Schweizer Notenbank – Evergrande ist nicht nur lokales Problem

“Es ist falsch, hier in Alarmismus zu verfallen, aber auch falsch, hier einfach alles zu ignorieren und zu sagen, es sei ein lokal kleines Problem”, sagte SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. “Wir haben immer wieder gesehen, dass aus scheinbar kleinen Entwicklungen plötzlich die Finanzmärkte verunsichert werden und größere Korrekturen kommen. Wir werden das ganz genau verfolgen, wie das alle anderen Zentralbanken auch machen werden.”

Evergrande zeige, dass es immer wieder zu unerwarteten Störungen kommen könne, die dann größere Auswirkungen hätten, sagte Jordan. Entsprechend wichtig sei es, dass die Akteure auf den Finanzmärkten wie etwa Banken über Eigenkapitalpolster verfügten, um Verluste absorbieren und so Dominoeffekte vermeiden zu können.

Von Schweizer Banken sind bisher keine Alarmsignale gekommen. Credit Suisse erklärte am Mittwoch, dass ein Schwellenländer-Anleihenfonds der Bank mit 0,6 Prozent des Gesamtvolumens von zuletzt rund zwei Milliarden Dollar in Evergrande-Papieren investiert sei. Zudem seien Zielfonds von eigenen Dachfonds minimal exponiert. Ausfälle der Anleihen würden aber in erster Linie die Fonds-Inhaber und nicht die Bank selbst treffen. Zur Frage, ob auch die eigene Bilanz des Instituts von einem Ausfall betroffen wäre, erklärte ein Sprecher: “Die Credit Suisse ist kein bestehender Kreditgeber von Evergrande, und wir haben kein direktes Kreditengagement bei diesem Unternehmen.” Die UBS habe kein “materielles Exposure” gegenüber Evergrande, erklärte eine der Bank nahestehende Person.

Der mit insgesamt 305 Milliarden Dollar verschuldete chinesische Immobilienriese hatte kürzlich bekanntgegeben, mit Hilfe “privater Verhandlungen” eine Lösung für die am Donnerstag fällige Zinszahlung eines bis 2025 laufenden Yuan-Bonds gefunden zu haben. Unklar blieb aber zunächst, ob Evergrande im Tagesverlauf Zinsen für eine Anleihe wie versprochen bedient.

 

Evergrande-Krise bringt Schweizer Börse grössten Kurssturz seit Januar

Der Leitindex SMI sackte am Montag in der Spitze um 2,4 Prozent ab. Stärker war das Bluechip-Barometer letztmals Ende Januar gefallen. Etwas mehr als eine Stunde vor Handelsschluss notierte der SMI noch um 1,8 Prozent schwächer bei 11.721 Punkten. Das “Angstbarometer” Volatilitätsindex schoss 20 Prozent hoch.

Alle 20 Standardwerte rutschten ab. Regelrecht unter die Räder kamen die Grossbanken: Die Aktien der Credit Suisse brachen um 6,8 Prozent ein und die des Rivalen UBS um 5,9 Prozent. Die Angst vor einem Zahlungsausfall beim zweitgrößten chinesischen Immobilienentwickler und vor einer neuen Immobilienkrise schickte Bankwerte europaweit auf Talfahrt, der Bankenindex fiel um 3,5 Prozent.

Markante Einbussen gab es auch für Richemont und Swatch mit 3,6 und 3,2 Prozent Kursminus. Reiche Chinesen könnten wegen der Evergrand-Krise weniger Geld für Luxusartikel ausgeben, befürchteten Investoren. Auch andere Branchenvertreter wie LVMH oder Dior verloren stark an Wert. Swatch kippt zudem zum Handelsschluss aus dem SMI.

Besser als der SMI hielten sich die Schwergewichte Nestle und Novartis mit Kursabschlägen von 0,7 beziehungsweise 1,1 Prozent.

 

Credit Suisse ernennt neuen Chief Compliance Officer

Rafael Lopez Lorenzo wurde zum Chief Compliance Officer ernannt, wie die zweitgrößte Schweizer Bank am Mittwoch mitteilte. Der Manager, der momentan das interne Audit leitet, übernimmt die Position am 1. Oktober von Thomas Grotzer, der sie seit April 2021 ad interim innehat. Zudem wurde Christine Graeff zum Global Head of Human Resources ernannt. Sie tritt die Nachfolge von Antoinette Poschung an, die Ende Januar 2022 in den Ruhestand geht.

Lopez Lorenzo wechselte 2015 von JP Morgan Chase zur Credit Suisse. Der Manager habe bei der Aufarbeitung der jüngsten Vorfälle eine entscheidende Rolle gespielt, erklärte die Bank. Graeff stieß Anfang dieses Jahres als Kommunikationschefin von der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Credit Suisse.

Präsident Antonio Horta-Osorio, seit April im Amt, will die Credit Suisse nach den Fehlschlägen mit Archegos und Greensill in ruhigere Gewässer steuern und eine neue Risikokultur etablieren. Die Affären kosteten die Bank Milliarden und eine Untersuchung förderte schwere Kontrollmängel bei der Investmentbank zutage. eine Reihe von hochrangigen Managern mussten ihren Hut nehmen und Horta-Osorio besetzte Schlüsselpositionen wie etwa den Riskochef neu. Zudem soll der Verwaltungsrat mit zwei Risikoexperten verstärkt werden.

 

Archegos-Bericht geht mit Credit Suisse hart ins Gericht

Ein einziger Kunde, der Hedgefonds Archegos Capital, kostete die zweitgrößte Schweizer Bank fünf Milliarden Franken. “Das erste Halbjahr war eine unglaubliche Herausforderung für unsere Bank”, erklärte Konzernchef Thomas Gottstein am Donnerstag. Zusammen mit dem Debakel um den Kollaps eines zweiten Partners, Greensill Capital, wirft der Rekordschaden Fragen auf zu den internen Kontrollen, zur Kultur und zum Management des Instituts. Die Einschätzung einer mit einer Untersuchung des Archegos-Vorfalls betrauten Anwaltskanzlei fällt vernichtend aus.

“Die von der Credit Suisse erlittenen Verluste im Zusammenhang mit Archegos sind das Ergebnis eines grundlegenden Versagens des Managements und der Kontrollen in der Investment Bank der CS und insbesondere in ihrem Prime Services Geschäft”, hieß es in dem von der Bank in Auftrag gegebenen 165-seitigen Bericht von Paul Weiss, Rifkind, Wharton & Garrisson. “Das Geschäft war auf kurzfristige Gewinnmaximierung ausgerichtet und hat es versäumt, die Risikofreudigkeit von Archegos einzudämmen, ja sie sogar erst ermöglicht.” Anzeichen für betrügerisches, rechtswidriges oder böswilliges Verhalten gebe es aber keine.

Der Hedgefonds hatte sich mit Aktienwetten auf Pump verspekuliert, sein Zusammenbruch erschütterte im März die Wall Street. In dem Zehn-Milliarden-Dollar-Blutbad litt die Credit Suisse viel stärker als andere involvierte Häuser, etwa UBS, Morgan Stanley oder Nomura. Nach einem im Startquartal verbuchten Milliardenschaden kamen im zweiten Quartal weitere 594 Millionen Franken dazu. “Das ist inakzeptabel”, erklärte Gottstein. Anfang Juni habe Bank die letzten diesbezüglich Positionen abgestoßen.

Die Belastung fraß praktisch den gesamten Gewinn in einem Halbjahr auf, in dem sonst günstige Bedingungen herrschten. Unter dem Strich stand ein winziges Plus von einer Million Franken, in der Vorjahresperiode schaffte die Bank noch einen Überschuss von 2,5 Milliarden Franken. Der Gewinn lag unter den Markterwartungen, die Credit-Suisse-Aktie büsste vier Prozent ein. Credit Suisse habe deutlich schlechter abgeschnitten als die vergleichbaren Institute, erklärte Vontobel-Analyst Andreas Venditti. So hatten etwa die Deutsche Bank und die UBS im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet.

NEUN MITARBEITER ENTLASSEN

Kurz vor Archegos sorgte bereits die Not-Abwicklung von zusammen mit Greensill betriebenen Fonds im Volumen von zehn Milliarden Dollar für negative Schlagzeilen. “Wir nehmen diese beiden Ereignisse sehr ernst und sind entschlossen, alle entsprechenden Lehren daraus zu ziehen”, sagte Gottstein. Die Bank hatte mit Wechseln im Top-Management und einer Kapitalerhöhung bereits im Frühling reagiert.

Nun gab das Institut bekannt, dass es im Zusammenhang mit Archegos Maßnahmen gegen insgesamt 23 Personen ergriffen habe, neun Mitarbeiter seien entlassen worden. Zudem habe die Bank Vergütungen im Umfang von rund 70 Millionen Dollar gestrichen. “Wir wollen eine von Verantwortung und Rechenschaftspflicht geprägte Unternehmenskultur entwickeln, in deren Rahmen die Mitarbeitenden grundsätzlich Risikomanager sind, klar wissen, was sie tun müssen, allfällige Bedenken eskalieren und für ihre Handlungen verantwortlich sind”, erklärte der neue Verwaltungsratspräsident Antonio Horta-Osorio.

Credit Suisse litt nicht nur wegen der direkten Verluste unter Archegos. Um sich zu schützen, fuhr die Bank die Risiken im Hedgefonds-Geschäft, aber auch in anderen Teilen der Bank zurück. Das trug dazu bei, dass die Erträge in der Investmentbank im zweiten Quartal um 41 Prozent einbrachen. Weniger Risiko bedeutet für Banken meist weniger Geschäft und damit auch weniger Einnahmen.

Gottstein erklärte, das Institut werde an dieser Politik festhalten, bis die Überprüfung der Strategie abgeschlossen sei. Die Ergebnisse dieser Überprüfung werde der Konzern spätestens Ende des Jahres vorlegen. Nach früheren Aussagen von Insidern stehen etwa weitere Einschnitte im Investmentbanking, ein Verkauf des Asset Managements und eine Reorganisation der Vermögensverwaltung zur Diskussion.

Der Risiko-Abbau führte nicht nur in der Investmentbank zu Bremsspuren. So zogen reiche Privatkunden im Kerngeschäft Vermögensverwaltung im Quartal insgesamt 7,3 Milliarden Franken ab. Die Abflüsse hätten sich auf die Monate April und Mai konzentriert, im Juni habe die Bank bei den Kunden wieder frisches Geld einsammeln können, so Gottstein. Moodys-Analyst Michael Rohr warnte dennoch: “Die Eindämmung des Umsatzrückgangs und die Aufrechterhaltung des zugrunde liegenden Geschäftsmodells werden wichtige Faktoren für die Aufrechterhaltung des aktuellen Kreditprofils und der Ratings sein.”

 

Notenbanken Frankreichs und der Schweiz testen Digitalwährung

In einem Pilotprojekt sollen Kreditgeschäfte zwischen Geschäftsbanken mittels digitalem Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency, CBDC) abgewickelt werden, wie die Notenbanken am Donnerstag mitteilten.

Beide untersuchen den Einsatz von Digitalwährungen bereits in eigene Projekten. In der “Jura” getauften Zusammenarbeit soll sie nun erstmals bei grenzüberschreitenden Transaktionen zum Einsatz kommen – vorerst nur zwischen Finanzinstituten. “Die Banque de France ist von den potenziellen Vorteilen einer digitalen Zentralbankwährung überzeugt, die ein Höchstmaß an Sicherheit und Effizienz bei Finanztransaktionen bietet”, erklärte Sylvie Goulard, stellvertretende Gouverneurin der Banque de France. SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maecheler ergänzte: “Für Zentralbanken ist es entscheidend, bei technologischen Entwicklungen am Puls der Zeit zu bleiben.”

Auf Schweizer Seite werden die Großbanken UBS und Credit Suisse teilnehmen und in Frankreich Natixis. Ebenfalls involviert sind die Beratungsfirma Accenture, die zur Schweizer Börse gehörende SIX Digital Exchange, das Fintech-Unternehmen R3 und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

NOTENBANKEN BESCHLEUNIGEN VORARBEITEN FÜR DIGITALGELD

Beide Zentralbanken betonen den experimentellen Charakter von “Jura” und wollen das Projekt nicht als Hinweis auf eine geplante Ausgabe von CBDC verstanden wissen. Allerdings treiben Währungshüter weltweit die Vorarbeiten zur Ausgabe von Digitalversionen ihrer Währungen immer rascher voran. Angetrieben werden sie von der Sorge, sie könnten die Kontrolle über den Geldkreislauf und die Bezahlsysteme verlieren. Denn potenzielle Rivalen wie etwa die Kryptowährung Bitcoin dringen immer tiefer in die Kernmärkte der stärker von den Außenrändern der Finanzwirtschaft vor und ziehen inzwischen etablierte Großinvestoren an. Hinzu kommen Projekte wie die Kryptodevise Diem von Facebook. In einer zunehmend digitalisierten Finanzwelt könnte dadurch die Währungshoheit der Zentralbanken ins Wanken geraten.

Chinas Notenbank hat bereits umfangreiche Testläufe mit einem digitalen Yuan in mehreren Millionenmetropolen gestartet und ist Anfang dieses Jahres einem grenzüberschreitenden Projekt namens “m-CBDC” beigetreten. Die amerikanische Notenbank (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB) lassen sich mehr Zeit: In den USA sollen in den nächsten zwölf Monaten mehrere Pilotprogramme für einen digitalen Dollar starten. Und die EZB lotet die mögliche Einführung eines digitalen Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre aus..

 

Lonza und Roche verhelfen Schweizer Börse zu neuer Bestmarke

Der Leitindex SMI stieg am Dienstag vorübergehend bis auf 11.703 Punkte und notierte kurz vor Schluss noch um 0,2 Prozent höher bei 11.658 Zählern.

Die Lonza-Aktien kletterten vorübergehend um mehr als fünf Prozent auf ein Rekordhoch von 642,60 Franken und lagen zuletzt noch drei Prozent im Plus. Die Anleger setzten auf Produktionsaufträge für das neue Alzheimer-Medikament von Biogen und griffen zu. Die Nachfrage nach dem Präparat dürfte Analysten zufolge riesig sein – und Lonza als ein bedeutender Pharma-Auftragshersteller dürfte davon profitieren. Goldman Sachs empfahl die Titel zum Kauf. Die US-Arzneimittelbehörde FDA ließ mit Aducanumab erstmals ein Mittel zu, das die zugrundeliegende Ursache der Nervenerkrankung behandelt. Auch Indexschwergewicht Roche gab das Schub, die Scheine stiegen um 0,6 Prozent. Der Pharmariese arbeitet ebenfalls an neuen Alzheimer-Mitteln.

Zu den Verlierern gehörten Finanzwerte. Die Anteile der Grossbank Credit Suisse sanken um 1,8 Prozent und die des Rückversicherers Swiss Re um 0,8 Prozent.

 

Schweizer Börse erklimmt Rekordhoch

Der Leitindex SMI kletterte um 0,9 Prozent auf 11.330 Punkte. Der letzte Rekord stammte aus dem Februar 2020 – damals hatte das Bluechip-Barometer 11.270 Zähler erreicht. Nachdem Fed-Vertreter das Festhalten an der ultra-lockeren Geldpolitik bekräftigt hatten, schwand die Furcht der Anleger vor einem Versiegen der Flut billigen Geldes, die als ein Haupttreiber für die Aktienrally der vergangenen Monate gilt.

Gefragt waren nach zahlreichen positiven Analystenkommentaren und Kurszielerhöhungen die Richemont-Aktien. Die Titel zogen nach dem Kurssprung von Freitag weitere 3,2 Prozent an. Der Luxusgüterkonzern hat im Geschäftsjahr 2020/21 besser als erwartet abgeschnitten. Im Kielwasser von Richemont gewann der Uhrenhersteller Swatch drei Prozent an Wert. Die Anteile des Finanzinvestors Partners Group rückten 1,6 Prozent vor, die der Grossbanken UBS und Credit Suisse 1,3 beziehungsweise 1,2 Prozent.

Zu den wenigen SMI-Verlierern gehörten die Versicherer Zurich und Swiss Life sowie der Augenheilkonzern Alcon.

 

Anleger vor US-Inflation auf der Hut – Coba und Bayer heben ab

Der Dax kam am Mittwoch trotz einer Welle von teils deutlich besser als erwartet ausgefallenen Firmenbilanzen nur schwer vom Fleck und notierte am Mittag 0,2 Prozent höher bei 15.155 Punkten. Der EuroStoxx50 trat bei 3949 Punkten auf der Stelle.

Investoren spekulieren, dass steigende Rohstoffpreise und wachsender Inflationsdruck in den USA zu früheren Zinserhöhungen und höheren Anleiherenditen weltweit führen könnten. Analysten rechnen bei den Inflationsdaten am Nachmittag (MESZ) im Schnitt für April mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Vormonat hatte der Wert bei 2,6 Prozent gelegen. Steigt die Inflation stärker als von der US-Notenbank erwartet ist Experten zufolge fraglich, ob sie noch längere Zeit an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten kann.

Für die Aktienmärkte sei der Zinsanstieg ein giftiger Cocktail, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. “Die Verkaufsbereitschaft hat deutlich zugenommen.” Steigende Zinsen erhöhen unter anderem die Finanzierungskosten für die Unternehmen.

ANLEIHERENDITEN GEBEN NACH – KUPFER WEITER IM AUFWIND

An den Anleihemärkten gingen die Renditen nach dem jüngsten Anstieg zurück. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundespapiere fiel um rund einen Basispunkt auf minus 0,17 Prozent, nachdem sie am Dienstag auf den höchsten Stand seit März vergangenen Jahres geklettert war. Die US-Treasuries rentierten mit 1,617 Prozent ebenfalls leicht unter ihrem Vortagesniveau. Analysten zufolge schichteten einige Anleger ihr Geld aus hoch bewerteten Aktiensegmenten um, was den Renditerückgang bei den Anleihen erkläre.

Am Markt für Industriemetalle blieben die Konjunkturoptimisten am Ruder. Kupfer verteuerte sich um bis zu 1,5 Prozent auf 10.620 Dollar je Tonne und blieb auf Tuchfühlung mit dem jüngsten Rekordhoch.

Der Ölpreis blieb unterstützt von der Hoffnung auf eine baldige Nachfrageerholung. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 68,99 Dollar je Fass. Die Internationale Energieagentur (IEA) verstärkte den Optimismus der Investoren mit ihrer jüngsten Markteinschätzung: “Das erwartete Angebotswachstum für den Rest des Jahres entspricht bei weitem nicht unserer Prognose für eine deutlich stärkere Nachfrage über das zweite Quartal hinaus.”

STARKER JAHRESAUFTAKT BEI BAYER UND COBA

Bei der Commerzbank bejubelten Anleger einen starken Jahresauftakt. Die Aktien schossen um 7,5 Prozent nach oben. Die zweitgrößte Privatbank Deutschlands kehrte überraschend in die schwarzen Zahlen zurück und blickt optimistischer nach vorne. Papiere von Bayer standen mit einem Kursplus von 3,9 Prozent an der Dax-Spitze. Vor allem dank des Agrargeschäftes habe der Umsatz im Quartal vier Prozent über den durchschnittlichen Analystenerwartungen gelegen, hieß es bei Credit Suisse. Obwohl die Jahresprognose nicht angehoben worden sei, sollten die Aktien von den starken Quartalszahlen profitieren, fassten die Analysten von JP Morgan zusammen.

Eine angehobene Prognose von Deutsche Telekom kam ebenfalls gut an. Die Aktien kletterten um 2,2 Prozent. Der Telekomkonzern habe zum Jahresstart Stärke bewiesen, urteilten die Analysten von Jefferies. Das stimme für die mittelfristigen Aussichten optimistisch.

In London stiegen die Aktien von Diageo mehr als drei Prozent. Der weltgrößte Spirituosenhersteller mit Marken wie Johnnie Walker oder Smirnoff rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem organischen Wachstum des Betriebsgewinns von mindestens 14 Prozent und kommt mit seinem Aktienrückkaufprogramm weiter voran.

 

Credit Suisse – Keine Gespräche über Verkauf von Brasilien-Geschäft

“Als Reaktion auf den am Freitag vom Brazil Journal veröffentlichten Bericht dementiert die Credit Suisse kategorisch, eine Annäherung im Zusammenhang mit einer möglichen Übernahme ihrer brasilianischen Tochtergesellschaft erhalten zu haben”, hieß es in einer Stellungnahme der Schweizer Großbank. In dieser Angelegenheit gebe es keine Gespräche mit irgendeiner Gruppe.

Zuvor hatte der Blog Brazil Journal unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtet, dass der brasilianische Broker XP Inc eine Übernahme des Credit-Suisse-Geschäfts in dem südamerikanischen Land auslote. XP habe bei der Credit Suisse in der Schweiz Interesse an einer entsprechenden Transaktion signalisiert. Die Gespräche befänden sich aber in einem frühen Stadium, so die Publikation. XP lehnte eine Stellungnahme ab.

 

Anleger bleiben vor Fed-Entscheid vorsichtig

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils etwa 0,2 Prozent auf 15.255 beziehungsweise 4012 Punkte. Investoren seien hin- und hergerissen zwischen soliden Firmenbilanzen und den steigenden Coronavirus-Fallzahlen in einigen Ländern wie Indien, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activtrades.

US-Notenbankchef Jerome Powell werde nach den geldpolitischen Beratungen am Mittwoch voraussichtlich sein Mantra einer auf absehbare Zeit ultra-lockeren Geldpolitik wiederholen, prognostizierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. “Trotz der sich verbessernden Konjunkturdaten bleibt die Fed im Krisenmodus.” Die Notenbank werde eine deutliche Erholung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes sowie eine deutliche Entspannung der Gesundheitslage abwarten, bevor sie ihre Wertpapierkäufe drossele, prognostizierten die Analysten der Bank Unicredit.

Die unverändert positive Grundstimmung am Markt spiegelte sich unter anderem in Kursgewinnen der Reise- und Touristikbranche wider. Dank eines wachsenden Tempos bei den Corona-Massenimpfungen in der EU stieg der europäische Branchenindex auf ein Rekordhoch von 282,16 Punkten. Der Sektor hatte in den vergangenen Monaten besonders stark unter den Pandemie-Beschränkungen gelitten.

ÖLPREIS IM AUFWIND – KUPFER AUF ZEHN-JAHRES-HOCH

Aufwärts ging es auch für den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 65,98 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger warteten gespannt auf die Ergebnisse der Beratungen der großen Export-Staaten zu den Förderquoten. “Sollte die Opec+ die Lage in Indien ignorieren, könnten sich die Kursgewinne schnell in Luft auflösen”, warnte Bjornar Tonhaugen, Chef des Ölgeschäfts beim vom Brokerhaus Rystad. Das aufstrebende Schwellenland ist einer der weltweit wichtigsten Öl-Abnehmer.

Unterdessen setzte Kupfer wegen möglicher Angebotsengpässe seinen Höhenflug fort. Das Industriemetall gewann gut zwei Prozent und war mit 9965 Dollar je Tonne zeitweise so teuer wie zuletzt vor zehn Jahren. “Chilenische Hafenarbeiter haben wegen Streits über die Altersversorgung zum Streik aufgerufen”, erläuterte Analyst Carsten Menke von der Bank Julius Bär. “Sie werden von den Bergbaugewerkschaften unterstützt.” Chile ist ein wichtiger Kupfer-Lieferant, und die weltweite Nachfrage übertrifft bereits jetzt das Angebot.

Gefragt war auch Bitcoin, das sich um drei Prozent auf 54.999 Dollar verteuerte. Angeheizt werde die Rally von den Plänen der Bank JPMorgan, einen Fonds für diese Kryptowährung aufzulegen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Ein US-Bitcoin-Fonds wäre ein weiterer Ritterschlag.”

ÜBERNAHMEFANTASIE UM HELLA – UBS UNTER DRUCK

Am deutschen Aktienmarkt rückte am Mittag Hella ins Rampenlicht. Einem Magazinbericht zufolge sondiert die Industriellenfamilie Hueck, die zusammen mit der Familie Röpke 60 Prozent an dem Autozulieferer hält, den Markt für einen Verkauf ihrer Anteile. Eine solche Transaktion könnte eine Übernahmeofferte für die übrigen Aktionäre nach sich ziehen und der Konzern könnte von der Börse genommen werden, kommentierte Analyst Sascha Gommel von der Investmentbank Jefferies. Hella-Aktien verbuchten mit einem Plus von zeitweise knapp 13 Prozent den zweitgrößten Kurssprung der Firmengeschichte.

Die Titel von UBS fielen dagegen in Zürich um knapp drei Prozent. Der Kollaps des Hedgefonds Archegos verhagelte der Bank die Bilanz. Die finanziellen Belastungen seien zwar geringer als beim Rivalen Credit Suisse, aber höher als gedacht, sagte Markets.com-Experte Wilson.