Dax wieder im Minus – Anleger trauen eigener Courage nicht

Frankfurt (Reuters) – Der in den vergangenen Tagen an den Aktienmärkten bestimmende Optimismus ist am Mittwoch wieder abgeebbt.

Der Dax lag am frühen Nachmittag 1,1 Prozent im Minus bei 12.574 Punkten, nachdem er am Dienstag noch knapp vier Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx50 verlor 0,9 Prozent auf 3452 Punkte.

In den vergangenen Tagen hatten Hoffnungen der Anleger auf ein Ende der massiven Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed den Börsen weltweit Auftrieb gegeben. “Es macht sich zunehmend der Eindruck breit, der Markt ist vorschnell von einem Höhepunkt der Inflation ausgegangen”, sagte Stuart Cole, Ökonom bei Equiti Capital. “Solange wir keinen wesentlichen Rückgang des Verbraucherpreisindexes sehen, werden die Zentralbanken meiner Meinung nach ihre restriktive Haltung beibehalten und eine weitere Abschwächung des Wachstums in Kauf nehmen.”

ADP DATEN IM FOKUS – NEUSEELAND DÄMPFT HOFFNUNG

Deswegen klopfen Investoren alle Konjunkturdaten auf Hinweise zum weiteren Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed ab. Die im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Beschäftigungszahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP brachten allerdings kaum neue Erkenntnisse. Sie gelten als Indikator für die offiziellen Daten am Freitag.

Auch eine weitere drastische Zinserhöhung in Neuseeland dämpfte die Vorstellung, dass die Zentralbanken kurz davor stehen, das Tempo der geldpolitischen Straffung zu drosseln. Die Reserve Bank of New Zealand hob ihren Leitzins wie erwartet um halben Prozentpunkt an, diskutierte allerdings einen Schritt um 0,75 Prozentpunkte und stellte weitere Zinsschritte in Aussicht.

ÖLPREIS VERHARRT VOR OPEC+-TREFFEN

Im Blick stand auch Öl. Im Laufe des Tages beraten das Exportkartell Opec und seine Verbündeten über Förderkürzungen. Insidern zufolge sprechen sie über eine Reduzierung ihrer Förderquoten in Höhe von ein bis zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd). Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent aus der Nordsee fiel um 0,1 Prozent auf 91,97 Dollar, nachdem er am Vortag um knapp drei Dollar zugelegt hatte. Der Markt dürfte eine deutliche Förderkürzung bereits einkalkuliert haben, wie man an den jüngsten Preissteigerungen gesehen habe, sagte Tina Teng, Analystin des Brokerhauses CMC Markets. In den vergangenen drei Monaten war der Ölpreis aufgrund von Rezessionsängsten von rund 120 Dollar auf um die 90 Dollar gefallen.

Auch am Devisenmarkt schwand der Optimismus der Vortage, der als riskanter geltende Währungen gestützt hatte. Die Anleger gingen wieder auf Nummer sicher und griffen zur Weltleitwährung: Der Dollar-Index, der die US-Währung in Vergleich setzt zu einer Gruppe anderer wichtiger Devisen, legte um 0,7 Prozent zu auf 110,89 Punkte. Der Euro gab dagegen nach auf 0,992 Dollar nach.

“Es bleibt schwer, eine wesentliche Veränderung in den Aussichten der Euro-Zone zu erkennen, die eine signifikante Rückkehr des Appetits der Märkte auf den Euro rechtfertigen würde”, sagte Anlagestratege Francesco Pesole von der ING Bank.

AKTIEN BRITISCHER EINZELHÄNDLER VERPÖNT

Bei den europäischen Einzelwerten ging es durch alle Sektoren bergab. Im britischen Leitindex verloren die Aktien von Tesco 2,8 Prozent. Die Supermarktkette äußerte sich weniger zuversichtlich für ihren weiteren Geschäftsverlauf. Dies setzte auch dem Rivalen Sainsbury und dem Online-Supermarkt Ocado zu, deren Aktien um bis zu 5,5 Prozent abrutschten.

Auch in den deutschen Indizes standen nur wenige Papiere auf der Gewinnerseite. So stiegen im SDax die Aktien von Shop Apotheke um 1,1 Prozent. Der Online-Pharmahändler hatte für das dritte Quartal ein deutliches Umsatzplus gemeldet. Im MDax gewannen Carl Zeiss Meditech knapp zwei Prozent nach einer Kaufempfehlung der Berenberg Bank.

(Bericht von Myria Mildenberger und Zuzanna Szymanska. Redigiert von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax beendet Erholung und startet im Minus

Frankfurt (Reuters) – Der Dax hat am Mittwoch eine Verschnaufpause eingelegt und ist etwas niedriger in den Handel gestartet.

Der Leitindex lag am Morgen 0,4 Prozent im Minus bei 12.622 Punkten, nachdem er am Dienstag noch knapp vier Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx50 verlor 0,6 Prozent auf 3464,6 Punkte. Im SDax stachen die Aktien von Shop Apotheke mit einem Plus von rund fünf Prozent heraus. Der Online-Pharmahändler hatte für das dritte Quartal ein deutliches Umsatzplus gemeldet.

Ihre Aufmerksamkeit richten die Anleger im Laufe des Tages auf die Beratungen des Exportkartells Opec und seiner Verbündeten über Förderkürzungen. Auf dem Treffen in Wien wollen sie Insidern zufolge eine Reduzierung ihrer Förderquoten um mehr als eine Millionen Barrel pro Tag (bpd) beschließen. Ein Insider sprach von einer Kürzung von bis zu zwei Millionen bpd. Die Opec+ hat es trotz Bitten von wichtigen Kunden wie den USA bislang abgelehnt, zur weiteren Senkung der Preise die Förderung zu erhöhen.

Die Anleger warten zudem auf die Beschäftigungszahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Von ihnen versprechen sie sich Rückschlüsse auf das künftige Zinserhöhungstempo der Notenbank Fed. Analysten erwarten für September einen beschleunigten Jobaufbau von 200.000 Stellen, nach einem Plus von 132.000 im Vormonat. Die ADP-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag.

(Bericht von Myria Mildenberger; Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Schwindende Zinserhöhungsängste geben Europas Börsen Auftrieb

Frankfurt (Reuters) – Die Hoffnung auf behutsamere Zinserhöhungen der großen Notenbanken lockt Investoren an die europäischen Börsen zurück.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils mehr als drei Prozent auf 12.583 beziehungsweise 3462 Punkte. Am Devisenmarkt rückte der Euro 0,7 Prozent auf 0,9889 Dollar vor. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf 1,830 Prozent.

Genährt würden die Spekulationen von einer überraschend geringen Zinserhöhung der australischen Notenbank RBA um einen Viertel Prozentpunkt, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Es sieht danach aus, als könnten sich die Aktienmärkte so langsam, aber sicher vom Feindbild Geldpolitik lösen und etwas positiver in die Zukunft schauen. Zwar ist das Thema Rezession nicht vom Tisch, aber um jeden Preis diese auszulösen und zu beschleunigen, sollte man den Notenbanken vielleicht nicht mehr unterstellen.”

BRITISCHE REGIERUNG RÜCKT TEILWEISE VON PLÄNEN AB

Ein weiterer Stimmungsaufheller war die Kehrtwende der neuen britischen Regierung bei ihren Steuersenkungsplänen. Nach massivem Druck verzichtet sie auf die Abschaffung des Spitzensteuersatzes. “Auf die britische Haushaltslage insgesamt wird das aber keinen großen Einfluss haben”, warf John Briggs, Chef-Anlagestratege der Bank NatWest, ein. Allerdings werteten Investoren die Entscheidung als Hinweis, dass die Regierung ihre Pläne zumindest teilweise ändern werde.

Die ursprünglichen Pläne des Finanzministers Kwasi Kwarteng für ein Entlastungspaket und Steuersenkungen hatten die Börsen vergangene Woche in Turbulenzen gestürzt. Weil Investoren an der Finanzierbarkeit der Vorhaben zweifelten, gerieten britische Anleihen ins Trudeln und das Pfund Sterling fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar. Erst eine Geldspritze der Bank von England (BoE) beruhigte die Lage. Am Dienstag kostete die britische Währung 1,1339 Dollar.

Unterdessen zog der Ölpreis am Tag vor den Beratungen der Opec+ zur Förderpolitik weiter an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,5 Prozent auf 90,23 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Experten des Research-Hauses Fitch Solutions sagten eine deutliche Senkung der Quoten voraus. Dies verknappe nicht nur die Verfügbarkeit, sondern sende auch ein wichtiges Signal. Im Gespräch ist eine Drosselung der Fördermenge um mehr als eine Million Barrel pro Tag.

RTL BLÄST M6-VERKAUF AB – RHEINMETALL UNTER DRUCK

Bei den deutschen Unternehmen rückte RTL ins Rampenlicht. Der TV-Konzern bläst nach der gescheiterten Fusion seiner Beteiligung M6 mit TF1 den geplanten Verkauf des französischen Senders ab. Eine Konsolidierung des TV-Marktes sei aber nach wie vor notwendig, um gegen die Konkurrenz von Streamingdiensten bestehen zu können, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies. M6-Aktien fielen um bis zu zwölf Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 10,98 Euro, während RTL-Papiere sich knapp im Plus hielten.

Gefragt waren die europäischen Halbleiter-Hersteller. Ihr Branchenindex stieg um 4,2 Prozent. Börsianer verwiesen auf ermutigende Ausblicke der asiatischen Rivalen Samsung und Foxconn. Ersterer will die Produktion seiner fortschrittlichen Chips bis 2027 verdreifachen. Letzterer äußerte sich trotz einer drohenden Rezession “vorsichtig optimistisch” zu den Aussichten für das angelaufene vierte Quartal.

Zu den Favoriten gehörten hier die Apple-Zulieferer AMS International<ASMI.AS, BE Semi, Infineon und STMicro mit Kursgewinnen von bis zu 5,7 Prozent. Sie erhielten Rückenwind von der geplanten Einführung einheitlicher Ladekabel für Smartphones und andere Geräte in der EU. Damit muss sich der iPhone-Hersteller Apple von seinem eigenen Lightning-Anschluss verabschieden.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Schwindende Zinserhöhungsängste geben Europas Börsen Auftrieb

Frankfurt (Reuters) – Die Hoffnung auf behutsamere Zinserhöhungen der großen Notenbanken lockt Investoren an die europäischen Börsen zurück.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils etwa drei Prozent auf 12.543 beziehungsweise 3443 Punkte. Am Devisenmarkt rückte der Euro 0,5 Prozent auf 0,9870 Dollar vor. Staatsanleihen waren ebenfalls gefragt. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf 1,806 Prozent.

Genährt würden die Spekulationen von einer überraschend geringen Zinserhöhung der australischen Notenbank RBA um einen Viertel Prozentpunkt, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Es sieht danach aus, als könnten sich die Aktienmärkte so langsam, aber sicher vom Feindbild Geldpolitik lösen und etwas positiver in die Zukunft schauen. Zwar ist das Thema Rezession nicht vom Tisch, aber um jeden Preis diese auszulösen und zu beschleunigen, sollte man den Notenbanken vielleicht nicht mehr unterstellen.”

Dem australischen Leitindex bescherte der RBA-Entscheid mit einem Plus von knapp vier Prozent den größten Tagesgewinn seit fast zweieinhalb Jahren. Der australische Dollar ging dagegen in die Knie und fiel um bis zu ein Prozent auf 0,6448 US-Dollar.

BRITISCHE REGIERUNG RÜCKT TEILWEISE VON PLÄNEN AB

Ein weiterer Stimmungsaufheller war die Kehrtwende der neuen britischen Regierung bei ihren Steuersenkungsplänen. Nach massivem Druck verzichtet sie auf die Abschaffung des Spitzensteuersatzes. “Auf die britische Haushaltslage insgesamt wird das aber keinen großen Einfluss haben”, warf John Briggs, Chef-Anlagestratege der Bank NatWest, ein. Allerdings werteten Investoren die Entscheidung als Hinweis, dass die Regierung ihre Pläne zumindest teilweise ändern werde.

Die ursprünglichen Pläne des Finanzministers Kwasi Kwarteng für ein Entlastungspaket und Steuersenkungen hatten die Börsen vergangene Woche in Turbulenzen gestürzt. Weil Investoren an der Finanzierbarkeit der Vorhaben zweifelten, gerieten britische Anleihen ins Trudeln und das Pfund Sterling fiel zeitweise auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar. Erst eine Geldspritze der Bank von England (BoE) beruhigte die Lage. Am Dienstag kostete die britische Währung 1,1352 Dollar.

RTL BLÄST M6-VERKAUF AB – RHEINMETALL UNTER DRUCK

Bei den deutschen Unternehmen rückte RTL ins Rampenlicht. Der TV-Konzern bläst nach der gescheiterten Fusion seiner Beteiligung M6 mit TF1 den geplanten Verkauf des französischen Senders ab. Eine Konsolidierung des TV-Marktes sei aber nach wie vor notwendig, um gegen die Konkurrenz von Streamingdiensten bestehen zu können, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies. M6-Aktien fielen um bis zu zehn Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief von 11,22 Euro, während RTL-Papiere 0,6 Prozent zulegten.

Die Papiere von Rheinmetall rutschten wegen eines möglichen Dämpfers für das Geschäft im laufenden Jahr um gut sechs Prozent ab. Börsianer verweisen auf Berichte, denen zufolge sich die Entscheidung für einen Großauftrag des australischen Militärs bis 2023 verzögern könnte.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Chefwechsel bei ProSiebenSat.1 – AR-Mitglied Habets übernimmt das Ruder

Berlin (Reuters) – Beim Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 kommt es zu einem überraschenden Chefwechsel.

Der frühere RTL-Chef Bert Habets übernimmt zum 1. November den Vorstandsvorsitz des bayerischen Fernsehkonzerns, wie das im MDax notierte Unternehmen am Montagabend mitteilte. Bereits seit Mai 2022 ist der gebürtige Niederländer bei ProSiebenSat.1 als Aufsichtsratsmitglied tätig. Habets (51) verfüge über Erfahrungen in der Führung globaler Medienunternehmen sowie über Know-how bei Einführung und Ausbau von Video-Streaming-Diensten. Der bisherige Chef Rainer Beaujean habe sein Amt in gegenseitigem Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat niedergelegt, hieß es. Beaujeans Vertrag war erst im Dezember 2021 bis Mitte 2027 verlängert worden. Der Fernsehkonzern betonte, der italienische Großaktionär MediaForEuropa (MFE) habe keinen Einfluss auf die Personalie gehabt.

Habets hat von 2009 bis 2019 beim ProSiebenSat.1-Rivalen RTL gearbeitet, von 2018 bis zu seinem überraschenden Abgang als Chef des europäischen TV-Konzerns. “Mit Bert Habets übernimmt einer der profiliertesten und erfolgreichsten Medienmanager Europas den Vorstandsvorsitz von ProSiebenSat.1”, betonte ProSieben-Aufsichtsratschef Andreas Wiele. Habets werde seine umfassende TV- und Digital-Expertise und Transformationserfahrung einbringen, um die Entwicklung des Unternehmens zu einem Digitalkonzern weiter voranzutreiben.

Beaujean war seit Juli 2019 Finanzchef bei ProSieben und wurde Ende März 2020 auch Chef der Fernsehkette (ProSieben, Sat.1 und Kabel1) aus Unterföhring bei München. Mit der – für ProSieben ungewöhnlich langen – Vertragsverlängerung bis Mitte 2027 stieg Beaujean zum Vorstandsvorsitzenden auf. Der frühere Aufsichtsratschef Werner Brandt sprach damals von einer “logischen Konsequenz seiner sehr erfolgreichen Arbeit im Vorstand”. Diese und andere Personalien sorgten für Unmut beim Großaktionär MFE, der von Italiens ehemaligem Regierungschef Silvio Berlusconi kontrolliert wird. Denn die Italiener fühlten sich bei der Entscheidung außen vor. Danach kam es einem Konflikt zwischen ProSieben und MFE, früher Mediaset.

So hatten sich die Italiener auf der Hauptversammlung im Mai bei der Wahl von Habets zum Aufsichtsratsmitglied enthalten. Zum Chefwechsel äußerte sich MFE am Montagabend nicht. Der Aktienkurs sprach zuletzt nicht für Beaujean. Denn die Papiere verloren seit Anfang 2022 rund 48 Prozent auf 7,46 Euro. Im Februar 2018 lag die ProSieben-Aktie noch gut vier Mal so hoch bei über 32 Euro. In der Branche galt Beaujean vielen als Finanzmanager, aber weniger als Visionär im Mediengeschäft. In der Vergangenheit hatte der 54-Jährige häufiger den Schritt vom langjährigen Finanzvorstand zum Unternehmenschef gemacht, war aber auf diesen Posten nie länger geblieben – etwa bei T-Online oder bei dem Verpackungshersteller Gerresheimer. In der Pressemitteilung erklärte der Chefkontrolleur, Beaujean habe ProSieben zielstrebig durch die Corona-Krise gesteuert und “den Fokus auf Profitabilität gelegt”. In der Branche hieß es, nun solle offenbar ein ausgewiesener Medienprofi wie Habets den Konzern in die Zukunft führen.

Durch Habets Aufrücken in den Vorstand wird das Aufsichtsratsmandat des Niederländers frei. Dies könnte an den Großinvestor MFE fallen, der zwar 25,01 Prozent direkt und indirekt an ProSiebenSat.1 hält, aber nicht im Kontrollgremium vertreten ist. Sollten die Italiener den Zuschlag bekommen, könnte wohl deren neue Managerin für den deutschsprachigen Raum, Katharina Behrends, Aufsichtsrätin werden.

(Bericht von Klaus Lauer. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax niedriger erwartet – Konjunkturdaten im Blick

Frankfurt (Reuters) – Zum Auftakt des neuen Börsenmonats wird der Dax Berechnungen von Banken und Brokerhäusern zufolge am Montag niedriger starten.

Da die Inflation und der Kampf der Notenbanken weiterhin für reichlich Diskussionsstoff an der Börse sorgen, klopfen Investoren sämtliche Konjunkturdaten auf Hinweise hierzu ab. Im Tagesverlauf stehen die Barometer für die Stimmung der Einkaufsmanager aus der Industrie Deutschlands, der Euro-Zone und der USA auf dem Terminplan. Die beiden ersteren werden Analysten zufolge wohl unter der Schwelle von 50 Punkten liegen, die Wachstum signalisiert. Der US-Index werde dagegen darüber bleiben.

Schlusskurse europäischer Indizes Stand

am vorangegangenen Handelstag

Dax

12.114,36

Dax-Future

11.955,00

EuroStoxx50

3.318,20

EuroStoxx50-Future

3.268,00

Schlusskurse der US-Indizes am Stand Veränderung

vorangegangenen Handelstag

Dow Jones

28.725,51 -1,7 Prozent

Nasdaq

10.575,62 -1,5 Prozent

S&P 500

3.585,62 -1,5 Prozent

Asiatische Indizes am Montag Stand Veränderung

Nikkei

26.059,20 +0,5 Prozent

Shanghai

Kein Handel

Hang Seng

16.917,07 -1,8 Prozent

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Christian Rüttger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Europas Börsen auf Erholungskurs – Adidas und Puma tiefer

Frankfurt (Reuters) – Versöhnlicher Abschluss für den schwärzesten September seit der Finanzkrise von 2008: Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils etwa 1,3 Prozent auf 12.125 beziehungsweise 3317 Punkte.

Das Minus seit Monatsbeginn summierte sich allerdings auf knapp sechs Prozent. Echtes Kaufinteresse sei nicht zu beobachten, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. Vielmehr lösten einige Investoren ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auf.

Auch Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets warnte vor möglichen erneuten Rücksetzern. “Zu schwer wiegen die Sorgen über eine davongaloppierende Inflation, auf die die Notenbanken noch lange mit Zinserhöhungen reagieren dürften. Zudem verändert sich die geopolitische Lage mit der russischen Annexion der vier besetzten Gebiete und den Sabotage-Akten an den Gaspipelines[nL8N310517 nicht wirklich zum Positiven.”

ERNEUTER ANSTIEG DER EUROPÄISCHEN INFLATIONSRATE ERWARTET

In diesem Zusammenhang warteten Investoren gespannt auf die europäischen Preisdaten. Experten prognostizierten einen Anstieg der Teuerungsrate auf 9,7 Prozent im Jahresvergleich. Die deutsche Inflation hatte erstmals seit rund 70 Jahren die Marke von zehn Prozent erreicht. “Die notwendigen geldpolitischen Konsequenzen dürften die Börse noch eine ganze Weile beschäftigen”, sagte RobMarkets-Experte Molnar.

Unterdessen verhalfen Spekulationen um eine Drosselung der Erdöl-Förderung durch die Staaten der großen Exportländer der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 89,54 Dollar je Barrel (159 Liter). “Im August blieb die Produktion der Opec+ aber bereits schätzungsweise 3,37 Millionen Barrel pro Tag hinter den Zielen zurück”, gaben die Experten der Bank ING zu bedenken. Daher werde die reale Fördermenge weniger stark zurückgehen als offiziell angekündigt. Einige Opec+-Staaten haben wegen maroder Förderanlagen Probleme, ihre Quoten zu erfüllen.

Gefragt waren auch Industriemetalle. Die überraschende Rückkehr des Barometers für die Stimmung der chinesischen Industrie über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten schüre Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage des Top-Abnehmers. Kupfer verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 7582 Dollar je Tonne.

Am Erdgas-Markt entspannte sich die Lage dank kontinuierlicher Lieferungen von Flüssiggas als Ersatz für Importe aus Russland weiter. Der europäische Future gab 4,2 Prozent auf 176,50 Euro je Megawattstunde nach.

ADIDAS UND PUMA STRAUCHELN WEGEN NIKE-ZAHLEN

Am Aktienmarkt gerieten Adidas und Puma unter Verkaufsdruck. Ihre Papiere fielen um vier beziehungsweise 5,4 Prozent, nachdem der US-Rivale einen Gewinneinbruch gemeldet und vor weiterem Margendruck gewarnt hatte. Die verstärkten Rabatt-Aktionen seien ein schlechtes Omen für die europäischen Sportartikel-Hersteller, kommentierte Analyst James Grzinic von der Investmentbank Jefferies. Sie würden voraussichtlich nachziehen müssen. Dies überschatte die bislang robuste Nachfrage diesseits des Atlantik. Nike-Titel brachen im vorbörslichen US-Geschäft um gut neun Prozent ein.

Unterdessen hielten sich die Papiere der Porsche AG über ihrem Ausgabepreis von 82,50 Euro. Am zweiten Tag nach dem Börsengang legten sie 0,7 Prozent auf 83,08 Euro zu. Großaktionär Volkswagen rückte nach dem Ausverkauf vom Donnerstag 0,8 Prozent vor.

(Bericht von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

“Dead Cat Bounce” an Europas Börse – Pfund erholt

Frankfurt (Reuters) – Nach den jüngsten Kursverlusten steigen erste Anleger wieder in die europäischen Aktienmärkte ein.

Ein Preissprung beim Erdgas dämpfte ihre Kauflaune allerdings. Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils ein knappes Prozent auf 12.338 beziehungsweise 3373 Punkte.

“Wir sehen eine kleine Erleichterungsrally oder einen ‘Dead Cat Bounce'”, sagte Michael Brown, Manager beim Finanzdienstleister Caxton. So nennen Börsianer eine kurzzeitige Kurserholung in einem längerfristigen Abwärtstrend. “Aus meiner Sicht ist das einzig lohnenswerte Investitionsobjekt der Dollar”, fügte Brown hinzu. Der Markt unterschätze die Wachstumsrisiken, daher müsse bei den meisten Anlageklassen, vor allem bei Aktien, mit Verkäufen gerechnet werden, so lange die US-Notenbank Fed ihr Zinserhöhungstempo nicht drossele.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gab am Dienstag zwar 0,2 Prozent nach, blieb mit 113,63 Punkten auf Tuchfühlung mit seinem jüngsten 20-Jahres-Hoch. Neben den Zinserhöhungsspekulationen hatte die Weltleitwährung dank ihres Images als “sicherer Hafen” in den vergangenen Tagen zeitweise fast fünf Prozent aufgewertet.

SCHÄDEN AN PIPELINES TREIBEN GASPREIS

Kopfzerbrechen bereiteten Investoren mehrere Lecks an russischen Erdgas-Pipelines durch die Nordsee. “Das klingt nicht nach einem Zufall”, sagte Tom Marzec-Manser vom Analysedienst ICIS. Obwohl derzeit durch keine der beiden Pipelines Gas fließt, weckte der Vorfall Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der europäischen Gasinfrastruktur. Die trieb den europäische Erdgas-Preis neun Prozent in die Höhe auf 189,50 Euro je Megawattstunde.

Aufwärts ging es auch mit dem Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 85,51 Dollar je Barrel (159 Liter). Kupfer und Gold legten jeweils ein Prozent auf 7417 Dollar je Tonne beziehungsweise 1639 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. “Jede Schwäche des Dollar löst eine Erleichterungsrally aus, wenn auch nur eine kurze”, sagte Analyst Geordie Wilkes vom Research-Haus Sucden. Eine Abwertung der Weltleitwährung macht Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver. Öl erhielt Börsianern zufolge darüber hinaus von möglichen Ausfällen der US-Förderung wegen eines Wirbelsturms im Golf von Mexico Rückenwind.

PFUND AUF ERHOLUNGSKURS – PORSCHE-BÖRSENGANG IM BLICK

Am Devisenmarkt habe das Bekenntnis der Bank von England (BoE) zu weiteren Zinserhöhungen und die Ankündigung von Details zur geplanten Entlastungen der Bürger durch die Regierung die Talfahrt des Pfund Sterling vorerst beendet, sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Positiv sei vor allem, dass die Notenbanker den Anschein von Panik vermieden hätten.

“Aber reicht das?”, fragte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Das Statement dürfte kaum diejenigen beruhigen, die die Entschlossenheit der BoE im Kampf gegen die Inflation bereits im Vorfeld angezweifelt hatten.” Das Pfund verteuerte sich dennoch auf 1,0794 Dollar, nachdem es am Montag auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar gefallen war.

Am deutschen Aktienmarkt standen erneut der Autobauer Volkswagen und sein Großaktionär Porsche SE im Rampenlicht. Zwei Tage vor dem geplanten Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche signalisierten die begleitenden Banken, dass die Papiere wohl am oberen Ende der bis 82,50 Euro reichenden Angebotsspanne zugeteilt werden. “Obwohl vielen Anlegern der Appetit auf Aktien in den vergangenen Wochen vergangen sein dürfte, machen sie hier scheinbar eine Ausnahme”, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus RoboMarkets. Die Titel von VW und Porsche SE legten jeweils rund ein halbes Prozent zu.

(Bericht von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Varta streicht Prognose – Aktie rutscht weiter ab

Frankfurt (Reuters) – Der Batteriehersteller Varta zieht seine zuletzt im Juli gesenkte Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr ganz zurück.

Grund seien die weiter gestiegenen Kosten für Energie und Rohstoffe, die nur begrenzt an die Kunden weitergegeben werden könnten, teilte das Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen am Freitag mit. Zusätzlich verzögerten sich zwei große Aufträge. Daher könnten “signifikante Volumina” in diesem Jahr nicht mehr ausgeliefert und die Umsatzziele und das prognostizierte Ergebnis im Gesamtjahr und im dritten Quartal nicht mehr erreicht werden.

Die seit Monaten unter Druck stehende Varta-Aktie verlor am Freitag im MDax weitere 18 Prozent auf 47,83 Euro. Bereits vor der Mitteilung zur gestrichenen Prognose hatte die Aktie deutlich im Minus gelegen. Seit Jahresbeginn hat sie mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.

Varta produziert Knopfzellen etwa für Kopfhörer und Hörgeräte sowie große Lithium-Ionen-Batterien als Energiespeicher für Häuser und Wohnungen. Seit drei Jahren gehört auch das Geschäft mit Haushaltsbatterien wieder zu dem Unternehmen mit 4800 Mitarbeitern.

(Bericht von Olaf Brenner, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Dax stabilisiert – Kurssturz bei Hypoport

Frankfurt (Reuters) – Zum Abschluss der Börsenwoche lässt der Verkaufsdruck am deutschen Aktienmarkt nach.

Der Dax notierte zur Eröffnung am Freitag 0,2 Prozent im Minus bei 12.503 Punkten.

Entscheidend sei, dass der deutsche Leitindex nicht unter sein bisheriges Jahrestief bei 12.390 Zählern rutsche, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Denn in diesem Fall müsse mit Anschluss-Verkäufen gerechnet werden, die den Dax in Richtung von 11.500 Punkte drücken könnten.

Bei den Unternehmen stach Hypoport mit einem Rekord-Kurssturz von 34,4 Prozent heraus. Mit 96,30 Euro waren die Aktien so billig wie zuletzt vor fünfeinhalb Jahren. Der Finanzvermittler hatte wegen einer schwachen Nachfrage seine Gesamtjahresziele ausgesetzt. Das Unternehmen sollte nicht mehr zweistellige Wachstumsraten bei Umsatz und Betriebsgewinn anstreben, sondern Kosten reduzieren, um die aktuelle Krise zu meistern, riet Analyst Simon Keller vom Bankhaus Hauck Aufhäuser Lampe. Er stufte die Titel auf “Sell” von “Hold” herunter und kürzte das Kursziel auf 70 von 205 Euro.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)