Großbritannien: Steuersenkung

Hierzulande kann man trotz merkbarer Belastung noch davon träumen, dass es hier zur Senkung der Steuern kommt, auch wenn die Regierung ja aus Parteien besteht, die im Vorfeld ja zumindest für bestimmte Gruppen Steuersenkungen vorgesehen hatten.

Naja, jedenfalls gab der britische Finanzminister, Rishi Sunak, gestern einen Plan bekannt, der Steuerentlastungen von insgesamt 6 Milliarden britischen Pfund für Arbeiter beinhaltet. Zudem soll die Mineralölsteuer gesenkt werden. Auch perspektivisch gab Herr Sunak zu verstehen, dass langfristig auch die Einkommensteuer gesenkt wird.

Die Maßnahmen sind die umfangreichsten Steuerentlastungen seit rund 25 Jahren, so Sunak. Dies ist aber gar nicht mal so unverhältnismäßig, wenn man bedenkt, dass die Regierung von einer Inflation von über 8.7% ausgeht – so hoch, wie in 40 Jahren nicht mehr. Besonders unter Druck sind zwar Energie- und Tankpreise, aber auch Lebensmittel und Elektrogeräte werden merkbar teurer.

Angetrieben ist dies in Großbritannien hauptsächlich durch eine Arbeitnehmerknappheit. Durch die stark nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik in der Pandemie, kamen die Unternehmen nicht mehr hinterher, die Nachfrage zu stillen. Da dies global so war, entwickelten sich zusätzlich noch Lieferengpässe, die die Logistikpreise zum Teil verzehnfachen ließen.

Mit dem Brexit wurde es auch auf einmal schwieriger ausländische Arbeitnehmer zu finden. Deshalb wurden hierzu sogar neue Regelungen eingeführt, die es ausländischen Arbeitskräften ohne festen Wohnsitz in Großbritannien dort zu arbeiten. Dennoch konnte der Markt dieses Ungleichgewicht nur durch höhere Preise ausbalancieren.

Dies bleibt natürlich an den Bürgern hängen, die mit gleichem Geld mehr zu zahlen haben. Dieses Jahr sollen die Löhne und Gehälter um durchschnittlich 3% angehoben werden, was die höchste Zunahme in über 10 Jahren ist. Allerdings muss man kein Mathematiker sein, um zu sehen, dass bei fast 9% Inflation auch mit einer solchen Erhöhung die Rechnung nicht aufgeht.

Herr Rishi Sunak hat dies erkannt und ein sehr großzügiges Paket geschnürt, und selbst das könnte nicht die gewünschte Entlastung bringen.

Unter anderem wurden die Untergrenzen für die Versicherung angehoben, eine Einkommenssteuersenkung für 2024 angekündigt, eine 5-Pence Kürzung pro Liter Treibstoff eingeführt, die Mehrwertsteuer für den Verkauf von energieeffizienten Elementen (Solarpanele, Isolation, Wärmepumpen etc.) gestrichen, ein 1-Milliarde-Pfund Programm für Briten in Armut ins Leben gerufen und eine Regelung zur Steuerrückzahlung von Kleinunternehmen auf 5000 Pfund hochgesetzt.

Natürlich dürften diese Entlastungen nur moderate makroökonomische Effekte haben. Moralisch jedoch denke ich, dass sich die Bevölkerung hierauf freut, da es im schlimmsten Fall als symbolischer Akt gesehen werden könnte. Einzig Großunternehmen wurden erstmal nicht entlastet, aber auch hier versprach Herr Sunak, dass im Herbst hier Investitionen geringer besteuert werden sollen.

Verkneifen kann man sich bei diesen Nachrichten den Wunsch nicht, dass ähnlich großzügige Maßnahmen auch hierzulande eingeführt werden sollen. Naja, man darf ja zumindest noch träumen.

 

Beschäftigtenzahl klettert in Großbritannien auf Rekordhoch

Sie wuchs um 207.000 zum Vormonat auf 29,2 Millionen, wie das Statistikamt ONS am Dienstag in London mitteilte. Die Stellenzahl liegt damit auch über dem vor der Corona-Pandemie erreichten Niveau. Zudem sank die Arbeitslosenquote auf aktuell 4,5 Prozent.

Die britische Wirtschaft hat nach dem Ende der meisten Corona-Auflagen wieder Fuß gefasst und sucht inzwischen händeringend nach Personal. Die Zahl der offenen Stellen war im September mit knapp 1,2 Millionen so hoch wie noch nie. Akut ist nach dem Brexit und wegen der Corona-Krise etwa der Mangel an Lkw-Fahrern. 100.000 zusätzliche Fahrer würden gebraucht, um Güter verlässlich über die Straßen zu bringen, rechnete der Branchenverband RHA kürzlich vor. Ändert sich das nicht, könnten die Preise steigen und die Inflation anheizen.

Die britische Wirtschaft hat nach dem Ende vieler Corona-Beschränkungen dank kauffreudiger Verbraucher kräftig Fahrt aufgenommen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von April bis Juni um 4,8 Prozent zum Vorquartal. Zum Vergleich: Deutschland schaffte nur ein Plus von 1,6 Prozent. Im ersten Vierteljahr war die britische Wirtschaft infolge vieler Restriktionen wegen der dritten Corona-Welle noch um 1,6 Prozent geschrumpft.

 

Britische Wirtschaft überraschend stärk gewachsen

Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni um 5,5 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Donnerstag in London mitteilte. In einer früheren Schätzung war lediglich von 4,8 Prozent die Rede. Zwar ist die Revision positiver ausgefallen, doch hat die Konjunkturerholung auf der Insel im Zuge der weltweiten Probleme bei den Lieferketten und auch durch Materialengpässe zuletzt an Schwung verloren.

In dem EU-Aussteigerland ist es zuletzt verstärkt zu Versorgungsengpässen etwa an Tankstellen gekommen. Großbritannien kämpft bereits mit steigenden Gas-Preisen, die Energiekosten in die Höhe treiben und zu einer Waren-Verknappung geführt haben. Der Chef der Bank von England, Andrew Bailey, erwartet, dass die Wirtschaft im Vereinigten Königreich erst Anfang 2022 ihr Vorkrisenniveau erreichen wird.

 

Handelskammer – Britische Lkw-Krise trifft auch deutsche Wirtschaft

“Kurzfristig ist das ein Problem”, sagte der Generaldirektor der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, Ulrich Hoppe, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. “Das eine oder andere Produkt kann nicht geliefert werden, gerade wenn es sich um leicht verderbliche Waren wie etwa frische Lebensmittel handelt.” Früher oder später dürfte sich das aber wieder einpendeln, weil sich die Unternehmen an die Lage anpassen würden.

In London bildeten sich trotz der von Premierminister Boris Johnson angekündigten verbesserten Versorgungslage erneut lange Schlangen vor Tankstellen. Treibstoff kann nicht in ausreichendem Umfang dorthin transportiert werden, weil Zehntausende Lkw-Fahrer fehlen.

“Der Handel leidet aber mittel- und langfristig vor allem aufgrund des Brexit”, fügte Hoppe hinzu. “Dadurch wächst die britische Wirtschaft schwächer.” Etwa ein Prozent ihres Wachstumspotenzials gehe ihr jährlich verloren. “Das dämpft auch die Nachfrage nach Waren aus Deutschland”, so der Experte.

Großbritannien droht in diesem Jahr erstmals seit 1950 der Abschied aus den Top Ten der wichtigsten deutschen Handelspartner. Im ersten Halbjahr sank der Warenverkehr zwischen beiden Ländern um 2,3 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro. Seit dem Brexit-Entscheid 2016 verliert das Großbritannien-Geschäft an Gewicht: Damals war das Vereinigte Königreich noch der fünftwichtigste Handelspartner hinter China, Frankreich, den USA und den Niederlanden.

“Gerade für kleinere Firmen lohnt es sich mitunter nicht mehr, den britischen Markt überhaupt noch zu bedienen”, sagte Hoppe. “Das ist für sie nach dem Brexit zu bürokratisch und teuer geworden.” Andere deutsche Unternehmen wiederum würden wegen des Brexit ihre Lieferketten simplifizieren. “Sie kommen nach Großbritannien und investieren hier, weil sie ihre Lieferketten verkürzen und bürokratische Hürden so umgehen wollen”, so der Wirtschaftsvertreter.

 

Großbritannien droht Abschied aus Top Ten der deutschen Handelspartner

Im ersten Halbjahr sank der Warenverkehr zwischen beiden Ländern um 2,3 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Damit liegt Großbritannien nur noch auf Rang elf, direkt hinter dem kleineren Tschechien. Seit dem Brexit-Entscheid 2016 verliert das Großbritannien-Geschäft an Gewicht: Damals war das Vereinigte Königreich noch der fünftwichtigste Handelspartner hinter China, Frankreich, den USA und den Niederlanden. “Der Bedeutungsverlust des Vereinigten Königreichs in der Außenhandelsstatistik ist die logische Konsequenz des Brexit”, sagte der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr, am Mittwoch zu Reuters. “Das sind vermutlich nachhaltige Effekte.”

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet, dass die Handelsbeziehungen weiteren Schaden nehmen könnten. “Aus Sicht der deutschen Wirtschaft ist es besorgniserregend, dass das Austrittsabkommen seit dem vollzogenen Brexit durch Großbritannien immer wieder infrage gestellt und teils auch gebrochen wird”, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. “Die britischen Pläne zum Abweichen von EU-Regeln und Standards etwa im Datenschutz, bei Lebensmitteln oder in der Chemie erhöhen die Unsicherheit für deutsche Unternehmen im UK-Geschäft.” Dies betreffe insbesondere den Transport- Automobil- und Chemiesektor.

WENIGER IMPORTE, MEHR EXPORTE

Die Einfuhren aus Großbritannien brachen von Januar bis Juni um fast elf Prozent auf 16,1 Milliarden Euro ein. Dabei fielen etwa die Lieferungen von Nahrungs- und Futtermitteln nach Deutschland um 38,5 Prozent, die von Textilien sogar um fast 53 Prozent und die von Pharmaprodukten um knapp 47 Prozent. “Für viele kleine britische Unternehmen bedeutete der Brexit den Verlust des Zugangs zu ihrem wichtigsten Exportmarkt, dem Binnenmarkt der Europäischen Union”, sagte der Präsident der British Chamber of Commerce in Germany, Michael Schmidt. “Das erklärt, warum die deutschen Importe aus Großbritannien jetzt im freien Fall sind.” Viele kleine Unternehmen könnten es sich einfach nicht leisten, all die neu hinzugekommenen Zollvorschriften einzuhalten – etwa Gesundheitszeugnisse im Lebensmittelbereich. Wegen neuer Handelshürden wie zusätzlichen Zollkontrollen seit Jahresbeginn hätten zudem viele deutsche Importeure ihre Einkäufe schon auf Ende 2020 vorgezogen. Diese Nachfrage fehle nun in diesem Jahr.

Die deutschen Exporte nach Großbritannien wuchsen dagegen im ersten Halbjahr, wenn auch nur um 2,6 Prozent auf rund 32,2 Milliarden Euro. “Viele deutsche Unternehmen sind daran gewöhnt, mit den verschiedenen Zollvorschriften auf der ganzen Welt umzugehen, da viele von ihnen schon seit Jahrzehnten in außereuropäische Länder exportieren”, sagte Schmidt dazu.

Experten sind sich dennoch einig, dass Großbritannien ein wichtiger Handelspartner bleiben wird. So werden in dieser Statistik nur Güter erfasst, aber keine Dienstleistungen – etwa mit Finanzprodukten. “Das Vereinigte Königreich ist für Deutschland beim Handel mit Dienstleistungen viel wichtiger als etwa China, das im Güterhandel dominiert”, sagte IfW-Präsident Felbermayr.