Boss-Chef will mit Zukauf weiterer Marken Modekonglomerat aufbauen

(Berichtigt Tippfehler im ersten Satz des zweiten Absatzes)

“Wir verfolgen einen Plattformansatz, der es uns ermöglicht, auch durch Zukäufe weiter zu wachsen”, sagte der 59-Jährige dem “Manager Magazin” laut Vorabbericht. “In Europa gibt es im Premiumbereich anders als in den USA noch keine größeren Spieler.” Daher sehe er hier Potenzial. “Wir haben mit Boss und Hugo bereits zwei starke Marken, die sich sehr gut ergänzen lassen.”

Grieder erklärte zudem, dass entgegen anders lautenden Berichten kurzfristig wohl keine Investoren bei Boss einsteigen. “Das steht meines Erachtens zur Zeit nicht zur Debatte.”

Der ehemalige Tommy-Hilfiger-Chef will den für seine Herrenanzüge bekannten Modekonzen auf Wachstum trimmen und dafür tief in die Tasche greifen. Allein für den Ausbau des Online-Geschäftes und die Erneuerung des stationären Einzelhandels will er 500 Millionen Euro in den kommenden Jahren in die Hand nehmen; 100 Millionen sind für Marketing vorgesehen und 150 Millionen für Digitalisierung.

 

Europas Börsen wieder auf Rekordkurs – Corona-Sorgen bleiben

Unterstützung komme außerdem von der anhaltend lockeren Geldpolitik der Notenbanken und der Attraktivität von Dividendenpapieren im Vergleich zu Anleihen, sagte Mark Haefele, Chef-Anleger der Vermögensverwaltung der Bank UBS.

Der breit gefasste Index Stoxx600 erreichte am Mittwoch mit 468,45 Punkten den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch. Dax und EuroStoxx50 gewannen jeweils rund ein halbes Prozent auf 15.656 beziehungsweise 4138 Punkte. Gleichzeitig fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein Sechs-Monats-Tief von minus 0,502 Prozent.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer seien die fallenden Coronavirus-Fallzahlen in Großbritannien, sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. “Das gibt Hoffnung, dass es im Rest Europas ebenso kommt.” In Asien werde die rasche Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante wegen geringer Impfquoten aber zum Problem, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. “Neue Lockdowns würden die bereits bestehenden Engpässe in den Lieferketten noch einmal verschärfen und damit auch die Inflation, die jetzt schon die Gewinnmargen der Unternehmen belastet, anheizen.”

Gespannt warteten Börsianer auf die Beschäftigtenzahlen der privaten US-Arbeitsagentur ADP. Experten rechnen für Juli mit dem Aufbau von 695.000 Stellen. Das entspricht dem Niveau des Vormonats. Die ADP-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf die offiziellen Arbeitsmarkt-Daten am Freitag. Von diesen wiederum lassen sich Rückschlüsse auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed ziehen. Deren Chef Jerome Powell hat mehrfach betont, dass sich der US-Arbeitsmarkt noch ein ganzes Stück verbessern müsse, bevor sein Haus die geldpolitischen Zügel wieder anzieht.

HUGO BOSS UND TAYLOR WIMPEY ÜBERZEUGEN MIT ZAHLEN

Am deutschen Aktienmarkt stiegen die Titel von Hugo Boss um bis zu drei Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 53,46 Euro. In Großbritannien und China erreichte der Absatz des Modekonzerns wieder das Niveau vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Außerdem stellte die Firma ein Wachstumsprogramm vor, mit dessen Hilfe der Jahresumsatz bis 2025 auf vier Milliarden Euro verdoppelt werden soll. Die operative Marge solle auf zwölf Prozent steigen.

Mit einem Kursplus von 3,2 Prozent gehörte Taylor Wimpey zur Spitzengruppe des Londoner Auswahlindex FTSE. Dank eines anhaltend starken britischen Immobilienmarktes hob der drittgrößte Eigenheimbauer des Landes seine Ziel für den operativen Gesamtjahresgewinn auf umgerechnet 963 Millionen Euro an. “Taylor Wimpey könnte einer der großen Pandemie-Gewinner werden”, sagte Analystin Laura Hoy vom Brokerhaus Hargreaves Landsdown. Der im Branchenvergleich aggressivere Kauf von Gründstücken werde sich bei einer anhaltend starken Baukonjunktur auszahlen.

COMMERZBANK UND SIEMENS ENERGY ENTTÄUSCHEN

Der erneute Rutsch in die roten Zahlen drückte die Commerzbank dagegen 5,2 Prozent ins Minus. Rechne man die Sonderposten allerdings heraus, liege das operative Ergebnis über den Erwartungen, gab Analystin Martina Matouskova von der Investmentbank Jefferies zu bedenken.

Abwärts ging es auch für Siemens Energy. Die Aktien des Energietechnik-Konzerns waren mit einem Minus von knapp drei Prozent Schlusslicht im Dax. Die Kappung der Margenziele komme zwar nicht überraschend, belaste aber trotzdem, sagte ein Börsianer. Die Tochter Siemens Gamesa sei weiterhin ein Bremsklotz und nicht der erhoffte Wachstumstreiber. Vor diesem Hintergrund erhöhte Siemens Energy den Druck auf das Management des Windkraftanlagen-Bauers. Dessen Aktien stiegen in Madrid um zwei Prozent.

 

Boss wagt Prognose für 2021 – Steigert Ergebnis und Umsatz im Quartal

Das Unternehmen geht nach eigenen Angaben vom Dienstag davon aus, den Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2021 um währungsbereinigt 30 Prozent bis 35 Prozent steigern zu können (2020: 1,946 Milliarden Euro). Dabei werde erwartet, dass alle Regionen zum Wachstum beitragen dürften. Darüber hinaus prognostizierte das im MDax notierte Unternehmen, dass sich das operative Ergebnis (Ebit) auf 125 Millionen Euro bis 175 Millionen Euro belaufen wird nach einem Minus von 236 Millionen Euro im Vorjahr. Zuletzt war der Vorstand einen präzisen Ausblick auf das Jahr 2021 wegen der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie schuldig gewesen.

Im zweiten Quartal legte der Konzernumsatz auf vorläufiger Basis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um währungsbereinigt 133 Prozent auf 629 Millionen Euro zu. Den operativen Gewinn bezifferte der mit seinen Herrenanzügen bekannt gewordene Modehersteller auf 42 Millionen Euro nach einem Minus von 250 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum.

 

Boss schafft Rückkehr in die Gewinnzone – Aktie im Aufwind

Gleichwohl blieb der Vorstand einen präzisen Ausblick auf das Jahr 2021 wegen der Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie schuldig. Vorstandssprecher Yves Müller erklärte am Mittwoch aber, er erwarte mit den Lockerungen der Corona-Regeln eine schrittweise Erholung. Im zweiten Quartal rechne er erneut mit einem operativen Gewinn (Ebit) und einer Verdoppelung der Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damals waren die meisten Läden weltweit wegen COVID-19 geschlossen.

“Aufgrund des anhaltenden Lockdowns haben die Menschen einfach Lust, wieder zu konsumieren und auch shoppen zu gehen”, sagte Müller. “Wenn die Social-Distancing-Maßnahmen aufgehoben werden, dann sehen wir den Aufholeffekt.” Erkennbar sei das bereits in Großbritannien, wo die Läden wieder söffneten. Dort sei Boss relativ zügig wieder auf Vorkrisen-Niveau zurückgekehrt.

Im ersten Quartal machten Boss allerdings noch die Filialschließungen in vielen Ländern zu schaffen. Der Konzern schrammte dank Kosteneinsparungen an einem Verlust vorbei und verbuchte operativ einen Gewinn (Ebit) von einer Million Euro nach einem Minus von 14 Millionen vor Jahresfrist. Netto reduzierte sich der Verlust um zehn Millionen Euro auf minus acht Millionen. Florierende Geschäfte in China und im Onlinehandel grenzten das Minus beim Umsatz auf zehn Prozent auf 497 Millionen Euro ein. An der Börse kamen die Nachrichten gut an: Die Aktie markierte mit einem Aufschlag von 4,5 Prozent auf 39,70 Euro ein Jahreshoch.

Boss bekommt ab 1. Juni mit dem ehemaligen Chef der Marke Tommy Hilfiger, Daniel Grieder, einen neuen Konzernlenker. Grieder ist seit mehr als 30 Jahren in der Modebranche unterwegs, wobei er den überwiegenden Teil in verschiedenen Funktionen für die Firma Tommy Hilfiger tätig war. Finanzvorstand Müller hatte nach dem Abgang von Mark Langer Ende September den Posten als Vorstandssprecher übergangsweise übernommen.