Kreditvergabe an Unternehmen kurz vor EZB-Zinswende kräftig gestiegen

Frankfurt (Reuters) – Die Kreditnachfrage der Unternehmen im Euro-Raum hat kurz vor der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) noch einmal stark zugenommen.

Banken vergaben im Juni 6,8 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen als vor Jahresfrist, wie die EZB am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Das ist der deutlichste Anstieg seit Februar 2021. Im Mai hatte das Plus noch bei 5,8 Prozent gelegen, nach 5,2 Prozent im April. An die Privathaushalte reichten die Geldhäuser im Juni 4,6 Prozent mehr Kredite aus als im Vorjahreszeitraum. Das ist das stärkste Wachstum seit Ende 2008. Auch im Mai und April hatte das Plus in dieser Höhe gelegen.

Ein Faktor hinter der stärkeren Kreditvergabe an Unternehmen ist die Erwartung höherer Zinskosten für Darlehen im Zuge der Zinswende der EZB. Die Währungshüter haben sich inzwischen mit einer unerwartet kräftigen Zinserhöhung gegen den massiven Inflationsschub in der Währungsgemeinschaft gestemmt. Die Teuerung liegt mittlerweile auf dem Rekordniveau von 8,6 Prozent. Die EZB setzte deshalb vergangene Woche den Leitzins gleich um einen halben Prozentpunkt nach oben auf nunmehr 0,50 Prozent. Für die Euro-Notenbank ist das eine geldpolitische Zäsur: Es war die erste Zinserhöhung seit 2011.

Das Wachstum der Geldmenge M3 lag im Juni bei 5,7 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit mehr als zwei Jahren. Hier hatten Ökonomen 5,4 Prozent erwartet. Im Mai hatte das Wachstum bei 5,8 Prozent gelegen. Zu M3 zählen unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten sowie Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen. Volkswirte achten auf die Entwicklung der Geldmenge genau. Denn auf mittlere bis lange Sicht kann eine stark wachsende Geldmenge ein Anzeichen für eine steigende Inflation sein. Der EZB liefern die monatlichen Daten zu Geldmenge und Kreditvergabe eine wichtige Orientierung für die Festlegung ihrer Geldpolitik.

(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Ukraine – Russland setzt Angriffe auf Süden des Landes fort

Kiew (Reuters) – Russland setzt nach ukrainischen Angaben seine Angriffe auf den Süden des Landes fort.

Russische Truppen hätten die Infrastruktur des Hafens der Region Mykolaiw angegriffen, sagte der Bürgermeister der Stadt, Olexandr Senkewitsch, dem ukrainischen Staatsfernsehen am Dienstag. “Ein massiver Raketenangriff auf den Süden der Ukraine wurde aus Richtung des Schwarzen Meeres und unter Einsatz der Luftwaffe gestartet.” Einzelheiten über die Folgen des Angriffs nannte er nicht. Auch die Region Odessa sei erneut angegriffen worden, sagte ein Sprecher der Militärverwaltung. Eine Rakete, die aus Richtung des Schwarzen Meeres gekommen sei, sei eingeschlagen. Details wie mögliche Opfer nannte auch er nicht.

Bereits am Samstag hatte Russland der Ukraine zufolge die Hafenanlagen von Odessa angegriffen und damit den Vertrag zur Freigabe von Getreideexporten nur einen Tag nach dessen Abschluss gebrochen. Die ukrainischen Häfen sind seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar durch die russische Schwarzmeerflotte blockiert. Allein in Odessa stecken in den Silos rund 20 Millionen Tonnen Getreide fest.

Die Ukraine zählt zu den weltweit größten Getreide-Exporteuren. Mit dem am Freitag getroffenen Abkommen sollten drei Häfen für den Export wieder freigegeben werden. Russland weist die Anschuldigungen, die Vereinbarung verletzt zu haben, zurück. Es habe Odessa zwar angegriffen, Ziel seien aber militärische Einrichtungen gewesen. So seien ein ukrainisches Kriegsschiff und von den USA gelieferte Raketen zerstört worden. Großbritannien zufolge gibt es aber keine Anzeichen, dass ein ukrainisches Kriegsschiff oder die Raketen am Sonntag im Hafen von Odessa gewesen seien. Das teilte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf Geheimdienste am Dienstag mit.

(Bericht von Pavel Polityuk, geschrieben von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)

Russland dreht Gashahn weiter zu – Liefermenge auf 20 Prozent halbiert

Moskau/Berlin (Reuters) – Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 hat die russische Gazprom eine Halbierung der Liefermenge angekündigt.

Der russische Staatskonzern teilte am Montag mit, die Gaslieferungen würden auf 33 Millionen Kubikmeter pro Tag von mehr als 160 Millionen Kubikmetern bei voller Kapazität verringert. Dies werde ab Mittwoch gelten. Dies entspräche einer Pipeline-Auslastung von etwa 20 Prozent. Derzeit läuft sie mit etwa 40 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, es beobachte die Lage mit der Bundesnetzagentur und dem Krisenteam sehr genau. “Es gibt nach unseren Informationen keinen technischen Grund für eine Reduktion der Lieferungen”, sagte eine Sprecherin.

Erst am Donnerstag voriger Woche hatte Gazprom nach einer zehntägigen Wartungsunterbrechung wieder Gas durch die Pipeline geschickt. Die erneute Verringerung begründete der Konzern nun damit, dass eine weitere Turbine gewartet werden müsse.

Der Chef der für die Regulierung der Gasmärkte zuständigen Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hatte zunächst mitgeteilt, die Anmeldungen für den Pipeline-Gasfluss seinen bereits für Dienstag halbiert worden. Er korrigierte sich aber kurz darauf, und erklärte, die Nominierungen bezögen sich auf Mittwoch.

Gazprom hatte zuvor im Streit um eine Gasturbine von Siemens Energy nachgelegt, die zur Wartung in Kanada war und nun von Deutschland aus nach Russland zurückgelangen soll. Das Unternehmen habe Unterlagen von Siemens Energy erhalten, aber es seien immer noch Fragen offen im Zusammenhang mit den von der EU und Großbritannien verhängten Sanktionen.

Das Wirtschaftsministerium widersprach dieser Darstellung. Dort herrscht ohnehin die Einschätzung, die bereits gewartete Turbine werde von Russland nur als Vorwand genutzt, um den Gasdurchfluss zu reduzieren und damit im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine Druck auf Deutschland und die Europäische Union (EU) auszuüben. “Die sanktionsrechtlichen Genehmigungsvoraussetzungen für die Auslieferung der in Rede stehenden Turbine liegen vor”, sagte eine Sprecherin. “Kanada hat die nach kanadischem Recht notwendige Ausnahmegenehmigung erteilt. Nach dem EU-Sanktionsrecht ist keine Ausnahmegenehmigung erforderlich.”

Siemens Energy erklärte, der Transport der Turbine sei vorbereitet und könne sofort starten. “Siemens Energy hatte bereits Anfang letzter Woche alle erforderlichen Dokumente für die Ausfuhr von Deutschland nach Russland vorliegen und Gazprom darüber auch informiert. Was allerdings fehlt, sind erforderliche Zolldokumente für den Import nach Russland. Diese Informationen können nur vom Kunden bereitgestellt werden.” Die Wartung der Turbine sei ein Routinevorgang. “In den letzten zehn Jahren gab es keine wesentlichen Komplikationen.” Die aktuelle Genehmigung Kanadas sehe auch vor, dass weitere Turbinen von Siemens Energy in Montreal gewartet und danach ausgeführt werden könnten.” Wir sehen daher zum jetzigen Zeitpunkt keinen Zusammenhang zwischen der Turbine und den durchgeführten beziehungsweise angekündigten Gasdrosselungen.”

(Bericht von Bericht von Mark Trevelyan und Holger Hansen, redigiert von Ralf Bode und Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Russland dreht Gashahn weiter zu – Liefermenge auf 20 Prozent halbiert

Moskau/Berlin (Reuters) – Nur wenige Tage nach der Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 hat die russische Gazprom eine Halbierung der Liefermenge angekündigt.

Der russische Staatskonzern teilte am Montag mit, die Gaslieferungen würden auf 33 Millionen Kubikmeter pro Tag von mehr als 160 Millionen Kubikmetern bei voller Kapazität verringert. Dies werde ab Mittwoch gelten. Dies entspräche einer Pipeline-Auslastung von etwa 20 Prozent. Derzeit läuft sie mit etwa 40 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, es beobachte die Lage mit der Bundesnetzagentur und dem Krisenteam sehr genau. “Es gibt nach unseren Informationen keinen technischen Grund für eine Reduktion der Lieferungen”, sagte eine Sprecherin.

Erst am Donnerstag voriger Woche hatte Gazprom nach einer zehntägigen Wartungsunterbrechung wieder Gas durch die Pipeline geschickt. Die erneute Verringerung begründete der Konzern nun damit, dass eine weitere Turbine gewartet werden müsse.

Der Chef der für die Regulierung der Gasmärkte zuständigen Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hatte zunächst mitgeteilt, die Anmeldungen für den Pipeline-Gasfluss seinen bereits für Dienstag halbiert worden. Er korrigierte sich aber kurz darauf, und erklärte, die Nominierungen bezögen sich auf Mittwoch.

Gazprom hatte zuvor im Streit um eine Gasturbine von Siemens Energy nachgelegt, die zur Wartung in Kanada war und nun von Deutschland aus nach Russland zurückgelangen soll. Das Unternehmen habe Unterlagen von Siemens Energy erhalten, aber es seien immer noch Fragen offen im Zusammenhang mit den von der EU und Großbritannien verhängten Sanktionen.

Das Wirtschaftsministerium widersprach dieser Darstellung. Dort herrscht ohnehin die Einschätzung, die bereits gewartete Turbine werde von Russland nur als Vorwand genutzt, um den Gasdurchfluss zu reduzieren und damit im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine Druck auf Deutschland und die Europäische Union (EU) auszuüben. “Die sanktionsrechtlichen Genehmigungsvoraussetzungen für die Auslieferung der in Rede stehenden Turbine liegen vor”, sagte eine Sprecherin. “Kanada hat die nach kanadischem Recht notwendige Ausnahmegenehmigung erteilt. Nach den EU-Sanktionsrecht ist keine Ausnahmegenehmigung erforderlich.”

(Bericht von Bericht von Mark Trevelyan und Holger Hansen, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Ukraine fürchtet nach Raketen-Angriff stockendem Getreide-Export

– von Natalia Zinets

Kiew (Reuters) – Nach dem russischen Raketen-Angriff auf den Schwarzmeerhafen Odessa hat die Ukraine Sorge um Verzögerungen des vereinbarten Getreide-Exports geäußert.

Das Land könne eigentlich insgesamt 60 Millionen Tonnen Getreide im Lauf von acht bis neun Monaten ausführen, sollte die russische Blockade der Schwarzmeerhäfen tatsächlich aufgehoben werden, sagte der Wirtschaftsberater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Oleh Ustenko, am Sonntag im Fernsehen. “Der Angriff am Samstag zeigt jedoch, dass das so nicht funktionieren wird.” Halte sich Russland nicht an das Abkommen, werde der Transport 20 bis 24 Monate in Anspruch nehmen. Die unter türkischer und UN-Vermittlung geschlossene Vereinbarung vom Freitag sieht den Schutz der Getreide-Schiffe vor. Die Ukraine und Russland gelten als die größten Getreide-Exporteure weltweit und einige der ärmsten Länder sind auf die Lieferungen angewiesen.

Am Samstag, dem Tag nach dem Abkommen, waren russische Raketen im Hafen von Odessa eingeschlagen. Russland sprach von einem Angriff auf militärische Ziele. Das ukrainische Radio berichtete, die Geschosse hätten nicht die Getreidesilos oder Docks in der Nähe getroffen. “Wir setzen unsere technischen Vorbereitungen für die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus unseren Häfen fort”, sagte Infrastruktur-Minister Olexander Kubrakow. Gegenwärtig exportiert die Ukraine lediglich auf dem Landweg vergleichsweise geringe Getreidemengen.

Das Land hat seine Häfen am Schwarzen Meer zur Verteidigung vermint. Russland wiederum hat ukrainische Häfen besetzt oder blockiert. Mit dem Abkommen soll eine sichere Passage durch Minenfelder, besetzte Gewässer und schließlich durch den Bosporus ins Mittelmeer möglich werden.

RUSSLAND RÄUMT ANGRIFF AUF ODESSA EIN

Die russische Regierung räumte den Angriff auf Odessa ein. Dabei seien ein ukrainisches Kriegsschiff und von den USA gelieferte Raketen zerstört worden. Es habe sich um Seezielflugkörper vom US-Typ Harpoon in einem Lagerhaus gehandelt, berichteten russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau. Dafür habe das russische Militär Langstreckenraketen mit Präzisionssteuerung eingesetzt. Die Ukraine erklärte, zwei der russischen Raketen seien beim Anflug abgeschossen worden.

Die Ukraine und westliche Staaten werten die Attacke als Bruch des Export-Abkommens. Präsident Selenskyj sprach von einem barbarischen Angriff der zeige, dass man Vereinbarungen mit Russland nicht trauen könne.

Der russische Angriff auf die Ukraine begann am 24. Februar. In den vergangenen fünf Monaten ist Russland nach einem fehlgeschlagenen Vormarsch auf Kiew im Osten des Landes vorgerückt und hat auch Teile des Südens besetzt. Russland spricht von einer Spezialoperation zur Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine und gibt an, die russischen Streitkräfte schössen nicht auf zivile Ziele. Angaben der Kriegsparteien zum Verlauf der Kämpfe können häufig nicht unabhängig überprüft werden.

KÄMPFE IM SÜDEN DER UKRAINE

Das ukrainische Militär teilte am Sonntag mit, dass Russland den Beschuss vieler Orte an den Fronten im Norden, Süden und Osten am Sonntag fortgesetzt habe. Im Donbass, dem Osten des Landes, bereiteten demnach die russischen Kräfte einen Angriff auf die Stadt Bachmut vor. Angesichts des russischen Beschusses forderte die zweitgrößte ukrainische Stadt Charkiw ihre Einwohner auf, mit der U-Bahn statt auf den Straßen unterwegs zu sein. “Nutzen Sie öfter das Metro-Netz, denn es ist die sicherste Möglichkeit, von A nach B zu kommen”, schrieb Bürgermeister Ihor Terechow im Internet-Dienst Telegram. “Die vergangene Woche hat gezeigt, dass der Aggressor nicht einmal mehr vorgibt, auf militärische Ziele zu schießen.”

(Geschrieben von Markus Wacket und Hans Busemann, redigiert von Jörn Poltz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Russland macht Weg für ukrainische Getreideexporte frei

– von Ezgi Erkoyun und Max Hunder

Istanbul/Kiew (Reuters) – Russland, die Ukraine und die Türkei haben am Freitag ein Abkommen unterzeichnet, das die Wiederaufnahme der Getreideexporte aus den ukrainischen Schwarzmeerhäfen vorsieht.

Dies schürt Hoffnungen auf eine Entspannung der Nahrungsmittelkrise in vielen Ländern. UN-Generalsekretär Antonio Guterres und der türkische Präsident Tayyip Erdogan, die bei diesem Durchbruch in Istanbul vermittelt hatten, sprachen davon, dass die Einigung mithelfen werde, die weltweite Nahrungsmittelkrise zu lindern.

Russland war am 24. Februar in das Nachbarland Ukraine einmarschiert, was unter anderem zu einer Blockade wichtiger ukrainischer Häfen wie Odessa führte, über die ukrainisches Getreide in alle Welt verschifft wurde. Beide Länder gehören zu den weltgrößten Produzenten. Seit Kriegsausbruch sind die Getreidepreise weltweit massiv gestiegen. Minister beider Regierungen unterzeichneten am Freitag das Abkommen getrennt, wobei sie es sorgfältig vermieden, an einem Tisch zu sitzen und sich bei der Veranstaltung in Istanbul die Hand zu geben. Russland war durch Verteidigungsminister Sergej Schoigu vertreten.

“Heute gibt es ein Leuchtfeuer am Schwarzen Meer”, sagte UN-Generalsekretär Guterres. Er rief Russland und die Ukraine auf, das Abkommen jetzt auch vollständig umzusetzen. Die UN und die Türkei bemühten sich seit zwei Monaten um ein von Guterres als “Paket” bezeichnetes Abkommen, das die Wiederaufnahme ukrainischer Getreideexporte aus dem Schwarzmeerraum und die Erleichterung russischer Getreide- und Düngemittellieferungen vorsieht.

TASS: HAFEN VON ODESSA WIRD WIEDER GEÖFFNET

Details des geplanten Abkommens waren zunächst noch nicht bekannt. Russlands staatseigene Nachrichtenagentur Tass meldete aber, dass drei ukrainische Häfen – darunter Odessa – wieder geöffnet werden sollten. In den Silos im Hafen von Odessa stehen rund 20 Millionen Tonnen Getreide zur Ausfuhr bereit, Dutzende Schiffe sitzen fest. Die USA begrüßten die sich abzeichnende Übereinkunft und betonten, dass Russland die Vereinbarungen auch umsetzen müsse. Die Regierung in Moskau weist Vorwürfe zurück, für die Verschärfung der Lebensmittelkrise verantwortlich zu sein. Sie kritisiert den Westen für Sanktionen und die Ukraine für das Verminen von Zufahrten zu russischen Schwarzmeerhäfen.

Hochrangige UN-Beamte sagten am Freitag vor Reportern, dass die Vereinbarung voraussichtlich in einigen Wochen voll umgesetzt werden könne. Die sichere Ein- und Ausfahrt in die und aus den Häfen werde im Rahmen eines “De-facto-Waffenstillstands” für die betroffenen Schiffe und Einrichtungen garantiert, hieß es, obwohl das Wort “Waffenstillstand” im Text der Vereinbarung nicht vorkommt.

Nachdem die Ukraine im Rahmen ihrer Verteidigung gegen die seit fünf Monaten andauernde russische Invasion nahe gelegene Küstengebiete vermint hat, würden ukrainische Lotsen die Schiffe durch sichere Kanäle in ihren Hoheitsgewässern leiten, hieß es. Die Ukraine hatte die Entfernung der Minen aus Angst vor folgenden russischen Angriffen abgelehnt. Unter der Aufsicht eines Gemeinsamen Koordinierungszentrums mit Sitz in Istanbul würden die Schiffe dann durch das Schwarze Meer zur türkischen Meerenge Bosporus fahren und von dort aus die Weltmärkte erreichen, so die UN-Beamten. Die Vereinbarung gilt für 120 Tage, kann aber verlängert werden.

Das russische Außenministerium hatte während der Vorbereitungen zu der Vereinbarung erklärt, die EU habe die Lockerung einiger Sanktionen in Aussicht gestellt. Laut Diplomaten geht es bei der Übereinkunft unter anderem um eine sichere Passage für ukrainische Getreideschiffe durch verminte Hafengewässer. Zudem solle die Türkei mit Unterstützung der UN Frachter inspizieren, um russische Bedenken über Waffenschmuggel zu zerstreuen. Das Nato-Mitglied Türkei unterhält gute Beziehungen sowohl zu Russland als auch zur Ukraine.

Hoffnung auf Abkommen zu ukrainischen Getreideexporten

– von Ezgi Erkoyun und Max Hunder

Istanbul/Kiew (Reuters) – Die Aussicht auf eine Vereinbarung zwischen Russland und der Ukraine zu Getreide-Exporten über das Schwarze Meer schürt Hoffnungen auf eine Entspannung der Nahrungsmittelkrise in vielen Ländern. Die Vereinten Nationen (UN) teilten am Freitag mit, das Abkommen solle um 16.30 Uhr Ortszeit (15.30 Uhr MESZ) in Istanbul unterzeichnet werden. Das russische Präsidialamt erklärte, Verteidigungsminister Sergej Schoigu werde zur Unterzeichnung in der Türkei sein. Aus der Ukraine wird Insidern zufolge der Infrastrukturminister erwartet. Eine offizielle Bestätigung der Regierung in Kiew stand noch aus. Präsident Wolodymyr Selenskyj deutete aber an, dass die ukrainischen Schwarzmeer-Häfen bald wieder geöffnet werden könnten.

Laut der türkischen Regierung soll der Termin im Beisein von Präsident Recep Tayyip Erdogan im Istanbuler Dolmabahce-Palast stattfinden. Die Türkei hatte die Pläne bereits am Donnerstag angekündigt. Die UN teilten weiter mit, neben Vertretern Russlands und der Ukraine werde auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres an der Zeremonie teilnehmen. Das Außenministerium in Kiew sprach am Donnerstagabend noch von weiteren von den UN geleiteten Gesprächen in der Türkei. Selenskyj sagte in einer Videoansprache, am Freitag sei mit Blick auf eine Aufhebung der Hafenblockade mit Nachrichten der Türkei zu rechnen.

Die UN und die Türkei bemühen sich seit zwei Monaten um ein von Guterres als “Paket” bezeichnetes Abkommen, das die Wiederaufnahme ukrainischer Getreideexporte aus dem Schwarzmeerraum und die Erleichterung russischer Getreide- und Düngemittellieferungen vorsieht. Beide Länder gehören in diesem Bereich zu den wichtigsten Exporteuren. Die Blockade ukrainischer Häfen durch die russische Schwarzmeerflotte und westliche Sanktionen gegen Russland haben weltweite Lieferengpässe verschärft, die Lebensmittel- und Energiepreise schossen in die Höhe.

TASS: HAFEN VON ODESSA WIRD WIEDER GEÖFFNET

Details des geplanten Abkommens waren zunächst noch nicht bekannt. Russlands staatseigene Nachrichtenagentur Tass meldete aber, dass drei ukrainische Häfen – darunter Odessa – wieder geöffnet werden sollten. In den Silos im Hafen von Odessa stehen rund 20 Millionen Tonnen Getreide zur Ausfuhr bereit, Dutzende Schiffe sitzen fest. Die USA begrüßten die sich abzeichnende Übereinkunft und betonten, dass Russland die Vereinbarungen auch umsetzen müsse. Die Regierung in Moskau weist Vorwürfe zurück, für die Verschärfung der Lebensmittelkrise verantwortlich zu sein. Sie kritisiert den Westen für Sanktionen und die Ukraine für das Verminen von Zufahrten zu russischen Schwarzmeerhäfen.

Das russische Außenministerium hatte während der Vorbereitungen zu der Vereinbarung erklärt, die EU habe die Lockerung einiger Sanktionen in Aussicht gestellt. Laut Diplomaten geht es bei der Übereinkunft unter anderem um eine sichere Passage für ukrainische Getreideschiffe durch verminte Hafengewässer. Zudem solle die Türkei mit Unterstützung der UN Frachter inspizieren, um russische Bedenken über Waffenschmuggel zu zerstreuen. Das Nato-Mitglied Türkei unterhält gute Beziehungen sowohl zu Russland als auch zur Ukraine.

Russland war am 24. Februar in die benachbarte Ex-Sowjetrepublik einmarschiert und hat sein Vorgehen als Spezialeinsatz mit dem Ziel bezeichnet, militärische Kapazitäten zu zerstören sowie gegen als gefährlich eingestufte Nationalisten vorzugehen. Die Ukraine und ihre Verbündeten sprechen von einem Angriffskrieg.

(Unter Mitarbeit von Orhan Coskun in Ankara sowie Emma Farge in Genf, geschrieben von Elke Ahlswede, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Türkei – Abkommen zur Wiederaufnahme ukrainischer Getreideexporte am Freitag

Kiew/Istanbul (Reuters) – Russland und die Ukraine werden nach Angaben der Türkei am Freitag eine Vereinbarung zur Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte über das Schwarze Meer unterzeichnen.

Das Büro des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan teilte am Donnerstag mit, an der Unterzeichnung in Ankara nehme auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres teil. Die Ukraine ist eine der größten Getreideexporteure der Welt. Die Blockade ukrainischer Häfen durch Russlands Schwarzmeerflotte hat die Getreidepreise weltweit drastisch ansteigen lassen und eine internationale Nahrungsmittelkrise ausgelöst. Dutzende Schiffe sitzen fest, rund 20 Millionen Tonnen Getreide stehen in den Silos des Hafens von Odessa zur Ausfuhr bereit.

Details des Abkommens sind noch nicht bekannt. Diplomaten hatten vor rund einer Woche erklärt, es gehe unter anderem um eine sichere Passage ukrainische Getreideschiffe durch verminte Hafengewässer und eine Waffenruhe während der Schiffsbewegungen. Zudem solle die Türkei mit Unterstützung der Vereinten Nationen die Frachter inspizieren, um russische Bedenken über Waffenschmuggel zu zerstreuen. Das ukrainische Außenministerium erklärte am Donnerstag, es gehe um ein Dokument, das Russland und die Ukraine verpflichte, sichere Exportrouten im Schwarzen Meer zu gewährleisten. Die Ukraine werde aber nur zustimmen, wenn die Sicherheit der südlichen Regionen der Ukraine, “starke Positionen” der ukrainischen Streitkräfte im Schwarzen Meer und sichere Exporte ukrainischer Agrarprodukte garantiert seien.

Die Vereinten Nationen und die Türkei bemühen sich seit vielen Wochen um ein von Guterres als “Paket” bezeichnetes Abkommen, das die Wiederaufnahme ukrainischer Getreideexporte aus dem Schwarzmeerraum und die Erleichterung russischer Getreide- und Düngemittellieferungen vorsieht.

(Bericht von Max Hunder und Michelle Nichols, geschrieben von Zuzanna Szymanska, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

Neue Kämpfe in der Ukraine – Laut USA hohe russische Verluste

(Reuters) – In der Ukraine gingen die schweren Kämpfen am Donnerstag im Donbass im Osten des Landes weiter.

“In der Region Luhansk gibt es wahrscheinlich keinen einzigen Quadratmeter Land, der von russischer Artillerie noch verschont geblieben ist”, schrieb Gouverneur Serhij Hajdaj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. “Der Beschuss ist sehr intensiv.” Die russischen Streitkräfte hörten erst dann mit den Angriffen auf, wenn ihr Material ermüde. Für Aufsehen sorgten russische Berichte, ukrainische Kräfte hätten das Atomkraftwerk bei Saporischschja mit Drohnen angegriffen. Eine Stellungnahme der Ukraine lag zunächst nicht vor.

Nach Angaben des ukrainischen Militärs kommen die russischen Truppen bei ihren Versuchen, im Donbass weiter vorzudringen, kaum voran. Informationen zum Kampfgeschehen lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Britischen Geheimdienstberichten näherten sich die russischen Streitkräfte offenbar dem zweitgrößten Kraftwerk der Ukraine in Wuhlehirsk, rund 50 Kilometer von Donezk entfernt. “Russland räumt der Eroberung von kritischer Infrastruktur wie Kraftwerken Priorität ein”, teilte das britische Verteidigungsministerium unter Berufung auf seine Geheimdienste mit. Die russischen Truppen versuchten zudem ihrem Vorstoß auf die Städte Kramatorsk und Slowjansk einen neuen Schub zu verleihen.

Nach Berechnungen der Vereinigten Staaten sind bislang rund 15.000 russische Soldaten im Krieg mit der Ukraine ums Leben gekommen. “Die jüngsten Schätzungen der US-Geheimdienste gehen von etwa 15.000 getöteten (russischen) Soldaten und vielleicht dreimal so vielen Verwundeten aus. Also erhebliche Verluste”, sagte CIA-Direktor William Burns auf dem Aspen Security Forum in Colorado. “Und auch die Ukrainer haben gelitten – wahrscheinlich etwas weniger. Es gebe aber auch hier deutliche Verluste. Aus Russland sind keine aktuellen, offiziellen Zahlen zu getöteten Soldaten bekannt. Am 25. März hieß es, 1351 russische Soldaten seien gefallen. Die Ukraine erklärte im Juni, dass täglich 100 bis 200 ihrer Soldaten bei Kämpfen ums Leben kämen.

Russland hatte der Ukraine am Mittwoch vorgeworfen, in der teilweise russisch besetzten Region Saporischschja Anlagen am dortigen Atomkraftwerk mit zwei Drohnen angegriffen zu haben. Dass es keine Schäden und eine “von Menschen gemachte Katastrophe” gegeben habe, sei reines Glück gewesen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Das AKW ist das größte in Europa. Die Berichte konnten unabhängig nicht überprüft werden. Die Regierung in Kiew hatte Russland zuvor vorgeworfen, Truppen nahe des Kraftwerks zu stationieren und dort auch Militärausrüstung zu lagern.

(Reuters-Bericht. Geschrieben von Elke Ahlswede. Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

Trockenheit setzt Wäldern immer stärker zu – Borkenkäfer breitet sich aus

Berlin (Reuters) – Steigende Temperaturen und anhaltende Trockenheit setzen den Wäldern in Deutschland zusehends zu.

Dies begünstigt nicht nur das Entstehen von Waldbränden, sondern auch die Ausbreitung von Schädlingen wie dem Borkenkäfer, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im Jahr 2021 wurden demnach aufgrund von Insektenschäden insgesamt knapp 41,1 Millionen Kubikmeter Schadholz eingeschlagen. Dies entspricht einem Anteil von 81,4 Prozent an dem durch Waldschäden bedingten Holzeinschlag – ein neuer Höchstwert. Der Anteil hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als vervierfacht: 2011 waren Insektenschäden noch für 18,4 Prozent des eingeschlagenen Schadholzes verantwortlich.

Ein Grund hierfür ist die rasante Verbreitung des Borkenkäfers in den heimischen Wäldern. Dieser befällt vorrangig Fichten, die darüber hinaus häufig in Monokulturen gepflanzt wurden. Inzwischen stellt der Befall durch Schädlinge die Hauptursache für den Schadholzeinschlag in deutschen Wäldern dar. “Weitere für das Absterben der Bäume letztlich ausschlaggebende Einschlagsursachen wie Trockenheit (7,9 Prozent) und Wind oder Sturm (4,6 Prozent) spielten 2021 nur eine untergeordnete Rolle”, erklärten die Statistiker.

(Bericht von Reinhard Becker, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)