Besser als gedacht!

Die Commerzbank, Deutschlands zweitgrößte Privatbank, glänzt unter Leitung von Manfred Knof mit deutlich gestiegenen Ertragszahlen. Diese beliefen sich im 1. Quartal auf €2.795 Milliarden, was einer Zunahme von 12% im Vergleich zum vergangenen Jahr entspricht.

Der Überschuss hat sich mit €284 Millionen im 1. Quartal innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt und auch der Gewinn aus dem operativen Geschäft stieg auf €544 Millionen an, was die Schätzungen der Analysten, die von nur €282 Millionen ausgegangen waren, deutlich übertrifft.

An der Börse kann die Commerzbank ebenfalls überzeugen, denn ihre Aktie gewann zuletzt rund 3% und gehört damit aktuell zu den stärksten Werten im MDAX. Bemerkenswert ist, dass das Finanzinstitut dieses Wachstum trotz der Belastungen einer erhöhten Risikovorsorge erzielen konnte.

Diese wurde innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht und stieg von €149 Millionen auf €464 Millionen an. Knof führt diese ausgezeichneten Ergebnisse auf ein „starkes Kundengeschäft“ zurück, das sich in allen Bereichen gut entwickelt hätte.

Zudem dürfte die Bank auch von Erhöhungen des Leitzinses in Polen profitiert haben, wo sie mit ihrem Ableger mBank einen wichtigen Markt hat. Die weiteren Prognosen sehen für das Geldhaus ebenfalls rosig aus.

Knof ist überzeugt, einen Konzerngewinn von mehr als €1 Milliarde erzielen zu können – sofern die Risikovorsorge nicht noch weiter aufgestockt wird und sich die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges nicht weiter verschärfen.

Die Deutsche Bank konnte sich ebenso trotz aller Umstände aus ihrer jahrelangen Krise befreien und den höchsten Quartalsgewinn seit 9 Jahren erzielen. Die gesamten Erträge des Konzerns stiegen um 1% auf €7.3 Milliarden und auch die im DAX notierte Aktie konnte zuletzt etwa 2% Zuwachs verbuchen.

Der Überschuss betrug im 1. Quartal fast €1.1 Milliarde und nahm damit innerhalb eines Jahres um 21% zu. Auch dieses Ergebnis übertrifft die Erwartungen der Analysten, die nur mit rund €950 Millionen gerechnet hatten. Wie die Commerzbank musste auch die Deutsche Bank einer erhöhten Risikovorsorge trotzen.

Mit €292 Millionen legte sie viermal so viel Geld als Sicherheit zurück wie im 1. Quartal des vergangenen Jahres. Als Haupteinnahmequelle für die starken Erträge ist mit €1.5 Milliarden weiterhin das Investmentbanking zu nennen, das der Bank durch den Handel mit Wertpapieren und Währungen Geld einbringt.

Doch auch im Bereich der Unternehmens- und Privatkunden konnten die Gewinne gesteigert werden. Chef Christian Sewig, der im Sommer 2019 für eine umfassende Umstrukturierung gesorgt hatte, ist in jedem Fall zufrieden. Sie hätten bewiesen, dass sie „in besonders schwierigen Zeiten besonders gut sind“.

Beide Finanzinstitute konnten also durch Umbaumaßnahmen ihr Wachstum wieder auf Kurs bringen und den aktuellen Unsicherheiten trotzen. Die Wende in der Zinspolitik an den Kapitalmärkten dürfte ihnen nun zusätzlich unter die Arme greifen. Experten schätzen, dass die Banken in diesem Jahr deutlich davon profitieren werden.

Commerzbank beantragt BaFin-Lizenz

Die Commerzbank ist eine der führenden Banken, die Dienstleistungen im Zusammenhang mit digitalen Vermögenswerten anbietet. Diese gab bekannt, dass sie bei der Aufsichtsbehörde des Landes “Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)” eine Gewerbeerlaubnis für die Verwahrung von Krypto beantragt hat.

Commerzbank steigt in Krypto ein

Am 14. April erklärte ein Vertreter der Commerzbank, dass die Bank im ersten Quartal 2022 eine Lizenz zur Verwaltung von Kryptowährungen beantragt hat. Im Falle einer Genehmigung könne sie sowohl Handelsdienstleistungen als auch die Lagerung und den Schutz von verschlüsselten Vermögenswerten anbieten.

Dieser neue Dienst würde sich an die institutionellen Kunden der Commerzbank richten. Die Kundenbasis der Commerzbank umfasst mehr als 28.000 Gruppen von Firmenkunden und fast 11 Millionen Privatkunden und Unternehmer in Deutschland.

Die Commerzbank hat ihre Blockchain-Initiative 2018 gestartet. Im darauffolgenden Jahr wickelte sie einige ihrer ersten Transaktionen mit anderen Großbanken über eine sichere Kreditplattform mit Distributed-Ledger-Technologie (DLT) ab. Im August kündigte sie eine Partnerschaft an, um einen digitalen, auf Blockchain basierenden Marktplatz für aktuelle Anlageklassen, einschließlich Kunst und Immobilien, zu schaffen.

Wie sieht die Lage in Deutschland aus?

Ab dem 1. Januar 2020 muss jedes Unternehmen, das beabsichtigt, in Deutschland Kryptowährungsdienstleistungen anzubieten, zunächst die Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, allgemein bekannt als BaFin, einholen.

Bisher wurden nur vier Unternehmen genehmigt, aber die BaFin erklärte, dass sie die Anträge von mehr als 25 Unternehmen prüfe, die an dem Betrieb von Bitcoin-Verwahrstellen interessiert seien.

Die Commerzbank wurde die erste Bank, die sich um die Lizenz beworben hat. Sie reiht sich damit in eine lange Liste von Organisationen ein, die sich als Verwahrstelle für Kryptowährungen beworben haben. Coinbase war das erste Unternehmen, das im Januar 2021 eine Lizenz zur Verwahrung von Kryptowährungen in Deutschland erhalten hat.

Banken auf der ganzen Welt sind zunehmend daran interessiert, ihre Dienstleistungen um Kryptowährungen zu erweitern. Dazu gehört auch der Bankenriese Goldman Sachs. Er plant, seinen wohlhabenden Kunden im zweiten Quartal 2022 Kryptowährungsdienstleistungen anzubieten.

Commerzbank rechnet mit bis zu fünf Prozent Inflation

“Verteuert sich die Energie weiter, könnte die Inflation im November auf fünf Prozent steigen”, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der “Bild”-Zeitung.

Etwas Entspannung sieht Krämer im kommenden Jahr. “Die Inflation zieht weiter an, bevor sie nach der Jahreswende wieder fällt”, sagte der Wirtschaftsexperte. Das liege unter anderem daran, dass dann Sonderfaktoren wie die zwischenzeitliche Senkung der Mehrwertsteuer wegfallen. Statistiker sprechen von einem so genannten Basiseffekt, weil die Preise optisch auch deswegen gestiegen waren, weil die Mehrwertsteuer wieder auf das ursprüngliche Niveau angehoben wurde.

Teure Energie hievte die Inflation im September erstmals seit fast 28 Jahren über die Vier-Prozent-Marke. Waren und Dienstleistungen kosteten in Deutschland durchschnittlich 4,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hatte. Bereits in diesem Zusammenhang hatte Krämer “eine Fünf vor dem Komma” für möglich gehalten.

 

Europas Börsen wieder auf Rekordkurs – Corona-Sorgen bleiben

Unterstützung komme außerdem von der anhaltend lockeren Geldpolitik der Notenbanken und der Attraktivität von Dividendenpapieren im Vergleich zu Anleihen, sagte Mark Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS.

Der breit gefasste Index Stoxx600 erreichte am Mittwoch mit 468,45 Punkten den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch. Dax und EuroStoxx50 gewannen jeweils rund ein halbes Prozent auf 15.656 beziehungsweise 4138 Punkte. Gleichzeitig fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein Sechs-Monats-Tief von minus 0,502 Prozent.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer seien die fallenden Coronavirus-Fallzahlen in Großbritannien, sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. “Das gibt Hoffnung, dass es im Rest Europas ebenso kommt.” In Asien werde die rasche Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante wegen geringer Impfquoten aber zum Problem, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Neue Lockdowns würden die bereits bestehenden Engpässe in den Lieferketten noch einmal verschärfen und damit auch die Inflation, die jetzt schon die Gewinnmargen der Unternehmen belastet, anheizen.”

Gespannt warteten Börsianer auf die Beschäftigtenzahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Experten rechnen für Juli mit dem Aufbau von 695.000 Stellen. Das entspricht dem Niveau des Vormonats. Die ADP-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Arbeitsmarkt-Daten am Freitag. Von diesen wiederum lassen sich Rückschlüsse auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed ziehen. Deren Chef Jerome Powell hat mehrfach betont, dass sich der US-Arbeitsmarkt noch ein ganzes Stück verbessern müsse, bevor sein Haus die geldpolitischen Zügel wieder anzieht.

HUGO BOSS UND TAYLOR WIMPEY ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN

Am deutschen Aktienmarkt stiegen die Titel von Hugo Boss um bis zu drei Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 53,46 Euro. In Großbritannien und China erreichte der Absatz des Modekonzerns wieder das Niveau vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Außerdem stellte die Firma ein Wachstumsprogramm vor, mit dessen Hilfe der Jahresumsatz bis 2025 auf vier Milliarden Euro verdoppelt werden soll. Die operative Marge solle auf zwölf Prozent steigen.

Mit einem Kursplus von 3,2 Prozent gehörte Taylor Wimpey zur Spitzengruppe des Londoner Auswahlindex FTSE. Dank eines anhaltend starken britischen Immobilienmarktes hob der drittgrößte Eigenheimbauer des Landes seine Ziel für den operativen Gesamtjahresgewinn auf umgerechnet 963 Millionen Euro an. “Taylor Wimpey könnte einer der großen Pandemie-Gewinner werden”, sagte Analystin Laura Hoy vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Der im Branchenvergleich aggressivere Kauf von Gründstücken werde sich bei einer anhaltend starken Baukonjunktur auszahlen.

COMMERZBANK UND SIEMENS ENERGY ENTTÄUSCHEN

Der erneute Rutsch in die roten Zahlen drückte die Commerzbank dagegen 5,2 Prozent ins Minus. Rechne man die Sonderposten allerdings heraus, liege das operative Ergebnis über den Erwartungen, gab Analystin Martina Matouskova von der Investmentbank Jefferies zu bedenken.

Abwärts ging es auch für Siemens Energy. Die Aktien des Energietechnik-Konzerns waren mit einem Minus von knapp drei Prozent Schlusslicht im Dax. Die Kappung der Margenziele komme zwar nicht überraschend, belaste aber trotzdem, sagte ein Börsianer. Die Tochter Siemens Gamesa sei weiterhin ein Bremsklotz und nicht der erhoffte Wachstumstreiber. Vor diesem Hintergrund erhöhte Siemens Energy den Druck auf das Management des Windkraftanlagen-Bauers. Dessen Aktien stiegen in Madrid um zwei Prozent.

 

S&P stuft viele deutsche Banken herab – Commerzbank aber bestätigt

Die Analysten begründeten dies mit einer anhaltend schwachen Profitabilität, einer hohen Wettbewerbsdichte im deutschen Bankenmarkt und langsamen Fortschritten bei der Digitalisierung. “Die Corona-Pandemie hat die Herausforderungen für den deutschen Bankensektor verschärft und die Institute im Vergleich zu globalen Wettbewerbern weniger wettbewerbsfähig gemacht”, erklärte S&P. Ein schwächeres Rating bedeutet in der Regel, dass die Kreditaufnahme für das Unternehmen teurer wird.

Von der Herabstufung betroffen sind der genossenschaftliche Bankensektor, die zur Sparkassengruppe gehörende Dekabank, die Helaba, die im hessisch-thüringerischen Verbund beteiligten Sparkassen sowie die Deutsche Pfandbriefbank und die Volkswagen Bank. S&P stufte das langfristige Rating jeweils um eine Note zurück.

Gleichzeitig bestätigten die Experten die Noten von Commerzbank und Hypovereinsbank. Die beiden haben aber weiter einen negativen Ausblick und es droht eine Herabstufung. Den Ausblick für die Hamburg Commercial Bank und die Santander Consumer Bank hob S&P dagegen an. Die Deutsche Bank sei von der Aktion nicht betroffen.

BANKEN DEMONSTRIEREN GELASSENHEIT

Die neue Bonitätsnote von “A-” sei im deutschen Bankenmarkt ein unverändert gutes Rating, erklärte die Helaba. S&P habe seine grundsätzliche Einschätzung für den deutschen Bankenmarkt nach unten korrigiert, was sich automatisch auf die Ratings der Sparkassenfinanzgruppe Hessen-Thüringen auswirke. “Die Helaba sieht sich davon unabhängig mit ihrer strategischen Agenda und dem damit verbundenen laufenden Transformationsprozess zukunftssicher aufgestellt.”

Auch die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka könne sich dieser Gesamt-Herabstufung des Sektors nicht entziehen, erläuterte die Deka. Als positiv wertete sie, dass S&P die Einschätzung der eigenen Finanzkraft des Fondshauses unverändert gelassen habe. “Das tragfähige Geschäftsmodell und die starken Kapitalquoten der DekaBank können strukturelle Schwächen des Bankenmarkts ausgleichen.” Beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) hieß es, die genossenschaftliche Finanzgruppe sei trotz der Herabstufung unverändert die bestgeratete private Banken-Gruppe in Deutschland.

 

Commerzbank-Analyst – Benzinpreis von zwei Euro bald möglich

“Wenn die Parteien ihre Pläne bei der CO2-Bepreisung durchsetzen und zudem der Ölpreis weiterhin steigt, dann sind Benzinpreise von zwei Euro in naher Zukunft möglich”, sagte Commerzbank-Rohstoff-Analyst Eugen Weinberg der “Bild” laut Vorabbericht. Bei Diesel sei ein Anstieg auf 1,50 Euro je Liter wahrscheinlich.

Der ehemaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisierte in dem Zusammenhang seine eigene Partei: “Mit der überzogenen Vergrünungspolitik der Union ist eine Energieverteuerung jedweder Art leider ebenso programmiert”, sagte er “Bild”.

 

Finanzaufsicht warnt Banken vor Folgen von Gebührenurteil

“Das hat das Potenzial, für die Banken richtig teuer zu werden”, sagte BaFin-Exekutivdirektor Raimund Röseler am Dienstag. Einige Banken könne das Urteil im schlimmsten Fall die Hälfte des Jahresgewinns kosten. Beim Thema Corona gab die BaFin bei ihrer virtuellen Jahrespressekonferenz dagegen Entwarnung. Die Banken seien grundsätzlich in der Lage, die durch die Pandemie ausgelöste Wirtschaftskrise zu überstehen.

Das Urteil des BGH zu Gebührenänderungen sei überraschend gekommen, sagte Thorsten Pötzsch, der bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Bankenabwicklung zuständig ist. Das oberste deutsche Berufungsgericht hatte Ende April geurteilt, dass Banken nicht einfach ihre Gebühren ändern können, wenn der Kunde den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht binnen zwei Monaten widerspricht. Das benachteilige die Kunden.(AZ: XI ZR 26/20) Die Gerichte müssten nun klären, wie AGB künftig rechtssicher geändert und Kunden über Gebührenanhebungen informiert würden. “Das wird schwierig und eine große Herausforderung”, sagte Pötzsch.

Konkret könnten die finanzielle Folgen aber erst abgeschätzt werden, wenn die schriftliche Urteilsbegründung vorliege. Klar sei auch noch nicht, ob andere Branchen ebenfalls von dem Urteil betroffen seien. Die Comdirect hatte eine eigentlich für Anfang Mai geplante Preiserhöhungen bereits auf Eis gelegt, ihre Mutter Commerzbank will für Juli anstehende Preisanhebungen nach bisherigen Stand dagegen durchziehen.

KOSTEN DER BANKEN MÜSSEN RUNTER

Das Urteil belastet die ohnehin unter Druck stehenden Erträge der Banken zusätzlich. Die seit Jahren niedrigen Zinsen in der Euro-Zone erschweren es ihnen, auskömmliche Erträge zu erwirtschaften. Gebühren werden deshalb für sie immer wichtiger. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein, müssten Banken noch stärker an der Kostenschraube drehen als bisher, sagte Röseler, der die BaFin bis zum Antritt des neuen Präsidenten Mark Branson im Sommer interimsmäßig leitet. Die Deutsche Bank und die Commerzbank seien konsequent unterwegs, bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken gebe es noch viel Spielraum.

Zudem müssen sich Banken nach Einschätzung der BaFin auf weitere Kreditausfälle einstellen. “Wir müssen davon ausgehen, dass nicht alle von der Pandemie gebeutelten Unternehmen der Realwirtschaft wieder gesunden”, sagte Röseler. Bis sich das auf die Banken durchschlage, könne es aber dauern. Auch nicht alle Geldhäuser würden die Krise überstehen. “Eine Entwarnung können wir derzeit nur für das System aussprechen, also die Branche als Ganzes.” Generell hätten die Institute zwar ein Ertragsproblem, aber kein Problem mit faulen Krediten.

GENAUER HINTER DIE FASSADE SCHAUEN

Um künftig Skandale wie die Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard zu vermeiden, will die Aufsichtsbehörde mehr IT-Fachkräfte und Wirtschaftsprüfer einstellen. Eine schnelle Eingreiftruppe soll bei Firmen vor Ort forensische Untersuchungen vornehmen können, also praktisch Detektivarbeit betreiben. “Wir wollen schneller, genauer und aus erster Hand wissen, wo die Erträge herkommen, denn wo das Geld verdient wird, liegen die Risiken”, sagte Röseler. Bei Unregelmäßigkeiten werde die BaFin Geschäfte der Banken einschränken. Doch sei auch das keine Garantie dafür, dass der BaFin nie mehr Fehler unterliefen, räumte Röseler ein. “Man kann uns als Aufsicht bis an die Zähne forensisch bewaffnen, es wird und kann in einem Rechtsstaat nie gelingen, jede Art von Kriminalität zu verhindern.”

 

Commerzbank kehrt überraschend in schwarze Zahlen zurück

– von Patricia Uhlig und Tom Sims

Vorstandschef Manfred Knof versprühte bei der Präsentation der Quartalszahlen am Mittwoch Zuversicht und hob die Jahresziele an. “Wir kommen mit unserer neuen Strategie planmäßig voran und wir liefern, was wir versprechen”, sagte der seit Jahresanfang amtierende Bankchef. Die Aktien legten um rund acht Prozent zu und waren mit Abstand größter Gewinne im MDax.

Unter dem Strich erwirtschaftete die Commerzbank im ersten Quartal einen Gewinn von 133 Millionen Euro nach einem Verlust von 291 Millionen Euro vor Jahresfrist. Analysten hatten mit einem erneuten Verlust gerechnet. “Das erste Quartal zeigt: Wir sind nicht nur gut im operativen Geschäft gut unterwegs, sondern auch mit unserer strategischen Transformation gut gestartet und voll auf Kurs”, sagte Knof.

Der ehemalige Deutsche-Bank– und Allianz-Manager gilt als harter Sanierer und hat der Commerzbank eine strikte Sanierung verpasst: Weltweit fallen 10.000 Jobs weg, hunderte Filialen werden dichtgemacht, das Kapitalmarktgeschäft und die Präsenz im Ausland schrumpft. Der Umbau kostet mehr als zwei Milliarden Euro. 2020 hatten die Frankfurter wegen der Corona-Krise und der Restrukturierung einen Verlust von 2,9 Milliarden Euro eingefahren. Dieses Jahr soll zumindest das Betriebsergebnis wieder deutlich positiv sein.

KUNDEN HANDELN MEHR MIT AKTIEN

Im ersten Quartal legten die Erträge dank eines höheren Provisionsüberschusses und positiver Bewertungseffekte bei Absicherungsgeschäften um 35 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zu. Die Risikovorsorge für faule Kredite reduzierte sich auf 149 von 326 Millionen Euro. “Der dritte Lockdown hatte kaum Auswirkungen im ersten Quartal”, sagte Finanzchefin Bettina Orlopp. Auch andere Banken hatten ihre Risikovorsorge zuletzt verringert, weil die Kreditausfälle nicht so schlimm waren wie zu Beginn der Corona-Krise befürchtet.

Knof stellte für das Gesamtjahr nun leicht höhere Einnahmen als 2020 und eine Kernkapitalquote (CET1) von mehr als 12,5 Prozent in Aussicht. Bisher waren niedrigere Erträge und eine Kapitalquote von über zwölf Prozent angekündigt. Die Chancen auf einen Nettogewinn seien gestiegen, sagte Orlopp. Der Rückenwind durch positive Bewertungseffekte werde aber nachlassen.

Analysten der US-Bank Citi bezeichneten die Ergebnisse als stark. Nicht nur der Gewinn sei überraschend, auch die Stärke auf der Kapitalseite, erklärte Citi-Analyst Nicholas Herman. Aktienexperte Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets sagte, bei den leidgeplagten Anlegern keime Hoffnung auf. “Der geplante Weg zu einer Digital-Bank wird kein leichter sein. Aber sollte er gelingen, könnte sich die zuletzt entfachte Euphorie in der Aktie auch langfristig für Investoren auszahlen.”

Die Commerzbank-Aktien legten seit Mitte April um rund ein Drittel zu. Titel der Deutschen Bank stiegen in dem Zeitraum um rund 17 Prozent, der MDax gab ein Prozent nach.

GEBÜHREN FÜR GIROKONTEN SOLLEN KOMMEN

Wegen der dauerniedrigen Zinsen im Euro-Raum sind Banken ständig auf der Suche nach neuen Ertragsquellen. Die Commerzbank erhofft sich aus höheren Gebühren für Girokonten Einnahmen von jährlich rund 100 Millionen Euro, wie Orlopp sagte. Ob sie darauf auch tatsächlich bauen kann, ist aber nicht sicher. Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte Ende April, dass Banken nicht mehr ohne Weiteres ihre Geschäftsbedingungen ändern können. An den ursprünglichen Plänen, die Preise ab Anfang Juli anzuheben, halte die Bank fest. Von jedem Kunde müsse aber nun ein aktives Ja eingeholt werden, sagte Orlopp. Man arbeite deshalb an passenden Prozessen.

Die Commerzbank war jahrelang mit ihrem kostenlosen Girokonto und Neukundenprämien auf Kundenfang gegangen. Knof hat sich von dieser Strategie aber verabschiedet. Wachstum um jeden Preis solle der Vergangenheit angehören.

 

Anleger vor US-Inflation auf der Hut – Coba und Bayer heben ab

Der Dax kam am Mittwoch trotz einer Welle von teils deutlich besser als erwartet ausgefallenen Firmenbilanzen nur schwer vom Fleck und notierte am Mittag 0,2 Prozent höher bei 15.155 Punkten. Der EuroStoxx50 trat bei 3949 Punkten auf der Stelle.

Investoren spekulieren, dass steigende Rohstoffpreise und wachsender Inflationsdruck in den USA zu früheren Zinserhöhungen und höheren Anleiherenditen weltweit führen könnten. Analysten rechnen bei den Inflationsdaten am Nachmittag (MESZ) im Schnitt für April mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Vormonat hatte der Wert bei 2,6 Prozent gelegen. Steigt die Inflation stärker als von der US-Notenbank erwartet ist Experten zufolge fraglich, ob sie noch längere Zeit an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten kann.

Für die Aktienmärkte sei der Zinsanstieg ein giftiger Cocktail, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. “Die Verkaufsbereitschaft hat deutlich zugenommen.” Steigende Zinsen erhöhen unter anderem die Finanzierungskosten für die Unternehmen.

ANLEIHERENDITEN GEBEN NACH – KUPFER WEITER IM AUFWIND

An den Anleihemärkten gingen die Renditen nach dem jüngsten Anstieg zurück. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundespapiere fiel um rund einen Basispunkt auf minus 0,17 Prozent, nachdem sie am Dienstag auf den höchsten Stand seit März vergangenen Jahres geklettert war. Die US-Treasuries rentierten mit 1,617 Prozent ebenfalls leicht unter ihrem Vortagesniveau. Analysten zufolge schichteten einige Anleger ihr Geld aus hoch bewerteten Aktiensegmenten um, was den Renditerückgang bei den Anleihen erkläre.

Am Markt für Industriemetalle blieben die Konjunkturoptimisten am Ruder. Kupfer verteuerte sich um bis zu 1,5 Prozent auf 10.620 Dollar je Tonne und blieb auf Tuchfühlung mit dem jüngsten Rekordhoch.

Der Ölpreis blieb unterstützt von der Hoffnung auf eine baldige Nachfrageerholung. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 68,99 Dollar je Fass. Die Internationale Energieagentur (IEA) verstärkte den Optimismus der Investoren mit ihrer jüngsten Markteinschätzung: “Das erwartete Angebotswachstum für den Rest des Jahres entspricht bei weitem nicht unserer Prognose für eine deutlich stärkere Nachfrage über das zweite Quartal hinaus.”

STARKER JAHRESAUFTAKT BEI BAYER UND COBA

Bei der Commerzbank bejubelten Anleger einen starken Jahresauftakt. Die Aktien schossen um 7,5 Prozent nach oben. Die zweitgrößte Privatbank Deutschlands kehrte überraschend in die schwarzen Zahlen zurück und blickt optimistischer nach vorne. Papiere von Bayer standen mit einem Kursplus von 3,9 Prozent an der Dax-Spitze. Vor allem dank des Agrargeschäftes habe der Umsatz im Quartal vier Prozent über den durchschnittlichen Analystenerwartungen gelegen, hieß es bei Credit Suisse. Obwohl die Jahresprognose nicht angehoben worden sei, sollten die Aktien von den starken Quartalszahlen profitieren, fassten die Analysten von JP Morgan zusammen.

Eine angehobene Prognose von Deutsche Telekom kam ebenfalls gut an. Die Aktien kletterten um 2,2 Prozent. Der Telekomkonzern habe zum Jahresstart Stärke bewiesen, urteilten die Analysten von Jefferies. Das stimme für die mittelfristigen Aussichten optimistisch.

In London stiegen die Aktien von Diageo mehr als drei Prozent. Der weltgrößte Spirituosenhersteller mit Marken wie Johnnie Walker oder Smirnoff rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit einem organischen Wachstum des Betriebsgewinns von mindestens 14 Prozent und kommt mit seinem Aktienrückkaufprogramm weiter voran.

 

Montana Aerospace hebt bei Börsengang in der Schweiz ab

Dabei waren die Titel bereits am oberen Ende der Preisspanne von 24,15 bis 25,65 Franken platziert worden. Mit dem Kurssprung am ersten Handelstag kommt die Firma nun auf einen Wert von fast 1,5 Milliarden Franken. Ende April war bereits dem Pharmazulieferer PolyPeptide ein erfolgreiches Debüt an der Schweizer Börse geglückt.

Montana Aerospace beliefert Flugzeughersteller wie Airbus und Boeing, aber auch Autokonzerne mit Bauteilen aus Aluminium, Titan, Verbundwerkstoffen, Stahl und Kupfer. Mit dem von der Berenberg, der Zürcher Kantonalbank und der Commerzbank organisierten Transaktion fließen der Firma mit rund 4800 Mitarbeitern brutto rund 440 Millionen Franken zu. Rund 60 Prozent des Erlöses sollen in Übernahmen fließen, der Rest in organisches Wachstum. In der Luft- und Raumfahrtbranche sei ein großer Konsolidierungsprozess im Gange, die Zahl der derzeit Abertausenden von Lieferanten dürfte sich deutlich reduzieren, wie Firmenchef Markus Nolte erklärt hatte.

Bei einer vollständigen Ausübung der Mehrzuteilungsoption werde der Streubesitz auf 41,8 Prozent anziehen. Mehrheitsaktionär bleibt die Montana Tech Components Gruppe des österreichischen Unternehmers Michael Tojner. Zu ihr gehören auch der deutsche Batteriehersteller Varta und das Verpackungsunternehmen Aluxflexpack. Dass ein Marktdebüt glückt, ist nicht selbstverständlich. Am Vortag hatte der deutsche Internet-Autohändler MeinAuto seinen Börsengang in Frankfurt in letzter Minute abgesagt.