Deutsche Bank kooperiert mit US-Zahlungsabwickler Fiserv

Mit dem US-Konzern solle ein Joint Venture gegründet werden, das kleinen und mittelgroßen Firmen in Deutschland Zahlungsakzeptanz- und Bankdienstleistungen anbiete, teilte das Frankfurter Institut am Montag mit. Das Gemeinschaftsunternehmen, für das die behördlichen Genehmigungen noch ausstehe, solle von Anfang an mehrere tausend Unternehmen betreuen. Neben rund 800.000 Kunden der Marken Deutsche Bank, Postbank und Fyrst würden die Leistungen auch Unternehmen angeboten, die nicht Kunde der Deutschen Bank seien, so das Geldhaus.

“Niemand sonst in Deutschland verfügt über ein solch umfassendes Angebot”, warb der Leiter der Unternehmensbank der Deutschen Bank, Stefan Hoops, für das Vorhaben. “So können wir unseren Kunden alles aus einer Hand anbieten, das bedeutet für sie geringere Kosten und weniger Komplexität.” Fiserv-Europa-Chef John Gibbons erklärte, kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland würden dank des Vorhabens dabei unterstützt, ihre Geschäfte auf neue Art und Weise abzuwickeln. “Corona hat die Welt verändert, besonders auch die Erwartungen der Kunden beim Zahlungsverkehr.”

Die Zahlungsabwicklungsbranche ist durch den verstärkten Online-Handel schnell gewachsen und profitierte auch schon vor der Pandemie von der Verlagerung der Geldströme ins Internet. Die Anbieter erledigen für andere Firmen den Zahlungsverkehr und kassieren dafür Provisionen. In Deutschland bekannt war in dem Sektor vor allem der einstige Dax-Konzern Wirecard, der nach einem milliardenschweren Bilanzskandal mittlerweile insolvent ist.

 

EU lässt gesperrte Großbanken nun doch bei Finanzgeschäft für Wiederaufbaufonds zu

Die EU-Kommission hebt die Sperre gegen die acht Banken auf, wie die Brüssler Behörde am Freitag mitteilte. Sie hätten Informationen vorgelegt, die ihre künftige Beteiligung an den Geschäften möglich machten. Hintergrund ist, dass die Geldhäuser in der Vergangenheit an Wettbewerbsverstößen beteiligt waren. Die EU hatte daher geprüft, ob Primärhändler, die Wettbewerbsregeln gebrochen hatten, notwendige Schritte zur Beendigung dieser Praktiken getroffen haben.

Die EU-Kommission nannte bei der ursprünglichen Sperrung die Finanzinstitute nicht. Allerdings wurde auf drei Kartell-Fälle in den vergangenen drei Jahren verwiesen. In diese waren zehn der größten Primärhändler in der EU verwickelt. Zu den Banken, gegen die in zwei Fällen Strafzahlungen verhängt wurden, gehörten die Bank of America, Credit Agricole, Natixis, Nomura, Natwest Markets und Unicredit. Sie hatten Wettbewerbsregeln gebrochen und an Anleihe-Kartellen teilgenommen. Die Deutsche Bank war zwar Teil einer der Kartelle, erhielt aber keine Strafe, weil sie der Kommission die Verstöße gebeichtet hatte. Darüber hinaus wurden im Jahr 2019 wegen Manipulationen auf dem Devisenmarkt die Geldhäuser Barclays, Citigroup, JPMorgan und Natwest zu Strafen verdonnert.

Die Banken Nomura, BofA, Barclays, Natixis, Credit Agricole, NatWest, Deutsche Bank, UniCredit, Citi und JP Morgan hatten nach Bekanntwerden der Sperre Stellungnahmen abgelehnt. Die Gelder aus dem rund 750 Milliarden Euro schweren Wiederaufbaufonds sollen den Mitgliedsländern die Erholung von der Corona-Krise erleichtern.

 

Scholz prüft Beteiligung an Lufthansa-Kapitalerhöhung

– von Michael Nienaber und Christian Kraemer

“Eins ist klar: Wenn Unternehmen das Ziel haben, sich aus den Notwendigkeiten einer staatlichen Unterstützung zu befreien, dann werden wir das möglich machen”, sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters. “Denn unsere Unterstützung ist ja auf den Weg gebracht worden, damit die Unternehmen die Krise überleben und dann wieder auf eigenen Füßen stehen, ohne dass wir gewissermaßen mit unserem Geld aushelfen müssen.” Die in wirtschaftliche Turbulenzen geratene Fluggesellschaft will sich nach Reuters-Informationen im Sommer oder Frühherbst mindestens drei Milliarden Euro frisches Kapital besorgen, um die stille Einlage des Bundes von 5,5 Milliarden Euro teilweise zu tilgen.

Der Staat hatte der Lufthansa unter die Arme gegriffen, die in der Corona-Krise in wirtschaftliche Turbulenzen geraten war. Seither hält der Bund neben der stillen Beteiligung 20 Prozent der Lufthansa-Aktien und ist damit ihr größter Aktionär. Diese könnte er bei der Kapitalerhöhung einsetzen, um neue Anteile zu zeichnen. Doch eine schnelle Weichenstellung erwartet Scholz nicht: “Solche Entscheidungen kann man ja nicht über das Knie brechen.” Wichtig sei zunächst, dass die nächsten Schritte im Unternehmen gut vorbereitet würden.

Aus Sicht der Lufthansa wäre ein guter Zeitpunkt für eine Kapitalerhöhung, wenn die Erholung der Branche von der Corona-Krise klar werde – also im Sommer. In der Urlaubssaison will die Fluglinie ihre Kapazität hochfahren. Vorstandsmitglied Harry Hohmeister hat jüngst von einer deutlich besseren Nachfrage gesprochen und angekündigt, man werde 30 bis 50 zusätzliche Flugzeuge einsetzen. Bei diesem Zeitplan könnte das Thema auch in den Bundestagswahlkampf hineinspielen. Für den Bund geht es um eine politische Grundsatzentscheidung. Wenn er bei der Kapitalspritze nicht mitzieht, drohen seine Anteile zu verwässern, und er würde mit der Sperrminorität auch sein Mitspracherecht bei der Lufthansa verlieren. Andererseits gilt eine Einmischung in das operative Geschäft als verpönt.

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte sich der Bund auf zwei Wegen an der Finanzspritze beteiligen: Entweder verkauft er einen Teil seiner Bezugsrechte und nimmt den Erlös zum Kauf neuer Aktien. Dann müsste er kein frisches Geld der Steuerzahler in die Hand nehmen, sein Anteil würde aber etwas verwässert. Oder aber der Bund setze seine Bezugsrechte zum Kauf von Lufthansa-Aktien für bis zu eine Milliarde Euro ein. Für die anderen Investoren wäre das ein positives Signal, heißt es in der Branche. Aktien könnte der Bund schneller wieder abstoßen als die stillen Einlagen. Allerdings könnte das Engagement die EU-Kommission erneut wegen staatlicher Beihilfen auf den Plan rufen.

Reuters hatte vor drei Wochen über die Pläne berichtet. Der MDax-Konzern bevorzuge eine große statt mehrerer kleiner Kapitalerhöhungen. Deutsche Bank und Bank of America fühlten für die Lufthansa bereits bei institutionellen Investoren vor. Die Lufthansa-Aktie war am Mittwoch mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 11,17 Euro zweitgrößter Kursgewinner im MDax.

 

Immobilien-Großfusion hievt Europas Börsen auf Rekordhochs

Abbröckelnde Kurse an der Wall Street machten einen Teil der anfänglichen Gewinne aber wieder zunichte. Der Dax stieg am Dienstag zeitweise auf 15.568,60 Punkte und schloss 0,2 Prozent im Plus bei 15.456,09 Zählern. Der breit gefasste Stoxx600 rückte auf bis zu 447,15 Stellen vor. Der Auswahlindex EuroStoxx50 notierte am Abend knapp im Plus bei 4040,30 Punkten. An der Wall Street büßte der US-Standardwerteindex Dow Jones dagegen 0,2 Prozent ein.

Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia macht einen neuen Anlauf, um den Rivalen Deutsche Wohnen für 52 Euro je Aktie und damit insgesamt mehr als 18 Milliarden Euro zu schlucken. Die Offerte sei recht attraktiv und die angestrebten Einsparungen erreichbar, kommentierte Analyst Kai Klose von der Berenberg Bank. Durch den freiwilligen Mietendeckel werde das Einnahmenwachstum hier aber hinter den angestrebten drei bis 3,8 Prozent zurückbleiben.

Vonovia-Aktien fielen zeitweise auf ein Zwölf-Monats-Tief von 48,57 Euro und verabschiedeten sich 6,1 Prozent im Minus bei 48,91 Euro in den Feierabend. Die Papiere von Deutsche Wohnen verbuchten dagegen mit einem Plus von fast 16 Prozent auf 52,06 Euro den größten Tagesgewinn seit zwölf Jahren.

GUTE STIMMUNG IN DEUTSCHLANDS CHEF-ETAGEN

Rückenwind erhielten die Aktienmärkte auch vom überraschend starken Anstieg des Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. “Die Weichen sind auf Erholung und Aufschwung gestellt”, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. “Es geht nur noch darum, wie stark die Erholung ausfallen wird.” Engpässe bei Vorprodukten könnten das Wachstum zwar bremsen, aber nicht gefährden.

Hiervon profitierten unter anderem die Finanzwerte, die sensibel auf Konjunkturaussichten reagieren. Der europäische Bankenindex stieg auf bis zu 139,57 Punkte, den höchsten Stand seit Ausbruch der Coronavirus-Krise in Europa Anfang 2020. Die Papiere der Deutschen Bank markierten mit 12,51 Euro zeitweise sogar ein Drei-Jahres-Hoch.

FED DÄMPFT INFLATIONSSORGEN

Erleichtert reagierten Anleger zudem auf das jüngste erneute Bekenntnis der Fed zu ihrer ultra-lockeren Geldpolitik. Direktorin Lael Brainard wiederholte außerdem das Mantra der US-Notenbank, dass der aktuelle Inflationsanstieg vorübergehend sei. Aktuell schenkten Anleger diesen Beteuerungen Glauben, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus ActivTrades. “Das ist allerdings ein Katz-und-Maus-Spiel”, warnte Giles Coghlan, Chef-Devisenanalyst des Brokerhauses HYCM. “Irgendwann wird die Drosselung der Wertpapierkäufe kommen.” Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel am Dienstag um bis zu 0,4 Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 89,533 Punkten.

Die Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen gab Technologie-Werten Auftrieb. Der europäische Branchenindex stieg um 1,4 Prozent. An der Wall Street rückten Konzerne wie Amazon, Facebook oder der Google-Mutter Alphabet bis zu 0,8 Prozent vor. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

Bei den Kryptowährungen ging die Achterbahnfahrt weiter. Bitcoin verbilligte sich um zwei Prozent auf 38.233 Dollar, nachdem die älteste und wichtigste Cyber-Devise über das lange Wochenendes in einer Spanne zwischen 43.000 und 31.000 Dollar geschwankt hatte. “Die Sorgen vor weiteren schärferen Regulierungen nimmt den Optimisten offensichtlich die Luft zum Atmen”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Ende vergangener Woche hatten chinesische Behörden die Zügel angezogen. Einige Kryptowährungsfirmen kündigten daraufhin ihren Rückzug aus dem Land an.

Großaktionäre stärken Management der Deutschen Bank den Rücken

Großaktionäre wie die beiden Fondsgesesllschaften Deka und Union Investment stellten sich anlässlich des virtuellen Aktionärstreffens am Donnerstag hinter die Strategie von Vorstandschef Christian Sewing. Auch die Stimmrechtsberater Glass Lewis und Institutional Shareholder Services (ISS) haben in diesem Jahr nichts zu beanstanden. In den vergangenen Jahren hagelte es bei den Hauptversammlungen von Deutschlands größtem Geldhaus oft massive Kritik von Aktionären.

“Ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 hat die Deutsche Bank die Trendwende geschafft”, erklärte Portfoliomanagerin Alexandra Annecke von Union Investment am Dienstag. “Wir sehen endlich Licht am Ende des Tunnels.” Ihr Kollege Andreas Thomae von Deka Investment pflichtete bei: “Das Management hat in den letzten zwölf Monaten sehr gute Arbeit geleistet.” 2020 erwirtschaftete die Deutsche Bank erstmals seit sieben Jahren einen Gewinn und auch das erste Quartal 2021 lief dank des florierenden Investmentbankings besser als erwartet.

An der Börse schaffte es die Deutsche-Bank-Aktie zum ersten Mal seit Anfang 2018 über die Marke von zwölf Euro. Seit ihrem Tief von 4,44 Euro im März 2020 hat der Kurs um 180 Prozent zugelegt und schnitt besser ab als der europäische Bankenindex.

KRITIK AN BONUS-ZAHLUNGEN

Annecke kritisierte aber unter anderem die vergleichsweise geringe Profitabilität der Bank sowie die Verlängerung des Geldwäsche-Sonderbeauftragten durch die Finanzaufsicht BaFin. “Das gute Management von Kreditrisiken und Kapitalmarktrisiken wird durch mangelhafte Geldwäsche-Kontrollen überschattet. Die Bank muss ihre Altlasten endlich bewältigen.” Auch die Bonus-Zahlungen stoßen den Großinvestoren sauer auf. Die variablen Vergütungen haben 2020 um fast ein Drittel zugelegt. “Das ist zu viel in einem Jahr, in dem die Bank gerade einmal eine Milliarde Euro vor Steuern verdient hat”, monierte Fondsmanager Thomae.

Die Investmentgesellschaften wollen wie Glass Lewis bei der Hauptversammlung gegen die Ermächtigung zum Aktienrückkauf stimmen. Die Deka lehnt zudem die Entlastung des scheidenden Aufsichtsrats Alexander Schütz ab, der wegen einer Email an den inhaftierten Ex-Wirecard Chef Markus Braun in Misskredit geraten war. Eine Nicht-Entlastung hätte keine rechtlichen Konsequenzen, sie wäre aber ein öffentliches Misstrauensvotum.

Schütz soll durch den ehemaligen VW-Finanzchef Frank Witter ersetzt werden. Dieser gilt wie Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer und Ex-PwC-Deutschlandchef Norbert Winkeljohann als potenzieller Nachfolger des obersten Deutsche-Bank-Kontrolleurs Paul Achleitner. Der Österreicher will nach der Hauptversammlung 2022 aufhören. Winkeljohann und Weimer sind schon Mitglieder im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

 

Siemens Energy dementiert Übernahmepläne für Gamesa

Berichte in spanischen Medien über derartige Überlegungen hatten die Anleger in Madrid elektrisiert. Die Börsenaufsicht CNMV setzte die Gamesa-Aktie vom Handel aus und forderte Siemens Energy zu einer Stellungnahme auf. Und die fiel klar aus: “Auch wenn wir natürlich für die Zukunft kein Szenario ausschließen können, können wir bestätigen, dass Siemens Energy derzeit nicht an einem Übernahmeangebot arbeitet”, hieß es in der Mitteilung vom Dienstag.

Die Zeitung “Expansion” hatte berichtet, dass der Siemens-Konzern Investmentbanken angeheuert habe, um strategische Möglichkeiten auszuloten, darunter ein Angebot an die restlichen Siemens-Gamesa-Aktionäre mit dem Ziel, die Firma von der Börse zu nehmen. Der Auftrag sei über Siemens Energy an Morgan Stanley vergeben worden. Die Deutsche Bank solle zudem ein Wertgutachten erstellen. Solche Aufträge gebe es nicht, stellte Siemens Energy klar.

Siemens Energy hält 67 Prozent an Siemens Gamesa. Für die restlichen, an der Madrider Börse notierten Aktien müsste der Mehrheitsaktionär – gemessen am Kurs der Gamesa-Papiere – mehr als 5,7 Milliarden Euro hinblättern. Die Börsianer ließen sich durch das Dementi nicht stören: Nach der Wiederaufnahme des Handels legten Siemens Gamesa in Madrid fast drei Prozent zu. Siemens Energy lagen nach dem Dementi mit 25,23 Euro immer noch 2,8 Prozent im Plus.

Siemens Energy gehört noch zu 35,1 Prozent der Siemens AG, weitere 9,9 Prozent hatte nach dem Börsengang der Pensionsfonds des Münchener Konzerns übernommen. Die Siemens AG ist tunlichst darauf bedacht, jeden Eindruck einer operativen Einflussnahme auf die frühere Kraftwerks-Tochter zu vermeiden.

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte die Spekulationen über eine Komplettübernahme kürzlich selbst befeuert: “Das steht natürlich irgendwann im Raum”, sagte er. Jetzt sei es aber noch zu früh, um darüber zu diskutieren. “Wir sind jetzt gerade mal ein halbes Jahr an der Börse, also Schritt für Schritt.” Ohne eine separate börsennotierte Gesellschaft in Spanien ließen sich Entscheidungsprozesse etwa für Zukäufe und Verkäufe beschleunigen, sagte ein Banker.

 

Finanzaufsicht warnt Banken vor Folgen von Gebührenurteil

“Das hat das Potenzial, für die Banken richtig teuer zu werden”, sagte BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler am Dienstag. Einige Banken könne das Urteil im schlimmsten Fall die Hälfte des Jahresgewinns kosten. Beim Thema Corona gab die BaFin bei ihrer virtuellen Jahrespressekonferenz dagegen Entwarnung. Die Banken seien grundsätzlich in der Lage, die durch die Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise zu überstehen.

Das Urteil des BGH zu Gebührenänderungen sei überraschend gekommen, sagte Thorsten Pötzsch, der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Bankenabwicklung zuständig ist. Das oberste deutsche Berufungsgericht hatte Ende April geurteilt, dass Banken nicht einfach ihre Gebühren ändern können, wenn der Kunde den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht binnen zwei Monaten widerspricht. Das benachteilige die Kunden.(AZ: XI ZR 26/20) Die Gerichte müssten nun klären, wie AGB künftig rechtssicher geändert und Kunden über Gebührenanhebungen informiert würden. “Das wird schwierig und eine große Herausforderung”, sagte Pötzsch.

Konkret könnten die finanzielle Folgen aber erst abgeschätzt werden, wenn die schriftliche Urteilsbegründung vorliege. Klar sei auch noch nicht, ob andere Branchen ebenfalls von dem Urteil betroffen seien. Die Comdirect hatte eine eigentlich für Anfang Mai geplante Preiserhöhungen bereits auf Eis gelegt, ihre Mutter Commerzbank will für Juli anstehende Preisanhebungen nach bisherigen Stand dagegen durchziehen.

KOSTEN DER BANKEN MÜSSEN RUNTER

Das Urteil belastet die ohnehin unter Druck stehenden Erträge der Banken zusätzlich. Die seit Jahren niedrigen Zinsen in der Euro-Zone erschweren es ihnen, auskömmliche Erträge zu erwirtschaften. Gebühren werden deshalb für sie immer wichtiger. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, müssten Banken noch stärker an der Kostenschraube drehen als bisher, sagte Röseler, der die BaFin bis zum Antritt des neuen Präsidenten Mark Branson im Sommer interimsmäßig leitet. Die Deutsche Bank und die Commerzbank seien konsequent unterwegs, bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken gebe es noch viel Spielraum.

Zudem müssen sich Banken nach Einschätzung der BaFin auf weitere Kreditausfälle einstellen. “Wir müssen davon ausgehen, dass nicht alle von der Pandemie gebeutelten Unternehmen der Realwirtschaft wieder gesunden”, sagte Röseler. Bis sich das auf die Banken durchschlage, könne es aber dauern. Auch nicht alle Geldhäuser würden die Krise überstehen. “Eine Entwarnung können wir derzeit nur für das System aussprechen, also die Branche als Ganzes.” Generell hätten die Institute zwar ein Ertragsproblem, aber kein Problem mit faulen Krediten.

GENAUER HINTER DIE FASSADE SCHAUEN

Um künftig Skandale wie die Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard zu vermeiden, will die Aufsichtsbehörde mehr IT-Fachkräfte und Wirtschaftsprüfer einstellen. Eine schnelle Eingreiftruppe soll bei Firmen vor Ort forensische Untersuchungen vornehmen können, also praktisch Detektivarbeit betreiben. “Wir wollen schneller, genauer und aus erster Hand wissen, wo die Erträge herkommen, denn wo das Geld verdient wird, liegen die Risiken”, sagte Röseler. Bei Unregelmäßigkeiten werde die BaFin Geschäfte der Banken einschränken. Doch sei auch das keine Garantie dafür, dass der BaFin nie mehr Fehler unterliefen, räumte Röseler ein. “Man kann uns als Aufsicht bis an die Zähne forensisch bewaffnen, es wird und kann in einem Rechtsstaat nie gelingen, jede Art von Kriminalität zu verhindern.”

 

Spanische Börsenaufsicht setzt Handel mit Siemens Gamesa aus

Zuvor hatte die Zeitung “Expansion” berichtet, dass der Siemens-Konzern Banken angeheuert habe, um strategische Möglichkeiten auszuloten. Hierzu gehöre auch eine Übernahme von Siemens Gamesa samt Abschied von der Börse. Der Auftrag sei von der Siemens AG über Siemens Energy an Morgan Stanley vergeben worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Die Deutsche Bank solle ein Wertgutachten erstellen. Siemens, Siemens Energy und Siemens Gamesa lehnten eine Stellungnahme ab. Morgan Stanley und der Deutschen Bank war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Siemens Gamesa war 2017 durch den Zusammenschluss des spanischen Konzerns Gamesa und der damaligen Windenergiegeschäfte von Siemens geschmiedet worden. Heute hält Siemens Energy 67 Prozent an dem Unternehmen. Siemens Energy wiederum gehört noch zu 35 Prozent der Siemens AG, weitere 10 Prozent hält der Pensionsfonds des Münchener Konzerns. Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte kürzlich gesagt, dass es für einen Erwerb der restlichen Anteile von Siemens Gamesa noch zu früh sei. Der Zeitpunkt werde aber kommen. Mit einer Übernahme könnten Entscheidungsprozesse etwa für Zukäufe und Verkäufe beschleunigt werden, erklärte ein Banker. Die Aktien von Siemens Energy legten zeitweise um mehr als drei Prozent zu. In Frankfurt gehandelte Papiere von Siemens Gamesa verteuerten sich im Frankfurter Handel um 3,5 Prozent.

 

Commerzbank kehrt überraschend in schwarze Zahlen zurück

– von Patricia Uhlig und Tom Sims

Vorstandschef Manfred Knof versprühte bei der Präsentation der Quartalszahlen am Mittwoch Zuversicht und hob die Jahresziele an. “Wir kommen mit unserer neuen Strategie planmäßig voran und wir liefern, was wir versprechen”, sagte der seit Jahresanfang amtierende Bankchef. Die Aktien legten um rund acht Prozent zu und waren mit Abstand größter Gewinne im MDax.

Unter dem Strich erwirtschaftete die Commerzbank im ersten Quartal einen Gewinn von 133 Millionen Euro nach einem Verlust von 291 Millionen Euro vor Jahresfrist. Analysten hatten mit einem erneuten Verlust gerechnet. “Das erste Quartal zeigt: Wir sind nicht nur gut im operativen Geschäft gut unterwegs, sondern auch mit unserer strategischen Transformation gut gestartet und voll auf Kurs”, sagte Knof.

Der ehemalige Deutsche-Bank– und Allianz-Manager gilt als harter Sanierer und hat der Commerzbank eine strikte Sanierung verpasst: Weltweit fallen 10.000 Jobs weg, hunderte Filialen werden dichtgemacht, das Kapitalmarktgeschäft und die Präsenz im Ausland schrumpft. Der Umbau kostet mehr als zwei Milliarden Euro. 2020 hatten die Frankfurter wegen der Corona-Krise und der Restrukturierung einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro eingefahren. Dieses Jahr soll zumindest das Betriebsergebnis wieder deutlich positiv sein.

KUNDEN HANDELN MEHR MIT AKTIEN

Im ersten Quartal legten die Erträge dank eines höheren Provisionsüberschusses und positiver Bewertungseffekte bei Absicherungsgeschäften um 35 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu. Die Risikovorsorge für faule Kredite reduzierte sich auf 149 von 326 Millionen Euro. “Der dritte Lockdown hatte kaum Auswirkungen im ersten Quartal”, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. Auch andere Banken hatten ihre Risikovorsorge zuletzt verringert, weil die Kreditausfälle nicht so schlimm waren wie zu Beginn der Corona-Krise befürchtet.

Knof stellte für das Gesamtjahr nun leicht höhere Einnahmen als 2020 und eine Kernkapitalquote (CET1) von mehr als 12,5 Prozent in Aussicht. Bisher waren niedrigere Erträge und eine Kapitalquote von über zwölf Prozent angekündigt. Die Chancen auf einen Nettogewinn seien gestiegen, sagte Orlopp. Der Rückenwind durch positive Bewertungseffekte werde aber nachlassen.

Analysten der US-Bank Citi bezeichneten die Ergebnisse als stark. Nicht nur der Gewinn sei überraschend, auch die Stärke auf der Kapitalseite, erklärte Citi-Analyst Nicholas Herman. Aktienexperte Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets sagte, bei den leidgeplagten Anlegern keime Hoffnung auf. “Der geplante Weg zu einer Digital-Bank wird kein leichter sein. Aber sollte er gelingen, könnte sich die zuletzt entfachte Euphorie in der Aktie auch langfristig für Investoren auszahlen.”

Die Commerzbank-Aktien legten seit Mitte April um rund ein Drittel zu. Titel der Deutschen Bank stiegen in dem Zeitraum um rund 17 Prozent, der MDax gab ein Prozent nach.

GEBÜHREN FÜR GIROKONTEN SOLLEN KOMMEN

Wegen der dauerniedrigen Zinsen im Euro-Raum sind Banken ständig auf der Suche nach neuen Ertragsquellen. Die Commerzbank erhofft sich aus höheren Gebühren für Girokonten Einnahmen von jährlich rund 100 Millionen Euro, wie Orlopp sagte. Ob sie darauf auch tatsächlich bauen kann, ist aber nicht sicher. Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte Ende April, dass Banken nicht mehr ohne Weiteres ihre Geschäftsbedingungen ändern können. An den ursprünglichen Plänen, die Preise ab Anfang Juli anzuheben, halte die Bank fest. Von jedem Kunde müsse aber nun ein aktives Ja eingeholt werden, sagte Orlopp. Man arbeite deshalb an passenden Prozessen.

Die Commerzbank war jahrelang mit ihrem kostenlosen Girokonto und Neukundenprämien auf Kundenfang gegangen. Knof hat sich von dieser Strategie aber verabschiedet. Wachstum um jeden Preis solle der Vergangenheit angehören.

 

Bundesgerichtshof schränkt Banken bei AGB-Änderungen stark ein

Die bisherige Klausel, wonach Änderungen bereits als genehmigt gelten, wenn der Kunde nicht innerhalb von zwei Monaten widerspricht, sei unwirksam, erklärte der BGH am Dienstag. Die Klausel benachteilige die Verbraucher unangemessen. (AZ: XI ZR 26/20)

Mit dem Urteil des BGH hatte die Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Erfolg. Die Verbraucherorganisation hatte die bisherige Regelung als eine “Art Generalermächtigung für jedwedes Änderungsbegehren” der Kreditinstitute kritisiert und eine Musterklage gegen die Postbank geführt. Ebenso wie andere Geldinstitute und Sparkassen verwendet sie AGB, die auch Klauseln für Änderungen enthalten. Dort ist vereinbart, dass Kontoführungs- und Depotgebühren ebenso wie andere Geschäftsbedingungen angepasst werden können.

Die Zustimmung eines Privatkunden gilt demnach als erteilt, wenn er zwei Monate vor der Änderung informiert wurde und nicht widersprochen hat. Er wird in der schriftlichen Information darauf hingewiesen, dass sein Schweigen als Zustimmung gilt. Diese sogenannte fiktive Zustimmung gilt für alle Änderungen der AGB. Der Kunde kann zwar seine Zustimmung verweigern und auch kündigen, aber eine inhaltliche Begründung von Änderungen war bisher nicht vorgesehen.

Der BGH gab nun der Klage der Verbraucherzentrale statt und erklärte die umfassenden Befugnisse der Bank für unwirksam. Denn es könnten nicht nur Anpassungen in Details, sondern weitreichende Änderungen ohne inhaltliche Beschränkungen vorgenommen werden. Das benachteilige Verbraucher unangemessen. Banken und Sparkassen müssen nun neu regeln, nach welchen Kriterien sie AGB-Anpassungen vornehmen. Wie die künftigen Klauseln formuliert sein müssen, hat der BGH nicht entschieden.