Bitcoin City bald in Salvador

Eine Stadt zu Ehren von Bitcoin

Anfang September wurde der Bitcoin (BTC) als offizielles Zahlungsmittel in Salvador akzeptiert. Zum ersten Mal auf der Welt werden Staatsanleihen mit der Unterstützung von Bitcoin ausgegeben, um den Aufbau einer ganzen Stadt zu finanzieren.

Erst letzte Woche fand die „Bitcoin Week Conference“, bei der es um den wachsenden Einfluss sowie der Akzeptanz der Kryptowährung ging. Mit der Einführung des BTC setzt Salvador den Coin dem US-Dollar gleich und trägt somit maßgeblich zu der Akzeptanz der Kryptowährung bei.

Am Sonntag, dem letzten Tag der Konferenz, kündigte der salvatorische Präsident Nayib Bukele, den Bau einer Stadt zu Ehren des BTC.

BTC Chart

Anleihen mit Bitcoin

Um das Projekt zu verwirklichen, werden die Kosten von Bitcoin City durch die Ausgaben von durch Bitcoin gedeckten Anleihen gedeckt. Denn Salvador hat Anleihen in Höhe on 1 Milliarde US-Dollar mit Bitcoin aufgenommen.

iFinex hat bekanntgegeben, dass die Muttergesellschaft der Krypto-Börse Bitfinex der Regierung von Salvador bei dem Aufbau der digitalen Wertpapierbörsenplattform helfen wird, um die Ausgabe von „Volcano Bond“ zu ermöglichen. Die Blockstream-Teams werden den Behörden bei der Ausgabe von den Bonds im Liquid Network helfen.

Dank der Demokratisierung durch Bitcoin und Kryptowährungen werden diese Bonds auf Salvador für alle Börsen zugänglich sein, da Investitionen schon ab 100$ möglich sein sollen.

BTC als gesetzliches Zahlungsmittel zu machen war schon ein großer Schritt für das lateinamerikanische Land und auch eine große Veränderung. Dies ist jedoch erste der Anfang. Es wurde bekannt, dass einer der nächsten Schritte der Aufbau einer BTC-Mining-Infrastruktur sein wird. Es bleibt auf jeden Fall sehr spannend, wie sich das Projekt entwickeln wird.

Inflation auf 31-Jahreshoch – Goldpreis und Minenaktien mit starken Zugewinnen – Technische Analyse zu Silber

Die Preise in den USA stiegen im Oktober um 6,2% zum Vorjahr an und schlugen damit die Markterwartung von +5,9%. Das war der höchste Anstieg der offiziell ausgewiesenen Konsumentenpreise seit 1991! Allein zum Vormonat September waren die Preise um 0,9% angestiegen. Die Kerninflationsrate, ex Nahrungsmittel und Energie, war mit 4,6% ebenso hoch wie zuletzt 1991.


Die Preise in den USA stiegen im Oktober so stark wie zuletzt vor 31 Jahren


Auch die Kerninflationsrate, ohne Lebensmittel und Energie, stieg mit 4,6% so stark wie zuletzt 1991

Während im letzten Jahr der Goldpreis stets auf die Veröffentlichung hoher Inflationszahlen abgestraft wurde, da Händler als Reaktion darauf ein künftig aggressives Tapering der US-Notenbank einpreisten, reagiert der Goldpreis seit zwei Monaten mit deutlichen Preisanstiegen.

Jeder, der im Vorfeld eines Taperings verkaufen wollte, hat bereits verkauft und gleichzeitig verstehen immer mehr Investoren, dass die hohen Preissteigerungsraten noch lange Zeit bleiben werden. Die FED hat sich in eine ausweglose Situation manövriert, aus der sie nicht mehr herauskommt und nun nur noch mit weiterem Gelddrucken verzweifelt um sich schlagen kann.

Das sozialistische Experiment, der zentralistisch, planwirtschaftlichen Geldpolitik der letzten 50 Jahre mit künstlich niedrigen Zinsen findet aktuell sein katastrophales Ende, wobei wir erst am Anfang der Zinswende und damit am Anfang einer mehrjährigen Rezession stehen.

Würde man die Inflationsrate nicht künstlich niedrig ausweisen, sondern richtig berechnen und somit auch den BIP-Deflator, so würden ersichtlich, dass sich die USA seit dem ersten Quartal 2020 unverändert in einer Rezession befinden. An diesem Punkt sei daran erinnert, dass die Preise in den USA nach der alten Berechnungsmethode, die man bis 1980 verwendet hat, im Oktober nicht um 6,4%, sondern um 14,27% zum Vorjahr angestiegen waren.

Auf den schockierend hohen Anstieg der Konsumentenpreise, nach dem rekordhohen Anstieg der Produzentenpreise um 8,7% am Dienstag, sprangen die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen nach oben und der inflationsbereinigte Realzins erreichte ein neues Rekordtief.

Würde die US-Notenbank nicht die Schulden ihrer Regierung aufkaufen und damit indirekte Staatsfinanzierung betreiben, so würden die Anleihenmärkte einbrechen und die Zinsen in den USA mindestens um 10% nach oben schießen, was die Wirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen würde. Aus diesem Grund können die Notenbanken weltweit ihre QE-Programme nicht einfach beenden.

Sie müssen graduell weiter Geld drucken und über viele Jahre hinweg die Realzinsen im negativen Bereich halten, um so eine Entschuldung des Kreditgeldsystems zu bewirken. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft werden ähnlich negativ sein und zudem größere Schäden nach sich ziehen, als ohnehin bereits angerichtet wurden, doch können so Regierungen und Banken auf Kosten der Sparer ihren Hals aus der Schlinge ziehen.

Es handelt sich bei all den Maßnahmen seit März 2020 um einen riesigen Bail Out, wodurch gewiefte Trader nach 2008 eine zweite Chance erhalten viel Geld an den Märkten zu verdienen.


Die reale Rendite einer zehnjährigen US-Staatsanleihe liegt aktuell bei -4,65%

Mit dem Sprung des Goldpreises über den Widerstand bei 1.830 US-Dollar wurde ein erneutes Kaufsignal erzeugt, nachdem es bereits in der Vorwoche ein Kaufsignal mit dem Anstieg über den Widerstand bei 1.800 US-Dollar gab. Der Goldpreis erreichte damit ein 5-Monatshoch!

Der große Gewinner der letzten Woche war wieder der HUI-Goldminenindex, dessen Aktien um 7,41% angestiegen waren. Dieser ging bei 278 Punkten ins Wochenende, nachdem er Anfang Oktober noch bei 225 Punkten sein Tief ausgelotet hatte – ein Plus von 23%.

Der Silberpreis konnte sogar über dem Widerstand bei 25 US-Dollar mit 25,40 US-Dollar ins Wochenende gehen, wobei es jetzt abhängig von der kurzfristigen Entwicklung des Goldpreises ist, ob Silber diesen Widerstand gleich überwinden und weiter Richtung 28 US-Dollar laufen kann oder ob hier erst einmal eine Verschnaufpause angesagt ist.

Platin stieg mit dem Goldpreis deutlich an und mit dem Sprung über den Widerstand bei 1.060 US-Dollar kamen weitere Spekulanten in den Markt, sodass fast 1.100 US-Dollar erreicht wurden. Der Palladiumpreis reagierte hingegen gar nicht auf die hohen Inflationszahlen.

Obwohl der Palladiumpreis bereits die letzten Abwärtstrends überwunden hat, versuchen die Spekulanten bisher nicht den Preis nach oben zu schieben. Der Chipmangel in der Automobilindustrie löst sich langsam auf und wird die Automobilproduktion wieder hochgefahren, so wäre ein erneutes Defizit am Palladiummarkt mit deutlich höheren Preisen noch einmal möglich.


Die Goldminenaktien stiegen in der letzten Woche um 7,4% an

Dank des Taperings der US-Notenbank stieg der US-Dollar-Index mit 95,5 Punkten auf den höchsten Stand seit über einem Jahr. Nachdem der Widerstand bei 94,50 überwunden wurde, ist ein weiterer Anstieg des US-Dollars wahrscheinlich in den kommenden Wochen, was den Goldpreisanstieg in US-Dollar ausbremsen könnte.

Den Goldpreis kümmerte in den letzten beiden Wochen die Dollarstärke jedoch nicht und stieg dennoch um 110 US-Dollar an. Der Euro befindet sich hingegen noch auf Talfahrt und entsprechend stärker war der Anstieg des Goldpreises in Euro. Die Dollarstärke dürfte sich im letzten Viertel des Anstiegs befinden, der jedoch kurzfristig noch einmal stark sein könnte, bevor der Dollar zyklisch wieder zur Schwäche neigen wird.

Die Zinsen steigen unterdessen weltweit immer weiter an, insbesondere die Kurzfristigen, weshalb die Zinskurven immer weiter abflachen. Wir befinden uns am Anfang eines Anleihen- und realen Aktienbärenmarktes, während die Edelmetalle, sowie die Gold- und Silberminen in den nächsten Jahren haussieren werden, ebenso wie in der Stagflation der siebziger Jahre.

Die Händler stellen sich zunehmend auf dieses Szenario ein und erwarten, dass die US-Notenbank früher aggressiv reagieren wird, nur um dann aufgrund eines exogenen Sündenbocks wieder zurückrudern zu können, da sonst das Teletubbie-Land, in der wir leben, sofort zusammenbrechen würde. Positionieren Sie sich also in den nächsten Jahren für steigende Zinsen, hohe Inflationsraten und steigende Edelmetallpreise sowie Goldminenaktien!


Durch das Tapering ist aktuell der US-Dollar der Einäugige unter den Blinden der Weltwährungen

Technische Analyse zu Silber

Terminmarkt: COT-Report vom 05.11.2021

Aufgrund eines US-Feiertages wurde die Veröffentlichung des neuesten COT-Reports seitens der Terminmarktaufsicht CFTC auf Montag, den 15.11.2021 um 20:30 Uhr verschoben, weshalb wir folgend die COT-Daten der Vorwoche analysieren:

Der Preis fiel zur Vorwoche um 66 US-Cent, wobei die Spekulanten gerade einmal 2,6 Tsd. Kontrakte short gingen. Dies zeigt Schwäche. Der COT-Index stieg wieder leicht auf 51 Punkte an.

Die Netto-Shortposition der Big 4 erhöhte sich von 34 auf 35 Tage der Weltproduktion und die der Big 8 erhöhte sich von 37 auf 40 Tage. Die Manipulation ist normal für diesen bisherigen Preisanstieg. Der Positionsaufbau ist mit 3 Tagen nur gering und spricht daher nicht gegen einen weiteren Preisanstieg.

Die Kleinspekulanten haben an dem Anstieg nicht teilgenommen, sondern Gewinne realisiert. Schlecht sind die COT-Daten hingegen im Verhältnis zum Open Interest, das stark gesunken ist in den letzten Monaten, was die absolut neutralen COT-Daten relativiert. Der Silberpreis zeigt weiterhin keine Stärke und es ist deutliche Schwäche seit dem Anstieg von 22$ auf 25$ zu sehen, was den Silberpreis anfällig für Rücksetzer macht.

Da Silber bisher Schwäche zeigte, droht ein Long-Drop, wenn Gold korrigiert. Deshalb ist es sehr wichtig Stop-Loss Orders zu platzieren oder an signifikanten Widerständen auch einmal Teilgewinne mitzunehmen.


Im Verhältnis zum Open Interest ist der COT-Index mit 23 Punkten nicht mehr bullisch


Der Positionsaufbau ist bisher gering und spricht nicht gegen einen weiteren Preisanstieg

Mit dem Ausbruch aus dem mittelfristigen Abwärtstrend wurde Mitte Oktober ein mittelfristiges Kaufsignal für den Silberpreis erzeugt. Nach einem ersten Anstieg auf den nächsten Widerstand bei 25 US-Dollar erfolgte ein Pull Back an das Ausbruchsniveau bei 23$, während der Goldpreis noch einmal die Unterstützung bei 1.760 US-Dollar getestet hatte. Dieser Rücksetzer erfolgte im Vorfeld der letzten US-Notenbanksitzung.

Nachdem das Tapering der Anleihenkäufe auf den Tisch lag und gänzlich eingepreist war, legten der Gold- und Silberpreis wieder zu, wobei der Silberpreis erneut den Widerstand bei 25 US-Dollar anlief. Zum einen hatte jeder, der aufgrund des Taperings verkaufen wollte nun verkauft und zum anderen hat die Ankündigung, dass die Anleihenkäufe fortgesetzt werden, sollte sich der wirtschaftliche Ausblick eintrüben, neue Käufer in den Markt gezogen.

Silber konnte die letzte Handelswoche mit 25,40 US-Dollar sogar über dem Widerstand bei 25 US-Dollar beenden, was zeigt, dass die Nachfrage zunimmt und weiterhin Kaufdruck da ist.

Charttechnisch ist die Situation weiterhin einfach. Über 23 US-Dollar bleibt der Silberpreis long, wogegen sich das bullische Setup negiert, wenn der Preis diese Unterstützung nach unten durchbricht. Kann der Goldpreis den Widerstand bei 1.870 US-Dollar rausnehmen und weiter auf 1.920 US-Dollar ansteigen, so würde Silber womöglich gleich weiter bis 27 oder 28 US-Dollar laufen.

Es gibt zwei Wermutstropfen.

  1. Aufgrund der Taperings befindet sich der US-Dollar womöglich in einer finalen Rallye, weshalb Gold bei 1.870 US-Dollar und Silber bei 25 US-Dollar kurzfristig scheitern könnten.
  2. Der Goldpreis ist in den letzten sieben Handelstagen, seit dem Test der Unterstützung bei 1.760 US-Dollar, bereits um 110 US-Dollar angestiegen, was kurzfristig viel ist und dafürspricht, dass es erst einmal eine Konsolidierung am Widerstand bei 1.870 US-Dollar geben sollte.

Insgesamt ist das Umfeld jedoch immer noch bullisch und nach einer Verschnaufpause dürfte der Silberpreis weiter ansteigen. Kurzfristig agierende Trader achten auf einen Bruch des kurzfristigen Aufwärtstrends und ein Unterschreiten der 25 US-Dollar-Marke.


Es besteht kurzfristig die Gefahr, dass Silber doch noch am Widerstand bei 25 US-Dollar scheitert

Im größeren Bild des Tagescharts wird eine große Handelsspanne zwischen 28 US-Dollar auf der Oberseite und 22 US-Dollar auf der Unterseite sichtbar. Nach dem Bruch des Abwärtstrends besteht eine gute Chance, dass der Preisanstieg mindestens bis 28 US-Dollar weiterlaufen wird.

Da der Silberpreis im Vergleich zum Goldpreis in den letzten Monaten schwach war, hängt der weitere Verlauf ganz von der Entwicklung des Goldpreises ab. Silber hinkt der Entwicklung des Goldpreises noch etwas hinterher, doch könnte Silber schnell aufholen, wenn es zu einer Kaufpanik kommt.


Seit dem Bruch des Abwärtstrends steigt der Silberpreis an

Langfristige Analyse

Silber handelte über fünf Jahre hinweg in einer Handelsspanne zwischen 14 US-Dollar auf der Unterseite und 19 US-Dollar auf der Oberseite. Seit dem bullischen Ausbruch Mitte 2020 ist das langfristige Chartbild sehr bullisch. Im Wochenchart ist das dreimalige Scheitern am Widerstand bei 28 US-Dollar noch deutlicher sichtbar und es hat sich eine Handelsspanne zwischen 22 US-Dollar auf der Unterseite und 28 US-Dollar auf der Oberseite etabliert.

Selbst ein Rücksetzer auf die Unterstützung bei 19 US-Dollar, was zuvor der langfristige Widerstand war, würde das übergeordnet charttechnisch bullische Bild nicht zerstören. Die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur auf 19$ hat mit dem Bruch des Abwärtstrends jedoch stark abgenommen.

Im nächsten Jahr ist ein Ausbruch aus dieser Handelsspanne über den Widerstand bei 28 US-Dollar wahrscheinlich, was den Silberpreis, spekulativ getrieben, schnell bis auf mindestens 36 US-Dollar hieven würde.

Mit einem möglichen Scheitern des Taperings bzw. fortgesetzten Anleihenkäufen, persistent hohen Inflationsraten und inflationsinduziert steigenden Zinsen, werden Gold und auch Silber zum Schutz vor Inflation zunehmend gefragt werden. Es dürfte sich dann über einige Jahre hinweg ein Defizit am physischen Markt entwickeln, das den Silberpreis weit über sein nominales Allzeithoch bei 50 US-Dollar tragen wird.


Silber handelt weiterhin in der Handelsspanne zwischen 22 US-Dollar auf der Unterseite und 28 US-Dollar auf der Oberseite

 

Zitterpartie um Evergrande-Zahlungen geht in die nächste Runde

Der Konzern kündigte am Mittwoch an, seine Beteiligung an der Shengjing Bank für 9,99 Milliarden Yuan (rund 1,3 Milliarden Euro) an eine staatliche Vermögensgesellschaft zu veräußern. Mit den Einnahmen sollen Schulden beglichen werden, die Evergrande bei der Bank hat. Zu einer am Mittwoch fällig werdenden Zinszahlung von 47,5 Millionen Dollar auf eine Auslands-Anleihe gab es dagegen vorerst keine Informationen. Vergangene Woche hatte das Unternehmen eine ähnliche Zahlfrist kommentarlos verstreichen lassen.

Ausländische Investoren machten sich auch dieses Mal wenig Hoffnungen. “Sie haben letzte Woche nicht gezahlt, und sie werden wohl auch dieses Mal nicht zahlen”, sagte der Berater eines internationalen Gläubigers. Allerdings gebe es ja noch die 30-tägige Nachfrist, nach der der Konzern erst offiziell in Verzug gerät. Die Gläubiger warteten deshalb derzeit ab und versuchten, das Schlimmste abzuwenden, sagte der Berater weiter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Bei Evergrande war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

SIGNALE AUS PEKING UND SHENZHEN LASSEN AKTIEN STEIGEN

Das erneute Schweigen des Immobilienriesen zu seinen internationalen Zahlungsverpflichtungen schürt den Verdacht einer Ungleichbehandlung in- und ausländischer Gläubiger. Schließlich geht es bei dem gleichzeitig eingefädelten innerchinesischen Anteilsverkauf weniger um die Stützung von Evergrande selbst als darum, dass mit der Shengjing Bank einer der größten heimischen Kreditgeber noch etwas von seinem Geld sieht. Die Bank fordert, dass der Evergrande-Konzern sämtliche Netto-Einnahmen aus dem Verkauf seiner Shengjing-Anteile zur Begleichung von Schulden bei der Bank nutzen muss. Bereits in der vergangenen Woche hatte Evergrande kurz vor dem Verstreichen der Zahlungsfrist auf einen Dollar-Bond eine Einigung mit heimischen Anlegern über einen Yuan-Bond erzielt.

Der Konzern, einst der Inbegriff des chinesischen Bau-Booms, steht bei Kunden, Banken und Anlegern mit mehr als 300 Milliarden Dollar in der Kreide. Bei Investoren stieg zuletzt die Hoffnung auf staatliche Hilfen. So signalisierte die chinesische Zentralbank Unterstützung für private Evergrande-Anleger. Der jüngste Deal mit dem staatlichen Vermögensverwalter signalisiert Beobachtern zufolge, wie die Pekinger Führung mithilfe eigener Unternehmen einen unkontrollierten Kollaps des Immobilienriesen verhindern will.

Die Signale aus Peking und vom Evergrande-Sitz in Shenzhen sorgten an den Börsen für Erleichterung. In Hongkong legte die gebeutelte Evergrande-Aktie am Mittwoch bis zu 17 Prozent zu.

 

Schuldenkrise bei China Evergrande wird zur Zitterpartie

Nach einem Medienbericht über geplante Zahlungsstopps bei Krediten an zwei Gläubigerbanken fürchteten Anleger einen Zusammenbruch des Konzerns und warfen am Donnerstag zunächst Aktien und Anleihen aus den Depots. Einem Insider zufolge gewährte einer seiner wichtigsten Gläubiger allerdings eine Verlängerung der Zahlungsfrist, was den Bonds des Unternehmens wieder etwas auf die Beine half.

Eine mit der Situation vertraute Person sagte zu Reuters, Evergrande sei eine Verlängerung einer Treuhanddarlehenszinszahlung an CITIC Trust eingeräumt worden. Der Konzern habe unter Berufung auf knappe Liquidität darum gebeten. Die Zahlung, die Ende August fällig gewesen war, solle um mindestens drei Monate hinausgezögert worden sein. Evergrande wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

An den Bondmärkten erholte sich die in Dollar notierte Anleihe des Konzerns mit Laufzeit bis Juni 2025 daraufhin teilweise von ihren Verlusten. “Dies könnte eine positive Nachricht sein, da damit ein Schlussstrich gezogen werden könnte”, sagte Siddharth Dahiya, zuständig für Unternehmensanleihen in Schwellenländern beim Vermögensverwalter Abrdn. “Aber wir wissen es nicht, es gibt sehr wenig Klarheit. Die erste Reaktion an den Märkten ist jedoch positiv.”

Zuvor hatte ein Bericht des Finanznachrichtendienstes REDD die Anleger vergrault, in dem von geplanten Aussetzungen von Zinszahlungen an zwei Gläubigerbanken die Rede war. Ab Mittwoch sollten zudem alle Zahlungen für seine Vermögensverwaltungsprodukte ausgesetzt werden, hieß es in dem Bericht. Daraufhin fiel der Preis für eine bis Januar 2023 laufende Anleihe des Unternehmens um 30 Prozent. Wegen der starken Turbulenzen hielt die chinesische Börse den Handel mit den Bonds zeitweise an. Die Aktien stürzten um bis zu 10,5 Prozent ab und notierten so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr. Aus dem Handel gingen sie 4,3 Prozent schwächer. Seit Jahresbeginn haben sie rund 75 Prozent verloren

WACHSTUM AUF PUMP UND REGULIERUNG WIRD ZUM VERHÄNGNIS

Im Juni war Evergrande mit Bond-Zinszahlungen in Verzug geraten, was die Talfahrt an den Börsen beschleunigt hatte. In den vergangenen Tagen hatte die Senkung der Bonitätsnoten durch die Ratingagenturen Moody’s, Fitch und China Chengxin International (CCXI) dann für einen Ausverkauf gesorgt. Investoren fürchten bei einem Zusammenbruch von Evergrande Schockwellen für das chinesische Bankensystem. Insgesamt soll der Immobilienkonzern auf einem Schuldenberg in Höhe von umgerechnet mehr als 300 Milliarden Dollar sitzen – das entspricht in etwas der Wirtschaftsleistung von Finnland. Vor rund einer Woche hatte der zweitgrößte Immobilienentwickler des Landes selbst vor Liquiditäts- und Ausfallrisiken gewarnt, falls es ihm nicht gelingen sollte, die Bautätigkeit wieder aufzunehmen, Beteiligungen zu verkaufen und Kredite zu erneuern.

In den vergangenen Jahren herrschte angesichts explodierender Immobilienpreise in China Goldgräberstimmung in dem Sektor. Evergrande wuchs rasant, mit Hilfe von kreditfinanzierten Landkäufen und Hausverkäufen zu niedrigeren Margen, um den Umsatz schneller in die Höhe zu treiben. Der Mann an der Spitze und Gründer des Konzerns, Hui Ka Yan, wurde 2017 mit einem Nettovermögen von rund 45 Milliarden Dollar vom Forbes-Magazin zum reichsten Mann Asiens gekürt. Die Regierung griff allerdings im Kampf gegen eine drohende Spekulationsblase immer härter durch und verhängte unter anderem vor kurzem Mietpreisbremsen, um bezahlbaren Wohnraum in den Millionenstädten zu schaffen.

 

Börsen im Rückwärtsgang – EZB-Sitzung wirft Schatten voraus

Diesseits des Atlantiks sorgten die nahenden geldpolitischen Beratungen der Europäischen Zentralbank (EZB) für zusätzliche Unruhe. Eine Kombination aus hohen Erwartungen, hohen Bewertungen und einer schwächelnden Konjunktur machten weitere Aktienkäufe unattraktiv, sagte Jeffrey Carbone, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Cornerstone.

Dax und EuroStoxx50 fielen am Dienstag um jeweils rund ein halbes Prozent auf 15.843,09 beziehungsweise 4226,05 Punkte. An der Wall Street büßte der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,7 Prozent ein.

TAPERN ODER NICHT TAPERN – DAS IST HIER DIE FRAGE

Bei der EZB-Sitzung am Donnerstag drehe sich alles um Signale für eine Reduzierung der Wertpapierkäufe (Tapering), sagte Andrea Cicione, Chef-Anlagestratege des Research-Hauses TS Lombard. Sollten sich die Währungshüter für eine Drosselung des Notfall-Ankaufprogramms PEPP entscheiden, würden Investoren nach Hinweisen suchen, dass im Gegenzug andere Ankaufprogramme aufgestockt werden.

Die jüngsten Konjunkturdaten wie der enttäuschende ZEW-Index, der die Stimmung der deutschen Börsenprofis widerspiegelt, machten der EZB-Führung die Entscheidung nicht einfacher, warf Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank, ein. “Die Knappheit vieler Produkte und gestiegene Agrarpreise lassen die mittelfristigen Inflationsrisiken steigen, gleichzeitig kühlt sich die Konjunktur ab.”

Am Bondmarkt rechneten Anleger mit einer nachlassenden Notenbank-Nachfrage und trennten sich von europäischen Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundestitel auf ein Zwei-Monats-Hoch von minus 0,313 Prozent. Die steigenden Renditen dämpften die Attraktivität von Gold, das keine Zinsen abwerfe, sagte Analyst Ole Hansen von der Saxo Bank. Das Edelmetall verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 1798 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

SOFTBANK STÖSST ZUM “TEAM TELEKOM”

Bei den Unternehmen rückte die Deutsche Telekom ins Rampenlicht. Der Konzern tauscht mit dem japanischen Technologie-Investor Softbank eigene Aktien in Anteile von T-Mobile. Der Deal sei vorteilhaft für die Telekom, da sie die Papiere des US-Mobilfunkers mit einem deutlichen Abschlag im Vergleich zum Schlusskurs vom Montag erhalte, konstatierte Analyst Ulrich Rathe von der Investmentbank Jefferies.

Gleichzeitig verkauft der Bonner Konzern sein gemeinsam mit Tele2 gehaltenes Niederlande-Geschäft für 5,1 Milliarden Euro an Finanzinvestoren. Dies sei mehr als erwartet, kommentierte Analyst Javier Correonero vom Research-Haus Morningstar. Die Einnahmen will die Telekom unter anderem dafür nutzen, um die Beteiligung an T-Mobile auf insgesamt 48,4 Prozent zu erhöhen. Längerfristiges Ziel ist den Angaben zufolge die Mehrheit.

Die Aktien der Telekom konnten ihre anfänglichen Gewinne von bis zu drei Prozent allerdings nicht halten und schlossen kaum verändert bei 17,91 Euro. Tele2-Titel stiegen in Stockholm zunächst auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 136,20 Schwedischen Kronen, rutschten anschließend aber 0,6 Prozent ins Minus. T-Mobile gewannen an der Wall Street 0,2 Prozent.

In Amsterdam reagierten die Papiere von KPN mit einem Kursplus von 4,3 Prozent auf den Verkauf von T-Mobile NL. Anleger seien erleichtert, dass der Mobilfunker entgegen früheren Medienberichten nicht an den indischen Konzern Reliance geht, sagten Börsianer. Dieser hätte voraussichtlich den Wettbewerbsdruck erhöht.

 

Wachstum der Kreditvergabe schwächt sich im Euro-Raum weiter ab

Die Geldhäuser vergaben im Juli 1,7 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen als vor Jahresfrist, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mitteilte. Im Juni hatte das Plus bei 1,8 Prozent gelegen. Allerdings spielt eine wichtige Rolle, dass vor einem Jahr die Firmen im Zuge der ersten Pandemie-Welle in Europa noch besonders stark nach Bankdarlehen nachgefragt hatten. An die Privathaushalte reichten die Banken im Juli 4,2 Prozent mehr Kredite aus, nach 4,0 Prozent im Juni.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält derzeit ihre Geldschleusen weit offen, um für günstige Finanzierungsbedingungen im Euro-Raum während der Pandemie zu sorgen und den Kreditfluss an die Wirtschaft aufrecht zu erhalten. So erwirbt sie weiterhin deutlich mehr Anleihen im Rahmen ihres Pandemie-Kaufprogramms PEPP als in den ersten Monaten des Jahres. Im Juli wurden Staatsanleihen, Firmenbonds und andere Wertpapiere im Volumen von 88 Milliarden Euro gekauft.

Die Geldmenge M3 nahm im Juli um 7,6 Prozent zu. Ökonomen hatten einem Anstieg um 7,7 Prozent gerechnet. Zu M3 zählen unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten und Geldmarktpapiere. Die Entwicklung dieser Messgröße wird von Volkswirten genau verfolgt. Eine starke Zunahme von M3 kann auf mittlere bis lange Sicht ein Indiz für eine steigende Inflation sein.

 

Europas Börsen bleiben auf Tuchfühlung mit Rekordhochs

Die Optimisten täten zwar ihr Bestes, die Aufwärtsdynamik aufrecht zu erhalten, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. “Sie haben aber Schwierigkeiten, die Kurse auf Rekordniveau zu bringen.” Dax und EuroStoxx50 fielen am Mittwoch um jeweils 0,2 Prozent auf 15.437 beziehungsweise 4029 Punkte. Der breit gefasste Stoxx600 lag ebenfalls leicht im Minus bei 444,70 Zählern.

Die Notenbanken boten den Börsen keinen Rückenwind. Die Fed-Führung wiederhole zwar gebetsmühlenartig, dass die Geldpolitik locker bleibe, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Andeutung des Vize-Chefs Richard Clarida, dass eine Debatte über eine Drosselung der Wertpapierkäufe näher rücke, bedeute allerdings eine leichte Veränderung der Tonlage. Daher scheuten Investoren vorerst weitere Aktienkäufe.

ANLEIHEN GEFRAGT – EURO UNTER DRUCK

So lange sich die US-Notenbank nicht bewege, werde auch die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer bisherigen Geldpolitik festhalten, sagte Anlagestratege Max Kettner von der HSBC Bank. Sie wolle nicht ihren Fehler von 2011 wiederholen, als sie der Fed mit Zinserhöhungen vorgegriffen habe. Im anschließenden Konjunkturzyklus habe die Euro-Zone den USA beim Wachstum hinterhergehinkt.

Unterdessen entspannte sich die Lage am Bondmarkt weiter. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel auf minus 0,203 Prozent. Gleichzeitig verbilligte sich der Euro auf 1,2226 Dollar.

GOLD EROBERT 1900ER MARKE ZURÜCK – KUPFER IM AUFWIND

Fallende Anleiherenditen machten Gold attraktiver. Das Edelmetall verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1905 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). “Auch einige Zentralbanken haben offenbar ihre Kaufzurückhaltung abgelegt”, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. “Zusammen mit der erwartet höheren Konsumenten- und der wieder anziehenden Investmentnachfrage sollte dies dem Goldpreis Auftrieb geben.”

Mit Kupfer deckten sich Investoren ebenfalls ein. Dies trieb den Preis für das Industriemetall um 0,5 Prozent auf 9971 Dollar je Tonne. Anleger fürchteten Angebotsengpässe durch drohende Bergarbeiterstreiks im wichtigen Exportland Chile, sagten Börsianer.

Gleichzeitig pendelte Bitcoin um die Marke von 40.000 Dollar. Derzeit herrsche ein Tauziehen zwischen denjenigen, die eine strengere Regulierung des Kryptowährungssektors befürchteten, und denjenigen, die den jüngsten Kursrutsch als Einstiegsgelegenheit sähen, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

MARKS & SPENCER TROTZ GEWINNEINBRUCH IM PLUS

An der Londoner Börse stiegen die Aktien von Marks & Spencer zeitweise um gut acht Prozent auf ein 15-Monats-Hoch von 168,6 Pence, obwohl der Einzelhändler einen Gewinneinbruch bekanntgegeben hatte. Der Ausblick für das angelaufene Geschäftsjahr 2021/2022 liege aber über den Markterwartungen, kommentierte Analyst Ioannis Pontikis vom Research-Haus Morningstar.

Die Titel von Spire stiegen sogar auf ein Drei-Jahres-Hoch von 249 Pence und steuerten mit einem Plus von bis zu 29 Prozent auf den größten Tagesgewinn der Firmengeschichte zu. Der australische Rivale Ramsay will den Krankenhaus-Betreiber für 240 Pence je Aktie oder umgerechnet insgesamt 1,16 Milliarden Euro übernehmen. Gegenofferten seien zwar nicht zu erwarten, kommentierte Analyst Graham Doyle von der Investmentbank Liberum. Allerdings könne es kartellrechtliche Probleme geben.

 

Villeroy (EZB) – Überlegungen zu weniger Anleihenkäufe sind “spekulativ”

Das PEPP getaufte Kaufprogramm soll nach den bisherigen Überlegungen der Europäischen Zentralbank (EZB) noch bis Ende März 2022 fortgesetzt werden. “Jegliche Überlegungen für eine Verringerung unserer Käufe davor – was manchmal technisch als ‘tapering’ oder ‘ausphasen’ bezeichnet wird – ist rein spekulativ”, sagte das EZB-Ratsmitglied am Dienstag zu France Info. Die Euro-Wächter haben im Rahmen von PEPP bereits Staatsanleihen, Firmenanleihen und andere Bonds im Volumen von rund einer Billion Euro erworben.

Selbst wenn die EZB ihre PEPP-Käufe verringern würde, bliebe die Geldpolitik immer noch konjunkturstützend, sagte Villeroy de Galhau. Das zu Beginn der Pandemie im März 2020 aus der Taufe gehobene Programm ist zurzeit eine der wichtigsten Waffen der EZB im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise. Es wurde bereits zweimal aufgestockt. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot hatte Anfang April die Möglichkeit ins Auge gefasst, dass die EZB bei einer kräftigen Erholung der Wirtschaft ab dem dritten Quartal langsam beginnen könne, die PEPP-Käufe herunterzufahren und auslaufen zu lassen.

 

Finanzausschuss gibt grünes Licht für rein elektronische Wertpapiere

“Statt Urkunden in Tresoren reicht zukünftig die Eintragung in ein digitales Register”, sagte CDU-Politiker Johannes Steiniger am Mittwoch. Das Gesetz zur Einführung elektronischer Wertpapiere sei ein erster wichtiger Schritt. Nach dem grünen Licht im Finanzausschuss gilt die Zustimmung im Plenum des Bundestages als sicher.

Die finanzpolitische Sprecherin der Union, Antje Tillmann, ergänzte, es werde ein Punkt aus der Blockchain-Strategie der Bundesregierung umgesetzt. “Anleihe-Emissionen lösen wir aus dem starren Korsett des Wertpapierrechts, das bislang zwingend die Verbriefung in einer Papierurkunde verlangt. Künftig wird die Papierform durch eine Eintragung entweder in ein bei einem Zentralverwahrer geführtes Register oder in dezentrale, auf der Blockchain-Technologie basierende, sogenannte Kryptowertpapierregister ersetzt.” Auch für andere Wertpapiere wie Aktien sei eine rein elektronische Emission angedacht. Dies werde momentan noch von der Bundesregierung geprüft.