AstraZeneca vereinbart Milliondeal für RNA-Technologie

Mit dem Startup VaxEquity, das von dem Impfstoffexperten Robin Shattock vom Imperial College London gegründet wurde, sei eine Partnerschaft zur Entwicklung neuer Medikamente auf Basis dieser Technologie vereinbart worden, teilte AstraZeneca am Donnerstag mit. VaxEquity erhalte dafür von AstraZeneca eine Zahlung von bis zu 195 Millionen Dollar, wenn bestimmte Meilensteine im Zuge der Kooperation erreicht werden. Zudem winkten Lizenzgebühren an den Produkten. Vereinbart wurde den Angaben zufolge ferner eine Kapitalbeteiligungen von AstraZeneca und dem Life-Science-Investor Morningside Ventures.

AstraZeneca hat im Rahmen der Vereinbarung die Möglichkeit, an 26 Wirkstoff-Zielstrukturen für den Einsatz in therapeutischen Gebieten wie Krebs und seltenen genetischen Erkrankungen zusammenzuarbeiten. Im Fokus der Partnerschaft steht die so genannte selbstverstärkende RNA-Technologie. Sie funktioniert ähnlich wie die der Boten-RNA (mRNA)-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna. Ein selbstverstärkender RNA-Impfstoff enthält jedoch nicht nur den genetischen Code, der es Zellen erlaubt, zielgerichtet Proteine herzustellen. Er erstellt auch viele Kopien der RNA, die diese Anweisungen enthält, weshalb die Dosen kleiner und günstiger sein könnten.

 

Boomender Pharma-Zulieferer Lonza stellt mehr Mitarbeiter ein

Der Schweizer Konzern wolle dafür 2000 Mitarbeiter einstellen, sagte Firmenchef Pierre-Alain Ruffieux am Freitag auf einer Telefonkonferenz. Im ersten Halbjahr habe Lonza, die unter anderem den Wirkstoff für den Corona-Impfstoff des US-Biotechnologiekonzerns Moderna herstellt, 1000 zusätzliche Angestellte rekrutiert. “Wir müssen in der Lage sein, unsere Verpflichtungen in der Produktion zu erfüllen”, sagte Ruffieux. Zur Jahresmitte beschäftigte das Basler Unternehmen 14.405 Personen.

Wegen der Nachfrage nach Primärimpfstoffen und möglicherweise auch Auffrischungsimpfstoffen ist Moderna dabei, die Produktion seines Corona-Impfstoffs hochzufahren. Um die angepeilten Mengen zu erreichen, soll unter anderem Lonza mehr produzieren. Im Lonza-Werk Visp im Kanton Wallis werden drei zusätzliche Produktionslinien gebaut, im niederländischen Geleen eine weitere. Sie sollen ihren Betrieb im frühen Jahresverlauf 2022 beziehungsweise Ende 2021 aufnehmen. Neben Moderna hat sich Lonza auch Covid-Aufträge von AstraZeneca, Capriocor Therapeutics and Humanigen gesichert.

Die Impfstoffe trugen dazu bei, dass der bereinigte Umsatz des Unternehmens im ersten Halbjahr um 14,7 Prozent auf 2,5 Milliarden Franken zulegte. Der um Sonderposten bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) stieg um 13,1 Prozent auf 847 Millionen Franken. Wegen des florierenden Geschäfts hob Lonza die Prognose an. Neu peilt das Unternehmen ein Wachstum der Verkaufserlöse um einen mittleren zweistelligen Prozentbetrag an. Bisher hatte Lonza einen Anstieg um einen niedrigen zweistelligen Prozentbetrag in Aussicht gestellt. Die bereinigte Betriebsgewinnmarge (Ebitda) soll sich im Einklang mit der für 2023 angepeilten Zielsetzung von 33 bis 35 Prozent verbessern.

Die Marge von 33,3 Prozent im ersten Halbjahr sei angesichts der laufenden Expansion überraschend hoch und sorge für eine größere Zuversicht, dass der Konzern seine Mittelfrist-Ziele auch erreiche, erklärte ZKB-Analyst Daniel Buchta. An der Börse kletterten Lonza-Aktien auf ein Rekordhoch.

 

Münchener IT-Firma Celonis sammelt 1 Mrd Dollar ein – Erstes “Decacorn”

Das IT-Unternehmen hat seine Bewertung damit auf elf Milliarden Dollar mehr als vervierfacht, wie Celonis am Mittwoch mitteilte. Zudem wurde der ehemalige Google-Manager Carlos Kirjner zum Finanzvorstand bestellt. In Medienberichten hieß es, er solle Celonis bei der Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang helfen. Deutschland hat damit sein erstes “Decacorn”. So werden Startups bezeichnet, die mehr als zehn Milliarden Dollar wert sind.

Celonis bietet Unternehmen Software-Tools an, mit denen diese ihre Geschäftsprozesse steuern können und setzt dabei auch auf Künstliche Intelligenz. Einer der großen Konkurrenten ist der Walldorfer IT-Konzern SAP. Kunden von Celonis sind unter anderem Bosch, AstraZeneca, Coca-Cola, Siemens und Vodafone. Weltweit arbeiten für das 2011 gegründete Unternehmen 1300 Mitarbeiter.

“Celonis hat ein massives Marktpotenzial, um eine neue und moderne Art der Unternehmenssteuerung zu schaffen”, sagte der Investor Henry Ellenbogen von Durable Capital Partners, der die jetzige Finanzierungsrunde zusammen mit der Beteiligungsfirma T. Rowe Price Associates anführt. 2019 sammelte Celonis zuletzt Geld von Investoren ein, das Volumen lag damals bei 290 Millionen Dollar.

 

Konjunkturoptimisten hieven Dax auf Rekordhoch

Der Dax stieg am Dienstag um bis zu 0,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 15.538,01 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann ähnlich stark und notierte mit 4043,21 Zählern so hoch wie zuletzt vor mehr als 13 Jahren.

Die Lockerung der Pandemie-Restriktionen in einigen europäischen Staaten stütze die Einschätzung, dass die Normalisierung der Wirtschaft auf gutem Weg sei, sagte Volkswirtin Simona Gambarini vom Research-Haus Capital Economics. “Das wird konjunkturabhängigen Werten besonderen Schub geben.” Dies wiederum mache heimische Aktien im Vergleich zu US-Papieren attraktiver, ergänzte Anlagestratege Christian Stocker von der HVB-Mutter UniCredit. “Die Gewichtung zyklischer Werte ist in Europa relativ gesehen höher.” Vor diesem Hintergrund stiegen die Indizes für die europäischen Öl– und Gaskonzerne, die Minenbetreiber und die Autobauer um bis zu 1,5 Prozent.

DOLLAR UNTER DRUCK – FED-PROTOKOLLE IM BLICK

Am Tag vor Veröffentlichung der jüngsten Fed-Protokolle ging es für die US-Währung dagegen bergab. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, fiel zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief von 89,749 Punkten. Offenbar gingen immer mehr Investoren davon aus, dass die US-Notenbank trotz der anziehenden Inflation an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten wird, sagte Analyst Ricardo Evangelista vom Brokerhaus Activtrades.

Die Schwäche der Weltleitwährung machte Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver. Unter anderem deshalb kletterte der Preis für das auch als Inflationsschutz genutzte Gold um bis zu 0,4 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Hoch von 1873,41 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Parallel dazu erreichte die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee mit 70,24 Dollar je Barrel (159 Liter) ein Zweieinhalb-Monats-Hoch. Zusatzschub erhalte sie vom wachsenden Konjunktur-Optimismus dank der Impf-Erfolge in den Industriestaaten, sagte Analyst Tamas Varga vom Brokerhaus PVM. “Die Volkswirtschaften schalten einen Gang hoch.” Dies schüre Hoffnungen auf einen baldigen Anstieg der Öl-Nachfrage.

ANLEGER SPITZEN BEI SONOVA-AUSBLICK DIE OHREN

Bei den europäischen Aktienwerten stach Sonova mit einem Kurssprung von zeitweise fast zwölf Prozent heraus. Mit 291,20 Franken waren die Titel des weltgrößten Hörgeräte-Herstellers in Zürich so teuer wie noch nie. Sowohl die vorgelegten Zahlen als auch der Ausblick lägen über den Markterwartungen, kommentierte Analyst Kit Lee von der Investmentbank Jefferies.

In London gewannen die Papiere von Oxford Biomedica ebenfalls etwa zwölf Prozent auf 1120 Pence und steuerten auf den höchsten Schlusskurs seit 13 Jahren zu. Dank eines ausgeweiteten Auftrags zur Fertigung des Coronavirus-Impfstoffs von Astrazeneca peilt das Unternehmen für das laufende Jahr Erlöse aus diesem Deal von umgerechnet 116 Millionen Euro an, doppelt so viel wie bisher.

Enttäuscht reagierten Investoren dagegen auf den Ausblick von Iliad. Der französische Mobilfunker will wegen hoher Investitionen in die neue Übertragungstechnik 5G seine Ziele für den Mittelzufluss korrigieren. Iliad-Aktien brachen daraufhin in Paris um gut zehn Prozent ein. Das ist der größte Kursrutsch seit mehr als einem Jahr. Parallel dazu rutschten die Aktien des Rivalen Vodafone um 6,4 Prozent ab. Investoren nähmen die Aussagen des britischen Konzerns zu höheren 5G-Investitionen zum Anlass, Gewinne mitzunehmen, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

 

Corona-Impfstoff lässt bei Pfizer die Kassen klingeln

Der US-Pharmakonzern hob sein Jahres-Umsatzziel für das zusammen mit dem Mainzer Biotechunternehmen BioNTech entwickelte Covid-19-Vakzin auf 26 Milliarden Dollar an von zuvor 15 Milliarden, wie der US-Pharma-Konzern am Dienstag mitteilte. Dabei geht das Management davon aus, dass in diesem Jahr 1,6 Milliarden Impfdosen ausgegeben werden. Insgesamt soll der Konzernumsatz 2021 auf 70,5 bis 72,5 Milliarden Dollar in die Höhe schnellen. Anfang des Jahres hatte Pfizer noch erwartet, bis zu 61,4 Milliarden Umsatz zu erreichen – was auch schon ein Zuwachs von 47 Prozent gewesen wäre. Bei den Anlegern kamen die positiven Aussichten gut an: Die Aktien legten vorbörslich um 1,5 Prozent zu.

UMSATZ- UND GEWINNSPRUNG IM ERSTEN QUARTAL

Im ersten Quartal 2021 stiegen die Erlöse und das Nettoergebnis im Konzern um 45 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar beziehungsweise 4,9 Milliarden. Allein mit dem COVID-Vakzin verbuchte Pfizer einen Umsatz von 3,5 Milliarden Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen von 3,28 Milliarden.

Pfizer-Chef Albert Bourla rechnet mit anhaltenden Einnahmen aus dem Vakzin. “Basierend auf dem, was wir derzeit beobachten, glauben wir, dass die Nachfrage nach dem COVID-19-Impfstoff dauerhaft sein wird wie bei den Grippeimpfstoffen”, sagte er.

Das Vakzin, das für volle Wirksamkeit zwei Mal verimpft werden muss, hat in Studien eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent erreicht. Das wäre mit den Impfstoffen von Moderna vergleichbar und höher als die von AstraZeneca und Johnson & Johnson.

Moderna hat für 2021 einen Umsatz von 18,4 Milliarden Dollar mit seinem COVID-19-Impfstoff prognostiziert.

Pfizer hatte im Frühjahr 2020 eine Partnerschaft mit BioNTech über die Entwicklung und Vermarktung des Covid-19-Impfstoff des deutschen Unternehmens außerhalb Chinas vereinbart. Ein Glücksgriff für Pfizer: Es wurde das weltweit erste erfolgreich zugelassene Vakzin gegen Covid-19 mit Notfallgenehmigungen in Großbritannien Anfang Dezember, gefolgt von den USA und der EU noch vor Weihnachten. Kosten und Bruttogewinn aus dem Impfstoff werden zwischen Pfizer und BioNTech zu 50 Prozent aufgeteilt.