Voestalpine treibt Wandel zur grünen Stahl-Produktion voran

Die Energie für die Eisen- und Stahlerzeugung soll in Zukunft nicht mehr aus Kohle, sondern aus grünem Strom und Wasserstoff kommen. “Beim Klimaschutz wollen wir Teil einer Lösung sein und deswegen haben wir einen klaren Plan zur Dekarbonisierung entwickelt”, sagte Vorstandschef Herbert Eibensteiner am Mittwoch. Derzeit ist das Unternehmen mit Sitz in Linz der größte Co2-Emittent des Landes.

In einem ersten Schritt will Voestalpine durch einen teilweisen Umstieg von kohlebasierten Hochöfen auf Elektroöfen die Co2-Emissionen um etwa ein Drittel bis 2030 senken. “Unser Ziel ist es, 3,2 Millionen Tonnen einzusparen pro Jahr”, sagte der Leiter der Stahl-Division, Hubert Zajicek. Derzeit lägen die Emissionen bei elf Millionen Tonnen.

“Ein Grundprinzip der Stahlerzeugung ist, dass Co2 produziert wird, deswegen müssen wir eine Technologie-Transformation vornehmen”, erklärte Eibensteiner. Die Voestalpine investiere daher verstärkt in neue Technologien. Derzeit forsche das Unternehmen etwa in der Steiermark an einem Projekt mit Wasserstoffplasma zur Stromerzeugung. Darüber hinaus habe der Konzern ein Patent zur Co2-neutralen Erzeugung eines wichtigen Vormaterials für die Stahlerzeugung erteilt bekommen. “Der Inhalt des Patents ist, wie können wir mit grünem Wasserstoff und Biogas, also klimaneutralen Gasen, Eisenschwamm erzeugen”, sagte Eibensteiner.

Wichtig für den Konzernumbau sei für die Voestalpine jedoch auch die politische Unterstützung. “Diese Umstellung muss wirtschaftlich bleiben”, betonte Eibensteiner. Benötigt würden etwa ausreichend erneuerbare Energien zu wettbewerbsfähigen Preisen und ein Ausbau der Stromnetze.

 

Stahlhändler KlöCo erwartet deutlich bessere Quartalszahlen

Das Ebitda vor wesentlichen Sonderfaktoren werde voraussichtlich zwischen 260 und 290 Millionen Euro betragen, teilte der Konzern am Dienstag mit. Bislang hatte KlöCo mit 130 bis 160 Millionen Euro gerechnet. Die Stahlpreise seien sowohl in Europa als auch in den USA deutlich gestiegen. Den kompletten Bericht legt der neue Vorstandschef Guido Kerkhoff am 10. August vor.

 

Europas Börsen bleiben auf Tuchfühlung mit Rekordhochs

“Die meisten Indizes flirten mit ihren Höchstwerten, und Anleger benötigen weitere positive Katalysatoren, um eine Fortsetzung der Rally zu rechtfertigen”, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus Activtrades.

Dax und EuroStoxx50 legten am Dienstag jeweils etwa 0,2 Prozent auf 15.702 beziehungsweise 4111 Punkte zu. Unterdessen gewann der breit gefasste Stoxx600 0,4 Prozent und markierte mit 455,48 Zählern den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch.

Hauptgesprächsthema auf dem Börsenparkett seien weiterhin die Inflationsrisiken und die Frage, ob der Preisdruck vorübergehen werde, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Aus diesem Grund blicken Börsianer gespannt auf den “Super Donnerstag”, an dem die US-Verbraucherpreise veröffentlicht werden und die Europäische Zentralbank (EZB) über ihre Geldpolitik berät. Die einhellige Marktmeinung sei, dass die Währungshüter ihre Wertpapierkäufe im aktuellen Umfang ein weiteres Quartal fortsetzen werden, konstatierten die Analysten der ING.

Was die US-Inflation angeht, rechnen Experten für Mai im Jahresvergleich mit einem Anstieg auf 3,4 (April: drei) Prozent. Sollte die Teuerung noch höher ausfallen, werde das der Diskussion über eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik durch die Notenbank (Fed) neue Nahrung geben, warnte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

PFUND UND ÖLPREIS UNTER DRUCK – BITCOIN FÄLLT ERNEUT

Am Devisenmarkt fiel das Pfund Sterling um 0,2 Prozent auf 1,4148 Dollar. Das Wiederaufflammen der Corona-Pandemie in Großbritannien nähre die Furcht, dass der für den 21. Juni angesetzte “Freiheitstag”, an dem die restlichen Pandemie-Restriktionen aufgehoben werden sollen, verschoben werden muss, sagte ein Börsianer.

Am Rohöl-Markt kam es zu Gewinnmitnahmen. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 70,93 Dollar je Barrel (159 Liter). Die mittelfristigen Aussichten blieben aber gut, warf ein Analyst ein. “Die Treibstoff-Nachfrage zieht nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa stark an.”

Abwärts ging es auch für Bitcoin. Die Cyber-Devise verlor zeitweise 6,5 Prozent auf 32.209 Dollar. Neben der Furcht vor einer strengeren Regulierung laste die Sicherstellung von Teilen des Lösegelds, das Hacker vom Pipeline-Betreiber Colonial erpresst hatten, auf der Stimmung, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. “Dies darf als großer Schlag gegen den Missbrauch von Krypto-Geldern angesehen werden.”

ERNEUTER KURSSPRUNG VON WINDELN.DE

Bei den deutschen Aktienwerten sorgte Windeln.de mit einem erneuten Kurssprung für Furore. Die Aktien des Online-Babyausstatters stiegen um bis zu 123 Prozent auf ein 14-Monats-Hoch von 4,93 Euro, nachdem sie zum Wochenauftakt bereits 133 Prozent zugelegt hatten. Am Wochenende sei der Wert auf einer Internetseite angepriesen worden, sagte ein Börsianer. “Trader versuchen einfach, in sehr kleinen Werten ihr Glück zu machen.” In den USA ist dieses Phänomen schon seit längerem zu beobachten. Dort feuern sich Internetnutzer zum Kauf sogenannter Meme-Aktien an. Dies bescherte Firmen wie dem Videospiele-Händler Gamestop und der Kinokette AMC in den vergangenen Monaten insgesamt prozentual vierstellige Kursgewinne.

In London gehörte Aviva zu den Favoriten. Der aktivistische Investor Cevian hält einer Pflichtmitteilung zufolge fünf Prozent an dem Versicherer und drängt auf eine Ausschüttung im Volumen von umgerechnet 5,8 Milliarden Euro. Außerdem solle die Dividende verdoppelt werden. Aviva-Titel stiegen um knapp vier Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 426,4 Pence.

 

Europas Aktien steigen auf neue Rekordmarken

Der Dax kletterte zum Wochenauftakt um bis zu 0,2 Prozent auf 15.732,06 Zähler und übertraf damit seinen erst am Freitag markierten Rekordstand von 15.705,89 Punkten. Der breit gefasste europäische Stoxx600 legte 0,3 Prozent zu und erreichte mit 454,15 Stellen ebenfalls einen neuen Höchstwert. Zum Konjunkturoptimismus gesellten sich die jüngsten Jobdaten in den USA, die die Inflationssorgen der Anleger vertrieben.

“Sie waren nicht zu schlecht, um Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung zu schüren. Sie waren aber auch nicht zu gut, um die Notenbank Fed dazu zu bewegen, den Fuß rasch vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen”, kommentierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com, die bereits am Freitag vorgelegten US-Arbeitsmarktdaten.

EZB-ENTSCHEID UND US-INFLATIONSDATEN WERFEN SCHATTEN VORAUS

“Die Diskussionen in der Notenbank, aber auch an der Börse über eine straffere Geldpolitik dürften sich allerdings fortsetzen”, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. Im Fokus der Anleger standen die am Donnerstag für die USA erwarteten Inflationsdaten für Mai. Experten rechnen mit einem Anstieg der Teuerung auf 3,4 Prozent von drei Prozent im Vormonat. Zudem stehen am Donnerstag die Beratungen der Europäischen Zentralbank (EZB) an, von der ebenfalls keine Signale für eine Straffung der Geldpolitik erwartet werden. Weil sich die Wirtschaftserholung in die Länge ziehe, dürfte es noch eine Weile dauern, bis sich die EZB besorgt über die Inflationsrate zeigen und eine straffere Geldpolitik in Aussicht stellen werde, sagte Cutkovic.

In den USA zeigten sich die Anleger verhalten. An der Wall Street gaben der Index der Technologiebörse Nasdaq sowie der breit gefasste S&P 500 vorbörslich leicht nach. Der Dow-Jones-Index zeigte sich dagegen vor US-Handelsstart etwas fester. Die Einigung auf eine globale Mindeststeuer für Großkonzerne fand wenig Nachhall. Die sieben führenden Industrieländer (G7) hatten sich am Wochenende auf ein Grundgerüst für eine weltweite Steuerreform mit einer Mindeststeuer für Großkonzerne von 15 Prozent geeinigt. Die unmittelbaren Auswirkungen auf den Markt seien aber minimal, da die Details in den kommenden Monaten noch verhandelt werden müssten, erläuterten Analysten.

AUTOWERTE GEFRAGT

Den Rekordlauf der Vorwoche setzten vor allem Autowerte fort. Der europäische Branchenindex zog rund ein Prozent an auf den höchsten Stand seit März 2015. Dagegen gaben Bergbauwerte knapp ein Prozent nach. Die Kupferpreise gerieten nach chinesischen Handeldaten unter Druck, weil Anleger eine schwächere Nachfrage befürchteten. Angesichts von Preisen in Rekordhöhe waren Chinas Kupferimporte im Mai um acht Prozent gegenüber dem Vormonat gefallen. Zudem blieb Chinas Exportwachstum hinter den Erwartungen zurück. “Wenn wir Daten wie diese aus China sehen, unterstreicht dies das potenzielle Risiko, dass sich das schnelle Wachstumstempo verlangsamt”, sagte Ole Hansen, Rohstoffstratege bei der Saxo Bank in Kopenhagen.

Auch der Ölpreis stand unter Druck. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,3 Prozent auf 71,69 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem sie im asiatischen Handel zunächst auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 72,27 Dollar geklettert war. Vor Beginn einer neuen Runde der Atom-Gespräche mit dem Iran erwarteten Investoren eine Rückkehr iranischen Öls auf den Weltmarkt, sagte Avtar Sandu, Manager beim Brokerhaus Phillips Futures. “Ich glaube aber nicht, dass ein Deal vor den iranischen Präsidentschaftswahlen zustande kommt.”

Unterdessen zeigten sich die Opec und ihre Verbündeten optimistisch, dass die Bemühungen der Produzenten, den Markt zu stützen, erfolgreich sein werden und die Ölvorräte in den kommenden Monaten weiter sinken. “Wir erwarten, dass wir in den kommenden Monaten weitere Rückgänge sehen werden”, sagte Opec-Generalsekretär Mohammad Barkindo.

 

Putin meldet Fortschritte bei Gaspipeline Nord Stream 2

Heute sei die Rohrverlegung der ersten Leitung erfolgreich beendet worden, sagte Putin am Freitag beim Internationalen Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg. “Die Arbeiten an der zweiten Leitung gehen weiter.” Gazprom sei bereit, Gas in die Pipeline zu leiten. Die Aktien des russischen Energiekonzerns bauten daraufhin ihre Gewinne aus und kosteten so viel wie zuletzt Mitte 2008.

Die Pipeline soll russisches Gas nach Deutschland bringen – auf einer Alternativroute zum Transit durch die Ukraine, nämlich durch die Ostsee. Die endgültige Fertigstellung des Projekts plant Russland noch in diesem Jahr. Es ist aber seit Jahren umstritten. Vor allem die USA stören sich daran. Sie befürchten eine Abhängigkeit Europas von Russland. Von den zuvor angedrohten Sanktionen haben die USA aber unter der Regierung des neuen Präsidenten Joe Biden Abstand genommen.

Putin sagte mit Blick auf die Ukraine, das Land müsse Entgegenkommen zeigen. Dann würde es weiterhin Gaslieferungen durch die Ukraine geben und entsprechende Gebühren für Kiew. Gazprom könne Deutschland via Nord Stream 2 Gas liefern, sobald Deutschland dafür die Zustimmung erteile.

 

Europas Börsen in Schlagdistanz zu Rekordhochs – Fed im Blick

Der Dax und der breit gefasste Stoxx600 notierten am Mittwochabend jeweils 0,2 Prozent im Plus bei 15.602,71 beziehungsweise 451,10 Punkten. Damit blieben beide in Tuchfühlung mit ihren Bestmarken vom Dienstag. Der EuroStoxx50 rückte 0,3 Prozent auf 4085,29 Zähler vor. Der US-Standardwerteindex Dow Jones legte ähnlich stark zu.

Die Inflationssorgen ließen Investoren nicht los und dämpften ihre Kauflaune, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Dennoch sei bislang keine Bereitschaft für größere Verkäufe zu erkennen. “Für den Moment scheint der Markt die Einschätzung der Notenbanken zu teilen, dass der Inflationsdruck lediglich ein temporärer sein wird”, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Vor diesem Hintergrund warteten Börsianer gespannt auf die Veröffentlichung des “Beige Book” am Abend (MESZ). Vom Konjunkturausblick der US-Notenbank Fed versprachen sie sich weitere Hinweise auf die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten. Hinweise auf eine nahende Drosselung der Anleihekäufe erwarteten sie offenbar nicht. Die anhaltende Nachfrage nach Staatsanleihen drückte die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds auf plus 1,593 Prozent und diejenigen ihrer deutschen Pendants auf minus 0,196 Prozent.

LIRA ERNEUT AUF REKORDTIEF – ERDOGAN FORDERT ZINSSENKUNG

Am Devisenmarkt schickte die erneute Forderung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach einer Zinssenkung die Währung des Landes auf Talfahrt. Im Gegenzug stiegen Dollar und Euro auf Rekordhochs von 8,7775 beziehungsweise 10,5949 Lira. “wir sind ein bisschen überrascht, wie offen und deutlich Erdogan seinem Zentralbankchef die Pistole auf die Brust setzt”, sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. “Das bestätigt uns in unserem Glauben, dass Erdogan tatsächlich glaubt, mit niedrigeren Zinsen die wirtschaftlichen Probleme der Türkei lösen zu können – auch wenn er damit sehenden Auges in eine neue Lira-Krise läuft.”

Der Ölpreis zog dagegen weiter an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um ein Prozent auf 70,94 Dollar je Barrel (159 Liter). In ihrem Windschatten rückte der Index für die europäische Öl- und Gasbranche 0,8 Prozent vor. “Der Markt ist optimistisch, dass der zunehmende Sommer-Reiseverkehr und die Normalisierung der Volkswirtschaften selbst bei einer Rückkehr iranischen Rohöls auf den Weltmarkt die Produktionsausweitungen der Opec+ leicht absorbieren können”, sagte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates.

ENTTÄUSCHTE ÜBERNAHMEFANTASIEN DRÜCKEN PROSIEBEN

Am deutschen Aktienmarkt geriet ProSiebenSat.1 unter Verkaufsdruck, nachdem sich Rainer Beaujean auf der Hauptversammlung der TV-Senderkette skeptisch zu möglichen Fusionen geäußert hatte. ProSieben-Titel verloren 4,2 Prozent. Nach Abzug des Dividendenabschlags lag das Minus noch bei 1,6 Prozent. Die Papiere des italienischen Großaktionärs Mediaset, der für eine engere Zusammenarbeit der beiden Medienhäuser plädiert, fielen in Mailand um 0,7 Prozent.

Die Aktien von Morphosys verbuchten mit einem Minus von 13 Prozent den größten Tagesverlust seit fünf Jahren. Die Biotechfirma übernimmt den US-Krebsspezialisten Constellation für 34 Dollar je Aktie oder insgesamt 1,7 Milliarden Dollar. “Der Aufschlag ist sehr hoch”, sagte ein Börsianer. Kritisch sehe er außerdem die Abtretung von Lizenzeinnahmen an Royalty Pharma durch Morphosys zur Finanzierung der Übernahme. “Der Deal scheint für Royalty vorteilhafter zu sein als für Morphosys.” Constellation-Titel legten an der Wall Street 67 Prozent auf 33,73 Dollar zu.

 

Umstrittene Gasröhre Nord Stream 2 vor Testphase

Nächste Woche sei es soweit, sagte der Gouverneur der Region Leningrad, Alexander Drosdenko, am Mittwoch einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Das Konsortium von Nord Stream 2 wollte sich dazu nicht äußern. In Drosdenkos Regierungsbezirk beginnt die über 1200 Kilometer lange Röhre, die Gas nach Deutschland und in weitere europäische Länder transportieren soll.

Die Pipeline ist fast fertiggestellt. Gegner wie die USA kritisieren, dass sich Europa dadurch abhängig von Russland mache. Von den zuvor angedrohten Sanktionen haben die USA aber unter der Regierung des neuen Präsidenten Joe Biden Abstand genommen. Als Finanzpartner sind an Projekt unter anderem der Düsseldorfer Versorger Uniper und der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV beteiligt.

Im Streit über die Pipeline lässt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nicht locker. Sie habe beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) beantragt, die Bau- und Betriebsgenehmigung aus Klimaschutzgründen zu widerrufen, teilte die Organisation mit. “Obwohl die Pipeline das größte fossile Projekt Europas ist, wurden im zurückliegenden Genehmigungsverfahren die Auswirkungen auf die Klimaziele nicht überprüft.” Hilfsweise beantrage die DUH, die unterlassene Klimaschutzprüfung nachzuholen und für diesen Zeitraum den Weiterbau der Pipeline auszusetzen. “Spätestens seit dem Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts ist offensichtlich, dass der Weiterbau gestoppt werden muss”, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte er: “Dieser Antrag hat keine aufschiebende Wirkung.” Sollte der Antrag ganz oder teilweise negativ beschieden werden, so behalte man sich weitere Rechtsmittel vor. Ob diese dann aufschiebende Wirkung hätten, lasse sich noch nicht sagen.

 

Commerzbank-Analyst – Benzinpreis von zwei Euro bald möglich

“Wenn die Parteien ihre Pläne bei der CO2-Bepreisung durchsetzen und zudem der Ölpreis weiterhin steigt, dann sind Benzinpreise von zwei Euro in naher Zukunft möglich”, sagte Commerzbank-Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg der “Bild” laut Vorabbericht. Bei Diesel sei ein Anstieg auf 1,50 Euro je Liter wahrscheinlich.

Der ehemaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisierte in dem Zusammenhang seine eigene Partei: “Mit der überzogenen Vergrünungspolitik der Union ist eine Energieverteuerung jedweder Art leider ebenso programmiert”, sagte er “Bild”.

 

Materialproblem in Baubranche und Industrie verschärft sich

Im Hochbau berichteten 43,9 Prozent der Firmen von Problemen, rechtzeitig Baustoffe zu beschaffen, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Ifo-Instituts hervorgeht. Im April waren es noch 23,9 und im März sogar nur 5,6 Prozent gewesen. Der Tiefbau ist derzeit mit 33,5 Prozent etwas weniger stark betroffen, im April hatten dort aber nur 11,5 Prozent der Betriebe von Engpässen berichtet. “Noch ist die Kapazitätsauslastung der Branche hoch”, sagte Ifo-Experte Felix Leiss. “Aber die Lieferengpässe machen immer mehr Unternehmen Sorgen.”

Auch rasant steigende Rohstoffpreise machen der Branche zu schaffen. “Die Preise für Schnittholz sind in den letzten Monaten nahezu explodiert, die Sägewerke kommen nicht hinterher”, sagte Leiss. “Auch Stahl hat sich erheblich verteuert.” Dämm-Materialien und verschiedene Kunststoffe seien zudem knapp.

Die Baubranche verfolgt das kritisch. “Wir haben eine stabile Auftragslage”, sagte Stephan Rabe vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB). Im März meldeten die Unternehmen einen Rekordauftragsbestand von 62 Milliarden Euro. “Die Pipeline ist voll, die Unternehmen sind sehr gut ausgelastet.” Bislang rechnet der Verband mit stagnierenden Umsätzen in diesem Jahr. “Wenn die Beeinträchtigungen über die Jahresmitte hinaus anhalten, die Materialknappheit zunimmt, ganze Baustellen geschlossen werden müssen und die aufgerufenen Preise weiter steigen, dann macht sich das negativ bemerkbar”, sagte Rabe. Dann könne die Umsatzprognose nicht gehalten werden.

VIER VON FÜNF INDUSTRIEBETRIEBEN MIT PROBLEMEN

Die Unterbrechungen im Betriebsablauf durch Lieferengpässe haben sich auch in der deutschen Industrie insgesamt ausgeweitet. “Mittlerweile melden fast vier von fünf Herstellern längere Vorlaufzeiten für ihre Rohmaterialien”, sagte Ökonom Phil Smith vom Institut IHS Markit, das monatlich Hunderte Manager befragt. Eine wachsende Zahl von Unternehmen beklagte negative Folgen für Produktion und Neugeschäft durch die erzwungenen Ausfallzeiten. Die Engpässe gehen Hand in Hand mit einem weiteren Anstieg des Kostendrucks. 90 Prozent der Hersteller – so viele wie noch nie in der rund 25-jährigen Geschichte der Umfrage – berichteten von gestiegenen Einkaufspreisen. Die Hersteller seien wegen der insgesamt starken Nachfrage in der Lage, einen Teil durch eigene Preiserhöhungen an ihre Kunden weiterzugeben.

 

Bayer und Inflationssorgen bremsen Dax

Der deutsche Leitindex fiel am Nachmittag um 0,1 Prozent auf 15.449 Punkte, während der EuroStoxx50 um 0,4 Prozent auf 4047 Zähler anzog. An der Wall Street lagen die Futures vor Börseneröffnung knapp im Plus.

Die regelmäßig aufkommenden Inflationssorgen könnten der Grund sein, warum der Aktienmarkt derzeit nicht vorankomme, sagte IG-Stratege Christian Henke. Die Angst der Anleger vor einem baldigen Ende der ultralockeren Geldpolitik sei groß, obschon die US-Notenbank gebetsmühlenartig versuche dagegen anzureden. “Wer hat recht? Die Fed oder der Markt”, fasste Henke zusammen.

Vor diesem Hintergrund schauten die Investoren besonders kritisch darauf, wie die Wirtschaftserholung in den Vereinigten Staaten voranschreitet. Im April gingen die Auftragseingänge für langlebige Güter mit minus 1,3 Prozent überraschend zurück, während die zweite Schätzung für das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal mit 6,4 Prozent etwa im Rahmen der Erwartungen lag. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel mit 406.000 indes geringer aus als erwartet und lag so niedrig wie seit Beginn der Pandemie nicht mehr.

Im Blick behielten die Anleger auch den Impf-Gipfel von Bund und Ländern. Bundeskanzlerin Angela Merkel will mit den Ministerpräsidenten über das weitere Vorgehen in der Pandemie-Bekämpfung beraten.

GLYPHOSAT BLEIBT DAMOKLESSCHWERT FÜR BAYER

Größter Dax-Verlierer waren die Papiere von Bayer, die bis zu 5,3 Prozent auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 52,07 Euro abrutschten. Im Rechtsstreit um eine angeblich krebserregende Wirkung von Glyphosat lehnte der zuständige US-Bezirksrichter einen Lösungsvorschlag des Konzerns ab. “Eine unendliche Geschichte”, kommentierten die Analysten vom Brokerhaus Bryan Garnier. “Durch die Ablehnung bleibt das Damoklesschwert über Bayer hängen.” Das nun gescheiterte zwei Milliarden Dollar teure Paket für den Umgang mit möglichen künftigen Klagen ist Teil des umfangreicheren, rund 11,6 Milliarden schweren Glyphosat-Vergleichs, den Bayer im vergangenen Sommer angekündigt hatte.

PUMA NACH TEIL-AUSSTIEG VON KERING UNTER DRUCK

Auf der Gewinnerseite stiegen Airbus um 9,7 Prozent auf den höchsten Stand seit rund einem Jahr. Der europäische Konzern stimmte seine Zulieferer auf eine deutlich höhere Flugzeugproduktion ein. Die Titel von MTU Aero, Rolls-Royce und Meggitt stiegen um jeweils knapp drei Prozent.

Bergab ging es dagegen für den Puma. Der französische Luxuskonzern Kering hat sich vom Großteil seiner verbliebenen Beteiligung an dem Sportartikelhersteller getrennt. Der Eigentümer von Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent verkaufte über Nacht 8,9 Millionen Puma-Aktien für insgesamt 805 Millionen Euro an institutionelle Investoren. Puma verloren im MDax 2,2 Prozent.

BITCOIN-ANLEGER RINGEN UM STABILISIERUNG

An den Rohstoffmärkten deckten sich Anleger erneut mit Kupfer ein. Das Industriemetall verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 10031 Dollar je Tonne. Anleger fürchteten Angebotsengpässe durch drohende Bergarbeiterstreiks im wichtigen Exportland Chile.

Nach den jüngsten Kursabstürzen rangen die Bitcoin-Anleger weiter um Stabilisierung. Die Cyberdevise notierte 1,9 Prozent höher bei 39.571 Dollar. “Die jüngsten Hiobsbotschaften aus dem Reich der Mitte haben kräftig an dem Nervenkostüm der Investoren gezehrt”, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. China hatte die Anleger mit der Aussicht auf eine schärfere Regulierung im Kryptowährungssektor verschreckt.