der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Die nächste Zinssitzung der Währungshüter ist Mitte Juni geplant.

Neben der FED standen am Donnerstag auch die geldpolitischen Beratungen der EZB im Fokus: Volkswirte gehen davon aus, dass die Euro-Wächter auf der Zinssitzung beschließen werden, trotz der einsetzenden Konjunkturerholung und der anziehenden Inflation ihre Geldschleusen weit offen zu lassen. Erwartet wird, dass sie das Kauftempo ihres großen Krisen-Anleihenkaufprogramms PEPP erst einmal beibehalten, um günstige Finanzierungsbedingungen im Euro-Raum zu sichern.

Auch an den Zinsen wird EZB-Präsidentin Christine Lagarde wohl nicht rütteln. Damit gebe es dann auch keinen Grund für Eurostärke, heißt es in einem Kommentar der Commerzbank. Die EZB werde sich im Gegensatz zu anderen Zentralbanken erst einmal unverändert expansiv präsentieren. Der Euro gab mit 1,2161 Dollar leicht nach. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag bei minus 0,234 Prozent nach minus 0,249 Prozent am Ende des Vortages.

Der Zinsbeschluss wird um 13.45 Uhr (MESZ) veröffentlicht. Lagarde wird ihn dann ab 14.30 Uhr auf einer Pressekonferenz erläutern.

GEWINNMITNAHMEN BELASTEN AUTOWERTE

Unter den Einzelwerten im Dax hatten Autowerte das Nachsehen. Gewinnmitnahmen drückten BMW und Volkswagen 1,2 beziehungsweise 0,8 Prozent ins Minus. Seit Jahresbeginn haben die Titel rund 30 beziehungsweise 50 Prozent zugelegt. Der Index für den europäischen Autosektor gab zeitweise 1,4 Prozent nach.

Im MDax zündeten Aixtron ein Kursfeuerwerk, nachdem der Chipanlagenbauer am Mittwoch kurz vor Börsenschluss seine Jahresprognose angehoben hatte. Die Titel stiegen in der Spitze um 16,3 Prozent auf 21,34 Euro und waren damit so teuer wie seit zehn Jahren nicht mehr. Am Mittwoch hatten sie bereits 7,8 Prozent zugelegt.

Für Gesprächsstoff sorgte zudem die Achterbahnfahrt von Windeln.de. Nach der jüngsten Rally kamen die Aktien des Online-Babyausstatters deutlich unter die Räder. Sie verloren bis zu 31 Prozent auf 2,96 Euro. Am Mittwoch hatten sie zeitweise noch rund sieben Euro gekostet, Ende vergangener Woche weniger als einen Euro. Ein Börsianer verwies neben Gewinnmitnahmen auf eine Mitteilung der BaFin, wonach die Finanzaufsicht zur Vorsicht beim Aufruf von Aktienkäufen bei Windeln.de rät. “Häufig dienen Chat-Gruppen in sozialen Netzwerken lediglich dazu, Anleger zum Kauf von bestimmten Aktien zu verleiten, damit die Absender von steigenden Kursen dieser Aktien profitieren”, hieß es auf der Website.

Europas Börsen bleiben auf Tuchfühlung mit Rekordhochs

“Die meisten Indizes flirten mit ihren Höchstwerten, und Anleger benötigen weitere positive Katalysatoren, um eine Fortsetzung der Rally zu rechtfertigen”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activtrades.

Dax und EuroStoxx50 legten am Dienstag jeweils etwa 0,2 Prozent auf 15.702 beziehungsweise 4111 Punkte zu. Unterdessen gewann der breit gefasste Stoxx600 0,4 Prozent und markierte mit 455,48 Zählern den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch.

Hauptgesprächsthema auf dem Börsenparkett seien weiterhin die Inflationsrisiken und die Frage, ob der Preisdruck vorübergehen werde, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Aus diesem Grund blicken Börsianer gespannt auf den “Super Donnerstag”, an dem die US-Verbraucherpreise veröffentlicht werden und die Europäische Zentralbank (EZB) über ihre Geldpolitik berät. Die einhellige Marktmeinung sei, dass die Währungshüter ihre Wertpapierkäufe im aktuellen Umfang ein weiteres Quartal fortsetzen werden, konstatierten die Analysten der ING.

Was die US-Inflation angeht, rechnen Experten für Mai im Jahresvergleich mit einem Anstieg auf 3,4 (April: drei) Prozent. Sollte die Teuerung noch höher ausfallen, werde das der Diskussion über eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik durch die Notenbank (Fed) neue Nahrung geben, warnte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

PFUND UND ÖLPREIS UNTER DRUCK – BITCOIN FÄLLT ERNEUT

Am Devisenmarkt fiel das Pfund Sterling um 0,2 Prozent auf 1,4148 Dollar. Das Wiederaufflammen der Corona-Pandemie in Großbritannien nähre die Furcht, dass der für den 21. Juni angesetzte “Freiheitstag”, an dem die restlichen Pandemie-Restriktionen aufgehoben werden sollen, verschoben werden muss, sagte ein Börsianer.

Am Rohöl-Markt kam es zu Gewinnmitnahmen. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 70,93 Dollar je Barrel (159 Liter). Die mittelfristigen Aussichten blieben aber gut, warf ein Analyst ein. “Die Treibstoff-Nachfrage zieht nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa stark an.”

Abwärts ging es auch für Bitcoin. Die Cyber-Devise verlor zeitweise 6,5 Prozent auf 32.209 Dollar. Neben der Furcht vor einer strengeren Regulierung laste die Sicherstellung von Teilen des Lösegelds, das Hacker vom Pipeline-Betreiber Colonial erpresst hatten, auf der Stimmung, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Dies darf als großer Schlag gegen den Missbrauch von Krypto-Geldern angesehen werden.”

ERNEUTER KURSSPRUNG VON WINDELN.DE

Bei den deutschen Aktienwerten sorgte Windeln.de mit einem erneuten Kurssprung für Furore. Die Aktien des Online-Babyausstatters stiegen um bis zu 123 Prozent auf ein 14-Monats-Hoch von 4,93 Euro, nachdem sie zum Wochenauftakt bereits 133 Prozent zugelegt hatten. Am Wochenende sei der Wert auf einer Internetseite angepriesen worden, sagte ein Börsianer. “Trader versuchen einfach, in sehr kleinen Werten ihr Glück zu machen.” In den USA ist dieses Phänomen schon seit längerem zu beobachten. Dort feuern sich Internetnutzer zum Kauf sogenannter Meme-Aktien an. Dies bescherte Firmen wie dem Videospiele-Händler Gamestop und der Kinokette AMC in den vergangenen Monaten insgesamt prozentual vierstellige Kursgewinne.

In London gehörte Aviva zu den Favoriten. Der aktivistische Investor Cevian hält einer Pflichtmitteilung zufolge fünf Prozent an dem Versicherer und drängt auf eine Ausschüttung im Volumen von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro. Außerdem solle die Dividende verdoppelt werden. Aviva-Titel stiegen um knapp vier Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 426,4 Pence.

 

Dax flirtet mit Rekordhoch – Dollar fällt nach US-Jobdaten

Der US-Dollar geriet am Freitag nach den Arbeitsmarktdaten unter Druck, im Gegenzug sprang der Euro auf 1,2174 Dollar nach zuvor 1,2112 Dollar. An den Aktienmärkten gab es weniger Bewegung, jedoch verfestigte sich die freundliche Tendenz.

Der Dax stieg um 0,1 Prozent auf 15.650 Punkte und blieb damit auf Tuchfühlung mit seinem Allzeithoch. Der EuroStoxx50 kletterte auf 4082 Zähler. An der Wall Street ging es vorbörslich ebenfalls nach oben.

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich im Mai deutlich verbessert – allerdings nicht so stark wie erhofft. Es entstanden 559.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Von Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten sogar mit 650.000 gerechnet. Die Arbeitslosenquote sank zugleich von 6,1 auf 5,8 Prozent. “Der ADP-Bericht hatte auf eine deutlich größere Beschäftigungssteigerung hingewiesen, und viele Marktteilnehmer werden sich in der Folge bereits positioniert haben”, sagte Helaba-Experte Ralf Umlauf. “Insofern enttäuscht das Ergebnis, obwohl sich die Verbesserung des Arbeitsmarktes eindrücklich fortsetzt.”

JOBDATEN NEHMEN SCHWUNG AUS TAPERING-DEBATTE

Bis die Fed substanzielle Fortschritte bei ihrem Beschäftigungsziel feststelle, dürfte es daher noch dauern, konstatierte Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. “Eine Tapering-Diskussion wird kaum schon auf der Juni-Sitzung angestoßen werden.” Auch für Euro-Zone sehen Experten keinen Handlungsdruck für die Währungshüter um Notenbankchefin Christine Lagarde. “Es ist zu früh für die EZB, auch nur ansatzweise eine Straffung der Geldpolitik anzudeuten, selbst wenn sich das Wirtschaftswachstum verbessert”, schrieben die Analysten von BCA Research in einem Kommentar. “Während die Gesamtinflation im Mai über das Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank gestiegen ist, stieg die Kerninflation nur auf 0,9 Prozent.”

An den Anleihemärkten gingen die Renditen der zehnjährigen US-Treasuries auf 1,601 Prozent von 1,627 Prozent zurück. An den Rohstoffmärkten verteuerte sich die Feinunze Gold um 0,9 Prozent auf 1889 Dollar.

QUARANTÄNEPFLICHT FÜR REISEZIELE DRÜCKT BRITISCHE AIRLINES

Unter Druck gerieten die Aktien britischer Fluggesellschaften. Aktien von British Airways-Besitzer IAG, Wizz Air und easyJet rutschten bis zu drei Prozent ab, nachdem Großbritannien sieben Länder auf seine “rote Liste” gesetzt hat. Bei einer Reise in eines der Länder, darunter Ägypten und Sri Lanka, ist bei der Rückkehr nach England eine Hotelquarantäne erforderlich. Auch die Papiere von Ryanair sackten ebenfalls ab, halbierten ihre Verluste aber auf 0,6 Prozent. Chef Michael O’Leary blickt optimistisch auf die Sommersaison. “Wenn die Menschen im Juli und August reisen, wird es keine Einschränkungen für Reisen nach und von, zwischen, Großbritannien und Europa geben, aufgrund des Erfolgs der Impfstoffe und der Tatsache, dass die Impfstoffe gegen diese Variante wirksam sind”, sagte der Ryanair-Chef der BBC.

Am deutschen Aktienmarkt feierten Anleger den Aufstieg von Auto1 in den Nebenwerte-Index MDax. Die Aktien des Online-Gebrauchtwagenhändlers kletterten um 2,7 Prozent. Dafür musste der Chipzulieferer Siltronic weichen. Im SDax muss der Autozulieferer Leoni seinen Platz für den Softwareentwickler Nagarro räumen. Leoni-Aktien fielen um rund zwei Prozent. Die Änderungen werden zum 21. Juni wirksam.

 

Europas Börsen in Schlagdistanz zu Rekordhochs – Fed im Blick

Der Dax und der breit gefasste Stoxx600 notierten am Mittwochabend jeweils 0,2 Prozent im Plus bei 15.602,71 beziehungsweise 451,10 Punkten. Damit blieben beide in Tuchfühlung mit ihren Bestmarken vom Dienstag. Der EuroStoxx50 rückte 0,3 Prozent auf 4085,29 Zähler vor. Der US-Standardwerteindex Dow Jones legte ähnlich stark zu.

Die Inflationssorgen ließen Investoren nicht los und dämpften ihre Kauflaune, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Dennoch sei bislang keine Bereitschaft für größere Verkäufe zu erkennen. “Für den Moment scheint der Markt die Einschätzung der Notenbanken zu teilen, dass der Inflationsdruck lediglich ein temporärer sein wird”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Vor diesem Hintergrund warteten Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung des “Beige Book” am Abend (MESZ). Vom Konjunkturausblick der US-Notenbank Fed versprachen sie sich weitere Hinweise auf die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Hinweise auf eine nahende Drosselung der Anleihekäufe erwarteten sie offenbar nicht. Die anhaltende Nachfrage nach Staatsanleihen drückte die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds auf plus 1,593 Prozent und diejenigen ihrer deutschen Pendants auf minus 0,196 Prozent.

LIRA ERNEUT AUF REKORDTIEF – ERDOGAN FORDERT ZINSSENKUNG

Am Devisenmarkt schickte die erneute Forderung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach einer Zinssenkung die Währung des Landes auf Talfahrt. Im Gegenzug stiegen Dollar und Euro auf Rekordhochs von 8,7775 beziehungsweise 10,5949 Lira. “wir sind ein bisschen überrascht, wie offen und deutlich Erdogan seinem Zentralbankchef die Pistole auf die Brust setzt”, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Das bestätigt uns in unserem Glauben, dass Erdogan tatsächlich glaubt, mit niedrigeren Zinsen die wirtschaftlichen Probleme der Türkei lösen zu können – auch wenn er damit sehenden Auges in eine neue Lira-Krise läuft.”

Der Ölpreis zog dagegen weiter an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um ein Prozent auf 70,94 Dollar je Barrel (159 Liter). In ihrem Windschatten rückte der Index für die europäische Öl- und Gasbranche 0,8 Prozent vor. “Der Markt ist optimistisch, dass der zunehmende Sommer-Reiseverkehr und die Normalisierung der Volkswirtschaften selbst bei einer Rückkehr iranischen Rohöls auf den Weltmarkt die Produktionsausweitungen der Opec+ leicht absorbieren können”, sagte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates.

ENTTÄUSCHTE ÜBERNAHMEFANTASIEN DRÜCKEN PROSIEBEN

Am deutschen Aktienmarkt geriet ProSiebenSat.1 unter Verkaufsdruck, nachdem sich Rainer Beaujean auf der Hauptversammlung der TV-Senderkette skeptisch zu möglichen Fusionen geäußert hatte. ProSieben-Titel verloren 4,2 Prozent. Nach Abzug des Dividendenabschlags lag das Minus noch bei 1,6 Prozent. Die Papiere des italienischen Großaktionärs Mediaset, der für eine engere Zusammenarbeit der beiden Medienhäuser plädiert, fielen in Mailand um 0,7 Prozent.

Die Aktien von Morphosys verbuchten mit einem Minus von 13 Prozent den größten Tagesverlust seit fünf Jahren. Die Biotechfirma übernimmt den US-Krebsspezialisten Constellation für 34 Dollar je Aktie oder insgesamt 1,7 Milliarden Dollar. “Der Aufschlag ist sehr hoch”, sagte ein Börsianer. Kritisch sehe er außerdem die Abtretung von Lizenzeinnahmen an Royalty Pharma durch Morphosys zur Finanzierung der Übernahme. “Der Deal scheint für Royalty vorteilhafter zu sein als für Morphosys.” Constellation-Titel legten an der Wall Street 67 Prozent auf 33,73 Dollar zu.

 

Bayer und Inflationssorgen bremsen Dax

Der deutsche Leitindex fiel am Nachmittag um 0,1 Prozent auf 15.449 Punkte, während der EuroStoxx50 um 0,4 Prozent auf 4047 Zähler anzog. An der Wall Street lagen die Futures vor Börseneröffnung knapp im Plus.

Die regelmäßig aufkommenden Inflationssorgen könnten der Grund sein, warum der Aktienmarkt derzeit nicht vorankomme, sagte IG-Stratege Christian Henke. Die Angst der Anleger vor einem baldigen Ende der ultralockeren Geldpolitik sei groß, obschon die US-Notenbank gebetsmühlenartig versuche dagegen anzureden. “Wer hat recht? Die Fed oder der Markt”, fasste Henke zusammen.

Vor diesem Hintergrund schauten die Investoren besonders kritisch darauf, wie die Wirtschaftserholung in den Vereinigten Staaten voranschreitet. Im April gingen die Auftragseingänge für langlebige Güter mit minus 1,3 Prozent überraschend zurück, während die zweite Schätzung für das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit 6,4 Prozent etwa im Rahmen der Erwartungen lag. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel mit 406.000 indes geringer aus als erwartet und lag so niedrig wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr.

Im Blick behielten die Anleger auch den Impf-Gipfel von Bund und Ländern. Bundeskanzlerin Angela Merkel will mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Pandemie-Bekämpfung beraten.

GLYPHOSAT BLEIBT DAMOKLESSCHWERT FÜR BAYER

Größter Dax-Verlierer waren die Papiere von Bayer, die bis zu 5,3 Prozent auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 52,07 Euro abrutschten. Im Rechtsstreit um eine angeblich krebserregende Wirkung von Glyphosat lehnte der zuständige US-Bezirksrichter einen Lösungsvorschlag des Konzerns ab. “Eine unendliche Geschichte”, kommentierten die Analysten vom Brokerhaus Bryan Garnier. “Durch die Ablehnung bleibt das Damoklesschwert über Bayer hängen.” Das nun gescheiterte zwei Milliarden Dollar teure Paket für den Umgang mit möglichen künftigen Klagen ist Teil des umfangreicheren, rund 11,6 Milliarden schweren Glyphosat-Vergleichs, den Bayer im vergangenen Sommer angekündigt hatte.

PUMA NACH TEIL-AUSSTIEG VON KERING UNTER DRUCK

Auf der Gewinnerseite stiegen Airbus um 9,7 Prozent auf den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Der europäische Konzern stimmte seine Zulieferer auf eine deutlich höhere Flugzeugproduktion ein. Die Titel von MTU Aero, Rolls-Royce und Meggitt stiegen um jeweils knapp drei Prozent.

Bergab ging es dagegen für den Puma. Der französische Luxuskonzern Kering hat sich vom Großteil seiner verbliebenen Beteiligung an dem Sportartikelhersteller getrennt. Der Eigentümer von Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent verkaufte über Nacht 8,9 Millionen Puma-Aktien für insgesamt 805 Millionen Euro an institutionelle Investoren. Puma verloren im MDax 2,2 Prozent.

BITCOIN-ANLEGER RINGEN UM STABILISIERUNG

An den Rohstoffmärkten deckten sich Anleger erneut mit Kupfer ein. Das Industriemetall verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 10031 Dollar je Tonne. Anleger fürchteten Angebotsengpässe durch drohende Bergarbeiterstreiks im wichtigen Exportland Chile.

Nach den jüngsten Kursabstürzen rangen die Bitcoin-Anleger weiter um Stabilisierung. Die Cyberdevise notierte 1,9 Prozent höher bei 39.571 Dollar. “Die jüngsten Hiobsbotschaften aus dem Reich der Mitte haben kräftig an dem Nervenkostüm der Investoren gezehrt”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. China hatte die Anleger mit der Aussicht auf eine schärfere Regulierung im Kryptowährungssektor verschreckt.

 

Europas Börsen bleiben auf Tuchfühlung mit Rekordhochs

Die Optimisten täten zwar ihr Bestes, die Aufwärtsdynamik aufrecht zu erhalten, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. “Sie haben aber Schwierigkeiten, die Kurse auf Rekordniveau zu bringen.” Dax und EuroStoxx50 fielen am Mittwoch um jeweils 0,2 Prozent auf 15.437 beziehungsweise 4029 Punkte. Der breit gefasste Stoxx600 lag ebenfalls leicht im Minus bei 444,70 Zählern.

Die Notenbanken boten den Börsen keinen Rückenwind. Die Fed-Führung wiederhole zwar gebetsmühlenartig, dass die Geldpolitik locker bleibe, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Andeutung des Vize-Chefs Richard Clarida, dass eine Debatte über eine Drosselung der Wertpapierkäufe näher rücke, bedeute allerdings eine leichte Veränderung der Tonlage. Daher scheuten Investoren vorerst weitere Aktienkäufe.

ANLEIHEN GEFRAGT – EURO UNTER DRUCK

So lange sich die US-Notenbank nicht bewege, werde auch die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer bisherigen Geldpolitik festhalten, sagte Anlagestratege Max Kettner von der HSBC Bank. Sie wolle nicht ihren Fehler von 2011 wiederholen, als sie der Fed mit Zinserhöhungen vorgegriffen habe. Im anschließenden Konjunkturzyklus habe die Euro-Zone den USA beim Wachstum hinterhergehinkt.

Unterdessen entspannte sich die Lage am Bondmarkt weiter. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel auf minus 0,203 Prozent. Gleichzeitig verbilligte sich der Euro auf 1,2226 Dollar.

GOLD EROBERT 1900ER MARKE ZURÜCK – KUPFER IM AUFWIND

Fallende Anleiherenditen machten Gold attraktiver. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1905 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). “Auch einige Zentralbanken haben offenbar ihre Kaufzurückhaltung abgelegt”, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. “Zusammen mit der erwartet höheren Konsumenten- und der wieder anziehenden Investmentnachfrage sollte dies dem Goldpreis Auftrieb geben.”

Mit Kupfer deckten sich Investoren ebenfalls ein. Dies trieb den Preis für das Industriemetall um 0,5 Prozent auf 9971 Dollar je Tonne. Anleger fürchteten Angebotsengpässe durch drohende Bergarbeiterstreiks im wichtigen Exportland Chile, sagten Börsianer.

Gleichzeitig pendelte Bitcoin um die Marke von 40.000 Dollar. Derzeit herrsche ein Tauziehen zwischen denjenigen, die eine strengere Regulierung des Kryptowährungssektors befürchteten, und denjenigen, die den jüngsten Kursrutsch als Einstiegsgelegenheit sähen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

MARKS & SPENCER TROTZ GEWINNEINBRUCH IM PLUS

An der Londoner Börse stiegen die Aktien von Marks & Spencer zeitweise um gut acht Prozent auf ein 15-Monats-Hoch von 168,6 Pence, obwohl der Einzelhändler einen Gewinneinbruch bekanntgegeben hatte. Der Ausblick für das angelaufene Geschäftsjahr 2021/2022 liege aber über den Markterwartungen, kommentierte Analyst Ioannis Pontikis vom Research-Haus Morningstar.

Die Titel von Spire stiegen sogar auf ein Drei-Jahres-Hoch von 249 Pence und steuerten mit einem Plus von bis zu 29 Prozent auf den größten Tagesgewinn der Firmengeschichte zu. Der australische Rivale Ramsay will den Krankenhaus-Betreiber für 240 Pence je Aktie oder umgerechnet insgesamt 1,16 Milliarden Euro übernehmen. Gegenofferten seien zwar nicht zu erwarten, kommentierte Analyst Graham Doyle von der Investmentbank Liberum. Allerdings könne es kartellrechtliche Probleme geben.

 

Immobilien-Großfusion hievt Europas Börsen auf Rekordhochs

Abbröckelnde Kurse an der Wall Street machten einen Teil der anfänglichen Gewinne aber wieder zunichte. Der Dax stieg am Dienstag zeitweise auf 15.568,60 Punkte und schloss 0,2 Prozent im Plus bei 15.456,09 Zählern. Der breit gefasste Stoxx600 rückte auf bis zu 447,15 Stellen vor. Der Auswahlindex EuroStoxx50 notierte am Abend knapp im Plus bei 4040,30 Punkten. An der Wall Street büßte der US-Standardwerteindex Dow Jones dagegen 0,2 Prozent ein.

Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia macht einen neuen Anlauf, um den Rivalen Deutsche Wohnen für 52 Euro je Aktie und damit insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro zu schlucken. Die Offerte sei recht attraktiv und die angestrebten Einsparungen erreichbar, kommentierte Analyst Kai Klose von der Berenberg Bank. Durch den freiwilligen Mietendeckel werde das Einnahmenwachstum hier aber hinter den angestrebten drei bis 3,8 Prozent zurückbleiben.

Vonovia-Aktien fielen zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Tief von 48,57 Euro und verabschiedeten sich 6,1 Prozent im Minus bei 48,91 Euro in den Feierabend. Die Papiere von Deutsche Wohnen verbuchten dagegen mit einem Plus von fast 16 Prozent auf 52,06 Euro den größten Tagesgewinn seit zwölf Jahren.

GUTE STIMMUNG IN DEUTSCHLANDS CHEF-ETAGEN

Rückenwind erhielten die Aktienmärkte auch vom überraschend starken Anstieg des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. “Die Weichen sind auf Erholung und Aufschwung gestellt”, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. “Es geht nur noch darum, wie stark die Erholung ausfallen wird.” Engpässe bei Vorprodukten könnten das Wachstum zwar bremsen, aber nicht gefährden.

Hiervon profitierten unter anderem die Finanzwerte, die sensibel auf Konjunkturaussichten reagieren. Der europäische Bankenindex stieg auf bis zu 139,57 Punkte, den höchsten Stand seit Ausbruch der Coronavirus-Krise in Europa Anfang 2020. Die Papiere der Deutschen Bank markierten mit 12,51 Euro zeitweise sogar ein Drei-Jahres-Hoch.

FED DÄMPFT INFLATIONSSORGEN

Erleichtert reagierten Anleger zudem auf das jüngste erneute Bekenntnis der Fed zu ihrer ultra-lockeren Geldpolitik. Direktorin Lael Brainard wiederholte außerdem das Mantra der US-Notenbank, dass der aktuelle Inflationsanstieg vorübergehend sei. Aktuell schenkten Anleger diesen Beteuerungen Glauben, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. “Das ist allerdings ein Katz-und-Maus-Spiel”, warnte Giles Coghlan, Chef-Devisenanalyst des Brokerhauses HYCM. “Irgendwann wird die Drosselung der Wertpapierkäufe kommen.” Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Dienstag um bis zu 0,4 Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 89,533 Punkten.

Die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen gab Technologie-Werten Auftrieb. Der europäische Branchenindex stieg um 1,4 Prozent. An der Wall Street rückten Konzerne wie Amazon, Facebook oder der Google-Mutter Alphabet bis zu 0,8 Prozent vor. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

Bei den Kryptowährungen ging die Achterbahnfahrt weiter. Bitcoin verbilligte sich um zwei Prozent auf 38.233 Dollar, nachdem die älteste und wichtigste Cyber-Devise über das lange Wochenendes in einer Spanne zwischen 43.000 und 31.000 Dollar geschwankt hatte. “Die Sorgen vor weiteren schärferen Regulierungen nimmt den Optimisten offensichtlich die Luft zum Atmen”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Ende vergangener Woche hatten chinesische Behörden die Zügel angezogen. Einige Kryptowährungsfirmen kündigten daraufhin ihren Rückzug aus dem Land an.

Konjunkturoptimisten hieven Dax auf Rekordhoch

Der Dax stieg am Dienstag um bis zu 0,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 15.538,01 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann ähnlich stark und notierte mit 4043,21 Zählern so hoch wie zuletzt vor mehr als 13 Jahren.

Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in einigen europäischen Staaten stütze die Einschätzung, dass die Normalisierung der Wirtschaft auf gutem Weg sei, sagte Volkswirtin Simona Gambarini vom Research-Haus Capital Economics. “Das wird konjunkturabhängigen Werten besonderen Schub geben.” Dies wiederum mache heimische Aktien im Vergleich zu US-Papieren attraktiver, ergänzte Anlagestratege Christian Stocker von der HVB-Mutter UniCredit. “Die Gewichtung zyklischer Werte ist in Europa relativ gesehen höher.” Vor diesem Hintergrund stiegen die Indizes für die europäischen Öl– und Gaskonzerne, die Minenbetreiber und die Autobauer um bis zu 1,5 Prozent.

DOLLAR UNTER DRUCK – FED-PROTOKOLLE IM BLICK

Am Tag vor Veröffentlichung der jüngsten Fed-Protokolle ging es für die US-Währung dagegen bergab. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief von 89,749 Punkten. Offenbar gingen immer mehr Investoren davon aus, dass die US-Notenbank trotz der anziehenden Inflation an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten wird, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus Activtrades.

Die Schwäche der Weltleitwährung machte Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver. Unter anderem deshalb kletterte der Preis für das auch als Inflationsschutz genutzte Gold um bis zu 0,4 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Hoch von 1873,41 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Parallel dazu erreichte die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee mit 70,24 Dollar je Barrel (159 Liter) ein Zweieinhalb-Monats-Hoch. Zusatzschub erhalte sie vom wachsenden Konjunktur-Optimismus dank der Impf-Erfolge in den Industriestaaten, sagte Analyst Tamas Varga vom Brokerhaus PVM. “Die Volkswirtschaften schalten einen Gang hoch.” Dies schüre Hoffnungen auf einen baldigen Anstieg der Öl-Nachfrage.

ANLEGER SPITZEN BEI SONOVA-AUSBLICK DIE OHREN

Bei den europäischen Aktienwerten stach Sonova mit einem Kurssprung von zeitweise fast zwölf Prozent heraus. Mit 291,20 Franken waren die Titel des weltgrößten Hörgeräte-Herstellers in Zürich so teuer wie noch nie. Sowohl die vorgelegten Zahlen als auch der Ausblick lägen über den Markterwartungen, kommentierte Analyst Kit Lee von der Investmentbank Jefferies.

In London gewannen die Papiere von Oxford Biomedica ebenfalls etwa zwölf Prozent auf 1120 Pence und steuerten auf den höchsten Schlusskurs seit 13 Jahren zu. Dank eines ausgeweiteten Auftrags zur Fertigung des Coronavirus-Impfstoffs von Astrazeneca peilt das Unternehmen für das laufende Jahr Erlöse aus diesem Deal von umgerechnet 116 Millionen Euro an, doppelt so viel wie bisher.

Enttäuscht reagierten Investoren dagegen auf den Ausblick von Iliad. Der französische Mobilfunker will wegen hoher Investitionen in die neue Übertragungstechnik 5G seine Ziele für den Mittelzufluss korrigieren. Iliad-Aktien brachen daraufhin in Paris um gut zehn Prozent ein. Das ist der größte Kursrutsch seit mehr als einem Jahr. Parallel dazu rutschten die Aktien des Rivalen Vodafone um 6,4 Prozent ab. Investoren nähmen die Aussagen des britischen Konzerns zu höheren 5G-Investitionen zum Anlass, Gewinne mitzunehmen, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.