Europas Börsen auf Erholungskurs – Adidas und Puma tiefer

Frankfurt (Reuters) – Versöhnlicher Abschluss für den schwärzesten September seit der Finanzkrise von 2008: Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils etwa 1,3 Prozent auf 12.125 beziehungsweise 3317 Punkte.

Das Minus seit Monatsbeginn summierte sich allerdings auf knapp sechs Prozent. Echtes Kaufinteresse sei nicht zu beobachten, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Online-Brokers CMC Markets. Vielmehr lösten einige Investoren ihre Wetten auf einen weiteren Kursverfall auf.

Auch Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets warnte vor möglichen erneuten Rücksetzern. “Zu schwer wiegen die Sorgen über eine davongaloppierende Inflation, auf die die Notenbanken noch lange mit Zinserhöhungen reagieren dürften. Zudem verändert sich die geopolitische Lage mit der russischen Annexion der vier besetzten Gebiete und den Sabotage-Akten an den Gaspipelines[nL8N310517 nicht wirklich zum Positiven.”

ERNEUTER ANSTIEG DER EUROPÄISCHEN INFLATIONSRATE ERWARTET

In diesem Zusammenhang warteten Investoren gespannt auf die europäischen Preisdaten. Experten prognostizierten einen Anstieg der Teuerungsrate auf 9,7 Prozent im Jahresvergleich. Die deutsche Inflation hatte erstmals seit rund 70 Jahren die Marke von zehn Prozent erreicht. “Die notwendigen geldpolitischen Konsequenzen dürften die Börse noch eine ganze Weile beschäftigen”, sagte RobMarkets-Experte Molnar.

Unterdessen verhalfen Spekulationen um eine Drosselung der Erdöl-Förderung durch die Staaten der großen Exportländer der Sorte Brent aus der Nordsee zu einem Kursplus von 1,2 Prozent auf 89,54 Dollar je Barrel (159 Liter). “Im August blieb die Produktion der Opec+ aber bereits schätzungsweise 3,37 Millionen Barrel pro Tag hinter den Zielen zurück”, gaben die Experten der Bank ING zu bedenken. Daher werde die reale Fördermenge weniger stark zurückgehen als offiziell angekündigt. Einige Opec+-Staaten haben wegen maroder Förderanlagen Probleme, ihre Quoten zu erfüllen.

Gefragt waren auch Industriemetalle. Die überraschende Rückkehr des Barometers für die Stimmung der chinesischen Industrie über die Wachstumsschwelle von 50 Punkten schüre Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage des Top-Abnehmers. Kupfer verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 7582 Dollar je Tonne.

Am Erdgas-Markt entspannte sich die Lage dank kontinuierlicher Lieferungen von Flüssiggas als Ersatz für Importe aus Russland weiter. Der europäische Future gab 4,2 Prozent auf 176,50 Euro je Megawattstunde nach.

ADIDAS UND PUMA STRAUCHELN WEGEN NIKE-ZAHLEN

Am Aktienmarkt gerieten Adidas und Puma unter Verkaufsdruck. Ihre Papiere fielen um vier beziehungsweise 5,4 Prozent, nachdem der US-Rivale einen Gewinneinbruch gemeldet und vor weiterem Margendruck gewarnt hatte. Die verstärkten Rabatt-Aktionen seien ein schlechtes Omen für die europäischen Sportartikel-Hersteller, kommentierte Analyst James Grzinic von der Investmentbank Jefferies. Sie würden voraussichtlich nachziehen müssen. Dies überschatte die bislang robuste Nachfrage diesseits des Atlantik. Nike-Titel brachen im vorbörslichen US-Geschäft um gut neun Prozent ein.

Unterdessen hielten sich die Papiere der Porsche AG über ihrem Ausgabepreis von 82,50 Euro. Am zweiten Tag nach dem Börsengang legten sie 0,7 Prozent auf 83,08 Euro zu. Großaktionär Volkswagen rückte nach dem Ausverkauf vom Donnerstag 0,8 Prozent vor.

(Bericht von Hakan Ersen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

“Dead Cat Bounce” an Europas Börse – Pfund erholt

Frankfurt (Reuters) – Nach den jüngsten Kursverlusten steigen erste Anleger wieder in die europäischen Aktienmärkte ein.

Ein Preissprung beim Erdgas dämpfte ihre Kauflaune allerdings. Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils ein knappes Prozent auf 12.338 beziehungsweise 3373 Punkte.

“Wir sehen eine kleine Erleichterungsrally oder einen ‘Dead Cat Bounce'”, sagte Michael Brown, Manager beim Finanzdienstleister Caxton. So nennen Börsianer eine kurzzeitige Kurserholung in einem längerfristigen Abwärtstrend. “Aus meiner Sicht ist das einzig lohnenswerte Investitionsobjekt der Dollar”, fügte Brown hinzu. Der Markt unterschätze die Wachstumsrisiken, daher müsse bei den meisten Anlageklassen, vor allem bei Aktien, mit Verkäufen gerechnet werden, so lange die US-Notenbank Fed ihr Zinserhöhungstempo nicht drossele.

Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gab am Dienstag zwar 0,2 Prozent nach, blieb mit 113,63 Punkten auf Tuchfühlung mit seinem jüngsten 20-Jahres-Hoch. Neben den Zinserhöhungsspekulationen hatte die Weltleitwährung dank ihres Images als “sicherer Hafen” in den vergangenen Tagen zeitweise fast fünf Prozent aufgewertet.

SCHÄDEN AN PIPELINES TREIBEN GASPREIS

Kopfzerbrechen bereiteten Investoren mehrere Lecks an russischen Erdgas-Pipelines durch die Nordsee. “Das klingt nicht nach einem Zufall”, sagte Tom Marzec-Manser vom Analysedienst ICIS. Obwohl derzeit durch keine der beiden Pipelines Gas fließt, weckte der Vorfall Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der europäischen Gasinfrastruktur. Die trieb den europäische Erdgas-Preis neun Prozent in die Höhe auf 189,50 Euro je Megawattstunde.

Aufwärts ging es auch mit dem Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 1,7 Prozent auf 85,51 Dollar je Barrel (159 Liter). Kupfer und Gold legten jeweils ein Prozent auf 7417 Dollar je Tonne beziehungsweise 1639 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zu. “Jede Schwäche des Dollar löst eine Erleichterungsrally aus, wenn auch nur eine kurze”, sagte Analyst Geordie Wilkes vom Research-Haus Sucden. Eine Abwertung der Weltleitwährung macht Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver. Öl erhielt Börsianern zufolge darüber hinaus von möglichen Ausfällen der US-Förderung wegen eines Wirbelsturms im Golf von Mexico Rückenwind.

PFUND AUF ERHOLUNGSKURS – PORSCHE-BÖRSENGANG IM BLICK

Am Devisenmarkt habe das Bekenntnis der Bank von England (BoE) zu weiteren Zinserhöhungen und die Ankündigung von Details zur geplanten Entlastungen der Bürger durch die Regierung die Talfahrt des Pfund Sterling vorerst beendet, sagte Stuart Cole, Chef-Volkswirt des Brokerhauses Equiti Capital. Positiv sei vor allem, dass die Notenbanker den Anschein von Panik vermieden hätten.

“Aber reicht das?”, fragte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Das Statement dürfte kaum diejenigen beruhigen, die die Entschlossenheit der BoE im Kampf gegen die Inflation bereits im Vorfeld angezweifelt hatten.” Das Pfund verteuerte sich dennoch auf 1,0794 Dollar, nachdem es am Montag auf ein Rekordtief von 1,0382 Dollar gefallen war.

Am deutschen Aktienmarkt standen erneut der Autobauer Volkswagen und sein Großaktionär Porsche SE im Rampenlicht. Zwei Tage vor dem geplanten Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche signalisierten die begleitenden Banken, dass die Papiere wohl am oberen Ende der bis 82,50 Euro reichenden Angebotsspanne zugeteilt werden. “Obwohl vielen Anlegern der Appetit auf Aktien in den vergangenen Wochen vergangen sein dürfte, machen sie hier scheinbar eine Ausnahme”, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege vom Handelshaus RoboMarkets. Die Titel von VW und Porsche SE legten jeweils rund ein halbes Prozent zu.

(Bericht von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Schweizer Regierung senkt Wachstumsprognose

Zürich (Reuters) – Die Schweizer Regierung hat wegen der lahmenden Konjunktur in Europa und anderen Exportmärkten ihre Wachstumsprognose gesenkt.

Die beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) angesiedelten Ökonomen des Bundes erwarten 2022 nun einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,0 Prozent, wie aus ihrer am Dienstag vorgelegten Prognose hervorgeht. Im Juni hatten sie noch ein Plus von 2,6 Prozent veranschlagt. Für 2023 senkte die Expertengruppe ihre Wachstumsprognose auf 1,1 (bisher: 1,9) Prozent.

Im Jahr 2021 hatte sich die Wirtschaft der Alpenrepublik vom Corona-bedingten Einbruch im Jahr davor erholt und war um 3,9 Prozent gewachsen. Aufgrund der gestiegenen Energiepreise rechnet die Regierung neu mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent für 2022 sowie von 2,3 Prozent für 2023.

(Bericht von Oliver Hirt und Paul Arnold, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax-Optionen verfallen bei 12.750,86 Punkten

Frankfurt (Reuters) – Der Settlement-Kurs für Dax-Optionen ist am Freitag mit 12.750,86 Punkten festgesetzt worden.

Für MDax und TecDax lagen die Settlements bei 23.952,46 beziehungsweise 2838,79 Stellen. Die Optionen auf den EuroStoxx50 verfielen bei einem Kurs von 3496,30 Punkten und diejenigen auf den Stoxx50 bei 3476,88 Zählern.

(Bericht von Anika Ross. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Börsen steigen nach EZB-Zinsschub – Euro und Banken fester

Frankfurt (Reuters) – Im Nachgang der EZB-Zinserhöhung haben Europas Börsen einen versöhnlichen Wochenausklang erlebt.

Anleger holten sich am Freitag mit Blick auf höhere Verzinsungen vor allem Bankenaktien in die Depots. Der Dax legte 1,4 Prozent auf 13.088 Punkte zu, der EuroStoxx50 gewann 1,7 Prozent. Damit verbuchten beide Börsenbarometer unter dem Strich ein Wochenplus von 0,3 und 0,8 Prozent.

Der Euro kletterte auf 1,0040 Dollar und entfernte sich damit weiter von seinem kürzlich markierten 20-Jahres-Tief. An den US-Aktienmärkten steckten die Anleger die Signale auf weiter anziehende Zinsen von US-Notenbankchef Jerome Powell gut weg. Die US-Börsen lagen am Nachmittag gestützt auf den Tech-Sektor komfortabel im Plus.

“Wir haben mehr falkenhafte Kommentare von Zentralbanken nicht nur in den USA, sondern weltweit gesehen – von der Bank of England und der EZB”, sagte Matthias Scheiber, globaler Leiter des Portfoliomanagements für Multi-Asset-Lösungen beim Vermögensverwalter Allspring. “Das sieht man an den kurzfristigen Zinsen.” Diese sprangen zeitweise deutlich an. Die zweijährigen Bundespapiere rentierten in der Spitze auf einem Elf-Jahres-Hoch von 1,429 Prozent. Notenbanker werden als Falken bezeichnet, wenn sie eine Straffung der Geldpolitik durch Erhöhung der Zinsen oder eine Bilanzreduzierung signalisieren.

Anleger sehen mittlerweile eine Wahrscheinlichkeit von rund 85 Prozent, dass die Fed bei der Sitzung in diesem Monat um weitere 75 Basispunkte anheben wird. Die Europäische Zentralbank hatte am Donnerstag im Kampf gegen die Inflation den Leitzins auf 1,25 Prozent erhöht. Die Währungshüter der EZB werden Insidern zufolge wahrscheinlich im nächsten Monat eine Debatte über eine Verringerung der durch die jahrelangen billionenschweren Kaufprogramme angeschwollenen Anleihenbestände beginnen.

Wichtig blieb an den Börsen auch das Thema Energiekrise. Die EU-Energieminister beraten über eine Strompreis-Bremse, außerdem ist ein Preisdeckel auf russisches Gas im Gespräch. Letzterer stieß bei den Gesprächen zwei Diplomaten zufolge allerdings nicht auf breite Unterstützung. Dank einer schwindenden Furcht vor akuten Engpässen im Winter verbilligte sich der europäische Erdgas-Future um 6,6 Prozent auf 205 Euro je Megawattstunde.

ENBW NACH VNG-PROBLEMEN AUF ACHTERBAHNFAHRT

Am Aktienmarkt baute der Index für die Banken der Euro-Zone seine jüngsten Gewinne aus und legte rund 3,3 Prozent zu. Durch steigende Zinsen winken den Geldhäusern höhere Überschüsse aus dem klassischen Kreditgeschäft.

Ein Anstieg der Rohstoffpreise beflügelte europäische Minen- und Metallkonzerne. Der Sektorindex stieg um 1,8 Prozent. Aktien der Kupferhütte Aurubis kletterten um 3,8 Prozent.

Auf Berg- und Talfahrt gingen die Papiere von EnBW, nachdem die Gasimport-Tochter VNG Staatshilfe beantragt hatte. Wegen ausbleibender russischer Lieferungen muss das Unternehmen ähnlich wie Konkurrent Uniper Erdgas kurzfristig anderweitig und zu höheren Preisen beschaffen. Wirtschaftsminister Robert Habeck stellte in Brüssel eine zeitnahe staatliche Unterstützung für VNG in Aussicht. Die Aktien von EnBW gingen 1,2 Prozent höher aus dem Handel, nachdem sie am Vormittag um 10,3 Prozent eingebrochen waren.

(Bericht von Anika Ross und Hakan Ersen, redigiert von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax wenig verändert – Energiepreis-Deckel im Blick

Frankfurt (Reuters) – Zum Abschluss einer ereignisreichen Börsenwoche lassen es Dax-Anleger ruhiger angehen.

Der Dax stieg zur Eröffnung am Freitag um 0,2 Prozent auf 12.928 Punkte.

Trotz des jüngsten großen Zinsschritts der Europäischen Zentralbank (EZB) habe der Leitindex die Chance auf weitere Gewinne, weil Investoren ein Ende des Erhöhungszyklus in Sichtweite wähnten, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Sollte der Dax allerdings weiter an der charttechnischen Marke von 13.020 Punkten scheitern, drohe ein erneuter Ausverkauf. “Die Nerven der Anleger sind zum Zerreißen gespannt.”

Parallel dazu verfolgten Börsianer aufmerksam das Treffen der EU-Energieminister. Diese beraten über eine Strompreis-Bremse für Privathaushalte und Kleinbetriebe. Außerdem ist ein Gaspreis-Deckel im Gespräch.

Bei den Unternehmen rückte EnBW ins Rampenlicht. Die Gasimport-Tochter des Versorgers beantragte wegen der gestiegenen Energiepreise Staatshilfe. Wegen ausbleibender russischer Lieferungen muss das Unternehmen ähnlich wie Konkurrent Uniper Erdgas kurzfristig anderweitig und zu höheren Preisen beschaffen. EnBW-Titel steuerten mit einem Kurssturz von gut zehn Prozent auf den größten Tagesverlust seit dem Börsen-Crash vom März 2020 zu.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Konjunktursorgen drücken Stimmung der Anleger

Frankfurt (Reuters) – Aus Furcht vor einem Rückschlag für die Konjunktur durch stark steigende Zinsen und eine drohende Energiekrise fassen Anleger europäische Aktien nur mit spitzen Fingern an.

Dax und EuroStoxx50 fielen am Mittwoch um jeweils etwa ein Prozent auf 12.834,96 beziehungsweise 3522,16 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones bröckelte um 0,1 Prozent ab.

Kopfschmerzen bereitete Börsianern die ungebremste Inflation in der Euro-Zone, die im August ein Rekordhoch von 9,1 Prozent im Jahresvergleich erreichte. “Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Kerninflation”, sagte Analystin Susannah Streeter vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Dies sei ein Signal, dass der Teuerungsdruck hartnäckiger werde. Daher könnte die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen sein, trotz einer drohenden Energiekrise die Zinsen in der kommenden Woche kräftig zu erhöhen. Bei der Kerninflation werden die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel herausgerechnet.

EURO UND BUNDESANLEIHEN AUF TALFAHRT

Wegen der Aussicht auf steigende Zinsen trennten sich Bond-Investoren erneut von bereits gehandelten, niedriger verzinsten Papieren. Dadurch steuerte die zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kursminus von mehr als sechs Prozent seit Anfang August auf den größten Monatsverlust seit 19 Jahren zu.

Die US-Notenbank werde bei ihrer Sitzung Ende September den Leitzins ebenfalls um 0,75 Prozentpunkte anheben, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Dies habe Fed-Chef Jerome Powell mit seinen jüngsten Äußerungen klargemacht. Daran änderte auch der verlangsamte Jobaufbau in den USA nichts. Der privaten Arbeitsagentur ADP zufolge lag das Plus im August bei 132.000 neuen Stellen. Die Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Daten am Freitag, die als entscheidend für die Geldpolitik der Fed gelten.

GASPREIS AUF BERG- UND TALFAHRT – ÖL UND KUPFER BILLIGER

Nervös machte Börsianer außerdem die Abschaltung der wichtigen Pipeline “Nord Stream 1”. Sie rätseln, ob und wie viel Erdgas Russland nach Abschluss der Wartungsarbeiten wieder in Richtung Deutschland schickt. “Die Zwischenerfolge bei der Befüllung der Speicher können nichts daran ändern, dass Gas ein knappes Gut bleiben wird – mit entsprechenden Konsequenzen für die Wirtschaftsaktivität und die Energiepreise”, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. Der europäische Erdgas-Future fiel nach zwischenzeitlichen Gewinnen von bis zu fünf Prozent bis zum Abend um 13 Prozent auf 234 Euro je Megawattstunde.

Bei Rohöl und den Industriemetallen waren Rezessionsängste die bestimmenden Faktoren. Sie würden neben den Spekulationen um Zinserhöhungen von enttäuschenden chinesischen Konjunkturdaten geschürt, sagte Analyst Tamas Varga vom Brokerhaus PVM. Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 2,4 Prozent auf 96,90 Dollar je Barrel (159 Liter) und Kupfer um 0,9 Prozent auf 7790 Dollar je Tonne.

GAZPROM MIT KURSSPRUNG – USA BOOSTERN BIONTECH-KURS

Bei den Aktienwerten sorgte Gazprom mit einem Rekord-Kurssprung von zeitweise mehr als 35 Prozent für Aufsehen. Der staatliche russische Gaskonzern hatte dank sprudelnder Gewinne erstmals eine Zwischendividende angekündigt. Die westlichen Sanktionen im Energiebereich müssten als gescheitert betrachtet werden, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. “Nicht nur, dass das Unternehmen seine Waren einfach an jemand anderen verkauft, an den für Deutschland steigenden Preisen verdienen sich die Russen eine goldene Nase.”

Gefragt waren auch die Titel von BioNTech und Moderna, die an der Wall Street zeitweise jeweils mehr als zwei Prozent zulegten. Die US-Gesundheitsbehörde ließ die speziell auf die aktuell vorherrschende Omikron-Variante angepassten Coronavirus-Impfstoffe der beiden Biotechfirmen zu. Die Papiere des BioNTech-Partners Pfizer rückten bis zu ein Prozent vor.

(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Dax-Anleger atmen nach Zins-Schock wieder durch

Frankfurt (Reuters) – Nach den jüngsten Kursverlusten geht der Dax am Dienstag wieder auf Stabilisierungskurs.

Der deutsche Leitindex zog zur Eröffnung um 0,2 Prozent auf 12.919 Punkte an und marschierte wieder in Richtung der Marke von 13.000 Zählern. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte die Finanzmärkte am Freitag auf eine längere Serie drastischer Zinserhöhungen eingestimmt und damit die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Damit sei klar geworden, dass die Fed der Inflationsbekämpfung den Vortritt vor dem Schutz des Wirtschaftswachstums samt steigender Aktienkurse gebe, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets. “Diese Erkenntnis dürfte den Börsen für die kommenden Monate zumindest mal einen Deckel aufsetzen.”

Im Blick haben Anleger im Tagesverlauf die Inflationsdaten für August, die weiter von sehr hohen Energiekosten geprägt sein dürften. Thema am Markt sind auch die angekündigten erneuten Wartungsarbeiten an der Ostseepipeline Nord Stream 1. Der russische Exporteur Gazprom hatte angekündigt, die Gaslieferungen deswegen ab dem 31. August für drei Tage zu unterbrechen. Das nährte Befürchtungen, der ohnehin schon stark gedrosselte Gasfluss aus Russland könnte komplett versiegen.

(Bericht von Stefanie Geiger, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Bilanzen drängen Konjunktursorgen der Anleger in Hintergrund

Frankfurt (Reuters) – Starke Firmenbilanzen locken erneut Anleger in die europäischen Aktienmärkte. “Vor Beginn der Berichtssaison hatten sich viele Leute Sorgen gemacht, dass eine Rezession kommt und ob die Firmen die Erwartungen erfüllen können”, sagte Rachel Winter, Parterin beim Vermögensverwalter Killik & Co.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Freitag um jeweils 1,5 Prozent auf 13.484,05 beziehungsweise 3707,31 Punkte. Ersterer legte in den vergangenen Wochen insgesamt 5,5 Prozent zu und verbuchte seinen größten Kursgewinn in einem Juli seit sechs Jahren. Für Letzteren war es mit einem Plus von mehr als sieben Prozent der beste Juli seit 2009. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte am Freitag 0,3 Prozent vor.

AMAZON UND APPLE HELLEN ANLEGERSTIMMUNG AUF

Stimmungsaufheller waren unter anderem die Zahlen von Amazon. Der Online-Händler übertraf mit seinem Umsatz für das abgelaufene Quartal und den Erlös-Zielen für das laufende Vierteljahr die Markterwartungen. “Amazon beweist, dass die Starken auch im schwierigsten Umfeld überleben können”, sagte Analystin Laura Hoy vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Die Aktien des Unternehmens stiegen an der Wall Street um bis zu 12,6 Prozent, so stark wie zuletzt vor einem halben Jahr. In ihrem Windschatten rückten der deutsche Online-Händler Zalando 6,5 Prozent und der Index für den europäischen Einzelhandel zwei Prozent vor.

Gefragt waren auch die Papiere von Apple, die sich um 2,6 Prozent verteuerten. Der iPhone-Anbieter überraschte mit seinen Ergebnissen ebenfalls positiv und sieht eine ungebrochene Nachfrage nach seinen Smartphones. Das kräftige Wachstum der vergangenen Quartale werde sich wegen der Inflation und der drohenden Rezession in den kommenden Monaten aber abschwächen, warnte Abhinav Davuluri vom Research-Haus Morningstar.

Diesseits des Atlantik gehörten BNP Paribas, BBVA und NatWest mit Kursgewinnen von bis zu 8,4 Prozent zu den Favoriten. Alle drei Banken konnten ihre Gewinne steigern. “Die Bankenbilanzen sind wegen der gestiegenen Zinsen stark”, sagte Killik-Expertin Winter. “Diejenigen mit einem Handelsgeschäft profitieren zudem von der hohen Volatilität an den Märkten.”

KONJUNKTURSORGEN BLEIBEN IN DEN HINTERKÖPFEN

Komplett vertreiben konnten die Geschäftszahlen von Amazon & Co die Konjunktursorgen der Börsianer aber nicht. So stagnierte die deutsche Wirtschaft im Frühjahr. Wegen der drohenden Energiekrise rücke eine Rezession immer näher, warnte Robert Greil, Chef-Anlagestratege des Bankhauses Merck Finck. “Wir rechnen vor allem für den Winter mit einem spürbaren Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung.”

Gleichzeitig steigt die Inflation in der Euro-Zone von Rekordhoch zu Rekordhoch. “Auch wenn sich EZB-Chefin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz noch nicht klar zu einem erneut großen Zinsschritt bekennen wollte, im September führt kein Weg an einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte vorbei”, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank.

Am Rohölmarkt zog der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um weitere 2,8 Prozent auf 110,18 Dollar je Barrel (159 Liter) an. Insidern zufolge wird die Opec+ bei ihren Beratungen in der kommenden Woche wohl auf eine Erhöhung der Fördermengen verzichten. Das Exportkartell werde höchstens eine moderate Anhebung diskutieren.

Beim Erdgas entspannte sich die Lage dagegen. Der europäische Future fiel um gut sechs Prozent auf 193,35 Euro je Megawattstunde, nachdem er in den vergangenen Tagen zeitweise um rund 40 Prozent auf ein Vier-Monats-Hoch von 222,50 Euro geklettert war. Weitere größere Kursrückgänge seien wegen der gedrosselten Exporte Russlands aber nicht zu erwarten, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. “Im Falle eines vollständigen Lieferstopps droht ein weiterer Preissprung.”

(Bericht von: Hakan Ersen, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Hoffnung auf Happy End im Gas-Krimi beflügelt Europas Börsen

Frankfurt (Reuters) – Die schwindende Angst vor einer Energiekrise und einer Rezession in Europa beflügelt die heimischen Börsen.

Dax und EuroStoxx50 stiegen am Dienstag um jeweils rund zweieinhalb Prozent auf 13.308,41 beziehungsweise 3588,41 Punkte. An der Wall Street rückte der US-Standardwerteindex Dow Jones 1,6 Prozent vor. Mit dem Gaspreis ging es dagegen bergab. Der europäische Future fiel um 3,3 Prozent auf 153,90 Euro je Megawattstunde.

Auslöser der Aktienrally war ein Reuters-Bericht, demzufolge nach dem Ende der Wartungsarbeiten an der wichtigen Pipeline “Nord Stream 1” am Donnerstag wieder Gas von Russland nach Deutschland fließen soll. Allerdings werde die Transportkapazität nicht ausgeschöpft, sagten zwei mit den russischen Exportplänen vertraute Personen. “Das ist eine willkommene Nachricht, wenn sie denn stimmt”, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets.

Börsianer hatten in den vergangenen Tagen gerätselt, ob Russland als Vergeltung für die Sanktionen des Westens den Gashahn komplett zudreht. Der daraus resultierende Energiemangel würde Europa Experten zufolge in eine Rezession stürzen.

Bei den Aktienwerten gehörte der deutsche Gas-Versorger Uniper, der durch die reduzierten russischen Lieferungen in Schieflage geraten ist, mit einem Plus von gut zehn Prozent zu den Favoriten. Auch bei den Chemiekonzernen BASF und Covestro, für die Erdgas als Energieträger und Rohstoff wichtig ist, griffen Investoren zu. Ihre Titel stiegen um bis zu 5,8 Prozent.

WIE STARK HEBT DIE EZB DIE ZINSEN AN?

Daneben fieberten Börsianer der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag entgegen. Insidern zufolge denken die Währungshüter darüber nach, den Leitzins am Donnerstag nicht nur um den bislang signalisierten Viertel, sondern um einen halben Prozentpunkt anzuheben. Dies verhalf dem Euro zu einem Kursplus von einem Prozent auf 1,0241 Dollar. Gleichzeitig warfen Investoren europäische Staatsanleihen aus den Depots und trieben die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf 1,279 Prozent.

Aber selbst wenn sich die EZB dazu entschließen sollte, sei keine weitere größere Aufwertung des Euro zu erwarten, prognostizierte Dominic Bunning, Chef-Analyst für europäische Währungen bei der Bank HSBC. Denn im Vergleich zu anderen Notenbanken wie der Fed aus den USA agiere die EZB zögerlich.

FRANKREICH GIBT MILLIARDEN FÜR KOMPLETTÜBERNAHME VON EDF AUS

Bei den Unternehmen stand außerdem EdF im Rampenlicht. Die Aktien des Versorgers verbuchten mit einem Plus von fast 15 Prozent auf 11,73 Euro den größten Tagesgewinn seit Kursturbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Der französische Staat will knapp zehn Milliarden Euro in die Hand nehmen, um das Unternehmen komplett zu verstaatlichen. Er bietet den übrigen Eignern zwölf Euro je Aktie. Er halte die Offerte für attraktiv, schrieb Analyst Tancrede Fulop vom Research-Haus Morningstar.

An der Wall Street rutschten die Titel von IBM dagegen um 6,3 Prozent ab, obwohl der IT-Konzern einen Quartalsumsatz über Markterwartungen bekannt gegeben hatte. Er wurde allerdings vor der Warnung vor Wechselkurs-Belastungen überschattet. Das Wachstum des Kerngeschäfts sei aber ermutigend, gab Analyst Kyle McNealy von der Investmentbank Jefferies zu bedenken. Außerdem seien die Papiere attraktiv bewertet.